Kersfelöer Tageblatt
Anzeigenpreis für die einspaltige Petitzeile 10 Pfg. für amtliche und ausmärtige Anzeigen 15 Pfg., die Reklamezeile 50 Pfg. Bei Wiederholungen Dadilak. + Für die Sdiriftleitung verantwortlich Franz Funk in Bersfeld. + Fernsprecher Dr. 8.
Hersfelöer Kreisblatt'
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö
Der Bezugspreis betrügt durch die Post bezogen monatlich 1.— Mb., auss±liehl. Bestellgeld, für
Bersfeld L— (Dk. bei freier Zustellung, Abholer —.80 (Dk. * Dju* und Vers
Buchdruckerei in 5<
budwlg Funks des VDZV.
Nr. 167
Freitag, den 28. November
1924
Das Wichtigste.
— Dr. Eckener wurde vom Reichspräsidenten empfangen.
— Die letzten deutschen Gefangenen sind aus den französischen Gefängnissen entlassen worden.
- — Die neue chinesische Regierung wurde von den
einschlägigen Mächtennurckekscio, nicht de jurq anerkannt.
। — Die französischen Bestimmungen für die
Wahlen im besetzten Gebiet enthalten wiederum einschneidende Wahlbeschränkungen.
— Die deutsch-englischen Wir tschaftsver- handlungen scheinen vor einem günstigen Abschluß gu fiebern, die deutsch-französischen find noch ungeklärt. -
Hier stoßen nun die ägyptischen und englischen Interessen zum zweiten Male aufeinander. Aegypten sieht sich durch die Baumwollerzeugung des Sudan als vornehmlicher Lieferant auf dem Weltmarkt aus dem Felde geschlagen, zumal der Ertrag der Baumwollfelder im Sudan ein erheblich günstigerer ist als der Aogyptens.
Sowohl die Rassenfrage wie die wirtschaftliche Konkurrenz sind somit zwei Faktoren, aus denen stets neue Konflikte entstehen werden. Mag auch diesmal durch die Einsetzung eines England wohlgesinnten und von England bestimmten Kabinetts in Aegypten die Krise noch einmal überwunden werden, so wird hier doch stets die Achillesferse für England sein. Und wehe dem britischen Weltreich, wenn die Aegypter ihre Forderungen mit der Tat bekräftigen.
Dr. M.
England, Aegypten und der Sudan.
Durch die Ereignisse in Kairo ist die Fragte- der Stellung Aegyptens und des Sudan zu dem britischen Weltreich wieder in den Vordergrund getreten. England glaubte durch die Aufhebung seines Protektorats über Aegypten im Jahre Ü922 die ägyptische Frage gelöst zu haben. Den Aegyptern avurde ihre „Unabhängigkeit" wiedergegeben, d. h. in dem Sinne, in dem England Unabhängigkeit auffaßt. Genügen mag außer den verschiedenen Paragraphen, durch die sich her Brite einen festen und dauernden Einfluß auf die ägyptischen Angelegenheiten sicherte, allein die Tatsache, daß ein -sogenannter Sirdar, ein englischer General, mit einer starken Kruvpenmacht im Lande des Nils blieb. Was den Sudan anbetrifft, so dachte England nie daran, seine Machtsphäre auch nur im geringsten zu verkleinern. Um vcm vornherein
Die deutsche Industrie und die Verhandlungen mit Frankreich
Die d eutsch-französischen Wirtschafts verhandlungen sind gegenwärtig in das Stadium der Einzelbesprechungen über die Zollfrage eingetreten, an denen auch die Vertreter der deutschen Industrie teilzunehmen haben. Infolge des Ausbleibens einiger industrieller M- geordneter wurden jedoch die Besprechungen verzögert. Bon französischer Seite wird nun behauptet, Deutschland wolle auf Frankreich einen Druck ausüben, indem es beabsichtige, den Abschluß der Verhandlungen über den 10. Januar 1925 hinaus zu verzögern. Dies ist jedoch, wie uns von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, keineswegs der Fall, sondern man ist vielmehr deutscherseits ernsthaft bestrebt, wenigstens im Prinzip schon jetzt zu einer Einigung mit Frankreich zu gelangen, weil man der Meinung ist, daß dadurch auch die Regelung der politischen Fragen wesentlich erleichtert werden könnte. Don sozialdemokratischer Seite beschuldigt man die
Empfang Dr. Eckeners bei dem Reichspräsidenten
Zu Ehren Dr. Eckeners verunstaltete Reichspräsident Eb ert ein Frühstück, zu dem außer führenden Männern der Industrie, Gelehrtenwelt und Presse auch Vertreter der Regierung, u. a. der R e i ch s a u ß e n m i n i st e r, der R e i ch s- ßinanAminister und General von Seeckt, erschienen twaren. Der Reichspräsident sprach Dr. Eckener den Dank des deutschen Volkes für die großen Leistungen aus, in denen er einen Ausdruck des technischen Könnens Deutschlands und eine nationale Tat erblickt. Dr. Eckener erwiderte darauf, daß nach seinem Eindruck die technische Angelegenheit eine politische geworden fei; denn durch die Fahrt des deutschen Lustkreuzers habe sich in Amerika eine Stimmung gebildet, die den Wunsch eines Freundschaftsverhältnisses Amerikas zu Deutschland zum Ausdruck bringe.
21.
Frankreich entläßt die letzten deutschen Gefangenen.
Auf Grund des Londoner Abkommens wurden am November die letzten acht politischen Gefangenen aus
dem französischen Gefängnis in Haumannsdorf entlasse».
Belgische Gendarmerie unterstützt den Versammlungsterror.
In Krefeld kam es in einer Wahlversammlung zu schweren Störunge». Eine Sprengkoloune, bestehend aus Erwerbslosen, Syndikalisten und Kommunisten, trat unter Füh- Itung zweier aus der Separatisteuzeit bekannter Leute in den Versammlungsraum und besehe das Podium. Der wiederholte« Aufforderung, den Saal zu räumen, kamen die Eindringlinge nicht nach. Nach lebhaften Auseinandersetzungen gab es eine wüste Schlägerei. Es gelang mit Hilfe der
George anläßlich der Aufhebung des englischen Protektorats .in Aegypten über den Sudan folgende unzweideutige Er- stlärung ab: Die britische Regierung werde niemals zulassen, daß die dort (im Sudan) erzielten Fortschritte utib die Zu- kuustsaussichten dieses Gebietes gefährdet werden. Die Eng- Länder hätten Millionen dafür' ausgewendet. Damit schloß «Lioyd George von vornherein eine Gleichstelluirg des Sudan Mut Aegypten aus und bedeutete andererseits den Aegyptern, daß ihre Ansprüche auf den Sudan bei England nie ein
bleiben ihrer wichttgsten Vertreter sabotieren zu wollen. In den maßgebenden industriellen Kreisen best reitet man ganz energisch die Behauptungen über irgendwelche Sabotageab- sichten und nracht darauf aufmerksam, daß von soztaldemo- kratischer Seite seit Wochen systemattsch gegen die deutsche
die Rede begonnen hatte, erschien belgische Geudarmerie im S aal, geführt von einer Gruppe Erwerbsloser. Die Gendar-
idaß ihre Ansprüche auf den Sudan bei England nie ein offenes Ohr finden würden. ,
Mit dieser Erklärung hatte sich England ab>m einen steten Konfliktstoff mit Aegypten geschaffen. Der Sudan gehört geographisch wie echnogvaphisch zu Aegypten. Zwar sucht England den Sudanesen systemattsch klar zu machen, daß sie keinerlei Bezichungenzu Aegypten haben und eine Rassen- gemeinschast mit Aegypten eine Erfindung der ägyptischen Rationalpropaganda sei, aber solche Propaganda schlägt nicht mehr ein. Alle moralischen Gesichtspunkte müssen für England in den Hintergrund treten, denn feine ganze Politik in Aegypten ist abhängig von zwei Faktoren: dem S u e z» kanal und der Baum w o lI produktio n im Su-
i> a n. Mag Aegypten auch formell seit 1922 feine Selbständigkeit besitzen, den Suezkanal beherrscht nach wie vor allein -Las britische Weltreich. Der Kanal ist der Ha uptstützpunkt ,ides englischen Kolonialreiches und des britischer Welthan--- bel.s Das gütige Geschick, das überhaupt bei her englischen «Kolonisation eine große Rolle spielt, hat den Engländern Die Herrschaft über die richtige Berbindungsstraße vom 'Mittelmeer zum Roten Meer in die Hände gesp ielt. Mit ffranzösischem Kapital und der namhaften Beihilfe des tür- Lischen Vizekönigs wurde das Unternehmen gegrwbet, aus dem die Engländer ursprünglich ausgeschlossen waren. Die
«Zeit kam England zu Hilfe. Ein Jahr nach < Z .
Kanals geriet Frankreich in den Krieg mit Deutschlau'ch wo- Lurch feine Aufmerksamkeit vom Suezkanal abgelenkt ^wurde. Hinzu kam, daß Ismail Pascha gezwungen war, seinen A'ktten- Vesitz, der einen wesentlichen Teil des Gesamtkapitals- der Gesellschaft ausmachte, zu verkaufen. Da wurde England Ehörig und kaufte das ganze Aktienpaket. Seitdem haü es e Herrschaft systematisch erweitert und somit den kürzesten weg in sein größtes Kolonialland Indien ganz in feine Hand bekommen. Hier liegt der Lebensnerv des br i» ti s ch e n Weltreichs, und durch den Suezkanal unS den Sudan hat England zwei Fäden in der Hand, mit denen !es Aegypten stets am Gängelbande hat.
(Eröffnung des
Was die englische Beherrschung des Sudan anbetrifft, Fo liegt der Wert des Sudan für England mehr in der wirt- fchastlichen als der politischen Bedeutung: Hier sah England ein Mittel, sich die Abhängigkeit von der Baumwolllproduk- "■^ften Grade lästig war, des amerikanische»r Vür-
ttion Amerikas, die ihm stets im Höchst abzustreifen. Die Episode während des gerkrieges, in dem der Baumwollmangel geradezu chale Gefahr zu werden drohte, ließ sich der gesch
eine natio-
chale Gefahr zu werden drohte, ließ sich der geschäftstüchtige Brite zur Warnung dienen. Durch eigene Baumwolle rzeu. gung konnte sich England mit einem Schlage freimachen von [6er teueren Daumwolleinfuhr aus Amerika. Die qevgvqyhi- Mn und geologischen Verhältnisse des Sudangebietes boxten England die Möglichkeit zu einer weitausged-chnten BarlM- «vollkultur. Dazu war die Zufahrtstraße zu dezn BgMMM» tzande die denkbar beste. , ' ' j
Schwerindustrie gehetzt wird.
Die Abreise der Sachverständigen hat lediglich deshalb aufgeschoben werden müssen, weil einer der eingeweihtesten Sachverständigen plötzlich erkrankt war. Es ist jedoch damit zu rechnen, daß die Delegation der Sachverständigen aus der Schwerindustrie - bereits in den nächsten Tagen abreisen kann. Der größere Teil dieser Sachverständigen ist bereits nicht nur abgereist, sondern auch schon in Paris eingetroffen. So der ehemalige Minister von Räumer, der als Sach- verstäudiger für die elektrische Industrie wirkt. Auch der Großindustrielle T h y f f e n weilt bereits in Paris. In- zwischen hat man diesen Verhandlungsgegerrstand so lange zurückgestellt, um sich zunächst der Frage der Textilzölle zuzu- wenden. Die Metallindustrie wird bei der Wiederaufnahme der Verhandlungen in Paris den Standpunkt vertreten, daß die elsaß-lothringischen Kontingente, die nach dem Friedensvertrage in Deutschland zollfrei eingeführt werden müssen, wesentlich herabgesetzt werden. Die Be- str-ebungen seitens französischer Jndustriekreise, auch nach dem 10. Januar eine möglichst zollfreie Einfuhr nach Deutsch- chrnd drlvchzusetzen, um auf diese Weise in der deutschen Metallindustrie festen Fuß zu fassen, werden von der Schwerindustrie aufs schwerste bekämpft Die deutsche Metallindustrie vertritt den Standpunkt, daß fu im In lande nur dann konkurrenzfähig bleiben könne, wen, diese^ durch ausreichende Zölle gegen ein« Schleu d erkonkurrenz des Auslandes geschützt wird.
Die deutsch-englischen Wirtschaftsverchandlungen.
®d den Londoner derrtsch-englischen Hcmdelsverirags- verhaudlunoe« ist ein Kompromiß in der Frage der Repa- catiousabqabe von 26 Prozent in Aussicht genommen. Deut- ^dierfeifs ist der Vorschlag gemacht worden, die eigenen Zah- Sunaen für Rechnung der 26prozentigen Abgabe, die von den
Kaufleuten in England geleistet werden und mit Eitaniertaleiten und Unannehmlichkeiten für den Handel mr- sind, durch eine Pauschalzahlung der deutschen Re- gierung abzulösen.
^^ deutsch-schweizerische Abkommen in Kraft.
Das deutsch-schrveizerische gibTommen über die Einfuhr- ist von der Reichsregierung und von der märHaen Amt hat daraufhin zwischen bem Reich Sinuustor ?es Auswärtiger' Dr. Stresemann und dem f^me^ri^n Geiandteii Dr. Rüfenacht ein Notenaustausch stott- nefunDen denizufolge das Abkommen riach »lauf der darin SÄ® °°n zwei Wochen, also am tO Dezem. ber 1924, in Kraft tritt.
merie durchsuchte die Anwesenden nach Waffen, fand aber keine. Als die Eindringlinge nicht mehr zu entfernen wa 2N^ schloß der Versammlungsleiter vorzeitig die Versammln ug.
Französische Hetze in Reinkultur.
Sauerwein setzt für den „Matin" seine „Erkund dungsrei sc" durch Deutschland fort und berichtet weiter zaus Hamburg, daß er in den Bureaus der großen Banke» geweilt habe, die wahrhafte Museen der französischen Malerei seien. Immer stände man dort unter dem Eindruck größter Ueppigkeit. Er habe dann das Gänge-Viertel in Hamburg besucht, um hier den Kommunismus zu studieren. Eigentlich verhielten sich die Kommunisten dort ruhig; aber 80 000 entschlossene Leute ständen bereit; sie warteten nur auf das Signal um loszuschlagen. Sauevwein spricht weiter von dem Heer der Arbeitslosen in Haurburg, von den Reedereien, deren Besitzer über Millionen verfügten, während die Arbeiter nur 42 Pfennig Stuirdenlohn hätten. Unter den unden sich
Reihen der 50 000 bis 60 000
Lere. Der
ferner viele entlassene Beamte und
Zweck derartiger Berufe aus bet Feder des Herrn Sauerwein ist viel zu offensichtliche ais daß mau sie nur dusch ei» einziges Wort zu kommentieren braucht.
Neue amerikanische Anleihen für Frankreich.
Nach einer Agenturmeldung aus New Pork werden in Paris demnächst mehrere amerikanische Bankiers eintreffeu, um über zwei neue französische Anleihen bis zu 4 Millionen Dollar zu beraten. Diese sollen hauptsächlich für die französischen EisLnbahngesellfchgL- t e n Verwendung finden.
Frankreich soll feine Kriegsschulden bezahlen.
»Chicago Sribune' meldet ansWashiugton, Staats- sekretär Mellon habe der Erwartung Ausdruck gegeben, daß Frankrel* W MkÄk Mir Bezahln»- fein« Krtzs«. schulden einleite.
Die Beilegung des englisch-ägyptischen Konfliktes.
Wie aus Kaivo gemeldet wird, werden, entsprechend der britischen Forderung, wmte»e ägyptische Offiziere und -Truppenteile aus dem Sudan zurückgezo- gen. Khartum ist von ägyptischen Truppen, frei. Die Zurückziehung ist ohne Richestörung vor sich genügen. Nach dem „Evening Standard" beabsichtigt das Auswärtige Amt in London, die künftigen englisch-ägyptischen Beziehrmgen m einem neuen Vertrag zu regeln. Llegypten wird als Monarchie weiterbesiehen. Eine angemessene Autonoime wird ebenfalls zugestanden. Großbritannien über- wacht den Suez-Kanal. Die Rechte des Sudans sollen so gesichert werden, daß ägyptische UeVergriffe ausge- fdMen sind. Außerdem wird üicEistführgsg eiseg