Kerskl-er Tageblatt
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HersMek Kreisblatt"
östlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö
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Nr. 2
Sonnabend, den 3. Januar
1925
©ae Wichtigste.
Die Note der Botschafterkonferenz wegen der Räumung Kölns ist bisher noch nicht abgefandr worl>em 9ie Meldungen über den Termin de r Ueber- reichung der Note gehen auseinander. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Note erst in einigen Sagen in Berlin übergeben wird. „
— Die W irls chaf t so er h anbt ung e n mit Frank- reid) und Italien sind wjeder ausgenommen worden.
Die Asfare Darmat zieht immer weitere Kreise. Neuerdings sind zwei frühere hohe Regierungs- beamte verhaftet worden.
— I n China find neue Wirren ausgebrochen. Ein chinesischer General nahm mit seinen Truppen den Kampf gegen die jetzige Regierung auf.
— Die Verhandlungen über die Regierungsbildung haben wied« r begonnen, werden aber wohl nicht vor Eintreffen der Räumungsnote in ein entscheidendes Stadium treten.
Sie vewWM NunoLlSdeziehllsitzeki.
Zwar laufen seit einiger Zeit die Nachrühten über die Ha.ndelsvertragsv«handlunHvn, die Deutschland zurzeit mit den verschiedensten Mächten führt, sehr spärlich ein, zumal die 'Verhandlungen durch die Festzeit zumeist eine Unterbrechung erfahren haben, aber deshalb darf man keineswegs den Gang dieser vielen Verhandlungen, die für Deutschland von allergrößtem Vierte^ sind, aus dem Auge lassen. Gerade jetzt, wo sich Deutschland ohne Frage mit seiner Wirtschaftslage auf dem aufsteigenden Aste befindet und bemüht ist, seine alte eoeltuug aus dem Weltruartte, wenigstens der ihm zugestan- denen Wiedererstartungsmöglichkeit entsprechend, zu erringen, ist es von ausschlaggeben!der Bedeutung, wie das Ausland sich die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen denkt.
Ich glaube kaum fehlzugehen in der Annahme, daß den meisten Deutschen eine Uebersicht über all die bisher geschlossenen Wirtschasttzverträge unlb die noch schwebenden Handelsvertragsverhandtungen fehlt. Beginnen wir also mit den unterzeichneten und bereits in Kraft getretenen Handlsverträgen. Schon am 8. Dezember 1923 wurde zwi- schon Deutschland und Amerika in Washington ein Handelsvertrag mit gegenseitiger Meistbegünstigung abgeschlossen, der freilich noch bis heute der Bestätigung durch den amerikanischen Kongreß bedarf, die, wie ja letzchin aus Washington gemeldet wurde, noch ziemlichen Schwierigkeiten zu begegnen scheint, da gerade aus Kreisen des amerikanischen Handels sich neuerdings heftiger Widerstand gegen den Ver- toag bemerkbar macht. Mit der Türkei ist am 4. März 1924 ein Fveundschastsvertrag geschlossen worden, der den Abschluß eines Handelsvertrags in Aussicht nimmt. Zu dem bereits feit dem 1. September 1920 unterzeichneten Wirt- schaftsabkommen zwischen Deutschland und Deutsch- Oesterreich wurde am 12. Juli vergangenen Jahres ein Zusatzvertrag unterzeichnet, der eine Anzahl von Zollbestimmungen enthält. Mit der griechischen Regierung kam eine Vereinbarung zustande, die vom 20. November 1924 ab die Gültigkeit des schon am 3. Juli abgeschlossenen vor- läufigen Handelsvertrages festsetzt. Die Schweiz ist ein Handelsabkommen zwar noch nicht eingegangen, ein Abkommen vom 17. November v. I. sieht aber den Abbau der gegenseitigen Handelsbeschränkungen vor. Erst kürzlich ist ein Wirtschaftsabkommen mit Guatemala abgeschlossen worden, das auf der Meistbegünstigungsklausel für den Wa> Donverkehr aufgebaut ist. Der wichtigste der bisher geschlossenen Handelsverträge ist der am 2. Dezember v. I. unterzeichnete Vertrag mit England, in dem sich in 33 Artikeln die vertragschließenden Parteien gegenseitige Meist- begünstigung in bezug auf Handel und Schiffahrt gewährleisten, wobei der Grundsatz der Mmstbegünstigung „die denkbar weiteste Auslegung" finden soll.
Zurzeit ist noch eine Reihe von Handelsvertragsverhand- Bungen im Gange, von denen die mit Frankreich naturgemäß der größten Aufmerksamkeit 'begegnen, einmal, weil sie am wichtigsten, zum anderen, weil sie am schwierigsten smd Schon auf der Londoner Konferenz hatte Frankreich ben Wunsch zum Ausdruck gebracht, mit Deutschland wieder in Wi rffchafttbez iehungen zu kommen, deiner im Oftober eitelsten Fühlungnahme folgten am 5. November v. I. regel- reebte Verhandlungen, die nach mehrmaligem Abbruch heute noch in der Sstpoebe sind. Die Schwierigkeiten sind überaus groß. Erstens besteht in Frankreich ein Gesetz, das allgemeine Meistbegünstigungen verbietet, zweitens fällt am 10. Januar das Pellst Frankreichs auf zollfreie Einfuhr von elfaß-lothrmgischen Erzeugnissen nach Deutschland, als dritte Schwierigkeit tritt die Wprozenckge sileparatwnsabgabe hm zu. Nach einer Weihnackztspause ist der Führer der deutschen De- legation, Dr. Tr-edelenburg, wieder in Paris Mr Fortsetzung der Wirtsck)aftMechandlungeir eingetroffen Mit Neigten sind seit dem 15. September 1924 Verhandlungen un Grmge, die ebenfalls ,mch einer Unterbvechrurg während der Festze-it deinnächst ihren Fortgang nchmem sollen. Die ^F^Eun- ^geu mit Japan, die auch auf der Grundlage der Meist-
begunstigung geführt werden, haben bereits in zahlreichen Punkten Uebereinstimmung gezeitigt, so daß auf ein befrie- btgenbes Ergebnis zu hoffen ist Zwischen Deutschland und Rußland fanden bereits Anfang 1924 Wirtschaftsverhand- amgen statt, die durch dM Zwischenfall bei der Moskauer Handelsvertretung in Berlin im Mai v. I. eine Unterbre- d}ung fanden. Am 14. November v. I. sind die Verhandlungen von neuem aufgenomnienworden und dauern noch an. Erst am 4. Dezember 1924 wurden Verhandlungen mit 3talien begonnen, bei denen Deutschland das Äleistbe- gunstlgungsrecht in Italien erstrebt. Auch diesen Verhand- lungen stehen noch große Schwierigkeiten entgegen. Mit tt" .^ Wirtschastsverhandlungen geplant, aber noch stufgenommen, da der deutsche Delegattonsleiter «- rronkt ist vw M.
Die Regierungsbildung im Reich.
Sie Besprechung über die Regierungsbildung im Reiche zwischen dem Reichskanzler Dr. Diarx und dem Reichspräsi- sind am 2. Januar wieder ausgenommen worden, m parlamentarischen Kressen der Ansicht, mese Besprechungen vorerst keine Fortschritte machen warten' ^^n ^^ *^ ^ Rote der Boffchafterkonferenz ab-
Neujahrsempfang beim Reichspräsidenten.
Reichspräsident Ebert empfing wie üblich am Neujchrs- Me dre Fuhr« der Berliner diplomattschen Korps. Der ^eidfsprafibent nahm die Glückwünsche der diplomatischen Vertreter entgegen, die der apostolische Nunzius Mo nsig- n o r ePa c e l 11 zum Ausdruck brächte. Er betonte in seiner Ansprache, daß in dem verflossenen Jahre ernste und schwie- rige Probleme zu lösen gewesen seien und eine Arbeit geleistet sei, bei der DeutschIand sich hervorragend ausgegeießnetißabe. Der Reichspräsident er- ®® darauf und gab seiner Hoffnung Ausdruck, daß ber Gerst des Friedens und der Wille zur Gerechtigkeit auch ine kommenden Verhandln» q<n b '■ fr-. ^050- d « - d » ar. l^y.e Volt sei gewillt, unter Einsetzung aller sernerKräfteandemWiederaufbauderWelt mrtzuarbetten. Auch der Reichskanzler nahm das k ” »u, einer Ansprache, die in erster Linie der Befreiung des Rheinlandes galt und in dem Satze: „Alle Deutschen, weither Parteirichtung sie auch angehören mögen, sind hier einig in dem Gefühl bitterer Enttäuschung und dem Bewußt- fein eines uns ungetanen neuen schmerzlichen Unrechts" ihren Höhepunkt fand.
Ote deutsch-französischen Wirtschastsverhandlungen
Ein Pariser Blatt glaubt zu wissen, daß von nun an die deutsch-französischen Wirtschastsverhandlungen sich hauptsäch- licf) darauf richten werden, zu einem modus vivendi zum 10. Januar zu gelangen. Man dürfe sich jedoch nicht verheimlichen, daß, wenn ein derartiges Ziel erreicht werden solle, noch große Hindernisse zu überwinden £ten, besonders angesichts der französischen Forderungen und im Hinblick auf den neuen französischen Minimal-Zolltarif, von dem man nicht mit Sicherheit erklären könne, ob er überhaupt Aussuhrmöglichkeiten nach Frankreich biete.
Die Wirtschastsverhandlungen
Deutschland-Italien.
Die deutsch-italienischen Handelsvertragsoerhandlungen werden am Sonnabend, dem 3. d. M., in Roni wiederauf- genoinmen werden. Die deutsche Delegation ist deshalb von Berlin nach Rom abgereist. Auf deutscher Seite werden die Verhandlungen von dem Atinisterialdirektor im Auswärtigen Amt, von Stockhammern, auf italienischer Seite von dem Staatsrat Luciolli geleitet.
Borah für eine internationale
Wirtschastskonferenz.
Aus Wachington wird gemeldet: Senator Borah erklärte, er habe die Absicht, Präsident Coolidge durch eine demnächst im Senat eiiMtbringende Entschließung aufzufovdern, alle wirtschaftlich bedeutenden Nationen unter Einschluß Deutschlands und Rußlands z u einer internationalen Wirtschafts- und Abrüstungskonferenz nach Washington einzuladen. Borah fügte hinzu: Trotz des Erfolges des Dawesplaues ist es unmöglich, in der gesamten Welt zu einer Stabilität zu gelangen, ehe nicht jede im wirtschaftlichen Wiederaufbau begriffene Nation an einer Vereinbarung und deren lebenswichttgen Folgen teil« nimmt Eines der Grunbpr ob leme der Kon- ferenz würde fein, die von Deutschland zu zahlende Reparationssunime festzusetzen, da Deutschland sonst auch weiterhin in internationalen Schwierigkeiten verstrickt bleiben wird.
Neue Verfassungen im Barmat-Konzern»
In der Barumtaffäre sind neue Verhaftungen sorge« numnnen worden, die aus zwei frühere hohe Regierungs- beainie ausgedehnt wurde». Einer der Verhafteten ist der
als glänzender Jurist bekannte frühere Minister Mdirektor Emil Kautz, der zuletzt Generaldirektor des Barmatkonzerns war. Der zweite ist der schon wiederholt genannte Oberfinanzrat Hellwig, der stühsr in der Preußischen Staatsbank und zuletzt im Barrnatkonzern tätig war. Außer diesen bei- ben hat die Staatsanwaltschaft im Laufe des gestrigen Tages nod) eine ganze Reihe gleichfalls schwerbelasteter Personen in Haft genommen, darunter den 62 Jahre alten Prokuristen her Merturbank, Max Thieme, den Disponenten dieser Bank, ben 33jährigen Benno Klenzke, und den 32 Jahre alten Di- vertor Fritz Wolf. Weiter wurden verhaftet der 32 Jahre alte Prokurist Johannes Gerike, der 39 Jahre alte Direktor Sigmund Schäfer und der 38 Jahre alte Julius Rabbino- mitsch Endlich sind noch mehrere Direktoren und Prokuristen aus verschiedenen Unternehmungen des Barmattonzerns festgenommen. Ob diese Festnahmen allerdings aufrechterhalten bleiben, kann zur Stunde noch nicht gesagt werden.
Eine pariser Hetznschricht.
Ein Pariser Blatt veröffentlichte vor wenigen Tagen eine Meldung aus Holland, die aus sehr vertrauenswürdiger Quelle stammen sollte und in der mitgeteilt wurde, daß seit einiger Zeit auf der Rotterdamer Werft Wilton Unterteile von Unterseebooten für Deutschland hergestellt würden, was als ein neuer Beweis für Deutschlands Bewaffnung gelten könne.
Die Korrespondenten mehr«« Amsterdamer Blätter haben darauf bei der Direktion der Wilton Maschinenfabrik und Schiffswerft zu Rotterdam Erkundigungen nach der Richtigkeit der obigen Nachricht des französischen Blattes eingezogen. Das Ergebnis war, daß die Direktion d« Werft den Bericht des „Matin" als eine glatte Erfindung bezeichnete unb hinzufügte, daß von einer derartigen Fabrikation niemals auch nur die Rede gewesen sei. Die Korrespondenten wurden auch von der Direktton direkt ersucht, die französische Meldung in ihren Blättern zu dementieren.
Frankreich schoni die Separatisten.
Bor dem französischen Mil'.iärpslizeigericht standen ein Wallllmeist« unb ein Separatist, bei denen man Waffen ge- funt»>- hatte. Der Wachtmeister wurde mit zwanzig Tage« Gefängnis bestraft, während der Separatist mit nur 50 Mark Geldstrafe davonkam, da man feiner Behauptung, er habe die Waffe zu seinem persönlichen Schutze gebraucht, zumal er sich als Separatist vor der Menge unsicher fühlte, Glaube« schenkte.
Die interalliierte Schuldenregelung.
Die Reise d« Gouverneurs der Bank von England nach Amerika hat in der englischen Oeffentlichkeit großes Aussehen erregt. Man glaubt allgemein, daß der Zweck der Reise die Erörterung der interalliierten Schuidenfrage ist. Alan nimmt an, daß eingehende Verhandlungen über dieFun- dierung der französischen Schuld in Ame- r i t a stattfinden werden. Man glaubt nicht, daß der Vorschlag des französischen Sozialistenführers Leo Blum, nach dem Frankreich einen Teil der ihm aus ben deutschen Jahres- Zahlungen zufließenden. Summen an Amerika abtritt, auf amerikanischer Seite Gegenliebe finden wird. Man glaubt jedoch, daß die gesamte interalliierte Schuldeusrage grundsätzlich geklärt worden folL '
Der Kampf um den Faschismus.
Ein italienisches Blatt meldet, daß in den nächsten Tagen vor der Eröffnung der italienischen Kammer am 3. Januar ein Memorandum Rossis über den Fall Mateotti veröffent- licht werden wird. Auch Filipelli und Finzi wollen neue Enthüllungen machen. Es sollen Briefe veröffentlicht werden, denen man in den Kreisen der Opposition größte Bedeutung beilegt. Es erscheint jedoch fraglich, ob die Dokumente veröffentlicht werden können, denn nach Ministerbeschluß ist an- zunehmen, daß bie Veröffentlichung von Mussolini verhindert wird.
Nach einer Meldung aus Rom drangen in Florenz die Faschisten auch in das Büro eines Rechtsanwaltes, der zugleich Präsident der dortigen liberalen Partei ist, und verprügelten ihn.
Die römische Polizei hat Haussuchungen bei einigen Politikern unb in den Räumen der Republikanischen Part« vorgenommen.
Jugoslawien und Albanien.
Infolge der Beschuldigungen des albanischen Ministerpräsidenten Fan Nolis gegen Jugoslawien hat bet jugoslawische Minister des Auswärtigen Mnffchiffch bem ©ehe- tariat des Völkerbundes eine Antwort zukommen lassen, in der er auf den ungewöhnlichen Ton und den unhöflichen Wortlaut dieser Beschuwigumz himvefft. Die jugoslawische Regierung würde diese Anklage ohne Antwort lassen, wen» sie sich nutzt von feiner Ehrerbietung für den Völkerbund leiten lasse, der ja daran gewöhnt ist, v 01lk 0 m. meit grundlose und durch nichts bewiesen« Klage n anhöven zu müssen. Die Haltturg Jugoslawiens wird wie bisher diejenige eines lutbeteil^ten &t«