Reisfelder Tageblatt Hersfelder Kreisblatt' MmEcher Anzeiger Dr Sen kreis hersftlS
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Nr. 191 Montag. Sen 29. Dezember 1924
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Koch über Deutschlands Abrüstung.
Das Gutachten, das Marschall Foch als Vorsitzender der Interalliierten Militärdontcollkonlmission an der Hand der . Berichte der Kontrollkomnnssion über den Stand der deutschen Abrüstung aus gearbeitet hat, ist der Botschafterkonferenz unterbreitet worden.
Pariser Blatt erfährt folgende Einzelheiten aus dem Gutachten: Es erscheint ausgeschlossen, daß Deutschland bis zum 10. Januar 1925 die Abrüstungsklausel des Versailler Bertages g-etroulich erfüllt. Die militärische Leistungsfähigkeit Deutschlands sei ohne jeden Zweifel durch die nachstehenden Faktoren verstärkt worden:
1. Reorganisierung des Oberkommandos,
2. Neubildung des zweiten Generalstabes,
3. Einstellung und Ausbildung der Bolksfreiwillioen,
4. verstärkte Werbetätigkeit der Geheimverbände. ‘
-Kelter wird in dem Bericht behauptet, daß in der Durch- fuhrung der Entwaffnung Deutschlands kein nenne nswerter Fortschritt erzielt worden sei. Ebenso habe die Produktions- fahrgkeit von Kriegsmaterial in nennenswertem Maße noch zugenommen. Die militärische Ausbildung der deutsche:: Jugend habe in den militärischen Geheimverbänden wie in der ergentlichen Armee einen großen Umfang angenommen.
_ Ueber die fünf Punkte, deren Ausführung die Bot- Ichafterkonferenz von Deutschland forderte, enthält der Bericht folgende Angaben:
1. Die Reorganisierung der Staatspolizei ist bei weitem nrcht durchgeführt worden. Sie hat bis jetzt ihren militä- rrfchen Lharatter bewahrt.
2. Die Umwandlung der Munitionsfabriken in Fabriken mit Friedensarbeiten ist nicht allgemein durchgeführt worden.
3 Dre Kommission war nicht in der Lage, eine Liste der verbotenen Schriften zu erhaltem
4« Ebensowenig konnte sie durchsetzen, daß chr die Doku-
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Versarller Vertrages in Einklang zu bringen.
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Herriot hat mitteilen lassen, daß die letzten Berichte der Kommission veröffentlicht werden sollen. In welcher Form diese Veröffentlichung geschehen soll, darüber konnte vom Qua: d'Orsay noch Line Auskunft gegeben werden, doch wurde betont, daß zunächst Deutschland die bereits bekannten fünf Punkte erfüllen müsse. Diese Anschauung der französischen Regierung wird der Reichsregierung notifiziert wer- den, entweder durch den deuffchen Boffchafter in Paris oder durch eine gemeinsame Demarche der alliierten Boffchafter in Berlin am 4. oder 5. Januar.
Herrtot empfing den Präsidenten der interalliierten Kontrollkommission. Die Berichte der Kontrollkommission werden, wie halbamtlich verlautet, sofort nach einer Entscheidung der Botschafterkonferenz über die Stimmung Kölns veröffentlicht werden.
«Von Paris wird eine Berliner Meldung dementiert, wonach im Laufe von 1800 Kontrollbesuchen keine versteckten Waffen entdeckt worden seien. An verschiedenen Orten seien insgesamt 30 000 bis 40 000 Gewehre und Maschinengewehrläufe in der letzten Zeit endeckt worden.
Eine Berliner halbamtliche Meldung besagt dazu: Es kann nur immer wieder mit aller Besttmmtheit erklärt werden, daß bei den fast 1800 Kontrollbesruhen, die bisher erfolgt sind, niemals überzählige und unzulässige Waffen, sei es bei der Reichswehr, fei es bei der Polizei, gefunden worden sind.
Der neue Reichstag
wird in zwei Wochen seine Arbeiiten eröffnen, ohne daß im gegenwärtigen Augenblick vorausgesehen werden kann, ob bis zum 5. Januar eine Lösung der Regierungskrise erfolgt ist. Ueber die Möglichkeit der Neubildung des Reichskabinetts besteht auch jetzt :roch vollkommene Unklarheit, zumal die außenpolitische Lage außerordentlich drückend auf der Initiative der maßgebenden Parteiführer lastet. In wohlunterrichteten außenpolitischen Kreisen hält man es für durchaus wahrscheinlich, daß die schroffe Haltung der französischen Regierung hauptsächlich von wirtschastspolittschen Motiven geführt wird. Die
lange Dauer der Pariser Wirtschaftsverhandlungen, die bis jetzt noch nicht zu einem abschließenden Ergebnis führen konnten, hat offensichtlich in Paris eine starke Nervosität hervorgerufen, die sich dadurch geltend macht, daß man in der Räumungsfrage ernste Schwierigkeiten bereitet. Der Führer der deutschen Handelsdelegation, Staatssekretär Dr. Trendelenburg, hat dem Reichs kabinett sehr wichtige Ätitteilungen über den augenblicklichen Stand der Pariser Verhandlungen gemacht und insbesondere darauf hingewiesen daß die Haltung der französischen Regierung in erster Linie durch die Besorgnis beeinflußt wird, Deutschland türmte darauf bestehe::, am 10. Januar 1925 seine vollkommene Eut-
schließungsfreiheit in der Frage der Wirffchaftsbeziehungen zu Frankreich zurückzugewinnen. Auf Grund dieser Mitteilungei: des deuffchen Delegierten ist die Taffache ganz unverkennbar, daß die Handelspolitik mehr als je im Vordergründe steht und geeignet erscheint, der außenpoMffchen Lage ein völlig neues Gesicht zu geben.
Die deutsch-französischen Lndustrieverhandlungen.
Das Pariser „Journal" meldet, daß Verhandlungen zwischen den deutschen und französischen Industriellen wegen Bildung eines Trustes, Verhandlungen, welche augenblicklich als resultatlos unterbrochen sind, am 30. Dezember wieder- aufgenommen werden sollen und von da und da an unter Führung des französischen Handelsministeriums stattfinden sollen. Das Comite des Forges sei davon in Kenntnis gefetzt worden, da es selbst die Leitung dieser Besprechungen zu übernehrnen beabsichtigt. Andererseits heißt es, daß zu dem deuffch-englischen Handelsvertrag ein geheimes Zusatzabkom- men geschlossen wäre, in dem besondere industrielle Fragen und auch die spätere Durchführung des Recovery Acts enthalten seien. . , . .
Wie es gemacht wird.
Der deuffche Wettbewerb nmß in England auf allen Gebieten bekämpft werden, und man nimmt jede Gelegenheit wahr, um vor deuffchen Waren zu warnen, die selbstverständlich immer als viel minderwertiger geschildert werden als die englischen Fabrikate. Weil nun angeblich ein bedeutender deutscher Arzt, dessen Name allerdings nicht genannt wird, erklärt haben soll, daß gewisse billige Kopfhörer bei häufigem Gebrauch nachteilig auf die empfindliche Haut des Ohres wirkten und Erkrankungen erzeugten, ergreift der „Daily Expreß" die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, daß aus Deuffch- land sehr viele billige Hörer eingefi'chrt würden. Der englische Rundfunkhörer sichere sich am bestem vor ge- sundheitlichen Gefahren, wenn er nur britische Fabrikate kauft. Wir fürchten, das Blatt wird mit seiner Warnung wenig Erfolg haben. Das „Made in Germany" hat
Der „Da:ly Expreß^ hatte erst einmal nach wegen muperh, Mi seine Warnung Berechtigung hat.
Der „friedfertige" Herriot.
Wie der „Temps" meldet, hat Herriot einem belgischen Vertreter ein Interview gewährt, in dem er die Frage verneinte, ob die französische Armee nach ihrer Reorganisation nicht allzu geschwächt sei. Die Armee ist mit sämtlichen modernenKampfmitteln ausgerüstet, die von den Kriegs- und Dorkriegswaffen grundverschieden sind. Wenn zum Unglück morgen ein neuer Konflikt entstehen sollte, so wird der Kampf ganz anders geführt werden als man glaubt. Glauben Sie mir, General Rollet ist der beste Kenner Deutschlands. Auf die Frage, wie er sich zu der Forderung Deutschlands wegen der Räumung Kölns am 10. Januar verhalte, erwiderte Herriot: „In dieser Angelegenheit müssen wir, wie bei allen anderen, sehr auf der Hut sein. Warten wir die Entscheidung der Botschafterkonferenz hin- sichtlich des Berichts der Interalliierten Kontrollkomnnssion ab. Die letzte Mitteilung der Kontrollkom- missionhabejedenZweifelüberdenUmfang der in Deutschland versteckte n umfangreichen Waffenlager zerstreut (!).
Verschiebung der Botschafterkonferenz.
Die Sitzung der Botschafterkonferenz, die sich mit der Frage der Rüstungen Deutschlands beschäftigen sollte, ist, wie man aus London meldet, im letzten Augenblick aufgeschoben worden. Die Gründe hierfür waren einige Meinungsverschiedenheiten zwischen der englischen und französischer: Regierung. Der „Daily TeSegraph" bemerkt hierzu, daß diese Meinungsverschiedenheiten eine neue Verständigung der bei- derseitigen Regievungen erforderlich gemacht hätten. Man habe sich vorher mit Rom und Brüssel ins Einvernehmen setzen müssen, um Uebereinstimmung über den Wortlaut der Note an die deuffche Regierung zu erreichen. Die englische Regierung sei der Meinung, daß eine end- gültige Entschei dung erst nach Eingang des vollständigen Berichtes der Interalliierten Kontrollkommission getroffen werden könne. Frankreich war aber der Meinung, daß die vorläufigen Berichte der Kommission genügend Material enthielten, um zu beweisen, daß Deutschland seinen Entwaffn ungsverpflichtungen aus dem Frie- densvertrage nicht nachgekommen sei. Man könne mit diesem Material schon die Aufschiebung der Räumung Kölns begrürrden. Die Stimmung würde dann auto- matisch vorgenommen werden, wenn Deuffchland seinen Verpflichtungen nachgekommen wäre. Die englischen Sachverständigen halten die Vertragsbrüche der deutschen Militärbehörden, wie der „Daily Telegraph" berichtet, nicht für so ernst wir ihre französischen Kollegen. Die englischen Sachver
ständigen sind der Ansicht, daß einige der „Vertragsbrüche" unvermeidlich gewesen seien und daß man in der Frage der deuffchen Sicherheitspolizei sicher ohne Schwierigkeiten zu einem Kompromiß kommen würde. ■ . y > ^
Der Aufstand in Albanien.
Tirana von den Aufständischen genommen.
Nach den letzten Nachrichten wird amtlich bestätigt, daß die Truppen Achmed Zogus Tirana nach erbittertem Widerstände der Anhänger Fan Nolis besetzt haben.
In einer Mitteilung des Wiener albanischen Konsulats wird die Einnahme von Tirana durch die albanischen Aufständischen bestätigt. Dalona sei zur provisorischen Hauptstadt Albaniens erklärt worden.
--Ein römisches Blatt schreibt, daß die Ereignisse in Albanien vom italienischen Ministerium des Aeußern ohne jede Besorgnis verfolgt werden angesichts der korrekten Haltung der jugoslawischen Regierung. Beide Regierungen hegten die Hoffnung, daß es Achmed gogu gelingen werde, dem Lande Ruhe und Ordnung zu geben. Das Blatt begrüßt besonders „ die Erklärung Nintschitschs, welche eine verständige Lösung aller in der albanischen Frage eventuell auftretenden Schwierigkeiten sichere.
primo de Rivera über den spanischen Rückzug in Marokko.
Primo de Rivera erklärte, daß er vor Mitte Januar nicht nach Madrid zurückkehren werde. Spanien werde künftig nur noch die Küstengegenden besetzt halten. Primo de Rivera betonte: „Der Rückzug geht einzig und allein Spanien an. Frankreichs Interessen werden nicht berührt, und ich bin über- zeugt, daß die Franzosen von einer internationalen Aktion absehen werden. Wir ziehen unsere Truppen nad) der Küsten- gegend zurück. Es ist zu bedenken, daß Spanien erst seit wenigen Jahren das Innere des Landes, das wir jetzt räumen, besetzt hält. Unser Protektorat wurde bisher nicht ange- spät. Wir werden auch weiterhin unsere Oberhoheit über das gesamte uns zugespvochene Gebiet ausüben, unsere Verwaltung aber lediglich auf die Küstengegenden beschränken." ।
Amerika fordert die Regerung der französischen Schuldenftage.
Times melden aus Washington, in einer neuen Erklärung des Weißen Hauses werde die in der früheren Erklärung gegen den Boffchafter Iusserand gerichtete schärft Kundgebung in der Form gemildert, doch werde darin nicht von der Auffassung ab gegangen, daßesZeitwüre,daßFrank- reich in der Schuldenfrage irgendeine endgültigen Vorschlag macht, und daß dieser an die Schuldenkommission und nicht an das amerikanische Volk gerichtet werden sollte. Die Morning Post nie!bet, die letzte Rede des französischen Botschafters Iusserand über die französischen Kriegsschulden sei von dem Präsidenten übel ausgenommen worden und wenn nicht Iusserand im Begriff wäre, zurückzutreten und binnen kurzem Washington zu Erlassen, so würde die Haltung der anwrikanischen Regierung sehr deutlich sein. Die Blätter bestätigen, daß Präsident Coolidge nicht abgeneigt sei, Frankreich gegenüber nachsichtiger zu handeln als gegenüber England, aber es sei erklärt worden, der Präsident wünsche nicht, daß ihm die Hände gebunden würden, durch eine künstliche Beeinflussung der öffentlichen Meinung.
Schweizer Stimmen zur deutschen Völkerbundnote.
Me deutsche Note an den Völkerbund findet in der Schweizer Presse, je nach ihrer Einstellung gegenüber dem Völkerbund, eine verschiedenartige Beurteilung. Die dem Völkerbund ziemlich neutral gegenüberstehenden „Neuen Züricher Nachrichten" schreiben: Die Befürchtungen bet deutschen Regierung sind gewiß nicht in allen Teilen unbegründet. Deuffchland nimmt heute in seiner entwaffneten Ohnmacht eine ganz besondere Stellung ein, und diese Stellung muß unbedingt auch berücksichtigt werden. Der Völkerbund hat in einem Protokollbeschluß vom 27. September d. J. niedergelegt, daß bei der Beteiligung der einzelnen Staaten am Santtions- verfahren die geographische und militärische Lage berücksichtigt werden muß. Wir zweifeln nicht daran, daß der Völkerbund- rat dazu ko:nmen wird, diesem Protokoll^schluß eine noch etwas eindeutigere und festere Form zu geben, die Deuffch- lands Wünschen soweit als möglich entgegentommt.
Demgegenüber sagt der völkerbundfreundliche Leitarttkler der „Baseler Nachrichten", der auch zugunsten des Genfer Protokolls Vortragsreisen in der Schweiz unternahm: Die Berliner Kombination geht einfach dahin, Deuffchland eine Stellung im Völkerbund zu sichern, die es in bezug auf die Rechte Großmacht, in bezug auf die Pflichten Kleinstaat fein läßt. Nach Artikel 160 des Bersailler Vertrages ist das dänische Heer nur bestimmt, für die Aufrechterhaltung der Ordnung innerhalb des deuffchen Gebietes und als Grenzpolizei zu dienen. Von Verwendung für den Völkerbundkriec wird und soll also keine Rede sein. 'Nach dein schweizerischen Präzedenzfall könnte der Dölkevbund Deutschland auch von der Verpflichtung, Völkerbundtruppen im Sarrkttonsfalle den