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Hersfel-er Tageblatt

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Nr. 132

Freitag, den 17. Oktober

1924

Das Wichtigste.

— Die ganze Welt ha llt anber von der deutsches Großtat des Zeppelin. Nun geht der Kampf um die Erhol tung der Zeppelin-Werft in Friedrichshafen.

— Die Regierungsumbildung steht fetzt nach bem vollkommenen Scheitern der Marxschen Pläne vor der Beschlußfassung über die Reichstagsauf. lösunfl. i

— Die deutsche Anleihe würbe auch in London überzeichnet. i

Der Zeppelin in Lakehurst.

Die Uebernahme des Zeppelin. ^

Nach Meldungen aus Lakehurst wurde Dr. Ecken« von dem Marinesekretär Wilbur nach Washington be­rufen, um dort eine . »

Quittung über drei Millionen Dollar entgegenzunchmen. Dies« Vorgang stellt nicht eine Kassa-! transaktion vor, sondern bedeutet einfach, daß Deutschland durch die Ablieferung des Z. R. III diesen Betrag von den Kriegsschulden an Amerika ausgetilgt hat. Es heißt, daß die Tranksaktion im Einklang mit dem Reparationsplan stehe.

Der antet ifanifd)e Name des Zeppelin.

Der offizielle Name des Z. 9t III wird wahrscheinlich ,,Nokomi s" sein, d. h. Tochter des Mondes. Das Schwesterschiff des Z. R. III führt den Namen „Shenandoah"; dies bedeutet Tochter der ©lerne. i

Der Marinesekretär Wilbur soll den Namen „Mutter Gottesengel" befürworten.

Die amerikanische Presse gegen die Zerstörung der Zeppelin- _ werke.

Am Abend nach der Ankunft des Z. R. III wurde mit der Gasentleerung begonnen und die deutsche Flagge niedergchott. Bor der geschlossenen Halle stehen zwölf'Matrosen Posten. Die amerikanischen Zeitungen brin­gen lange Artikel, Meldungen und Bilder des Luftschiffes über den Wolkenkratzern. Alle erkennen die großartige Lei­stung des Z. R. III an und heben die große Bedeutung der Atlantikfahrt für die künftige Entwicklung des internatio­nalen Verkehrs hervor; sie unterstreichen dabei stark, daß der Zeppelin kein Kriegsfahrzeug mehr sei, sondern ein Pionier des wirtschaftlichen Fortschritts. Teilweise gehen die Zei­tungen auch auf die Frage ein, ob die Zeppelinwerke auf Grund des Versailler Vertrages zerstört werden dürften. Sie sprechen sich einmütig und scharf gegen ein solches Verlangen aus. Die „New York Times" schreiben: „Der Zeppelin kann als Triumph des deutschen Genius und als Vorbild friedlicher Arbeit bejubelt werden. Durch Versailles verlor Deutschland die Früäste sein« Erfindung. Bald aber wurde erkannt, daß der Handel nach solchen Luftschiffen verlangte und daß der Frieden sie beanspruchte. Der Zepqielin ist wirklich d« Pro- nie- des industriellen Verkehrs. Durch den Atlantifflug hat sich der Zeppelin als Transportmittel für Passagiere und Sracht «wiesen. *

V Die Botschaft des amerikanischen Präsidenten.

Präsident E o o l idge hat an den Fiihrer des Zeppelin- Luftschiffes, Dr. Eckener, folgende Botschaft «richtet:

Ich gratuliere Ihnen zu der erfolgreichen ttansatlanti- toten Reise des großen Lenkluftschiffes, das Sie aus Deutsch­land nach den Vereinigten Staaten geführt haben. Diese Reise ist nicht nur ein aufregendes Erlebnis und ein glän­zendes Abenteuer, sie ist weit mehr ein epochemachender Er- folg weil sie wie nie zuvor, die Möglichkeit von sehr weiten Fernflügen mit Luftschiffen des Leichter-als-Lnst-Systems chargetan und auch deren Fähigkeit erwiesen hat, bedeutende Frachtmengen und eine erhebliche Anzahl von Fahrgasten^ Mitzuführeru Die Geschrcklrchkeit und dre Tuch-! ^takelt der deutschen Techniker rm Bau von

wunderbaren Luftfahrzeugen und Ihr« Geschicklichkeit, das Luftschiff so erfolgreiche pud ohne Unterbrechung ober Zwischenfall! «on Friedrichshafen nach Lakehurst zu fuh-

»in Ereignis von weltwertemInter-i »He Mir und dem amerikanischen Volk ist es eine große! ^enugiuung, daß friedliche Beziehungen zwischen! Deutschland und Amerika wieder voll hergestellt sind und die-! orvße Luftschiff den ersten direkten Flug zwischen Deutsch- Kb Amerika glücklich vollendet hat. Ich hofft, daß Ihr «Aufenthalt in den Vereinigten Staaten ein angenehmer sein und daß die wertvollen Dienste, die Sie mit der Ueber-! Sln-uiiq des Luftschiffes geleistet haben, Sie Ihr ganzes Heben lang mit Stolz und Genugtuung erfüllen werden. ,

Dr. Eckeners Botschaft an Amerika.

wr« nr Eckener unter dem Jubel der A «senden in ! L a! e h u r st aus der Kabine des Z.R.HI stieg erklärte ex:

„Ein neuer Weltrekord von 5006 Meile« echtes ununterbroche­nen Fluges." Dr. Eckener fuhr denn fort: „Der erste Teil unserer Reise war schön, der letzte Teil vollzog sich bei schwerem Wetter. Von Dienstag 5 Uhr bis heute 5 Uhr sümpften wir gegen das Wett« mit einer Schnelligkeit von 55 bis 60 Meilen die Stunde. Wir änderten unseren Kurs von der direkten Linie ab, als wir auf der Fahrt von den Azoren nach Lakehurst waren, weil wir fanden, daß wir in sich erhebende Südwestwinde und in ein kleines Tiefdruck­gebiet steuerten. Am Montag abend machten wir 45 Meilen die Stunde. Wir steuerten nach Neuschottland in einen süd­östlichen Mnd und kamen dann in schneller Fahrt längs der Küste südwärts, wobei wir zwischen den Kreuzern „Milwaukee" und „Detroit" hindurchfuhren, ohne einen zu sehen. Ein günstiger Wind trieb uns nach Lakehurst, nachdem wir Boston und dann New York mit einer durchschnittlichen Schnelligkeit von 90 Meilen passiert hatten. So, meine Herren, sind wir! jetzt hier."

Während Z. R. III über New York freiste, wurde ein I Fallschirm abgeworfen, an den ein kleiner, an den „International News Service" adressiert« Post­sack gebunden war. Dies« wurde von dem Find« prompt in das Büro des genannten amerikanischen Nachrichtendienstes abgeliefert. In dem Postsack befand sich eine Botschaft Dr. Eckeners an die Bevölkerung New Yorks und an das - amerikanische Volk. Die Botschaft lautet wie folgt:

„New York, wir grüßen dich! Angesichts Der Silhouette dies« herrlichen Riesenstadt neigen wir den Bug unseres Luft­schiffes und grüßen das ganze amerikanische Voll mit auf­richtig« Freude. Wir hegen die zuversichtliche Hoffnung, doch unsere Fahrt über den Ozean eine Epoche freundschaftlich« und fruchtbar« Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Volk«» anbahnen wird, eine Epoche gemeinsamer Weiter­entwicklung des unsterblichen Werkes des Grafen Zeppelin, des (Eroberers d« Lüste. In diesem Sinne wollen wir Hand in Hand an d« Ausgabe arbeiten, durch Ueberbrückung von Zeit und Raum alle Nationen immer enger miteinander zu verbinden. Der Kommandant und die Mannschaft des 8. R. III übermitteln durch den „International News Service* der Bevölkerung von New York unb dem ganzen aurerika- * w* * -*” "-- -»*>«■■ ? 8.R.M ■

hatte noch so viel Benzin an Bord, daß er noch rund 1200 Meilen hätte fliegen können. Er traf in Lakehurst mit VTonnenBenzin und e iner halben Tonn eOef ein. Er verlor unterwegs 35 % feiner vollen Leistungsfähig­keit durch Ablässen von Wasserstoff aus den Gaszellen. <*

vi Der Reichspräsident

hat an Dr. Eckener in Lakehurst folgenbes Telegramm gerichtet:

Nach glücklicher Ozeanfahrt begrüße ich mit dem ganzen deutschen Volke und seiner Regierung Sie und die tapfere Besatzung Ihres Luftschiffs aufs Herzlichste. Ihre Tat wird als Großtat in der Geschichte fortleben. Möge Z. R. III auch auf seinen weiteren Fahrten Künder deuffchen Könnens sein, möge er seinem Berufe, den freien und friedlichen Wettbewerb aller Völker zu fördern-, mit bestem Erfolg dienen. Ebert, Reichspräsident, j

Der Dank der württembergischen Staatsregierung.

Aus Anlaß der glücklichen Landung des L. Z. 126 hat die württembergische Staatsregierung folgendes Glückwunsch- telegramm an den Luftschiffbau Zeppelin in Friedrichshafeu ; gerichtet: ;

Zu dem herrlichen Sieg deutschen Erfindergeistes, deutsch« ; Technik und deutschen Wagemuts herzlichen Glückwunsch. ■ Württemberg gedenkt heute mit Stolz seines großen Sohnes, des Grafen Zeppelin, und banst den Männern, die in seinem Geiste das Wunderwerk stufen, und denen, sie es in stolz« Fahrt ums Schwäbische Meer und über den Ozean führten, für ihre unvergleichliche Leistung. Möge die Wett, die voll Bewunderung vor dieser Leistung steht, Dafür sorgen, daß die Menschheit nicht durch unverständliche gerftörungsforbe« ; tun gen um diese hohe Errungenschaft des menschlichen Geistes firm« gemacht wird, möge Z. R. III nicht der letzte, sondern der erste einer großen Reihe von stolzen Ozeankreuzern des Luftschiffbaus Zeppelin in Friedrichshafen fein.

Frankreich und die Zeppelin^ahrt.

Sämtliche Paris« Blätt« veröffentlichen >n langen innitrierten Leitartikeln Berichte über die A m e r i t o f a h r t des Z. R. III. Das „Petit Journal" erinnert bei dieser Gelegnheit an die denkwürdige Fahrt des L. 59 im Ämegsjahr 1917, d« 7300 km von Bulgarien nach Deutsch­ostafrika zurücklegte; ferner an die Fahrt des an Frankreich pb elicferten „Nordstern", des früheren Dixmuiden, im September 1923, der nach einer Fahrt von 7500 km abstürzte. Die Fahrt des Z. R. III, sagt das „Pettt Journal", stellt zweifellos einen Rekord dar, und man versteht den Stolz, der Deutschland, die Heimat der Zeppeline, durchzittert.

Aehnlich äußern sich fast alle Blätter. Das „Oeuvre" ist ehrlich genug zuzugestchen, daß die Trau« Deutschlands wegen Zerstörung der Werft in Friedrichshafen wohl berechtigt

sei. Auf alle Fälle hätten die Deuffchen ein M e i st e r st ll ck vollbracht. Vielleicht hätten sie mit dieser Fahrt ein, allzu gutes Propagandamittel gegen die Zerstörung der Werft von Friedrichshafen in der Hand. Aber gerade in Paris unb London werde man sich nur zu sehr der Kriegsjahre erinnern, um sich der begreiflich m Begeisterung über diese erfolgreiche Fahrt voll und ganz anzuschließen. Das „Echo de Paris" schreibt: Vom technischen Standpuutt aus muß man erneut den außerordentlichen Vorsprung anerkennen, den Deutsch­land im Ban d« starren Luftschiffe erreicht hat. Diese Fahrt fei ein Erfolg für die Deuffchen, aus welchem^ ihr Propa­gandadienst großen Nutzen zu ziehen verstehen würde.

Die Erhaltung der Zeppelin-Werft.

In einem Protestartikel gegen die drohende Vernichtung 6er Zeppelinwerft Fri edr i ch sha fen schreibt das „Wiener Tageblatt", es wäre nur ein Akt der Gerechtigkeit, wenn jetzt in allen Staaten her gebieterische Ruf nach Er- Haltung dieser historischen Stätte deutschen Ersindungsgeistes und deuffcher Tatkraft zum Zwecke weiterer friedlicher Betä- tigung im Interesse bet ganzen Menschheit laut würde. Die -„Reichspost" sagt: Friedrichshafen hat seine Notwendigkeit pir das internationale Leben bewiesen. Die Fovderung nach Erhaltung d« Werft am Bodensee muß daher eine inter­nationale sein. .Me Arbeiterzeitung schreibt: Es liegt gar nicht im Wesen des Zeppelinschiffes, ein Kriegsinsttument zu sein. Als solches hat es die Erwartungen vollkommen enttäuscht. Im Frieden aber ist es ein Wegbahn« zu um- wälzenden Fortschritten. Daher wird die noch aus der Kriegs­psychose geborene Fovderung der gerftörung der Zeppelin­werft hinfällig, wo Deuffchland Meisterwerke der Technik fertigen will, in dem stolzen Bewußffein, mit ihnen feine Kriegswaffen zu schmieden, sondern nur noch im Einklang mit dem Willen d« Arbeiterklasse ber Befreiung vom Kriege zu dienen.

Frankreich und die deutsche Anleihe.

Der srauzösische Antest an d« deutschen Anleihe in Höhe 2101.....M'sst wird Donnerstag und Freitag in Paris zur Zeichnung aufgelegt.

Dre nationalistische Presse von Paris fährt fort. Stim­mung zu machen gegen die Zeichnung der Da^wesanleihe in Frankreich. „Echo Nattonal" schreibt: Zeichnet die Anleihe nicht. Sie ist eine Gaunerei und ein Verrat! Hier­bei darf nicht übersehen werden, daMiese Stimme vor allem auch gegen die Regierung Herriot Propaganda machen wüt

Ein Unteroffizier und drei Mann.

Zu der Nachricht, daß meistere Raudorte des besetzte« Gebietes in den letzten Sagen militärisch geräumt worden feien, ist als für die Bedeutung dies« Maßnahmen bezeich­nend, festzustellen, daß zum Beispiel die ganze Besatzung von einem der Haupffächlichsten dies« Orte — Wesrhoven — aus einem Unteroffizier und drei Mann bestand. Die Stim­mung im Ruhrgebiet ist auch weiter, trotz all« hochtrabenden französischen Ankündigungen, außerordentlich skepttsch. Die Franzosen üben auch iurftrhalb des besetzten Gebietes viel­fach eine schärft Kontrolle auf Personalausweise aus. So wurden vor einigen Tagen auf ber Strecke Essen—Gelse«- kirche« 14 Fahrgäste fefigettommen, die keinen Personalaus­weis bei sich hatten. Von den B«hafteteu ist ein Teil nach Leistung einer Geldstrafe wird« entlassen worden, während ber übrige Teil in Haft behalten wurde.

Immer noch französische Kriegsgerichte.

Ein Eisenbahner, ber der Regie etwa 10 Zentner Koh- fen entwendete und nach der Entdeckung des Diebstahls nach Frankfurt geflüchtet war, wurde vom französischen Kriegs- gericht inWiesbaden in Abwesenheit zu fünf Jahr en, Gefängnis verurteilt. Vor demselben Gericht hatte sich, ein Frankfurter wegen Paßvergehens zu verantworten. Er war nicht zum Termin erschienen und hatte telegraphisch um Sertagung gebetenl! da seine Frau vor 6er Nieder­kunft stehe. Sein Antrag wurde vom Verteidiger und vom Staatsanwatt unterstützt. Das Gericht gab ihm statt. Der Fall ist darum bemerkenswert, weil es das erstemal ist daß eine Verhandlung vom französischen Kriegsgericht vertagt wurde, falls ber Angeklagte nicht erschienen war. Bis jetzt wurden diese Angeklagten stets in Abwesenhett und zwar: zu recht hoh«r Strafen verurteilt.

Irsumung von Oorimun-.

ist nach den Vereinbarungen zwischen den deuffchen ^le­gierten und dem General Degoutte im Stahlhof in Düssel­dorf nunmehr auf den 22. Oktober festgesetzt. Die neue; Besatzungslinie verläuft denn folgendermaßen: Lichne, Men- ! gebe (geräumt), Kastrop (besetzt), Hürde (besetzt), Stockn», (besetzt) bis zur Ruhr bei Syburg. An der Ruhr sind bie' Zollposten: Kronberg, RemscheL), LemM, MzpMM 1M* I Ronderach (bKWtH geeäumt). - ■