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Hersfelöer Kreisblatt"

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Nr. 37

Freitag, den 13. Februar

1925

Das Wichtigste.

Auf der ZecheMinister Stein" bei Dort mund ist eine furchtbare Grubenkatastcophc erfolg bei der über 100 Tote zu beklagen sind.

Die Bemühungen des preußischen Ministerpräsidente- Dr. Marx um das Zustandebringen eines Kabinetts sind bishe noch ohne Ergebnis geblieben.

Die Pariser Wirtschaftsverhandlungei stehen auf einem toten Punkt. Es ist nicht unwahrschein lich, daß die beiden Delegationsführer sich von ihren Regierungei neue Instruktionen holen.

In der Frage der Freigabedesdeutschen Eigen tums in den Vereinigten Staaten ist es zu einen ernsten Meinungskonflikt zwischen Präsiden Coolidge und Senator Borah gekommen.

danzigs EnwUmg als Amffaat.

Die staatliche und wirtschaftliche Abhängigkeit Danzigs von Polen hat dem jungen Freistaat schwere Erschütterungen gebracht und tiefe Wunden geschlagen, die nur langsam hei­len. Seit der Einführung der auf der englischen Pfundbasis fußenden Gulden-währung ist zwar auch dort eine Sicherhell in der Kalkulation der Preise eingetreten, dem aber eine Krise folgte, die, forciert durch eine ungünstige polnische Zoll­politik. während des ganzen vergangenen Jahres 1924 feine Kreise zog. Auch in Danzig brächte der Währungsumschwung eine Geldknappheit, die um so mehr in Erscheinung trat, als Danzigs Industrie und Handel zu 85 Prozent mit der Schiff­fahrt verbunden ist, für die eine Geldkrise noch einschnei­dendere Folgen hat, als eine absolut produzierende Wirt­schaft. Neben den hohen Löhnen und Steuern löste das einseitige Schutzzollsystem Polens Danzig ist mit Polen seit dem 10. Januar 1922 durch Zollunion verbunden eine schwere Wirtschaftskrise aus, so daß viele eingesessene und angesehene Firmen zu Betriebseinschränkungen und Zah­lungseinstellungen gezwungen wurden. Die Industrie Dan- ||gfa|tt|M|||H^|^^^Mggi^^U^L als Absatzgebiet angewiesen, aber die Quantitäten sind hier naturgemäß noch sehr gering. Als H a u p t e x p o . tarti - kel kommen Holz und Zucker in Frage; sie übertreffen noch Getreide, das früher in großen Mengen exportiert wurde, er­heblich. Daneben führt Danzig die Fertigfabrikate der Textil- branchen aus der Lodzer Gegend aus, auch aus Tomaschew- gelangen die Produkte in Danzig zum Export. Man sieht, daß Danzig hauptsächlich als Ausfuhrhafen für das polnische Hinterland benutzt wird. Den Einfuhrhandel beherr­schen heute vor allem Heringe und Felle, Mehl und Dünge­mittel, speziell Superphosphate aus Nordafrika. Für Polen fiihrt Danzig so ziemlich alle Produkte ein, die für ein ver­hältnismäßig armes Inoustrieland in Frage kommen. Man sann jedenfalls sagen, daß Danzig, das früher ein ausge­sprochener Ostheehafen war, auf dem besten Wege ist, ein Wellhafen zu werden. Der polnische Handel mit Deutsch­land ist dagegen, dank der polnischen Einfuhrzölle, erheblich eingeengt. Schließlich konnte sich Polen dem nicht verschlie­ßen, daß Danzig in gewisser Hinsicht auf deutsche Waren an­gewiesen war. und ermäßigte für eine Reihe von Nahrungs­mitteln die Zollsätze. Daneben wurde auch der Zoll für He­ringe, die seit zehn Jahren zollfrei waren und damals 1820 Schilling pro Faß betrugen, auf dringendste Vorstellungen der Danziger Regierung ermäßigt. Im September vorigen Jahres dekretierte Polen sodann die Erhebung von Ausfuhr­zöllen aus Danzig, die an Stelle der bisherigen Aussuhr- oebbote ein neuer Schlag gegen den Danziger Handel war. Ein weiterer Schlag Polens speziell gegen Deutschland be­stand darin, daß es neben der Einführung von Maximal­zöllen noch einen Zuschlag von 100 Prozent für diejenigen Waren einführte, die die polnischen Warennicht günstig" behandelten. So erwachsen der Danziger Wirtschaft durch das polnische Zollwesen große Schwierigkeiten, die nur lang­sam einen Wiederaufstieg gestatten.

Der Ausbau des Danziger Hafens hat >m vergangenen Jahre große Fortschritte gemacht. Die Steigerung der Holzausfuhr erforderte den Bau von groß­zügig angelegten Lagerplätzen hierfür mit unmittelbarer Ver­bindung zum Hafen. Der Hafenausschuß des Danziger Ha­fens stellte bis zum August 600 000 Quadratmeter neue Land- laqerfläche her. Daneben haben Privatfirmen neue leistungs­fähige Kaianlagen geschaffen, die die Leistungsfähigkeit de- Danziger Hafens enorm gesteigert haben. Zne inniger Zoll­verwaltung ermittelte für die Einfuhr seewärts 1924 die Summe von 5,9 Millionen Doppelzentner, für du Ausfuhr 12,76 Millionen; für die entsprechende Bert des Vorjahres waren die Zahlen 5,78 bzw. 9,08 Millionen Doppe^entner das ist eine erhebliche Zunahme der Aktivität des Handels- ^Äuch die Gleisanlagen im Hafeiigebiet wurden einer ein­gehenden großzügigen Verbesserung unterzogen und bieten heute für den Handelsverkehr Danzigs einen enormen Vor­teil. Danzig entwickelt sich immer mehr zum UmschlaMfen nach Uebersee. Die Umschlagskosten sind seit dem Herbst U)2r erheblich gesunken. Der Danziger Schiffbau, der vor den Kriege sich größtenteils auf Schiffe für d" Krwgsmanne be­schränkt hatte, hat in der Nachkriegszeit sich vollständig au

den Bau von Handelsschiffen und zu einem großen Teile auch auf die Bedürfnisse der polnischen Industrie eingestellt. Das Eisenbahnnetz Polens wird, den Bedürfnissen des Lan­des entsprechend, enger gezogen, so daß hier für die eisen- verarbeitende Industrie gute Absatzmöglichkeiten bestehen. Auch durch den Ausbau des Hafens unter Zugrundelegung Danzigs als Transithafen nach Uebersee wird die Industrie lohnende Aufttäge erhalten. Der Bau des großen Clektrizi- tätswerkes in Danzig, das die Elektrifizierung der größten Fabriken gestattet, hat in den Zeiten der Danziger Wirtschafts, krise vielen Arbeitslosen Beschäftigung gesichert und den Dan. ziger Freistaat vor Ausgaben für unproduktive Zwecke (Er- werbslosenunterstlltzung) bewahrt.

Die Danziger Wirtschaftskreise bemühen sich in jeder Hinsicht, dem Freistaate im Welthandel die nötigen Erleichte rungen in wirtschaftspolitischer Hinsicht zu sichern. So sehr diese Bestrebungen zu begrüßen sind, darf man nicht ver­kennen, daß in Danzig große Mengen deutschen Kapitals in­vestiert sind. Eine Stadt, die seit Jahrhunderten im deut­schen Handelsverkehr sich entwickelt hat, kann nicht durch eine territoriale Aenderung aus ihren handelspolitischen Grund­festen gezogen werden. Notwendigerweise muß sich Danzig nach der polnischen Handels- und Zollpolitik richten. Der Schwerpunkt der Rückendeckung liegt aber nach wie vor im deutschen Hinterlands und nicht im polnischen.

Furchtbare Schiagwettettaiafirophe bei Sortmmld.

Bisher 138 Tote.

Am 11. Februar ereignete sich auf der ZecheMi­nister Stein" Schacht drei eine schwere Schlagwetter­explosion. Die Schlagwetter-Explosion hatte einen außer­ordentlich heftigen Charakter. Die Strecken auf der ersten, zweiten und dritten Sohle sind durch Brüche vollständig ge­sperrt. Die Rettungsmannschaften werden in ihrer Arbeit, die hinter den Brüchen befindlichen Leute zu retten, durch Gase stark behindert. Es besteht w e n i g Auss i ch t , die noch in b er Grube beftnol i cy en ry» Vw^c- Leute oder wenig st ens einen Teil von ihnen lebend zu bergen. Die Ursache der Explosion ist noch nicht geklärt. Gerettete erzählen, daß sie durch die Funken eine Maschine entstanden sein soll. Bisher sind 52 Tote geborgen worden. 16 Leichen wurden an einer einzigen Stelle gefunden. 20 Knappen sitzen zur Zeit im Feuer. Me Namensfeststellung der Toten erschwert sich besonders dadurch, das; die meisten bis zur Unkenntlichkeit verkohlt sind. Bisher konnten die Namen von 15 Bergleuten festgestellt werden.

Die betroffene ZecheMinister Stein" wird in fach­männischen Kreisen als eine der größten und besten des gan­zen Bergreviers Dortmund II bezeichnet. Die Wetterfich- rung in der Zeche ist.als mehr als ausreichend und gut be- kannt. Elektrische Grubenlampen sind dort schon seit Jahren eingeführt. Benzinsicherheitslampen bedienen.sich die Auf­sichtspersonen, Schießmeister und Wettermänner. Die Explo- sion ist gegen Ende der zu Mittag eingefahrenen Schicht er­folgt, und zwar zu einer Zeit, als noch voll gearbeitet wurde.. Die Explosion hat sichsim südöstlichen Felde der Zeche ereignet, und zwar in der mittleren Fettkohlenpartte. In fachmänni­schen Kreisen wird angenommen, daß die bis, jetzt noch nicht geborgenen Bergleute kaum noch zutage gefordert werden können, da die Wetterführung durch zu Bruch gehende Strecke gestört ist. Ueber die Ursache der verhängnisvollen Explosion läßt sich zurzeit nichts Positives sagen, da man die Unsallstelle zurzeit noch nicht hat erreichen können. Bei der Unglücks- grube handelt es sich um eine Anlage von drei Schächten, die einschließlich des bergmännischen (SchachtesHardenberg" eine Belegschaft von 4000 Mann hat. Die Förderung der GrubeStein" belauft sich auf rund 830 000 Tonnen im Jahr. Die Tiefe der Schächte beträgt 450 Meter.

Am Donnerstag früh 9,30 Uhr sind 9 0 Tote auf der Zeche Minister Stein freigemacht worden, von denen bisher 60 zutage gefördert wurden. In jeder Minute werden weitere nach oben gebracht. Es sindim ganzen sieben Bergleute lebend geborgen, doch ist einer inzwischen gestorben. Die übrigen sechs be­finden sich im Krankenhause, da sie Gasvergiftungen erlitten haben. Die meisten Toten sind fast vollständig verbrannt. Viele von ihnen wurden durch den kolossalen Luftdruck bei der Explosion 1020 Meter weit geschleudert und haben sämtliche Gliedmaßen gebrochen. ,.

Mach den bis Donnerstag mittag von der Zechend,rettioN gemachten Nackricht-n beträgt die GesamtzahI der Toten auf ZecheMinister Stern" 138 außer- dem zwei Sanitätsmannschasten, die in Ausübung der Vet- turrgsrverke durch giftige Gase getötet wurden. Sechs Bergleute wurden lebend zutage gefor- d e r t. Die Bergungsarbeiten gehen unausgesetzt weiter.

Reichskanzler Dr. Luther war, von Stuttgart kommend, zum Besuch der badisckzen Regierung in Karlsruhe einen!'offen Das Programm für feinen Karlsruher Auf­enthalt ist sofort geändert worden, als die Nachricht von dem großen Grubenunglück im Ruhrgebiet emtraf Reichs- seniler Dr. Luther entschloß 'ich sofort - ach der Unglücksstelle abzureisem Er hat noa) von

Karlsruhe aus folgendes Telegramm an den Oberbürger meister von Dortmund gerichtet:

Die Schreckensnachricht von der Katastrophe auf der Zeche .Minister Stein' hat mich auf das tiefste erschüttert. Sprechen Sie den Angehörigen der Opfer meine herzlichste Teilnahme aus, die ich ihnen sobald als möglich auch persön- lich zum Ausdruck bringen werde. Gez. Reichskanzler Dr. Luther."

Reichskanzler Dr. Luther reiste Donnerstag nachmittag nach der Unglücksstelle ab.

Gleich nach Bekanntwerden des furchtbaren Stuben. Unglücks auf der ZecheMinister Stein" ist der O b e r p c ä s i > bent von West falen, Gronowski, an die Unglücks- stelle geeilt. Dem Oberbürgermeister von Dortmund, Dr. (Siel)off, ging folgendes Beileidstelegramm zu: Sehr ver- ehrter Herr Oberbürgermeister! Die schmerzlichen Wunden von Iserlohn und Herne sind noch nicht vernarbt, und schon wieder bricht ein neues Unglück über uns herein, dessen er- schreckende Größe in diesem Augenblick noch nicht ganz zu erkennen ist. Im Namen der Staatsregierung und der Pro­vinz Westfalen spreche ich Ihnen, sehr verehrter Herr Ober­bürgermeister, und allen von der grausamen Katastrophe auf der ZecheMinister Stein" Betroffenen die herzlichste und innigste Teilnahnie aus und wünsche aufrichtig, daß die west­fälische Erde von weiteren Schicksalsischlägen in Zukunft be­wahrt bleiben möge. Mit ergebenem Guß Gronowski.

Eine tlÄerWtzWWkWM für die WteMiedeiW bei Wer M MtmM.

Berlin, 13. Februar. Die furchtbare Schlagwetter^ Katastrophe auf der ZecheMinister Stein" hat im'ganzer Reiche eine Stimmung der tiefsten Trauer Hervorgcrusen. Wir wir erfahren, haben die zuständigen Regierungsstellen im Reiche und in Preußen sofort entsprechende Maßnahmen ein- geleitet, um für die Hittterbliebenen der unglücklichen Opfer eine Unterstützungsaktion in Gang zu bringen. Das Neichs- arbeitsinmisterium hat sofort 2k . tretet nach der Unglücke fräste gesandt. Es ist sehr wahrscheinlich, daß Mitglieder der Reichsregierung sich ebenfalls nach dem Schauplatz der Kata­strophe begeben werden.

Dortmund, 13. Februar. Von den 110 bisher aufge- zutage gefordert. Sie liegen in vier langen Reihen auf Stroh gebettet in der Halle der neuen Waschkaue. Eine Ab­teilung der Sauitütsmannschafteii ist damit beschäftigt, die Toten zu identifizieren. In der Stadt Dortmund sieht man überall die Fahnen auf Halbmast.

Aufdeckung neuer Unregelmäßigkeiten bei der preußischen Staatsbank.

Vor kurzem sind der Leitung der Preußischen Staats- dank neue Unregelmäßigkeiten bekanntgeworden. Im Som- mer 1923 haben sich einige Beamte für berechtigt gehalten, ausgelöste oder gettinbigte Wertpapiere gegen Zahlung des Cimlösungsbettages an sich zu nehmen, statt sie in die Depots der Staatsbank einzuliefern. Der Wert der Papiere, der seinerzeit ein sehr geringer gewesen ist, bürste heute nicht unbeträchtlich fein. Die sofort eingeleitete Untersuchung hat zu der einstweiligen Suspendierung des Kassen- direktors Triebe! geführt. Direktor Triebes soll in erster Linie über einen Teil der aufgetauften Obligationen und Anleihen unrechtmäßig verfügt haben. Ein Beamter, der mit diesen Geschäften in Zufammenhang gestanden haben soll, ist inzwischen gestorben. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. Es dürften noch verschiedene Beamte in sie verwickelt werden. Die Wertpapiere sind bis auf einen ge­ringen Teil der Staatsbank bereits wieder zurückgeliefert worden.

Ein Mesenbetrug beim Postscheckamt München an welchem als Urheber der Berliner Bankbeamte Georg Müller beteiligt war, hat vor dem Schöffengericht Mün­chen seine Sühne gefunden. Im September 1923 machte sich Müller an den Posthilfsschaffner Ludwig Wilhelm, der im Postscheckamt München bei der von der Reichsbank einge. richteten Abrechnungsstelle verwendet wurde, mit dem Bor- schlag heran, Wilhelm solle für ihn auf dem Wege über die Abrechnungsstelle München ungedeckte Postschecks an der Schalterkasse an nehmen, um ihm auf diese Weise Geld zu verschaffen, damit die damalige sprunghafte Geldentwertung von ihnen ausgenützt werden könne. Der hieraus sich er­gebende Gewinn sollte zwischen beiden geteilt werden. Mb Helm war einverstanden. Der Schaden des Reichspostfiskus ist ziffernmäßig nicht festgestellt. Nach dem Eintreten der Stabilisierung 'der Mark wurde der Betrug auf eine den ver- änderten Verhältnissen entsprechende Weise fortgesetzt. Die Reichspost wurde dadurch um 700 000 Rentenmark, unge- rechnet die Zinsenverluste, geschädigt. Die Herausge- schwindelten Gelder verwendete Müller hauptsächlich zu einer großangelegten Spe- kuläti on, zum Ankäüf zweier Hotels in Rom Als sich bei diesem Unternehmen Schwierigkeiten ergaben stellte sich Wilhelm freiwillig der Polizei. Müller wurde in Garda verhaftet. In seinem Besitz befanden sich noch 241 000 Lw> In der Verhandlung waren beide Angeklagte geständig. Ein dritter Beteiligter war inzwischen gestorben. Mlhelm