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Kersfelöer Tageblatt

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Nr. 56

(erstes Statt)

Sonnabend, den 7. März

1925

Das Wichtig««.

Die einzelnen Parteien des Reichstages verhan- dein weiter über die Kandidatur des Reichsprä- s i d e n t e n, ohne bisher zu irgendeinem Ergebnis gekommen zr sein.

Der englische Außenminister Chamberlain hielt im Unterhaus eine hochpolitische Rede, in der er sich mit der Be­setzung Kölns und der Sicherheitsfrage beschäf­tigte, und den deutschen Vorschlag als annehmbar bezeichnete.

Wie verlautet, wird der Kontrollbericht Ende Nächster Woche veröffentlicht werden.

Die Deutschen in der Tschechoslowakei haben an den Präsidenten Massaryk eine Erklärung gesandt, in der sie als Grund ihres Fernbleibens bei den Feierlichkeiten zu seinem 75. Geburtstag die unwürdige Behandlung der Deutschen in der Tschechei angeben.

Kriegsschuldfrage?md Kriegsschuldlüge.

Die Kriegsschuldfrage ist ein Kapitel, von dem man in den Ländern unserer ehemaligen Feinde nicht gern etwas hört. Die wahren Ursachen des Krieges liegen noch im tiefsten Dunkel, und die Entente ist eifrig bemüht, den dichten Schleier über diesem Kapitel zu belassen. Zwar ist bekannt, daß sich in allen Ländern eine reiche Zahl von Publizisten mit der Frage der Kriegsursache beschäftigen, und es ist nach ungefährer Schätzung namentlich in Frankreich ein Stab von mindestens 40 Publizisten an der Arbeit, aber nicht bekannt ist, was die Arbeit dieserGeschichtsforscher" bezweckt, ob sie den Schleier zu lüften beabsichtigt oder M etwa noch dichter weben will.

In der Erforschung der Kriegsursache muß man scharf unterscheiden zwischen der Arbeit der Wissenschaft und der

vorwegzunehmen, daß Deutschland während des Krieges die Frage nach den Kriegsursachen reichlich vernachlässigt hat, während andere Länder, z. B. England, sich sogleich dieses Problems angenommen hatten. Aber in allen Ländern tritt doch erst nach dem Kriege die Wissenschaft, die sich mit der Vorgeschichte des Krieges und seinen Ursachen beschäftigt, mehr in den Vordergrund. Die verschiedenen Farbbücher der einzelnen Staaten darf man wohl kaum zu den wissenschaft­lichen Werken zählen. Die Farbbücher sind wegen ihrer meist stark tendenziösen Darstellung der Dinge für die Wissenschaft geradezu wertlos. Wen wundert es heute noch, wenn ein­wandfrei nachgewiefen ist, daß das f r a n z ö f i f ch eG e l b - b uch" von allen Farbbüchern die meisten Fälschungen ent­hält und nicht einmal vor Erfindungen zurückschreckt? Das russische Orangebuch wiederum, in dem man doch eine stattliche Anzahl von Dokumenten erwarten könnte, stellt nur ein dünnes Heftchen dar, in dem man geflissentlich wenig Auf­schluß findet und aus dem die wichtigsten Telegramme fort­gelassen sind.

Was an wirklich bedeutenden Akten bisher norhegt, und was den Anspruch auf objektive Darstellung machen kann, sind auf deutscher Seite die von der Revolution hervor­geholtenKautsky-Akten", die 18 BändeDie Politik der europäischen Kabinette", die auch ins Englische und Französische übersetzt worden sind; in Oesterreich sind Akten erschienen, die eine Ergänzung zu dem österreichischen Rotbuch darstellen sollen. Ueberaus wertvolle Veröffentlichungen hat Sowjet-Rußland in seinemK r a s n y - A r ch i v" herausgebracht. Schon jetzt läßt sich sagen, daß in diesem Krasny - Archiv viele russische Quellen zutage gekommen sind, die bisher völlig unbekannt waren und die ein gutes Stück uns vorwärts bringen in der Erforschung der Kriegsursachen. Von eben­falls sehr hohem Wert sind die Arbeiten des amerikanischen Senators Owen, der die Dokumente wissenschaftlich duvch- gearbeitet und das Ergebnis in einer Rede im Genas zu­sammengefaßt hat, die er in Tausenden von Exemplaren verbreitete. Der Zweck aller wissenschaftlichen Arbeit muß es sein, die Entente zur Oeffnung ihrer Archive zu zwingen, wie man es in England neuerdings vor hat und wofür sich auch bereits in Frankreich eine nicht unbedeutende Anzahl Verständiger einfetzt.

So weit die Wissenschaft. Nun die Politik. Der Polink ist eine ganz andere Aufgabe gestellt, d. h. der reytschen Politik. Sie soll gar nicht die Kriegs, chuldfrage erforschen, das geht über ihr Arbeitsgebiet, nein, sie hat Stellung zu nehmen zu der Kriegsschuld! ü g e. Das ist ganz etwas anderes, und so augenfällig der Unterschied zwischen Kriegsschuldfrage und Kriegsschuldlüge erscheint, so wird er fast stets übersehen unb beide Dinge durchemandergeworfen und namentlich in der deutschen Presse. Allerdings ist der Presse hier ein Vorbild gegeben, dem sie lieber nicht hatte blindlings folgen sollen. In der am 30. August vom Reichs­kanzler erlassenen Kundgebung heißt es m Absatz 2:Die Reichsregierung kann und will aber diesen bedeutsamen Augenblick.....nicht vorübergehen lassen, ohne rn der Kriegsschuldfrage, die seit 1V 19 m,t , chwe- xemDruckauf derSeeledesdeutschenVolkes

l a st e t, klar und unzweideutig ihren Standpunkt darzu- legen." Hier ist ein grober Fehler enthalten. Nicht dik Kriegsschuldfrage lastet seit 1919 auf uns, sondern die Kriegsschuldlüge. Diese Verworrenheit in den beiden Begriffen muß endlich Ordnung kommen, und es ist wirklich nicht Wortklauberei, die wir hier treiben, sondern es gilt die Beseitigung eines groben, eingewurzelten Irrtums. Außer diesem stilistischen Fehler in der Kundgebung hastet die­ser Note ein zweiter Fluch an. Ohne die Presse vorher von dem Wortlaut zu unterrichten, wurde die Kundgebung in die Welt hinausgesandt. Die Folge war, daß sie in den alliierten Ländern viel Staub aufwirbelte, bei dem deutschen Volke aber verpuffte. Hätte man der deutschen Presse durch Be­kanntgabe des Wortlautes die Möglichkeit gegeben, das deut­sche Volk auf diese höchst wichtige Kundgebung vorzuberei- ten, so wäre der Note eine weit größere Wucht gegeben wor­den, sie wäre von der Einigkeit des deutschen Volkes getragen worden. Die Entente-Presse spie Wut über die deutsche Note, zumal die deutsche Regierung diese Kundgebung zu noti­fizieren beabsichtigte. Der französische Botschafter in Berlin, Marguerie, erschien am 7. September bei dem Staatssekretär v. Maltzan und machte ihn in sehr bestimmten Worten auf die verhängnisvolle Wirkung der deutschen Erklärung aufmerksam. Schließlich fürchtete man selbst in Deutsch­land durch die Note eine Erschwerung für die Ausnahme in den Völkerbund. Die Notifizierung unterblieb also, die ganze Aktion verlief im Sande; und dabei kannte man noch nicht einmal die Bedingungen für die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund. Frankreich hielt uns sofort den Versailler Vertrag vor, wo Deutschland im § 231 sich ausdrücklichals Urheber aller Verluste und aller Schäden" bekennt. Poincare - äußerte gelegentlich einer Note an die schwedischen Bischöfe, er hoffe auf dieReue der Deutschen über die Kriegsschuld". So sagt Frankreich es also auch dem neutralen Aus­land, und Deutschland ivehrt sich nicht dagegen, son­dern ist ängstlich bemüht, nicht den Zorn der Entente auf sein Haupt zu ziehen. Nein," umgekehrt. Haben wir uns frei machen können von der Kriegsschuld lüge, so werden wir viel größeres Vertrauen im Auslande erringen, Ädann haben wir ein Recht, für ethische Fiele zu kämpfen !Ms HM-eiM «M^^Wk^M M Sicherheitsfrage" der Entente zu wenden, die auf Deutsch­lands Kriegsschuld ausgebaut ist. Dr. M.

Chamberlain über die Sicherheitsftage.

Der englische Außenminister Chamberlain erklärte für die englische Regierung, daß die einzelnen Punkte der deutschen Verschlungen noch nicht geprüft werden konnten. Es sei jedoch seit längerer Zeit bekannt, daß Deutschland Verfehlungen begangen habe und nicht berechtigt gewesen sei, die Räumung Kölns am 10. Januar zu fordern. Fischer habe um Veröffentlichung des Kontrollberichts, einer Schrift von 162 Seiten, ersucht. Der Veröffentlichung stände nichts im Wege, wenn sie zu einer Lösung der Frage führen werde. Die Absicht der Regierung sei, Deutschlands Regierung und Volk zur Erfüllung der Bedingungen zu veranlassen, die auf Grund des Versailler Vertrages gefordert werden könnten. Auf diese Weise ließe sich die Frist der Besetzung abkürzen. Chamberlain betonte, daß er über die Anhörung Deutschlands nur nach eingehenden Beratungen mit den verbündeten Re­gierungen sprechen könne. Aber auch er stehe auf bem Standpunkt, daß alles geschehen müsse, um die Räumung Kölns zu beschleunigen. Die Sicherheitsfrage sei von un­ermeßlicher Bedeutung. Die Besetzung Kölns beruhe aus­schließlich auf dem Versailler Vertrage und könne nur durch den Vertrag gerechtfertigt werden. Eine willkürliche Ver­längerung der Besetzung sei ausgeschlossen. Die Aeußerung Lord Greys erwühneno, daß die Sicherheitsfrage der Schlüssel zum westeuropäischen Problem sei, erklärte Cham­berlain, daß auch er sich während seiner kurzen Amtsdauer dessen bewußt geworden sei, daß der größte Feind Europas der allgemeine Mangel an Sicherheit wäre. Ohne eine nach allen Richtungen gewährleistete Sicherheit könne es weder einen politischen noch wirtschaftlichen Wiederaufbau geben. Auf die Frage Fischers, ob Deutschland gewisse Vorschläge für ein Bündnis gemacht fjabe, entgegnete Chamberlain, daß Hcrriot bereits das französische Komitee für auswärtige An­gelegenheiten über solche Borschläge in Kenntnis gesetzt habe. Auch er habe vor wenigen Wochen Vorschläge in streng ver­traulicher Form erhalten. Er sei zuerst durch den vertrau­lichen Charakter der Vorschläge mißtrauisch geworden. Der deutsche Gesandte habe ihm jedoch versichert, daß die deutsche Regierung schon lange die Absicht gehabt habe, ähnliche Vor­schläge in Paris, Brüssel und Rom zu machen. Da das jetzt geschehen sei, könne er nur den Schritt der deutschen Re­gierung begrüßen und ihm die größte Bedeutung beimessen. Die deutschen Vorschläge seien mit der größten Aufmerksam- seit zu behandeln, da sie weitgehende Möglichkeiten für Frie- den und Sicherheit der Welt böten. Auf ihrer Grundlage könne der tatsächliche Wiederaufbau Europas erreicht werden. ZuderFragederVerwaltungdesSaargebiets übergehend, sagte Chamberlain, er sei unter Berücksichtigung aller'Umstände'zu dem Entschlüsse gekommen, daß man nichts Besseres tun könne, als den jetzigen französischen Porsitzen- )en der Saarkommission auf seinem Posten zu lassen. In der

D a n z i g e r F r a g e solle man nicht von ihm erwarten, daß er sich durch eine Aeußerung binden werde, die ihn daran hinoern könne, sich der gemeinsamen Entschließung nach ge­meinsamer Beratung anzuschließen.

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Das Problem der Sicherheitsftage.

Lord G r e y äußerte sich in einer Versammlung der libe­ralen Partei über die europäische Sicherheitsfrage. Er erklärte, die Lösung der Frage könne nicht auf der Basis eines alliierten Paktes beruhen. Deutschland müsse dem Völkerbund beitreten und die Vorbedingung zu einem Sicher- Heitsvertrag im Rahmen des Völkerbundes fei, daß Frankreich und Deutschland an ihm den gleichen Anteil hätten. Es gäbe keine Sicherheit für Frankreich, es fei denn, daß eine solche Sicherung gleichzeitig eine Sicherung für Deutschland sei. Nur eine Vereinbarung zwischen Frankreich, England und Deutschland könne die Sicherheit ganz Europas garan­tieren.

In Paris fand unter dem Vorsitz Herriots eine Kon­ferenz am Quai d'Orsay statt, zu der der Kriegsminister, General Rollet, Briand und PaulBoncourthin­zugezogen mürben. Zur Sprache gelangten die Abrüstungs­und Sicherheitsfrage, sowie die bevorstehenden Arbeiten des Völkerbundrates.

Ein Pariser Blatt meldet, daß Botschafter v. Hoesch nach Berlin abreisen wird, um der Reichsregierung über die Verhandlungen mit Herriot in der Sicherungsfrage zu berichten. Herriot soll angedeutet haben, daß ihm an ergeht» zenden Mitteilungen über die deutschen Garantien gelegen sei. In Kreisen der deutschen Botschaft wird erklärt, daß die Nachricht nicht den Tatsachen entspreche.

Zu den Verhandlungen über einen Sicherheitspakt er­klärt der polnische Außenminister: Die von allen and für alle übernommene Sicherheit sei die einzige, mit der man rechnen könne. Auf keinen Fall dürste ein Schieds­spruch den auf dem Versailler Vertrag beruhenden Status quo Europas und bi? Verträge in Frage stellen, nach denen sich das neue Leben Europas vollziehe. Von der Garantie »er westlichen Grenze Polens sei der endgültige Frieden ab- M««. & - . ÄMWÜcheKftelftr hab- die

Sage treffend charakterisiert, indem er sagte, die Verteidigung beginne weder in Calais, noch am Rhein, sondern an den Ufern der Weichsel (!).

Lord Birkenhead hat dem britischen Kabinett vorgeschla- gen, den von Deutschland an geregten Sicherungspast auch ruf Rußland auszudehnen. Es soll ihm gelungen fein, Chur­chill für diese Idee zu gewinnen.

Vorbereitungen zur Beichspräfidenienwahl.

Die Parteien treffen jetzt schon allerlei Vorbereitungen ür die Reichsprüsidentenwahl. Im Vordergründe dieser Vorbereitungen steht die Sorge um "Sammelkandidaten, um Zersplitterungen zu vermeiden. Neben Dr. Iarres, Dr. Luther und Dr. Marx werden jetzt auch schon Namen »es reinen republikanischen Blocks genannt. Einigen sich Zentrum, Demokraten und Sozialdemokraten auf Dr. Marx, dürfte dann die Wahl des vorigen Reichs­kanzlers zum Präsidenten ziemlich sicher sein. Doch hat sich die Sozialdemokratie in dieser Frage zunächst noch nicht ganz entschieden. Ein Teil der Partei ist im Einklang mit den Ausführungen desVorwärts" in dieser Frage be­reit, die Parteiinteressen zurücktreten zu lassen und einen Sammelkandidaten anzunehmen. In diesem Falle würden die Stimmen von vornherein gleichfalls am liebsten Marx gegeben werden.

Ein anderer Teil der S. P. D. steht aber auf dem Stand­punkt, daß durch die Aufstellung eines eigenen Kandi- baten das Interesse für die Wahl vermehrt und zahlreiche Parteimitglieder zur Urne geführt würden.

Für diese sozialdemokratische Parteikandidatur ist, nach- bem Lobe öffentlich abgelehnt hat, der bisherige preußische Ministerpräsident Otto Braun in Aussicht genommen. Die Kommunisten werden in jeden: Falle ihren Wgeordneten T h ä l m a n n kandidieren lassen.

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Der Reichsminister des Innern Schiele hat zur Frage der Neuwahl des Reichspräsidenten an den Reichstagspräst- denten Löbe ein Schreiben gerichtet, in dem als Wahltag für oen ersten Wahlgang Sonntag, der 29. März, und für den zweiten Mahlgang, falls ein solcher erforderlich sein sollte Sonntag, der 26. April, vor geschlagen wird. In dem Schrei­ben heißt es dann weiter:Die Reichsstimmordnung von 14. März 1924 sieht eine Beschlußfassung des Reichstags über den zweiten Wahlgang allerdings erst'dann vor, wenn dir Notwendigkeit eines zweiten Wahlganges feststeht. Da in­dessen eine Beschlußfassung über den zweiten Wahlgang ge- rade in die Osterzeit fallen würde, in der der Reichstag nicht versammelt sein wird, dürfte es sich empfehlen, schon jetzt einen Eventualbeschluß über den zweiten Wahlgang zu fassen. Rechtliche Bedenken bestehen gegen einen solchen Eventual­beschluß nicht. Ich bitte, alsbald einen Beschluß des Reichs­tages herbeizuführen."

Die Bemühungen um eine Legierung in Preußen.

Der Aeltestenrat des Preußischen Landtags tritt Montag reicher zu einer Sitzung zusammen, um endgültig zu entschei'- de.r, ob die Wahl des Ministerpräsidenten Dienstag erfolgen, oder ob sie bis nach der Reichsprüsidentenwahl aüfgeschobeg