Reisfelder Tageblatt
eweMeet»mHMMem>M>MHHweweHNHuwH»H»
Anzeigenpreis fir die einspaltige Petitzelle 10 Pfg. für amtliche und auswärtige Anzeigen 15 Pfg., die Reklamezeile 50 Pfg. Bei Wiederholungen Dachlab. ' Für die Schriftteltung verantwortlich Franz Funk in ßersfeld. + Fernsprecher Dr. 8.
Reisfelder Kreisblatt'
MMlicher Mzeiger für den Kreis Reisfeld
Der Bezugspreis betrögt durch die Poli bezogen monatlich 1— MK., aussälleljL Bestellgeld, für Berstete! L— Mk. bei freier Zuitellueg, Abholer non budwlg Funks
—.80 Mk. * Druck und Verlag non hudwlg Funk Buchdruckerei in Bersfeld, (Ditglied des VDZV.
Nr. 1SS
Dienstag, den 23. Dezember
1924
Ä
Das Wichtigste.
— Der deutscheBotschöfter in galtst, von Höesch, hakte eine Besprechung mit dem Direktor der politischen Angelegenheiten, Laroche, wegen der Räumung Kölns. In London hat D r. Sthamer dem englischen Außenminister den Protest der deutschen Regierung wegen Ködl übermittelt!
— Paris dementiert die Nachricht, nach der die fran- zösische Regierung die Abtretung von Saarlouis gegen Rückgabe des Saargebiete« gefordert habe.
— Das Echo de Paris gilbt eine Darstellung des Berichtes der militärischen Kontrollkommission, der eine Reihe schwerer Anschuldigungen gegen Deutschland enthält.
— Der ehemalige englische Botschafter in Petersburg, Sir George Buchanan, ist in London ge- ftorben. ‘
Die Dawes-Anleihe
Nachdem die Dawes-Anleihe in Höhe von 800 Millionen Mark für Deutschland eingebracht ist, mag ein kurzes Wort über ihren Wert und ihre Nachteile gesagt fein. Die Gegner dieser Reparationsanleihe führen als Grund für die Un- zweckmäßigkeit der Anleihe in erster Linie die hohe Verzinsung ins Feld und halten die Bedingungen für untragbar. Gewiß läßt sich nicht leugnen, daß ein Zinsfuß von 8 Prozent nicht gerade unbedeutend ist und eine schwere Belastung bedeutet, es darf aber andererseits nicht übersehen werden, daß durch die Unkosten der Anleihe eine direkte Sonder- belastung für Deutschland nicht entsteht, daß sie vielmehr im Rahmen des Neparationskontos bleiben. Welche Vorteile lassen sich aber diesen Bedenken gegenüberstellen? Denken *WWttMW
‘rebiten
suchte, um die Produktion wieder aufzunehncen, da fand sie im Auslande keine Geneigtheit zur Hilfe. Konnte dieses Verhalten des Auslandes auffallen, wenn man bedenkt, daß durch die Kriegs- und noch mehr durch die lange Inflationszeit das Vertrauen des Auslandes zur deutschen Wirtschaft völlig geschwunden war? Erst die Sicherung einer vorteilhaften Verzinsung für die Dawes-Anleihe hat hier wieder die Stimmung des Auslandes bekehren können. Es ist unbestreitbar ein Erfolg, daß sich das Ausland nunmehr zu einer organisierten Kreditgewährung bereitfand. Sehen wir nun aber einmal ganz von der wirtschaftspolitischen Seite ab, so darf doch vor allem nicht die psychologische Bedeutung der Anleihe unterschätzt werden. Gerade der Umstand, daß die Anleihe überall, im feindlichen wie im neutralen Auslande, um ein Vielfaches überzeichnet morden ist, legt davon Zeugnis ab, daß das Vertrauen und die Zuversicht auf die deutsche Wirtschaft in verhältnismäßig kurzer Zeit erheblich zugenom- men hat. Das Ausland rechnet mit einem baldigen wirtschaftlichen und finanziellen Wiederaufbau Deutschlands, der ihm eine genügende Sicherung für die Kreditgewährung bietet. Das zeigt sich weiterhin in den privaten Kreditgewährungen, die namentlich von amerikanischen Bankhäusern der deutschen Privatwirtschaft oder deutschen Kommunen zuteil wurden. So erhielt z. B. das Kohlensyndikat von einem New Parker Bankhaus einen Akzeptkredit von 2% Millionen Dollar auf drei Monate. Seit dem Zustandekommen der Dawes-Anleihe hören wir von fall allen ausländischen Börsenplätzen, daß die deutsche Mark wieder notiert wird, der man seit Kriegsende im internationalen Geldverkehr keine Bedeutung mehr beigelegt hatte. All das sind doch Anzeichen, die einen Vorteil der Anleihe außer Frage stellen.
Nun soll aber trotz dieser Vorzüge vor einer Ueber- schätzung des Anleiheerfolges gewarnt rverden. Vielfach hören wir jetzt, daß Privatbetriebe und vor allem Kommunen das Ausland um Kredite bestürmen. Es ist ein unheilvoller Fehler, nun ausländische Kreditmöglichkeiten wahllos und unter jeder Bedingung in Anspruch zu nehmen. Hier ergibt sich die Forderung, daß man solche teuren Kredite nur dann aufnehmen sollte, wenn der Kreditnehmer sich in der Lage glaubt, vornehmlich durch Exportgeschäfte die Schuld wieder abzutragen. Geradezu ein Verbrechen wäre es, wollte man im Ausland Kredite aufnehmen, um sie auf dem inländischen Geldmarkt zu Spekulationszwecksn oder Konsum- . zwecken zu verwenden. Durch derartige ungesunde Kapitalbildung mit ihren preissteigernden Momenten könnte unserer wiedergesundenden Wirtschaft ein schwerer Schlag versetzt werden.
Der Hauptzweck der Dawes-Anleihe, das sollte man nie verqessen?ist doch der, die Goldrücklagen der Goldnotenbank zu starken. Ihr eigentlicher Gegenwert in Mark dient im ersten Jahr vornehmlich dazu, die Besotzungskosten und Reparationslieferungen zu finanzieren. Einen unmittelbaren Gewinn für die heimische Produktion und den Wiederaufbau des deutschen Wohlstandes bringt die Anleihe zunächst nicht. Dr-
V
Sellffcherprotest in London vndparis
Vorstellungen von Hoeschs wegen der Räumung Kölns.
Nach Pariser Meldungen hatte der deutsche Botschafter in Paris v. Hoesch eine Unterredung mit dem politischen Direktor im Außenministerium Laroche. Obwohl am Quai d'Orsay über den Schritt des deutschen Botschafters das größte Stillschweigen bewahrt wird, glauben einige Blätter, gewiffe Betrachtungen über den Inhalt der Unterredung ver
öffentlichen zu können. Man hält es für wah außer anderen aktuellen Fragen auch die Frage der Kölner Zone, die augsublicklich im Bor-erg
Vordergründe der Er-
örterung stehe, besprochen worden ist.
„Ere 9touoeHe" bestätigt, deß der deutsche Botschafter von Hoesch am Quai d'Orsay die Forderung auf Räumung der Kölner Zone für den 10. Januar erhoben hat. Eine solche Forderung, so schreibt das Blatt in einem anscheinend offiziösen Kommentar, lasse sich weder mit rechtlichen noch irgendwelchen tatsächlichen Gründen rechtfertigen. Vom juristischen Standpunkt nicht, weil die in den Vestinrurun gen des Vertrages vorgesehenen Körperschaften, die nach dem Aufbruch der engliischen Truppen die Abrüstungskontrolle im besetzten Gebiet übernehmen, noch nicht gebildet seien. Tatsache sei ferner, daß auf der Londoner Konferenz rmt Mssen der Deutschen verabredet wurde, daß die Verbündeten vor dem 10. Januar sich über ein Verftchrerr verständigern um die Rücksicht auf die Verteidigung Frankreichs mit der Auslegung der bestehenden Verträge in Einklrubg zu bringen. Die Forderung der Wilhelmstraße fei daher in diplomatischer Hinsicht unannehmbar. In moralischer Beziehung sei im aus dem einfachen Grunde nicht anzunehuren, weil sie bei der ftanzö- fischen Regierung ein Gefühl der Schwäche vor^rrssetze. Das Blatt erinnert an die Verdienste Herriots auf außenpoli» tischem Gebiet und versucht festzustellen, daß die Politik der französischen Regierung in den letzten Monaten zu einer merklichen Entspannung in Europa geführt habe. Man könne sich der Erkenntnis nicht verschließen, daß Deutschland
zuwendo» sche
Dr. Sthamer bei Ehamberlain.
Der deutsche Gesandte in London Dr. Sthamer hatte eine längere Unterredung mit, dem englischen Außenminister Aasten Ehambrlain. Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph"' berichtet, die Unterredung hätte die Räumungsfrage der Kölner Zone zum Gegenstand gehabt. Dr. Sthamer hatte die Stimmung in Deutschland geschildert, die durch die offizielle Erklärung der englischen Regierung über die Nichträumung der Kölner Zone am 10. Januar entstanden wäre.
Die Ernennung des Freiherrn von Maltzahn zum Botschafter in Washington.
Amtlich wird gemeldet: Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Freiherr von M a l tz c. n , ist zur Disposition gestellt und gleichzeitig zum Botschafter in Washington ernannt worden. Zum Staatssekretär im Auswärtigen Amt ist der bisherige Leiter der Abteilung 3 (England, Amerika), M i n. - D i r. v. S ch u b e r t e r n a n n t worden. Herr v. Schubert hat die Geschäfte des Staatssekretärs übernommen.
Paris dementiert den Anschlag auf Gaaeloms.
Der „Maftu" denventiert offiziös die Meldung Saar- brücksner Blätter, nach der die französische Regierung mitgeteilt hol,«, daß sie auf die €>mben des Saargebiets Verzicht leiste, wenn die Stadt Saarlouis und sieben andere Gemeinden französisch würden.
Schwiekigkeiien in den deutsch-französischen WirtschMsvefhandSmnm.
Die Mitglieder der deutschen Wirtschaftsdelegation hatten mit den Franzosen Besprechungen über die allgemeinen. Be- stimmungen des Handelsvertrages. Es handelte sich um das Niederlastungsunrecht, das Konsulats- und das Schiff- fahrtswesen usw. In keinem der Punkte wurde ein Einvernehmen erzielt. Die sranzöfischen . Delegierten zeigen sich außerordentlich m : ß - iranisch und nehmen besonders in der Frage des Nieder- lassnngsrechets einen schr ablehnenden Standpunkt ein. Bei der Schiffahrt machte die Anlegung in den Kolonien große Schwierigkeiten.
Zwischen den deutschen Sachverständigen der essenver- arbeitenden und der eisenproduziereNden Industrie für die Handelsvertragsverhandlungen sind nunmehr Derhandlungs- richtlinien schriftlich fixiert worden.
Die Furcht vor den neuen Kanonen.
W'e aus Washington gemeldet wird, hat England kürzlich an d» Bereu taten Staaten ein« Note gerichtet, die sich mit der Tragweite der neuen Kanonen beschäftigt, die auf den
amerikanischen Kreußern eingebaut werden sollen. Die Tragweite dieser Geschütze sei größer als die im Washingtoner Protokoll über die Herabsetzung der Rüstungen oorgeseyeiw. Der Inhalt dieser englischen Note sei noch nicht veröffentlicht worden. Man versichere jedoch in gut unterichteten Kreisen, daß die englische Regierung gegen diesen Plan der amerikanischen Marineleitung protestiere.
Der Schlußbericht der Militärkontrottkommission.
Der Berliner Vertreter des „Echo de Paris" teilt folgendes mit: „Die interalliierte Militärkontrollkoumiiission hat einen neuen Bericht abgefaßt. Diesem Bericht ist wegen des Zeitpunktes feiner Absendung eine besondere Bedeutung zu- zumessen. Der Text des Schriftstückes, das ein Begleitschreiben von drei Seiten und mehrere Anhänge umfaßt, ist von sämtlichen interalliierten Militärabordnungen einstimmig grrtgeheißen worden. Die Botschafterkonferenz wird an Hand des Berichts die entsprechenden Schlußfolgerungen ziehen können. Wir glauben zu wissen, daß der Bericht der Kontrollkommission in einigen Tagen der Presse über gebar werden wird. Die Kontrollkommission hat keine Schlußfolgerungen zu formulieren. Sie beschränkt sich auf die sachliche Darstellung der Beobachtungen, die sich aus den Kontroll- bssuchen ergeben. Das Gewicht wird in dem Schriftstück auf die Feststellung der „methodischen Obstruktion" (I!) gelegt, deren sich die deutschen Verbindungsoffiziere befleißigt haben. (!) Die Bitte um Auskunft wurde stets und stand,g abgelehut. (!!) Die Kontrolle der Mannschaftsbestände, die die deutschen Militärbehörden nie geduldet haben (!), hat zu völligen Trugschlüssen geführt. Der Bericht enthält eine Zusammenstellung sämtlicher Tatsachen, die beweisen, daß Deutschland zahlreiche Verschlungen sich zu schulden kommen ließ. (!) Die Frage des Oberkommandos und der überzähligen Mann- schaftsbefLände wird ausführlich zur Sprache gebracht. Ent- aegen dem deutschen Dementi wird festgestellt, daß der Große Generalstab neu gebildet wurde. (!) Ferner wird der Nach- weis dafür erlnacht, daß eine besonders Abteilung eingesetzt wurde, um sich mit dem militärischen Flugwesen zu besagen, oboleich Deeüschtand laut dem Vertrag sich nur Handels sing- ■jjjgtiiM
drückt ich hervorgehoben werden muß, nicht festzustellen, ob Deutschland eine militärische Bedrohung für heute oder morgen darstellt. Ihre Rolle ist vielmehr rein juristisch und be- schränkt sich darauf, festzustellen, wie weit die Bestimmungen des Vertrages ausgeführt sind. Allgemein wird der Bericht die Botsthafterkonferenz in die Lage versetzen, über den schlechten Willen (!) der deutschen Militärbehörden zu den unzweideutigsten Schlußfolgerungen zu gelangen. General von Seeckt und seine Mitarbeiter hatten auf Mäßigung spekuliert (!), die den militärischen Vertretern von ihren Regierungen anempfohlen worden war. Ihre Berechnungen haben sich als falsch erwiesen. Die Kontrolloffiziere mußten die Feststellung machen, daß Deutschland ernsthafte Gründe hatte, ihre Forderungen nach Auskünften abzulehnem (!) Augenblicklich haben die englischen Offiziere an erster Stelle betont, daß die Kontrolle infolge des absoluten Widerstandes der deutschen Militärbehörden unwirksam geworden ist. Deutschland habe, so wird in dem Schluß bericht der Kontroll- konmiisstou ausgeführt, keine der fünf Forderungen erfüllt, die die Botschafterkonferenz in ihrer Note vom September 1922 aufftellte.
Ein japanisch-russisches Abkommen.
Ein Londoner Blatt meldet, daß der Abschluß eines Abkommens zwischen Japan und Sowjetrußland bevorstehe, das sehr weitgehenden Eharakter habe. Darin werde be- stinmrt, daß Japan auf seine territorialen Ansprüche bezüglich Nord-Sachalins verzichte, aber von der Sowjetregierung eine langfristige Konzession für die Ausbeutung der dortigen Oelfelder erhalte, die für die japanische Kriegsflotte von lebenswichtiger Bedeutung seien.
Der deutsch-amettkamsche Handelsvertrag in Frage gestellt.
Aus New York wird berichtet, daß Amerika wahrscheinlich den Handelsvertrag mit Deutschland nicht ratk- fi§icrcn wird, da der Ausschuß für auswartlgr An- gelegenheiten in den letzten Sitzungen dem Einspruch der amertfanifcheu Verfrachter gegen dre <Älc,chherLs!!au,el beitrat und die Nuterstützungen durch Vorzugstarrfe un- tersagt. Der 2l«sschuß verlangt vom Staatssekretär Hughes einen neuen Bertra.gs-nttvurf, burd) den die amerikanischen Schiffahrtskrerse mehr als bisher gegen- über den deutschen &erfradHcrn geschützt wrrdsu.
Diese Nachricht hat beareifliä-erWerse großes Aufsehoi, erregt, denn der deutsch-anierMnische Handelsvertrag basierte in seinen Grundfesten auf der deutsch-amerikanischen Schiffahrt. Das ganze deutsch-amerikanische Geschäft und im weiteren Sinne die Bezie- hungen der beiden Länder zu ihren Abfatzbasen wird direkt und indirekt durch die verschiedenen Schiffslinien beeinflußt, die die Waren der leiden Länder dort absetzen wollen. In dem Handels- vertrag selbst war vorgesehen, daß die deutschen Schiffe dasselbe Recht in den Frachtbestimmungen genießen sollten, wie die ameri- kansichrn. Die deutschen Schliffe genossen damit zweifellos eine Dorzu.-chetzandlung gegenüber den Schiffen der anderen Ratw- nen ' er man muß bedeuten, daß gerade zurzeit eine gefährliche Depr auf dem Frachtenmärkte besteht Amerika hat ganz ge- schick! . . immerhin nicht unbedeutende Konkurrenz D-uffchlands