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HersMer Tageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt" [

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö !

Der Bezugspreis beträgt durch die Post bezöge monatlich 1. (Dk., ausschllebl. Bestellgeld, für Bersfeld 1. (Dk. bei freier Zustellung, Abholer .80 (Dk. * Druck und Verlag dod budwig Funk

Buch druck er ei in Bersfeld, (Ditglied des VDZV.

Nr. 30

Donnerstag, den S. Februar

1925

Das Wichtigste.

Dr. Trendelenburg wird in Paris dem französi- schen Handelsminister Raynaldy die deutsche Note ü b e m reichen, in der man eine Basis für die Fortführung der Wirtschaftsverhandlungen erblicken darf.

Der Untersuchungsausschuß in der Barmat, Kutisker-Affäre hat den Abgeordneten Heilmann vernommen, und wird sich demnächst mit den Postkre- d i t e n beschäftigen.

Der deutsch-amerikanische Handelsvertrag ist von der amerikanischen Se n a tsko mmi ssio n für aus­wärtige Angelegenheiten einstimmig gebilligt worden.

In dem Prozeß Beversdors gegen Kroner hat der Staatsanwalt eine Geldstrafe von 1 000 M. für den angeklag^n Landgerichtsdirektor Kroner beantragt.

Was manAbrüstung" nennt

Nur ein paar Zahlen.

In Artikel 5 des Verfasster Friedensvertrages haben sich unsere -Dertrogsgegner verpflichtet, mit der Abrüstung Deutschlands die allgemeine Weltabrüstung zu beginnen. Diesen Satz auf seine Erfüllung zu untersuchen, wäre ein unnützes Bemühen, denn ich glaube, darüber sind sich alle Deutiche, ja selbst die Nationen, die den Gedanken der Welt- Abrüstung geboren haben und ihn heute noch phrasenhaft wahren, um vor der Welt wenigstens als ehrliche Friedens- fteunde zu erscheinen, werden nicht leugnen, daß von einer Abrüstung in der Welt keine Rede sein kann. Der nach Er­löschen des Kriegsbrandes aufgetauchte und verherrlichte Ge­danke des Weltfriedens und der Völkerversöhnung war schön und wirklich ehrlicher Arbeit und Mühe der Völker wert, aber tr war und blieb auch nur ein Gedanke, dem die Tat nie folgte. Die paar Phantasten, Idealisten oder wie man sie -WNMNwill,.Pazifisten nennen sie sich s>M allen Län- dern predigen m lauten Worten die BKföynung der ?öM und glauben, daß man sie ernst nimmt. Ob biete Schwärmer denn wirklich an die Erfüllung ihres Ideals je.oft glauben? Da gibt's in Frankreich eine Sekte von solchen Pazifisten, die sich als Wanderprediger für ihre Versöhnungsidee produ- teren, und zu denen dann auch Deutsche kommen, um ich zum Spott der Franzosen zu machen. Ja, daß das er- trebte Ideal ein hohes, schönes, ja das höchste ist, wer wollte es leugnen? Aber wozu all die Worte, wenn die Taten aus- bleiben! Wie steht's denn in Wirklichkeit um die gepriesene Abrüstung?. Sollen wir denn wirklich in der theatralischen Versenkung englischer Schlachtkreuzer auf hoher See den Beginn der ernstgemeinten Abrüstung erblicken? Sollen wir daran glauben, wenn wir Englands Geschichte und Politik kennen? Wird sich England jemals seiner Flotte entblößen, wird es das überhaupt können? Im selben Moment, wo England seine Waffen zerbräche, würde es seine Weltmacht selbst zerschlagen. Aber es muß auch Schauspieler für die Menschheit geben.

Und wer nicht von dem Gedanken abzubringen ist, daß doch das Ideal der Völkerversöhnung nahe, für den mögen einige Zahlen sprechen, zu denen eine Erläuterung sich

erübrigt.

Beginnen wir mit dem Land, dessen Prominente sich jetzt ablösen, um ihre Posaunentöne von Frieden und Ver­söhnung in die Welt dröhnen zu lassen, dessen Präsident, ...... ' alles, was dahinter folgt, ihre Klag« liche deutsche Rüstungen hinausschreit.

Ministerpräsident und alles, was dahinter folgt, ihre Klage über heimliche, unheimliche deutsche Rüstungen hinausschreit. Das friedliebende Frankreichs Anne, stolze französische Re­publik, wie schwer hat sich der Krieg geschlagen, wie heiß ist deine Sehnsucht nach Frieden und dein Wunsch nach Ver­söhnung mit deinen Nachbarn. Nehmen, was wir wollen, ob Tvuppenmaterial, ob Geschütze, Kampfwagen oder Flug­zeuge, in jeder Art steht dasfriedfertige" Frankreich an der Spitze. Auf 1000 Einwohner kommen nach Friedensstärke 14%, die unter Waffen stehen! Sechs Jahre nach Friedens­schluß! An schweren Batterien besitzt Frankreich z. B. 328, an Maschinengewehren 39 050, an Kampfwagen 5806, an Flug- zeugen 1370. Muß dazu noch ein Wort der Erläuterung ge- sagt werden? Die Zahlen, sollte man meinen, sprechen eine un- zweideutige Sprache. Um einen Vergleich zu Deutschlands soge­nannter Wehrmacht zu geben, wäre es ja müßig, an dieser Stelle den eben genannten Zahlen die entsprechenden in Deutschland entgegenzustellen. Das könnte man ja fast Ver- messenheit nennen. Wollen wir doch nie vergessen, daß wir durch das Friedensdiktat von Versailles zu einem, ohn­mächtigen Kleinstaat herabgedrückt sind, der nicht ^einmal einen Vergleich aushült mit den Gebilden, die seit 1918 der Titel Staat angenommen haben und durch ihren Großnmchts düiikel beinahe ernst genommen werden konnten. Nehmet wir doch mal Polen, das gerade m, letzter Zeit so laut vor sich reden macht und dessen Kriegsminister erst kürzlich bann renommierte, daß Polen dein westlichen d^chbarn mehr Sol baten entgegenstellen könnte als Rußland 1914. In Polei entfallen auf 1000 Einwohner 10 wehrhafte, an. schwerer Batterien unterhält es 99, an Maschinengewehren 12 uat Kamvfwvgen 160 und an Flugzeugen 220 Das g, da! heutige Polen, das die unverschämte Sprache gegen dm deutsche Danzig führt, das die Welt heraussordert, geaeck durch seines Protektor und Meister Frankreich, das iem

Franken nach Polen wandern läßt, um mit ihnen seinem ge- fürchteten Feinde Deutschland in die andere Flanke ein Heer zu setzen, das dem ausgepowerten deutschen Volke eine stete Drohung sein soll. Aber wiederum vermessen wäre es, wollte man nun hier die Zahlen der deutschen Wehrmacht aufführen. Weiter nach unten greifen, zu kleineren Staaten oder solchen, die es sein wollen! Französisches Geld steckt in vielen Län­dern, für französische Franken werden viele Armeen aus­gerüstet. Wählen wir mal die Tschechoslowakei und sehen uns deren Heeresstärke an. Auch bei den Tschechen sind von 1000 Einwohnern 10 unter Waffen, an schweren Batterien leistet sich die Tschechei 114, an Maschinengewehren 4000, an Kampfwagen 60 und an Flugzeugen sogar 475. Kleinere Staaten haben wir nun kaum auf dem europäischen Kontinent, wenn wir vom Balkan absehen wollen, wo ja außer Rumänien alle vom Kriege zerschlagen wurden. Vieleicht doch noch Rumänien, für das 1916 eine deutsche Armee genügte, um das rumänische Heer in den äußersten Winkel zu jagen. Rumänien kann sich heute den Luxus leisten, von 1000 Ein­wohnern 11% unter Waffen zu halten. Es besitzt 162 schwere Batterien, 6000 Maschinengewehre, 84 Kampfwagen und 150 Flugzeuge. Eine wirklich recht stattliche Macht heute. Nun Deutschland. Hat es Zweck, die Zahlen anzuführen, die im Dersailler Vertrag vorgeschrieben sind? Ein Heer von 100 000 Mann, keine schwere Batterie, 1926 Maschinengewehre, keine Kampfwagen, keine KriegsflugzeugeI

Nun will Frankreich von geheimen deutschen Rüstungen wissen und benutzt diesen Vorwand dazu, die rechtswidrige Besatzung aufrechtzuerhalten. Was müßte in Deutschland gerüstet werden, wollte man ein Heer schaffen, das auch nur dem von Polen oder Rumänien die Front bieten könnte. Wirkt es nicht geradezu lächerlich. wenn man den Beweis für Deutschlands Ohnmacht gegenüber dem eben aufgeführten Zahlenmaterial antreten wollte? Mögen die Zahlen für sich selbst sprechen, und überlassen wir es den Denkenden und Sehenden, hieraus ihre Schlüsse zu ziehen. Dr. M.

Wie die 3. M. K. arbeitet.

MWWMWMMMMM teilen, ob in Fabriken, die Drehbänke, Motoren, Waffen, -tion und Kriegsgerät hergestellt haben, noch Maschinen 5 Werkzeuge angefertigt werden oder vorhanden sind, d'e f sl Friedens- wie Kriegszwecken dienen können. Die I n machen sich an Besitzer, Direktoren und Ingeniure und suchen Zeichnungen zu erlvngcu, aus denen die . Alte Verwendungsmöglichkeit hervorgeht. Sie täuschen Aufträge aus Ländern vor, in denen innere Unruhen oder Kriege herrschen, wie Mexiko und Marokko, und fragen, ob die Fabrik innerhalb einer gervissen Zeit Maschinen zur Her­stellung von Kriegsmaterial liefern könne. Derartige Ver­suche sind bereits bei einer Anzahl größerer Fabriken ge- ruacht worden.

Die deutsche Note zu den deutsch-französischen Wirtschattsvet Handlungen.

Die Ueberreichung der deutschen Note azu den deutsch- französischen Wirtschaftsverhandlungen wurde im letzten Augenblick verzögert. Staatssekretär Trendelenburg begnügte sich damit, Herrn Raynaldy davon schriftlich in Kenntnis zu setzen, daß die deutsche Antwort erst im Laufe des Don­nerstags überreicht wird.

Die Llebergabe des Sch'ußbenchtes der Kontkollkommission.

Echo d e P a r i s" erfährt aus Berlin, daß General W a l ch und der Vorsitzende der britischen Militärmission am 14. Februar der Botschafterkonferenz den Schlußbericht der Kontrollkommission persönlich unterbreiten würden. Zwischen den Vertretern der Alliierten Mächte bestehe volles Einver­nehmen. Der Schlußbericht enthalte eine vernichtende An­klage gegen Deutschland. (!) Die Kontrollkommission erbringe den Nachweis, daß die deutschen Militärbehörden alle Kon­trollbesuche systematisch sabotiert (Z) und dadurch die wirksame Durchführung der Generalinspektion verhindert hätten.

Der deutsch-amerikanische Handelsvertrag in erster Instanz angenommen.

Die Senatskommission für auswärtige Angelegenheiten in Washington hat sich einstimmig für den Handelsvertrag mit Deutschland ausgesprochen, vorbehaltlich jedoch des Rechts der Vereinigten Staaten, nach Ablauf eines Jahres bei einer Kündigungsfrist von drei Monaten die Bestimmun­gen über Vorzugszölle und Eisenbahntarife abzuändern.

*

Präsident Coolidge übersandte dem Senat die Ant­wort Hughes' auf Johnsons Resolution, wonach dieser die Bor egung des Textes des Pariser Finanzabkommens ver langt. Unter Vorlegung dieses Textes stellt Hughes noch- mals fest, dkß das Abkommen Amerika nicht verpflichte^ sich an Sanktionen zu beteiligen, falls Deutschland seinen Zah­lungen nicht Nachkomme.

Von Besatzungsiruppen befreit.

Der interalliierte Unterausschuß der Rheinlandeisenbahn verfügt, daß ab Sonnabend, den 7. Februar, mittags, die Eisenbahnkontrollpo sten in Wermelskir- ch e n, Scherberg, Ohligs, Gräfrath und Engelskirchen z u - rückzuziehen sind. Damit wird Wermelskirchen, das seit 1918 englische Besatzung hat, von Truppen frei. Die aus Ohligs zurückzuziehenden Truppen werden in Köln ihren Truppenteilen überwiesen und die von ihnen belegten Ba­racken am Freitag der Stadtverwaltung zurückgegeben. Die bisherige Bahnhofs-, Paß- und Güterkontrolle in Ohligs wird in eine Verkehrsüberwacbungsstelle umgewandelt.

Der englische Botschafter beim JieichSkanzler.

Der englische Botschafter Lord d'Abernonhat dem Reichskanzler Or. Luther einen längeren Besuch abgeftattet In politischen Kreisen erhält sich das Gerücht, daß Gegenstand der Aussprache der Sicherheitspakt war, und daß England bereits konkrete Gegenvorschläge gemacht habe.

Die Auswertung der öffentlichen Anleihen.

Die Aufwertung der öffentlichen Anleihen ist in ein ent­scheidendes Stadium getreten. Dem Aufwertungsausschuß des Reichstages ist von fachkundiger Seite statistisches Material über die noch im Umlauf befindlichen öffentlichen Anleihen vorgelegt worden, das von den amtlichen, vom Reichsfinanzministerium ausgearbeiteten Zahlen wesentlich abweicht. Zur endgültigen Regelung der Aufwertung und zur Feststellung der öffentlichen Aufwertungsquote, der Höhe und Zeit des Inkrafttretens des Iinfendienstes, werden genaue Erhebungen über die noch im Um­lauf befindlichen öffentlichen Anleihen bei den Gläubigern notwendig sein. Unter An­lehnung an einen großen Spezialverband ist eine Treuhand- stelle für die Anmeldung der öffentlichen Anleihen e. V. ge­gründet worden, die die Anmeldung des Besitzes entgegen­nehmen und Registrierung und bankmäßige Verwaltung des angemeldeten Materials besorgen will. Zur schleunigen Durchführung dieser Ausgaben werden alle Anleihebesitzer aufgefordert, ihre Guthaben an affentlKijen ««'r^n am »er Treuhandstelle für die Anmeldung der offenste n: Anleihen Berlin-Charlottenburg, Berliner Str. 100, anzumelde«.

Der Prozeß Bewersöorff gegen Kroner.

Vor dem großen Schöffengericht Berlin-Mitte begann der Beleidigungsprozeß des Landgerichtsdirektors Bewers- Dorfs, des Vorsitzenden im Magdeburger Rothardt-Prozeß, gegen den Landgerichtsdirektor Kroner, den Vorsitzenden Des republikanischen Richterbundes. Verteidiger Landsberg stellte den Antrag auf Ablehnung des Vorsitzen­den, Amtsgerichtsrat Ahlsdorf, wegen Besorgnis der Befangenheit. Das Gericht zog sich zur Beratung über die Anträge der Verteidiger zurück. Nach messt als zweistündiger Beratung des Gerichts wurde dem Angeklagten Kroner die Entscheidung schriftlich zugestellt, wonach die An­träge der Verteidiger abgelehnt und der Vor- wurf der Befangenheit alsunbegründet er- klärt wird. Das Gericht begann darauf die Vernehmung des Llngeklag-ten.

Generalstaatsanwalt Lindow nahm das Wort zur Be­gründung der AnklaM. Er bezeichnete die Beleidigung als sehr gröblich, hielt aber dem Angeklagten andererseits auch das Recht zugute, gegen das Magdeburger Urteil anzu- kampfen. Dxr Staatsanwalt beantragte 10 0 0 Mark Geldstrafe gegen den Landgerichtsdirektor Kroner, an deren Stelle im Nichtbeitreibungsfalle 50 Tage Gefängnis treten sollen.

Die Untersuchung der Barmat-Kutiöker-Affäre.

Der Landtagsausschliß zur Untersuchung der Kreditgeschäft« der Eeehanütung mit ausländischen Konzernen setzte seine $e» ratunacn fort. Zunächst wurde ein deutschnationaler Antrag, sämtliche aussagenden Persönlichkeiten als Zeugen zu vernehmen und sie darauf hinzuweisen, daß ihre Aussagen gegebenenfalls beeidigt werden können, nach kurzer Aussprache abgelehnt. Ex­zellenz von Dombois, der bis zum 1. April 1924 Präsident der Leehandlung war, sagte aus, daß der erste Kredit an Julius Barmat von ihm gegeben wurde, nachdem er von dem Sachbear­beiter erfahren hätte, daß der Kredit durch Warenwechsel gedeckt sei.- Außerdem sei noch ein Devisendepot in Höhe der Hälfte der Kreditsumme vorhanden gewesen. Der Staatsbank wäre es nicht eingefallen, auf das Hanauer Lager neues Geld zu geben. Das Lager sollte nur als Zusatzdeckung für die bisherigen Forderun­gen gelten. Erst als die Deckung für den bereits gegebenen Kre- dit nicht mehr ausreicfKe, fei der Wert des Hanauer Lagers für die Staatsbank bedeutungsvoll geworden. Daß außer dem Lom­bardkonto von Rüche noch große Wechselkredit« gegeben wurden, sei ihm nicht bekannt gewesen. Die Billigung der einzelnen Kre­dite an die Kunden sei von jeher durch Mitglieder der Direktion erfolgt Der sozialdemorratische Abg. Kuttner stellte die Frage, ob Herrn von Dombois etwas über die Mitwirkung der Herren Dr. Ruhe und HeIlwig bei einem Schiedsspruch in der An- gclegcnhcit Michael-Kutisker bekannt sei, und ob die genannten Herren dafür ein ansehnliches Honorar erhalten hätten ob von Dombo s etwas davon wisse, -daß Hellwig am 24. Januar die Bar­matschen Kredite auf vier Millionen bis zum 16. Februar fest- pcfeRt habe, und ob die Kredite von 9 6 Millionen bis zum 2 Februar genehmigt worden feien. Von Dombois gab zu, daß Rsihe > nd Hellwig bei dem Schiedsspruch mitgewirkt hätten. Er hätte keine Bedenken gehabt, diese Mitwirkung zu genehmigen.