KersMer Tageblatt
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M°L! tzersfelöer Kreisblatt" [
Ä*' । Amtlicher Anzeiger für -en Kreis Hersfelö !
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Nr. 54
Donnerstag, den 5. Mär;
1925
Das Wichtigste.
— Am Mittwoch wurde unter großer Beteiligung nach ändrucksvollen Feiern im Trauerhause und vor dem Reichstag > ie Leiche des verstorbenen Reichspräsidenten lach dem Potsdamer Bahnhof geleitet, von wo fit »ach Heidelberg übergeführt wurde.
— Der Führer der englischen Liberalen, Asquith, hielt m englischen Oberhause seine Antrittsrede, in )er er sich mit den Fragen der deutschen Entwaffnung rnd der Besetzung Kölns befaßte.
— Der englische Außenminister Ehamberlain wird »m Sonntag nach Berlin reisen, um sich mit Herriol über die schwebenden Fragen zu unterhalten.
— In Reinsdorf bei Wittenberg entstand in den Werken der Westfälisch-Anhaltischen Sprengstoff A.-G. ein« schwere Explosion, die mehrere Menschenleben forderte. -
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Die Leipziger Messe.
Ein Symbol der Wirtschaftsprobleme der Gegenwart.
Wieder einmal sind Tausende und aber Saugenbe nach Leipzig geeilt, um sich die gewaltigste Industrieheerschau, b« Schau der deutschen Industrie, anzusehen. — Die heutige Leipziger Messe mit ihrer technischen Abteilung hat den ur^ sprünglichen Charakter als Markt fast verloren, und end standen ist eine moderne, ausgezeichnete Uebersicht über dir gesamte Produktion. Der Händlerische Geist hat sich mit den Geist des Produzenten, des ersten Schöpfers der Ware, unk «timben? ihres Lebensweges in einer Form vereint, bü
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ebenso interessant und fesselnd für den Kaufmann, den In genieur, den Wissenschaftler und den Laien. — Wenn bei Besucher der Leipziger Messe sich bewußt ist, welche Mühe unk Arbeit es kostet, eine Messe derartigen Umfanges auf di« Minute fertigzustellen, so wird er ohne weiteres bekennen daß es gewaltige Leistungen sind, die die deutsche Industrie vollbringt. Bei der Ausstellung selbst spielen neue Fabrikat» im allgemeinen die Hauptrolle; manche sorgenvollen Tag» haben sie dem Erfinder und Aussteller gebracht. Unendlich viele Arbeitsstunden sind verflossen, ehe die neuen Objekt« vorführungsbereit zur Messe gelangen. Und dann die bang» Frage: Wie wird sich das Messegeschäft ent° wickeln? Wird sich die aufgewendete Mühe verlohnen hat man die Absatzmöglichkeiten nicht überschätzt? Nun wohl die Aussteller sahen der Messe durchaus nicht allzu optb mistisch entgegen, wissen sie doch, daß die Betriebsmittel bei abnehmenden Kreise genau so gebunden sind, wie die bei Produzenten.
Die Besucherzahl der ersten zwei Tage hat etwa 80- bis 100 000 betragen, doch bietet die Menge der Besucher, der Flächenraum und die Zahl der Aussteller durchaus keinen Maßstab für den Umfang des Geschäfts. Sogar die Ziffer der Abschlüsse und Aufträge kann kein genaues Bild geben denn die Höhe der Einzelaufträge hat sich in vielen Branchen erheblich verschoben. Verschiedene Firmen haben bereits jetzi zahlenmäßig mehr Aufträge hereinbekommen, als in der letzten Herbstmesse, doch handelt es sich nicht um solche Posten wie man sie von früher her gewohnt war. Allenthalben merkt man aber die Verschiebung der Käuferschichten und Absatzgebiete. — Ueber den imposanten, teils jedoch auch recht aufdringlichen Reklamefeldzug ist wohl genügend bekannt Am Montag war der Massenandrang der „Sohleute" vorüber, die pomphafte Werbe- und Reklametrommel dröhnt nicht mehr so aufdringlich. Zurück bleiben die ernsthaften Interessenten. Der Messe dienstag hat noch einen guten Anteil neuer Besucher zugeführt. In den Musterlagern ging es demzufolge ziemlich lebhaft zu. Das Geschäft hat sich am Dienstag etwas belebt, ohne jedoch die Grundtendenz - gesunde Vorsicht, die sowohl Verkäufer als auch Einkäufe» walten lassen, um den Umsatz mit dem tatsächlichen Bedarf in vernünftige Uebereinstimmung zu bringen — wesentlich andern zu können. Der Gesamtverlauf dürfte als der einer Mittelmesse anzusprechen sein. Wenn auch das A u s l a n d nicht besonders stark in das Geschäft eingreift, so sind doch mehrfach nennenswerte Abschlüsse für das Ausland getätigt worden, besonders in Haus- und Küchengeräten. Bemerkenswert ist ein Käuferabschluß für Nordamerika in Stahlscheren.
Als grundsätzlich bedeutsam ist die Verbreiterung der Basis der Messe durch die starke industrielle Ausstattung. Im Rahmen dieser technischen Messe hat die Werkzeugmaschinen- dauabteilung mehr als einen guten Erfolg aufzuweisen, so- wohl in technischer Hinsicht, als auch in bezug auf das, was bk erzielten Aufträge anbelangt. — Wir können uns nur bein anschließen. was der Reichswirtschastsminister Dr. Neu- jaus dem Messeamt in Leipzig telegraphisch mitteilte: Zu meinem lebhaften Bedauern am persönliche»» Erscheinen vermindert, wünsche ich der Leipziger Frühjahrsmesse ben erwar- toten und wohlverdienten Erfolg. Möge sie auch in diesem Jahre beitragen gut Einigung, Festigkeit und Belobung der deutsche»» Wirtschaft und zur Förderung der wirtschaftlichen
Beziehungen zum Auslande.
W. L.
Die Berliner BeisetznngsfeierlilhLeiten für den Reichrnrifidente».
Berlin
hatte einen Trauerschmuck angelegt, wie man ihn seit dem denkwürdigen Jahre 1888 nicht mehr gesehen hatte. Die Wilhemstraße war vom Wilhelmplatz bis zu den Linden in eine Allee von dunkelgrünen Oleanderbäumen verwandelt worden. Vor dem Hause Eberts sind riesige Trauer-Pylonen ebenso wie am Eingang des Wilhelmplatzes und am Eingang der Linden aufgepflanzt. Den Eingang zum Palais Eberts flankieren vier mächtige, schwere Obrlisken, die große Räucherschalen tragen. Rund um den Platz vor dem Brandenburger Tor ist ein Kranz von schwarzen Bannern aufgestellt, desgleichen vor dem Reichs- tagsgbäude. Auf der Freitreppe steht die schwarzverhangene Rednertribüne, um die sich ein schwarzrotgoldener Streifen zieht.
Keine Laterne in den Straßen, durch die der Zug seinen Weg nehmen wird, ist ohne Schmuck. Kränze hängen herab, Tannengrün ist um die Pfähle gewunden, und schwarz verhüllt sind die Glasglocken, durch die düsteres, schwarzgrünes Licht flimmert. Die bunte»» Plakate an ben Anschlagsäulen werden ebenfalls mit grünen Tannen verdeckt.
Am Potsdamer Platz.
Ungeheuer ist das Gedränge auf dem Potsdamer Platz. Auch hier umfäumt ein Kranz von schwarze»» Bannern den Platz. Auf der Freitreppe ist der Katafalk angebracht, auf dem der Sarg des Reichspräsidenten die letzte Rast vor feiner Verladung nach Heidelberg nehmen wird.
Es ist ein tief eindrucksvolles Trauergewand, das der Reichskunstwart R e d s l o b und Oberregierungsbaurat H. Groß für Berlin geschaffen haben. Es ist schwarz unb dunkelgrün. Aber es wirkt nicht bloß düster. Denn dazwischen DDMMMMWMMMMMMMWW
Reichsflaggen und die Farben der fremden Nationen.
Der Leichenkondukt.
Der offizielle Trauerkondukt, der im Austrage der Reichsregierung unter Leitung des Reichskunstwarts Dr. R e d s l o b von einem privaten Berliner Beerdigungsinstitut zusammengestellt ist, bestand aus sieben Fahrzeugen. Der Leichenwagen ist ein niedriger Wagen, auf dem frei, ohne Ueberdachung, der Sarg steht, nur mit einem schwarzen Behang versehen. Er ist mit sechs ebenfalls schwarzverhüllten Pferdtzn bespannt. Neben jedem Pferd geht ein Führer. Dem Leichenwagen schließen sich drei Kutschfahrzeuge an, die aus dem früheren Marstal! stammen und für die ganz nahen Familienmitglieder des Reichspräsidentei» bestimmt sind. Darauf folgen die drei offiziellen Kranzwagen.
Die Kranzspenden.
Der Ehrenhof des Palais ist zu einer Blumen-Trauerstätte ausgestaltet. Rins um das Wasserbassin liegen Tan- nenreifer, die schwarze Schleife»» verknüpfen, an den Seiten stehen hölzerne Ständer, die die Blumengewinde und Kränze tragen, deren Ueberfülle im Hause keinen Platz fand. Man liest auf den Schleifen die Namen Alfred Krupp, Mathilde Rathenau, Katharine v. Ohei mb, die Mexikanische Gesandtschaft, Deutscher Stüdtetag, Landeshauptstadt Dresden, Deutscher SBeamtenbunb, G e - n era l G o me z - Venezuela, mit den Schleifen gold-blau- rot, Hansa-Bund, Akademie der Künste, Deutsch-Demokratische Partei, Reich swehr- m i n i ste r ium, Rei ch s w i r t s ch a fts m i n i ster i um, Reichsverkehrs ininisterium, Republik Ecua- dor, Reichskanzler a. D. Marx, Deutsche Bank, R e i ch s j u st i z m i n i st e r i u m , Staatssekretär von Schubert, Hamburg-Amerika-Linie, StadtWeimar,Presse-AbteilungderReichs- regierung.
Herabwallende Tücher verwandeln den Toreingang tn eine düstere Vorhalle. Zwischen den beiden Posten hindurch, die dort Wache halten, tritt man in die untere Halle, in deren Mitte das Buch aufliegt, in das sich die Kondolierenden eintragen. Ein schwarzer Teppich, schwarzer Tüll an ben Marmorwänden geben auch diesem Raum das Gepräge tiefer Trauer. An der Mittelwand steht eine Büste des verstorbenen Präsidenten, die Bildhauer Bednarz geschaffen hat. Ringsum liegen riesige Blumengewinde, der wunderbare Kranz des Kaisers von Japan, das Riesengewinde des Diplomatischen Korps, die Kränze von Mustafa Kemal Pascha, von General Calles, dem Präsidenten von Mexiko, die Kränze von Sachsen, C o l u m - bien, Bolivien, Lübeck, Bremen, des Bundes- präsidenten von Oesterreich, der Präsidenten der Schweiz und der Tschechoslowakei, die Kranze der Wehrmacht des. Reiches, des Reichsmini- ft- c r t u m s des Auswärtigen, des Reichskanzlers Dr. Luther, des F i n a n z mini st,e r i um s , der R e i ch s e i f e n b a h n g e s e l I s ch a f t.
Das Trau er Haus ist nach den Entwürfen des Reichskunstwarts Redslob mit erlesener Würde geschmückt. Im ersten Geschoß ist im Arbeits
zimmer des Verstorbenen in einer unter einem Baldachin hergestellten Nische von schwarzen Velarien der Katafalk errichtet. Der Sarg ist bedeckt mit der Flagge des Reichspräsidenten, die Mit ihm in das Grab gelenkt werden soll. Rechts und links neben diesem größten Raum des Arbeits- zimmers sind mehrere kleine in einer Flucht liegende Zimmer für die Feier gerüstet und geschmückt. Alle diese Räume sind für die Feierlichkeit vollkommen ausgeräumt, um den immer noch viel zu knappen Raum für die Teilnehmer zu bieten. Die hohen Wandspiegel in allen diesen Zimmern sind mit leichtem Flor verhängt, und dieler bedeckt auch sämtliche Wände von der Decke bis zum Fußboden. Durch den Trauerflor verdecktes künstliches Licht läßt das große Zimmer mit dem Katafalk in einem milden Lichte erscheinen. Am Fußende des Sarges stehen zu beiden Seiten die von der Reichswehr und von der Marine gestellten Ehrenposten. Zu Füßen des Sarges stehen die Reihen der goldenen Stühle, die für die Teilnehmer Platz bieten. Bei der Feier war die Platzverteilung so geregelt, daß die Vertreter deraus - ländischen Regierungen im Hauptsaal auf der rechten Seite ihren Platz hatten, während entsprechend auf der linken Seite die Vertreter der Reichsregierung mit dem Reichskanzler, der Reichstagspräsident, die Staatsund Ministerpräsidenten der Länder, die Reichsminister, die Staatsminister und die stimmführenden Reichsratsbevollmächtigten, Vertreter der Parlamente, Spitzen der Reichs- und Staatsbehörden, der Oberbürgermeister von Berlin, und einzelne Vertreter der wirtschaftlichen Organisationen sowie einzelne Vertreter von Kunst und Wissenschaft Platz fanden. In dem Gartensalon links vom Saal hatten dicht neben den Sitzplätzen für die Familie im Hauptsaal Freunde, die'Aerzte und einige Damen, die der Familie nähergestanden haben, Ausstellung genommen.
Die Trauerfeier
selbst wurde eingeleitet durch die Trauermusik aus der Eroica von Beethoven (Staatskapelle, Dirigent Erich Kleiber) und den Chorgesang „Totenfeier" von Jacob Händel (Gallus) ^^tolote iodann die
Rede des Reichskanzlers.
Vor diesem Sarge, der die Hülle des deutschen Reichspräsidenten birgt, heben sich in der Stunde des Mschiedneh- mens unsere Gedanken und Empfindungen zuerst zu Ihnen, Frau Reichspräsident, und zu Ihren Kindern. Inland und Ausland trauern mit Ihnen und nehmen aufrichtigen Anteil an Ihrem Schmerz. Alles, was menschlich und im öffentlichen Leben schwer für den Heimgegangenen war, haben Sie mit ihm getragen. Zwei Söhne haben Sie im Weltkriege dem Vaterlande zum Opfer gebracht.
Reichspräsident Friedrich Ebert, an dessen Bahre für das Deutsche Reich und das deutsche Volk ich sprechen darf, hat einen Lebensweg durchschritten, der ihn zur Höhe geführt hat. Aber der Weg war steil und mühsam und forderte von dem Wanderer herbe Pflichterfüllung. Friedrich Ebert war ein auftechter, deutscher Mann. An führender Stelle hat er geholfen, gegen Widerstände die Bewilligung der Kriegskredite durchzusetzen. Die Nationalversammlung hat ihn zum Reichspräsidenten gewählt, nachdem er es abgelehnt hatte, sich in der rechtlosen Zeit zum Reichspräsidenten ausrufen zu lassen. Beibehalten hat er das Amt ohne Volkswahl nur, nachdem die Mehrheit des Reichstages von 314 gegen 76 Stimmen ihm eine unzweifelhafte Rechtsgrundlage gegeben hatte. In seiner Amtsführung als Reichspräsident war ihm Deutschlands Wohl der Leitstern. Ein erstes Aufhellen der Nebel noch zu sehen, ist Friedrich Ebert vergönnt gewesen durch den Abschluß des Londoner Abkommens und den Geist wirklichen Friedens, der in London lebendig war. Schwer gelitten hat der Tote unter der neuen Verdichtung des Nebels, der durch die Nichträumung der ersten Rheinlandzone über das deutsche Volk gesunken ist.
Wenn ein Mensch, der nicht im Strudel des großen Lebens gestanden hat, die Augen zum letzten Schlummer schließt, dann gilt die Regel, daß an seinem Sarge der Mensch vor allem gewürdigt wird und daß von seinen Lebenstagen die Teile aufgezeigt werden, die ein Vorbild sind oder sonst über das Zeitliche des Menschenlebens hinausweisen. Man drückt das wohl auch dahin aus, daß man von Toten nur Gutes sagen soll. Ein solches Vorrecht kann ein Toter, der an weit sichtbarer Stelle stand und von der Parteien Gunst und Haß umkämpft war, in vollem Maße nicht in Anspruch nehmen. Freilich hat auch er das Menschenrecht darauf, daß von ihm mit der Achtung gesprochen wird, die schon der Tod als Tatsache erheischt. "Solche Auffassung erscheint mir im edelsten Sinne meiner Worte sowohl demokratisch wie aristokratisch zu sein, und sicher ist sie christlich. Jedoch auch bei der sachlichen Würdigung des Lebenswerkes des Reichspräsidenten müssen wir einen Lichtblick suchen, der uns über Parteitaktik und parteipolitische Begrenztheit erhebt. Mit dem bloßen Hinweis, daß die Geschichte ihr Urteil fpredjen werde, ist es nicht getan. Denn tiefumstrittene Fragen, wie die über den Zu- sammenbruch Deutschlands am Ende des Weltkrieges, werden in ihrer Zwiespältigkeit auch in die zukünftige Geschichts- forschung hinüberreick;en. Ich l)andele deshalb im Geiste des Toten, wenn ich auch von dieser Stätte aus, wo wir an der Schwelle der ewigen Dinge stehen, an alle um unserer deutschen Zukunft willen die dringende Mahnung richte: Seid ein Volk, ein Vaterland! Ich richte diesen Ruf n’djt weniger an die, die parteipolitisch dein Verewigten naheaestanden haben, als