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Reisfelder Tageblatt

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Hersselöer Kreisblatt"

stattlicher stazeiser für den kreis HersfelS

Nr. SS Dienstag, den 10. Märr 1925

Das Wichtigste.

Alls Ergebnis der Konferenz zwischen Lham berlain und Herriot in Paris geben die Blätter an, das Frankreich in der Sicherheitsfrage dem englischen Sdandpunkl nicht ganz abichnend gegenüberstehe. Deutschland soll vorerst in den Völkerbund ausgenommen wer. den.

Für den Posten des amerikanischen Bot- schafters in- Berlin werden die Namen des Versicherungs. bankdirektors Halles und des amerikanischen Gesandten in Peking, Schurmann, genannt.

Der bekannte Po-lenführer in Obevs-chlesten Korfanty trat sich in Kadto-witz sehr scharf gegen den von England erstrebten Sicherheitsratt ausgesprochen.

Eine saarländische Zeitung gibt aufsehenerregende Ent­hüllungen über Riesenspritschiebungen im Saar- land, durch die das Reich um erhebliche Summen geschädigt fei

Die ; Lage Italiens.

Die Wirtschaftspolitik Italiens ist feit der Nachkriegszeil darauf gerichtet, die verhältnismäßig junge italienische In­dustrie gegen die Konkurrenz des Auslandes zu schützen. Diese Politik ist ein Schulbeispiel für alle Staaten. Man kann heute ohne weiteres sagen., daß die wirtschaftliche Gesundung Italiens bei weitem schneller vor sich geht als die -der andern alliierten Staaten, vielleicht mit Ausnahnre Englands^ wenn überhaupt ein Vergleich mit England direkt am Platze ist. Die Erhöhung der italienischen Bankrate um % auf 6 Pro­zent findet ihre Erklärung dadurch, daß mit einer Erhöhung des Wechseldiskonts der Abschwächung der Lira gesteuert werden soll. Unter Zugrundelegung der gesamten wirt­schaftlichen Faktoren Italiens kommt man zum Schluß, daß eine zeitweise Verschlechternngderita lienischen Währung nicht die geringste Berechtigung hatte, sondern nur auf die internationale GeDsvekulation

werden muß, kne über ow ^nmmaruug ves Landes nicht orientiert ist. Italien ist heute in Europa ein wirtschaftlicher Machtfaktor, und zwar ein viel größerer, als man schelchthin glaubte. In dieser Erstarkung liegt auch der Kernpunkt der deutsch-italienischen Handelsvertragsverhandlungen, die sich viel schwieriger gestalten, als man in deutschen wirtschaftspoli- tischen Kreisen annahm.

Die finanzielle Lage Italiens ist nach einer Mit­teilung des Credits Italiano eine recht günstige. Die innere Schuld ist vom 30. Juni 1924 bis zum 31. Januar 1925 um 1,4 Milliarden Lire zurückgegangen. In demselben Zeitraum weist der Haushalt einen Mehrbetrag der wirklichen Einnah­men auf. Die italienische Regierung rechnet bestimmt damit, daß dieser Mehrbetrag auch für die Zukunft erhalten bleibt, da er sich aus konstanten Beträgen ergibt.

Auch die Handelsbilanz entwickelt sich dauernd günstig. Das Jahr 1924 weist gegenüber dem Vorjahre einen erheblichen Rückgang des Einfuhrüberschusses aus. Dieser Erfolg liegt in erster Linie an dem Schutzzollsystem der italienischen Regierung. Dieses System ist bisher von jeder italienischen Regierung verfolgt. Die italienische In­dustrie hatte sich schon in der Kriegszeit erheblich emanzipiert, ganz besonders aber nach dem Kriege. Sie hat zunächst mehr und mehr den heimischen Markt erobert und ist heute ein scharfer Konkurrent auf dem Weltmärkte, den in erster Linie England und Deutschland zu fühlen besamen,. die früher die Hauptimporteure Italiens waren. Um sich einen Ueberblick der von der italienischen Industrie erzielten bedeutenden Fortschritte zu machen, berücksichtige man,. daß vor 50 Jahren der Bruttowert der industriellen Produktion knapp 600 Mil­lionen betrug; im Jahre 1913 wurden etwa 3 Milliarden erreicht, und heute werden ohne Zweifel 25 Papiermilliarden übertroffen, was etwa 6 Milliarden Goldlire ausmacht. Auch von dem I m p o r t v o n K o h l e hat sich Italien mehr und mehr gelöst. Das Wachstum der italienischen Industrie mußte auch eine erhöhte Nachfrage nach Kohle bringen, die größten­teils aus England kam. Der Kohleninaport hat sich nicht wesentlich verändert, dagegen hat sich der Verbrauch von elektrischem Strom fast vervierfacht. Die Fabriken in Italien werden, soweit es zulässig ist, größtenteils mit Kraft betrieben. Da das Hauptindustrierevier in der Lom­bardei liegt, werden die alpinen Wasserverhältnisse zur Stromerzeugung ausgenutzt.

Einen noch besseren Maßstab über die Entwicklung der italienischen Industrie bietet eine Betrachtung der Ausfuhr von Fertigfabrikaten. Im Jahre 1913 betrug die Ausfuhr von Fertigfabrikaten 800 Millionen Lire und blieb hiermit wenig hinter der Einfuhr zurück. Zehn Jahre später Ijat ssch das Verhältnis vollständig umgekehrt: 4078 Millionen Ausfuhr von Fertigfabrikaten gegen 2474 Millionen Einfuhr, und dementsprechend im ersten Halbjahr 1924 steht dieser Ausfuhr im Werte von 2279 Millionen eine Einfuhr von Auslandsprodukten mit nur 1404 Millionen gegenüber. Diese Zahlen nehmen nach der Bedeutung zu, wenn man be- denkt daß der Auslandskonsum industrieller Fertigfabrikate fleh wenigstens verdoppelt hat. Demzufolge ist es der Pro- duktionsfühigkeit der italienischen Industrie gelungen, einmal den stetig fortschreitender Bedarf der Ausfuhr zu speisen und, pußevdem den gesteigerten Jnlandskonsmn zu befrie­

digen. Der Devisenmarkt war zwar verhältnismäßig unruhig. Wie schon gesagt, soll die Erhöhung des Wechsel­diskonts diesem Zustande ein Ende machen. Das einzige, was vielleicht eine Belastung der Handelsbilanz erwirken mußte und auch den Devisenmarkt beeinflußte, war die zaem- lich hohe Einfuhr von Getreide.

Aus diesen wenigen Ausführungen ersteht man, daß die wirtschaftliche Lage Italiens anders zu betrachten ist als bis­her. Wenn auch die günstige Handelsbilanz des letzten Jah­res zu einem erheblichen Teile durch den riesigen Export von Südfrüchten, hauptsächlich nach Deutschland, mit" bedingt wurde, so darf man andererseits nicht verkennen, daß die italienische Industrie noch sehr jung ist und trotzdem schon diese Erfolge ihrem Lande bringen konnte. Ihre Expansions- kraft ist jedenfalls ungeheuer groß und sollte nicht unterschätzt werden, speziell von Staaten, die glauben, ihre dortigen Absatzgebiete noch vorzufinden, wie sie vor dem Kriege vor- Handen waren.

In der italienischen Außenpolitik ist inso­fern zwischen Italien und England eine Differenz entstanden, als der italienische Gesandte in Kairo die Forderung Ita­liens auf Abtretung der Oase von Gigrabub verlangte. Man darf den Wert einer solchen Oase im nördlichen Afrika nicht untevschätzen; der gesamte Handelsverkehr der Pro­vinz Cyrenaica, um die Italien mit der Türkei 1910/1911 Krieg führte, wird durch sie bestimmt. Man kann aber heute sagen, daß es Italien nie recht gelungen ist, aus der Cyre­naiea etwas herauszuholen; das Land exportiert nur wenig Südfrüchte. Man glaubte seinerzeit große Bodenschätze vor- zufinden, jedoch die wenigen Bergwerke an der Küste sind im schlechten Zustande und fördern kaum irgendwelche Pro­dukte. Weiter ist das Land von aufrührerischen Stämmen bewohnt, unter denen der Gran Senusso ein ungemütlicher Bursche ist, der den Italienern viel zu schaffen macht. P.

Nach der Zusammenkunft

ChamberlainHerriot.

** und Herriot haben eine klare Gegenüberstellung der fran- zöstschen und englischen Auffassung über die Sicherheitsfrage ergeben. 6s hat sich herausgestellt, daß Chamberlain tät- sachlich über keinerlei weitgehende Vollmachten verfügte und sich in der Hauptsache in den Gesprächen mit Herriot daraus beschränkt hat, die von Lord B a l f o u r beeinflußte, angeb­lich seiner persönlichen Auffassung widersprechende Schluß­folgerung des britischen Kabinetts, zugunsten eines englisch» französtsch-belgisch-deutschen Sicherhettspaktes unter späterer Teilnahme Italiens, aber unter Ausschluß Polens, zu ent­wickeln. Demgegenüber hat der französische Ministerpräsi­dent nachdrücklichst die Notwendigkeit wirksamer Garantien für die territoriale Unverletzbarkeit Polens betont, mit der in den Blättern abgedruckten Erklärung, daß es Polen überlassen bleibt, im Einklänge mit dieser Sicherheit gewisse Zugeständnisse zu machen, offenbar aber einen ersten Rück­zug angetreten. H e r r i o t hat sogar hinzugefügt, daß Polen freundschaftliche Ratschläge erteilt werden sollten. Trotz dieses offenkundigen Entgegenkommens der ftanzösischen Regierung besteht noch kein Grund, auf eine b a l - dige Ungleichung der französischen und der britischen Standpunkte zu schließen, da viel von der Haltung Polens und den deutsch-polnischen Sonderver- Handlungen abhängen dürfte.

Die Besprechungen mit Chamberlain werden wahrschein­lich kommenden Sonntag wieder ausgenommen, da der bri- tische Außennnnffter die Absicht hat, Genf unverzüglich nach Behandlung der wichtigsten, England interessierenden Fragen zu verlassen. Gleichzeitig traf am Montag nachmittag der belgische Außenminister in Paris ein. Die Blätter betonen, daß zwischen Herriot und dem belgischen Mißenminister nur ein Meinungsaustausch in Frage kommen soll, und geben sich der Hoffnung hin, daß Belgien sich der ftanzösischen Stellungnahnre anschließt. Man betont aber, daß Belgien infolge seiner geographischen Lage sich der englischen Bolitik ebenso wie der französischen anpaffen müsse. Im übrigen verbiete die gegenwärtige innerpolitische Lag« vorläufig, außenpolitische Verhandlungen einzugehen.

Der «Stand der deutsch-belgischen Wirtschaftsverhandlungen.

Der Berliner Korrespondent der Antwerpener Zeitung Neptune" hat sich in Kreisen der belgischen Handelsvertrags- delegation, die in Berlin weilt, über den Stand der deutsch- belaischen Handelsvertragsverhandlungen unterrichtet und schreibt seinem Blatt: Seit der vor zehn Tagen erfolgten Wiederaufnahme der Verhandlungen könne eine beftiedigcn- der Fortschritt verzeichnet werden. Deutschland habe neue Zugeständnisse gemacht, die jedoch studiert werden müßten, um eine neue Verständigungbasis abzugeben. Belgischer- feite glaube man, an die äußer ste Grenze der Z n g est ä n d n i f f e gelangt zu sein. Beiderseits sei das Prinzip der Meistbegünstigung angenommen worden, mit Ausnahme für einige junge belgische Industriezweige, zu deren Gunsten Belgien Sonderzugeständnisse erreicht habe Ein außerordentlich wesentlicher Punkt für die belgische In- dustrie sei schon jetzt erreicht, nämlich man werde ein Abkom- men unterzeichnen, durch das sich Deutschland verpflichten

werde, alle Einfuhrlizenzen für belgische E r - zeunisse abzuschaffen. Der Bertrag werde im übri­gen die gegenseitige Niederlassungsfreiheit feftfet^en. Dft Besprechung über den Zolltarif gehe normal vonstatten und es scheine, daß die eigentlichen Verhandlungen in etwa acht bis zehn Tagen abgeschlossen werden könnten. Das vor- gesehene Abkommen werde auf die Dauer eines Jahres abgeschlossen und stiIlschwei- gend von sechs Monaten zu sechs Monaten verlängert, wenn nicht ausdrücklich Kündi. gung erfolgt.

Die obigen Mitteilungen über den gegenwärtigen Stand der deutsch-belgischen Handelsoertragsverhandlungen sind, so- weit wir unterrichtet sind, im allgemeinen richtig. Es ist je­doch noch hinzuzufügen, daß die erwähnten Ausnahmen von der Meistbegünstigung für einige junge belgische Industrie­zweige sich nur auf eine fest begrenzte Uebergangs.zeit be­ziehen und daß von deutscher Seite für die gleiche Zeit ent­sprechende Ausnahmen gemacht werden, ferner, daß auch die Aufhebung der deutschen Ein- und Ausfuhrverbote unter der Voraussetzung der Gegenseitigkeit steht. Nicht richtig ist jedoch die Mitteilung, daß das vorgeschene Abkommen nur für die Dauer eines Jahres abgeschlossen werden soll; es ist vielmehr beabsichtigt, daß nach dem er­wähnten Provisorium das Definitivum sich unmittelbar anschließt. Für die Geltungsdauer des Definitivums ist die Festsetzung eines festen Endtermins von vornherein nicht vorgesehen.

Des neue amerikanische Botschafter in Deutschland

Charles Dewey Hilles wurde zum Botschafter der Vereinigten Staaten in Deutschland ernannt. Er ist ein hervorragender Versicherungsmann und Direktor von vielen Versicherungsgesellschaften und industriellen Konzernen. Früher war er Vorsitzender des Republikanischen Nattonal- ausschuffes, zwei Jahre lang Unterstaatssekretär im Schatz, amt der Bereinigten Staaten und 1911 und 1912 war er Privatsekretär von Präsident Taft. Er gab diesen Posten auf, um als Vorsitzender des Republikanischen Nationalaus-

Tafts K übernehmen. Seine Heimat ist New Aork, aber er ist in Ohio geboren. Er ist 57 Jahre alt und verheiratet.

Reuter berichtet aus New Dork, die Meldung, daß Hilles zum amerikanischen Botschafter in Berlin ernannt worden sei, entspreche nicht den Tatsachen.

Morning Post" berichtet aus Washington, offiziös werde mitgeteilt, daß der Nachfolger Hougthons als Bot­schafter in Berlin Jacob Gould Schurman, der augenblickliche amerikanische Gesandte in China, sein werde. Schurman war im Jahre 1912 amerikanischer Gesandter in Griechenland und hat seither andere hervorragende Stellun­gen eingenommen. Er ist auf deutschen Universitäten er­zogen worden und daher mit dem Deutschen sehr verttaut.

polnische Kundgebungen gegen England und den Sicherbeitspakt.

In Kattowitz fand eine Demonstrationsversammlung statt, die sich mit der Frage des Sicherheitspaktes beschäftigte. Korfanty griff England in einer Rede scharf an. Er betonte, daß, Polen es England zu verdanken habe, wenn es Oberschlesien nicht bis zur Oder restlos bekommen habe. Wenn der Polnischen Republik jetzt noch etwas genommen werden soll, dann könne es nur heißen: Kampf bis zum letz­ten Blutstropfen! Darauf wurde eine dahingehende Ent. schließung angenommen. Wegen der Ueberfiillunq des Saales fand auf dem Wilhelmsplatz eine Parallelversamm- lang statt, in der der Abgeordnete Kwiatkowski (Rybnik), Mitglied des Warschauer Sejms, sprach. Später bewegte sich ein großer Demonstrationszug durch die Stadt.

Vor der Ausstellung der präsidenifchastskandidalen

Die Meldung einiger Blätter, daß der frühere Vize­kanzler Dr. Iarres als gemeinsamer Kandidat der rechts­stehenden Parteien für die Präsidentenwahl ausgestellt worden sei, ist insofern verfrüht, als die offizielle Prokla» mierung des Kandidaten der vereinigten rechtsstehenden Gruppen nicht vor Mittwoch erfolgen dürfte. Das Commu- niquö des Ausschusses der vereinigten rechtsstehenden Par- teien hat absichtlich noch keinen Namen genannt, sondern nur von einem einstimmigen Vorschlag (gesprochen, weil eben in der Kandidatenfrage selbst der endgültige Beschluß noch nicht gefaßt ist. Dies hängt vor allem bamit zusammen, daß noch Verhandlungen mit dem Zenttum möglich sind, die vielleicht zu einer gemeinsamen Kandidatur aller bürgerlichen Parteien (ohne Denwkraten) führen können. Ani Sonntag haben die Vorstände der Neickstags- und Landtagsfmktion des, Zentrums eine ge­meinsame Sitzung über die Kandidatenftage abgehalten, die jedoch schon um deswillen nicht zu bestimmten Schlüssen kommen konnte, iveil die Entiä-eidung in der Kandidaten­frage dem Partemusschuß des Zentrums vorbehalten bleibt, der erst am Mittwoch zuiammentritt. Es hat sich nur um eine Borberatunq gehandelt. Aber es ist möglich, daß dar- aufhin einzelne Delegierte des Zentrums an den nächsten 6.Rungen des Arbeitsan^chusses der rechtsstehenden Par- teien teilnehmen werden, um eine gegenseitige Sondierung über Die Möglichkeit einer gemeinsamen bürgerlichen Kau»