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Hersftl-er Tageblatt

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Nr. 133 (Erstes Blatt)

Hersfelöer Kreisblatt'

Amtlicher Anzeiger für den kreis Hersfelö

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Sonnabend, den 18. Oktober 1024

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Das Wichiigfle.

Me Regierungsumbildung ist nun auf dem toten Punkt angelonyt. Man verhandelt zurzeit über die Bildung einesKabinetts der Persönlichkeiten".

Die Franzosen machen nun Propaganda für den Bau eines französischen Zeppelins als Preis für die vorläufige weitere Erhaltung der Fried« xächshafener Werft.

Ä an t o n ist in Brand gesteckt worden.

Die Franzofen treiben an der Ruhr glatte Er » »Stil uns.

Wochenrückblick.

Die jüngste stberwäMgende Großstet deutschen Geister, ldeutschen Könnens, deutschen Wagemutes, die kühne AmeritN- fahrt des letzten Zeppelins der Friedrichshafener Werft, des sietzten Meisterstücks Deutschlands auf dem Gebiete des Luft­wesens, beherrscht allgewaltig die (Erörterung aller öffentlichen tDinge bei uns in Deutschland daheim, wie in der ganzen Welt. : Diese deutsche Großtat bannt aller Orten, in der ganzen Melt die gesamte Öffentlichkeit derart, daß vor chr, wie ^automatisch, eine Erörterung aller anderen politischen sDinge fast verstummte. Bei uns in Deutschland verblasste sogar das Interesse an der latenten Regierungskrise, als die doch die Bestrebungen des Reichskanzlers Marx um die so- «Senannte Regierungsneubildung von Anfang an anzusprechen waren. Fast sang- und klanglos wird sich nun in diesen Tagen die natürliche Entladung dieser parlamentarischen Entwicklung vollziehen, derweilen der Blick der Deutschen in ihrer Mehrheit hingerichtet ist nach Lakehurst, dem vorläufigen Endziel des jüngsten Zeppelins der deutschen Friedrichs­hafener Werst.

Aber auch in allen anderen Staaten drängte die Amerika- r'WfeÄ8^ M Erörterung jeoer anderen !politischen Frage so gut wie in den Hintergrund. In Amerika Achwieg für Tage der Kampf um die Präsidentenwahl, in England trat in MacDonolds recht prägnanter Wahlschlacht eine merkliche Atempause ein, und auch in Frankreich, wenn auch recht widerwillig, verdrängte die allbeherrschend« Zeppelin-Erörterung den Meinungsstreit um die Anerkennung Sowjettußlands, um das Feilschen in dem Handel um 'deutsch-französische und französisch-belgische Handelsverträge.

Die gesamte Kulturwelt hallt wider von der unein­geschränkten Anerkennung deutschen Geistes und deutscher Führung auf dem Gebiete der erst jungerschlossenen Eroberung der Luft. Die rückhaltslose Anerkennung dieser deutschen Großtat durch die Botschaft des amerikanischen Präsidenten Evolidge an den Führer des Zeppelin-Luftschiffes vr. Eckener bei seiner Ankunft in Amerika, die Hervorhebung dieser Bühnen Amerikafahrt alsein Ereignis von weltwertem ^Interesse", sind Worte aus dem Munde Amerikas, die in 'Deutschland all und überall freudigen Widerhall finden werden. Aber auch das, was Dr. Eckener beim Ueberfliegen New Parks als deutsche Botschaft, als deutschen Gruß an die Amerikaner von seinem Luftschiff aus herabwarf, muß als eine ebenso besonnene, wie geschickte politische Tat zur Weiteren Verständigung Amerikas und Deutschlands bewertet werden. Diese einfache und doch so selbstbewußte stolze Sprache des deutschen Mannes und deutschen Ingenieurs, sie sticht so herzerquickend erfreulich ab von den vielfach ver­schwommenen Verlautbarungen deutscherDiplomatie" in tiefen Tagen ernstester deutscher Notzeit.

Indessen, wie schon mehrfach in diesen Zeppelin-Tagen ausgeführt, in diese berechtigte Freude, in diesen berechtigten Stolz der Deutschen mischt sich ein recht bitterer Wermuts- tropßen: die Sorge um die Erhaltung unserer Friedrichs­hafener Zeppelinwerft, nachdem nun der jüngste Zeppelin die große Halle in Friedrichshafen verlassen. Diese Sorge ist, was gar nicht geleugnet werden kann, eine recht bitter ernste, die Sprache unseres erbarmungslosen Hauptbedrückers und Hauptquälers Frankreich in dieser Beziehung eine recht klare, eindeutige. Gewiß, es ist wieder einmal ein Schul­beispiel französischer Gewaltgelüste und französischer Scham­losigkeit auf dem Gebiete der politischen Macht, wenn die französische Nation ihren Aerger über die klar zutage liegende «MeberrageiüM deutschen Geistes, deutschen Erfindergenies, deutscher Führung in den Schrei nach der Vernichtung, nach der Zerstörung deutscher Werkstätten dieses Geistes gießt. Das, was der französische Unterstaatssekretär Eynac im Matin" angesichts dieser großen Deutschtat sich nicht schämt Aber die Zerstörung der Friedrichshafener Werke zu sagen, gehört ebenso zur ureigensten Naturgeschichte des sattsam be- kannten französischen Sadismus, wie das einstimmige schämige ; Eingeständnis der gesamten nationalistischen Pariser Presse, daßder Zeppelin dem deutschen Volke wieder Vertrauen jgegeben habe in seine Stärke und in das Genie seiner

Wohl hallt zur Stunde die Welt wider von Protesten gegen diesefranzösische Unverschämtheit", von Protesten gegen einen brutalen Zerstörungswillen angesichts so klarer ^weise deutscher Kultur, deutscher Führungsmission in der Mft, Aas leider Mp Stzurde postttsch recht ichluyqchtW

Deutschland der Gegenwart wird aber doch recht gut tun,1 auf diese jüngste Ausgeburt französischen Zerstörungswillens i ein recht wachsames Auge zu haben. Bei dieser hochernsten j Frage kann es sich wahrlich nicht darum handeln, etwa die Friedrichshafener Zeppelinhalle als eine Art Museumsstück zu erhalten, nein, der Kampf geht darum, diese Werkstätte deutscher Führung auf dem Gebiete der Eroberung der Luft in Tätigkeit als Werkstätte der Weltkultur zu erhalten. Um die Widerstände, die sich dem leider ohne jeden Zweifel ent­gegenstemmen, siegreich zu überwinden, gehört in der jetzigen hochernsten politischen Zeit allerdings führendes diplomati sches Geschick. Möge eine gütige Vorsehung uns auch aufdiesem Gebiete endlich die Männer und die Köpfe senden und an die Spitze stellen, die wir heute in dieser ernsten Zeit so bitter nötig haben.

Kr.

Frankreich und das Schicksal der

Friedrichshafener Werft.

DasJournal" beschäftigt sich mit der Frage der Aer- , störung der Lustschiffanlagen von Friedrichshafen und be- merkt u. a., daß es verständlich sei, wenn Deutschland mit Stolz auf die Leistung des Z. R. III zurückblicke; aber ein ; Teil der deutschen Presse versuche, aus diesem Erfolg der deutschen Industrie einen politischen Feldzug zu konstruieren, um gegen einen Teil des Versailler Vertrages zu protestieren. Das Blatt verweist auf Artikel 202 des Vertrages, und zwar im einzelnen auf Absatz 3, Teil 5, wonach alles militärische Material für Luftschiffahrt und Schiffahrt an die alliierten und assoziierten Mächte zu übergeben ist. Mit Ausnahme von 100 Wasserflugzeugen, die zum Aufsuchen von Minen bestimmt sind. DasJournal" meint, daß nunmehr die 'interalliierte Kontrollkommission unter General Wal ch, dem Nachfolger des jetzigen Kriegsministers Rollet, unter Bezug­nahme auf Artikel 204 von Deutschland die Durchführung des Artikels 202 verlangen werde. Sollte Deutschland sich weigern, nach den, .HMmuWen_LLs-L

dann würden die Alliierten den Obersten Rat einberufen. Frankreich ist in diesem Rat durch Marschall Fach und General Desticker vertreten. Die Vertreter Englands, so fügt das Blatt hinzu,, werden sich des Krieges erinnern, und die Regierung werde sich an die Meinung des Obersten Rats holten. Jedenfalls sei aber noch nicht in der nächsten Zeit mit diesen Maßnahmen zu rechnen, da man erst ab­warten werde, wie die Verhandlungen zwischen Frank­reich und Deutschland wegen der Lieferung eines ähnlichen Lufts chiffes w ie Z. R. III aus­gehen werden. Sollte die Reparationskommission sich ein­verstanden erklären, so würden die Anlagen in Friedrichs­hafen noch auf eine Reihe von Jahren erhalten bleiben. Schließlich, so meint dasJournal", könne ein Zeppelin- kreuzer von den Ausmaßen des Z. R. III keine K riegs- ro a f f e darstellen. Sollte sich der Oberste Rat der Alliierten wirklich mit dieser Angelegenheit beschäftigest- so würden die Argumente beider Seiten vollkommener berücksichtigt werden.

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Jean Herbette schreibt in derInformation", daß die Amerikafahrt der Beginn einer neuen Periode sei. Es sei das erstemal, daß die Deutschen, denen man ihre Flotte und ihre Kolonien genommen habe, dar einmütige Gefühl hätten, daß sie wieder eine Rolle in der Weit spielen. Deutsch­land habe seinen Elan gefunden. Es handle sich nur darum, zu wissen, ob dieser (Elan Europa zum organisierten, gewisser­maßen föderativen Frieden oder zum zermürbenden Kampfe führe. Bei dieser entscheidenden Wahl könne die Frage der Zeppeline eine wichtige Rolle spielen.

Eine Kundgebung der Gräfin Zeppelin.

DieAssociated Preß" in New Pork veröffentlicht nach­stehendes an sie gerichtetes Telegramm der Gräfin Hella von Brandenstein-Zeppelin:

Mit Dank gegen Gott und unsere tapfere Besatzung er­halte ich soeben die Kunde von der glatten Landung des Luftschiffes in Lakehurst. Zu meiner großen Freude ist nun der Gedanke und Wunsch meines Vater, daß seine Luftfahr­zeuge einst zum friedlichen Verkehr zwischen den Ländern dienen möchten, zur Wirklichkeit geworden. Wie hätte er sich über die Leistung des Z. R. 114 und den begeisterten Empfang in Amerika gefreut, das ihm seit seiner Teilnahme am Sezessionskrieg bis zu seinem Lebensende in guter Erinnerung geblieben ist! Möge das amerikanische Volk Freude erleben an dem Bahnbrecher für deutsche Arbeit stnd Wissenschaft.

In einer Ansprache bei einem Essen zu. Ehren der Offi­ziere des Luftschiffs Z. R. III in Washington sagte der Marinesekretär Wi lbur, er widrsche, baß das Luftschiff ein Friedenssymbol werde zwischen Deutschland, den Vereinigten Staaten und allen anderen Mächten der Welt. Als der Frie­den sfürst in Bethlehem geboren wurde, sangen die Engel: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden!" In Er­innerung an diesen Engelssang will ich Z. R IIIL o s Angeles" nennen. Dr. Eckener sagte in seiner Erwide- ^MWW HoHMt W W.Miff M FMWssWW

werde, sei auch von hervorragenden deutschen Persönlichkeiten vor seiner Abfahrt zum Ausdruck gebracht worden. Wilbur brächte beim Beginn des Essens einen Trinkspruch auf den .Präsidenten der Deutschen Republik und den Mräsidenten der Verein gten Staaten aus.

Die Negieruugs nie auf dem toten Punkt.

Dk Versuche des Reichskanzlers Marx, nun ein Ka­binett der Persönlichkeiten zu bilden, sind über taftenbe Vorbereitungen nicht hinausgekommen. Es ist auch fraglich, ob das Bestreben des bisherigen Reichskanzlers zum Ziele führen wird. Damit ist nicht gesagt, daß es zur Reichstagsauflösung kommen muß; denn bekannt- lich find die Spannungen besonders im Zentrum und in der Demokratischen Partei so stark, daß genannte beide Parteien sehr stark gegen jeden Versuch, den Reichstag aufz »lösen, arbeiten.

Die deutsche Anleihe

Die deutsche Anleihe wird in London inoffiziell bereits mit zwei Prozent Aufschlag bewertet. Man erwartet einen weiteren Kursgewinn noch^vor der ersten Notierung. Die Zuteilung dürste mehrere Tage be­anspruchen. Bisher erfolgte noch keine offizielle Mitteilung über die Höhe der Zeichnung. Die französischen Finanziers suchen englische Partner für die Zeichnung der Pariser An- leihequote. Die sehr animierte Anleihestimmung sucht die Morningpost" durch den vorsichtigen Hinweis zu dämpfen, daß der Dawesplan nur ein Experiment sei, und daß noch nicht alle Hindernisse für die Entwicklung der deutschen Finanzen beseitigt seien.

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In Stockholm wurden 16 Millionen von der inter­nationalen deutschen Anleihe von derEmskildabauk, der Göte- burger Bank, der Skandinavischen Kredit Aktiengesellschaft und der Svenska Handelsbank aufgelegt und waren schon mach e zu er h^schn» ,Lt un d e e all gezeich­net. Man rechnet damit, daß der gezeichnete Betrag nicht nur die 16 Millionen Kronen, sondern den ganzen)w-bischen Anteil, nämlich 23,74 Millionen, deckt.

Die RuhrkommSdie.

Aus dem Ruhrgebiet wird gemeldet: Die franzö­sische Besatzung verlang für die von ihr bisher benutztem Räume von den deutschen Quartier gebern die Bescheinigung, daß die Räume in dem Zustand znrSSgegebea wurden, iw dem sie übernommenworden sind, daß also keine auf die Be­satzung zurückzuführenden Schäden eingetreten sind. Nach den tatsächlichen Verhältnissen kann der deutsche Quartier­geber eine solche Bescheinigung in fast keinem Falle ab­geben. Daß die Benutzung durch Soldaten nicht als sorg­fältig bezeichnet werden kann und daß die Quartiere schon nach kurzer Zeit eine unverhältnismäßig starke Abnutzung aufweisen, haben die Erfahrungen des letzten Jahres zur. Genüge gezeigt. Trotzdem geht die französische Besatzung von dieser Forderung nicht ab, sie macht sogar die endgültige Freigabe von der Unterschrift abhängig. Zwar erklärte sie zunächst, daß die Unterzeichnung der Erklärung nur bebau ten würde, daß in den Quartieren keine mutwilligen Beschä­digungen von den Angehörigen der Besatzungstruppen an­gerichtet worden seien, und darum diese Erklärung ohn« wer-, teres unterzeichnet werden könne, eine Weigerung also als böserWille!! aus gelegt werden müsse. Als dann vo« deutscher Seite verlangt wurde, den Wortlaut des Forum- lots demgemäß abzuändern, wurde dieses Verlangen von französisch«: Seite glatt abgelehnt. Die französische Besatzung besteht weiter auf der Leistung der Unterschrist und sucht diese unter Anwendung von allerlei Druckmitteln zu erpressen. So rückt sie zur Beitreibung der Unterschrist mit bewaffneten Gendarmen heran, unter der An­drohung, bei Verweigerung der Unterschrist zur Verhaf- tung, kriegsgerichtlichen Verurteilungen und Ausweisungen zu schreiten. Unter diesem bewaff­neten Zwang hat eine ganze Reihe deutscher Quartiergeber die Unterschrist geleistet. In viele» Fällen konnten die Un­terschriften von den deutschen Quartiergebern nicht verlangt werden, weil diese ausgewiese« nnd zurzeit noch nicht zurück­gekehrt sind. Die Besatzung zwang dann andere im gleichen Hanse wohnende Anwohner zur Unterschrift. Der Zweck dieses Vorgehens ist anscheinend der, der Welt zu zeigen, daß die französische Besatzung die Quartiere im Ruhrgebiet fd£ schonend und geradezu mustergültig behandelt hat.

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- Neuer Nuhrkredit.

Der Ruhrbergbau hat, nachdem er vor kurzem einen Kredit von fünf Millionen Dollar erhalten hatte, nunmehr einen weiteren Kredit von zweieinhalb Millionen Dollar durch Vermittlung des Nerv-Yorker Bankhauses Goldman«, Sachs & Eo. auf nehmen können. Der Zinssatz hierfür ist, wie die Deutsche Bergwerkszeitung" erfährt, günstiger als für den vorausgegangenen Fünf-RÜllionen-Kredit. Zu bemerken ist, < daß diese Darlehen von insgesamt siebeneinhalb Millionen j Dollar von der Ruhrkohle-A.-G. ausgenommen worden M,