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yersklöerTageblatt

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hersfelöer Kreisblatt"

Amtlicher Mnzeiger für den kreis Hersfels

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Nr. 12

Donnerstag, den 15. Januar

1925

Das Wichtigste.

®«s ^öl>iuett Dr. Luther ist so bet Die bisher genannten Kanten für die bürsten kaum eine Aenderung erfahren.

gut wie ge- Ministerposten

ein Protest

Vor den amerikanischen Kongreß wurde WELLE"" '" °""""°"" -

Die '"^Eierte Finanzkonferenz ist beendet. Die bisherigen (Ergebnisse liegen bereits vor.

Opposition gegen Mussolini hat sich unter Führung Grolrttis zusammengeschl offen.

Zur Aufwermngsftage.

melt Jagen waren Vertreter der deutschen Bank­welt vom Rechsfinanzimmster zu einer Besprechung über eine eventuelle Auswertung bzw. Abgeltung der deutschen Reichs- und Staatsanleihen eingeladen worden. Eine Eini- ^^ Erden, da der Reichsfinanzminister eine Harfe Grenze zog zwischen den Anleihezeichnern und das Anlecheerwerbern Als Stichtag für eine Erwerbung hat £-Vr^ den 1. Juli 1920 angenommen. ^^^ ^rmm IM Besitze von aufzuwertenden An- ^^^ eine Entschädigung von 50 Reichsmark für 1000 Mark nominal erhalten. Meser Vorschlag kam sehr K^rX^ h^den die Banken auch nicht diesen Vorschlag abgelehnt, sondern sie wandten sich mit Recht gegen die Unterscheidung von Zeichnern und Erwerbern. Es ist technisch sehr schwer, zwischen den Gläubigern des Staates in dieser Achtung zu trennen. Ein greifbarer Vorschlag liegt b!s ^.^,^"de noch nicht darin vor. Wie schon gesagt, sollte als Stichtag der Trennung der 1. Juli 1920 gelten. Zu dwser Zeit stand der Dollar auf 37,90 M., die Mark also auf etn Neuntel ihres effektiven Wertes. Aus welchem Gründen -.......WM«MM» «^«-uwU etc muß doch zweifellos einen Grund gehabt haben! Doch nicht etwa, weil der 1. Juli die Mitte des Jahres ist? Im Februar und März desselben Jahres war aber der Dollar sogar auf über, 100 Mark gestiegen. Man kann wohl annehmen, daß viele Anleihebesitzer schon damals ihre Stücke verkauft hatten und daß die sog. Spekulation an der darauf folgenden Besserung der Mark erhebliche Vorteile gehabt hat. Die Regierung will aber gerade die alten Anleihebesitzer besserstellen als die Anleiheerwerber nach dem 1. Juli 1920. Unter diesem Gesichtspunkte sieht' man jedoch nicht ein, warum ein Termin wie der 1. Juli 1920 als Stichtag angenommen wird. Wenn man einen Unterschied zwischen den Gläubi­gern macht, dann muß die Grenze enger gezogen werden, mindestens muß aber die große Senkung der Mark im ersten Halbjahr 1920 berücksichtigt werden. Die Schwierigkeiten in der Unterscheidung in bezug auf die Feststellung der Zeichnung können vielleicht dadurch behoben werden, wenn man auf die Verzeichnisse der Wertpapiere die gemäß Ver­ordnung vom 24. Oktober 1919 (R.Ges.Bl. S. 1820 ff.) den Finanzämtern wegen der Kapitalertragsteuer eingereicht wer­den mußten, zurückgreist. Es würden damit auch nur solche Wertpapiere erfaßt zu werden brauchen, die vor dem 1. Juli 1920 von den jetzigen Eigentümern erworben worden sind und bezüglich deren eine Anschaffung zu Spekulations- zwecken ausgeschlossen sein dürfte.

Wichtiger jedoch, als dieses alles ist die Frage, ob das Reich eine solche Belastung, wie sie in der vorgeschlagenen Abgeltung liegt, auch tragen kann. Es handelt sich um eine fünsprozentige Kufwertung. Wir haben im Kriege neun Anleihen mit einem Gesamtbetrage von 98 Milliarden aus­genommen. Zur Aufwertung der Kriegsanleihe müßte also ein Betrag von 4,9 Milliarden Mark bereitstehen. Ist das Reich in der Lage, eine solche Summe in irgendeiner Form bereitzustellen? Daß es möglich ist, muß man daran er­kennen, daß der Reichsfinanzminister bereits mit diesem greif­baren Vorschlag von 50 :1 kann Wenn auch der Staatshaus­halt ausgeglichen und ein großer Teil der fiskalischen Unter­nehmen 'bereits Gewinn bringen, so ist es unseres Er­achten« sehr schwer, mit einem derartig hohen Betrag zu disponieren. Die Tatsache jedoch, daß die Regierung das Aufwertungsproblem intensiver als bisher ^bearbeitet, hat die breite Oeffentlichkeit mit großer Genugtuung ausgenommen. Es ist nicht das erstemal im Leben der Völker, daß eine Währung Schiffbruch erlitten hat. Kits einem solchen Desastre darf aber ein Staat nicht den Schluß ziehen^ sich auf diese Weise seinen Verpflichtungen für immer zu entziehen. Für ihn muß es stets die vornehmste Aufgabe sein, nach Möglich- keil seine Schulden abzutragen, besonders wo es sich um An- leihen handelt, die restlos im Inlande aufgebracht sind. Die Bankwelt hat bei der Zusammenkunft mit dem Neichsfinanz- minister auch Anstoß daran genommen, daß durch die Fest­haltung am 1. Juli 1920 als Stichtag des Unterschiedes zwischen Besitz und Erwerb auch das Ausland unangenehm überrascht sei. Es gäbe viele ausländische Gruppen. Die deutsche Anleihen nach dem angeführten Datum erworben haben Uns scheint ein solcher Borwurf nicht halt­bar: denn erstens darf Deutschland in dieser Beziehung keinen Unterschied zwischen in- und ausländischen Gläubigern machen Wenn Anleihepakete nach dem Auslande gegangen sind so mußte das Risiko einer Kursschwankung hier wie bort getragen werden. Beiden Gruppen ist durch die weitere Ent-

Wertung der Mark ein Schaden erwachsen. Die Inflation ist aber eine Folge der wirtschaftlichen Maßnahmen, besonders Frankreichs, gewesen. Unter diesem Gesichtspunkt kann es uns gleichgültig sein, wie das Ausland über eine Aufbesserung denkt. Zweitens wird die Kreditwürdigkeit Deutschlands nicht in Frage gestellt, wie die Vertreter der Bankwelt be­tonen. Die heutigen Kredite werden unter anderen Verhält­nissen geschlossen, und die Stabilität unserer Währung hängt mit 80 Prozent vom Auslande ab. Um die Stabilität der Dawesanleihe Haben wir uns nicht zu kümmern, die Kon­trolle liegt bei der internationalen Finanzkommission.

Die Lösung der Aufwertungsfrage ist ungemein schwierig, sowohl technisch als finanziell. Vielleicht ist aber das letztere das leichtere. Denn es sind von vielen Seiten Borschläge nach dieser Richtung gemacht. Neben Dr. Karl Magirus, Ulm, behandelt der Direktor der Motorenfabrik Oberursel Dr. Moos irrtBank-Archiv" diese Frage. Er schlägt vor, die Aktien der neuen Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft in Höhe von 13 Milliarden für die Aufwertung zu verwenden. Einen Unterschieb zwischen Kriegsanleihegläubigern und Anleihe­gläubigern macht Dr. Moos nicht. Der Vorschlag hat viel für sich, zumal ein gewisser Zusammenhang zwischen der Eisen­bahn und Gläubigern der Länder insofern besteht, als die Länder das Eisenbahnnetz mit Anleihegeld ausgebaut haben.

Jedenfalls kann man aus der Tatsache, daß schon vom Finanzministerium ein direkter Vorschlag in dieser Hinsicht gemacht ist, schließen, daß amtlicherseits ernstlich an diesem Problem gearbeitet wird. P.

Die letzten Besprechungen über die Kabinettsbildung.

Am Dienstag abend 9,30 Uhr wurde folgender amtlicher Bericht über die Regierungsbildung herausgegeben: Der heu­tige Tag wurde mit Verhandlungen über Personen fragen ausgefüllt. Die Verhandlungen sind soweit vorgeschritten, nanzen, Dr. Luther, mit der Kabinettsbildung erwartet wer­den darf.

Das Zentrum trat noch einmal zu einer Fraktions- sitzung zusammen, in der Kbg. Fehrenbach über einen zweiten Besuch bei Dr. Luther berichtete. Da ein Ergebnis der Verhandlungen Dr. Luthers noch nicht abzusehen war, vertagte sich die Zentrumsfraktion auf Mittwoch mittag 12 Uhr. Die Abendsitzung der deutschnationaleri R e t ch s tagsfraktionam Dienstag wurde um 8,15 Uhr . geschlossen. Die Abgeordneten Graf W e st a r p, S ch i e l e. B e h r e n s und Brühn begaben sich darauf zu Dr. Luther Die nächste Fraktionssitzung der Deutschnaitonalen findet Mittwoch um 1 Uhr nachmittags statt.

Wie wir aus Zentrumskreisen erfahren, ist man dort der Ansicht, daß Dr. Luther von seinem ursprünglichen Plan eines überparteilichen Kabinetts zugunsten einer an die Frak tionen gebundenen Regierung abgewidren sei. Die Fen trumsfraktion hat unter diesen Umständennoch Be. denken gegen einige von Dr. Luther v orge- fdjlagene Kandidaturen, die nach ihrer Ansicht das Kabinett zu weit nach rechts orientieren würden. Während die Deutschnationalen für die neu« Regierung ein Vertrauensvotum fordern, glaubt das Zen­trum eine so starke Bindung nicht eingehen zu können. Es ist der Ansicht, daß eine Billigungserklärung, wie auch in früheren Fällen, unter Umständen genügen werde.

Folgende Ministerliste darf nach den letzten Meldung« als wahrscheinlich gelten: Kanzler: Luther; Inne res: Wallraf; Aeußeres: Stresemann Verkehr: Staatssekretär Krohne; Justiz und bo setzte Gebiete: Landgerichtsdirektor Vollmer (Zentrum) Finanzen:Saemisch;Arbeit:Brauns;Wirt schaft:Schiele;Reichswehr:Geßler; Ernäh­rn n g : K a n i tz ; P o st: S t i n g I. Der Vizekanzlerposter wird nicht besetzt. Als Fachminister zählen Krohne, Geßler Kanitz und Stingl.

Vorläufig noch keine Regterungsneubildung in Preußen.

Der Vizepräsident des preußischen Landtages, Herr v. Kries, hatte bereits am Sonntag mit dem Minister Hirt- siefer wegen einer möglichen U m b i l d u n g des Preußenkabinetts Fühlung genommen. Wie die Telegraphen-Union erfährt, verhielt sich Hirtsiefer zu allen Vorschlägen des Herrn v. Kries ablehnend. Die in der Presse aufgetauchten Mutmaßungen über ein neues preußi­sches Kabinett aus Vertretern der Deutschnationalen, der Deutschen Volkspartei und des Zentrums sind damit hin­fällig.

Anträge der Zentrumfraktion des Reichstages.

Ein AntragFehrenbach fordert eine Nachprüfung des Lichtspielgesetzes und gesetzliche Maßnahmen zum Schutze unserer Jugend und Volkstultur bei öffentlichen Schaustellen» gen und Darbietungen. Es wird ferner eine gesetzliche Rege­lung des öffentlichen Theaterwesens angeregt sowie die Ein­bringung eines Lehrerbildungsgesetzes und eines Reichsschul- gesetzes. Ein Antrag von Guerard fordert Maßnahmen zur Behebung der Not der 24 000 stellenlosen Junglehrer und Hunglehrerinnen.

Die chrisiüchen Bergarbeiter zur Arbeitszeit und Eutlohm^g im Ruhrbergb^u.

Der Gewerkverein christlicher Bergarbei- : e r hielt im Ruhrrevier eine Anzahl Funktionärkonferenzen ib, um die Frage der Ruhrbergarbeiterschast zu behandeln. Diese nahmen Stellung zu der Frage der Arbeitszeit für die Hochöfen- und Kokereiarbeiter und forderten für diese Be» triebe die möglichst baldige Einführung der acht» kündigen Arbeitsschicht und für die Gedingear­beiter die Lohnerhöhung des letzten Schiedsspruchs in Höhe oon 8,93 Prozent. Auch die Lage der Altersrentner und Invaliden im Bergbau wurde eingehend verhandelt. Es wurde gefordert, daß nach den Bestimmungen des Mantel­tarifs vom 1. Juni 1924 die Invaliden nach Leistungen zu bezahlen seien und daß eine Berechnung der Renten auf den Lohn nicht statthaft sei. Auch wurden den Konferenzen vielfach über die Behandlung der Invaliden aus verschiede­nen Gruppen des Ruhraebiets Klagen vorgetragen.

Schlußbericht 0er &vil roUtommiffion.

DerDaily Telegraph" meldet aus London, daß die Zwischenberichte der interalliierten Kontrollkommission jetzt nach und nach bei den alliierten Regierungen eingingen. Der Schlußbericht der Komission sei jedoch nicht vor Ende Januar zu erwarten. Vorher könnte keine endgültige Besprechung der alliierten Regierungen über die Note an Deutschland stattfinden.

Amerikanischer Protest gegen die Zerstörung der Zeppelinwerft.

Senator Koppler schnitt im Kongreß die Frage des Zeppelinbaues in Friedrichshafen an. Er verlangte, daß die amerikanische Regierung versuche, den Obersten Rat dahin zu bewegen, den Luftschiffbau weiter zu gestatten. Er stellt fest, daß Amerika heute Luftschiffe ohne Verzögerung und ,n oem uimen En-^er yeu und zu einem Drittel Der Kosten aus Deutschland erhaletn könne, als wenn es sie selbst bauen würde. Von Deutschland bis Amerika wäre nur eine Flugzeit von zwei Tagen notwendig. Die Kosten betrugen für dieShenandoah" 134 Cents und fürLos Angeles", früherZ. R. 3", nur 38 Cents pro Kubikfuß. Die Zeppelin- werft liefere in wenigen Monaten, während andere Wersten erst in Jahren liefern könnten. Dies berechtigt den ameri­kanischen Proefft gegen die Zerstörung der Werst, da der militärische Wert nur gering sei. Die Zerstörung selbst be­deute ein wirtschaftliches Verbrechen, das ebenso groß wie absurd sei.

Baudarlehn für die Seeschiffahrt.

Die Verhandlungen zwischen dem Reich und den deut- scheu Reedereien sind zum Abschluß gelangt. Für die Dauer einiger Jahre wird vom Reich ein Bettag von 50 Mil­lionen Mark in den Etat für Erwerbslosenfürsorge ein­gestellt und als Baudarlehen den Reedereien zugeführt, unter der Bedingung, daß auch von Reeder­seite die gleiche Summe für Bauzwecke ausgeworfen wird. Die Verzinsung soll während der Bauzeit 1,5 Prozent be­tragen und nach Fertigstellung des Schiffes etwas unter dem Reichsbankdiskont bleiben. Für minderbemittelte Reedereien wird ein Ausgleichsfonds geschaffen. Dieser Abschluß ist im Interesse unserer Handelsflotte und unserer augenblicklich schwer darniederliegenden Werstindustrie lebhaft zu begrüßen. Die Seeschiffahrt kann mit dieser Hilfe hoffentlich den toten Punkt im Wiederaufbau überwinden, und die Wersten wer­den vor katasttophalen Arbeiterentlassungen oder gar Still- logungen von ganzen Bettreben bewahrt.

Polen streitet sich mit der Völkerbundskommifsiov

Der Hohe Kommissar des Völkerbundes in Danzig, MacDonell, schlug dem polnischen Generalkonu missar, Minister Sttaßburger, vor, sofort die in Danzig ver. teilten polnischen Brieftästen zu entfernen, um dadurch wei­teren ZwisHeilfasten vorzubeugen. Minister Straß- burgcr lehnte jedoch entschieden die Verfügung dieses unberechtigten Wunsches ab, worauf der Hohe Kom­missar antwortete, daß er den Senat Danzig ermächtigen werde, die Brieflüsten fortzunehmen. Eine derarttge Er­mächtigung des Senats durch den Hohen Kommissar stcht nicht nur allein im Gegensatz zum Vertrage von Versailles, sondern würde einen offensichtlichen Mßbrauch seiner Be- fugnisse darstellen. Minister Sttaßburger teilte dies dem Hohen Kommissar mit und warnte ihn dabei vor den ernsten Folgen, die eine eigenmächtige Entfernung der polnischen Briefkästen in Danzig mit sich führen würden. Dann setzte er sofort die polnische Regierung von dieser Unterredung in Kenntnis.

Die Krise in den deutsch-französischen WirtfchastS- Verhandlungen vermieden.

Die in den deuffch-französischen Wirffchastsverhandlungen ein getretene Krise kann als gemildert angesehen werden. Die Berl)andlungen werben entgegen den französi­schen Pressenachrichten fortgesetzt. Der französische Handelsminister hat der deutschen Delegq»