KersMer Tageblatt
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Hersfelöer Kreisblatt" |
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Nr. 51
Montag, den 2. März
1925
ReichsprWent Kerl f.
»-^Berlin. Der Reichspräsident ist Sonnabend vormittag 10,15 Uhr ohne das Bewußtsein wiedererlang
;u haben, sanft entschlafen. Am Sterbelager weilten Frau Ebert. ihre Kinder und der Schwiegersohn Dr Faenicke sowie Staatssekretär Dr. Meißner.
die Trauer des deutschen Volkes um die gefallene/ Helden des Weltkrieges mischt ttÄ nun auch öi< Trauer um den ersten Reichspräsidenteni der Deutsch r Republik. der an den Folgen der schweren Operatmr gestorben ist. Reichspräsident Ebert ^ "Ur em Alte von 54 Jahren erreicht. Wenn ihn diese he IM tut um
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die Erschütterungen deren vielen langwierigen Regn-rungsknnn
leben bat. als ihn E ^*ÄJ! 1919 die Nationalversammluna in T^tmar Zum sorischen Reichspräsidenten wählte. Da^-^en Einen sein Amt an, mit der E^larung ^mü- Kräften und mit voller Hingabe weroe im » n{e= hen, mein Amt gerecht und »uvartensca z aI§ jemand zu Liebe und niemand zu Leue. ^^w^^ ntcf)! auftragter des ganzen putschn B^ ^. . Wg^e wa- als Vormann einer einzigen Partei -»neie ‘ g ren, das müssen au» die vart.wolitischen Gegner ae- Reichspräsidenten anerkennew stets Ziel und Muno^. seiner Handlungen. Dabei ist E unterMoronerer deutung daß er ütb bet dem Wechsel r ^^ Stimmung des Volkes, wieerbeidenletzten.^ taaswablen zum Ausdruck bekommen ist. vteneim was allzusehr an den trüberen politischen Kurs gehalten hat und sich nur schwer entscheiden konnte^ Steuer mehr nach rechts zu Drehen, wie - werden der Wahlen entsprach. Es wv ^ verkannt weroen daß ihn neben -nnervolitischen Momenten me v Parteirücksichten bestimmt waren bmivtsgchlich außem politische Veweaaründe leiteten. Aber tcbließllch na doch, nachdem sich auch die Rechtsvarte en zu srLZE'z^
Luther an die Spitze Reichsregierung berufen unk ihn mit der Bildung eines Kabinetts beauftragt, wie e. denÄgenwZMen'Mehrbettsverhältnissen im Reichs- tage o"ti^» Reichspräsidenten Eber: lieal auch darin daß er es verstanden hat, die Einher des Reiches trotz mancher Stürme von innen und an- itnh her letzten notl) AU TCutßttl. xyUHl lil # auch zu danken daß "die deutsche Revolution 1918 nach- ne,n sie nun einmal ausgebrochen war, »w «^^ ooiug^. Auflösung von Recht und Ordnung führte, sondern das worden ist. die Grundpfeiler zu schaffen, aus denen etr Neuaufbau von Recht. Ordnung cmd staatlichem Leber nnlliDCTbCH EOtlHtC« Ä-LUU tlUÜ) ütCiCl ^1$ steinig war und das deutsche Volk^n^dem großen Meer von Not und Elend fast zu ertrtn.e., ^-— 'b/u^ hnrh siblteßlich gelungen wieder zu geordneten Zuitci» deu zu kommen- die die Aussicht bieten daß auch den deutschen Volke noch einmal eine bessere und glücklicher« Zukunft winkt Die nationale Gesinnung Eberts steh über?ederi Zweifel erhaben fest. Sie bat auch durch der Magdeburger Prozeß nicht erschüttert weiden Eonuat In allen seinen Handlungen hat erst* streng an di Verfassung gehalten und nach Mein. ®°h w. uno &afh entschieden, ganz gleich ob er sich damit zu wineD eigenen Partei in Widerspruch stellte oder in scharfen Gegensatz zu den anderen Parteien trat.
Durch feine Regterungspolittk bat M Reichsprast- vent Ebert auch im Auslande Ehre und Ansehen erworben. Alle ausländischen Diplomaten würdigten den sachlichen Ernst und die politische Klugheit, mit der er sein Amt führte. Sein liebenswürdiges Wesen, das ihn die Psälzer Heimat mit auf den Weg gegeben, erwarberl ihm und dem Reiche zahlreiche Freunde tu der Welt Davon zeugen auch die vielen Teilnaümskundgebun- gen. die tljui aus Anlaß seiner schweren Erkrankung,von
den verichieoenuen Staaten Europas und anderer Erdteile zu Teil geworden sind.
Iritz Ebert. der schlichte Mann aus dem Volke, hat nicht vergessen, woher er kam und was er dem Volke schuldig ist. Die Korruptionserscheinungen der letzten Jahre reichten, das haben die Untersuchungen über die Betrugs- und Kreditaffären in die Minister und hohe Beamte verwickelt sind, ergeben, an seine Stiefelspitzen nicht heran. Er hat stets korrekt gehandelt. Einfach, schlicht und fachlich war die Art seines Lebens und Handelns. So war sein Familienleben, so sein öffentliches Auftreten und so wird auch das Andenken sein, das oer erste Reichspräsident hinterläßt. Leider ist er. das müssen auch seine politischen Gegner anerkennen, viel zu früh dem deutschen Volke und vor allem seiner Partei entrissen worden, für die. wenn er nach Ablauf seiner Amtsdauer am 30. ssuni d. I. nicht mehr wiedergewählt worden wäre, immerhin der bedeutendste Führer geblieben wäre, der zweifellos «einen maßgebenden, streng nationalen Einfluß stets hätte geltend machen können and vielleicht die Partei auch auf einen Weg geführt ktätte, auf dm das Ziel der Volksgemeinschgfi der Zusammenfassung aller schaffenden Kräfte zum Wiederaufbau des deutschen Vaterlandes, hätte erreicht werden können.
Nun noch einige Daten aus seinem Leben: ^rstz Bbert ist am 6. Februar 1871 als Sohn eines editier er« neisters in Heidelberg geboren. Hier besuchte er die
Volksschule und lernte hierauf das Sattlerhandwerk Als Geselle durchwanderte er weite Teile Süd- uni Norddeutschlands. Im Jahre 1892 war er Redaktem an der sozialdemokratischen „Bremer Bürgerzeitung" Nach seinem Ausscheiden aus der Redaktion betrieb ei kurze Zeit eine Gastwirtschaft und übernahm hieran: das Bremer Arbeiterfekretariat. 1900 wurde er in die Bremer Bürgerschaft und einige Jahre Wer tu das Bürgeramt gewählt. Seit 1905 gehörte er als Sekretär dem Vorstand der Sozialdemokratischen Partei ^- Vorsitzender der Partei wurde er im ^abre 1813 Wahrend des Krieges trat er als Iübrer der Mehrheitssozialisten für die Bewillimina der Kriegskredite nnd die nationale Verteidigung entschieden ein. Dem Reichstag gehört er seit 1912 an. In das ,Ren skabinett trat er^rrnter^^
kan i«er? Während der entert Revolutions- monate Volkskommissar setzte er sich mit a«er Entschiedenheit für die rasche Einberufung der Rationalver. iammlung ein. Diese wählte ihn am N.Februar 1M9 zum ersten Reichspräsidenten. Am ll Artgnst 1818 unterzeichnete er die neue Reichsversasiung. an idie er um 21 August des gleichen Jahres vereidigt nmrde. Le tten wiederholten Bitten um Neuwahl de? Reichspräsidenten bat die Neichsregierung mit Rücksicht auf die außenpolitische Lage nicht entsprochen Schließlich wurde durch nerfassunasänderndeK Gesetz seine Amtsdauer bis zum 30. Juni d. Is verlängert. wk-
Die Kabinettssitzung.
Auf die Nachricht von dem Tode des Reichspräsidenten hin trat das Reichskabinett zu einer Sitzung zusammen, in welcher der Reichskanzler eine Ansprache hielt. Diese Ansprache wird voraussichtlich alsbald in Form einer Kundgebung an das deutsche Volk veröffentlicht werden. Das Reichskabinett wird sich nunmehr in erster Linie mit der Frage der Nachfolgerschaft zu befassen haben. Der Reichstag, der gegenwärtig nicht versammelt ist, wird voraussichtlich sofort zusammenberufen werden, einesteils zum Zwecke einer Trauerkundgebung, andernteils zur Behandlung der Nachfolgefrage.
Reichskanzler Dr. Luther
hat in der Sitzung des Reichskabinetts folgenbe «llnfprache gehalten: „Sonnabend vornrittag 10 Uhr 15 Minuten ist der Präsident des Deutschen Reiches, Friedrich Ebert, sanft entschlafen. Auf den vorgestrigen Tag ernstester Sorge, den wir mit Bangen oerlebt haben, und auf den gestrigen Tag, der neue Hoffnung brächte, ist nun doch der lebenvernichtende Ausgang der Krankheit gefolgt. Ich bin gewiß, daß nicht nur das deutsche Volk, sondern weit darüber hinaus die zivilisierte Welt aufrichtigen LInteil an dem schweren Schicksalsschlag nimmt. Das Deutsche Reich verliert in Friedrich Ebert seinen ersten Reichspräsidenten. Von seinem Wirken für das deutsche Volk und von seiner Führereigenschaft in schwerster geschichtlicher Zeit zu sprechen, wird meine Aufgabe zu einer späteren Stunde sein. Heute, im Kreise der Neichsregierung bringe ich in verehrungsvoller Erinnerung zum Ausdruck, wie vortrefflich der Hingegangene als Reichspräsident gewaltet und wie glücklich und erfolgreich sich die Zu-fmnnrenarbeit zwischen ihm und der Reichsregierung durch feine Klugheit und vaterländische Hingebung gestaltet hat. Wir stehen erschüttert an der Bahre' des Staatsoberhauptes, dessen große menschliche Eigenschaften oft geholfen haben, sachlich schwierige Aufaaben zum Nutzen des deutschen Bolkes zu lösen. Bieten der Mitglieder der Reichsrecsierung ist er ein Freund geworden. In tiefer und aufrichtiger Trauer gedenken wir alle des Entschlafenen."
Die Aufbahrung des Reichspräsidenten.
Staatssekretär Meißner informierte kurz nach dem Ableben des'Reichspräsidenten den Reichskanzler und die anderen amtlichen Stellen des Reiches von dem traurigen .Ereignis und bat gleichzeitig um weitere Mitteilungen, in welcher Weise die nächsten Verfügungen geregelt werden sollten. Man kam dahin übereilt, daß Rei chspräsident Ebert während des Sonnabends im Westsanatorium auf-
gebahrt bleibt und daß Sonnabendabend in aller Stille die Ueberführung der Leiche zunächst in die Wohnung in der Wilhelmstraße und dann voraussichtlich in den Reichstag erfolgen soll. Nachdem die Familie das Westsanatorium verlassen hatte, wurde eine schlichte Ausschmückung des Zim- mers vorgenormnen.
Es verlautet, daß die Beerdigung des Reichspräsidenten vom Reich selbst vorgenommen werden wird. Eine große Trauerfeier im Reichstag soll stattfinden, an die sich dann die Beisetzung selbst anschließen wird.
Aus Anlaß des ^lblebens des Reichspräsidenten Ebert wurde auf den amtlichen Gebäuden in der Wilhelmstraße, auf beiden Parlamenten, aber auch auf zahlreichen Privathämern die Reichsflagge auf Halbmast gefetzt.
Gegen 11 Uhr erschienen als erste im Hause des Reichspräsidenten Staatssekretär Dr. Schubert und Frau, um der Witwe ihr Beileid abzustatten. Es erschienen dann die Minister und die fremden Diplomaten. In der Wilhelmstraße setzte um 11 Uhr eine starke Ansammlung ein, die sich vor dem Trauerhause staute. Alle öffentlichen Ge- bäude, der Reichstag, die Gebäude der Straße Unter den Linden und des Regierungsviertels haben ihre Flaggen halb- stock gesetzt. Als erste erschien auf dem Gebäude der amerikanischen Botschaft das Sternenban- ner der Union.
Landestrauer.
Auf Grund des 8 48 Abs. 4 der Reichsverfaffuna hat
die preußische Staatsregierung aulätzlich des Ablebens des
Reichspräsidenten folgendes angeordnet:
„Oeffentliche Mnsik sowie öffentliche Lnstbarkeiten vnd Cchanspielanfführungen einschließlich Lichtspielvorführungen
sind am Sonnabend, dem 28. Februar, ant 1. März und ant Tage der Beisetzung des Herrn Reichspräsidenten verboten.
Die preußische Staatsregierung.^
Die Führung der Amtsgeschäste.
Während bisher nach Artikel 51 Abf. 1 der Reichsver- fafsuna tzie.porläuffae.^^c^|^^^g&^^^j^^^^^^^^
Artikel 51 91W. 2 der Reichskanzler Dr. Luther zur vorläufigen Stellvertretung des Reichspräsidenten berufen worden.
Ueber die weitere Handha-buny gehen noch die Meinungen auseinander. Es ist durchaus möglich, daß sofort ein Gefetz über die Stellvertretung des Reichspräsidenten dem Parlament vorgelegt werden wird, es kann jedoch auch möglich sein, daß sofort Neuwahlen beantragt werden. Ein Beschluß bee Kabinetts in dieser Beziehung liegt noch nicht vor, wird aber vermutlich gefaßt werden, sobald das Reichsjuftizministerium sich über die Auslegung der Reichsverfassung schlüssig ge- worden ist
zum Ableben des Reichsurälidenten.
Trauersitzung des preußischen Kabinetts.
Aus Anlaß des Todes des Reichspräsidenten hat die Neichsregierung nachstehende Kundgebung erlassen:
Am Sonnabend ist der deuffche Reichspräsident Friedrich Ebert aus dem Leben abberufen worden. Tieferschüttert steht die Deutsche Neichsregierung und mit ihr das deutsche Volk an der Bahre des deutschen Staatsoberhauptes.
Mit Friedrich Ebert ist der Mann dahingegangen, der unter Einsatz seiner starken Persönlichkeit erreichte, daß in den Wirren der Revolution die Einberufung der Nationalversammlung aus freier Wahl -es deutschen Volkes beschlossen und durchgeführt, und damit dem deutschen Staatsleben wieder eine gesetzliche Grundlage gegeben wurde. In schwerster Zeit hat er das Amt -es deutschen Reichspräsidenten mit vorbildlicher Gewissenhaftigkeit und staatsmännischer Klugheit verwaltet, und dabei in der Heimat wie im Auslande reiche Anerkennung erworben. In den außenpolitischen Wir- rungen, die nach Kriegsende dem Deuffchen Reiche erwuchsen, hat er die Verantwortung der Entscheidungen auf sich genommen, die nach vielen Mißerfolgen endlich den Weg zum Wiederaufstieg anbahnte». Unpar- teilichkeit und Gesetzlichkeit waren die Richtlinien sei- ner Amtsführung.
Die Charaktereigenschaften des Menschen Friedrich Ebert und die hervorragende Begabung des Staatsmannes, der an der Spitze des Deutschen Reiches gestan- den hat, haben ihm bei all denen, die den Mann und sein Wirken kannten, Wertschätzung und Verehrung erworben. Er hat dem deutschen Volke und dem deutschen Vaterlande in schwerster Zeit als aufrechter Mann ge- dient.
Dr. Luther, vi. Geßler, vr. Brauns, Dr. Strese- m «nn, Graf v. K n i tz, Sti n gl, Schiele, Dr. Re «- haus, Dr. Frenken, Dr. Krohne, v. Schrieben.