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Hersfelöer Tageblatt

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Nr. 48

Donnerstag. Sen 26. Februar

1925

Das Wichtigste.

Das Befinden des Reichspräsidenten ist be. friedigend, Puls und Temperatur sind normal.

Von Italien ischer Seite sind ernste Bedenken Segen den deutsch-italienischen Handelsver­trag laut geworden.

Am kommenden Freilagwird sich die Botschaf. terkonferenz mit der Kölner Frage beschäftigen Zwischen Südslawien und Griechenland wurde ein Desensivbündnig gegen die Türkei geschlossen.

Die Verhandlungen des Reparationsagen, t e n. Parker Gilbert, über einen neuen Modus der 2 6 p r'oz e m t^igen Ausfuhrabgabe sind gescheitert. Man be­fürchtet, daß dadurch der deutsch-englische Handelsvertrag, der noch nicht ratifiziert ist, ernstlich gefährdet ist.

Der französische Dawesplan.

. Vor einigen Tagen ging durch die Presse, daß, ähnlich wie für Deutschland, auch für Frankreich der Vorschlag ge­macht werden sollte, nach einem Dawesgutachten seine Wirt­schaft wieder aufzubauen. Bei Frankreich spielt das Schulden- system die Hauptrolle hierfür. Ein großer Teil der französi­schen Anleihen während des Krieges ist in Amerika unter­gebracht, . das damit zum Hauptgläubiger Frankreichs ge­worden ist. Frankreich hat die Zinfenzahluug der Anleihen und die Rückzahlung davon abhängig gemacht, daß ihm von Deutschland die nötigen Reparationsmittel zur Verfügung gestellt würden. Daraufhin wurde für Deutschland von dem General Dawes der Plan ausgearbeitet, auf Grund dessen Deutschland in den nächsten Jahren in der Lage sein soll, seinen Verpflichtungen- den Alliierten gegenüber nachzu- kommen, so daß Frankreich wieder die Mittel hätte, seine Schulden in Amerika abzudecken. Für Frankreich ist dieses deutsche Dawesgutachten lediglich das Mittel zum Zweck ge­wesen, seiner Wirtschaft diejenigen Rohstoffe zuzuführen, die für einen direkten Aufbau unbedingt notwendig sind. An M^MMMMDMLMMW^MMWMMMMMWDOEkrviG' dabei nicht, trotzdem von Amerika gleich im Anfang die ernstesten Vorhaltungen in dieser Hinsicht bereits gemacht sind und sogar Repressalien in wirtschaftlicher Hinsicht bei einer Nichterfüllung in Aussicht gestellt sind. Frankreich betont da­gegen in erster Linie, daß Deutschland seinen Verpflichtungen nicht Nachkomme, daß ihm bei weitem nicht die Mittel zuge­flossen sind, die für die Zinfenzahlung resp. Rückzahlung der Schulden notwendig sind. Damit stellt Frankreich die Tatsache direkt auf den Kopf. Es verfolgt mit seiner imperialistischen Politik lediglich den Zweck, Deutschland für Jahre hinaus in eine wirtschaftliche Abhängigkeit von den Alliierten zu brin­gen, während es selbst mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln bestrebt ist, sich im Auslande die nötigen Rohstoff­basen zu sichern. Daß dadurch Deutschland nicht in der Lage sein k a n n , das Dawesgutachten absolut zu erfüllen, hat zu­nächst Amerika eingesehen. Amerikanischerseits sind in dieser Hinsicht auch Frankreich die ernstesten Vorhaltungen gemacht worden.

Neuerdings versucht Frankreich auf eine andere Art, Amerika von der Unmöglichkeit der Rückzahlung der Schulden zu überzeugen. Die Pariser Berichterstatter der amerikani­schen Zeitungen melden, daß Deutschland bestrebt sei, es auf eine Revanche ankommen zu lassen. Die Zeitungen in Amerika haben diese Nachricht in ihren Blättern groß aufgezogen, so daß die amerikanische Finanzwelt dadurch düpiert wurde. Frankreich sei dadurch nicht in der Lage, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Weiter betont Frankreich, daß es von den russischen Anleihen nicht einen Pfennig gerettet habe und daß dadurch die Volkswirtschaft um viele Milliarden geschwächt sei. Daß ihm aber durch kostenlose Lieferungen deutscher Roh­stoffe ein sehr gutes Aequivalent gebracht wird, wird nicht an­geführt. Dieses Aequivalent ist so gut, daß die ftanzösische Handelsbilanz im Jahre 1924 mit über einer Milliarde Gold- ftank aktiv war. Frankreich ist gleichzeitig mit Amerika eines der wenigen Länder, die in den Zeiten einer schweren wirt­schaftlichen Depression mit einer Aktivität der Handelsbilanz abschließen konnten. Man muß sich unter diesen Umständen wundern, weshalb der General Dawes einen Plan ausarbeiten will, auf Grund dessen Frankreich seine Schuldenrückzahlung ausnehmen soll. Die finanzielle Lage Frankreichs bedarf keines Dawesgutachtens, sondern eines systematischen, Auf­baus in Verbindung mit einer Abschwächung d-er imperialisti­schen Bestrebungen, die genügen, den Franken zu stabilisieren und damit die Voraussetzungen für eine gesunde Wirtschafts­politik, zu der selbstverständlich auch die Zahlung der Zinsen und Rückzahlung der Obligationen gehört, zu geben.

In der Redigierung und Veröffentlichung der Kon- t r o l l n o t e macht Frankreich wiederum die meisten Schwie- rigleiten. Amerika hat auch hier wieder als erster eingegriffen und die Regelung des internationalen Schuldensystems zur Diskussion gestellt. Daß diese Regelung nur unter Einschluß Deutschlands zustande kommen kann, sieht zunächst neben Amerika auch England ein. Zwischen diesen beiden Ländern und Frankreich besteht heute ein Gegensatz, der sich von Tag zu Tag mehr bemerkbar macht. Neuerdings ist englischerseits der Borschlag gemacht worden, Deutschland zu der Konferenz erst dann zuzulassen, wenn bereits die Beschlüsse der Alliierten gefaßt sind. Diese Tatsache würde der Auffassung der allge­

meinen Gleichberechtigung vollständig zuwiderlaufen. Die guten Erfahrungen, die man auf der letzten Konferenz in Lon­don durch gegenseitige Besprechungen gemacht hat, sollten auch heute wieder berücksichtigt werden; denn nur durch eine allge­meine Gleichberechtigung, einschießlich Deutschland, ist loyaler- weise das zu erreichen, was zum Wiederaufbau der Weltwirt­schaft notwendig ist.

Die deutsch-französischen

Wirtschaftsverhandlungen.

Die Meldung eines französischen Blattes, nach der der deutsch-französische modus vivendi schon am kommenden Donnerstag unterzeichnet wird, entspricht nicht den Tatsachen. Auf beiden Seiten wird aber eine Verständigung über dieGrundlage eines solchen modus vivendi erwartet. Die Verhandlungen werden mit der Abreise der deutschen Delegation, die für Ende der Woche vorgesehen ist, noch nicht zum Abschluß gebracht. Die deutsche Abordnung wird höchstens zwei Wochen von Paris fernbleiben und wahr­scheinlich eine oder mehrere Unterkommissionen zur Behand­lung der Einzelfragen zurücklassen. Einige Mitglieder der deutschen Delegation sind schon nach Berlin abgereist, darunter auch Geheimrat M a t h i s , der von einem Teil der franzö­sischen Presse irrtümlich als Privatfekretär Tvendelenburgs bezeichnet wurde. Herr Mathis hat eine schriftliche Aus­arbeitung mit nach Berlin genommen, die den Berliner Stellen zwar vorgelegt werden wird, aber nicht die Bedeutung hat, die ihr die ftanzösische Presse beizumessen scheint. Die deutsche Delegation steht mit den Berliner Stellen in ständiger telegra- phischer Verbindung und hat auf diesem Wege fast immer die wichtigen Instruktionen erhalten.

Um den deutsch-italienischen Handelsvertrag.

Der Präsident des italienischen Industriellenverbandes, der demokixrtische Abgeordnete Benni, äußerte sich in Mai­land auf einer Konferenz über die italienische Zollpolitik mißtrauisch zu den Verhandlungen mit Deutschland. Der der« könne. Die deutsche Ausfuhr nach Italien umfasse da­gegen Tausende von Gegenständen, und dementsprechend seien auch die deutschen Forderungen auf Zollvergünstigungen viel zahlreicher. Benni kritisierte scharf den modus vivendi und forderte die Regierung auf, darauf zu achten, daß der Handelsvertrag nicht zum Nachteil Italiens ausgehe.

Am Freitag Botschafter-Konferenz über die Kölner Frage.

Nach den letzten Nachrichten aus Paris ist die Botschafter- konferenz für nächsten Freitag einberufen worden zur Be­ratung der Kölner Frage. Man nimmt daher in unter- richteten Kreisen an, daß die Militärkommissio« in Versailles bis dahin ihr Gutachten erstattet habe« wird.

Französische Unterstellungen.

Ein Bericht der LondonerTimes" betont die große» Sorgen gutinformierter unverantwortlicher Franzosen, die der Meinung sind, daß in spätestens fünf Jahren Deutschland zwar keinen direkten Angriff auf Frankreich unternehmen werde, daß es jedoch jede Gelegenheit eines Streites mit Polen zur Wiederbesetzung des polnischen Korridors oder Ober­schlesiens benutzen werde. Solch ein Versuch würde nach fran­zösischer Meinung die deutsche Kraftprobe zur Prüfung der Stärke des Friedensvertragssystems und vor allem der eng- lischen Haltung sein. Frankreich wünsche keine besondere Formulierung der englische» Unterstützung und brauche ledig­lich eine Zusicherung, daß England ebenso entschlossen wäre wie Frankreich, die Ostgrenzen Frankreichs und Belgiens in­takt zu halten und die Deutschen zu verhindern, wieder eine Gefahr für den Frieden zu werden.

Gegen den Anschluß Oesterreichs an Deutschland.

Die diplomatischen Vertreter der im Obersten Rat ver­tretenen Mächte beabsichtigen, bei der Bundesregierung gegen die Anschlußkundgebungen führender österreichischer Politiker vorstellig zu werden. Die österreichische Regierung müsse der­artige Ängriffe auf den Versailler Vertrag verhindern, da der Vertrag nach dem Friedensschluß von St. Germain auch für Oesterreich bindend geworden sei. Die Anschlußkundgebungen würden in wirtschaftlicher Beziehung ungünstige Folgen für Oesterreich nach sich ziehen.

Der amerikanische Botschafter Herrick über den Weltkrieg.

Der amerikanische Botschafter in Paris, Herrick, sprach bei der Gedächtnisfeier zu Ehren George Washingtons im American Club. Er sagte, daß durch den Eintritt Amerikas in den Weltkrieg die amerikanischen Geschäftsleute die größ­ten Schäden erlitten hätten. Amerika habe hervorragende militärische Leistungen vollbracht, indem es vier Millionen Menschen zu den Waffen gerufen habe und davon zwei Mil­lionen über den Ozean schickte, um die amerikanische» Grund­

sätze auf französischem Boden zu verteidigen. Es habe lange Zeit gebraucht, um den Entschluß zu fassen, in den Krieg ein- zugreifen, denn er war bis dahin nur eine rein europäische Angelegenheit. Lediglich das Gefühl der Gerechtigkeit (?) habe Amerika veranlaßt, die Waffen zu ergreife«.

Danziger Fragen vor dem Völkerbund.

Auf der März-Konferenz des Völkerbundes werden fol­gende, Danzig betreffende Fragen zur Verhandlung kommen: 1. Die staatsrechtliche Stellung Danzigs zu Polen und zum Völkerbünde; 2. Ernennung des neuen Vorsitzenden des Dan­ziger Hafenrates; 3. die Angelegenheit der polnischen Eisen­bahndirektion; 4. das Vermögen der früher preußischen Ver­waltung der Weichsel; 5. die Hafenpolizei; 6. die Festlegung der Bestimmungen, nach welchen zwischen Danzig und Polen Verträge abgeschlossen werden; 7. die polnische Postftage; 8. die Umwandlung verschiedener öffentlicher Institutionen in Aktiengesellschaften; 9. die Interpretation des Artikels 39 der Dan'zig-polnischen Konvention von 1920, betreffend die Kom- petenz des Kommissars des Völkerbundes bei deutsch-polni­schen Streitigkeiten.

Englisch-amerikanische Gegensätze.

Admiral P h e l p s, Mitglied des amerikanischen Flotten- ausfchusses, dem die befähigtesten Offiziere angehören, hielt vor dem nationalen Frauenausschuß in New Park eine äußerst scharfe Rede gegen England. Er erklärte, daß nur eine starke Flotte es verhindern könne, daß die zwischen England und Amerika bestehenden Differenzen picht schließlich zu einem Konflikt führen. Amerika habe nicht, wie es von England erwartet wurde, noch dem Kriege seine Handels­flotte verringert, um England die Nutznießung des Handels, wie vor dem Kriege, allein zu überlassen. England versuche, die Seenationen zur Festlegung auf den Grundsatz zu ver­anlassen, daß alle Seewege allen gehör«:. England hoffe, Amerika durch ein derartiges Abkommen mit Skandinavien, attMM|BK«s bleiben inmitten der aggressiven Außenpolitik anderer Mächte. Marinesekretär Wij b u t sprach gleichfalls äußerst scharf. Er erklärte, daß Amerikas Flotte für den Kampf gebaut sei, und sie habe nur den einen Zweck, kampffähig zu bleiben.Wir können die Flotte aufgeben und uns der Macht einer mächtigeren Nation unterwevflen, wenn uns das heilige Gut der Nation nicht wert genug ist, um es zu erhalten."

Griechisch-südslavisches Bündnis gegen die Türkei

Zwischen Südslawien und Griechenland ist ein neues, gegen die Türkei gerichtetes Abwehrbündnis geschloffen wor- den. Das Bündnis ist von Wichtigkeit, da Serbien noch nicht den Friedensvertrag mit der Türkei unterzeichnet hat und Griechenland sich dadurch die volle Mitwirkung Süd- flawiens im Falle eines Krieges mit der Türkei sichert. Die britische Regierung billigt das Abkommen, das chrer Ansicht nach das Gleichgewicht auf dem Balkan aufrechterhalten und ein Gegengewicht zu der Türkei und zu Italien bilden wird.

Zum Äebertritt Dr. Maretzkys

zu den Oeutschnationalen.

Die Notiz eines Berliner Blattes, daß die National- liberale Reichspartei zu der Deuffchnationalen Dolkspartei über getreten fei, entspricht in dieser Form nicht den Tatsachen. Richtig ist, daß der bisherige Vorsitzende, der Abgeordnete Dr. Maretzk y, auf einem kürzlich abgehaltenen Vertreter- tag den U e b e r g a n g zu den Deutschnationalen beantragte und damit bei einem Teil der Vertreter Zu­stimmung fand. Diese Herren sind auch zu den Deutsch nationalen übergetreten. Die Na - tionalliberale Reichspartei wird Mitte März eine neue Tagung abhalten. Bis dahin haben ihre Leitung provisorisch Dr. Oestreich und Oberregierungsrat Dr. gingen übernommen.

Verzögerung in der Au Wertungsfrage.

Die Regierung hat über die Aufwertungs-Gesetzentwürfe, deren endgültige Formulierung vor dem Abschluß steht, be­reits vor einiger Zeit die natmenbigen Besprechungen mit Parteivertretern begonnen. Diese haben durch die Vertagung des Reichstages eine Unterbrechung erfahren. Sie werden jedoch Anfang nächster Woche wieder ausgenommen und mit größtmöglicher Beschleunigung durchgeführt werden. Die Re­gierung wird sofort nach Abschluß der Besprechungen die Gesetzentwürfe den gesetzgebenden Körperschaften zuleiten.

Der Anwaltskonflikt im Tscheka-prozeß.

Im Leipziger Tscheka-Prozeß gab nach der Entfernung Dr. Samt e r s Rechtsanwalt vr. R o s e n f e l d im Namen 0er Ge- iomtvcrteiüigung eine Erklärung ab. Die Gesaintvcrteidigung iei sich darin einig, dass die Erklärung des Präsidenten, einer »er Verteidiger habe die Rechte eines solchen der- wirkt, und die Anordnung, diesen Verteidiger abzu»