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Hersfelöer Tageblatt

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Nr. 9

Montag, den 12. Januar

1925

Das Wichtigste.

. ~ Nachdem Dr. Marx' letzter Versuch zur Ditdung einer NerMregieruna wiederum von Mißerfolg begleitet war, hat er seinen Auftrag in die Hände des Reichspräsidenten Mcück» gelegt. Der Reichspräsident wird mit größter Wahrscheinlichkeit den Reichsfinanzminister Dr. Lother mit der Re­gierungsbildung beauftragen.

~ "on Trendelenburg hat in Paris die beut- ! e A n t w 0 r t n 0 t e auf den französischen Vorschlag über ein Wirtschaftsprovisorium überreicht.

interalliierte Finanzkonferenz in Paris Icheint auf einen toten Punkt gelangt zu sein. Man spricht von Differenzen zwischen England und Amerika.

- Der Reichspostminister Or. H ö f l e ist vom Reichspräsiden­ten seiner Aemter entbunden worden.

W-nn es an's Bezahlen geht.

®a.s ^^ ^ ""s eigentlich kümmern, was man jetzt rn Paris auf der interalliierten Finanzkon-

z wr Probleme wälzt, wo wir selbst doch mit uns so lehr beschäftigt sind. Gewiß, die so sagen, mögen recht haben; aber weshalb sollen wir uns nicht ein klein wenig Freude be- .s- ^ sehen, daß in Paris das Hauptproblem französischeil Schulden an Amerika bildä. Kein leichtes Probleni fürwahr! In Frankreich schäunrt man

^?^ urme stanzösische Volk seine Schulden be- zahlen 10Seit Jahren wiegt man sich in dem Gedan^n, daß Amerika in fester Großmut Verzicht leisten würde. Aber die so laut gepriesene Freundschaft mit dem Vetter jenseits des Ozeans kennt auch zeine Grenzen. Bei Geldangelegen­heiten hört die Freundschaft auf. Auch die Entente cordiale mit England, auf Corunb deren ^vrantreite j~ü olnaiand -mevujpm eine, Hniauss chieoung ihrer Schuldentilgung er« schmeicheln oder vielmehr gar ertrotzen wollte, hat diesen Zweck nicht erfüllt. England hat seine Schuld anerkannt und will sie begleichen, was ihm ja auch bedeutend leichter fällt, da die Summe bei weitem nicht die Höhe der französischen erreicht und England zudem selbst noch Außenstände hat, die feine Schuld vielfach decken. Amerika, das seit Kriegsende mit einer wahren Engelsgeduld die Unbekümmertheit feiner Schuldner beobachtet hat, scheint nicht länger Stundung ge­währen zu wollen. Seine Mahnung nimmt diesmal einen Ton an, der nicht den Eindruck erweckt, als ließe es sich wieder vertrösten auf spätere Tage.

Frankreich ist empört über die Forderungen des ameri­kanischen Freundes. Das arme, leidende Frankreich, das feine Haut für Amerika zu Markte getragen hat, das Millionen seiner Söhne auf dem Schlachtfelde geopfert hat, um Amerika zu retten, soll nun noch dafür zahlen. Ja, wirklich, so lieft man in der französischen Presse, das soll kein schlechter Witz sein. Die französische Presse ist zu allem fähig, warum soll sie nicht der Welt heute die Offenbarung bringen, daß Frankreich der Retter Amerikas ist und daß dieses opfermütige Frankreich nun dafür noch die in Amerika aufgenommenen Gelder zurückgeben soll. Etwas Schmähliche­res gab's nie, größeres Unrecht ist nie einem Volke zugefügt worden als das, das Frankreich jetzt erdulden muß.^ Diesen Ton versuchte selbst der französische Finanznrinister Ele­mente!, aber er hatte kein Glück dannt in Amerika. Der amerikanische Better läßt sich nicht ins Bockshorn jagen, und er hat in nicht minder scharfem Tone erwidert, daß sein Ge­duldfaden gerissen sei. Die kindischen Redensarten von dem Retter Frankreich" sind von ihm abgeprallt, wer sollte sie auch noch ernst nehmen. Wer war's benn, der seine Truppen über den Ozean schickte, um ihr Blut auf fremdem Boden für andere zu versprißen? Wer lieferte denn all das unerschöpf­lich« Kriegsmaterial, mit dem die Entente die deutschen Sch ützengräben ein deckte? Waren es etwa Frankreich und England? Ihnen beiden hätte es wohl übel ergehen sollen, wenn sie auf sich allein gestellt gewesen mären. Hat sie beide nicht allein Amerika vor einem völligen Fiasko ihres Kriegs­taumels gerettet?

Frankreich har Dafür scheinbar etn schlechtes Gedachtms oder meint zum trtin,besten, sich eimnal dumm stellen zu müssen. Dafür mahnt es aber um so bringenber feine Schuldner, die, an Frankreichs Schuld in Amerika gemessen

gleichen soll. Doch wenn zwei dasselbe tun, so ist es nicht dasselbe ' Ungeachtet seiner Riesenschulden unterhalt Frank­reich das größte Heer, legt sich einen Riesenpark von Flug- zeuaen am »erntetet seinen ohnehin riesigen Heeresetat, als hätte es das Geld im Ueberfluß. Alles auf Schuldenkonto.

tunaen in den Reparationszahlungen nuyr nacywmim. Jwyi ihm die Daumfchrauben fester, damit es zahlt so geifert man

Frankreich. Nun wirst du es erleben, stolze Ma> wie es tut, wenn man zahlen soll und hat nichts.

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Marx hat enKgülstg abgelehnt.

Reichskanzler Marx hat den Auftrag zur Kabinetts- " bildung nunmehr endgültig in die Hände des Reichspräsiden­ten zurückgegeben, nachdem auch seine letzten Bemühungen zur Bildung eines Kabinetts gescheitert waren. In parlamen­tarischen Kreisen rechnet man zurzeit dannt, daß der von dem Reichspräsidenten neu zu beauftragende Reichskanzlerkandidat eine Kombination auf der Grundlage ZentrumDeutsche Volkspartei anstreben wird, also eine Minderheitsregierung, die einige Stimmen mehr auf sich vereinigt, als die zuletzt von Herrn Marx vorgesehene Kombination ZentrumDemokraten. Voraussetzung für diese Lösung würde nach Auffassung par­lamentarischer Kreise das Verbleiben des Reichswehrministers Geßler in der künftigen Reichsregierung sein. Als letzte Grüirde für das Scheitern der Bemühungen von Marx wer­den die Bedenken Luthers und Geßlers genannt, in einem so schwach begründeten Kabinett mitzuarbeiten.

Von zuständiger Stelle wird über den endgültigen Verzicht des Reichskanzlers Marx folgendes mitgeteilt: Feststellungen bei der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspart ei haben ergeben, daß sie sowohl gegen ein aus Zentrum und Demokraten gebildetes Kabi­nett wie auch gegen das durch Staatssekretäre ergänzte bis­herige Kabinett in schärffte Opposition treten würde.

Der Reichspräsident empfing am Freitag abend den Außenminister Dr. Stresemann sowie den deutsch­nationalen Reichstagsabgeordneten Schiele und den Führer der Sozialdenwkratischen Partei, Seemann Mül­ler, am späten Abend noch den Reichsfinanzminister Dr. Luther.

In der Besprechung Eberts mit Schiele und Müller er­klärte der Reichspräsident, daß er die Absicht habe, den Reichsfinanzminister Dr. Luther mit der K a - binetllsbildung zu betrauen, und fragte die Ab­geordneten, wie sich ihre Fraktionen dazu stellen würden.

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ins er wipe, wie 0.1s Kavuun zuzaumwilgeietzt fern werde. Der Abgeordnete Schiele deutete an, daß die Deutschnatio­nalen an sich mit Dr. Luther einverstanden wären. Selbst­verständlich müßte ihre Partei in einer entsprechenden Weise in dem geplanten Kabinett vertreten sein.

*

Wie wir erfahren, wird der bisherige Reichsfinanz- m i nist er Dr. Luther Sondierungen mit den für die Regierungsbildung ht Betracht kommenden Persönlichkeiten vornehmen. Bisher hat Dr. Luther den Auftrag zur Re­gierungsbildung noch nicht offiziell erhalten. Sollten die Sondiernngen Dr. Luthers zu einem Erfolg führen, so ist damit zu rechnen, daß Sonnabend abend der Reichspräsident den Reichsfinanzminister mit der Mldung des Kabinetts be­auftragen wird.

Vertreter des besetzten Gebietes bei Dr. Marx.

Auf Anregung führender politischer und wirffchastlicher Kreise des besetzten Gebietes empfing der Reichskanzler am Sonnabend im Beisein der Mitglieder des, Reichskabinetts und des preußischen Staatsministeriums sowie der Vertreter der Länder eine große Anzahl namhafter Persönlichkeiten aus dem besetzten Gebiete. Es waren erschienen die Vor­stände der 21usschüsse der Wirffchast, der Gewerkschaften, der Stadt- und Landkreise, der Presse usw, ferner die rheinischen Abgeordneten. Als Wortführer hielt Oberbürgermeister Dr. h. c. Adenauer eine Ansprache, auf die Dr. Marx erwiderte und seiner Empörung über die Nichträumung Kölns Ausdruck gab.

Die elsaß-loihringifche Industrie und der 10. Januar

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ireiten

Die elsässischen Exporteure haben in den letzten Tagen große Transporte mit Textil- und Lederwaren und an sonsti­gen Fertigfabrikaten nach der deutschen Grenze abgehen lasten, damit, falls am 10. Januar zwischen Frankreich und Deutsch­land ein vertragsloser Zustand eintreten sollte, diese noch schnell über die Grenze geschafft werden können. Es haben sich daher in den Grenzorten erhebliche Verkehrsstörung' geben, so daß die Ordnungspolizei wiederholt einichr mußte. Eine bedeutende industrielle Persönlichkeit aus der lothriumsä-en Wirffchast erklärte, daß die Unterbindung der elsaß-lothringischen zollfreien Einfuhr nach Deutschland Frankreich große Sorgen bereiten würde. Die elsaß-lothnn- giid« Industrie habe zwar noch für die nächsten Monate Be­schäftigung, jedoch sei es nicht ausgeschlossen, daß schon nach einigen Wochen eine große -Arbeitslosigkeit eintreten konnte.

Reichstagsvertagung bis Mittwoch.

Der Reichstag hat nach Ueberweisung des komnumisti- schen des sozialdemokvatischen und des deutschnationalen Amnestiersetzentwurfes an den Rechtsausschuß die Einsetzung eines aus 18 Mitgliedern bestehenden parlamentarischen Aus. schuffes zur Prüfung der Beteiligung von Reuhsstellen an der Barmat-Angelegenheit beschlossen. Der Präsident wird er- mächtigt, die nächste Sitzung spätestens für Mittwoch emzu- berufen.

Anträge im Reichstag.

Die deutschnationaleReichstagsfraktion hat einen Gesetzentwurf zur Amnestie eingebracht, der Straf- -freiheit fordert für die Teilnehmer am Kapp- und am Küstriner Putsch, für die Zugehörigkeit zur Organisation Lonsul und für Versuche zur Befreiung von verurteilten Kapp-Putschteilnehmern. Ein Antrag Lemmer (Dem.) wünscht Vorlegung eines Gesetzes über die Ratifikation des Washingtoner Arbeitszeitabkommens, eindeutschnatio- naler Antrag Schiele verlangt Nachprüfung der Ge­schäftsführung, namentlich der Kreditgeschäfte der Industrie- unternehmungen des Reiches. Ein weiterer Antrag Schiele will das Nachtbackverbot aufrechterhalten. Ein andererdeutschnaionaler Antrag fordert Maß­nahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, in einem A n - trag B u djuhn (Dnatl.) wird die Abänderung der bis­herigen Kriegsschädengesetze gefordert. Weitere An­träge Budjuhn beschäftigen sich mit Maßnahmen für den gewerblichen und kaufmännischen Mittelstand, sowie mit Aenderungen des Reichsverforgungsgesetzes. In kleinen An­fragen, die von der deutschnationalen Fraktion eingebracht sind, werden Maßnahmen gefordert, um den in Estland und Lettland enteigneten deutschen Reichsangehörigen zu ihrem Recht zu verhelfen. Eine weitere deutschnationale Anfrage beschäftigt sich mit der Lage der Landwirtschaft und fordert Schutz der heimischen Produktion und Wiedereinführung der Zölle.

Der Geschästsorduungsausschuß des Reichstags wählte den Abg. D i t t m a n n (Soz.) zum Vorsitzenden und den Wg. Graef-Thüringen (Dnat.) zum stellvertretenden Vor- sitzenden.

In der sachlichen Beratung wurde zunächst der Fall des kommunistischen Abg. Urbahns behandelt, der im Zusammen­hang mit dem Hamburger Putsch im Januar 1924 verhaftet worden ist. Da die Generalstaatsanwalffchast Flucht- und

Aussetzung des gerichtlichen Verfahrens nach längerer De­batte abgelehnt.

Dr. Höfle ferner Aemter entbunden.

Der Reichspräsident hat den Reichsminister Dr. Höfte auf dessen Antrag von dem Amt des Reichspostministers und des Reichsministers für die besetzten Gebiete entbunden.

Die deutsche Antwort auf den französischeu Vorschlag eines Wirtschaftsprovisoriums.

nburg hat dem französischen 'geteilt, daß er ihm die Ant-

Staatssekretär Dr. Trendelenbur!

Handelsminister telegraphisch mit«.

wart der Reichsregierung auf den französischen Vorschlag eines Wirtschaftsprovisoriums Sonnabend nachmit­tag überreichen wird.

Ein neues Kriegsgerichtsurteil.

Das Kriegsgericht der Provinzen Lüttich und Luxemburg verurteilte den deutschen Generalmajor von der Esch wegen angeblich in Arlos begangener Kriegsverbrecheu in Abwesen­heit zum Tode.

Der Völkerbund und die Vorgänge in Danzig.

Einem Londoner Blatte wird aus Genf berichtet, daß d« aggressive Haltung Polens gegen den Freistaat Danzig, der unter dem Mandat des Völkerbundes stehe, großen Unwillen verursache. In Kreisen, die mit den deutschen und polnischen Fragen vertraut sind, wird erklärt, daß, wenn die Großmächte derartige Vorgänge nicht sorgfältig über- wachten, ein neues Feuer entzündet würde, das den August 1914 vielleicht noch übertreffe.

Um die Aufwertung der lieichsanleihen.

In der im Reichsfinanzministerium abgehaltenen Sitzung, an der Vertreter der gesamten deutschen Ban (weit sowie der Sparkassen teilnahmen. wurden die technischen Fragen einer Unterscheidung zwischen al­tem und neuem Besitz der Reichsanleihen im Falle einer Aufwertung erörtert. Gegen die Durchführbarkeit der Unterscheidung wurden überwiegend erhebliche Bedenken geäußert. Zur näheren Prüfung der Frage, insbesondere ihrer technischen Einzelheiten, wurde ein 'Ausschuß von Bankvertretern eingesetzt, der sich dem Reichsfinanzministerium für die weiteren Erörterungen zur

Ein modus vivendi mit Italien.

Die deutsch-italienische Wirffchaftskommission hat seit Wiederbeginn der Sitzungen, am 3. Januar, sich ausschließlich mit der Ausarbeitung eines modus vivendi beschäftigt, der dir ungestörte Fortsetzung der Verhandlungen über den zehnter Januar hinaus ermöglichen soll. Man hofft, sehr bald zu ziirer Einigung zu gelangen. . -