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Hersfelöer Tageblatt

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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

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Nr. 52

Dienstag, den 3. Mär;

1925

Das Wichtigste.

j M« Trauerseier für den verstorbenen Reichspräsidenten findet am Mittwoch nachmittag im Hause des Reichspräsidenten statt. Die Leiche wird dann nach Heidelberg Überfahrt, wo am Donnerstag vormittag die Beisetzung erfolgen soll.

Das Versailler Militärkomitee hat der Bot- schafterkonferenz über den Kontrollbericht eine be. sonder« Note ausgefertigt, die zur Beratung vorliegt.

Wie verlautet, wird Chamberlain ein Memorandum über die deutschen Revanchegelüste veröffentlichen, das voll von Anschuldigungen gegen Deutschland ist.

Der Beginn der Leipziger Messe zeigt einen regen, wenn auch keinen Rekordbesuch. Besonders die Technische Messe erregt reges Interesse.

OberstRepiWoliMmKonilMKichS.

ImDaily Telegraph" machte vor einigen Tagen der englische Oberst Repington Angaben über die Hauptpunkte des Kontrollberichtes. Oberst Repington ist als Deutschenhasser sattsam bekannt. Er ist der englische Fach, wenn auch nicht in strategischer Hinsicht. Es kann daher nicht wunder nehmen, wenn Repington sagt, daß der erste Teil des Kontrollberichtes eine klare, eingehende, von einem halben Dutzend Anhängern unterstützte Schilderung gäbe von einer unnachgiebigen Obstruktion, auf die die«lliiertenOfsiziere bei der Erfüllung ihrer Pflichten gestoßen seien. Mit den Polizeiorganisationen geht Repington noch glimpflich um. Dagegen kommt derdeutsche Militarismus" sehr schlecht weg. Den alliierten Kontrolloffizieren seien stets Schwierigkeiten gemacht worden. Diese Behauptung ist eine glatte Lüge. Bekanntlich müssen die-Kommissionen ihr Kom° men anmelden. Sie dürfen nicht et^^rnverh.-;fft eine

es der

das heißt/ wo für das wichtigere Arbeit und Funktionen zu erledigen waren, als eine Untersuchung durch die Schnüffelkommission, so ist dies noch lange kein Reichen von Obstruktion. Sowohl die Privatbetriebe, die irgendwie Heevesfabrikation Hersteller: oder hergestellt haben, als auch die Militärarsenale, konnten zu jeder Zeit auf ihreGe­fährlichkeit" hin untersucht werden. Wenn wirklich etwas ver­borgen bleiben soll, so ändert an dieser Tatsache der Zeitpunkt der Untersuchung nichts. Aber es wäre ja auch wirklich töricht, irgendwelchegefährlichen Stoffe" so hinzupacken, daß es die Kommission gleich sähe. Esist abertatsächlich nichts vorhanden, was das Licht des Tages resp, die Augen der Schnüffelkommission zu scheuen hätte. Oberst Repingtons Darlegungen sind aus überspanntem Deutschenhaß geboren, die bei näherer Untersuchung sich als vollständig haltlos er­weisen.

Sodann wird über den Großen Genera ist ab her­gezogen. Das deutsche Heer habe 1914 341 Generalstäbler gehabt, 1922: 215 und heute 250. Auch hierin hat Repington natürlich unrecht. Der alte Generalstab existiert nicht mehr. Wir wollen aber das Wort Generalstab beibehalten, weil es für die weiteren Ausführungen nicht unwichtig ist. Der heutigeGeneralstab" unterhält möglicherweise 250 Offiziere. In diesemGeneralstab" ist aber alles untergebracht, was irgendwie mit der Waffe direkt oder indirekt etwas zu tun hat. Beispielsweise Kriegsakademie, Turnschule, ein großer Teil der Militärversorgung, nicht zuletzt das ganze Reichs- marineamt, natürlich alles im verkleinerten Maßstabe. Auch technische Kommissionen für Prüfungszwecke fallen mit unter dieses schreckliche Wort. Vor dem Wortdeutscher Generalstab" haben alle Alliierten einen heillosen Respekt, aber leider grundlos, denn seine Funktionen sind heute wesent­lich andere als die des französischen oder englischen. General von Seeckt wird natürlich vorgeworfen, daß er diese kleine, aber geübte sachverständige Korporation vermehren wolle, die ihre Aufgabe in der Schaffung und Leitung eines Volkes in Waffen sähe. Das ganze deutsche Volk bereite sich nur auf den Krieg vor. Für die Infanterie würde ein Einheits- veglement ausgegeben, für die Kavallerie gäbe es neue Instruktionen,'kurz: das heutige Deutschland atme den Geist der Revanche. Als Militär wird Repington zweifellos wissen, daß die Truppen heute unter anderen Verhältnissen kämpfen müßten als vor 1914. Von diesem Gesichtspunkt aus be­trachtet, müssen natürlich auch für die deutschen Formationen neue Reglements herausgegeben werden, die den veränderten Verhältnissen Rechnung 'tragen. Es ist aber direkt absurd, wenn Repington eine solche Tatsache als feindlichen Akt gegen die Alliierten ansieht. Deutschland darf noch bein Versailler Vertrag ein Heer von 100 000 Mann unterhalten. Man hat ihm aiber nicht verboten, dieses Heer auf eine qualitativ hohe Stufe zu bringen. Jeder einzelne in Deutschland weiß heute, daß dieses Heer nicht in der Lage ist, gegen eine französische Armee in gleicher Stärke aufzukomme-n, da zu einer solchen Truppe, etwa zwei Armeekorps zum Beispiel, noch technische Abteilungen gehören, die Deutschland nicht haben darf, nämlich Tank- un'dFlugzeuggeschwader und besonders schwere Artillerie.

In dem Kontrollbericht wird gesagt, daß die Eisenbahn- fönten dieselben geblieben seien wie vor dem Kriege, Deutsch- laird also noch immer über ein vorzügliches Aufnmrschgebiet

verfüge. Diese Eisenbahnlinien sind geblieben, man kann doch unmöglich von Deutschland verlangen, daß es seine Eisen­bahnen zerstört. Die Bahnlinien bestehen schon lange, und wie sie im Kriege für militärische Zwecke ausgenutzt wurden, so werden sie heute für wirtschaftliche Zwecke gebraucht Weiter werden geheime Formationen zur Ergänzung und Erhöhung der Unteroffiziers- und Offizierskaders angeführt, um auf einen Revanchrkrieg hinzudrängen.. Es ist unnütz, über die Vorwürfe auch nur ein Wort zu verlieren. Geheime Waffen- lager werden cmgeführt, die in Wirklichkeit nur aus einzelnen verrosteten Gewehren bestehen und noch aus den Zeiten der sozialistischen Aufstände kurz nach Beendigung des Krieges stammen. Oberst Repington kommt zu dem Schluß, daß General v. Seeckt und der Reichswehr-minister Dr. Geßler auf der Abrüstungskonferenz gehört werden müßten. Der ganze Kontrollbericht, meint der englische Oberst, gäbe zu Panik- maßnahmen gegen Deutschland keinen Anlaß. Wir stellen diese Tatsache mit Vergnügen fest und bemerken, daß wir auch nicht die Absicht gehabt haben, irgendwie beunruhigend in die be­schauliche Ruhe der Alliierten einzugreifen. Es wäre aber zweckmäßig, wenn Oberst Repington weniger deutschhetzerische Artikel verfassen würde. P.

Sie Trauerseiem für Bert

Die Trauerseier der Reichsregierung für den verstorbe­nen Reichspräsidenten findet am Mittwoch, dem 4. MSrz, nachmittags 3 Uhr, im Hause des Reichsprasiden- ten statt; der Reichskanzler wird hierbei die Gedenk­rede halten. Im Anschluß an diese Feier erfolgt unter m i - lit aris cher Trauerparade die Ueberführung zum Potsdamer Bahnhof. Der Weg des Trauerkondukts geht durch das Brandenburger Tor' um das ReichstagsgeSaude herum; dort findet vor dem auf der Rampe haltenden Lei­chenwagen eine Abfchiedskundgebung des Reichs­tags statt, dessen Präsident den letzten Gruß der deutschen Volksvertretung Überbringer: wird. Dieser Traueratt wird

bringen. Daraus wird der Zug den Weg durch dieFriedens- allee und die Budapester Straße nach dem Potsdamer Bahn­hof fortsetzen, dessen Portalfront einen würdigen Traner- schmuck erhalten soll. Vom Potsdamer Bahnhof findet dann etwa 6% Uhr abends die Ueberführung nach Heidelberg statt, wo Donnerstag vormittag die Beerdigung erfolgen wird.

Trauerfeier in den Schulen.

DemAmtlichen Preußischen Pressedienst" zufolge hat das preußische Staatsministerium beschlossen, am Tage der offiziellen Trauerfeier im Hause des Reichspräsidenten den Unterricht in den preußischen Schulen ausfal­len und in einer Schulfeier des toten Reichspräsidenten ge­denken zu lassen.

Offizielles Trauergeläut in der Diözese Trier.

Zum Ableben des Reichspräsidenten veröffentlicht das bischöfliche Generalsekretariat in Trier im Namen des ab­wesenden Bischofs von Trier eine Verordnung, in der es unter anderm heißt:Unser Reichspräsident Ebert ist am 28. Februar in Berlin im Krankenhaus entschlafen. Ein Mann, aus dem Volks hervorgegangen, der in schwerer Zeit die Geschicke der neuen deutschen Republik mit vorbildlicher Pflichttreue geleitet hat, verdient es, daß sein Andenken vorn ganzen Volke in Ehren gehalten wird. Er hat auch die große Wichtigkeit der Religion im Volksleben anerkannt. Wir ordnen deshalb an, daß am Mittwoch, dem 4. März, mittags

12 Uhr, ein allgemeines Trauergeläute stattfinden soll.

Veranstaltungs-Verbot Mittwoch.

Zur Behebung vielfach aufgetauchter Zweifel wird vom Amtlichen Preußischen Pressedienst" mitgeteilt: Als Tag der Beisetzung des Herrn Reichspräsidenten im Sinne der Verordnung des preußischen Staatsministeriums vom 28. Fe­bruar gilt Mittwoch, der 4. Mär z. An diesem Tage sind, entsprechend der Verordnung, öffentliche Musik, öffent­liche Lustbarkeiten einschließlich der RennverMstaltungen, Schauspielvorstellungen einschließlich der Lichtbildvorstellun­gen verboten.

Die Aufbahrung im Arbeitszimmer.

Reichspräsident Ebert wurde in seinem Arbeitszimmer aufgebahrt.

Dicht am Fenster befindet sich der Schreibtisch, so gelassen, wie er war, als der Reichspräsident sich das letztemal erhob, um niemals wieder an seinen Tisch zurückzukehren. _ Auf dem Schreibtisch die große Hornbrille, eben weggelegt auf das auf­geschlagene Buch, in dem der Reichspräsident gelesen hatte: Die Verfassung des Deutschen Reiches.

Dicht neben dem Schreibtisch steht der b r a u n e E i ch e n- sarg auf schwarzem Sockel, umgeben von Lorbeerkränzen. Die 'rot-goldene Flagge des Reichspräsidenten mit dem großen schwarzen Reichsadler als Mittelstück bedeckt den Sarg als einziger Schmuck. Zwei Riesenkerzen am Kopfende geben dem Raum das düstere Licht.

Die Totenwache.

An den vier Ecken des Sarges steht die Totenwache, die Ehrenposten der Reichswehr. Vier Unteroffiziere mit au" gepflanztem Gewehr bei Fuß. Alle halbe Stunde geht lautlos die Ablösung vor sich. Unteroffiziere des Wach-Negi- meuts Berlin.

Am Fußende prachtvolle Blumenstücke: der Kranz der Reichsregierung aus Lorbeer und Kallas, ein großer Kranz aus weißem Flieder, dessen Schleife nur den Namen trägtLuise", der Gruß der Gattin, ein Riesen- kranz, gewunden aus Kieferzweigen und verziert mit gel­ben Mimosenblumen und schwarzrotgoldener Schleife, trägt die Widmung der KinderUnserem lieben Vater einen letzten Gruß". Darum gruppieren sich Spen­den aus dem engeren Freundeskreise des Verstorbenen.

Gesetz über Reichsbegräbnis.

Dem Reichsrat ist ein Gesetzentwurf zugegangen, der dk Uebernahme der aus Anlaß des Ablebens des Reichspräsi­denten entstehenden Kosten regelt. Dk zuständigen Reichs- ratsausfchüsse werden sich am Dienstag vormittag mit dieser Vorlage beschäftigen, die darauf sofort in einer Vollsitzung des Reichsrats erledigt werden wird.

Die Trauerkundgebungen des In- und Auslandes laufen fortgesetzt im Hause des Reichspräsidenten ein. Ganz besonders hervorgehoben sei nur die rege Anteilnahme Ame­rikas am Tode des Reichspräsidenten und die Anordnung Italiens einer achttägigen Hoftrauer.

Empfang des Reichstagspräsidiums. '

Frau Reichspräsident Ebert empfing am Sonntag das Präsidium des Reichstages, vertreten durch die Herren Präsident Löbe, Vizepräsident Dr. Rießer und Direktor beim Reichstag Geheimrat Galle zur Entgegennahme des Beileidsausdrucks des Reichstags.

Am Sonntag nachmittag wurde in einer Kabinett­sitzung die Vornahme der Beteiligung des Reichstags an den Trauerfeierlichkeiten besprochen. Zwischen dem Reichs­kanzler, dem Reichsminister des Innern und dem Reichs­wehrminister einerseits und dem Präsidenten Löbe und dem Abgeordneten Koch andererseits wurde sodann die Beteili- gung des Reichstags vereinbart, die bereits bekannt^geben ^ßa&ite^es^SReühs^^

Bahnhof vor dem Reichstage halten und Präsident Löbe dem Heimgegangenen die letzten Grüße des deutschen Volks zum Ausdruck bringt.

Präsident Löbe und eine Reihe von Reichs­tag s a b ge o r d neten werden die Ueberführung nach Heidelberg begleiten und dort am Donnerstag vormittag an der Beisetzungsfeier teilnehmen.

Erst nachbem die Beisetzung erfolgt ist, wird am Nach­mittag um 3 Uhr der Reichstag seine Plenar­sitzung abhalten, in der eine weitereTrauerkund- gebung nicht in Aussicht genommen ist.

Dk letzk Fahrt nach Heidelberg.

Der Sonderzug, in dem sich die Angehörigen- des ver­storbenen Reichspräsidenten und eine große Anzahl von Reichs- und Staatsbeamten befinden werden, nimmt seinen Weg über M agdeburg, Kreiensen und Kassel und trifft zwischen 6 und 7 Uhr in Frankfurt a. M. ein. In Frankfurt a. M., wo der Zug längeren Halt nimmt, ist eine größere Trauerkundgebung geplant.

In Heidelberg trifft der Zug so zeifig ein, daß die Bei- fehung vormittags 10 Uhr auf dem Bergfriedhofe stattfinden kann.

Der Termin der Neuwahl des Reichspräsidenten.

Die Reichsverfassung besagt nichts darüber, binnen welcher Frist bei vorzeitiger Beendigung einer Prä­sidentschaft die Wahl anberaumt werden muß. Dies zu be- stimmen, ist einem Reichsgesetz überlassen. Da die rechtsstehenden Parteien und das Zentrum wünschen, die Neuwahl möglichst bald ftattfinben zu lassen, s o nimmt man gegenwärtig an, daß der 26. April für sie. bestimmt werden möge, obgleich über diesen Termin noch keine Einigung unter den Parteien erzielt ist. Wird ein so naher Termin festgesetzt, dann entfällt damit zugleich dk Notwendigkeit, durch ein Reichsgesetz einen besonderen Ver­treter zu bestellen, da der Art. 51 der Reichsverfassung nur für einevoraussichtlich längere Zeit" die Vertretung vor sieht. Damit würde es mit der Stellvertretung durch Reichskanzler Dr. Luther sein Bewenden haben.

Im übrigen ist festzustellen, daß allerlei haltlose Gerüchk ausgesprengt werden. So das, Vertreter des Zentrums und der Deutschen Volks parke: hätten sich auf eine Kandidatur M nrx für die Reichspräsidentschaft unter der Voraus- fetzung geeinigt, daß das Zentrum sich zu einer Regierungs­bildung in Preußen nad) dem Muster der Reichsregierung bereitfände. Das ist völlig aus den Fingern gesogen. Der Parteivorstand der Deutschen Volkspartei, der allein solche Beschlüsse fassen könnte, tagt erst am 9. März; und in seinen Kreisen ist keine Stimmung für einen der­artigen Kompromiß vorhanden, vielmehr denkt man dort an das sachlich Gebotene, sich mit den Dentschnationaleu und den parteimäßig nicht gebundenen Rechtsorganisationen über die Nominierung eines Kandidaten in Verbindung zu setzen. Wenn als möglicher Kandidat der jetzige Reichskanzler Dr. Luther genannt worden ist, so hält man es in rechtsstehenden Kreisen weder für wahrscheinlich noch für wünschnswert, daß er seinen jetzigen Posten so bald aufgeben möchte. _