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Hersfelöer Tageblatt

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5] Kersfelöer Kreisblatt' [ igen: Z r :

Amtlicher Anzeiger für öen Kreis HersfelS

Der Bezugspreis beträgt durch die Post bezogen monatlich L (I)k ausschlietjl. Bestellgeld, HP Bersfeld 1. Mk. bei freier Zustellung, Abhole- .80 MK. * Druck und Verlag von Ludwig Funk Buchdruckerei in Bersfeld, (Ditglied des VDZV.

Don Ludwig Funk

Nr. 177 . Mittwoch den 10. Dezember

1924

iaKBa MHMiäiMi*

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Das Wichiigste.

Nachdem nunmehr Las Ergebnis der Wahlen ziemlich endgültig feststeht, werden sich die Kabinette im Reich wie in Preußen mit der neuen Lage bzw. Mt den Vorarbeiten zur Regierung sn eubildung beschäftigen.

In Sachsen ist eine bürgerliche Mehrheit aus der Wahl hervorgegangen, ebenso wie im braun- schweinischen Landtag die Bildung eines Bür­gerblockes durchgeführt werden kaum

Die Sitzungen des Völkerbund rotes in Rom haben begonnen.

In London eröffnete der König in der alther­gebrachten Weise das Parlament.

Sparkasse und Kre-iipolilit.

Seit einiger Zeit werden in der Presse gegen die öffent­lichen Sparkassen gewisse Vorwürfe erhoben. Die Anlage- politik der Sparkassen wird kritisiert, weiter wird ihre G e- schäftsordnung, insbesondere die vorgekommenen Un­regelmäßigkeiten und drittens der Mangel an Kon­trolle von der Oeffentlichkeit mißliebig beurteilt.

Bekanntlich konnten die Sparkassen auf Grund des Sparkassenreglements von 1838 ihre Gelder in Hypotheken, namentlich auf Kleinwohnungen, in Darlehen an Gemein­den und Private, hauptsächlich aber aus dem Mittelstände gegen Pfand, Bürgschaft oder Wechsel, sowie in Krediten an Genossenschaften anlegen. Zum Zwecke der Liquidität mußten die Sparkassen ferner einen größeren Betrag in erstklassigen mündelsicheren Papieren, sowie entsprechende Guthaben bei öffentlichen Banken unterhalten. Die ver- änderten Verhältnisse, namentlich die gewaltige i n d u st r i- e ttMiM|*i<it ng Me «^-MM. *^ » ^^MW^LrM sich, daß zur Einschränkung des Bargeldverkehrs aus fassen* technischen Gründen eine Vervollkommnung der Zahlungs- methoden angestrebt werden mußte. Die Sparkassen hatten vor dem Kriege ungefähr einen Einlagen best and von 20 Milliarden Mark. Sie erhielten im Ähre 19 0 8 die passive Scheckfähigkeit, 1909 das Recht, den Giroverkehr zu pflegen und die dadurch bedingten kurzfristigen Darlehnsgeschäfte zu tätigen. Unter normalen Verhältnissen mußten die Sparkassen, um sich flüssig zu halten, bereits einen erheblichen Teil ihrer Gelder sofort greifbar zur Verfügung halten. Früher wür­fen etwa 30 Prozent für diese Zwecke angenommen. Wenn schon in normalen Zeiten, wo Abhebungen in der Regel durch neue Einlagen wieder gedeckt wurden, eine verhältnis­mäßig hohe Liquidität geboten war, so muß heute bei der geringen Stetigkeit der Einlagen die Liquidität eine noch wesentlich höhere sein. Die Sparkassen können, daher nur einen sehr geringen Teil ihrer Gelder langfristig anlegen. Es ist unter diesen Verhältnissen ausgeschlossen, daß etwa nur Hypotheken hierfür in Frage kommen. Kredite gegen die Hypotheken sind von den Spar­kassen schon häufig gegeben worden. Aller- dings hat die Nachfrage nach Hypotheken erheblich nachgelassen. Die für Neubauten gewünschten Baugelder übersteigen in der Regel die den Sparkassen vorgeschriebenen Beleihungs- grenzen erheblich.

Durchschnittlich sind drei Viertel der heutigen Spar- kassengelder Girogelder, sind also nur vorübergehend einge­zahlt und können jederzeit wieder abgehoben werden. Die Behauptung, daß die Sparkassen hauptsächlich mit Staats- geldern (Reichseisenbahn- oder Postgeldern) arbeiten, ist un­richtig. Zu besonderen Notstandszwecken sind Gelder aus diesen Anstalten durch Vermittlung der Sparkassen den be­treffenden Hilfsbedürftigen zugeführt worden, sonst kommet nur laufende Gelder in Frage.

Im Deutschen Sparkassen- und G irover­band sind etwa 3000 öffentliche Sparkassen mit mehr als 5000 Zweig- und Filialstellen angeschossen. Bei 23 dieser 8000 Sparkassenstellen sind Unregelmäßigkeiten vorgekonr- men, die hauptsächlich in verfehlten, satzungswidrigen An- lagegeschäfteN bestanden. Die Mehrzahl dieser Unregel­mäßigkeiten wurde durch die Revision der Verbände aufge­deckt und rücksichtslos verfolgt. Die schuldigen Beamten sind entlassen und werden strafrechtlich verfolgt. Man muß bei dieser Gelegenheit feststellen, daß auch die schlnmnen Fol­gen der Inflationszeit bei den Sparkassen ungesunde Er­scheinungen mit sich brachten. Den Leitern der Kreditanstal­ten ging durch die verwirrenden Inflationszohlen das rich. tige Augenmaß für eine Abschätzung der Werte und der Kreditfähigkeit, wie auch der Gefahren bei der Kapitalan­lage verloren. In fast allen Fällen der Unregelmäßigkeiten handelt es sich aber um Sparkassenleiter und Beamte aus der Kriegs- und Nachkriegszeit, die zu mehr als 50 Prozenl ehemalige Bankangestellte waren.

Bezüglich der Kontrolle mag gesagt sei«, daß die Aufsicht über die Sparkassen außer dem Sparkassenvorstand die Regierung als staatliche Aufsichtsbe- Horde ist- Sie I)at das Recht der jederzeitigen Revision. Die Sparkassenverbände haben Revisionseinrichtungen ge­troffen und stellen untereinander ihre fachmännisch ausgebil' ihete« Revisoren dep Sparkassenvorständen zwecks Pcäfurrg

der Sp^r,zur Verfügung. Eine Verpflichtung bestand bisher nicht, jedoch wird eine solche angestrebt. Die meisten Sparkassen haben sich aber freiwillig dieser Revision unter, zogen. Heute darf gesagt werden, daß im großen und ganzen alle Sparkassen dank der Revistonstätigkeit der Verbände nachgeprüft worden sind.

Im Interesse der Wirtschaft haben die Sparkassen weiter eine wichtige Aufgabe darin zu erfüllen, daß sie an kredit­würdige Personen ihres Wirkungskreises die im kleinen ge­sammelten Kapitalien sicher ausleihen. Die hierbei von den Sparkassen besonders bevorzugten Bevölkerungs- schichten sind vom Bankkredit mit Rücksicht auf den geringen Ertrag ihrer Geld- und Leihgeschäste ausgeschlossen. Sie sind, wie früher, auf ihre Sparkassen angewiesen.

Die amtlichen Wahlergebnisse.

Reichstag.

Das vorläufige amtliche Gesamtergebnis der Reichstags» wahlen, das sich an Stimmeuzahl nur ««Wesentlich, an der Mandatsverteilung nicht mehr ändern kann, ist folgendes:

7. Dezember

Stimmen Mandate Dtnatl. N. Landliste. 6 678 289 111 Deutsche Bolkspartei 3 046 493 51 Wirtsch. Bereinig. . 1253 868 21 (einf^L Hans, mit 4 Mand.) RationÄlsozialisten . 891671 14 Bayer. Volkspartei . 1111786 19 Zentrum. . . . . 4117 481 69 Deurolraten . . . 1902 646 32 Lozialdemorraten. . 7 859 433 131 Kommunisten . . 2 679 429 45

Landtag.

4. Mai Stimmen Mandate 6 292 825 106

2190 447 44

1004 198 15

1 924 918 32

946 649 16

3 921 206 65

1658 076 28

6 014 372 100

3 746 643 62

7. Dezember Stimmen Mandate

Dentschnationale . . 4 363 000 Deutsche VolLsparM 1768 600

NatisnJsoMMn T* 459 000 Zentrum . ... 3178 000 Demokraten . . . 1071000 Sozialdemokratsn . 4 522 009 Kommunisten . . . 1752 000 Hannoveraner . . . 256 000 Rat. Minderheiten . 85 000 Deutschsozia!« . . . 112 000 Sonstig« . . . . . 154 009

Februar 1921 Stimmen Mandats

109 3 040 000 76

45 2 362 000 57

11 ^"^

81 8 027 000 79

27 1 028 000 24

114 5 453 060 138

44 1 253 000 27

6 438 000 8

2 63 060 2

abgesplitt. 7

Die deutschen Wahlen und das Ausland.

Die Pariser Presse kommentiert sehr lebhaft das Ergebnis de"r Reichs- tagswahlen in Deutschland. ImPetit Journal" wird gesagt, auch in Zukunft dürfte die jetzige Regierungs- kombination, bestehend aus Demokraten, Zentrum und Volks- partei, die sich einmal auf die Sozialdemotraten, ein anderes- mal auf die Deutschnationalen stütze, beibehalten werden. Die Gewinns bzw. Verluste der Parteien seien nicht so beträcht­lich, daß die allgemeine politische Lage sehr geklärt worden sei.Avenir", bas Blatt Millerands, schreibt: Das grosse demokratische Revirement in Deutschland, dessen Vollziehung infolge der französischen Wahlen vom 11. Mai das Tadels der Linken in Frankreich erhofft habe, sei nicht erfolgt. In­folge der starken Wahlbeteiligung hätten alle Parteien mit Ausnahnw der extremen gewonnen, das KrÄfteoer- hältnis bleibe aber ungefähr das gleiche wie im alten Reichstag. Die Deutschnationalen hätten von ihren Truppen und ihrer Macht nichts »erlouLn; sie hätten sich vielmehr ver­stärkt, und die Möglichkeit der Bildung eines Büp.g'arbl!o^cks sei heuL-^ Diel Kroßer als gestern.

Däa eNiKlifche Pr-esfe.

Die liberalen Organe Londons äußern sich sehr beftie- digt über die Niederlage der extremen Parteien.West- minster Gazette", die überzeugt ist, daß Marx oder fein Nachfolger die Politik der Versöhnung fortsetzen werde, die bereits so gute Ergebnisse gezeitigt habe, erklärt, der Ausfall der Wahlen sei nicht überraschend, es sei schon lange deutlich gewesen, daß die Politik der Bedrückung und Geringschätzung Deutschlands gegen diejenigen zurückwirken würde, die sie am wandten. PoinearS habe auf dieser Politik bestanden, bis die französischen Wähler erkannten, daß das Ergebnis ebenso nachteilig für Frankreich wie ruinös für Deutschland war. Die diplomatische Atmosphäre fei im ganzen besser als seit vielen Jahren. Die deutschen Wahlen bezeichneten einen neuen Fortschritt auf dein Wege zu ruhigen Zuständen, deren Europa so dringend bedürfe.

Das Ergebnis der Reichstagswahlen hat in der Schweizer Bevölkerung, soweit bis jetzt verlautet, Enttäuschung hervo-rgerusen. Diner erklärt, daß die Verschiebungen von rechts nach links zu minimal seien, um solch einen 2lufwand, wie ihn eine Reichstagswahl darsteM, zu rechtfertigen. Die Presse des Auslandes, auch die Schweizer Presse, beurteilt die Var- K«UM ru DeulMmd^ sich M MHtjs Mir. außerM^ttiMn

Standpunkt aus. Auch die Hoffnungen und Prognosen, über den Ausgang der 'Wahl sieht man nur vom außenpolitischen Gesichtspunkt aus. Daß, abgesehen von den Bewohnern in Den Grenzgebieten, im ganzen übrigen Deutschland inner- politische Gründe ebenso stark, vielfach noch stärker als die außenpolitischen ins Gewicht fallen, vergißt man meist zu be­rücksichtigen. Außerdem sehen sich ja vom Auslande aus die Seschshnisse in Deutschland ganz anders an als in Deutsch- land selbst. Das Volk im Auslande und das ist auch,in Der Schweiz der Fall hat, soweit es nicht zu sehr beein­flußt ist, im großen und ganzen mehr Verständnis für die deutsche Psyche als die Presse. Die bürgerliche Presse in der Schweiz die sozialdemokr aÄsche ist bedeutungslos von der freisinnigen bis zur konservativen bekämpftinner- p o l i t r s ch die S o z i a I d e m o k r a t i e. Von diesem Standpunkt aus wird auch das Wahlergebnis in Deutschland betrachtet. So sagt dieNationalzeitung": Die Rechte bleibt in Deutschland stark, was angesichts ihrer nachweislich falschen politischen Einstellung und der großen Erfolge der Republik besonders bedauerlich ist. DieBasier Nachrichten" freuen sich, daß die Völkischen und Kommunisten eine schwere Nie- declaa? erlitten haben.

Allgemein wünscht man in der Schweiz dem neuen Reichstag mehr Einigkeit als dem bisherigen. _^ _

Die ersten Besprechungen

über die KeZirrnngsbildung.

Wie wir erfahren, werden die ersten Besprechungen über die Regierungsbildung voraussichtlich erst im Laufe der näch­sten Woche stattfinden können. Zwischen dem Reichskanzler Dr. Marx und dem Reichspräsidenten Wert wird am Freitag abend eine Aussprache stattfinden. Der Beschluß über den Rücktritt der Regierung Marx-Stresemann wird vor Son«- abend kaum zu erwarten sein. Der Reichspräsident wird die Parteiführer im frühesten Falle am nächsten Dienstag oder Mittwoch dnpf<&i&en^ da die maß^bendenPartes

Das Kabinett und die Reuwahte«.

Das preußische Kabinett trat am Dienstag nachmittag, nachdem Mlumshr die Ziffern über die FraktionsstSrke» des neuen Preutzif^u Landtagss annähernd endgültig ftstliegM, zu einer Sitzung zusammen, um b®n Rest der laufenden Ge­schäfte zu erledigen und um bereits zu der kquMMche« ^»- ordmmz der Dinge Stellung zu nehme«.

Bürgerliche Mehrheit in Sachsen.

Nach den nettesten Feststellungen hat sich das Ergebnis der Wahl in Sachsen noch geändert, indem 21 Bürger- lichs gegen t9 Ltnksradikake gewählt worden sind. Die Dentfchnattonalen erhielten 9 (bisher 8) und die Deut­sche Volkspartsr 6 (bisher 5) Mandate.

Bürgerblock im Braunschweigifchen Landtag.

Wie dieBrautischwejgische Landoszeitung" meldet, hatten die LandtagswÄhlen in Braunschweig folgendes Er­gebnis: Äziaidemokraten .... 105623 Stimmen 18 Sitze DeAtschnatisnale ..... 53 494 , 10 , Zentrum ....... 4782 , 0 , Kammunisten......13123 , 2 , Demschs Vottschrrtei . . . 41784 , 19 , Nationalsozialisten . . . . 24 287 , 5 , Welse« ........ 9026 1 ,

U. S. P. D. ..... . 1787 , O ,

Der Bürgerblock (Dentschnationale, Denttche Bolkspartei, Wtttschaftslifte, Weifen und Zentrum) hat «m 2H <Me« Me absolute Mehrheit im Landtag.

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Wann wird Köln geräumt?

Reuter meldet aus London: Es verlautet, daß England die Kölner Zone am 10, Januar nicht räumen wird. Der Be­richt der Interalliierten Kontrollkommissio« über dem Stän­der Entwaffnung in Deutschland wird in diesem Monat fer- tiggestellt werben. Eine Entscheidung über diese Frage wird von b<n AMierten aus der Grundlage dieses Beruhtes ge- ineinfam getroffen werden. Es ist der Wunsch geäußert wor­den, daß die Räumung des Ruhrgebiets und der LAner Zone gleichzeitig erfolgen möge.

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Herriot hat, wie in politischen Kreisen verlautet, mit dem britischen Außenminister eine Verabredung getroffen, daß die Kölner britischen Besatz ungstr uppe n und die französische Ruhrarmee gleichzeittis k« der Zeit zwischen dem 30. Mai und dem 15. Juni zurückgezogen werden. ^ine offizieSe Bestätigung dieser Meldung ist nicht ^ erlangen. Im übrigen erklärt man, sie weder dementieren noch bestätigen zu können. Daher ist sie mit ^M^^W*^> '