Kerskelöer Tageblatt
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hersfel-er Kreisblatt'
Amtlicher Mzeiger fir den kreis hersftlö
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Nr. 175
Montag. den 8. Derember
1924
Das Wichtigste.
; Die Zusammenkunft Chamberlains und Her- riots in Paris wird von der Londoner und Pariser Presse überaus günstig kommentiert.
In Sachen der Fixierung des Achtstundentages überläßt Frankreich großmütig Deutschland den Vortritt.
Krassin hat in Paris bei Uebernahme der Botschaft sich in bemerkenswerter Weise über die Stellung Sowjetrußlands zu den nationalen Fragen Rußlands ausgesprochen.
Sie KirMaftsbezichmgen zwischen SsuiDand und Men.
Der Handelsvertrag eine Notwendigkeit.
Seit Mitte voriger Woche werden in Rom die deutsch- itakenischen Verhandlungen zum Handelsverträge geführt. Man geht beiderseits davorr aus, diese Verhandlungen mög- Uchst schnell durch Unterzeichnung des Vertrages zu beenden. Daß grundsätzlich die beiderseitige Meistbegünstigung erstrebt wird, ist eine Selbstverständlichkeit. Wohl kaum hat es bis jetzt zwei Länder gegeben, die so auf einen neuen Handelsvertrag angewiesen waren, wie zurzeit Deutschland und Italien. Italiens Ausfuhr nach Deutschland bestand bis jetzt im wesentlichen aus Obst, Südfrüchten, Kartoffeln und Eiern, also Produkten, durch deren Einfuhr die deutsche Landwirtschaft in gewisser Hinsicht geschädigt wird. Deutschland exportierte vor dem Kriege hauptsächlich Papier und Bijou- teriewaren, wie sie durch den Fremdenverkehr Italiens bedingt sind, sowie Häute, Felle und Halbfabrikate. Nach dem Kriege hat aber speziell in der Lombardei und Süditalien die Industrie große Fortschritte gemacht, so daß es den deutschen Firmen trotz der Inflation schwer wurde, ihre Waren in Italien abzusetzen, da die italienische Regierung italienische Ausfuhr nach Deutschland in den letzten Jahren rapide zu, besonders ist dies seit der Stabilisierung der Währung zu beobachten. In einer Zeit, wo es in Deutschland darauf ankam, jeden Luxusimport zu verhindern, hat Deutschland Italien mehr als die Hälfte der Ausfuhr von Apfelsinen und frischem Obst abgenommen. Italien exportierte in der ersten Hälfte dieses Jahres 1021 987 Dz. Apfelsinen, davon gingen 521023 Dz. nach Deutschland, an frischen Früchten wurden im ganzen aus Italien 298 797 Dz. aus geführt, davon 163 452 Dz. nach Deutschland. Diese Zahlen sprechen genug. Deutschland hat dadurch den zweifelhaften Ruhm, die italienische Handelsbilanz für das erste Halbjahr 1924 aktiv gestaltet zu haben. Deutschlands Einfuhr aus Italien betrug unter Zugrundelegung eines Umrechnungskurses von 18,20 M. für 100 Lire 141, ferne Ausfuhr nach Italien dagegen nur 104 Mill. Während vor dem Kriege Deutschland einen hohen Ausfuhrüberschuß nach Italien hatte, ergibt sich bis jetzt ein Einfuhrüberschuß von 37 Mill. G.-M. Die italienische Regierung weiß natürlich genau, daß ihnen diese angenehme Ueberraschung nur einmal passieren kann. Sie hat ihre 37 Mill. auf die Habenseite gebucht und steht nun einem neuen Handelsverträge mit Deutschland sympathisch gegenüber. Das Gespenst eines angeblichen deutsch-- wirtschaftlichLN Imperialismus oder, wie es in Italien heißt, „penetrazione tedesca", hat in eingeweihten italienischen Kreisen nie bestauben. Das sind Schlagworte der italienischen Poesie, die sich! gern in solch« Extremen bewegt.
Wir haben schon oben angeführt, daß Italien der deutschen Einfuhr Schwierigkeiten bereitete. Während im ersten Halbjahr 1923 noch 74 551 Dz. Zellulose aus Deutschland nach Italien eingeführt wurden ging der Import im gleichen Zeitraum dieses Jahres auf 47 898 Dz. zurück, dagegen konnte an Papier etwas mehr abgesetzt werden (87 505 Dz. 1923 und 90 313 Dz. 1924)). Die Tatsache, daß Italien auch darauf besteht, in Deutschland seine industriellen Erzeugnisse absetzen zu wollen, hat in beteiligten Kreisen großes Befremden und lebhafte Besorgnis hervorgerufen. Man hatte deutscher. Kits bisher angenommen, daß sich der gegenseitige Handels- verkehr der beiden Länder in ähnlicher Form absprelen werde wie vor dem Kriege. Jetzt tritt nun Italien zum ersten Male als industrieller Konkurrent auf dein deutschen Markte auf. Abgesehen von der italienischen Automobilindustne, die seit langem in hoher Blüte steht, gab es bisher kaum euien Industriezweig in Italien, dessen Erzeugmste aus deutschen Märkten irgendwie gefährlich werden konnt<m. ^etzt sieht man daß die italienischen Schutzzölle ihre Fruchte tragen. Der gesamte Welthandel hat erst 90 Prozent fernes letzten Frieden sstaii des wieder erreicht, während der gesainte teutsche Außenhandel nur ungefähr die Hälfte der ZP ern des Jahres 1913 aufweist. Italiens Außenhandel hat Dagegen erheblich angenommen, wenigstens der Export an ~ dgimartii^ wnh- rend für die junge Industrie erst Absatzgebiete ^-ichaffen werden sollen. Daß sich Italien gerade D-utsaMnd als Absatzgebiet aussucht, ist nicht recht M t^gehen. Wenn Jtalien von dem Gesichtspunkt ausgeht, daß die (fkftebuncp tosten der deutschen Fabrikate höher sind als die anderer Lander, ins- Hesoildere als & JtgÜNH fei WÄ W bederrkey, daß dM Wr
ein transitorisches Moment ist, das sich schnell verschieben wird. Soviel kann aber schon jetzt gesagt werden, daß sich die Folgen dieses deutsch-italienischen Handelsvertrages ungleich schärfer auswirken werden, als es bis jetzt bei irgendeinem anderen Handelsverträge der Fall war. P.
Die BeBrechung zwischen
Herriot und LhamSerlain.
Die Besprechung zwischen Herriot und Chamberlain dauerte zwei Stunden. Es wurde darüber nach einer Stunde folgendes amtliche Kommunique herausgegeben:: Chamberlain hatte eine zweistündige Besprechung mit dem ftanzösi- schen Ministerpräsidenten. Im Laufe dieser Unterredung haben die beiden Minister die verschiedenen äußeren Pro- Weme angeschnitten. Eine Einigung wurde erzielt über die Fragen, die eine sofortige Lösung verlangen. Gewisse 91h« gelegenheiten fordern eine längere Prüfung. Die beiden Minister sind übereingekommen, diese Prüfung fortzusetzen mit dem festen Willen beiderseits, die zwischen Frankreich un d England bestehenden freundschaftlichen Beziehungen zu entwickeln und die Aufrechterhaltung des Friedens zu gewährte i st e n.
Vor seiner Abreise von Paris hat der englische Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten Austen Chamberlain an die Mitglieder der Presse folgende Ansprache gehalten-: Wir Minister und Politiker arbeiten nach bestem Können um die freundschaftlichen Beziehungen, die unsere beiden Länder durch die Erinnerungen des gemeinsamen Ruhmes, gemein- saure Prüfungen und gemeinsame Interessen einen, zu verstärken. Leihen Sie uns hierzu Ihren Beistand. Unterstreichen Sie nicht zu sehr die Meinungsverschiedenheiten, die von Zeit zu Zeit selbst unter den besten Freunden vorkommen können. Seien Sie vielmehr die Dolmetscher unserer beiden Nationen, mit anderen Worten, „Der eine für den anderen". Die englische Presse möge es sich zur Pflicht machen, den französischen Standpunkt verständlich zu machen, und die fran- Ansicht zu erläutern. JeDer für sich möge deshalb zum Verteidiger der Entente cordiale werden, die immer Frankreich und England einen muß, dann wird die Presse uns bei unserer wohlwollenden Aufgabe einmütige Unterstützung leihen.
Die „Ere nouvelle" faßt das Ergebnis der Besprechungen kurz dahin zusammen:
1. Frankreich und England bleiben geeint in der Verteidigung ihrer gemeinsamen allgemeinen Interessen.
2. England verwirft das Genfer Protokoll nicht, wird aber einen Beschluß erst an dem Tage fassen, an dem die Meinungsäußerungen der Dominions vorliegen.
3. England lehnt jede internationale Lösung ab, die die Sicherheit Frankreichs nicht gewärleistet.
4. England hat nicht die Absicht, die Beziehungen FU Sowjet- rußland abzubrechen.
*
Der über die Besprechungen zwischen Chamberlänr und Herriot herausgegebene amtliche Bericht wird von der Presse so ausgelegt, daß die Frage der Räumung Kölns, der französischen Schulden an England und der Ereignisse in Spanisch-Marokko erörtert worden sind. Ueber die Räumung von Köln wurde verabredet, daß vor der Fertigstellung des Berichtes der Militärkontrollkommission die Räumung nicht statt- finden kann. Die englische Presse zeigt sich von der freundlichen Aufnahme Chamberlains in Paris sehr befriedigt. Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" berichtet: Wenn die Räumung Kölns stattfinden sollte, so er? hebe sich die Frage, welche Gegend dann von den englischen Truppen besetzt werden solle. Koblenz werde vorgeschlagen und würde in London günstig beurteilt. Aber nach deutscher Meinung solle das englische Hauptquartier in Trier aufgeschlagen werden. „Daily Telegraph" 'behauipet, daß der Bericht der Interalliierten Militärkontrollkommission sehr viel ungünstiger ausfallen würde, als allgemein behauptet wird, und daß unter diesen Umständen- die Frage der Räumung von Köln am 10. Januar einige Schwierigkeiten bereiten würde. Nach einer Radiomeldung wird Herriot wahrscheinlich noch Ende Dezember oder Anfang Januar nach London reifen, um mit Chamberlain über die Räumung Kölns und die Ablösung der Interalliierten Kontrollkommissionen durch einen Konsrollausschuß des Völkerbundes zu verhandeln.
Krassin über Rußlands Politik.
Der russische Botschafter Krassin in Paris erklärte: Die Sowjetregierung weigert sich, juristisch die Vorkriegsschulden anzverkennen, aber sie bleibt prinzipiell der Nachforschung nach einem Gebiet gemeinsamer Verständigung nicht abgeneigt. Hierbei muß aber das Prinzip der Gegenseitigkeit vorherrschen und unsererseits verlangt werden, daß Ersatz für die Kriegsschäden bei dem Auf st and v o n Wran ge l, K o l ts cha k u s w. geleistet wird. Diese Forderung werden wir im Januar bei den diesbezüglichen Koimnissionsverhandlungen erheben. Was die Beteiligung von Privatkapital in Rußland WbÄWg^ so sind wir bereit, dafür KaMttiM zu geben, aber
wir lassen uns nicht ein Hypothekensystem auferlegen und eine Kontrolle, wie es bei Deutschland durch den Dawesplan geschieht. Wir haben an der nationalen Wiederherstellung ein so großes Interesse, daß wir nichts anderes tun können, äls gewissenhaft unseren Verpflichtungen aachzukonrmeu.
Verhaftung eines Oeusschführers in Mbnik.
Auf Veranlassung der polnischen Staatsanwaltschaft wurde in Rybnik der Leiter des Deutschen Volksbundes, Lehrer a. D. Matches, nach Durchsuchung seiner Wohnung verhaftet.
Frankreich läßt Deutschland den Vortritt.
Wie aus Paris gemeldet wird, hat die französische Regierung in der Kammer einen Gesetzentwurf eingebracht, der die Ratifikation des Washingtoner Abkommens über den Acht- stundentag vorsi-cht. Nach der Regierungsvorlage soll dieses Abkommen erst dann in Kraft treten, wenn seine Ratifikation auch durch Deutschland erfolgt ist.
Züpan und die amerikanischen Manöver.
Nach Pressemeldungen aus Tokio herrscht in den japanischen Zeitungen eine nicht unerhebliche Aufregung wegen der geplanten amerikanischen Flotte-nmcmvver im Stillen Ozean. Sie werden einen viel größeren Umfang annehmen, als es die Botschaft des Präsidenten Coolidge erwarten ließ, in der lediglich betont wurde, daß Manöver und Ausbildung für eine wirksame Landesverteidigung notwendig seien. Nun aber stellt sich heraus, daß bei den Flottenmanövern auch eine markierte australische Flotte teilnehnren wird. Man folgert hieraus in der japanischen Presse, daß hinter den Manövern eine feindselige Absicht gegen Japan liege. Die Schlachtflotte, die an diesen Manöver»» teilnehmen wird, besteht aus zwölf Dvoadnoughts und den dazugehörigen Schiffen. Die zwölf Dreadnoughts haben allein einen FchsungsrmM MG MMMMW ^g£g£gj|^g£pM^^^^^
ÄmSilönng des spanischen Direktoriums.
Havas meldet, daß man nach spanischen Nachrichten aus guter Quelle eine alsbaldige Umbildung des Direktoriums in Spanien erwarten könne. General Primo de Rivera, dessen Rückkehr nad) Madrid etwa am 20. Dezember erwartet werde, wolle, wie es scheine, unter seinem Vorsitz ein aus zivilen Per- fouen zusamnrengesetztes Kabinett bilden. Als Außenminister käme der jetzige spanische Botschafter in London Merry bei Val, als Justiz-minister der Professor für Rechiswissenschafteu an der Universität Madrid Elements de Diego, als Auren- minister Gongales Rotwos, zurzeit Generalsekretär beim Staatsrat, und als Marineminister der derzeitige stellvertretende Vorsitzende des DirsflvVUAW, MurM MüWL » MraM. ....... - ;
Die ägyptische Gefahr.
3m Znsammenharlg mit dem angeblichen Komplott ägyptischer Natiormlisten gegen die Mitglieder des britischen Kabinetts sind von der englischen Polizei eine Anzahl Haussuchungen vor genommen worden. Dem „Star" zufolge haben mehrere Minister in der letzten Zeit Drohbriefe erhalten, die vernrutlich aus ägyptischer Duelle fbamaweii. Gelegentlich der Eröffnung des Parlaments wird daher eine besonders scharfe Ueberwachung ausgeübt werden. — Das Kriegsgerickst in Kairo verurteilte vier an dem Aufstand des fud<n«stsch<m Bataillons in Khartum beteiligte Offiziere zum Tode. Drei wurden erschossen; ei» Tud»!sux»atl wavde W 15 Jahre GMW«s umgewandelt. ■ ■
Notrufe aus dem Saarge-iet.
,Die Hauptveviaumckung des Leveins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaMchen Interesse» im Saargebiet sandte an den Führer der deutschen Dcklegcrüou Staatssekretär Tven- delenbuvg in Paris und an den ftar^Mschen Hrndelsminister Rayimldy folgendes Teieyrvnmr: „Mit schmerzkichem Be- dauern stellen die Wirtschaftskreise des Soargsbietes fest, daß bei den Handelspattttscheir Verhandluirgvn zwischen Desfisch- land und Frankreich die bedrängte Lage des ©curogetnetes keinerlei Beachtu-ag gefunden hat. Unsere stark gefichrdete« Lebensintevessen zwingen M der eindringlich«» Mtte, dee deutsche und französische Delegation mögen mit größter Be- ffbteuniguTsg unter gleichzeitiger Zuziehung «m uns #x er- nennender Sachverstand igenberater eine Harrdelspobtische ßöfwrw? für das Saargebiet h^beiführen, tue »refege W-O- schuft vor soyst schwache« Lvschültermrrgeu berachrt.
Scharfe Verfols»»- der Kommmriste» m Estland.
Irr Reval ist die Zahl der verhafteten Aufrührer auf 200 gestiegen. 1*0 sitzen noch im Gefängnis und erwarten ihr Urteil. 20 w«r-^n fv-igelaff«», und 40 sind «fsoffen worden. In der Gegend von Narr» mach« Polrzer und Militär Jagd auf die FlüchMnZ« aus Reval. Von den HÄ- fern des Konununisten generals Ar-welt wurden bret verhaftet urch MÄ W NW W^ lis. ikSMMM SWHB®^