yersfelöer Tageblatt hersselöer Kreisblatt" Amtlicher Anzeiger für den Kreis yersfelö
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Nr. 16
Dienstag, den 20. Januar
1925
Das Wichtigste.
Ä Die BemWungen Dr. Luthers um die Bese f u n g des Rei chsfinanzruinisterpostens find bis zur Eduide noch erzebsislos geblieben. Jedoch gilt die Besetzung mit bem Präsioenten des Qberrechnuilgshofes, Eae misch, als fast sicher.
— HeSereH im Reiche haben große Feiern zum A n ■ denke« an die Reichsgr üud ung stattgefunden. An einigen Orten kam es zu Zusammenstößen teils leichterer, teils schwererer Art.
— In Berlin wurden neuerdings Verhaftungen in der Wohnstätten G. m. 6. H. und der Trianonfilmgesellschaft vorgenommen. Die Verhafteten werden beschuldigt, Staats- gelber zu Kredits wecken für .Privatunternehmungcn benutzt zu habe-«.
Das Kabinett Lniksr Mb die
WirMafi.
Das Ztlstandekommen des Kabinetts Luther betzegnei großen Schwierigkeiten. Nach langem Bemühen ist es endlich gelungen, wenigstens einen Justizminister zu finden, der. wichtigste Ressortminister zurzeit, nämlich der der Finanz, fehlt noch. Es ist allerdings nur noch eine Frage von Stunden, daß der Präsident des Oberrechnungsho fes, bremisch, diesen ' 'ten bekleiden wird. Bisher hat 1 • Py^r - .. Jahre hindurch den Rosten
,, .imnzuimrsters bekleidet, angefeindet von der Wirtschaft wegen der Steuerpolitik, aber erfolgreich bei der A-usbalancierung des Etats. Dr. Luther ist jetzt Reichskanzler, er bemüht sich, eine bürgerliche Regierung mit überparteilicher Tendenz zustandezubringem Es war voraus- zusehen, daß ein rechtsgerichtetes Kabinett von vornherein von der Demokratie und noch weiter links gerichjzten Kreisen. Jcgui^uiiu^wt. Die »Aranrfurter Zeitung f-glaubt mit „schonungslosem Ernste mit einer Niederlage der Demokratie gleichzeitig auch eine Niederlage des neuen Deutschlands" prophezeien zu müssen. Es wäre verfrüht, schon jetzt dem neuen Kabinett Lorbeeren anzrchängen, soviel wird aber auch die „Franks. Zeitung" zugeben, daß der überwiegenden Zahl der Wirtschaftsvertreter ein rechtsgerichtetes Kabinett nicht unsympathisch ist. Das beste Wirtschaftsbarometer ist stets die Börse. In ihrer politischen Einstellung ist die Börse, d. h. die gesamte berufsmäßige Spekulation, überwiegend demokratisch. Trotzdem sieht sie ein rechtsgerichtetes Kabinett nicht ungern. AIs Dr. Luther die Kabinettsbildung übernahm, zeigten die Kurse fast aller Marktgebiete eine Tendenz nach oben. Daß zur Zeit der Krise das Kursgebäude nicht die gewohnte Festigkeit aufwies, war natürlich, denn man konnte noch nicht übersehen, ob tatsächlich die rechtsgerichtete Regierung zustandekommen würde. Man kann jedenfalls unter den gegebenen Umständen annehmen, daß nach vollständiger Konstituierung des Kabinetts wieder eine Belebung der Geschäftstätigkeit an der Börse einsetzen wird. Die Spekulation weiß, daß mit einer Rechtsregierung eine Gewähr für die weitere Gesundung der Volkswirtschaft gegeben ist. Verschiedentlich haben die Kurse ihre Goldparität bereits überschritten, andere eilen in scharfem Tempo darauf zu. Politische Unstimmigkeiten beeinflussen vorübergehend stets die Tendenz, die Grundstimmung ist jedochwährend der ganzen Kabinettsftage fest geblieben.
Man weiß in Börsenkreisen, daß heute ein Arbeitgeber wieder seinen Betrieb in der Hand hat, die überwiegende Menge der Arbeitgeber ist aber politisch rechts gerichtet, die Vertreter der einzelnen Verbände 'beginnen wieder, einen Einfluß auf die Regierung zu gewinnen. Bisher wälzte man alle Kosten, ob es sich um soziale Belastungen oder Steuerzahlungen handelte, auf den Arbeitgeber, ohne danach zu fragen, ob eine solche Belastung auch mit der Rentabilität des Unternehmens vereinbar war. Die Vorbelastung der Wirtschaft, besonders auch die sozialen Abgaben, gemessen am Umsatz, bedürfen einer dringenden Revision. Der Arbeits- minister Dr. Brauns, der auch wieder im Kabinett Luther sein bisheriges Ressort behalten wird, hatte vor längerer Zeit im Reichsarbeitsblatt eine Aufstellung über die soziale Vorbelastung gebracht, die in keiner Weise der Wirklichkeit entsprach. Die soziale Belastung beträgt heute fast 2 Milliarden im Jahre und nicht 1190 Millionen, wie Dr. Brauns erklärte. Das gesamte deutsche Nationalvermögen wird auf ca. 20 Milliarden geschätzt, die soziale Belastung macht somit ein Zehntel davon aus.' Dr. Brauns hat heute in der Wirtschaft nicht mehr das uneingeschränkte Vertrauen. Seine schenmtische Einstellung zum Achtstundentag l)at iN viele Gegner geschaffen. Viele Wirtschaftskreise fragen sich schon, ob das Arbeitsministerimn überhaupt nicht. mit dem Wirtschaftsministerimn zu einem Ressort vereinigt Erden tonm, ohne in diesem Augenblick etwa die Person des Reuhs- arbeitsministers Dr. Brauns damit zu kritisieren. Unseres Trachtens hat allerdings in letzter Zeit Dr. Brauns eure gewisse Einseitigkeit gezeigt Erst jetzt wieder durch das Drei- schicht-System für Kokereieiil und Hochöfen, die für ue Egen- und Stahlindustrie eine schwöre Belastung darftellt. aie Produktion muß hier erh«üid) nackstassen, da tue Umgebung
von dem Zwei- auf das Dreischichtensystem langwierige Vor Untersuchungen erfordert. Gerade wo im Augenblick ■ du deutsch-französischen Handelsvertragsverhandlungen in etr ernstes Stadium getreten find, ist eine solche Umstellung schlecht gewählt. Denn in der Eisen- und Stahlsragi besitzen wir Frankreich gegenüber ein Plus. Ob wir es nad der Umstellung noch besitzen werden, ist zum mindester fraglich. Denn Frankreich macht alle Anstrengungen, um für sich einen möglichst hohen Vorteil herauszübekommen. Gerad« jetzt, wo es auf eine weitestgehende Rücksichtnahme auf du deutsche Schwerindustrie ankommt, wird sie aus sozialer Gründen weiter belastet. Die französische und belgische In dustrie trägt bei weitem nicht die sozialen Lasten, wie er bei uns der Fall ist. Der Staat greift dort überall helfen! ein, auch in England erhalten die Jndustriegruppen namhafte staatliche Subventionen.
Im neuen Kabinett steht zurzeit noch der Poster des Finanzministers aus. Welches sind seine Aufgaben) Von ihm hr'ft die Wirtschaft eigentlich nur" eins Abbau der Steuern! Solange ein solcher Steuerdruc auf der gesamten Industrie und Wirtschaft lastet kann eine vollständige Gesundung nicht erreicht werden. Die Thesaurierungspolitik des früheren Finanzministers if heute nicht mehr am Platze, denn die Finanzen des Staat« sind in Ordnung gebracht, und zwar auf Kosten des Steuer zahlers. Der neue Finanzminister darf die Notwendigkeit des Steuerabbaus nicht verkennen. Die zweite Forderung d« gefamten deutschen Volkes ist die Regelung der Schuldenfrage! Schon vor kurzem hatten wir darauf hin gewiesen, daß der Staat eine Besprechung in dieser Hinsicht mi den Vertretern der Bankwelt hatte. Die damaligen Vorschläge wurden nicht genehmigt. Hoffentlich wird der neue Finanz« minister auch dieser Forderung Rechnung tragen.
Keine weitere Zwischennote
in der Entwaffnungsfrage.
Der Botschasterkonzern beschäftigte sich in der vergange- nen Woche mit b.em ^xoblj^^ . —^ä^lv*ä*M»-i«r land und der Fortsetzung der Kölner Besetzung. Es wurde beschlossen, keine weitere Zwischennote an Deutschland ab- zusenden.
Michsgründungsfeiern.
In Berlin fand im Schmuck der Farben und Fahnen der Chargierten in der Universität eine würdige Reichsgründungsfeier statt, bei der der Gch. Konsistorialrat Prof. v.. Seeberg die Festrede hielt, in der er der großen Zeit der deuffchen Einigkeit und Macht gedachte.
Der Berliner Dom war das Ziel einer gewaltigen Menge, die, einig in dem Gedanken an Deutschlands frühere Größe und stolz auf die deuffche Vergangenheit, in dem 18. Januar eine Kraftquelle für ernstes nationales Wollen und Handeln finden.
Den Tag der Reichsgründung am 18. Januar beging der Münchener Waffenring mit einer großen Feier, die zugleich mit einer Ehrung der Gefallenen vor dem Münchener Kriegerdenkmal beim Armee-Museum verbunden war. Dort harrte eine nach Tausenden zählende Memchen- menge auf den über tausend Mann starken Fackelzug der Münchener Studentenschaft. Der erste Chargierte der Lands- mnnnschaft Teutonia eröffnet die Feier mit einer Ansprache an die Teilnehmer. Mit den Klängen des Deutschlandliedes fand die Veranstaltung abends 7 Uhr ihr Ende.
Bei einer Reichsgründungsfeier in Königsberg kam es bedauerlicherweise zu Zusammenstößen derer, die an dem Aufzieh"' d er Wache die Erinnerung an die große dänische Zeit beleb A Reichsbannerleuten.
Im K ' sind die Feiern, abgesehen von kleinen Reibereien und Prügeleien, ruhig und Würdig verlaufen.
Eine eindrucksvolle Michsgründungs-eier in Mexiko.
Am Tage der Reichsgründungsfeier fand auf dem Rochimiloo-See in Mexiko eine deutsche Ruderregatta statt, an der die Mannschaften des Kreuzers „Berlin", des Rudervereins der Deutschen Schule und des Deuffchen Rudervereins teilnahmen. Der mexikanische Präsident wohnte mit Vertretern seiner Regierung der Regatta bei. Die hauptstädtische Bevölkerung nahm an den Wettkämpfen lebhaften Anteil und brächte den siegreichen deutschen Farben herzliche Ovationen dar.
Am Abend veranstaltete das „Deuffche Haus" zu Elpen der Offiziere des Kreuzers „Berlin" ein Festessen, an dem der deutsche Gesmidte Dr. Will und die hervorragendsten Vertreter der derttschen Kolonie teittrahmen. Gleichzeitig be- mietete der „Deutsche Bund" die Manrffchaften des Kreuzers. Außerdem veranstaltete die Deuffche Schule in Viexiko eine Feier, der der deutsche Gesandte Dr. Will, der Kommandant des Kreuzers „Berlin" mit fernen Offizieren und die Vertreter der deuffchen Kolonie beiwohnten. Direktor Dr. Trau- gott Boehme gedachte der Bedeutung des Tages und brachtc das Hoch auf das deutsche Vaterland aus.
Kamerun unter französischer Verwaltung.
Der Pariser „Matin" weist an hervorragender Stelle auf den wirffchastlickieu Auffchwuna Kameruns seit der Aus
übung der französischen Verwaltung hin. Das Blatt macht u. a. sensationelle Angaben über den Ausbau der Eisenbahn- linie. Die Ausfuhr sei von 23 Millionen auf 41 Millionen Frank gestiegen.
Demgegenüber erfahren wir nach Erkundigungen an unterrichteter Stelle, daß Frankreich in Kamerun für den Ausbau der Eisenbahnlinie mit Ausnahme einiger Auftäu- mungsarbsiten nichts Nennenswertes getan hat. Efft im letzten Jahre ist das Mandatsgebiet ermächtigt worden, eine Anleihe für den Ausbau aufzunehmen, von der bis jetzt nur sehr geringe Summen ausgegeben sind. Der Export von Deutsch-Kamerun betrug im Jahre 1913 36% Millionen Gold- stank, im Jahre 1923* also seitdem es französisches und englisches Mandatsgebiet gst, 15% Millionen Goldfrank.
Der Gesamthandel von Französisch-Kamerun betrug nach den französischen Mandatsberichten von 1923 96 Millionen Papierfranken. Das entspricht für das Gesamtschutzgebiet einer Summe von 33,9 Millionen Goldmark, d. h. Frankreich hat im Jahre 1923 die Fahl erreicht, die Deutschland im Jahre 1909 erreichte. Im Jahre 1909 betrug der Gesamthandel Kameruns 33,4 Millionen Goldmark, im Jahre 1913 64 Millionen Goldmark.
Ein bemerkenswertes französisches Eingeständnis.
„Echo de Paris" veröffentlicht einen ausführlichen Bericht seines Berliner Berichterstatters über den Verlauf der Gründungsfeier des Reiches. Die Gedächtnisfeiern der Gründung Deutschlands lasse den offenen Irrtum, den die Verbündeten gelegentlich der Unterzeichnung des Waffenstillstandes begangen haben, erneut hervortreten. „Anstatt mit jedem'der Bundesfüfften einzeln zu verhandeln," sagt das Blatt, „haben wir die Einheit des Reiches gefestigt, indem wir nur mit Deutschland verhandeln wollten, und die Verfassung von Weimar hat diesen schweren Irrtum endgültig besiegelt. Die auf die Sonderbündelei und den Separatismus gesetzten Hoffnungen haben enttäuscht und Deutschland ist das Unglück einer Spaltung erspart geblieben. Jetzt. Nach dem Waffenstillstand, ist die Einheit, des _ «etlyes voupanv'g gesichert. ’ (Möge das Blatt recht haben.)
Eins amerikanische Interpellation über die Kinsnzkonferenz.
Aus Washington wird gemeldet, daß SenatorIohn- s o n eine Interpellation eingebracht hat, wonach das Staatsdepartement um Mitteilung des Textes der Vereinbarung gebeten wird, die Kellog auf der Pariser Finanzkonferenz unterzeichnet hat. Johnson erachtet, daß die Vereinigten Staaten auf Grund des Pariser Abkommen ihren Anteil an den deutschen Zahlungen auf das allgemeine Reparattons- konto erhalten. Infolgedessen sei Amerika gezwungen, für dem Fall teutscher Verfehlungen sich an etwaigen Santtionen gegen Deutschland zu beteiligen.
Rückkehr deutscher Missionare nach dem früheren Oeutsch-Ostafrika.
Mit dem Dampfer „Klipfontein" der Holland-Afrika-Linie begaben sich die Missionare Dr. Butmann und Raum der Leipziger Mission nach Tanger, nachdem ihnen die Rückkehr nach dem früheren Deutsch-Oftastika von den Engländern wieder gestattet ist Beide Missionare, die ihre Frauen mit sich nahmen, haben bereits vor dem Kriege im Usambara- gebiet gewirkt und kehren nun auf ihre alte Statton zurück. Sie werden so von Tanger aus ins Innere gegeben, wo ihre gemeinte sie erwartet.
Besondere Banknoten für das Saargebiet.
Wie der französische Finanzminister Clementel der Presse mitteilte, hat die französische Regierung die Absicht, um der Inflation vorzubeugen, für das Saargebiet besondere Banknoten auszugeben, und zwar im Betrage von etwa 4-—500 Millionen Frank. Dieses Geld könne durch Schecks auf Paris unrgetauscht werden und solle gleiche Kaufkraft haben wie der französische Frank. Die Banque de Paris werde zur Deckung den gleichen Dettag in französischen Franken im Depot behalten. Die gleiche Maßnahme soll auch für Madagaskar ergriffen werden, um den Notenumlauf um 150—200 Millionen zu verringern.
Ein neues Dokument zu poincarös Kriegsschuld.
Das Pariser „Pettt Journal" veröffentlicht einen Brief Errrest Iudets und eine Erwiderung Poincarss. Beide beziehen sich auf die Umstände, unter denen Georg Louis von seinem Petersburger Gesandtenposten abberufen wurde. Po- incare habe, so behauptet Iudet, seinem Attnisterkollegen damals gesagt, Louis vermöge die Russen weder an die deutsche, noch an die österreichische Grenze zu schickem Mit dieser Begründung sei es Poincars gelungen, die Zustimmung seiner Kollegen zur Absetzung des Botschafters zu erlangen. Demgegenüber stellt Poincare fest, daß sämtliche französischen Regierungen, die in Frankreich aufeinander folgten, Rußland stets nahegelegt hätten, sowohl gegen Deutschland wie auch gegen Oesterreich Verteidigungsmatznahnien zu ergreifen. Seit dem Mlitärabkonnnsn von 1892 seien diese Besprechungen in der Hauptsache zwischen den Gencralftüben der beiden