Hersfel-er Tageblatt
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GersfelSer Kreisblatt" [
Hmtiicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö =
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Nr. 143
Donnerstag, den 30. Oktober
1924
Das Wichtigste.
? — Deutschnational« unD Zentrum haben nun ihre «Lahlaufrufe erlassen. Die ausgetretenen Mitglie- der Deutschen demokratischen Partei haben eine »tu« politische Partei »Liberale Vereinigung" gegründet.
— Frankreich hat nun die cke-iure-Anerkeu- »ung Sowjet-Rußlands vollzogen.
— Die Repko hat im Zuge ües Dawesabkommenr die sogenannte dritte Festel lung getroffen.
Der Aufmarsch -er Möchte für den nächsten Weltkrieg.
Trotz des matteren Häufleins ehrlicher Friedensfreunde, die aufrichtig daran glauben, daß die Kriege aus der Welt -geschafft werden könnten, und trotz des Völkerbundes, der angeblich den gleichen Zweck verfolgen soll, von dem es aber 'längst bekannt ist, daß ihn die Siegerstaaten nur als Mäntel» chen betrachten, unter dessen trügerischer Außenseite sie die Unterdrückung der Besiegten und der kleiner en Staaten ruhig fortsetzen können, und trotz der gegenseitigen Versicherungen Der Großmächte, daß die Aufrechterhaltung oes Friedens ihr höchstes Ziel sei, sieht der friedliche Weltbürger mit wachsender Beunruhigung in allen Ecken der Weit ein emsiges Hüften, das er mit diesen Versicherungen durchaus nicht in Einklang zu bringen vermag. Ueber Ostasien und dem ^Stillen Ozean zieht sich ein schweres Gewitter zusammen, das jeden Augenblick losbrechen kann und dessen -Auswirkungen sich leicht über die ganze Welt verbreiten könnten. Amerika hat die neue Abrüstungskonferenz vertagt. Dagegen hat es ausgedehnte Flotten- m a n ö v e r i m S t i l l e n Ozean abaebalten. Präsident W W-irVH^gvwraS^ vor wenigen Tagen, Amerika müsse eine Kriegsflotte besitzen, die sich jeder andern gleichwertig beiseite stellen könne. Die Vorbereitungen der Vereinigten Staaten für ihre Luftkriegsflotte werden in: einem Ausmaße betrieben, das dem Lande der unbegrenzten 'Möglichkeiten vollkommen entspricht. Auch sind bereits Maß- ^nahmen getroffen, um das gesamte Industrie- und Wirtschaftsleben sofort auf den Krieg um- stellen zu können. Der Feind ist Japan, und es handelt Och um die Interessen der beiden Länder im fernen Osten, vor allem um Rohstoffe, Eisen und Kohle. In Amerika ver- Hangt man einen Zusammenschluß mit England, das zwangsläufig an Amerikas Seite treten müßte, wenn es «richt den Vereinigten Staaten den Schutz Australiens und Meuseelands überlassen will. Hinter Japan, das nach der Vorherrschaft in Ehina strebt, stehen die Sowjets und 'Frankreich. Die Stimmen mehren sich, die von der U n - p ermoidlichkeit eines Krieges in Ostasien sprechen. Die innerchinesischen Wirren sind noch keineswegs beendet; es ist sogar sicher, daß seitens der Mächte manches geschieht, um die Parteien gegeneinander vorzutreiben. Ein- offener Neutralitätsbruch kann rasch zur Kata- !p r o p h e führen. Englands Besorgnisse gegenüber den neu- auflebenden Widerständen, die sich in Indien bemerkbar machen und hinter denen russische Einflüsse gesucht werden, machen sich wieder stärker bemerkbar. liebevoll Un- Mftiedenheit. Die Türkei, Persien, Arabien und Megypten weisen Brandherde auf, was England wegen seiner Verbindungen mit dem fernen Osten veranlaßt hat, bei Malta seine Mittelmeer- und atlantische Flotte zu- sammenzuziehen und besondere Sicherheitsvor- Nehrungen am Suezkanal zu treffen. Frank- .reich stärkt in der Mosulfrage der Türkei gegen Eng- Fond den Rücken und hat in K o n st a n t i n o p e l zu ver- jpehen gegeben, daß es trotz der beabsichtigten Anerkennung 'der Sowjetregierung einem türkisch-rumänisch- polnischen Zusammenschluß freundlich gegeniiber- stehen würde, da Rumänien einen russischen Angriff fürchtet, der sich auch auf Konstantinopel richten würde. In1 Frankreich ist man entsetzt über die Abrüstungsabsichten der skandinavischen Länder, weil England in einem solchen! Falle Herr über die Nord- und Ostsee werden und den Fran- ■ Hosen die Durchfahrt in die Ostsee gesperrt werden könnte, !falls es sich um eine Hilfeleistung für Polen handeln sollte.i Miner konservativen englischen Regierung, .aber traut man in Frankreich einen Anschluß an Deutschland zu, um Frankreichs übermächtiger Stellung in Europa ein Gegengewicht zu geben. Wie Italien sich bei diesem Aufmarsch der Mächte einzureihen gedenkt, ist heute ebenso unklar wie im Jahre 1914. Jedenfalls ist man Ach überall klar darüber, daß dieLage heute mindestens soernstist wie im Sommer 1914, daß es nur eines Anstoßes bedarf, um die Illusion vom Weltfrieden in die Luft fliegen zu lassen, und es ist angesichts der Lage in Mittgl-^
«uropa nicht zu bezweifeln, daß ein Krieg im fernen ^ x> st e n auch Europa in seinen Strudel reißen würde
St
Der Wahlkampf.
Deutschnationale Dolkspartei und Zentrum haben nun ihre Wahlaufrufe fertiggestellt und der Oeffentlichkeit übergeben.
Die aus der Demokratis chen Partei ausgetretenen Persönlichkeiten haben einen Aufruf zur Gründung einer neuen politischen Gruppe unter tem Namen „Liberale Vereinigung" erlassen. Der Aufruf ist unterzeichnet von C. F. v. Siemens, Reichsminister a. D. Schiffer, dem M. d. R. W. R. Hans Krämer, dem Stadtrat a. D. Bruno E i f e n f ü h r, Geheimem Regierungrat PrentzeI, Kommerzienrat Gerson, Simon und Rechtsanwack 8 ö p h e l - Leipzig. In dem A u f r u f heißt es unter anderm: „Die Ereignisse der jüngsten Zeit, die sich bis zur Auflösung des Reichstags verdichteten, haben den Beweis erbracht, daß die Deutsche Demokratische Partei eine Entwicklung genommen hat, die hiermit unvereinbar ist. Will die Parte:. wie ihre Führer und ihre Zeitungen noch bis in die jüngste geit verkündet haben und wie es auch der von ihr tatsächlich eingenommenen Haltung entsprechen würde, bei einer Scheidung zwischen rechts und links unbedingt nach links an bte Seite der Sozialdemokratie gehen, dann hat sie damit den Charakter einer Mittelpartei aufgegeben, die sich die Freiheit wahren muß, je nach ter politischen Konstellation auf die rechte Seite einer Linkskoalition oder auf die lmke Seite einer Rechtskoalition treten zu können." Reichskanzler Marx wieder Vorsitzender der Zentrumspartei.
Der Reichsparteitag des Zentrums wählte einstimmig den Reichskanzler Marx zum Parteivorsitzenden Zu Ehrenvorsitzenden wurden wieder gewählt: Reichskanzler a. -S. Fehrenbach, Dr. Herold, Dr. Porsch und Dr. Spah«.
Der Parteitag der Deutschen Dolkspartei. verleat^warten Er findet nunmehr am 13. und 14. November in Dortmund statt. Am 13. November tritt der Zentra-lvorstand zu einer Sitzung zusammen. Am 14. November sind die eigentlichen Pütteitagssitzungen, M deren Mittelpunkt ein Referat des Außenministers Dr. Strese- manu stehen wird.
Dr. Stresemanns Kandidatur.
Reichsaußenminister Dr. Streiemann hat auf die ihm durch einstimmigen Vorstandsbeschluß der Deutschen Volks- partei des Wahlkreisverbandes III wieder angebotene Spitzenkandidatur verzichtet, um für den Wahlkampf im ganzen Reich zur Verftigung zu stehen. Er wird voraus- sichtlich an der Spitze der Reichsliste kandidieren. Wie der Demokratische Zeitungsdienst" meldet, wurden in der demo- krattschen Parteileitung für die ersten vier Plätze wiederum Koch, Frau Dr. Bäumer, Erkelenz und. Dr. Fischer aufgestellt, ...
Der Parteitag der Mußischen Zentrumspartei.
Im Anschluß an den Reichsparteitag der deutschen ZeN- trumspartei trat Mttwoch vormittag im Reichstagsgebnude in Berlin die preußische Zentrumspartei unter dem Vorsitz des Geheimrats Dr. Porsch zusammen. Den Verhau dlun- qen wohnte auch Wohlfahrtsminister H i r t s i e f e r und der frühere Ministerpräsident S t e g e r w a I d bei. Das Haupt- wferat hatte der bisherige Landtagsabgeoebnete Gott- rbald-Berlin übernommen, der in ausführlichen Darlegungen die Haltung der preußischen Zentrumsfrattion recht- ! fertigte, die, ebenso wie das Reich,MntrUM, eine Politik der Witte gewichen habe.
. Der verhaftete Messen.
Das Präger Justizministerium hat gestattet, daß der reichsdeutsche Polizeibeamte, der mit der Untersuchung des Erzberger-Mörders betraut ist und der die Mitglieder der Organisation Conful schr genau kennt, mit tem in Preß- burg verhafteten angeblichen Mörder Tillessen konfrontiert werde. Ueber das weitere Schicksal des verhafteten i Tiliessep wird bangt das Präger IusttMiMfierimu ent- Mden, — >
(§in Reinfatt der interalliierten Militär- kontrollkommission.
Am 28. Oktober erschien eine Kommission der J.M.K.K. ' unangesagt in Span dau und verlangte, daß man ihr Avbeiter zur Verfügung stelle, um auf den Schießstauden Ausgrabungen vornehmen zu können. Die Ausgrabungen fanden statt und förderten an der von der Koin- unssion nach einer Karte angegebenen Stelle eine Anzahl von leeren Patronen und Wasserkästen für Maschinengewehre zutage. Das Vorgefundene Material 'befand sich in völlig verrosteten und unbrauchbarem Zustande. Anscheinend sind die Gegenstände schon vor Jahren bei einer der Unruhen, deren ■ Ort Spandau gewesen ist, auf den Schießständen vergaben
. worden. , ' ■
Die dritte Feststellung der Aepko.
Die Reparationskommission hat eine offizielle Sitzung abgetz.tten, in der sie die Mitteilungen der Regierungen Frankreichs und Belgiens zur Kenntnis nahm, daß die wirffchaftUche und fiskalische Einhett des Deuffcheu Reiches, dem Londoner Protokoll entfpredjenb, wiederhergestellt ist. Die Kommission stellte darauf in aller Form fest, daß die Wiederherstellung in der vereinbarten Frist erfolgte. Damit ist die vorgefchene dritte Feststellung erfolgt.
Wiederaufnahme der deutsch-englischen Handels- vekiragö-Verhandlungen.
Die deutsch - englischen Handelsvertrags - Verhandlungen werden in den nächsten Tagen wieder ausgenommen werden, nachdem die deutschen Anregungen auf Grund des unverbindlichen englischen Vertragsentwurfs in London günstige Aufnahme gestatten haben. Am Mittwoch und Donnerstag finden in Berlin noch einmal abschließende Besprechungen des Ressorts statt. Die darauf beginnenden Verhandlungen werden durch die Vermittlung der Botschaften in London und Berlin geführt werden.
Lufisch ffahrt ist no^
In einer soeben angenommenen Entschließung sortiert die Wissenschaftliche Gesellschaft für Luftfahrt sämtliche politischen Parteien Deutschlands auf, bei den bevorstehenden Wahlen in ihr W a h l p r o g r a m m die Forderung aufzunehmen auf Befreiung des deutschen Luftfahrzeugbaus und -Perkehrs von ihrer augenblicklichen Fesselung, um damit der Welt zu beweisen, daß das deutsche Volk einmütig der Ansicht ist, daß Luftschiffe und Flugzeuge für Deutschland in Zukunft nicht mehr die Bedeutung von Kriegswaffen haben, sonder einzig und allein den friedlichen Zwecken des völkerverbindenden -vm-wyrs inerten -formen uns ^»»MMte'
Nicht darf, heißt es in der Entschließung weiter, in sinn- loser Weise die L u f t s ch i f f b a u h a l l e i n F r i e d r i ck s> Hafen zerstört werden, in der L. Z. 126 erstand, dessen Leistungen die ganze Welt bewunderte! Nicht dürfen länger die Begriffsbestimmungen den Bau von wirklich leistungs- fähigen Verkehrslufffchiffen und Verkehrsflugzeugen für die Kulturzwecke des Verkehrs hemmen! Im freien Wettbewerb der Kräfte wollen wir Gelegenheit haben, im Luftfahrung- !bau und Luftverkehr die Kultur der Welt voranzilb. a.gen zum Segen späterer Geschlechter. Luftschiffahrt ist not! ;
Die Verschwendung bei der ^fieittatmee.
Die „Ere Nouvelle" veröffentlicht einen zweiten Artikel über die „Skandale im Rhein lande", in bcm es heißt: Die Redaktion bekomme seit einiger Zeit in zahllosen Briefen Berichte über die Verschwendung in den ein* ! gelnen Abteilungen der Rheinarmee. Es gehe wie ein Fieber durch die Besatzung. Einige Offiziere bezögen auf ungered)te Weise große geldliche Vorteile. Große Privat- fest e würden'von höheren Offizieren mit Staats» gelbem veranstaltet. Tausende von Litern von Benzin würden verschwendet; denn zahlreiche Autoniobile sichren uniher, lediglich zum Vergnügen der Offiziere vom General- stab und der Verwaltung. Ueber Regierung und Gesetzt setze man sich hohnlächelnd hinweg.
General Feng ermordet?
DeriDe aus Schanghai besage«, daß der christlichb General Feng ermordetworden wäre. Nach ein» amtliche« Mitteilung aus Tokio hat das japanische Kabinett beschlossen, von der Mandschurei nach Tientsin zwei weitere Kompagnien und eine Maschinengewehrabteilung zu entsenden. In Tientsin sind zwei japanische Torpedobootsjäger angekom- men und jetzt auch ein ftanzösisches und englische-' Kanonen- boot. Zahlreiche Militärzüge, die in der Richtung auf Peking fuhren, wurden wenige Kilometer vor Tientsin angehalte«.
Aus allen Provinzen werden großeTruppenver- s ch i e b u n g e n gemeldet. Weitere Meldungen besagen, daß die mandschurische Arniee das Feuer auf die Eisenbahn lrm« von Peking nach Schanlzaikwan eröffnet hat. Schwere Artillerie der Regierungstruppen bombardiert die feindlichen Stellungen. Ein Flugzeug der Armee des Generals Tschang ließ auf ben chinesischen Dampfer „Haichi eine Bombe fallen, wodurch das ganze Oberdeck des Kreilzers zerstört wurde. _ ’
Rußlands Anerkennung durch Frankreich.
Herrrot hat an T s ch i t s ch e r i n ein Telegramm gesandt, das besagt, daß Frankreich die Sv w jetregr er un z bedingungslos anerkannt. Das Telegramm fern dert zugleich Rußland auf, über die Regelung der schwebeirderK Fragen zu verh^rndeln, namentlich über die fyvagen, die dich Schulden und die ftoMsischeu IntereMu tz» RMM HH