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Hersfelder Tageblatt

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Herefelöer Kreisblatt'

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

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Nr. 139 (erstes Blatt)

Sonnabend, den 25. Oktober

1924

vor wichtigen Entscheidungen.

Die Befürchtung, daß der gegenwärtige Wahlkampf !Sie außenpolitischen Interessen des Reiches ernsthaft ge­fährden könne, scheint sich nach den Auffassungen der --------------- ~-------------eise nicht zu bestätigen. Biel- and dem Ansg

unterrichteten Negiert _ .^ _ . _ wehr sieht das ganze Ausland dem Ausgang der deut-, gche« Wahlen mit der denkbar größten Aufmerksamkeit jentgegen, weil allgemein die Notwendigkeit einer Kon­solidierung der parlamentarischen Verhältnisse aner­kannt wird. In den nächsten Wochen treten wieder eine Reihe wichtiger außenpolitischer Probleme in ein akutes

Stadium ein, sodatz sich daraus bestimmte unmittelbare Zusammenhänge mit den bevorstehenden Wahlen er­geben. Wie wir hören, neigt die abschließende Revision der interalliierten Militärkontrolle nunmehr ihrem Ende entgegen. Der bisherige Verlauf der Kontrollmaßnah- men ist, wie bereits von den beteiligten Stellen aus- 'drücklich betont worden ist, vollauf befriedigend. Dem­nach wird also gegen Ende Dezember die Konferenz der .'alliierten Regierungen darüber zu beschließen haben, ob nunmehr endlich mit der interalliierten Militärkontrolle in Deutschland Schluß gemacht werden wird. Der Ge- samtzustanö der außenpolitischen Lage ist augenblicklich ganz befriedigend, sodatz zweifellos ernsthafte Aussich­ten auf die endgültige Beseitigung der Militärkontrolle bestehen.

Es ist nicht ganz ohne Bedeutung, in diesem Sta­dium der Entwicklung auf die wirkliche Stimmung im «Auslande hinzuweisen. Aus den Kommentaren, beson­ders der englischen und der italienischen Blätter, — von den französischen Stimmen kann man aus sehr nahe­liegenden Gründen absehen — geht ohne weiteres her­vor, daß die europäischen Mächte mit einer nunmehrigen Festigung der deutschen Verhältnisse rechnen und sich der Erwartung hingeben, daß nach den Wahlen in Deutschland eine arbeitsfähige parlamentarische Basis zustande kommt, die es der deutschen Regierung gestat­tet, ihre bisherige Außenpolitik fortzuseßen. In den maßgebenden Regierungskreisen hat man den Eindruck, daß das Vertrauen des Auslandes in eine geordnete Entwicklung der deutschen Verhältnisse außerordentlich groß ist, und man weist bei dieser Gelegenheit auf den bcispiellos gl^^cn KrüHn her ü^.y,^ Durchschnitt - bis Fünfzehnsache überzeich­net worden ist. Dieses ertrauen des Auslandes kann als Gradmesser für die Aussichten der künftigen Antzen- politik Deutschlands gelten. Die deutsche Diplomatie wird es nicht mehr nötig haben, die denkbar größten Anstrengungen zu machen, um die Welt von der Not­wendigkeit zu überzeugen, daß Deutschland zu seinem Wiederaufbau der ungestörten Entfaltung seiner Kräfte bedarf und vor einer Wiederholung der Eingriffe in seine Existenzrechte von außen her bewahrt bleiben muß. Dieser Umstand macht sich gerade jetzt bei der Frage der Aufrechterhaltung der deutschen Zeppelinanlage« i# Friedrichshafen geltend. Um so mehr besteht nach Auf- fassung der leitenden diplomatischen Stellen des Berli­ner Auswärtigen Amtes, die den parteipolitischen Aus­einandersetzungen absolut sernstehen die unbedingte Notwendigkeit, daß diesmal ein arbeitsfähiger Reichs­tag zustandekommt, der auf parlamentarischer Grundlage die Regelung der Regierungsgeschafte gestattet. Da-' durch würde auch der außenpolitische Kurs eine einheit­liche, feste Linie bekommen, wodurch die Rückkehr Deutschlands zur Weltgeltung und Anerkennung als Großmacht erleichtert würde.

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Die Mobilmachung

de politischen Parteien.

Bei den Dem,^rationalen hat Staatsminister Hergt den Parteivorsitz nieder gelegt. Der Parteivorstand nahm den Entschluß des Parteiführers zur Kenntnis, sprach ihm den herzlichsten Dank für seine erfolgreiche und selbstlose Leitung der Partei aus und richtete an ihn die einmütige Bitte, als Mitglied der Parteileitung weiterhin der Partei feine Kraft zur Verfügung zu stellen. Mit der Parteifüh­rung wurde bis zur salzungsmäßigen Neuwahl der Partei­instanzen der Vorsitzende der preußischen Landtags'fraktion, >v. Winkler, betraut. Zugleich wurde der Großadmiral von Tirpiß einstimmig zum Mitgiled der Parteileitung ernannt.

Der Parteivertretertag, an dem die endgültige

Wahl des Vorsitzenden stattfinden wird, wird vermutlich erst am Ende dieses Jahres stattfinden. Die Sitzung der Morsttzenden der Landesverbände, die ursprünglich für den kommenden Montag vorgesehen war, ist verschoben wor. den und wird voraussichtlich erst Anfang November stattfinden.

Die Wahlparole der Deutschen Volkspartei.

Wie das Organ der Deutschen Volkspartei, „Die Zeit*, mitteilt, ist in der Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses der Partei einmütig beschlossen worden, daß die Deutsche Polkspartei den Wahlkampf selbständig, ohne An- lehnung nach links oder rechts, führen soll. Das Blatt schreibt weiter: „Die Deutsche Volkspartei wird ihre -bisherige Polifik der inner«m Konsolidierung auch

iweitechin verfolgen. So wie bisher die Außenpolitik der Deutschen Volkspartei eine immer größere Anhängerschaft 'gefunden hat, so hofft sie auch, daß die Neuwahlen die -Grün d la ge für eine Zusammenfassung im- mer größerer Kräfte auf der Linie der Deut­lichen Volkspartei in der inneren Politik «schaffen werden.

Hamm kandidiert nicht.

Die Wahlkreisorganisation der Deutschen Demokratischen Partei für Oberbayern und Schwaben hatte auf einstimmigen Beschluß ihrem früheren Vertreter, Reichsminister H a mm, erneut die Spitzenkandidatur angetragen. Hamm teilte je- voch mit, daß er nach zehnjährigem aufreibenden politischen Schaffen aus Gesundheitsrücksichten leider nicht in der Lage sei, die Last eines Wahlkampf diesnml auf sich zu nehmen.

Reichs-Landbund und Wahlkampf.

Die Präsidenten des Reichs-Landbundes haben m» die Mltglieder des Reichs-Landbundes nachstehenden Aufruf ge­richtet:

»Die Neuwahlen zum Reichstag und zu verschiedenen Landtagen am 7. Dezember 1924 stellen das deutsche Land.

vor ernste Entscheidungen. Durch das Gewirr der Aufrufe der einzelnen politischen Parteien und der wider- sprechenden Darstellungen der Parteipresse hindurch gilt es für die deutsche Landwirtschaft, klar zu erkennen, um was es bei den kommenden Wahlen geht. Die deutsche Landwirtschaft kann ihr hohes vaterländisches Ziel, das deutsche Volk aus dem deutschen Boden zu ernähren, nur dann erreichen, wenn die national-politische Beben- hing des Schutzes und der Intensivierung der landwirt­schaftlichen Produktion von der Regierung anerkannt und gefördert wird. Das deutsche Landvolk kann seine kul- tur- und rassepolitische Aufgabe, ein steter Quell der Er­haltung und Erneuerung deutschen Volkstums zu sein, nur dann verwirklichen, wenn es in seiner Eigenart auch in der Staatsleitung selbst gebühret zur Geltung kommt.

L>ezember für uns darum, Hie Voraussetzungen zu schaffen, daß der Etaatswille, der künftighin im Reich und in den Ländern herrscht, maß­gebend in national-, kultur- und wirtschaftspolitischer Hin- ficht durch das deutsche Landvolk mitbestimmt wird.

Wir halft» es daher für unsere Pflicht, unsere Mit- gheber aufzufordern, sich von Anfang an mit allem Nach­druck dafür einzusetzen, daß nursolchePersänlich, fetten auf die Stimmen des im Reichs- Landbund organisierten Landvolks zäh. len sönnen, die rückhaltslos persönlich dafür eintreten, daß bei den kommenden Regierungsbildungen in Reich und Lan- der« Landvolk und Landwirtschaft ihrer Bedeutungund Stärkeentsprechend in den ( Kabinette» selbst vertreten füll». Die Losung des Wahlkampfc rp; „Für nationale und christliche Volks­gemeinschaft gegen Internationale und Klassenkampf!"

Das Zentrum für den Eintritt der Deutschnationalen.

Von den Zentrumsabgeordneten Guerard und Läm­mer s, die das Zentrum bei den Verhandlungen mit den anderen Parteien in den letzten Wochen vertraten, wird eine Erklärung veröffentlicht, die sich gegen die Behauptung wen­det, daß die Zentrumsfraktion ihr verpfändetes Wort den Deutsch nationalen gegenüber nicht gehalten habe. Die Ren- trumsfralrion habe im Mai einstimmig auf dem Standpunkt gestanden, daß bei Annahine des Sachverständigengutachtens durch die deutschnationale Reichstagsfraktion diese eine ent­sprechende Vertretung in der Reichsregierung erhalten müsse. 'Die Fraktion des Zentrums habe ihm möglichstes getan, um eine Mitarbeit der Deutschnationalen in der Regierung her-. beizuführen. Die politischen Vorkommnisse haben deutlich .gezeigt, daß die Erweiterung der Regierung nicht an der «H a ltung des Zentr u m s, sondern an anderen Ur­sachen gescheitert sei

Immer noch Kriegsgerichivurieile.

Die „Frankfurter Zeitung" meldet aus Mainz: Das Kriegsgericht in Mainz verurteilte 69 Personen, die im Gebiet des Brückenkopfes Mainz ohne vorschrifts- m 8 ßi'ge Ausweise angehalten wurde». Und zwar wurden 49 Personen zu Geldstrafen von 5 — 70 Goldmark und 20 Perso nen z» Gefängnis­strafen von 6 — 20 Tagen verurteilt.

Belgiens Antwort auf das Memorandum.

Wie wir erfahren, ist die Antwort der belgischen Regie­rung auf das Memorandum der Reichsregier u n g vom 29. September über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund in Berlin eingegangen. Die Antwort be- sagt im wesentlichen, daß die belgische Regierung gegen einen ständigen Ratssitz für Deutschland feine Einwen­dungen erheben werde. Hinsichtlich der übrigen im Memo­randum aufgeworfenen Fragen venveist die belgische Regie- rungrung darauf, daß diese zur Kompetenz des Völkerbundes gehörten.

Die belgische Amerrfa-Anseihe.

Der amerikanische Bankier Morgan, der bekanntlich gegenwärtig in Paris weilt, wird in den nächsten Tagen in Trüffel erwartet, wo er mit dem belgischen Minister­präsidenten Theunis über die belgische Anleihe ver- handeln will.

Echusz-Förfter noch in Hast.

Wie der „Pester Lloyd" berichtet, befindet sich Schulz- Förster noch immer inBudapest in Polizeihaft, obwohl es schon entschieden ist, daß er aus Ungarn ausgewiesen und ab- geschoben wird. Hiermit habe es jedoch seine Schwierigkeiten, da feines der Nachbarländer geneigt sei, Schulz-Förster zu übernehmen. Es wird, so schreibt das erwähnte Blatt, nichts anderes übrigbleiben, als Schulz-Förster im Internietungs- laßer Zataegerszeg unterzubringen.

Die Militärrevolie in Peking.

5n Peking ist nach einer Reutermeldung eine Militär- revolte ausgebrochen. Die elfte Division der chinesischen

Armee unter Fengyufiang, dem Ehristengeneral, hat am Donnerstag ftüh gemeutert und die Tore der Stadt besetzt. Die Aufständischen habe» die Telegra­phen» und Telephonverbindungen unterbrochen, ebenso den Eisenbahndienst. Den Grund zu dieser Revolte gab die Nicht- bewilligung der Forderungen Fengyustangs, der die Ab­dankung des Präsidenten, die Einstellung der Feindseligkeiten gegen Tschangtsoliu sowie die Bestrafung der am Bürgerkrieg

Verantwortlichen verlangt hatte. Man ist der Ansicht, daß Fengyufiang und Tschangtsoliu gemeinsame Sache machen wollen. Der Bericht fügt hinzu, daß keine Gefahr für die Fremde» in Peking besteht.

^W^wvtjchastsrat.

Unter außerordentlich starker Beteiligung aller wirtschaftlichen Kreise trat der DoutscheLandwirtschaftsrat im Plemrr- sitzungssaale des Reichswirtschaftsrat« zu seiner 54. außerordenl- lichen Vollversammlung zusammen. Neben dem Reichsernährungs- minister Grafen Kanitz, dem Arbeitsrninister Dr. Brauns und dem Wirtschaftsminister Hamm waren sämtliche Ministerien durch ihre Referenten vertreten. Ferner sah man den Präsidenten der Rentenbank, Gcheimrat Senke, vom Industrie- und Handel«, tag Geheimrat v. Borsig, die Arbeitgeberverbände waren durch Dr. Tänzler vertreten. Ferner sah man den Präsidenten der Staatsbank, Vertteter der Ministerien, die Landwtrtschastsver- treter der Ministerien sämtlicher Länder und des Zentralverbandes der Landarbeiter usw.

In seiner Eröffnungsrede betonte der Präsident des Landwirt, fchaftsrates O r. Bra »bis ch, daß die Sitzuny auf eine Anregun aus Har-ern zufammenbe. . wsrt^« .... ... gox» der Bremer Tagung und der heutigen läge die A nn n ru e d er Dawes- gefege. Er wolle jedoch über diese kein Anrturtml fällen, denn die Landwirtschaft treibe Realpolitik, und es handele sich jetzt um die Frage, was zu geschehen habe. Die Regierung werde eine» wirtschaftlichen Aufbauplan aufsÄlen müsse«, und e» handele sich darum, welche Stellung die Landwirtschaft darr» ei»» nehm«» solle. Wir sind so in einen ständigen Krisenzustand hinein» gekommen, der verschärft worden ist durch eine ungeheuerliche Wetterkatastrophe. Um eine Hilfe wird die Regierung nicht herän»- kommen, sie muß schnell und auskömmlich sein. Falls sie in Form von Krediten gegeben wird, müssen sie langfristig fein und zu er­träglichen Zinsen gegeben werden. Der Wirtschaftsplan, der jetzt aufgestellt werden müsse und dem auch die breiten Massen der Arbeiterschaft zustimmen dürften, müßte in dem Sinne geschaffen werden, daß vor allen Dingen die Bildung eines aufnahme­fähigen Inlandsmarktes und eine vermehrte Pro­duktion durch entsprechende Förderung der Landwirtschaft durch, geführt werden. Geschehe das nicht, und würden die Fehler bet bisherigen Wirtschaftspolitik fortgesetzt, so würde es einen wirt­schaftlichen Zusammenbruch geben, von dem wir uns sicher nicht mehr erholen würden. Die Landwirtschaft verlange von b«i Regierung Hilfe, werde aber auch ihrerseits an einer schnelle» Beseitigung der Krise mitarbeiten.

Hierauf ergriff der Reichsernährungsminister Graf Aanik •bas Wort. Die Reichsregierung verfolge die heutige Tagcmg mit «großem Interesse ,denn gerade die Beratungen der Landwirtschaft hätten sich immer durch große Sachlichkeit ausgezeichnet. Wem» er heute auf die 12 Monate seiner eigenen Ministertätigkeit und twr wirtschaftlichen Entwicklung zurückblicke, so müsse er sage«^' daß die katastrophalen Preisschwankungen im j sierchen Bloße zu keiner anderen Periode zu verzeichnen gewesen eien. Dazu käme die Schwierigkeit der Kreditbesorgung. Sx* . ächlich sei es heute so, daß die Landwirte nicht einmal mehr die , Zinsen für ihre Kredite aufbringen könnten. Er empfinde es als chweren materiellen Schlag auch für die Landwirtschaft, daß di« politischie Krise infolge des Parlamentarismus, der bei uns ja noch in den Kinderschuhen steck«, für die ganze Wirtschaft solche Schwierigkeiten erbracht habe. Es handelte sich um die Z o ll- vorlag«, für die sich bei einigem Verständnis der Parteien ein durchaus gangbarer Weg hätte finden lassen. Die schwere Auf­gabe der Ueberführung der Rentenbank in eine landwirtschaftliche' Kreditbank ist durch die Krise ebenfalls hinausgeschoben worden. Drittens handelte es sich um den Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern und Gemeinden durch eine vereinfachte Steuerreform. Diese drei großen Aufgaben würden jetzt wohl um Monate zurück­gestellt werden müssen. Damit müssen wir uns abfiniden. Man werde ihm, dem Redner, heute vielleicht vorwerfen, daß er wieder eine rein agrarische Rede gehalten habe, aber er wäre ein schlechter Ernahruagsminister. wenn er nicht die Dinge beim richtigen Namen nenne. Er seinerseits werde daran mitarbeiten, der Land­wirtschaft eine neue Existenz zu gewährleisten.

9?^) einer kurzen Begrüßung des Geheimrats v. Borsla, der die Wünsche der Industrie über brächte, hielt Gast v. Keyfer-t lingk (Eamerari) einen Vertrag über LgWh«ixtkchaft unb fxtnbekei