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Kersselder Tageblatt

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f f ä !.80 (I)k. * Drudt und Verlag non Ludwig Funks

MMKäM MILLgLk Mt Hm MAS yersfelü : ^uckerei M Bersfeld, IDItglied des W.

Nr. 160

Donnerstag, den 20. November

1924

Das Wichtigste.

Staatssekretär Trendelen bürg ist nach daris zurückgekehrl. Marr hofft nunmehr auf die Wiederaufnahme der deutsch-französischen Hau- delsvertragsverHandlungen.

!r Poincare beginnt sich gegenüber den Veröffent­lichungen desOeuvre" zu verteidigen.

SeipeI verzichtet auf ein Verbleiben auf feinem Posten, die christlich-soziale Partei Oesterreichs hat D r. Ranek mit den Vorarbeiten ?ür die Kabinettsbildung betraut.

Die französische Besatzung hat die Schulen in Düsseldorf geräumt.

Der ehemalige Führer der Konservativen, ömidrat vouHeydebrandundderLafa, iftgestorbru.

Der Kampf gegen die Bus-

fuhrabgabe.

Die Reichsregierung hat seit Wschluß der Londoner Ver- Änbarungen eine großzügige Aktion zur Beseitigung der 26- pWzentigen Ausfuhrabgabe eingeleitet, die den alliierten Re- gierungen die Möglichkeit gibt, einen ständigen Druck aus die deutsche Wirtschaft auszuüben. Sie hat von vornherein dar­auf aufmerksam gemacht, daß die Erfüllung der in London übernommenen neuen Verpflichtungen ernsthaft gefährdet wird, wenn diese Abgabe auch weiterhin durch die beteiligten Legierungen erhoben werden sollte; denn gerade das Dawes- Lutachten, zu dessen Durchführung sich die beteiligten Re­gierungen entschlossen haben, setzt eine unbehinderte Eut- chltung des deutschen Exports voraus. Trotz der eindeutigen Bestimmungen des Sachverftändigen-Gutachtens halten aber die alliierten Regierungen, in erster Linie England, an dieser Abgabe fest, die in einem besonderen Reparationsabkommen» in den sogenannten Rocovery alten, enthalten ist. Dieses Ab­kommen war seinerzeit aus Wunsch der englischen und der MMÄÜ^MWM^Mi^MMMMWMWMWW aus Furcht vor der deutschen Konkurrenz es nicht zulassen wollten, daß Deutschland mit seiner riesenhaften Produktion die ganze Welt und insbesondere die Länder seiner Repara- tionsglüubiger mit Waren überschwemme. Unter dem Deck- mantel einer Erleichterung der deutschen Neparationsver- pflichtumgen hat man auf die gesamte deutsche Ausfuhr eine Abgabe in Höhe von 26 Prozent gelegt, die auf Reparations- konto gutgeschriebeu werden soll. Es darf aber keineswegs vergessen werden, daß diese Bestimmungen nur den Sinn haben können, die deutsche Ausfuhr künstlich zu Verteilern. Und so dadurch gleichzeitig zu beschränken. Von englischer Seite ist immer wieder erklärt worden, diese Behauptung der deutschen Regierung sei nicht richtig, denn die deutsche Indu­strie könne ja ohne weiteres die 26prozentige Abgabe von der Regierung wieder einzichen und brauche sie daher nicht auf ihre Waren aufzuschlagem Wenn dies tatsächlich so einfach wäre, so brauchte man in Deutschland nicht mit solcher Ener­gie, wie es jetzt geschieht, gegen diese Abgabe anzukämpfen. In Wirklichkeit liegen die Dinge aber ganz anders. Man weiß sehr wohl, daß die Reichsregierung nicht so ohne weiteres in der Lage sein würde, die Industrie für die 26prozentige Älb- gabe zu entschädigen, sondern sie würde gezwungen sein, die deutsche Wirtschaft bis zu einem gewissen Grade mit steuer- Nchen Lasten zu belegen, damit auf die eine oder andere Weise die 26prozentige Abgabe tatsächlich geleistet werden kann. Dies M aber nur dann möglich, wenn bte Erzeugnisse der Indu. Lrie entsprechend verteuert werden.

G Die deutsche Regierung hat bei den Wirftchaftsverhank- Skungen mit Frankreich sofort die Forderung gestellt, diese Ab­gabe fallen zu lassen. Während im ersten Augenblick Frank­reich hierzu geneigt war, erfolgte plötzlich eine Absage nach der anderen und gerade zu einem Zeitpunkt, wo in England ibte neue konservative Regierung ans Ruder kam. Es scheinen salso hier gewisse Berührungspunkte zwischen der englischen und der französischen Industrie zu bestehen, die gemeinsam gegen eine deutsche Konkurrenz auf dem Weltmarkt an zu-, kämpfen versuchen. Die deutsche Regierung hat das Transfer- Komitee ersucht, aus dem Wege eines Schiedsspruchs die Re- eovecyakt«, die mit dem Londoner Abkommen nicht vereinbar Änd, aufzuheben. Der Generalagent für Reparations- «chlungen, Barker Gilbert- hat nun an den Reichsfinanz- Minister Dr. Luther ein Schreiben gerichtet, in welchem er in Aussicht stellt, daß diese Frage nachdrücklich geprüft werden müsse. Dieser Brief hat in Berlin beträchtliches Aufsehen 'erregt und war bereits als eine zeitweise Zusage an den deutschen Standpunkt aufgefaßt worden. Die ftanzösische Re- igjerung erließ jedoch sofort eine Gegenerklärung, in der be- Sont wurde, daß sie sich durch die Stellungnahme des General- «aaenteni nicht beeinflussen lassen werde und es auch fernerhin ablehne, die Erhebung der 26prozeutigen Abgabe einzustellen. Dadurch wird die Lage Deutschlands bei den Wirtschafts- «rchmdlungen mit Frankreich außerordentlich erschwert. Es scheint, daß die deutsche Regierung einen sehr hartnäckigen Kamps führen muß, um ihre Forderung durchsetzen zu können. Wer man hat schon jetzt die Möglichkeit offen gelassen, daß das Transfer-Komitee einen für Deutschland günstigen Be- MM Wl Auf diese Meise wird es z-WMt Möglich sein,

r ( mit Frankreich weiter zu verhandeln und die Entscheidung des Transfer-Komitees abzuwarten. Das Komitee hat einen j endgültigen Beschluß für den 2k November in Aussicht ge­stellt. Bis dahin wird demnach der Streit mit der flanzöst-1 Gen Regierung vertagt werden müssen.

Siaaissekretär Trsnk sleMmg wird voraussichtlich Dienstag abend wieder nach Paris zurück- kehren und man erwartet, daß die deutsch-fänzösi^ scheu Wirtschaftverhandlungen chren Fort­gang nehmen und zu einem guten Ergebnis führen werde».

Der «Silbertbrief im amerikanischen Spiegel.

H andelsvertragskris e und Gilbertbrief bilden den fast ausschließlichen Gegenstand der Berliner Be- richte der amerikanischen Presse. Sämtliche Korrespondenten betonen, daß, obgleich Gilbert erklärt habe, sein Brief bedeute Leinen Angriff auf den Recovery Act, Gilbert faktisch doch den ganzen Akt angreife. Der Ernst der Lage wird unterstrichen, und es wird hervorgehoben, daß von dem Ausgung der jetzt schwebenden Verhandlungen der Erfolg oder Mißerfolg des ganzen Dawesplarres abhänge.

' Der Berliner Vertreter derChicago Trib.", Georges Sei des, schreibt, der Zweck der Aktion Gilberts fei bereits vor einem Monat von Owen Poung angedeutet wor­den. Poung habe durchblicken lassen, daß die 26prozentige Rusfnhvabgabe den Dawesplan zunichte machen werde. Gil­bert habe also in Uebereinstimmung mit den Anschauungen Koungs sofort nach Uebernahme der Geschäfte eine Aktion eingeleitet, um den Plan sicherzustellen. Der jetzige Schritt Gilberts bedeute indirekt einen Angriff auf den Recovery Act. iGutunterrichtete Sachverständige geben zwar zu, daß Gilbert nicht >die Gesetzmäßigkeit des Recoveryaktes angreife, weisen über darauf hin, daß der Generalagent ihn dadurch, daß er ßür sich das alleinige Recht der Einziehung und Trans-

Lisch unfruchtbar und hinfällig mache. Der Korrespondent fügt hinzu, daß, falls England und Frankreich auf der 26- prozentigen Ausfuhrabgabe bestehen sollten, Gilbert aber die Rückzahlung an die deutsche Regierung oder die deutsche» Exporteure einstellen würde, dies die völlige Erdrosselung der deutschen Ausfuhr zur Folge haben würde.

Der Korrespondent derNew Jork World" schreibt: Die Krise der deutschen Handelsvertragsver- Handlungen mit Frankreich sei durch die Aktion Gil- berts noch weiter kompliziert worden. Gilberts Aktion habe großes Aufsehen in allen europäischen Ländern her- vorgerufen, und die Amerikaner betrachteten diese Angelegen­heit als einen Schritt, der für den Erfolg oder Nichterfolg des Dawesplanes von erheblicher Bedeutung sei. Als Owen Doung und Rufus Dawes in Berlin waren, schreibt der Korrespondent, wurden sie oft gefragt, ob der Recovery Act dem Dawesplan schade, und es wurde angedeutet, daß später eien Aktion in diesem Sinne unternommen werden würde. Woung sei auch der Meinung gewesen, daß Gngktnd, Frank­reich und andere Nationen diesen Recovery Act in der Haupt- fache als politisches und wirtschaftliches Druckmittel für die künftigen Handelsvertragskämpfe benutzen wollen. Aus Gil- berts erster Veröffentlichung der Einnahmen und Ausgabe» gehe hervor, daß der Recovery Act das wichtigste Pro­blem darstelle. Er fei ein doppelschneidiges Schwert, mit dem sich England den Löwenanteil an den Reparationen sichere und eine Maßnahme in der Hand habe, um die deutsche Produktion und den deutschen Handel zu be­einflussen. Alles dies unterminiere den Dawesplan und ge­fährde feine Zukunft. Gilberts Aktion ziele infolgedessen daraufhin, die Rechtsbefugnisse des Reparationsagenten wie- derherzustellen; obgleich Gilbert recht habe, wenn er sage, daß sein Brief kein direkter Angriff auf den Recoveryakt sei, so bedeute er dennoch im Endziel die Beseitigung des ganze» ^Recoveryak^s.

Stillegungen in der Rhein-^uhr-Industne»

Nach einer Beka»ntmachung der Rheinische» Stahlwerke werden von der babsichtigten Stillegung dieses Werkes am 1 Januar folgende Betriebe betroffen: Gruben, Walzwerk, Fastonfchmiede, Mörtelschmiede, Preß- werk, Wellruhrwalzwerk, GußschweisMei, BauL^iebe und ein Teil des Bahn- «nd Lastbetviebes.

Wie weiter die Verwaltung des Hamborner Tbyffen- Bergbaues mitteilt, machen sich jetzt, nach dem Wiedereintritt zum Kohlensyndikat, auch für den Thqsseu-B ergb a« Absatzschwierigkeiten bemerkbar, zumal die vom Syudikat fest­gelegte Beteiligungsziffer um 45 e. H. verringert worden ist. Nachdem schon Einschränkungen der Kohlenfördernng not­wendig waren, rechnet die Verw^pg v^M auch chjt der EinlegWg von Feftrschichte», »

Die Befützung räumt die Schulen Düsteldorfs.

Die Bissatzung von Düsseldorf hat die Schulen in der Kud'. ftraße, in der Talstratze «ud in der Gneisena sie ge ebenso die Turnhalle in der Bleichstratze. Weiter Wird von ihr das Hohenzollerngymnasium geräumt.

D-^ischlands Aufnahme in den Völkerbund.

. Der diplomatische Berichterstatter desDaily Telegraph" spricht die Hoffnung aus, daßWeisheit die Deut­schen leiten werde im Zusammenhang mit ihrem baldigen Antrag auf Mitgliedschaft des Völkerbundes". An und für sich würde Deutsch- land nach seiner Aufnahme in den Völkerbund natürlich dar Recht genießen, schließlich an einer Verteilung etwa frei­werdender oder neu zu schaffender Kolonialmandate teilzu- nehmen, aber eine solche Frage sei augenblicklich »W opportun.

Vor dem Pariser auswärtigen Ausschutz gab Herrrot dieser Tage gewisse Auhaltspunkte für seine auswärtige Po­litik. Aus derselbe« sei besonders hervorgehoben, daß er be­; tr, Deutschland habe in der Zeit vom 8. September bis zu» 25, Oktober 1924 eine korrekte Haltung beobachtet, es feie» aber noch nicht alle Schwierigkeiten gelöst. Eine« Sitz im Völlsrbundrat könne Deutschland erst erhalten, sobald dieser Rat erweitert werde?! Bemerkenswert ist ferner eine Herriot- sche Bemerkung über das neue englische Kabinett, wonach Harrst Leu Eindruck bekomme» habe, daß eine zufrieden­stellende Fühlungnahme in den großen englisch-ftauzösische» Berührungspunkten sich zeige..

Dsumergue und .Hernoi bereife« Elsaß« Lothringen.

Reise des Präsidenten der ftanzösische« Republik Dou» msrgoue «ach dem Elsaß und Loth ringe« beoax. Douurergue wird von Herriot begleitet werde«.

Auflegung der französischen Anleihe m Amerika.

Eirre englische Meldung aus New York besagt, daß die ftanzösische Regierung durch die amerikauffcheu Bankiers da­von in Kenntnis gesetzt wurde, daß die gewünschte Auflegung «- nehr bereitstände. Die Auflegung soll scho« in dex Nächsten Woche erfolgen.

Lächerliches von der Miiiiärkontrolle.

Iu einer Berliner Zeitung war eine Notiz in sensakko- .teüer Aufmachung enthalten, wonach in Dresden Zeit, 'reiwillige ausgebildet würden. Es war dabei gewisser- maßen als Beweis und als Anweifungfür dieaus- än b if d)e n Kontrollorgane der Name einer tiefer zukünftigen deutschen Krieger mitgeteilt worden. B« einer Nachprüfung hat sich Hevansgestellt, daß es sich um tinen jungen Man« handelte, der sich zu zwölfjäh- rigerDienstzeitverpflichtethatte, jedoch wegen üner ansteckenden K ra n k hei t entlassen werden mußte. Die Kontrollkommission hat diesen Anlaß benutzt, Lm mit 'bet Zeitung in der Hand die Behauptung von der Vorbereitung des angeblichen deutschenRevänch». . r i e g e s zu stellen. Sie stellte sich allen Mchtigstellungs« gegenüber taub und verlangt Aufilärung. Geradez« faH- if^ jedoch muten die Nachforschungen der Kontrollorgane i« einer östlichen deutschen Provinz an. Dort war in einer Zrtlichen Zeitung eine Notiz erschienen, wonach ein Reiter- mein ein Reit- und Sportfest verunstalte; in ein« andere« Zeitung erschien ein ähnliches Inserat, wouach an einem Lhnlichen Reiftest auch Damen tellnehmen würden. Die Mt- ftärkontrollkommission hat daraufhin eine geharnischte Be- chwerde bei den zuständigen deutschen Stellen erhoben, mit re Behauptung, die ganze Provinz befände sich in Hex Ans- Mung für einen Zukullstskrieg.

England und Sowjetrußland.

Daldwiu hat dem englischen König seinen Bericht lber die beendete Regierungsbildung erstattet, i So verlautet, daß die neue englische Regierung keines- vegs beabsichtige, die von MacDonald eingeleitete Anerkennung der Sowjetrepublik rückgängig zu mache«. 5n englischen Regieruugskrefte« wird davon gesprochen, daß Me Regierung Baldwins an d« Schaffung einer Arundl«Je arbeite, auf der de« S o wj et si LgtH-M! tine Anleihe gewährt werden kr««.

Die Kabinettskrise m Oesterreich.

Dr.Seipel lehnt die Kabinetts«eubildu«g ab.

Nach MeDungen aus Wien hat der Mrudesburzier I>. 5 e t p c I den Auftrag des Harrptausschusses, Lorschüläge für , ne Wahl eines neuen Kabinetts zu ^^^^^^k.