Einzelbild herunterladen
 

KersMerTageblatt

Anzeigenpreis für die einspaltige Petifzeile 10 Pfg. ; für amtliche und auswärtige Anzeigen 15 Pfg., die Reklamezeile 50 Pfg. Bei Wiederholungen Aachlak. + Für die Schriftleitung verantwortlich: Franz Funk In Bersfeld. + Fernsprecher Dr. 8.

^^1^^ löer Bezugspreis beträgt durch die Post bezogen

e|pifr^|f ^IVwIe £w%i<PVlMU rmonatlich !.- MK., ausschtiebf. Bestellgeld, für

f | Bersfeld 1. Mk. bei freier Zustellung, Abholer

Amtlicher Anzeiger für -en Kreis Hersfel- = Budidnickerei in Bersfeld, (Mitglied des &DZV.

Nr. 25

Freitag, den 30. Januar

1925

Das Wichtigste.

preußischen Landtage finden zurzeit die Fraktionsbesprechungen der einzelnen Parteien statt. Es gilt als sehr unwahrscheinlich, daß die W a h l d e s M i n ist erp ä s ide n te n, wie vorgesehen, am 3 0. ü. M. statt- finden wird.

Herriot hielt in der Kammer eine lange Rede über die französische Politik, in der er wieder das alte Märchen von den deutschen Rüstungen auftischte.

. ®*e deutsche Antwort auf die alliierte Zwischennote l-egt der Botschafterkonferenz zur Prüfung vor.

Die Tschechen ergreifen scharfe Maßnahmen, um die Tschechisierung des Hultschiner Ländchens durchzusetzen. Unter den Deutschen dieses Landestelles herrscht große Erregung.

IranzöWeBerWrmngspoliÄ".

Schneller denn je hat die deutsche Regierung auf die so­genannte Zwischennote der Alliierten weoen der Räumung Kölns geantwortet. Schon die Tatsache, daß Deutschland nur wieder mit einer Zwischennote abgespeist wurde, um eine Begründung für das Fortdauern der Sanktions- und Unterdrückungspolitik an Ruhr und Rhein zu haben, ist be­zeichnend für die Nichtachtung der deutschen Proteste einer­seits und der Fadenscheinigkeit der Gründe, mit denen man von einer Räumung der Kölner Zone absehen zu müssen glaubt. Kein positiver Grund auch in der neuen Zwischen­note, nur ein Herum- und Herausreden und eine sehr zwei­felhafte Deutung von zwei Artikeln des Versailler Friedens- vertrages. Was man so alles aus awei Artikeln heraus­lesen kann! Ist das die ehrliche Behandlung eines Vertrages, der der Welt den Frieden verbürgen soll? Hat dieserFrie­densvertrag" ja in der Praxis noch keinen Frieden, sondern höchstens Unfrieden hervorgerufen, so muß man doch mit der Zeit überhaupt an dem Wert des Vertrages zweifeln, wenn man diese Auslegung von Artikeln erlebt. Diese neue Zwi­schennote birgt auch nicht einen positiven Punkt, den die Alliierten

faugung einer seit Jahren mit den gemeinsten Mitteln miß­handelten friedlichen Bevölkerung rechtlich oder moralisch zu begründen. Die selbstverständliche Forderung der Reichs- regierung in ihrer Note vom 6. Januar, daß die Alliierten den ganzen Komplex ihrer Gründe angeben möchten, wird mit ziemlich brüsken Worten zurückgewiesen:Die Alliier­ten Regierungen haben im gegenwärtigen Augenblick nicht die Absicht, mit der deutschen Regierung in eine Erörterung dieser Angelegenheit einzutreten oder sich auf Behauptungen einzulassen, die sie in keiner Weise anerkennen können." Ja, aber hat denn die deutsche Regierung überhaupt kein Recht? Kann Deutschland nicht verlangen, daß ihm Recht wird? Ist Deutschland schon ein Sklave der Alliierten, so kann ihm doch deshalb noch längst nicht das Recht abgesprochen werden, nach den Gründen der groben Mißhandlungen zu fragen. Damit drückt man ja das deutsche Volk noch weiter herab als den gemeinsten Verbrecher, dem man zugesteht, daß ihm der Beweis seiner Schuld vorgetragen wird. Wir verlangen ja gar keine Gnade und keine besondere Milde, aber das Recht verlangt das deutsche Volk. Schließlich ist es doch ein Unterschieb, ob die Alliierten mit den von jeher mißhandelten Negerstämmen ihrdr Kolonien verhandeln oder mit einem 80-Milliönenvolk, dessen Kultur der der Richter jederzeit an die Seite gestellt werden darf. Wenn man über Neger die Knute schwingt, so ist das schon eine Handlung, die von reichlich niedriger Kulturstufe zeugt. Wenn man aber ein Volk, das zu den ersten der Welt zählt, in einer alles mensch- liche Recht verletzenden Art knechtet, so ist das ein so schweres Unrecht, daß es nicht laut genug in die Welt hinausgeschrien werben kann. Es kann gar nicht deutlich genug in der deut­schen Antwort an die Alliierten, gesagt werden, wie es ja auch erfreulicherweise geschehen ist, daß durch dieUnkennt­nis des Tatsachenmaterials, mit bem sie den von ihnen be­reits vor mehreren Wochen gefaßten Beschluß begründen wollen", eine fruchtbare politische Zusammenarbeit schwer be­hindert wird.

Nicht minder verletzend als das Unrecht, das dem deut­schen Volke durch die Zwischennote geschieht, ist die Sprache die französische Abgeordnete in der Pariser Kammer führen. Ist das das Regiment Herriot, in dem man eine entschiedene Abkehr von dem krassesten Chauvinismus Poincar4s erblicken wollte? War das deutsche Volk früher gewöhnt, mindestens allwöchentlich eine ungebändigte Hetzrede übelster Art von dem französischen Ministerpräsidenten selbst ins Gesicht ge­schleudert zu bekommen, so sehen die Abgeordneten der poin- cariftifchen Partei nach dem Abtreten ihres Führers die gleiche schmcchliche Sprache gegen Deutschland fort. Die Kam- merbebatte in Paris legt ein beredtes Zeugnis von dem fran­zösischen Bersöhnungsgeist ab, den in Deutschland gewisse Kreis« mit bem Regiment Herriot Heraufziehen zu sehen glaubten. Herr Herriot hat den Hetzpolitikern in der Kammer

M erwidern, er läßt ihre Reden ungestört in die Welt «ab gegen da» deutsch« Sort hinaustönen und hat vielleicht außerdem hier und dort noch eine Bemerkung hinzuzufügen, her ex bea Hetzern recht gibt.

Auffallend ist, daß diese wilden Kammerredsn mit dem brüsken Ton der allste en Note fast in eine Zeit fallen. Die Tatsache beweist uns, wie weit wir entfernt sind von einem friedlichen Ausgleich mit Frankreich. Auf messen Seite liegt aber die Schuld daran?

Der Endkampf um Braun.

Für Donnerstag, mittags 2 Uhr, ist die ursprünglich für den 3. Februar geplante nächste Sitzung des Preußischen Landtages angefetzt worden. Die Tagesordnung lautet Kennern der Verhältnisse klingt es reichlich optimistisch Wahl des Herrn Ministerpräsidenten". Man weiß, daß die Rechtsparteien noch einige Tage gewinnen möchten, um fraktionelle Vorbesprechungen zu pflegen. Auf der anderen Seite ist es aber nicht unbekannt, daß insbe­sondere die Sozialdemokraten und die Demokraten die so­fortige Wahl verlangen, da sie annehmen, daß sie entweder ihren Genossen Braun doch wieder in den Sattel heben, zum wenigsten aber den Rechtsparteien Unannehmlichkeiten be- reiten können. Wie das Zentrum sich verhalten wird, steht noch nicht fest. WiderstveitenÄe Ansichten sind in seinen Kreisen aber reichlich vorhanden.

Nach der Verfassung erfolgt die Wahl des Minister­präsidenten ohne vorherige Debatse. Es wird aber in aus­gedehnter GeschäftsordnungsdebaÄe die Vertagung gefordert wenden; und sie dürfte auch erreicht werden. Am Vorabend dieser Ereignisse rechnete man allgemein damit, obwohl die Fraktionen Beschlüsse über ihre Taktik rauh nicht festgelegt hatten, daß die endgültigeWahlnichtvorDiens- tag oder Mittwoch nächster Woche wird erfolgen können. Am Donnerstag, dem 5 Februar, hat die nach der Geschästsvrdnung des Landtages vier Wochen nach der ersten Kürung zu wiederholende Wahl des Landtagsprasidenten zu erfolgen. DieProbezeit" des Herrn Bartels ist abgelaufen, und damit wohl auch seine PräsiLentenherrlichkeit im ganzen.

Giesberts ruft den Giaaisgerichisbof an.

Der Reichsminister a. D. G i e s b e r t s , Mitglied des Reichstages, hat seinen Rechtsbeiständen den Auftrag erteilt, beim Staatsgerichtshof gegen den Herausgeber derSteglitzer Korrespondenz", HeHen Böses tS s <. n t o a in Berlin-StegUß ..wi^yffpwvw. yectj» u-c1 ly s^rkr^BTkun-Schöne- berg Strafanzeige zu erheben. Beide sind als Zeugen im Semer-Prozeß aufgetreten, und der Gegner behauptet, daß sie in dieser Rolle falsche eidesstattliche Versicherungen abgegeben hätten. Auf diese eidesstattlichen Versicherungen und Ver­öffentlichungen in der Presse, die auch schwere Verleumdungen gegen Reichsminister a. D. Giesberts enthalten (es werden Giesberts Vergehen im Amte vorgeworfen), hat der Reichs- minifter a. D. Giesberts seinen Entschluß gestützt.

Zusammengehen von Stahlhelm und Zung- deutschem Orden.

Der Führer des Stahlhelm, Franz Seldte, der Hoch­meister des Iungdeutschen Ordens, Arthur M a h r a u n, der Vorsitzende des Nationalverbandes Deutscher Berufsverbände (vaterländische Arbeitnehmerbewegung) Fritz Geißler so­wie zur Vertretung -weiterer christlich-nationaler Arbeits­gruppen der Arbeitersekretäre Willi Dietrich, haben zum Zwecke gemeinsamer vaterländischer und sozialer Arbeit eine Zentralstelle in Berlin errichtet.

Bayern dringt auf Kündigung

des deulsch-fpani^en Handelsvertrages.

Der Haushaltsausschuß des bayerischen Landtages nahm einen deutschnationalen Antrag an, der von der bayerischen Staatsregierung verlangt, daß sie auf schnellste Kündigung des deutsch-spanischen Handelsabkommens hinwirken soll. Der Handelsminister erklärte, daß die Regierung in dieser Rich- tung bereits tätig gewesen sei.

Eine Protestkundgebung der lothringischen Katholiken.

In einer großen Versammlung der Katholiken Lothrin- gens wurde gegen die Aufhebung der französi­schen Botschaft am Vatikan schärfster Protest en haben. Ferner wurde die Aufrechterhaltung der religiösen Freiheit und der konfessionellen Volksschule gefordert. An den Papst wurde eine Ergebenheitsadreffe gesandt.

Ein Aufruf zur MissionshMe in den Kolonien

Die Deutsche Evangelische Missionshilse verbreitet folgenden Aufruf: Die britische Regierung hat begonnen, die unaevechi fertigte Sperre gegen die schnmchvoll vertriebene deutsche Mssior aufzuhebm. Die Norddeutsche Mission in Bremen konnte schor 1923 die drei ersten deutschen Missionare und eine iDiimoitarü nach Togo zurückschicken. Vier weitere MissionsgesellschastM, 6h vor dem Kriege in Deutsch-Ostafrika arbeiteten, stehen im Be griff, den alten Gemeinden ihre heißersehnten deutschen geift ticken Führer mit ihren Frauen wieder hmauszrpcnden. Wir möchten alle, die Togo und Ostasrira kennen und lieben, mobi machen, daß sie jenen bevorzugten deutschen Männern und Frauer ein sichtbares Zeichen unseres Gedenkens mit auf den Weg geben Die christlichen Gemeinden und die opferbereiten Askari sicher erkennen, daß ihre Treue während des Krieges und der folgender Notzeit im deutschen Lande unvergessen bleibt. Spenden mit An gaben, welcher der fünf Missionen die Gabe zugute lammen sei

oder mit der BemerkungFür Togo" oderFür Ostastika" er­bitten wir auf unser Postscheckkonto Berlin NW 7, N^. 19 012, zu überweisen, und den Postabschnitt als Quittung anzusehen. Deutsche Evangelische Missionshilse Dr, von Lind«quist, Lbsrswalde, D. D r. von Hegel, Merseburg, Staats­sekretär des Reichskolonialamtes a. D. Lbsrpräsi- bent a. D. D. A. Wi Schreibe«, Berlin-Steglitz.

Herriot über Deutschland.

Herriot sprach in der Pariser Kammer über die P o - litikFrankreichsgegenüberDeutschland und erklärte, Deutschland habe eine Note über die Kriegsver­antwortlichkeit angekündigt; da aber Frankreich wie Belgien von Deutschland angegriffen worden seien, habe die französische Regierung erklärt, wenn diese deutsche Note ab- geschickt würde, würde sie sie nicht entgegennehmen.

In der Frage der Räumung der Kölner Zone erklärte Herriot: Wenn wir erklären, daß wir den Rhein nicht lassen wollen, wollen wir damit etwa sagen, daß wir immer dort bleiben und Imperialismus betreiben wol­len? Nein und tausendmal Nein! Aber vielleicht ruht dort die letzte Bedingung für die Sicherheit Frankreichs. Wenn Frankreich an dem Weltfrieden mitarbeiten will, dann hat seine Regierung die Pflicht, zuerst-die Sicherheit Frankreichs si cherz u stet len. Frankreich ist in seinem Recht; das beweist die Phase der Friedensverhand­lungen über die Frage der Besetzung des linken Rheinusers. Als Ersatz für die unbegrenzte Besetzung des linken Rhein­ufers haben Großbritannien und die Vereinigten Staaten Garantiepakte angeboten. Darauf untersuchte Herriot die Bestimmungen des Vertrages von Versailles und setzt ihnen die angeblichen deutschen Verfehlungen gegenüber. En spricht zunächst von der Ausbildung junger Rekruten und Reser­visten und sagt weiter, eiu deutsches demokratisches Blatt habe erklärt, daß auch die Studenten militärisch ausgebildet würden, die Ausgaben hierfür seien als Auslagen für Fou- rage verbucht worden, die Studenten seien entlassen worden, als die Kontrollkommission augekommen sei. Eine der wich­tigsten Fragen sei die der deutschen Polizei. 1913 sei die | deutsche Polizei rein lokal, gewesen, sie habe »0 000 Mann KmmmnnUpol -fken und" 27 tXtGFMFnn Slaäkspöffzsskini üim

faßt. Herriot gab seiner Befürchtung Ausdruck, baß Frank- reich im Jahrs 1920 einem Manöver Deutschlands zum Opfer gefallen fei, durch das man jetzt vor eine Tatsache gestellt sei, die man beachten müsse. Deutschland habe gefordert, die Stärke seiner Reichswehr von 100 000 Mann auf 2000 000 Mann zu erhöhen. Das sei ihm verweigert worden. Die Alliierten hätten ihm aber gestattet, feine Polizei von 90 000 Mann Mf 150 000 Mann zu erhöhen mit der Bedingung, daß die Polizei einen lokalen Charakter tragen müsse und nicht zentralisiert werden dürfe. Die Stärke der Gendarmerie sei von 12 000 Mann auf 17 000 Mann gebracht worden. Die alte Polizei bestehe weiter, und man habe die Schutz­polizei gegründet, die eine Reichswehr fei, an die Stelle der alten Polizei fei eine Polizei militärischen Charakters ge- treten. In den Bureaus der Polizei seien 30 000 Mann be­schäftigt, die zu den 150 000 Mann hinzugerechnet werben müßten. Die Revolver und die Maschinengewehre der Po­lizei könnten auch für das Heer nutzbar gemacht werden. Die Schutzpolizei umfasse 5000 Offiziere des alten Heeres; sie un­terhalte einen Generalstab im Ministerium des Innern und habe überall ein Kommando. Herriot sprach ferner über den Stand der deutschen Entwaffnung. Er erinnert daran, daß durch die Kontrollkommission 37 000 Kanonen, 87 000 Maschinengewehre, 4 500 000 Gewehre, 85 Millionen Patronen zerftö't worden feien, und sagt, was Deutschland zurückbehalten habe, wisse man nicht; man könnte es aber an dem ermessen, was man entdeckt habe. An gewissen Stellen habe man mehr Reserven vorgefunden, als die Reichswehr an Material notwendig habe. Herriot erwähnt weiter die Zahl der Pferdtzsättel unb die Angelegenheit mit den Maschinengewehrläufen, die bekanntlich von der Kon- -trollkommission bewilligt würben, um dann zu sagen, die Alliierten hätten, um die Arbeitslosigkeit in Deutschland zu verhindern, die Umstellung gewisser Arsenale in Friedens- betriebe gestattet. Deutschland wolle aus diesem humanen Entgegenkommen Nutzen ziehen, um seine Arsenale zu be­halten, ja sogar, um sie zu vergrößern. So werde durch die Reichswehr und die Reserven das deutsche Heer wiederher- gestellt, das die wahre Verantwortung für den Krieg trage. Deutschland habe entgegen den Bestimmungen des Verja stier Vertrages seinen Generalstab wiederbergestellt, unter der Lei­tung eines Generalissimus ein Oberkommando und eine außerordentlich vervollkommnete Technik.

Deshalb müsse er den Freunden Frankreichs zurufen: Nehmt euch in acht! Frankreich hat keinen Haß. Frank- xeich bewahrt inmitten aller Gefahr und in kritischen Augen­blicken seine Kaltblütigkeit, seine traditionelle Liebe und Gerechtigkeit.

Die Botschasterkonfekenz berät über die deutsche Antwortnote.

Aus Paris wird berichtet: Am Donnerstag findet eine Sondersitzung der Botschasterkonferenz statt, in der die deutsche Antwort auf die interalliierte Note in der Frage der Kölner Zone beraten werden soll.