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kersfelöerTageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt"

Amtlicher Mnzeiger für den Kreis Hersfelö

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Nr. 39

Montag, den 16. Februar

1925

Das Wichtigst«.

Am Dienstag vormittag ftnbet die Bestattung bei Opfer der Grubeukataftrophe bei Dortmund statt Bisher sind 122 Tote geborgen.

Die Alliierten haben beschlossen, in der Note an Deutsch­land wegen der Nichträumung Kölns nur dieallerletzter Verfehlungen" aufzuführen und auf die Gesamt' aufzählung der Verfehlungen zu verzichten.

Am 10. März beginnt in Magdeburg der zweiteEbert- Prozeß.

In der Kabinettssitzung am Freitag abend wurde die D e n k s ch r i f t der Regierung über die R u h r k r e d i t e be­sprochen. Die Veröffentlichung ist in den nächsten Tagen zu cr- wareem

Zur Kadinettsbildung in UMen.

Berlin, 16. Februar. Gegenüber den immer wieder auf­tauchenden Gerüchten von einer Linksschwenkung der Wirtschaftspartei bei der Bildung der preußi­schen Regierung-wird von der Leitung der Fraktion der wirtschaftlichen Vereinigung katego­risch erklärt, daß nun und nimmer daran zu denken sei, daß die Fraktion eine auf die Weimarer Koali - t i o n g e st ü tz t e Regierung auf die Unterstützung der wirtschaftlichen Vereinigung zu rechnen habe. Ebenso seien die Minister Severing und Hirtsiefer unter kei - nen Umständen für di e Fraktion tragbar. Diese Ansicht der Fraktion werde auch von der Partei im Lande geteilt.

Der preußische Ministerp äsibent Marx hat am Sonnabend auch von der Sozial demokrati­schen Partei die Antwort auf die offiziell noch im Vo"" dergrund stehende Frage nach der Teilnahme an der Vic - AiMh^^Mita&ffleMfaMgi||rt^

Sozialdemokraten bis zu den Deutschnationalen erhalten. Die sozialdemokratische Fraktion hat grundsätzlich zugestimmt, aber im Übrigen auf die Antwort der Reichstags­fraktion im Dezember v. I. verwiesen, die i« der Praxis ablehnend war.

Das ganze Spiel mit dem Gedanken der Großen Volksgemeinschaft ist im übrigen, was sich jetzt mit aller Deutlichkeit gezeigt hat, von Marx nur inszeniert, um desto sicherer hinter der Kulisse über die Wiederherstel­lung der Weimarer Koalition verhandeln zu können. Dagegen hat Marx keine Mehrheit für ein Ver­trauensvotum, weder die Deutsche V o l k s p a r - tei noch die Wirts chaftspartei werden auch in einer Einzelabstimmung über das Vertrauen für die einzelnen Mi­nister einem Ministerpräsidenten chr Vertrauen aussprechen können, dessen Kak 'nett von den Stimmen der Sozialdemokratie abhängig ist und der durch Severing als Innenminister auch an die sozialdemokra­tische Verwaltungspraxis gebunden ist.

Noch ferne Einigung in den pariser Wirtschaftsverhandlungen.

Die französischen Sachverständigen für die Handels- vertragsoerhandlungen haben eine offiziöse Sitzung abge­halten. Wie man zu wissen glaubt, erstreckte sich die Be­ratung auf eine Prüfung der Möglichkeit, den Deutschen einen Teil ihrer Forderungen zu bewilligen, ohne ihnen die Meist- begünstigung zu gewähren. Die deutsche Dele­gation dürfte dieselbe Angelegenheit besprochen haben. Alan sehe voraus, daß die Lage sich in einigen Tagen klären werde.

Nur die allerletzten /.Verfehlungen^ in dem Kontrollbericht.

Der PariserMatin" teilt mit, daß die französische Re­gierung endgültig die Veröffentlichung des Kontrollberichtes beschlossen habe. Entgegen Meldungen aus englischer Quelle stellt das Blatt fest, daß zwischen den englischen und franzö­sischen Offizieren in der Kontrollkommission keine weitgehen­den Meinungsverschisdenheiten bestanden hätten. Gegenstand eines Meinungsaustausches sei nur die Frage gewesen, ob in dem Kontrollbericht alle deutschenVerfehlungen" oder nur ine allerletzten aufgeführt werden sollten. Nach längerer Debatte habe die Kontrollkommission beschlossen, nur die allerletztenVerfehlungen" in den Bericht auszunehmen.

Die Liga für 'Men s ch enrech te hat eine Tages­ordnung angenommen, in der sie bedauert, daß die Verlänge­rung der Besetzung der Kölner Zone begründet worden sei mit angeblichen Verfehlungen Deutschlands, die ihm nicht zur Kenntnis gebracht worden seien, und die es also auch nicht habe erörtern können. Die alliierten Regierungen hätten sich auf provisorische Auskünfte gestützt, um die Hin­ausschiebung der Räumung zu begründen. , Die Liga für Menschenrechte fordert im Namen des Versailler Vertrages, da sie dieses Vorgehen mißbilligt, die sofortige Veröffent­lichung des Berichts der Kontrollkommission,

Die Gachverftändigeuvschanölungen zum deutsch-italienifchsn Handelsvertrag.

Am 26. Februar tritt die Unterkommissivn zur Beratung

des oeuy cy-ttalrentseyen Handelsvertrages zufanrmen, die sich mit den einzelnen Industriezweigen, besonders mit der Maschinenbaumdustrie beschäftigt. Die deutschen Sachver­ständigen, die alle Zweige des Maschinenbaues vertreten, sind in Rom eingerroffen. Wir erfahren hierzu von unterrichteter Seite, daß die Verhandlungen der Unterkommission etwa eine Woche dauern werden. Das starke Mißtrauen der italieni­schen Industriekreise gegen eine deutsche Konkurrenz läßt Schwierigkeiten voraussehen. Es wird im wesentlichen darauf ankommen, einen Mittelweg zwischen den enorm hohen ita­lienischen Schutzzöllen und den neuen Zolltarifen zu finden, der aber dann für alle weiteren Handelsverträge auf Grund­lage der Meistbegünstigung die Bildung eines unabhängigen deutschen Zolltarifes zur Folge haben würde. Darin liegt die große Bedeutung und die schwere Verantwortung für die deutschen Sachverständigen

Kabinettssitzung über die Nuhrden schritt.

Nachdem der Reichskanzler Dr. Luther aus Dortmund wieder in Berlin eingetroffen war, fand am Frei­tag eine längere Kabinettsberatung statt, in der in erster Linie eine Reihe laufender Angelegenheiten zu erledigen war. Einen besonderen Beratungsgegenstand bildeten die Wirt- schaftsverhandlungen mit dem Auslande, insbesondere mit Frankreich und mit Italien. Am Schlüsse der Kabinettssitzung wurde auch die seit längerer Zeit in Aus­sicht gestellte Denkschrift über die Ruhrkredite nochmals ein­gehend beraten. Bekanntlich hatte der Kanzler Wert darauf gelegt, diese Denkschrift in ihrer endgültigen Fassung vor der Veröffentlichung noch einmal persönlich zur Kenntnis zu nehmen. Trotz der gestrigen Besprechung über diese Denk­schrift ist jedoch noch nicht mit der Veröffentlichung zu rechnen, da es sich um ein umfangreiches Dokument von über 50 Druckseiten handelt, dessen Vervielfältigung in technischer Hinsicht nicht so rasch bewältigt werden kann.

^M«e ^»^ Kriminalpolizei

Die französische Kriminalpolizei hat dieser Tage mehr als 20 junge Leute im Alter von 19 bis 24 Jahren unter der Beschuldigung, dein verbotenen Wikinger-Bund anzugehören und zum Teil als Zeitfreiwillige bei der Reichswehr im un« besetzten Gebiet eingetreten zu sein, verhaftet. Einige der Verhafteten sind nach ihrer Vernehmung wieder entlassen worden.

Aus Barmatien.

Der Film von Berlin-Moavit ändert stündlich seine Bilder. Am Freitag morgen wurde Iustizrat Wert- Hauer festgesetzt und nach M o a b i t gebracht, am Spätabend desselben Freitag aber wieder entlassen, d. h., das Verfahren gegen ihn nimmt seinen Fortgang, denn sonst hätte die Staatsanwaltschaft, die seine Festnahme an- ordnete, nicht Beschwerde gegen seine Entlassung erheben können, wie sie es getan hat.

Der Sozius des Herrn Werthauer, Rechtsanwalt Engelbert, wurde bekanntlich mit ihm zusammen fest; gesetzt, aber bald entlassen. Auch hier beschwerte sich die Staatsanwaltschaft und erreichte seine neuerliche Verhaftung.

Im Mittelpunkt des Interesses der neuesten Vorgänge aus Barmatien steht natürlich der

Urlaub des Berliner Polizeipräsidenten.

Dieser Rücktritt beschäftigt nicht nur die deutsche Presse, sondern auch die des Auslandes. Die maßgebende franzö­sische Presse bezeichnet den Rücktritt des Polizeipräsidenten Richter als einen außerordentlich schweren Schlag für die deutsche Sozialdemokratie, so z. B. dasEcho de Paris": Zum dritten Male innerhalb 14 Tagen ist eine wichtige Persönlichkeit Deutschlands durch den Barmat-Skandal kompromittiert. Der Rücktritt des Berliner Polizeipräsidenten ist ein sehr fühl­barer Schlag für die deutsche sozialistische Partei, deren Einfluß von Tag zu Tag geringer wird. Die letzten Spuren der revolutionären Epoche werden sehr rasch verschwinden. Wenn Ebert die Präsidentschaft aufgegeben hat, wird Deutschland vom sozia­listischen Regime nur noch Erinnerungen an die schlimmen Nachkriegsjahre behalten. Es scheint, daß die sozial- demokratis che Partei in sich selbst den T o d e s kei m trägt, der sie über kurz oder lang zusammen- brechen lassen wird.

MichStagsausschuß über die Kreditaffären.

Der Untersuchungsausschuß des Reichstags in Sachen der Kreditaffären Barinat, Höfle usw. setzte am Sonnabend vormittag seine Verhandlungen fort. Vorsitzender Abg. S a e n g e r verliest zunächst ein Schreiben des früheren Abg. Kunze, in dem Untersuchung über verschiedene Bauer zur Last fallende Punkt« gefordert wird, auch auf die Untersuchung von Vergehen des früheren Postministers Höfle bezicht sich das Schreiben. Nicht weniger als 14 einzelne Punkte, die aufgeklärt werden sollen, werden in dem Schreiben angeführt. Der Finanznrinlster hat mitgeteilt, daß die Akten der Dema sich seit Ende Januar bei der Staatsanwaltschaft befinden. Robert Schmidt, der frühere Wirtschaftsminister, verlangt in einem Schreiben Ver­nehmungen über verschiedene ihm zur Last gelegte Sachen. Nunmehr wird der Arbeitsplan des Ausschusses besprochen. Der Vorsitzende schlägt vor, da von den vier in Betracht kommen­den Dingen dse Angelesenlteiton der Post und der Dema »nächst

ausschieven wegen der gerichtlichen Untersuchung, die Äü» gelegentjeit der Reichsfett stelle und die Persön­lichkeit Barmats zu behandeln. Der Ausschuß müsse plan­mäßig Vorgehen und dürfe nichtpolitisches Gulasch" machen.

Es wird beschlossen, die nächst« Sitzung am Donnerstag, 19. Februar, abzuhalten. Dazu sollen geladen werden: Staats­sekretär Meißner, der frühere Staatssekretär Töpfer, der ehemalige Legationssekretür bei der deutschen Gesandtschaft im Haag K ö st e r ; der frühere Ministerialdirektor der Abteilung X (Nachrichtenabteilung des Auswärtigen Amtes), Professor W i e de ns e l d - Leipzig, der Gesandte Rosen, Hermann Müller und der Dezernent des Auswärtigen Amtes, der Aus­kunft zu geben vermag über die Versetzung des früheren Mitgliedes der deutschen Gesaildsichaft im Haag, Graf Bassenheim. 91b« gelehnt werden die Anträge betreffend die Ladung H e il m o n n s und Fimmens. Die Frage einer Vernehmung des Reichspräsidenten soll zurückgestellt werden, bis die ge­nannten Zeugen vernommen sind.

Der Tscheka-prozeß in Leipzig.

Im Leipziger Tscheka-Prozeß wurde die Vernehmung des Angeklagten Neumann fortgesetzt. Zunächst gelangte die Ab­schrift eines Briefes von Neumann an Helmuth zur Verlesung. Darin verlangt Neumann eine Erhöhung feines Monats­etats um 300 auf 900 Dollar. Der bisherige Betrag reiche nicht aus zur Aufrechterhaltung des Apparates der Terrsr- arrippen. Es kommt dann ein Artikel Sinowjews zur Verlesung, der dem deutschen Funktionär der kommunistischen Partei zu. gesandt worden ist. General von Seeckt luirb darin als die grösste Gefahr für die deutsche Republik und das revolutionäre Proletariat bezeichnet, während Hitler, Mulle und Genossen als lächerliche kleinbürgerliche Spaßmacher abgetan werden. Seeckt, Ebert und Noske seien nur Spielarten des Faschisinus. Ebert könne ohne Seeckts Duldung nicht einen einzigen Tag im Amte bleiben. Der Vorsitzende richtet dann an Neumann die Frage, ob er- richtig sei, daß er nach dem Scheitern des ersten Nlvcü» plattes versucht habe den General von Leckt im Tattersall zu er- idmfuii. Neumann gibt an, daß er wohl einmal im TadwrsoL sahe aufgegeben wurde. Weiter , liMdlaate Nemdawk, das, zunächst Margres vorgeschlagen hatt«, Seeckt mit einer Bombe zu erledigen. Margies habe eine Bombe fertiqgefteüt, die auf einer Kana(wisse bei Tempolhof probiert wurde umd eine heftige Explosion Hervorrtof. Auf weitere Fragen sagt der An­geklagte aus, daß er mit dem Adjutanten des Generals von Seeckt gesprochen habe, wobei er sich als Berichterstatter von Schweizer Blättern aus gab. Ursprünglich habe er die Absicht gehabt, Seecki im Ministerium zu töten. Er erfuhr dann, daß Seeckt nach Weimar gefahren war und ließ bei feiner Rückkehr den AHalter Bahnhof überwachen. Man kam aber zu spät. Auf eine Frage der Ver­teidigung. daß doch auch bie anderen Teilnehmer Pistolen hatten und schießen konnten, erklärt der Angeklagte, daß er für alle Fälle angeordnet hatte, daß die übrigen sich nach ihm richten sollten also warten mußten, bis er die Pistole zum ersten Schuß zog.

In der Sonnabend-Ziachmittags-Verhandlung des Leipzigei Tschska-Prozeffes berichtete der Angeklagte Neumann weiter über das Gelage, das sich in verschiedenen Cafes Berlins nach der Fahrt nach Südcnde anschloß. Zur Ausführung des Attentate a u f R a u s ch ist es an diesem Abend nicht mehr gekommen. Rausch wurde bann gesagt, es wäre zweckmäßig, wenn er sich zu Haus« aufhalte, da eine Entscheidung über feine Stellung im Nachrichten- apparat bevorstehe. Poege ging dann zwei Tage später in dir Wohnung Rauschs, um diesen herunterzuholen, angeblich, um zu einem Zusammentreffen mit Neumann nach dem Potsdamer Platz zu fahren. Neumann verbarg sich hinter der Haustür und schoß dann, als Rausch etwa zwei Meter von ihm entfernt war, ab, Mit gezwungener Stimme erklärte der Angeklagte weiter, daß ei die Pistole so gehalten habe, daß er annehmen konnte, «die Körper- teile nicht zu verletzen. Raufch schrie aus, hob die Arm« hoch und fiel auf die rechte Seite. Ohne daß er es wollte, erklärte Neumann, fiel beim Scnl n der Pistole ein zweiter Schuß. Wadj dem Atten­tat will 9leuntra.it sehr erregt gewesen sein, bestreiket aber, irgend- welche rohen Bu-drücke gebraucht zu haben. Besonders bestreitet er, gesagt zu hau t:So, du Aas, das ist für Potsdam."

De, zweite Magdeburger Prozeß erst am ^0. März.

DasBerliner Tageblatt" berichtet aus Magdebuvg: Der zweite Ebert-Rothardt-Prozeß, der am 17. Februar vor der Ersten Strafkammer in Magdeburg beginnen sollte, fft auf Antr 3g der Verteidigung auf den 10. März w-yfegt worden.

Frankreichs Hoffnungen auf England.

Die Pariser Blätter stellen mit Genugtuung fest, daß sich die englische Oeffeirtlichkeit immer mehr für das franzö­sische Sicherungsprvblem zu erwärmen beginnt. Die Unter- Hauserklärung Chamberlains, wonach die britische Regierung die mit den: Genfer Protokoll zusarntnenhüngenden Fragen zurzeit prüfe, wird dahin ausgelegt, daß Groß-Bri- tannien eine Lösung des Sicherheits- problems ernstlich in Erwägung zieht. Die Blätter geben aber das Genfer Protokoll so gut wie verloren, obwohl ausdrücklich hervorgehoben wird, daß rundweg ablehnende Antworten der Dominions in Lou- don nicht vorliegen. (?>

Selbstverwaltung für Oeutfch-Güdwestafrika?

Bei der Eröffnung des füdaftikanifchen 'Parlaments teilte der Ministerpräsident mit, daß so bald wie möglich eine Ge- fetzesvorlage eingebracht würde, wonach in dem ehemali- ) en deutschen Südwestafrika eine selbstäv- digeBerwltungeingerichtet werden soll. _