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yersfel-er Tageblatt

Hersfel-er Kreisblatt"

Amtlicher finzeiger für öen Kreis Hersfels

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Nr. 6

Donnerstag, den S. Januar

1925

Das Wichtigst«,

. Msher ist eine Regierung weder im Reich noö rn P reriß e n zustanüegekornmen. Die beiden nolt spartet toten Minister sind aus dem Preuß enkabinet! ausgeschieden.

3n den deutsch-französischen Wirtschafts- Verhandlungen ist eine ernste Krise eingetreten. Zur­zeit finden im Reichskabinett Beratungen mit Dr. Trendelenburg statt.

Die deutsche Antwort auf die Räumungsnote ist den Aürrerten überreicht.

Die Krisis im Ruhrbergbau.

. Die Hoffnung, daß sich die Krisis im Ruhrbergbau mit der Jahreswende bessern würde, scheint sich nach den vor- hegenden Verhältnissen nicht zu bestätigen. Vom September > Oktober an hat sich aber die Gesamtlage im rheinisch-weft falffchen Bergbaurevier sehr verschlechtert. Das Schmerzens­kind ist nach wie vor die Magerkohle. Es wird dem Ruhrbergbau äußerst schwer, die Unkosten, die die Mager­zechen mit sich bringen, durch Ausgleich mit anderen Zecher wieder wettzumachen. Die milde Witterung der letzten Wochen hat nicht dazu beigetragen, den Absatz zu erhöhen. Der Haus- Lrandbezug ist in diesem Jahre bedeutend geringer, als es sonst der Fall war. Im Brikettversand liegen die Berhältniss«

Als Großabnehmer für die Kohlenindustrie gelten nach wie vor die Eisen verarbeitenden Werke Aber auch hier ist die Lage so ungünstig, daß von dieser Seist schwerlich eine Besserung für die Kohlenverhältnisse zu er­warten ist. In der Eisenindustrie ist bekanntlich eine Neuerung der Arbeitszeit vorgesehen. Der Reichswirtschaftsminister will die Arbeitszeitverordnung nach der Richtung hin ändern, -daß für die Eisenindustrie ein 3-Schichten-System eingeführt wird Die Folge würde sein, daß sich die Produktion ganz erheblich verteuern würde und eine Aenderung des gesamten Betriebes in der Kalkulation erfolgen müßte. Ein weiteres Hemmnis sind die ungeklärten^PL!chLltuiÜL^ÜI-dLL»H^^ülLLILlLdL^^» Auslandsgeschäft wird durch die scharfe lKonkurrenz der eng­lischen Kohle gehemmt. Die Absatzbehinderung ist hier eine reine Frage der Verkehrspolitik geworden. Der Bergbau fordert mit Recht einen Ausnahmetarif nach den SeehäfenfürKohle. Für Deutschland kommen Rotter­dam und Hamburg als Frachtgrundlagen in Frage. In Ham­burg stellt sich aber der Preis für rheinische Fettförderkohle noch um 9 Mark höher als englische Wales-Kohle. Nach dem 10. Januar werden allerdings insofern einige Aenderungen eintreten, da nach diesem Termin Deutschland wieder in den Genuß der Tariffreiheit kommt.

Die Preisfrage darf naturgemäß nicht unter dem Ge­sichtspunkte eines schlechten Absatzes geregelt werden, nach alter Tradiiton richtet sich -der Kohlenpreis nach dem vollen Absätze. Für das letzte Vierteljahr wird für die Tonne ein Selbst- k o st e n p r e i s v o n 16,65 M. aufgestellt. In diesem Preise sind die Rückzahlungen des Reiches an die Zechenbositzer und einige Steuerermäßigungen bereits mit eingestellt. Dem­gegenüber beträgt der Erlös 15,32 M., nachdem 1,50 M. pro Tonne für Syndikatsumlage abgezogen sind. Der Bergbau arbeitet also mit Verlust. Ein Ausgleich wird zwar durch die Nebenproduktion in gewisser Hinsicht erzielt, aber die Verhältnisse für die Kohle selbst sind durchaus ungesund. Mit einer Kohlenpreis- erhöhung ist zedoch nicht zu rechnen. Wie wir erfahren, steht der Bergbau-Verein einer evtl Erhöhung fern. Das wichtigste Problem für den Bergbau ist zurzeit die A r - Veits zeit. Schichtverkürzungen müssen auf die Dauer eine Verminderung der Wirtschaftlichkeit des Bergbaus her­vorrufen, die sich auch für den Bergarbeiter in einer Ver­ringerung seines Arbeitseinkommens fühlbar machen wird. Bei Fehlen der 8. Arbeitsstunde muß im rhcinifch-westfäli- schep^Kohlenrevier mit einem täglichen Ausfall von 8<?:()0 0 Tonnen gerechnet werden, wodurch sich der Preis der Tonne Kohle um 3-^1 M. erhöht. Wenn etwa durch die Kündigung der Mehrarbeit eine Lohnerhöhung erwirkt wer­den soll, so würde eine solche Erhöhung der Unkosten mt= möglich getragen werden können.

Die VerhsiMuKgsn

Wer die RegierutigshWung.

. Ueber die Verhandlungen für Bildung der Reichsregie­rung hören wir von unterrichteter Seite, daß aller Voraus­sicht' nach noch im Laufe des Mittwoch mit eurer Lösung der Regierungskrise gerechnet werden kann. Allerdings laßt sich noch nicht klar erkennen, in welcher Richtung diese Lösung erfolgen wird. Es ist nicht arrsgeschlosscn, daß ein bisher völlig unerwarteter Ausgang der Regierungskrise eintettt.

Reichskanzler Marx hat in Besprechungen mit den Frab tionsführevn die Absicht geäußert, auf eine schnelle Erled igung der Regier u n g s kr rfe z u i r t n gen. Ereilt deshalb in den Verhandlungen am Mittwoch eine endgültige Entscheidung der i^uhchnationalen Zra.tion -verlangen. , -

2« der Sitzung des Preußischen Staatsministeriums am

Dienstag haben die beiden deutsch-volksparteilichen Minister, Finanzminister Dr. v. Richter und Kultusminister Dr. Boe- litz, den Rücktritt von ihren Aemtern erklärt, da »ach ihrer Auffassung durch die Neuwahlen des Landtages dem bisheri­gen Staatsministerium die verfassungsmäßige Grundlage ent­zogen ist. Das Rumpfiabinett hat eine Entschließung an­genommen, die besagt, nach dem Wortlaut und dem Geiste der preußische« Verfassung ergäbe sich kein Anlaß zum Rück­tritt für den Ministerpräsidenten «nd damit für das gesamte Ministerium. Damit hat sich das Preußenkabinett in der staatsrechtlichen Streitfrage, ob es verfassungsmäßig zurück- treten müsse oder nicht, dahin entschieden, daß es eine solche Pflicht nicht anerkenne.

Die Zuspitzung der deutsch-französischen Wirtschaftsverhandlungen.

Das Reichskabmett beschäftigte sich am Dienstag in mehr- stündiger Sitzung, an der auch die zuständigen Referenten des ReichSWirtschastsmiristermms teilnahmen, mit den deutsch-französische« Handelsvertragsverhandlungen. Da das Kabinett sich im Hinblick auf die in Berlin eingetroffenen Vorschläge wegen eines Provisoriums für die Zeit nach dem zehnte« Januar über die außerordentliche Tragweite des zu fassenden Beschlusses klar war, entschied es sich dahin, zunächst von Regierungs wegen nicht Stellung zu nehmen. Das Ka­binett faßte den Beschluß, den Führer der deutschen Dele­gation in Paris, Staatssekretär Trendelenburg, «ach Berlin zu berufe«, um mit ihm die Sachlage zu klären. Die ent­scheidende Kabinettssitzung dürste am Donnerstag in Berlin stattfinde«. Staatssekretär Dr. von Trendelenburg ist bereits von Paris abgereist.

Die deutsche Wirtschaftsdelegation in Paris hat heute abend folgende Mitteilung an die Presse ausgegeben:Die deutsche Regierung hat Trendsleiiburg aufgefotbert, mit dem Kabinett sofort über den von der ^^cm4^^ trorge] erlogenen modus vivendi, sowie auch über die ande­ren Schwierigkeiten, die sich bei den Verhandlungen ergaben, zu beraten. Der Vorsitzende -der deutschen Delegation ist nach Paris abgereist. Die deutsche Delegation und die Sachver­ständigen haben trotzdem ihre Arbeiten fortgesetzt und werden sie bis zur Rückkehr Trendelenburgs weiterfortsetzen. Staatssekretär Trendelenburg hofft bei feiner Rückkehr die

deutsche Antwort auf 'den französischen Vorschlag eines mo­dus vivendi vorlegen zu können. Die französische Zeitungs- meldung von einem bereits erfolgten vollständigen Abbruch der Verhandlungen werden jetzt sowohl von französischer als auch von deutscher Seite bestritte .

In den Berliner Regierungskreisen bestätigt man die Meldungen über eine sehr ernste und schwierige Krise der öeutsch-fmnzüsischen Wirtschaftsverhandlungen. Ein Abbruch der Verhandlungen ist aber nicht erfolgt. Die Gefahr eines vorübergehenden Scheiterns -der Besprechungen muß aber angesichts der unnachgiebigen Haltung Frankreichs unbedingt ins Auge gefaßt werden. Wenn die französische Regierung die Erhöhung der Minimalzolltarife aufrechterhält, die für Deutschland von schwerstem Nachteil wäre, so sieht man keine Möglichkeit, auch nur zu einer provisorischen Regelung der deutsch-ftanzösischen Wirtschaftsbeziehungen zu gelangen. Es ist aber nicht ganz unmöglich, daß die französische Regierung ihre Haltung im letzten Augenblick noch ändern wird.

Die deutsche Antwort auf die Räumungsnoie.

Nachdem das Reichskabinett am Dienstag mittag die Antwort auf die Note der Alliierten in der Räumungsf.ügr beraten hatte, ist der Text der Antwortnote im Lauft des Nachmittags fertiggefieHt und am Abend den Vertretern der alliierten Regierungen in Berlin überreicht worden. Die Veröffentlichung der Note wird erst nach ihrem Eintreffen in den Hauptstädten der Miierten, also voraussichtlich am Don­nerstag, erfolgen.

Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, wird d i e Reich sregier ung in ihrer Antwort auf die Note der alliierten Mächte in sehr entschiedener Form wegen der sogenannten Feststellungen der Militärkoutrollkonnnission Stellung nehmen und zum Ausdruck bringen, daß die Vor würfe derartig dürftig seien, daß Deutschland unmöglich in der Lage wäre, dazu Stellung zu nehmen. Die Reichsregierung müsse daher um eine ausführliche Begründung dieser Fest­stellungen ersuchen. Weiterhin wird die Reichsregierung die Forderung zum Ausdruck bringen, daß die ihrer Meinung nach vollständig haltlosen Beschuldigungen der Mllitürkontrvlb kommission nicht zum Anlaß genommen werden dürften, die Räumungsftist für die nördliche Zone zu überschreiten. D i e deutsche Rotewird in der Ha uptsache darau f gerichtet sein, die alliierten Regierungen zu ei n em Meinungsaustausch z ur R egc I u n g der bestehenden Schwierigkeiten aufzu- fordern.

Die Note der Ententemächte stellt in Aussicht, daß der Reichsregierung nach dem Emire' en des Berick es der o e neralinspekkion eine weitere Mitteilung der Alliierten zugehen

werde. Wie wir hören, hat die Reichsregierung Erkur^r- gungen eingezogen, bis zu welchem Termin mit der Ueber- reichung dieses endgültigen Berichtes gerechnet werden könnte. Nach den zur Zeit vorliegenden Mitteilungen hat es jedoch den Anschein, daß dieser Bericht kaum vor dem 20. Januar den alliierten Regierungen zugehen wird und die neue Mit­teilung der Entente frühestens Anfang Februar erwartet werden kann.

Ein richterlicher Haftbefehl in der Barmat-Affäre.

Gegen die vor kurzem festgenommeuen früheren Beam­te« der Staatsbank, B l o d o w ««d K e r st e « sowie gegen den Ingenieur und Bankdirektor Feld, ist, wie wir erfah­ren, am Dienstag, dem 6. Januar, richterlicher Haftbefehl er­lassen worden.

Die demokratische Fraktion des preußi­schen Landtages beschäftigte sich in einer großen An- frage mit der A ff äre Kutisker und Barmat und fragt, welche Maßnahmen die Staatsregierung zu treffen gedenke, um klare Grundsätze für die Kreditpolitik der Staats­bank aufzustellen und ihre Einhaltung zu sichern, und ob die Staatsregierung bereit ist, dafür Sorge zu tragen, daß die Staatsbank unter ausschließlich spekulativen Tendenzen in höherem Maße in den Dienst der soliden produktiven Wirt­schaft gestellt wird. . ,

Das neue italienische Kabinett.

Halbamtliche Berichte aus Rom melden, das Kabinett be­schloß, das italienische Parlament zum 12. Januar einzu- berufen, um über die Wahlreformgesetzvorlage zu beraten. Das um gebildete Kabinett besteht nur aus Fa­schisten, die einzige Ausnahme bildet der Wirtschafts- minister Denava.

Zum Iustizminister ist der Präsident der Rammet, Rocco, ernannt worden, zum Unterrichtsminister Proftssor F e d e l e, zum Minister für öffentliche Arbeiten der Wgeord- nete Gieriati, zur Zeit Minister ohne Porteftuille.

Eine französische Liga gegen deutsche Kultur.

Wie ein Parver Blatt meldet, ist in Straßburg soeben eineLiga gegen deutsche Kultur und Welt- anschauung in Elsaß-Lothringen" begriindet worden. Die Liga verfolgt das Ziel, mit allen legalen Mit- teln den deutschen Einfluß und Aeußerungen des deuffchen Geisteslebens zu bekämpfen sowie nach Kräften die Kenntuis der französischen Sprache zu verbreiten.

Die deutsch-polnischen Wirtschaftsverhandlungen.

Am 6. Januar d. I. nachmittags fand im Auswärtige« Amt in Berlin die Eröffnungssitzung der deutsch-polnischen Verhandlungen über den dlbschluß eines vorläufigen Wirt­schaftsabkommens statt. Der deutsche Bevollmächtigte, Mi­nisterialdirektor Wallroth, und der polnische Bevollmächtigte, Exzellenz Stanislas Karlowski, wiesen in ihren Ansprachen auf die Notwendigkeit der Regelung der wirtfdEjaftlidjen Be­ziehungen zwischen den beiden Staaten hin und gaben der Hoffnung auf einen günstigen Verlauf der Verhandlungen Ausdruck.

Die Aufwertung von Reichsanleihen.

Är$«»Ä banktechnische Fragen ermeladen, ü-e ^ielner^even- S^

fahren, sollen je 1000 Mark alte^.^ mark einer neuen Goldanleihe erngetaunht - ^ Zinsfust dieser flauten neuen g%^ mit 5 Prozent vorgesehen. - nur die ursprünglich erworbenen

. .ufwertung tonen _____ . . ur,pruuguw ^ ÄÄ^&eTÄ^ Kc«.»i»

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Die interalliierte Finanzkonferenz.

Die interalliierte Finanzministerkonftrenz, die in Paris eröffnet worden ist, wird voraussichtlich bis zum Ende der nächsten Woche dauern. Lerriot, der jetzt fast völlig wieder- ueraeftellt ist, wird die Eröffnungssitzung nach Festsetzung des Verhandlungsprogvamms aufheben. Der belgische Minister­präsident Theums hat derJaurne Industrielle" erklärt: .Die Finanz Probleme, mit denen die Konferenz sich zu be­sassen hat sind außerordentlich verwickelt. Wir werden die