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Kersfelder Tageblatt

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Franz Funk in Bersfeld. + Fernsprecher Dr. &

hersfelöer Kreisblatt'

Amtlicher Mzeiger für -en kreis Hersfelö

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Nr. 163

Montag, den 24. November

1924

Das Wichtigste.

, Dto deutsch.französischen Wir tschaftsver- Handlungen sind Wieder völlig in Ga»q ä«* hemmen.

Die Mörder des Sidars in Aegypten sind V« r h a f t e t worden.

Die französisch« Regierung ist von Kammer und Senat ermächtigt worden, das Darlehen Morgan» $» eine 25jährige Anleihe um zuwandeln.

In dem Falle Nathusius, der nach wie vor die in- und ausländische Oeffentlichkeit beschäftigt, sind alle noch zu Gebot« stehenden Rechtsmittel zugunsten des verurteilten Generals in Anwendung gebracht worden.

England hat offiziell Sowjetrußland mit. geteilt, daß es den unter der Regierung MacDo» »alds getätigten Vertrag mit Rußland zu rati- isizieren nicht in der Lage ist.

General Dego utle, der berüchtigte Sklavenhalter von Rhein und Ruhr, ist endgültig aus DeutschIand >abg ereist und hat sein Tätigkeitsfeld wieder mach Frankreich verlegt. ,

Poincare und Millerand.

Daß die Aufzeichnungen des früheren französischen Bot­schafters Louis nicht veröffentlicht worden sind, um Deutsch, stand Material zu liefern, mit dem es den wahren Schuldigen <mt Weltkriege belasten könnte, war ja ganz sekbstverständUch. 'Der einzige Franzose, der den Mut dazu aufgebracht haben würde, ist Engländer geworden, und leider ist er kürzlich ge- storben. Es war D. M o r e l, dessen Schriften über die Kriegsschuld frage ja in weiten Kreisen oetannt gno. ^h tr­ieben mit der Bekanntgabe der Louisschen Aufzeichnungen das -seltsame Schauspiel in Frankreich, das man sonst nur in Deutschland gewöhnt ist, daß aus Parteiinteresse Geheimnisse veröffentlicht werden, die dazu dienen, daß man sich ins eigene Fleisch schneidet, wenn auch der Schnitt in Frankreich! leichter zu heilen sein wird als bei uns. Millerand hats eine neue Liga geschaffen, deren Ziel es ist, Herriot zu Kürzen, aber gleichfalls dafür zu sorgen, daß Poincare nicht wieder aus Ruder kommt. Herriot zu Falle zu bringen,! wird ein Leichtes sein. Das französische Volk denkt mehr als .andere an die eigene Sparbüchse, auf die die geplante neue 'Steuergesetzgebung eine neue Attacke reiten wird. Es ist der Regierung Herriots auch nicht gelungen, die Lebenshaltungs- kosten in Frankreich herunterzusetzen, die französischen Renten sind ungeheuer im Werte gesunken. Das sind alles Momente, die bei dem französischen Bauernstände und bei den Klein- wentnern dahin wirken werden, daß man der gegenwärtigen Regierung das Vertrauen entziehen wird. Dazu kommt noch, daß Millerand die Unterstützung weiter Finanzkreise ge- nießt, die die Regierung in Mißkredit zu bringen bestrebt sind. P o i n c a r 6 dagegen ist nicht so leicht zu erledigen. Er hat noch immer eine starke Macht hinter sich. Und um diese Macht zu brechen, hat man die Louisschen Aufzeichnungen hervorgeholt. Man hält die Gelegenheit für günstig, dein Volke zu sagen, daß Poincare am Kriege und an der Nach- kriegsnot die Schuld trage. Aber diese Beschuldigung ist nur M den französischen Hausgebrauch. Hat sie ihren Zweck er­füllt, wird sie abgetan werden, wie in England der Rote Brief abgetan wird, nachdem es durch seine Veröffentlichung geglückt ist, MacDonald zu stürzen. In der Politik sind alle Mittel vecht. In Frankreich und England weiß map, daß von der Kriegsschuld frage der Versailler Vertrag, die Reparationen, idie Wegnahme deutscher Gebiete und der deutschen Kolonien abhängen, daß man also die Beschuldigung nicht fallen lassen darf. Bezeichnend ist die Haltung, die derManchester Guar- 6ian* gegenüber der Angelegenheit einnimmt. Dieses ge- mäßigte Blatt schreibt, es sei ja nicht ausgeschlossen, daß in Rußland und auch in Frankreich einige Persönlichkeiten auf den Krieg hingeorbeitet hätten, aber keine der Regierungen beider Länder in ihrer Gesamtheit hätten einen Krieg gewollt, weil es einfach undenkbar sei, daß 1914 Rußland oder Frank- «eich, die sounvorbereitet" gewesen seien, einen Krieg mit Deutschland gewagt haben sollten. DerWestminster Gazette" Üst die ganze Sache unangenehm, sie meint, der Streit darüber Mhve nur zu weiterer Feindschaft, und dieTimes" schreibt von derGesamtheit der zivilisierten Rationen, deren Ueber- »«UFUNZ nicht erschüttert werden kann soweit sie nicht mit Deutschland im Bunde waren daß das feierliche, im Der- sailler Vertrag von Deutschland niedergelegte Schuldbekennt­nis der Wahrheit entspricht". Für England sei der Fall er- -ledigt! Mag sein! Für Deutschland ist er es nicht, darf er

#9 nicht sein. Aus den einseitig eingestellten Betrachtungen her Zeitungen, deren Regierungen sich als Ankläger und Rich- j W über Deutschland aufgeworfen haben, deren Vertreter dem t

entwaffneten Deutschland den Dolch auf die Brust setzten, um ihm das Schmachgeständnis abzupressen, spricht nichts als die feige Angst, daß eines Tages doch ein unparteiischer Gerichts- * Hof ein anderes Urteil sprechen könnte, und daß dann die Raubstaaten gezwungen werden könnten, das Versailler Do­kument dahin zu werfen, wohin es gehört. St.

Sie Wiederaufnahme der deutsch- stanz. WitischaftsvechaNdlAtigxn.

Staatssekretär Trendelenburg hatte eine Unter­redung mit dem französischen Handelsminister R a y n a l d y , in der das Programm der nächsten Besprechung vereinbart wurde. Botschafter von Hoesch wird an den Beratungen nicht teilnehmen, die technische Fragen behandeln. Die 26p ro- zenlige Awssuhrabgabe soll vorläufig nicht mehr erörtert werden.

Ueber die Unterredung Staatssekretärs Trendelenburgs mit Handelsminister Raynaldy wurde eine kurze amtliche Er­klärung ausgegeben, die betonte, daß die Wirtschaftsverhand- I trugen wieder ihren normalen Fortgang nehmen werden. Beide Delegationen treten am wurmenden Montag zu einer Vollsitzung zusammen. Im Laufe der nächsten Woche werden weitere Sitzungen stattfiniden, zu denen Sach­verständige heran gezogen werden sollen.

Ueber die Frage der Aufhebungder 26^igen Repa- rationsabgabe erfährt man von unterrichteter Seite: Deutsch- Kirb steht auf dem Standpunkt, daß Frankreich und die übri­gen Reparationsglüubiger außer England gemäß den Lon­doner Abmachungen höchstens für die Uebergangszeit, bis zum 28 Oktober, das Recht hatten, die Ansfuhrabgabe zu er­heben. Hieraus ergibt sich auch, daß die Rechtsfrage der Aus- jichxabMbe in Frankreich durch,den Reparationsagenten ent­schieden werden muß. Hm nicht eine «vormalige AUswiege- lung des Wirtschaftslebens zu verursachen, hatte die Reichs­regierung der französischen Regierung in einer Note mit­geteilt, daß sie die Ausfuhrabgabe an Frankreich bis zur Ent­scheidung des Reparationsagenten Gilbert dulden werde. Anders liegen die Verhandlungen mit England, dem nach dem Wortlaut des Londoner Abkommens der Recovery Act zuge­billigt. ist Hier handelt es sich nur um die praktischen Aus­wirkungen des Recovery Act auf die deutsche Ausfuhr, die in den Verhandlungen mit England direkt zur Debatte stehen. Man darf annehmen, daß sich der Reparationsagent Gilbert, der in seinem bekannten Brief ausdrücklich die Verfügung über die Rückzahlung der Ausfuhrabgabe für sich in Anspruch genommen hat, der Tragweite der generellen Einführung der Aussuhrabgabe durchaus bewußt ist. Die Beunruhigung in Wirtschaftsweisen ist für den Fall durchaus berechtigt, daß der Reparationsagent eines Tages vor der Unmöglich seit stünde, die' Ausfuhrabgabe an die deutschen Exporteure aus der Reparationskasse zurückzuzahlen.

Montag Beginn der deutsch-japanischen

Handelsvertragsverhandlungen.

' Nachdem die inneren Ressortschwierigkeiten zum Abschluß gelangt sind, beginnen am Montag die offiziellen deutsch- japanischen Handelsvertragsverhandlun- gen in Berlin. Deutscherseits werden die Verhandlun­gen von dem bekannten Ministerialdirektor Dr. Knipping, der auch die deutsch-chinesischen Vertragsverhandlungen leitete, geführt werden. Die japanische Regierung wird durch ihren Berliner Botschafter Honda, der in dieser Aufgabe von dem gesamten Botschaftsstab unterstützt wird, vertreten sein. Es ist beabsichtigt, bei diesen Verhandlungen den Stand des Handelsvertrages von 1911, unter Einräumung der ge- ge inseitigen Meistbegünstigung, wieder herbeizuführen. Ein Sondertarifabkommen dürfte aller Wahrschenlichkeit nach vor­läufig nicht abgeschlossen werden. Es ist zu hoffen, daß die Handelsvertragsverhandlungen bis zum 10. Januar ein beide Leite befriedigendes Ergebnis gezeitigt haben.

Der Fall Nathusius.

Nach der Verteidigung des Generals v. Nathusius ist Rechtsanwalt Nikolai nach Paris gereist, um Schritte zur Begnadigung des Generals einzuleiten. Ein ande­rer Antrag auf provisorische Haftentlassung war vom Militär- gericht abgelehnt worden. Nikolai wird gleich nach seiner An­kunft in Paris eine Unterredung mit Israel, dem Sekretär des Ministerpräsidenten, haben. Me Pariser Blätter haben in bezug auf die Verurteilung von Nathusius' nicht weiter Stellung genommen und verzeichnen vorläufig ohne Kom­mentar die Entrüstung, die die Verurteilung in Deutschland hervorgerufen hat. ; : *

Der Verteidiger des Generals v. Nathusius, Rechts­anwalt Sticolai aus Metz, hat das K a s s a t i o n s v e r s a h - r e n gegen das vom Kriegsgericht in Liste ausgesprochene. Urteil eingelötet. , P v

General v. Nathusius hat nach Besprechung mit seinem Rechtsanwalt Nicolai, der ihn im Gefängnis aufsuchte, das Revisionsgesuch unterzeichnet, das sich auf gewisse prozessuale Unregelmäßigkeiten, die bei dem Verfahren vor dem Kriegsgericht vorgekommen sind, stützt. Der General hat erneut gegen seine Verurteilung lebhaft protestiert und sich wiederum als vollkommen schuldlos bezeichnet.

Der frühere Senatspräsident beim Reichsgericht Dr. He gen s nimmt imLeipziger Tageblatt" Stellung zu dem Urteil des Silier Kriegsgerichtes und bezeichnet die Haltung der daran beteiligten Amtsstationen in Frankreich als poli­tisch unbegreiflich In einem analogen Falle habe Bismarck seinerzeit die sofortige Freilassung des wegen Grenzüber- schveitung verhafteten französischen Polizeibeamten S ch n a e - bele angeordnet. Ganz unverständlich sei es, daß die von der Regierung abhängige Staatsanwaltschaft sich dem "Au rag auf Aussetzung der Verhandlungen widersetzt habe. Me er- «rteilung selbst scheine durchaus der genügenden Gründer *en zu entbehren, da unmittelbar gegen den General spreci re Zeugnisse überhaupt nicht vorliegen und damit s ch l i m n - ften fa II s höchstens von einem ganz ent« (ernten Verdacht gesprochen werden könne.

Vereitelter Ämsturz in Griechenland.

Nach Meldungen aus Athen haben Verschwörer eine »Märische Verfügung heransgegebeu, die Hauptsächich gegen den Innenminister General Eondylis gerichtet war. An der Verschwörung waren 30 Offiziere beteiligt, darunter General Loudas, die beabsichtigten, das Parlament mit einem Trup- penaufgebat und Panzerautos zu umzingeln, die Mitglieder der Regierung zu verhaften und färben Fall, daß das Paria- ment sich widerspenstig zeigen sollte, eine Diktatur auszu- rufen. Die Regierung hat aber noch rechtzeitig einen Wink bekommen und sämtliche Verschwörer verhaften lassen. Diese

Letzte» ihrer BeryaftMU mimr »wn«w ^s^. ^-j

Oegoutte reist ab.

Der bisherige Befehlshaber der Rheinarmee, General Degoutte, wird sein Standquartier in Mainz verlassen und Mch Frankreich zurückkchren. - - '

Die Frage der Räumung Kölns.

Der diplomatische Berichterstatter des englischen Blattes Westminster Gazette" hält es für möglich, daß die bdtip en Truppen nach der Räumung Kölns Koblenz oder Bonn be­setzen. Sr nennt es jedenfalls sicher, daß sie Köln nicht ver- lassen, bamit ihr Platz von Franzosen eingenommen wird, und weiter möglich, daß die Räumung Kölns die Zurück­ziehung der französischen Truppen aus dem Ruhrgebiet be­schleunige« werde oder daß die Engländer bis dahin in Köl» bleibe».

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Ein neues französisches KriegSgerichtSurieil.

Vor bem französischen Kriegsgericht in 2 a n ö a u hat- ten sich die Tagelöhner Alexander Oeffler genannt Bohn und Adam Schröder aus Ludwigshafen zu ver- antworten. Nach der Anklageschrift soll Oeffler einen fron- zösischen Soldaten, der auf dem Bürgersteig in der Bismarck- strafe in Ludwigshasen entlang ging, angerempelt und in dem bei diesem Anlaß entstandenen streit durch Messer­stiche töblid) verwundet haben, auch Schröder soll den Sol­lten mit dem Messer gestochen haben. Das Kriegsgericht verurteilte Oeffler zu lebenslänglicher Zwangs- arbeit und Schröder zu fünf Jahren Gefängnis und 8000 Mark Geldstrafe; ein dritter angeblich beteiligter Ar- better wurde außer Verfolgung gesetzt.

Attentat auf den griechischen Militärattache in Paris.

Im griechischen Konsulat in Paris hat der Verwalter des Vermögens von Denizelos, Berikais, auf den Militärattache der griechischen Gesandtschaft, Papalexipus, viev Revolverschüsse abgegeben, durch die dieser schwer, verwundet wurde. Er mußte schleunigst in ein Krankenhaus gebracht werden und war nicht vernehmungsfähig. Dev Täter erklärte, daß er über die Gründe des Anschlages nichts Mssagen könne. - v ,<

England ratifiziert den Vertrag

mit Sowjetrußland nicht.

Der britische Außenminister Ehambevlain hat dem Sowjetgesandten Rakowski folgende Note überreicht: Dia Regierung Seiner Majestät hat die zwischen dem früheren britischen Kabinett und der Regierung der Union der soziali­stischen Sowjetrepubliken verhandelten und am 8. August h. 3- Mterzeichneten Verträge einer Nachprüftmg u-nlWMW..