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Hersfelöer Tageblatt

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HersM-er Kreisblatt"

Mmtlicher Mnzeiger fir den Kreis Hersfetö

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Nr. 4

Dienstag, den 6. Januar

1925

Das Wichtigste.

. Die Räumungsnote über Köln ist in Berlin über- ^E»cht worden und wird vermutlich am Montag- nachmittag »ewöffentlicht werden.

Der französische Handelsminister Rey- nald.i hat ^er deutschen Delegation für die deutsch-französische« Hände lsvertragsverhandlungen in Paris eine» Vorschlag zn einem Handels- prowisorium vargelegt.

Der ita^ienische Ministerpräsident Mus- solrAi ho-t bei der Eröffnung der Kam- mer eine scharfe Rede gehalten, in der er ver- kündete, daß der Faschismus fest begründet fei und die Macht habe, das Heft in der Hand zu halten.

Dr. M«-rx ist neu neuem mit der Regie- r««gsbrtdung betraut und versucht, eine über- parteiliche Regierung zusammenzubringen. Der Reichstag ist am & Januar mit leeren Regierungsbänken eröffnet worden.

3» der Barmat-Affäre sind weitere Haft­en dilassun gen vorgenommen worden. Der Bankier Leopold Friedlander, der ebenfalls in die Affäre ver- «nckebt ist, da.t s-Lch mrt seiner Frau vergiftet,

Zum Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft.

Deutschland befindet sich seit dem Jahre 1924 darüber muß auch der größte Pessimist mit uns einig sein wieder auf dem aufsteigenden Ast der Dirtschastskurve. Seitdem es uns gelungen ist, die Deutsche'Währung wieder zu stabi­lisieren, ist es auch der deutschen Wirtschaft möglich, ge-

»ronere Brtanzen auszupeuen, Die InsranonszUMn uozu- stoßen und durch Goldmark zu ersetzen, die endlich einmal

Ren-

ität zu gewinnen. Es war allerdings allerhöchste Zeit, deutschen Wirtschaft wieder ein festes Fundament zu fen, auf dem sie aufbauen kann; nahe genug staird sie Abgrunde, aus dem es keinen Aufstieg mehr gab. Die

fundierten, zumeist Dmckriegsunternchmen und den aus der Flut der Inflation emporgewachseneni Betrieben erkennen. Unsere deutsche Wirtschaft macht zurzeit eine Reinigungs- periode durch, deren sie unbedingt bedurfte, um die Spreu von dem Weizen zu scheiden. Aufstieg der deutschen Wirtschaft bedeutet aber nichts anderes als Wie­deraufbau deutscher Weltgeltung und deut­

scheu Schassans.

Haben nun aber Handel, Industrie und Landwirtschaft, denn diese drei machen die deutsche Wirtschaft aus, diesen

denn diese drei machen die deutsche Wirtschaft Prozeß der Reinigung iibetstanben, so wartet neue, nicht minder wichtige Aufgabe. Wohl jüder

ihrer eine

ist es in den letzten Jahren klar geworden, daß wir nur durch Arbeit wieder zu ftüherer Geltung und Blüte gelangen können. Durch Arbeit zur Macht. Es gilt, den Welt- markt wieder zu erobern, in die Weltproduktion und den Welthandel wieder als konkurrenzfähige Großmacht einzn- greifen. Nur so können wir all die Pläne unserer früheren Feinde zunichte machen, die durch einen systematisch gegen Deutschland geführten Wirtschaftskrieg die letzten Früchte des Dersailler Vertrages ernten wollen. Dem zu begegnen, ist die erste und letzte Pflicht der deutschen Wirtschaft. Es erhebt sich -damit die Frage: Ist dazu eine Möglichkeit ge­geben, und wo liegt diese Möglichkeit? Kurz, das Problem lautet: Mit welchen Mitteln kann die deutsche Wirtschaft den ----- - - sind viele Dinge, Uns soll es hier

Wiederaufbau zum

gesamte Welt

die hierbei in ~,. v r genügen, die eine Seite dieser Aufgabe zu betrachten.

Seit Kriegsende, seitdem Amerika sich die gesamte Welt zum Schuldner gemacht hat, schaut man mehr als zuvor hinüber zu diesem gewaltigen Mrtschastsstaat und schenkt seinen Methoden größere SUufmertsamtert. ts gibt zweifel­los dort viel zu lernen, das sich zuin nutzen. unserer icut- schen Wirtschaft verwerten läßt. Man beschäftigt sich doch immerhin heute schon ernsMch bei uns mit der Frage der Wissenschaftlichen Betriebsfuhrung, der man in den letzten Jahren mit Recht und in voller Er­kenntnis ihrer Bedeutung der, Rang eurerWissenschaft hat zusprechen müssen. Es wurde zu wert fuhren, wollten wir hier entwickeln, woraus diese Wissenschaft entstanden ist. ©einigen mag, daß sie in dem von dem amerikanischen Ingenieur Winslow Taylor begründeten^ayloriS- mus' ihre Wurzeln hat. Der Zweck dieses Systems ist in einem Satz zusammengefaßt, der zu verhindern, daß der Arbeiter diejenigen Arbeitsmethoden anwendet, die ihm am bequemsten und' vorteilhaftesten erscheinen, ohrre -zugleich für den Betrieb die rentabelsten zu sein Hier einen Aus- aleick zu schaffen dazu diente das Systeni Taylors. Der Arbeitsprozeß sollte auf die geringste Anzahl unumgänglicher - - - um)Cn beschränkt und dazu die besten Be- 'wischen Arbeitskraft und Arbeitsaufgabe, die te Anvc issmiq von Haltung und Bewegung bet

Arbeii

geben werden soll. Es wurde die Uebereinstimmung der fünf Texte festgestellt und eines der Exemplare von sämtlichen fünj Botschaftern unterzeichnet. Dieses Exemplar ist Montag mittag um %1 Uhr von dem englischen Botschafter im Beisein seiner Kollegen der Reichsregierung übergeben worden. Der britische Botschafter hat bei dieser Gelegenheit auf die Be­deutung der Note hingewiesen und angekündigt, daß eine zweite Mitteilung folgen wird, sobald die alliierten Mächte sich an. Hand des Schlußberichtes der Kontrollkommission ein Bild von der Abrüstung Deutschlands gemacht haben werden. Er hat gleichzeitig die Reichsregierung davon benachrichtigt, daß die Note am Dienstag in den alliierten Hauptstädten der Oeffentlichkeit übergeben werden soll.

Die einmütige Haltung der deutschen Presse in der Verurteilung der englischen Politikin der Kölner Frage hat in der englischen Oeffent­lichkeit eine nicht verkennbare Nervosität hervorgerufen. Die Fadenscheinigkeit der Beweisführung durch die englische Presse trägt nur dazu bei, die Unsicherheit des Urteils in der öffent­lichen Meinung zu vergrößern. Weit verbreitet ist die deutsche Auffassung, daß die englische Regierung fehlgegriffen habe, indem man Deutschland, anstatt den Verhandlungsweg zu be- schreiten, einfach vor die vollendete Tatsache gestellt habe.

Die LtntersuchuKgen m der Barmat-Affare.

Am Sonntag früf) wurden die Direktoren der Mercur- dank, Lichtenstein und Levi. aus der Haft entlassen und das Verfahren wurde gegen sie sowie gegen die bereits entlassenen Herren Thieme, Schaffte und Gehricke eingestellt. Die Unter- suchung erstreckt sich zurzeit darauf, ob die zur Deckung der Staatsbank-Kredite hergegebenen Effekten und Wechsel als vollwertig anerkannt werden können, weiter auf das Kredit-

Die Deutsche Volkspartei hat von der Regierung Auf­klärung über verschiedene Punkte erbeten.

Ueber den Antrag der Haftentlassung der Brüder Barmat, der damit begründet war, daß augenblicklich eine schleunige Deckung der Staatsbonfirebife möglich sei, wird wahrscheinlich im Lauft des Montags entschieden werden.

Der Bankier Leopold Firdländer, der frühere Mitinha­ber des Bankhauses Hoffmann und Friedländer in Berlin Hot fich mit seiner Frau vergiftet. Friedländer war auch Direktor der Bremer Privatbank, die wegen des Vorgehens gegen den Barmatkonzern ihre Kassen zeitweilig schließe« mußte.

Spritschieder Weber verhaftet.

Am Sonnürg nachmittag gelang es, den Spritschieber Weber in Dvchlabi in der Tschechoslowakei festzunehmen. Weber war am Sonnabend vor Weihnachten die Erlaubnis zum Besuch feiner Geschäftsräume in Berlin erteilt worden. Er bewog die begleitenden Beamten, ihn seine Wohnung in Lichter-felde aufsuchen zu lassen, von wo aus er entfloh. Es gelang, die Spur des Flüchtigen über Luckau, Görlitz und Oldenburg in Schlesien bis ins Riefen gebirge hinein zu verfolge». "Alsdann ermittelte man, daß Weber nach der Tschechoslowakei entkommen war, wo ihn die Kriminalpolizei Vrchlabi sesinahm. Der Eintrag auf Auslieferung ist bereits gestellt Bemerkt sei, daß es sich hier um Heinrich Weber handelt, während der Haupschuldige. Hermann ÄVeber, noch nicht gefaßt ist.

Beginn der deuifch-polnifcken

Wirfchaftsverhandlunaen.

Nach einer polnischen Meldung aus Warschau fanden am 2. und 3. Januar im polnischen Ministerium des AeAeren eine Reihe von Besprechungen in Sachen des Abschlusses eines Handelsvertrages mit Deutschland statt. Es wurde beschlossen, eine polnische Abordnung nach Berlin zu entsenden, wo die Verhandlungen stattfinden. Die polnische Delegation wird von Dr. Stonislau? Karlowski geführt merben. Der polnische ©efanbte in Berlin, Olszewski, der an den früher genannten Beratungen teilgenmnmen hat, ist am Sonnabend abend nach Berlin abgereist.

Ein deutsch-franzön es VLndelSprosisorium.

Die von der französischen Abordnung ausgearbeitete vorläufige Vereinbarung wegen des Hän­de lsverkehrsmitDeutschland umfaßt 43 Artikel. Darin sind die von Den französischen und deutschen Sachrwr- ständigen bereits angenommenen Teilvereinbarungen, sowie die auf die elsaßkothringische Ausfuhr nach Deutschland'be- züglichen Sr>n der klau sein enthalten. Die Vereinbarung befaß: fich auch um der Frage des Niederlassungsr-echtes, der Echiff- fahrt, wc iHwährteistw'g für bett Industriell sitz und die gubribuarten. Von französischer Seite wird betont, das die Vech^lndiung»« tvSbecfette in der freundsämstlichsten Aftise und in großer Einsicht und Nachgiebigkeit fortgesetzt werden. G l e i ch z e i r i g m i l d e m v o r l a u f i g e n A b k o m m e n w erben- auch b t e Verhandlungen z w i s ch e u den $ * r i ce t e t e fortgesetzt. Neuerdings sind die Vertre«» tw fieberixb-cyttit jufammengetreten und hierauf

Arbeitenden an Werkzeug und Werkstück ermittelt werden. Dieser sogenannteTaylorismus" fand eine scharfe Segner» schaft, die vornehmlich mit Argument«: sozialpolitischer, hygren-ischer und psychischer Art gegen ihn zu Felde zog. Als sich die deutschewissenschaftliche Betriebsführung" dieses Systeurs annahm, ist sie deshalb andere Wege ge- MMgen, die der angeführten Argumente Rechnung trugen. Sie sah ihre Aufgabe darin, die Interessen des Arbeitgebers und des Arbeiters möglichst zu vereinen. Gilt es dem ersten, eine größtmögliche Steigerung des Leistungsgrades zu er­reichen, so ist es das Bestreben des Arbeiters, daß seine Kraft bei einer bestimmten Arbeitsdauer und Arbeitsort nicht vorzeitig abgenutzt und unbrauchbar wird. Diesem Interesse entgegenzukommen ist ein Hauptbestreben der wissenschaftlichen Betriebsführung", durch die spezielle Funktionsprobe, den Grund der Ermüdung des Arbeiters und der vorzeitigen Abnutzung friner Arbeitskraft zu er­forschen. So läßt sich eine Grundlage schaffen, bei der der Leistungsgrad der Kräfte des Arbeiters in Beziehung ge­fetzt wird zu den Lohn- und Ernährnngsverhältnissen. Gegen diese Form derwissenschaftlichen Betriebsführung" hat nun auch der Arbeitnehmer keine Bedenken mehr, dem es in einer Zeit, in der Arbeit nicht mehr Selbstzweck des Lebens, sondern Mittel ist, nur recht sein kann, trenn für Erleichte­rung seiner Arbeit gesorgt wird.

Leider beschäftigt sich die deutsche Wirtschaft noch zu wenig mit derwis­senschaftlichen Betriebsführung", in der bei fackMemäßer Beobachtung ein gewaltiger Wert liegt, der in erster Linie dazu verwendet werden kann, den Aufftieg der deutschen Industrie zu beschleunigen.

Späteren Artikeln behalte ich es mir vor, näher auf das System derwissenschaftlichen VetriebssührunE" einzu- geh«:. Dr. M.

Äm die Regierungsbildung.

Nachdem Reichskanzler Marx die ««geleitete« Be­sprechungen mit den Parteiführer« durch Evtpfang des Frak- tionsvorsitzeudr« der Bayerische« Volkspartei, Domkapitulars Leicht, und Professors Bredt von der Fraktion der Wirtschafts- partei abgeschlossen hatte, ««ternahm er «och im Laufe des Sonntags den Versuch einer Fühlungnahme mit anderen Persönlichkeiten, um sie für das nunmehr in Aussicht genom­mene überparteiliche Reichskabmett zu gewinnen. Zunächst empfing Herr Marx zwei der Deutschnationale» Volkspartei nahestchende Persöulichkeite», den Ministerialdirektor a. D. Neuhaus, dem das Wirtschaftsmin-sierium, und den VizeprS- sidenten v. Kries, dem das Innenministerium angeboten wor- den ist Die Genannten haben sich ihre Entschließung bis heute Vorbehalte».

In der Frage der Regierungsbildung waren bis Mon- tag mittag wesentliche Fortschritte nicht ftstzustcllen. Die Verhandlungen, die Herr Marx mit verschiedenen Persön- lichteiten führt, sind noch nicht abgeschlossen.

*

Der Reichstag hat am Alontag nur eine kurze konstituie­rende Sitzung abgehalten, bei der es sich im wesentlichen um die Verteilung der Präsidialämter und die Ernennung der dlusschußmitglieder hartdelt. In die technische Beratung irgendwelcher Fragen ist man nicht eingetreten.

Als Anwärter für die neue Regierung werden der frühere Ministerialdirektor im preußischen Handelsmini­sterium Neuhaus und der Vizepräsident des Landtages von Kries, mit denen der Reichskanzler Rücksprache genommen hat, von den Deutschnationalen für sich in Anspruch genom­men; die Bayerische Volkspartei stellt den früheren Reichs- juftyminister Dr. Emminger wieder auf. Auch der Präsi­dent des Reichsbürgerrats, der preußische Mnister des Innern aus der Borkinegszeit, v. Soeben, und der Berliner Bürgerratvorsitz-ende, Konsul Marx, iverden als Anwärter genannt.

Die Mehrzahl der Sandiagsfrattionen hielt heute im Lauft des Vormittags Hre ersten Sitzungen ab. Es wurden zumeist die neuen Fraktionsvorstände bestimmt Die Deutsch nationalen setzten die Wahl des Fraktions- vorsitzenden noch aus. Die Völkische Fraktion be- stätigte ihren Vorstand, der aus den Abgeordneten Wulle, Voß und Koerner besteht. Die Demokraten wählten zum ersten Vorsitzenden den Abgeordneten Dr. Schreiber, Halle, zum zweiten Dr. Köpker-AsckE. Zum Geschäfts­führer der Fraktion wurde Abgeordneter Riedel und zum Schriftführer der SKbgeordnete Hoff bestellt. Erster Fraktions- Vorsitzender' der Sozialdemo traten wurde der Mge­ordnete Grzesinski und zweiter Vorsitzender Mg. Heilman«.

Die Räumungsusis überreicht.

Wie Havas aus Berlin meldet, versammelte» sich die Bot­schafter von Belgie«, Frankreich, Italien und Japan ant Sonntag vormittag auf der britischen Botschaft in Berlin und verglichen zusammen mit dem englischen Boffchaster den Text der Note, die Deuffchland in der Frage der Kölner Sorte ä&c^