Hersftlöer Tageblatt
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Reisfelder Kreisblatt'
Amtlicher Mnzeiger für den Kreis hersfeiö
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Nr. 162 (erstes Blatt)
Sonnabend, den 22. November
1924
Va» Wichtigst«.
— K«»»»«f. VS« Rethufiu» hat gegen das Kch>n bee StKer Kriessgevichts Revift«« eingelegt.
— Der englische Statthalter in Kairo, ® ene* ral S ta d, ist den Verletzungen, die er bei dem Attentat erhielt, erlege«.
— Omen Voung hat sich nach feiner Rückkehr nach AmerLo sehr befriedigt über Deutschlands gu* tunft ausgesprochen.
— Pariser Blätter meDen von einer Revolution in Rußlam- gegen die Sowjetregierung.
Das britische Wellreich, wie es ist.
Die jetzigen tolonialen Schwierig feiten Englands.
Oberflächlich betrachtet, zeigt sich feit Kriegsende folgende Söge: Der englische Kolonialbesitz hat sich bedeutend vermehrt durch Stücke der Türkei und die deutschen Kolonien. Der gefährliche Konkurrent Deutschland ist auf unabsehbare Zeit in den Hintergrund gedrückt. Aber auch Rußland, das in Asien stets eine furchtbare Drohung war, ist vorläufig eliminiert. Mit seinen 450 Millionen Einwohnern scheint das britische Weltreich also imposanter denn je.
Bei genauerer Untersuchung jedoch ist festzustellen, daß der Weltkrieg diesen Bau außerordentlich erschüttert hat. Bis heute kann man noch nicht von einer Erholung der britischen Wirtschaft reden. Me überragende Stellung in der Seeschiffahrt ist verlorengegangen. Der Handel hat weite Gebiete an glücklichere Rivalen, besonders Amerikaner und Japaner, verloren. An Stelle Deutschlands zeigen sich andere Wettbewerber. Dasselbe gilt für ^sche Gebiet. Die heutige Herrschaft Frankreichs
ter
das poli. auf dem
a.—-— v—... Me inneren Schwierigkeiten seit 1914 gestaltet. Die weißen Siedlungskolonien Kahlen nur etwa 18 Millionen weiße Einwohner. Der ganz« Mest von 400 Millionen sind Farbige. Diese müssen mit Gewalt beim Reiche gehalten werden, und selbst die Weißen sind keineswegs zuverlässige Anhänger Englands. I n d i e. fem Mißverhältnis zwischen Herrschenden «nd Beherrschten, dann auch in der Anziehungskraft fremder Wirtschaftsgebiete, besonders der Vereinigten Staaten, lag schon vor 1914 die eigentliche Gefahr für die Zukunft der englischen Weltmacht. Diese Gefahr ist seil
wächst die Bei
Kriegsschluß bedeutend gewachsen. Alle aus.
„ . ieinanderstrebenden Kräfte haben an Einfluß gewonnen, wäh. rend die zusammenhaltgnden verloren haben. Der Weltkrieg hat die von Englarch sonst peinlich hochgehaltene Ausnahme- Pellung der weißen Rasse vernichtet. Me panäthiopische Bewegung kann trotz der Indolenz der Schwarzen, bei ihrer Fruchtbarkeit und Ueberzahl, auch in der Siedlungskolonie Südafrika mit der Zeit zu einer ernsten Gefahr werden. Pon Der ägyptischen Freiheitsbewegung ist oft die Rede. Dasselbe gilt für die islamische Bewegung, die sich in Indien und besonders in den neuerworbenen Gebieten von Palästina und Mesopotamien sehr bemerkbar macht. Fast jede einzelne Kolonie hat irgendeine englandfeindliche poli- tische Bewegung. Die kolonialen Schwierigkeit ten Englands find also außerordentlich groß.
Besonders bemerkenswert sind die Verhältnisse im Mit- telstück des englischen Weltreiches, in Indien, wo fast drei Viertel der Bevölkerung des Gesamtstaates leben. Bis anhin konzentrierte sich hier das Schwergewicht der englischen Macht. Immer mehr einflußreiche Stellen kommen aber seit einiger Zeit in die Hände der Eingeborenen. Unaufhaltsam wächst die Bewegung, die völlige Unabhängigkeit von Eng- land fordert. Bereits hat der Wirtschaftsboykott Englaub Verluste gebracht, bereits verliert Indien als Versorgüngs- Platz für zahlreiche englische Beamte zusehends an Wert.
Und erst die äußere Lage! Die Drohung mit der russischen Millionenarmee an der Nordgrenze Indiens ist ab lerdings geschwunden. Die Bolschewistenarmee ist nicht zu fürchten. Aber dafür arbeiten russisches Geld und russische Gendlinge unter den unzufriedenen Massen der armen Be- Dölkerung deh englischen Herrschaftsgebiets. Und, wie überall in Asien, nicht ohne Erfolg. Das verschärft die ohnehin gespannte innere Lage. Der mohammedanische Nachbar A f. ghanistan ist unzuverlässiger denn je. Von hier laufen Die Fäden der panislamitischen Bewegung zu den 70 Millionen Mohammedanern Indiens und stellen die Verbindung zwischen Indien und den sicher nicht englandfteundlichen Türken her. Im Osten aber ist während des Krieges Ja- pan wirtschaftlich mächtig erstarkt; seine Schiffahrt macht sich an der indischen Küste, seine Industrie im inbifd t Handel mehr und mehr geltend. Und Japan ist durchaus kein zuverlässiger Freund, vollends seit England sein Bündnis mit dem gelben Militärstaat aufgehoben hat Daß # t nicht alles so einfach ist, zeigen die englischen une zur ^lusge« staltung Singapores zum dominierenden Snchpunkt Nein militärisch ist hier jedenfalls die größte. Gefahr für Die englische Herrschaft über Indien.
Auch die Z u f a h r t s st r a ß e n zum mittlerer Osten sind sehr unsicher geworden. Wohl hat sich England überall ;
Stützpunkte gesichert: Gibraltar, Malta, Eypern, Aegypten, «Palästina, aber sie haben sehr an Wert verloren. Auf Malta besteht eine Bewegung unter der italienischspreaen- den Bevölkerung, die bereits die lokale Selbstverwaltung ^erzwuygen hat. Aehnlich liegt der Fall für Gibraltar. Auf Cypechi wünscht die griechische Mehrheit der Bevölkerung längst eine Vereinigung mit Griechenland. Wie es irr 'Aegypten steht, ist keinem unbekannt. Kurz, auf dieser Zu- gangsstraße nach Indien bestehen so viele Schwierigkeiten, daß ihr Wert beinahe illusorisch geworden ist. Der Weg über Afrika aber kommt ja kaum in Frage.
Achnliche Sorgen hat England auch sonst noch in seinen Kolonien übergenug. Die Berücksichtigung dieser Verhält - s macht die heutige englische Politik erst recht verständlich, Und .trotzdem besteht kein Zweifel, daß die Engländer mit vielen von diesen Erscheinungen mit der Zeit fertig werden. D::u 'aber brauchen sie Zeit und Ruhe, und es ist fraglich, ob dims beiden Faktoren sich so in ihre Rechnung fügen, wie es ig« lischerseits ermattet wird. , _ Dr. &
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Das Schandurteil gegen General von Naihusius.
Die Verhandlung gegen den General o. Nathusius ist beendet. Sie schloß mit der Verurteilung des Angeklagter u einer Strafe von einem Jahr Gefängnis und Tragung r Kosten. Die Verurteilung erfolgte entsprechend dem Anträge des Anklagevertreters, der Me Entwendung des Tafelgeschirrs durch die Aussage eines der Zeugen als erwie m ansah, während in allen anderen PurEen die Anklage fällt gelassen wurde. Das Richterkollegium stimmte vier zu drei Stimmen für das Urteil.
Der Verteidiger Nicolai hat sich während- der Dsrhand- lung alle Mühe gegeben:, die Freisr;Mr.mg des Generals von .Narhusius ourchzuiMur. &.M|«^ rmjtM^
Akten des Generals nichts enthalten, was eine Verurteilung rechtfertige. Keiner der vernommenen Zeugen konnte behaupten, daß er bei Verübung des Diebstahls zugegen gewesen sei. Weiter setzte sich Nicolai mit den einzelnen Aussagen der Belastungszeugen auseinander und wies auf die gewaltige Rückwirkung hin. die eine Verurteilung des Angeklagten in Deutschland am Vor» abend der Wahlen ausüben würde. Lr schloß mit der Aufforderung an Me Richter, von Nachusius freizusprechen.
Nathusius hat Berufung eingelegt.
Aus Alle wird gemeldet, daß General v. Nathusius gegen seine Verurteilung Berufung eingelirgt hat.
Was kann gegen das Urteil geschehen?
Die Verurteilung des Generals von Nathusius durch das Kriegsgericht in Lille hat in Berliner politischen Kreisen äußerste Bestürzung hervorgerufen. Angesichts der Tatsache, daß die Anklage gegen den General vollständig zusammenge- brochen ist, und daß ihm nicht eine einzige der ihm zur Last gelegten Tatsachen nachgewiesen werden konnte, ist jedermann von der Unschuld des Generals vollkommen überzeugt, und man hatte es für unmöglich gehalten, daß ein derartiges Fehlurteil ausgesprochen werden konnte. Selbstverständlich wird die Frage allgemein erörtert, was nun zu geschoben habe, um den in Lille begangenen Fehler wieder aus der Welt zu schaffen. Die Sache ist jedoch zu kompliziert, als daß man sich von deutschen Repressalien einen Erfolg versprechen könnte. Es käme in Frage, daß die französische Regierung aus eigener Initiative zur Amnestierung schreite. Dem deutschen General liegt allerdings daran, nicht Gnade, sondern sein Recht, d. h. die Feststellung seiner Unschuld, zu er- langen. Ein diplomatischer Schritt der deutschen Regie- rung gegenüber der französischen Regierung würde voraussichtlich zur Folge haben, daß die ftanzösische Regierung in eine äußerst schwierige Lage gebracht wird, da sie nicht so ohne weiteres ein Urteil einer ihrer Gerichtshöfe im Verwaltungswege zu beseitigen in der Lage ist. Die Lage der französischen Regierung würde durch einen derartigen deut- sehen Schritt voraussichtlich sehr erschwert werden, ohne daß nach dem ersten Eindruck, den man von der ganzen Sachlage in Berlin hat, etwas Positives erreicht werden könnte. 915 selbstverständlich kann man trotzdem annehmen, daß d-e Reichsregierung der ganzen Angelegenheit nicht passiv und abwartend gegenübersteht.
Der Wiederbeginn der deutsch-französischen Wirtschaftsverhandlungen.
Ein Teil der Pariser Morgenpresse macht über die Unter- reduirg, die Botschafter von Hoesch mit Herriot hatte, über« einstimmende optimistische Angaben. Danach wurde nach langem Akeinungsaustausch • beschlossen, die Frage der 26« prozentigen 2lbgabe dem Transferausschuß zu unterbreiten. Bis zur'Entscheidung durch den Ausschuß soll sie von den Besprechungen ausgeschlossen bleiben. In ftanzösischen maßgebenden Streifen vertritt man die Auffassung, daß eine Verständigung noch vor dem 10. Januar zur ide lommen werde. „Matin" glaubst melden zu können, daß die französischen Ver- reter die Pteisthe^ülMgmrg für die Llsaß-lothrinoifche Ein
und Stahlindustrie nach Deutschland gleich bei Wted«> ausnahme der Verhandlungen be-nspruchmr würden. Ein Meinungsaustausch hierüber habe bereits statt gefunden und 'lasse darauf schließen, daß in dieser Frage ein EinvevnehMK erzielt werden könne.
Mtisikation des deutsch-schweizerische«
WirifchafiSabkommenS.
Die schweizerische Sachverständigenkommission für Ma Einsuhrbegcenzungen befaßte sich in längerer Sitzung mit dem deutsch-schweizerischen Wtttschastsabkommen. Der Bundesrat wird bereits in den nächsten Tagen die Ratifikation vor- nehn:en, so daß dann nach vierzehn Tagen das WckoBM« in Kraft treten kann. • , ' '< I
Programmrede des neuen österreichisch« Bundeskanzlers.
In der (Sitzung des Nationalrates entwickelte der neue Bundeskanzler Dr. Ramek das Programm der Regierung. Er sagte, daß sie ihre Politik auf der Grundlage des Genfer Protokolls, des Wiederaufbaues und der von der Regierung Seipel mit deni Völkerbund getroffenen Uebereinkommen auf- : bauen werde. Diese Politik sei heute die einzig mögliche; i Denn, sie habe Oesterreich-Ungarn vor dem völligen Zusam. menbruch seiner Währung und dem Ruin seiner Dolkswirt- ' schaff gerettet. Um die Stabilisierung der Währung zu erreichen, sei die Herstellung des Gleichgewichts >im Staatshaushalt und die größte Sparsamkeit not- weudig. Die Beziehungen zum Auslande seien vorzüglich. Die Regierung werde den Ausbau der guten Bezie-- I) u n g c u zum Auslande und insbesondere zum Deutschen Reich auch durch den Mschluß von Handelsverträgen zu heben trachten. Die Regierung sei sich des Ernster Der Lage bewußt und trete mit festem Mut an die LösuuK sher ihr gen-Um W.'gM^a
Gir Lee Stack gestorben.
Der englische Müttärbeschlshaber Sir Lee Stack ist «4 Der ' Inen einer Operation, der er sich unterziehen mußt«, im Spital gestorben. Die Bestürzung in amtlichen ägyp- tr' s Kreisen ist außerordentlich groß. Man befürchtet sitz dir ägptisch-englischen Beziehungen das Schitmmste.
Die Folgen des Mordanschlages auf d« englischen Militärbefehlshaber in Kairo.
Eine Reuternote über die Folgen des Mordanfalls auf den Militärbefehls^ in Kairo besagt, es könne erwartet werden, daß die ägyptische. Regierung eine energische Aktion gegenüber den Verbrechern unternehmen werde. Gleichzeitig aber sei zu berücksichtgen, daß eine heftige Agitation wegen des Sudans im Gange war, der Einhalt zu tun, Aufgabe der ägyptischen Regierung gewesen wäre. Es scheine kaum, daß irgend eine Aktion seitens der englischen Regierung auf- geschoben werden könne; welchen Charakter sie aber habe« werde, könne gegenwärtig noch nicht vorausgesagt werden.
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Nach einem Besuch beim König hielt Premiermtnist« Zaglul Pascha einen Ministerrat ab. Dann sprach er bei Lord Allen bey vor und begab sich hievauf «v» ruurem- zum Läuig-» palast. j
Owen ^oung über die Zukunft DeuischlandS.
Owen Poung äußerte sich nach seiner Ankunft in AnieriL» in sehr hoffnungvoller Weise über die Zukunft Deutschlands und damit Europas. Die Völker glaubten heute an den Erfolg des Dawesberichtes. Damtt sei ein großer Schritt vorwärts zur endgültigen Gesundung der Welt getan. Deuffchland werde die erste Jahresrate sicher bezahlen und außerdem rwch seinen Etat in Ordnung bringen rönnen. Frankreich, England, Belgien and Deutschland arbeiteten gleichmäßig an seiner Erfüllung, und der Dawesbericht funttioniere leicht und einfach. Owen Poung lobte die ftanzösische Räumungspolitik an der Ruhr, die in einer Weise ducchgeführt wurde, die die deutsche Empfindlichkett schone
(Luglands Vorbereitungen für die Wirifthasts- Beryöttolungen.
Ein englisches Blatt berichtet, in Erwartung der Ankunft der deutschen Sachverständigen habe eine wichtige Sitzung im Da delsamt zur Erörterung des Entwurfs des deutsch-englischen Handelsverttags stattgefunden. Zur Frage der Wieder- eröffnung von Filialen der führenden deutschen Banken in England werde in der Eity darauf hingewiesen, daß diese R-aßnahnw fast unvermeidlich sei, werm volle Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern wieder ausgenommen werden sollen; wahrscheinlich werde Deutschlcmd britischen Banken Gegenseitigkeit gewähren. Ernsteren Eiirwärkdex dürfte eine Forderung Der Einreihung deutscher Seeleute und Stewards in die britssche HarcheltzjMHuhct i^cm *