Reisfelder Tageblatt
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Hersfel-er Kreisblatt'
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Nr. 164
Dienstag, den 25. November
1924
Die eügAM-ZgypiiWs Krise.
Nach einer. Meldung aus Kairo hat sich der englisch, Oberkomostssar Lord Allenby, von einem Kavall. ie- reg im ant eskortiert, zu Zaglul Pascha begehen und ihm ein». «Note der englischen Regierung überreicht, die nachfolgende vie» Dünkte enthält:
Leistung einer Abbitte,
Zahlung einer Entschädigung von 500 000 Pfd. Sterling,
Verbot politischer Demonstrationen,
Zurückziehung der ägyptischen Truppen a«s dem Sudan
Premierminister Zaglul erklärte in der ägyptischen Kam mer, das Kabinett schlage vor, die Forderung auf Iahsturg einer halben Million Pfund, ebenso die Forderung auf Verhaftung und Bestrafung der Verbrecher anzunehmen, die anderen Forderungen aber abzulehnen. Die Kaminen habe diesen Entscheidungen zugestimmt und ein Vertrauens potum angenommen.
In Kairo sind bisher zwei Personen verhafte» worden, die der Teilnahme an der Ermordung des Sirdar verdächtig erscheinen. In Alexandria kam es wieder zst Elemen england feindlichen Stu den tenkund gebungen, worauf britische Truppen einen Umzug durch die Straßen verunstalteten.
Aus Gibraltar wird gemeldet: Ein Dataiolln In« sanierie erhielt Befehl, sich am 29. November nach Aegypten einzuf chiffen.
Der Oberkommissar L o r d A llen by hat Zaglul Pa^ch« auf seine Note sofort geantwortet, daß infolge der Ablehnung der Forderungen 5 und 6 Instruktionen an die Regierung des Sudan gesandt werden würden, um die Zurückziehung her ägyptischen Offiziere und Truppen aus dem Sudan zu bewirken, wobei hinzugefügt werde, daß es der Regierung der Sudans freistehe, das zu bewässernde Gebiet bei Gezira in einer unbegrenzten Ausdehnung zu erweitern. Zaglul werbe später über die Schritte unterrichtet werden, die Groß« Britannien wegen der Ablehnung der Forderung 7 betreffend utf®^tnjLHt.g&««ettenrT^^ werbe Die Wykung der Brrße von einer halben Million Pfund Ster« Jing wird sofort verlangt
Eine französische Äleldung aus Kairo besagt, daß bü ägyptische Regierung zu einer Beantwortung der zweiten Kritischen Note zusammengetreten ist. Ma« erwartet den Rücktritt des Kabinetts.
Die englische Regierung hat beschlossen, die von Aegyptek geforderte Geldbuße von einer halben Million Pfund Ster ling nach Entschädagung der Opfer zu wohltätigen Zwecken in Sudan zu verwenden.
Bei dem
feierlichen Begräbnis des ermordeten Sirdar Begleiteten Flugzeuge den Leichenzug. Zaglul Pascha und die gesamte ägyptische Regierung, das diplomatische Korps, Lord Allenby und Frau und Tochter des Ermordeten gaben dem Toten das Geleit.
Studenten durchzogen die Straßen von Kairo mit den
Rufen: Es lebe Aegypte«, nieder mit England! In der Kathedrale, in der eine Seelenmesse für den ermordeten Sirdar gelesen wurde, stießen Aegypter Drohungen gegen die Eng- länder avs. Die Schüler sämtlicher Lehranstalten weigerten sich, z«m Protest gegen die englischen Kommentare zur Er- myrdung des Sirdars am Unterricht teilzunchme«.
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Anspeitschung von Aegypter«.
Der Gouverneur von Mansurah ließ, wie Reuter aus Kairo zu melden weiß, mehrere an englandfeindliche« Kundgebungen Beteiligte durch Peitschenhiebe bestrafe«, Worauf die Kundgebungen aufhörte«.
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Ueber die Stärke der englischen Truppen in Aegypten und Sudan ist folgendes bekannt: In Eerson liegen zwei Bataillone Infanterie, zwei ägyptische Bataillone und elf Sudanesen-Regimenter unter englischen Offizieren. Die englischen Truppen bestehen aus 6 Bataillonen Infanterie, 1 Brigade Kavallerie und 1 Brigad berittener Artillerie und einigen Formationen Spezialtruppen. Die in Kibxgltox gWMdwMndeu Buffft HMt Befehl erhalte«,
Begnadigung des Genera-s van Nathusius?
Das Liller Blatt „Reveil du Nord" glaubt zu wissen, haß die Begnadigung des Generals von Nathusius schon in den allernächsten Tagen stattfinden würde. Das Blatt weist .daraus hin, daß der General auf ganz ungenaue Aussagen eines Zeugen verurteilt wurde und sich selbst sehr ungeschickt verteidigte. Das Blatt fügt hinzu: „Die Steigerung ist sehr Wohl beraten, indem sie diese Begnadigung ausspricht. General von Nathusius könne dann in sein Land zurückkehren, das er nie hätte verlassen sollen, um den Schlaf der Diplomaten nicht zu stören, die er schNtlyegey in große Per- tegeicheit gebracht hat."
Diese französische Presseauslassung ist ein klarer Beweis
Bchandviast
us Bericht erstattet. Es ist mizunehmen, daß
Hindenburg über die Zelt von 1914.
An einer Denkmals-Weihefeier für die gefallenen Lehrer
-und Studenten der Göttin ger Universität nahm auch -Gerieraljfeldmarschall von Hindenburg teil. Nach bey 'Weiherede des Professors Dr. Binder hielt Hi« de «^ burg folgende kurze Ansprache:
»Die Gefallenen haben im Glauben an Deutschlands
Grütze ihr Leben hingegeben. Ihr Blut kann und darf
ndht vergebens vergossen sei». Werbe feder an seiner
Stelle dafür, daß der Geist von 1914, der Geist der Treue,
der Einigkeit, der selbstlosen Hingabe an das Vaterland,
des nationalen Stolzes wiederkehre. Dann werden wir
mit Gottes Hilfe unser geknechtetes Vaterland wieder z»
Ehren bringe«, und damit ehren wir am besten öftre ze-
- falleue» »räter.- v / g' r/j. f'',
Die deutsch-englischen Handelsvertrags-
Berhandlunge«.
Die dentsche Delegation für die Handelsvertragsver-
»lungen mit England ist unter Führung des Ministerial-
ktors von Schulrat nach Soudo« abgereist.
Handels^
mt wieder ausgenommen werden. Beiderseits hoffe man, Arbeiten im Laufe dieser Woche zu beenden, aber abge- von den vorgeschlagenen neuen Methoden der Anwendung der Reparation Recovery Act in einer für die deutschen Exporteure geeigneteren Form gebe es noch mehrere Fragen zu regeln, z. B. bezüglich der Beseitigung erhebliche» Lücken in der von Großbritannien geforderten Meistbegünstr- gungsklausel. Die Verteidigung der englischen Textilindustrien gegen die VorZugsbehand hing mancher Industrien ariderer Länder werde besondere Sorgfalt erfordern, ebenso der Schutz der britischen Handelsschiffe gegen feindselige Aus- nahmebeharchlungen, die die Haltung der deutschen Regierung und der Schiffahrtsgesellschaften in Frage des Aus- Wandererverkehrs vor dem Krieg gekennzeichnet hätten. Die Deutschen beabsichtigten, gewisse Abänderungen in der briti-
Die deutfch-franz. Handelsveriragsverhandlungen
Die deutsch-französische« Handeksvertragsverhorrdlunge« haben wieder begoimen, und zwar wird in die Besprechung der Tarifsätze ein getreten werden. Dienstag nachmittag werden die Sachverständigen der französischen und der deutschen Metallwarenind ustrie die sie weseutÜH iniEssiererrderr Zoll» sätze besprochen.
Heimkehr Dr. ddenets aus Amerika.
Begeisterter Empfang in Hamburg.
w Zur Begrüßung des aus Amerika zurückgekehrten Führers des „Z. R. 3", Dr. Eckener, waren am Sonn-, tag Nachmittag Vertreter des Reiches, des Freistaats Hamburg, der Presse und der Wissenschaft dem Kreuzer „Columbus" bis Mm Leuchtturm -Roter Sand enr- gegengefahren. Im Reisesalon des Schiffes fanoen große Ovationen für Dr. Eckener statt. Zuerst begrüßte ihn der Vizepräsident des Aufsichtsrats des Norddeut scheu Lloyd, Hoffmann. Er erklärte, es ^i eine Ehre für den Lloyd, daß der erste Luftfahrer uaÄ Amerika mit dem Lloyd heimkehre. Staatssekretär Krone begrüßte Dr. Eckener im Namen dds Reichspräsidenten. Der Vertreter der Reichsregiernng feierte die Erstlingv- fahrt des Zeppelins als ein Zeichen dafür, daß nicht mehr der kühle Verstand des Konstrukteurs, sondern Niste Herzen diese Fahrt vollbracht haben. Er gab schließlich der Hoffnung Ausdruck, daß S gelinge? möge, die deutsche Luftschiffahrt von den tödlichen Fesseln zu befreien und die Siege des Zeppelinlustichnfe^, L 3. 126" Deutschland zu erhalten. Nach weiteren Re- bett dankte Dr. Eckener mit bewegten Worten für die großen Win bereiteten Ehrungen.
Dr. Eckener wird in der nächsten Woche in Berlin im Reichsverband der deutschen Presse ausführlich über die Brauchbarkeit der Luftschiffe als aussichtsreiche Ver- kehrsmittel sprechen. Ueber die tcchnlsch-wirtschaftlime Seite der Luftschiffahrt äußerte Kapitänleutnant von Schiller, vorläufig geuügren für die »seanfaBri-150000- Knbikmeter-Luftschiffe. Das Postluftschiff werde noch gewinnbringender fein, ul^ das Pasiagie rluftschifu
Zwei Ministerreden.
Kanzlerrede i« Köl«.
Reichskanzler Dr. Marx hielt am Sonntag in KNch eiru. Rede, in der er u. a. erklärte: Unser unverrückbares Ziel war und ist die politische nnd wirtjchasitiche Befreiung der besetzten Gebiete. Wir sind noch nicht am Ziel, aber wir sind diesem Ziel näher gekommen. Die Ausweisungen von 40 000 Männern sind aufgehoben,' 400 politische Gefangene freigelassen worden und 1600 Quadratkilometer deutschen Bodens mit rund 900 000 Menschen von fremden Truppen frei. Wir haben heute feste Zusagen von Herriot über die Räumung der wl- oerrechtlich besetzten Gebiete und wir rechnen damit, daß die Räumung der erste« Zone mit der Stadt Köln am 10. Januar erfolgt. Wir haben durch die Annahme des Dawesgulachtens unseren Willen zur Verständigung vor aller Welt durch die Tat bekundet. Wir honen, daß nunmehr Frankreich und die französische Regierung auch im Hinblick auf die kommenden Entscheidungen von dem gleichen Gedanken beseelt sind, der allem zu einer Befriedung Europas führen kann. Ich bedauere es außerordentlich, daß in die Zeit der in London emaelerteten' und seither doch sichtbar fortgeschrittenen Entmannung, der deutsch-französischen Beziehungen die Verhaftung, und Verurteilung des General von Nathnsins gefallen: ist. Ich kann aber einstweilen die Hoffnung nicht auf-.- geben, daß die bisherige Behandlung des Falles m> Frankreich als ein Einzelfall angesehen zu werden: braucht, bei dessen weiterer Behandlung die rranzomckA Regierung dem berechtigten Empfinden des denstchen Volkes und dem beiderseitigen Streben nach Beseitigung der Kriegspsychose Rechnung rragen wird. Wir wollen nach Kräften dafür sorgen, daß einem Unschuldigen sein Recht wird. ~
i Zur Aufwertungsfrage gab der. Kanzler die Versicherung ab, daß die Regierung keinen A^aenbUck dw Frage aus dem Auge verloren habe. Sobald der Reichstag Zusammentritt, sollen ihm Vorschläge von der Reichsregierung vorgelegt werden, die über die im Am- wertungsausschutz des Reichstages von Dr. ^.uther se- , ^ur Frage des Burgerblocks erklärte der Kanzler, mit einem Bürgerblock, wie er in dem aufgelösten Reichstag theoretisch zu errechnen war, wan eine konie- guente Fortführung unserer Außenpolitik Nicht mehr möglich gewesen. Auch nach dem 7. Dezember hat rede praktische Politik zur Voraussetzung, daß wir alle arbeitswilligen Kräfte des Parlaments zusammenfassen mir positiven Arbeit am politischen, wirtschaftlichen und ?oäalen ^ Deutschlands. . Der Kern dieser Arbeitsaemeinschaft wird und muß die Mitte bleiben. Zentrum Deutsche Volkspartei und ©enioftaten. Die Führung'muß in der Mitte bleiben und die Parole urutz heißen: Durch Arbeit zur Freiheit!
Stresema«« in Manche«.
einer Versammlung der Deutschen Volkspartei in «nhineßen wies Reichsaußenminister Dr. Stre^mau«
Mol« der d-EA-K'-d--: berstelluvaSanleihe hin und verteidigte die Volcklk ^ev Reichsfinanzministers. Hinsichtlich fraae warnte der Redner vor den zahlreichen Verspre chungen während des Wahlkampses Er sehr allerdmgs- bie Pflicht des Reiches zur Auftvertung Legen über den. vfriea^anleihe als gegeben an, uicht aber
^mseMinei erwarben. Auch die Auswertung der HY- besoldung feien die größten Härten setzt beseitigst Set Behandlung antzenpolitischer Fragen betonte er datz^ Amschland nach der Abrüstung von Heer und Flotte! Sir ItoÄe nationale Idee bleibe, die sich rm Ruhr-j ^n?Äareick bewährt habe. Unter Betonung der he- S« Mtiiwn »er B-o°lkcr.mg an RScin und Ndr k-atc »r St«I-m->nn, da» öieier S auref fecm gewonnen wurdet schwerer als der Verlust einer, Milliarde Bei Erörterung der Stellung ver dentichen 7' Ä^akt itincrbalb der Weltwirtschaft, für die die Wirt-: ick^Änö?Verstä idigung in London notwendig gewesen iiital£; an der deutschen Wiederherstellung die beste Suro», Wt dafür sei,-daß das Reparationsproblem nicht wie-, auf den machtpolicischen Weg verwiesen unrde., ^eoenüber der Darstellung, die Reichsbahn sei Nerpsan- dct^worden stellte der Außenminister fest, daß das Ver- daß Verwaltung amd Beamte deutich. l^d. Im übrigen fei das Londoner Abkommen nicht ein Schlußpunkt sur die deutsche Entwicklung, sondern ein UnfanL Mit oer Befreiung $e«tsd)l«nb8 von bet einfe^ »tes s ä« ®S BÄ«Äw>
Äleuä ui'KtcrÄ!wb"-w°^ E -'»« "-"«^ Appell zur nationalen Einigung. H
Die Deutschenhetze in Polen.
Der neue polnische Innenminister, Katajski, erklärte Wer die deutsche Politik hu polnischen Grenzgebiet folgendes: „^ch bin im Voiener Gebiet groß genwOen, kenne die Deuftch«^