Hersfelöer Tageblatt
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Nr. 150
Freitag, den 7. November
1924
Das Wichtigste.
Auf Grunb de s üeue» Goldnotenbank» Biese8es ist die Au sg>ab>« de^r neuen Goldnoten» M>m *< beschloss« worden.
— Die Wahlordnung für den preußischen Lnudtag ist nunmehr erlasse« worden.
— Auch die Auflösung des sächsischen Landtags ist beschlossen. Neuwahl-en finden ebenfalls mit b*-» Reichs tags wählen gemeinsam statt.
— Der Kaiser von Eh ina ist aus seinem Palast vertriebe.*. _ „ ~
Amerika, Weltirufie und wir.
Die große Menge der amerikanischen Bürger war bei den soeben getätigten Wahlen, wie das in dem internationalen Diplomatenjargon so schön heißt, total desinteressiert. Die äußere Politik interssiert an sich den Amerikaner weniger als den Bürger irgendeines anderen Landes und, soweit sie Europa betrifft, muß schon etwas Außergewöhnliches pafferen, um den einzelnen zu einer Stellungahme zu bewegen. Unb in bet inneren Politik lag auch nichts Wesentliches vor. Das, was vorlag, wurde von der Mehrheit der ameri». dänischen Bevölkerung mehr als eine interessante Borfüt^ Mng, als eine Augenblicksaktion bewertet.
Das Entscheidende für uns Deutsche, deren Verbindung Mit Amerika als Volk und Einzelperson heute ganz ausschließlich wirtschaftlich bedingt ist und in Zollfragen, Kredit- und Zinsbeziehungen, Handelsverträgen und Abstimmungen des Transferkomitees sich konzentriert, ist absolut bedeutungslos, bedeutungsvoll höchstens in dem Sinne, daß der Wahlausfall eine Stabilisierung und Unterstreichung des status quo durch die überwältigende Mehrheit für die Namen Hoolidge — Dawes bedeutet. Wir Deutsche können also den amerikanischen Wahlen nur das eine entnehmen, daß Amerika sich blind und mit nahezu Zweidrittelmehrheit hinter den Dawesplan gestellt hat, nachdem bei Auflegung der deut-
Für Deutschland sind die amerikanischen Wahlen voll- kommen belanglos. Viel wichtiger für unser Volk sind die. nach Annahme des Dawesplanes unternommenen Versuche auf dem Gebiete der Wirtschaftspolitik, wo einmal die Staaten amd Regierungen bei den Handelsvertragsverhandlungen Deutschland gegenüber ihren Standpunkt zur Geltung zu bringen suchen und andererseits gewaltige und mächtige pri- vatwirtschaftliche Gruppen in den verschiedenen Staaten, deren Interessen am Weltmarkt gleichgerichtet sind, mit den entsprechenden deutschen Stellen zu einer Einigung kommen wollen.
Der Ausgang der verschiedenen Verhandlungen über die Bildung deutscher und im Anschluß daran der Stellung dieser deutschen Syndikate innerhalb entsprechender internationaler Organisationen ist von entscheidender Bedeutung für die künftige Stel- Tun g der deuts chen Privatwirtschaft, aber auch für den einzelnen Deutschen. Entscheiden doch diese Der- Handlungen viel stärker als Reichstagswahlen und sonstige Aktionen über die künftige wirtschaftliche und klassenmäßige Gliederung Deutschlands. Drei Prinzipien stehen sich in wildem Kampfe gegenüber. Die Sozialdemokratie und die ihr verwandten Linksparteien mit dem unbedingten Gedanken der Herrschaft der Masse und der Bevorzugung der ungelernten Handarbeiterklaffe, die Rechtsparteien und die verschiedenen wirtschaftlichen Fachverbände mit dem Prinzip der Herrschaft der Leistung durch Vermittlung der Organisationen und ihres Selbstverrvaltungskörpers, und die dritte, leider kleinste Gruppe der Idealisten, die noch an die Herrschaft des, persönlichen Führertums im Reinmenschlichen glauben.
Sicherlich ist das letzte das Ideal, und ebenso sicher ist es auf absehbare Zeit bare Unmöglichkeit, in den, Kampf der Organisationen dieses Ideal durchzusetzen. Entscheidend ist die. internationale Weltwirtschaftslage und Wirtschaftspolitik. Deutschland ist mit den gewaltigen Mehrkosten belastet, die die Erfüllung des Dawesplanes ohne weiteres mit sich bringt. «Deutschland ist gezwungen zur Exportsteigerung, Deutschland kann sich nicht auf schränken- und systemlosen Unterbietungs- .wettbewerb einlassen, wenn es diesen Forderungen genügen soll. Deutschland braucht Syndikate, die mehr sind als die vergangenen, Syndikate, die Arbeitsgemeinschaften sind undi gleichzeitig höhere Preise bei geringeren Unkosten sichern, um von der Spanne die gewaltigen Steuern zu zahlen, die die Reparation erfordert. Als der Syndizierungsgedanke auf- tauchte, bestand noch die Aussicht, daß die Ausländex die Mehrheit der deutschen Werke erwerben könnten. Da war man für internationale Kartelle. Heute, nachdem man sich darauf eingestellt hat, sind es andere Kreise, die die internationalen Kartelle wünschen, und die Amerikaner haben nichts Eiligeres zu tun, als zu betonen, daß ihre Gesetze die ^eigene Beteiligung verbieten, während die Franzosen, die «ugrundegehen müssen, wenn sie nicht in ein deutsches Syndikat hineinkommen oder ihre Truppen als Erpresser in deutschen Werken lassen, durch ihre Regierung betonen lassen, daß sie am Syndikat kein Interesse haben, daß aber Deutschland buref) ein Syndikat vielleicht einen erträglichen Handelsvertrag I He komme. Wir sollten lernen. Wir haben auf die englischen Wahlen gehofft, früher auf die sv^zösischen, später auf die.
mnerikaNischen, . . Habe o inner auf alle anderen gewartet rmd nie gehandelt, damit die anderen sich nach uns richten mußten. Deutschland kann eine unbeschränkte Kartellpolitik nicht tragen, denn Deutschland ist ein armes Vo l k, aber Deutschland darf nicht vergessen, daß alle Industrie zugrundegehen muß ohne eigenen Rohstoff, ohne eigenes Halbfabrikat. Und die deutsche Regierung, der nwn sonst den Eingriff in die Kartellpolitik verbietet, sollte dafür sorgen, daß wir bald Kartelle, nein, daß wir Truste haben, die allen von deutscher Seite gebotenen Beschränkungen unterliegen, die aber dem Ausland gegenüber als eine Mauer dastehen zum E 'Be deutscher Wirtschaft. 31.
Die neuen Goldnotenscheine.
In den nächsten Tagen werden auf Grund des Bank- zesetzes neue Reichsbanknoten ausgegeben werden. Die Veränderungen innerhalb der Reichsbank in den letzten Monaten sind für den Verkehr selbst weniger bekannt geworden. Nun aber wird durch die Veränderung der Struktur und den Uebergang zur Goldwährung auch nach außen hin die Tatsache in Erscheinung treten. Während die Ren- Lenmark nur für den Verkehr im Zulande galt, werden die neuen auf Goldwährung lautenden Reichsbanknoten in demselben Maße dem internationalen Verkehr in Zahlung gegeben, wie es mit den anderen ausländischen Noten geschieht. Die Hauptsache einer Banknote ist ihr innerer Wert. Daß dieser Wert auch tatsächlich vorherrscht, wird heutzutage kaum irgendein Mensch bestreiten wollen. Noch vor einem Jahre herrschten überall schwerste Bedenken, ob es überhaupt mög- lid' sei, auf Grund einer Obligation, die nur hypothekarisch gesichert war, Noten auszugeben. Die Operation, um die es sich damals zweifellos handelte, ist geglückt. Die Renten- pmrk wird im Laufe der Zeit langsam aus dem Verkehr oer« Schwinden und den neuen Reichsbanknoten Platz machen. Zunächst ist allerdings an eine Einziehung der alten Billionen- scheine gedacht,......
Die Ausgabe der neuen Noten bedingt also eine vollständige Neuerung im gesamten Notenumlauf. Es ist nötig, daß möglichst schnell bis in die feinsten Kanäle der deutschen Wirtschaft die einzelnen Banknoten gelangen. Da mit der Herstellung der Reichsbanknoten erst begonnen werden konnte, als das Bankgesetz durch die Generalversammlung sanktio- •.tiert war, und andererseits die Aussichten für die Dawes- »nleihe günstig standen, so liegt zwischen den einzelnen Zeit- träumen und der Ausgabe in etwa acht Tagen nur ein kleiner Zwischenraum. rn dem die ungeheure Aufgabe der Herstellung bewältigt werden mußte. (Es war klar, daß unter diesen Bedingungen nur ek« Produkt zustande kam, das in erster Linie als Gebrauchsgegenstand geweitet werden muß, einfach und praktisch, aber ohne großen künstlerischen Aufwand. Trotzdem muß man sagen, daß die neuen Scheine alle Erwartungen übertroffen haben. Sowohl in der Handlichkeit! ane in künstlerischer Hinsicht entsprechen die Noten vollauf dem Geschmack. Die Größe der Scheine, die zunächst in Stücken von 10, 20, 50 und 100 Mark ausgegeben werden, beträgt 75 mal 150 Millimeter für den Zehner, steigend um je 5 Millimeter in der Höhe und 10 Millimeter in der Breite bis zur Größe des Tausender von 95 mal 190 Millimeter. Die Farbe ist bei den einzelnen Scheinen auf einen bestimmten Ton zugeschnitten, so daß die Fälschungen fast ausge- schloffen erscheinen. Der Tausend-Mark-Schein wird, wie in früherer Jett, die graue Farbe erhalten. Die Köpfe selbst, die auf den Scheinen sind, sind Stiche nach Gemälden von Hans Halbem dem Jüngeren Die Rückseite trägt neben reichem Guillochewerk die Wertbezeichnung sowie den Straf- Tatz. Das Papier besteht im Gegensatz zu den bisherigen Roten aus reiner Gespinstfaser und ist ungemein wider- ftandsfähig. Das Wasserzeichen trägt im Bogen das Wort MMMk Mk «My darunter stehenden Adler. p.
Ein neuer Staatsstreich in China.
Eine Londoner Meldung aus Peking besagt: Die Regie- mtng hat den gesamten kaiserlichen Besitz übernehmen wollen. Ber kaiserliche Palast wird streng bewacht. Der unmündige Kaiser ist aus dem Palast mit der gesamten mandschurischen Familie in den väterlichen Palast im westlichen Stadtteil über- gesiedelt. Die Vertreter der Republik haben die Siegel des Kaisers verlangt und ihm ein neues Abkommen aufgezwun- Oen, worin die Verringerung der großen Hofhaltung vorgesehen ist Ferner soll die bisher gezahlte Lebensrente im Betrage von vier Millionen mexikanischen Dollar auf 500 000 Dollar
Der „Times"-Korrespondent meldet aus Peking, daß die öffentliche Meinung hinter der Regierungsaktion gegen die -kaiserliche Familie dieHaud desSowjetvertretersz in Peking oder Sunjatsens vermute. Ob es sich um einen Raubzug gegen die in der Kaiserstadt angehäuften Schütze handelt aber die Wiederherstellung der Monarchie Vurch Tschangsolin verhütet werden soll, ist unklar. Der Hpis« Hot starke englische Neigungen.
Das endgültige amerikanische Wahlergebnis-
Rl^h dem jetzt vorliegenden endgültigen Wahlergebnis
hat Cooltdge 389 Stimmen erhalten. Für Davis wurde« 129 und für La Follette 13 Stimmen abgegeben.
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Es besteht die Möglichkeit, daß die Republikaner nur eine knappe Mehrheit im Repräsentantenhaus erhalten die aber so schwach sein wird, daß die demokratische prägte ioe Minderheit die größte Bedeutung haben wird.. Im Se mt werden die Demokraten und die Progressiven zusammen mindestens ebenso stark wie die Republikaner sein, vielleicht werden sie sogar eine knappe Mehrheit haben. Den Republikanern ist es äußerst unangenehm, daß die Progressiven als stritte Partei bestehen bleiben wollen.
Die Ziele der Deutschnationalen.
Vor dem Parteiivorstand und Vertretern der Partei- organisationen der Deutschnationalem Voilkspartei sprach der Vorsitzende der Partei
Dr. Makler
Eber die Wahlparole für die Partei, wie sie sich aus der gegenwärtigen politisck^n Lage ergebe. Er stellte seinen Ausführungen voran, daß der nationale Zug im deutschen Volke, der durch die Wahl im Mai zum Ausdruck gekommen sei, nicht in die Politik des Reiches übergegangen sei. Deshalb dürfe die Deutschnationale Volkspartei nicht weiterhin zurückgewiesen werden. Die Parteien, die die Bereitwilligkeit der. Deutschnationalen abgewiesen hätten, müßten jetzt auch die ungeheure Verantwortung dafür tragen. Dr. Winkler betonte, daß die Londoner Verhandlungen wesentlich anders »erlaufen wären, wenn sie von den Deutschnationalen geführt worden wären. Gin trauriges Kapitel in der deutschen Geschichte werde ferner bleiben, daß das Kabinett Marx schon bei der ersten Drohung von Paris es nicht gewagt habe, den Widerruf der Kriegsschuldlüge amtlich bekanntzugeben. Was den Antrag Deutschlands um Htufnahme in den Völkerbund gestellt werden. In all diesen und anderen Schicksalsfragen des deutschen Volkes wollten die Deutschnatioimlen jetzt end- Gch mitraten. ■ ,■
Dr. Marx Spitzenkandidat für Schleswig-Holstein.
Die Delegiertenversammlang der Zentrumspartei in Cchleswig-Holstein stellte Reichskanzler Dr. Marx als Reichst«FSspitzenkandidaten in Schleswig-Holstein auf. Der Lanz les: wird am Bußtag in Kiel reden.
Auflösung auch des sächsischen Landtages.
Das Gesamtministerium hat für den Fall der Auf- tösung des Landtages den Entwurf eines Ermächtigungsgesetzes zur Aenderung des Landtagswahlgesetzes verüb- schiedet. Er sieht vor, daß die Landtagswahlen am gleichen Tage wie die Reichstagswahlen stattfinden, daß die fristen eine Anpassung an das Reichswahlgesetz erfahren und daß ein amtlicher Stimmzettel herausgegeben wird. Ferner ist beschlossen worden, in einer Vorlage den Landtag zu e» suchen, ein Darlehen von 750 000 Mark zur Versorgung der staatlichen Beamten,- Angestellten und Arbeiter mit Winter- lartoffeln und Kohlekywrräten zu bewilligen.
Der Skandal auf den Schlachtfeldern der Aisne.
Auf den Schlachtfeldern an der Aisne sind noch ganze Kolonien polnischer, chinesischer, arabischer und portugiesischer Arbeiter mit Aufräu - mungsarbeite«, beschüftigt. Sie führen dort ein Leben wie im Wildwest und werden! kaum beaufsichtigt. Diese Leute befinden sich in den Händen von Unternehmern, die aus de« zerstörten Gebieten herauszuholen suchen, was sie nur können, besonders aus den Kriegsüberresten an Kupfer, Stahl und Eisen. Welcher Art die Arbeiter sind, die man dort beschäftigt, kann man sich leicht denken. Wie einst im amerikanischen wilden Westen fliegt aller Verdienst bei Glücksspiel und Trunk wieder hinaus. Gewalttaten und Verbrechen sind an der Tagesordnung. Um den kargen Lohn, für den sie arbeiten, zu erhöhen, beschäftigen sie sich nebenbei mit dem Verkauf von Knochen. Angeblich find es Pferde- oder andere Tierknochen, die sie ausgraben. Aber sie finden auch andere Gebeine, Urberreste von Kriegsgefallenen. Und ba man Sentimentalität bei dem Gest nbel nicht voraussetzen darf, werden auch diese Knochen mit vertäust. Wenn ein Skelett gefunden oni'b, soll das den Behörden gemeldet werden, die die Ueber- reste gemeinsam bestatten. Da aber für eine solche Meldung nur zwei Frank bezahlt werden, während es für einen Granatzünder 2,75 bis 3 Frank gibt, richtet sich das Interesse der Aufräumer besonders auf die vielleicht noch vorhandenen Ringe und an• deren Schmucksachen. Die Leichen werden dann beraubt. Und manche Mutter könnte, wnn diese Schmuckstücke überliefert würden, doch wenigstens erfahren, wo ihr Sohn nun ruht. Die Bewohner der Niederlassungen um Laon haben endlich einmal zwei Polen den Behörden angej