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KersMerTageblatt

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Nr. 50 (erstes Blatt»

Sonnabend, den 28. Februar

1925

Das Wichtigste.

Im Befinden des Reichspräsidenten ist ein Besserung zu verzeichnen. Der Zustand ist nicht mehr be sorgn iserregend.

3 n den deutsch-französischen Wirtschafts Verhandlungen ist der baldige Abschluß eines H a m delsprovisoriums zu erwarten.

Der Aufstand in Kurdistan dehnt sich web t e r aus, die Aufständischen haben vorerst noch die Oberhand Türkisch« Truppen sind im Anmarsch.

Die Besatzungsbehördehatfür das besetzte Rhein- land Umzüge, Trauerkundgebungen und das Hissen von Flaggen am Defallenen-Gedenktag verboten.

Zum 1. März.

Der 1. März dieses Jahres ist im Deutschen Reiche dem Gedenken der Gefallenen aus dem großen Weltkriege geweiht. Allerorten werden auf Halbiiiaft die Flaggen wehen, in beu Gotteshäusern wird Priestermund den Helden, die auf deni Altar des Vaterlandes ihr Leben ließen, den schuldigen Dank des gesamten Volkes zollen. Und fast ineiner jeden deutschen Familie wird man an diesem Sonntag des einen oder anderen Familienmitglie- des gedenken müssen, das auf dem Felde der Ehre seine Treue zum Vaterland mit seinem Herzblut besiegelte.

Es ist eine Ehrenpflicht des deutschen Vol­ke», immer eingedenk zu bleiben jener treuen Söhne. Me Heerschar jener Helden, die ein den schweren deutschen Schick- falsjahren von 1914 bis 1918 auf den verschiedensten Schlacht­feldern, fern von der Heimat für die Heimat, für die deutsche Scholle ihr junges, frisches Leben ließen, die, deren Gebeine in fremder Erde bleichen, sie alle opferten ihr Leben in dem Gedanken, in dem Bestreben an ein größeres Vater­land, in dem Gedanken mit ihrem Opfertode mit dazu bei- zutragen, d a ß d a s E r be un s e re r V ä ter v o,n 1870/71 WWWWWWWWWWWgWWWWWWWWWWMWWW fremden Neid, gegen fremde Willkür, gegen fremde Großmannssucht.

Es ist anders gekommen, wie diese Helden des deut­schen Gedankens, der deutschen Ehre und mit ihnen wir alle erhofften und erwarteten. Wohl wird einst die objektive Geschichtsschreibung späterer Zeiten, gleich von welchem Volk aus sie getätigt wird, sei es vom Freund, sei es vom Feind des deutschen Gedankens, nicht daran vorbei- kommen können, das einzig dastehende Heldentum eines Volkes zu bewundern, das einer Welt von Feinden gegenüber sich fünf lange Kriegsjahre mit Ehren behaup­te n konnte, so behaupten, daß die Kriegsfronten bis zum letzten bösen Zusammenbruch, ja noch darüber hinaus bis zur Tätigung des Waf­fenstillstandes samt und sonders fern von der deutschen Erde, weit im Feindesland draußen lagen. Diese nicht wegzuleugnende und weg- zudisputierende Tatsache allein ist ein einzig dastehendes Heldenlied von der deutschen Treue in einem Kampfe, der von unseren Gegnern nicht nur mit den, üb­lich e n Kriegswaffen, sondern auch mit, den weniger ehrenvollen Waffen eines rücksichtslosen Wirtschaftskampfes, mit der wohl überlegten und satanisch vollzogenen AushungerungvonWeib und Kind in der Heimat durchgeführt wurde. Wir dürfen und wir wollen nicht vergessen, daß wir bei diesem allgemeinen deutschen Gedenktage an die Gefahren des Weltkrieges nicht vorbeigehen dürfen an den ungezählten Opfern der Hungerblockade, nicht vorbergehen dürfen an den vie­

len, vielen deutschen Gräbern, die der Wirts chasts- k a m p f unserer Gegner verschuldete, nicht blind fein dUrfen für die noch heute bleichenWangen unse­rer Kriegskinder, die mit ihrer schwächlichen Körper­verfassung noch heute ihren Tribut zahlen an die einstige Hungerblockade unserer Feinde.

Und all dieses Heldentum, all dieser Opfermut des deut­schen Volkes in allen seinen Gliedern, er fand einen bösen Abschluß in jenem schicksalsschweren R o v e m b e r - tag d e s I a h r e s 19 18, der uns mit dem deutschen Zu- sammenbruch das deutsche Elend brächte, ein Elend, nationaler und wirtschaftlicher Art von, unsagbarer Schwere, ein Elend, unter dem wir zur Stunde in allen Gliedern des Volkes noch schmachten, ein Elend, das zu meistern hehrste Aufgabe der nächsten deutschen Zukunft iein muß. ... .___, .

Wir werden und wir können es nur meistern in n a 11 o = naler und sittlicher Erneuerung, und zu dieser nationalen und sittlichen Erneuerung gehört als K e r n st U es die Dankbark eit des deutschen Bolkes zu der Treue der Volksgenossen, die in dieser Heldenzelt ihre Treue zu Volk und Vaterland, ihre Treue zum deutschen Gedanken mit ihrem Blut besiegelten. Wenn an dieser großen, gewaltigen deutschen Totengedenk­feier am 1. März auch tausende und abertausende Wun- den wieder von frischem bluten werden, es ist und es muß im Grunde doch eine stolze deutsche Trauerfeier sem, stolz in dem Gedenken an die deutsche Treue, die unsere Gefallener predigen. Möge das Bewußtsein der Pflicht aller gegenüber diesen Helden des heutigen Ge > danlens die Frucht dieser deutschen Totengedenkfeier an

1. März werden, so dürfen wir hoffen, daß einst wieder der deutsche T a g können wird, an bem wir mit freierem, offenerem Blick an dem Grabe derer stehen können, die in deutscher Treue einst freudig ihr Blut dahin gaben für die Sicherung und Festigung teutscher Erde, deutscher Größe, Nichtswürdig ist die Nation, die nicht alles setzt an ihre Ehre." Br.

gesichert.

Staatssekretär Trendeleuburg hat dem Vorsitzen­den der französischen Wirtschaftsdelegtaion, Handelsminister R a y n a l d y , eine Note überreicht, in der der deutsche Standpunkt zu der Frage des provisorischen Handelsvertrages niedergelegt ist. Die deutsche Regierung erklärt sich darin be­reit, ein solches Provisorium unter gewissen Bedingungen ab- zuschließeu, vorausgesetzt, daß auch die französische Regierung diesen Bedingungen zustimmt. Handelsminister Ragnaldg hat sich eine zweitägige Bedenkzeit vorbehalten und wird in einer Zusammenkunft der beiden Delegationen am Sonnabend die Entscheidung der französische« Regierung mittefle«. In dieser Sitzung wird ein Protokoll unterzeichnet werden oder ein Notenwechsel stattfinden, der gegebenenfalls dem Abschluß eines Vorvertrages gleichkommen würde. Herr Raynaldy hat keinen Zweifel daran gelassen, daß er persönlich die deutschen Vorschläge für den provisorischen Vertrag anzunehmen bereit sei. Das Provisorium wird ein Jahr Geltung haben. Nach einer Uebergangszett wird der endgültige Vertrag in Kraft treten. Hierdurch soll der französischen Regierung Gelegenheit gegeben werden, ihre Zollgesetzgebung zu revidieren. Die wich­tigste Bestimmung des Provisoriums ist, daß sich die fran- zösische Regierung schon jetzt verpflichtet, Deutschland im end­gültigen Vertrage die Meistbegünstigung einzuräumen. Staatssekretär Trendeleuburg wird Sonntagabend nach Ber- lin zurückkehren und Unterhändler zur Weiterberatung der einzelnen Frage« in Paris zurücklasse«.

Ein Notschrei -es Saargebiets.

Die gesamte Presse des Saargebiets veröffentlicht einen Wirtschaftsbericht, der die katastrophale Auswirkung der Zoll- abschnürung auf das saarländifche Wirtschaftsleben behandelt. Der erste Abschnitt der Berichtes spricht von der saarländi- schen Ausfuhr nach dem Deutschen Reiche und besagt, daß die Verhältnisse in der Schwerindustrie mit unerbittlicher Zwangs­läufigkeit einer Krisis entgegentrieben. Die deutschen Auf­träge bleiben nahezu völlig^aus, und die Unterbringung nennenswerter Aufträge auf dem französischen Markt sei wegen des noch Ueberangebots lothringischen Materials un­möglich. In kürzester Frist würden Betriebseinschränkungen und weiterhin Stillegungen unvermeidlich sein, so daß 35 000 deutsche Hüttenarbeiter der Arbeitslosigkeit, der Rot und der Verelendung anheimfallen. Es macht sich bereits ein Mangel an Erzeugnissen der Maschinen- und elektrotechnischen Indu­strie bemerkbar. Ein Ersatz durch französische Fabrikate ist nicht möglich, weil auf diesen Gebieten Frankreich bisher überhaupt nicht produziert habe ober weil die Erzeugnisse zu schlecht seien. Die Lebenshaltung der Saarbevölkerung wird weiterhin verteuert durch die Tatsache, daß gewisse Lebens- und Genußmittel, die Frankreich in gleicher Güte nicht zu liefern in der Lage ist, nach wie vor aus Deutschland weiter- bezogen werden müssen. Der Zweckverbandsier Krankenkassen

des Saargebiets wesit mit allem Nachdruck darauf hin, daß eine befonbere Einfuhrfreiheit für deutsche Medikamente ge­stattet werden müsse.

Das interalliierte Gutachten in der Sicherheitsfrage.

Alles läßt darauf schließen, daß das Gutachten des inter­alliierten Militärkomitees in Versailles auch Ende dieser Woche nicht vorliegen wird. Man weist immer wieder darauf hin, daß der Kontrollbericht ein sehr umfangreiches, teilweise unklar abgefaßtes Schriftstück darstellt, an dem von fran- zösischen, englischen und italienischen Offizieren gearbeitet wurde.Matin" bestätigt die Reutermeldung, wonach die Besprechungen zwischen den Alliierten erst nach der Er­stattung des Gutachtens der militärischen Sachverständigen in eine wirklich entscheidende Phase eintreten werden. Bis dahin wollen die Regierungen sich zurückhalten und haben sich auch aus diesem Grunde noch nicht auf ein festes Ver. Handlungsprogramm für die geplante Konferenz geeinigt. Was die Besprechungen in der Sicherungs- und Garantie- frage anbelangt, so gilt jetzt als ausgemacht, daß sie mit der Entscheidung, zu der die Verbündeten in der Kölner Okkupation gelangen werden, in keinen Zusammenhang gebracht wird. Es unterliegt jedoch keinem Zweifel, daß, wenn Deutschland bis zu einer Regelung der Kölner Besetzung Beweise seines guten Willens gegenüber sämtlichen Nachbarstaaten ohne Ausnahme und Unterschied (also auch gegenüber Polen) er. bringt, die Verhandlungen über die Dauer der Besetzung des Rheinalndes in einer sehr entspannten Atmosphäre fort­gesetzt werden könnten. Zum zweitenmal seit Wochenfrist er­läßtMatin" mit vorstehenden Bemerkungen eine sichtlich offiziöse Anregung an die Adresse Deutschlands.

Unter der UeberschriftEine Flut von Forderungen an Deutschland" berichtet ein Londoner Blatt in großer Auf­machung, daß die Forderungen derart seien, daß die Kölner Räumung, deren Verzögerung noch immer den europäischen Frieden vereitle, auf viele weitere Monate verschoben werden müßte, möglicherweise bis zum nächsten Jahre. Austen Chamberlain habe dem Parlament kürzlich erklärt, daß Groß- wärtig in Versailles erspielten, bänden der englischen Re­gierung die Hände, solange sie nicht vorbereitet sei, sich nöti­genfalls der Alternative einer neuen Krise in den Beziehun­gen zu Frankreich auszusetzen. Me britische Regierung habe ihre Ansicht wissen lassen, daß die deutschen Delegierten ein­geladen werden sollten, um die Forderungen zu erörtern, die an Deutschland gestellt würden. Frankreich habe die Teil- nahme Deutschlands unter folgende« zwei Bedingungen zu­gestanden: 1. daß die Alliierten vor der Teilnahme Deutsch­lands zu einem bestimmten Abkommen unter sich komme« sollten, 2. daß es den Deutschen nicht gestattet werden sollte, den Kontrollbericht selber z« diskutieren, sondern nur die Me- thoden, durch die die alliierten Forderunge« erfüllt werben können.

Die Besatzungsbehörde verbietet.

Me Besatzungsbehörde hat für den Gedenktag der im Weltkriege Gefallenen am 1. März das Feiern unter freiem Himmel, alle Umzüge und das Beflagge« der Häuser verboten.

Die Gedenkfeier auf dem Friedhof ist unter der Bedingung genehmigt worden, daß keine Umzüge durch die Stobt Bochum stattfinden. j

Die bergische Industrie verlangt Notifizierung des deutsch-spanischen Handelsvertrages.

Die Industrie- und Handelskammern in Solingen und Reinscheid haben an die zuständigen Ministerien und die Mit­glieder des Handelsvertagsausschusses des Reichstages ein Telegramm gerichtet, in bem sie nochmals eindringlichst die Ratifizierung des deutsch-spanischen Han­delsvertrages fordern. Die Unterzeichnung sei durch die Lage der für die deutsche Ausfuhr sehr wichtigen Kleineisenindustrie unverzüglich geboten. Bei Nichtratifizie- rung würden nicht nur zahlreiche und umfangreiche in der Ausführung begriffene Anträge verloren gehen, sondern auch unübersehbare zukünftige Schäden angerichtet werden. Spa­nien sei einer der wenigen uns gebliebenen Auslandsmärkte für die deutsche Werkzeugindustrie, dessen Verlust für die deutsche Wirtschaft katastrophal fei und Arbeiterentlassungen größten Maßstabes nach sich ziehen müßte.

Günstiger Stand der belgischen

Wieoerausbanarbe-ten.

Im belgischen Senat wurde bei der Debatte über die wiedererlangbaren Ausgaben mitgeteilt, daß der belgische Staat bisher 16 Milliarden Frank für Wiederaufbauzwecke verwendet habe. Der Wiederaufbau sei so gut wie zu Ende geführt. 100 000 zerstörte Häuser seien bis auf 3500 und 1300 öffentliche Gebäude bis auf 65 wiederaufgebaut worden. Es feien allerdings noch 350 000 Schadenersatzansprüche zu regeln, die sich aber nur auf kleinere Beträge beziehen. Außer- dem seien 250 Brücken neu zu bauen. Für die Verbesserung der Schienenstränge sei eine Summe von 50 Millionen Frank vorgesehen. Alles in allem werde die Vollendung des Wie- beraufbaumetfes noch ungefähr eine Milliarde Frank koste«.