Hersfelöer Tageblatt
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Nr. 60
Donnerstag, den 12. Märi
1025
Das Wichiigsie.
— Zwischen den bürgerlichen Parteien schweben zurzeit Vor Handlungen über die Aufstellung eines gemein1 sauren Kandidaten für die Präsidentenwahl.
— Der Aeltestenrat des Preußischen Landtages hat das Pro gramm für die nächsten Sitzungen festgesetzt und gleichzeitig mit geteilt, daß sich Dr. Marx für die Bildung seines ßa. binetts eine Frist ausbedungen habe.
— Auf der Konferenz des Völkerbundrates in ©enf scheinen Meinungsverschiedenheiten zwischen den englischen und französischen Delegierten über die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund zu herrschen.
— Im Ebert-Rothard-Prozeß wurden die Auslas. sungen des verstorbenen Reichspräsidenten ver. lesen.
Englische Sorgen.
Betrachtet man die englische Außenpolitik seit 1919, so ist man verwundert iiber die unglaubliche Nachgiebigkeit Frankreichs Wünschen gegenüber und staunt über die fast ängstliche Rücksichtnahme auf Amerika. Alles in allem ein Bestreben, auch nur die Möglichkeit eines Konfliktes im Keinem zu ersticken. Wenn England von ausgesprochener Friedensliebe spricht, so muß man es glauben, aus dem einfachen Grunde, weil keine Großmacht der Welt augenblicklich den Frieden so dringend braucht, wie gerade England. Es wird vielfach angenommen, daß in letzter Zeit die eng- liche Politik die franzofenfreundliche. Haltung zugunsten einer Annäherung an Deutschland verlässen habe. Eine solche Annahme ist ein grundsätzlicher Irrtum; die Haltung Englands in allen Angelegenheiten, die Deutschland angehen, ist überzeugend genug. — Von Frankreich und den mit Unterstützung Frankreichs neugebildeten Raubstaaten können wir keine Einsicht verlangen, daß sich aber das an staatsmän- nischer Weisheit so reiche Großbritannien einem Sieg des politischen Widersinns fügt, muß seine bestimmten Gründe
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das Verhältnis der Dominions zum Mutterland die Kar- dinalfrage britischer Politik. Eine der größten Londoner Tageszeitungen beleuchtete vor einiger Zeit in einer Reihe von Leitartikeln die Frage der Dominions und brächte u. a. folgende bittere Wahrheiten: „Wenn die sechs Nationen, die die Hauptmacht des englischen Imperiums ausmachen, nicht in der auswärtigen Reichspolitik übereinstimmen, ist es nur eine Frage der Zeit, wann sie in eine Anzahl unabhängiger Staaten auseinanderfallen werden." England weiß den Ernst der Lage voll zu schützen; das beweist seine Haltung zu dem Genfer Protokoll, zur Sicherheitsfrage und zur Abrüstung. Das Auswärtige Amt macht in diesen Fragen seinen Standpunkt von dem der Dominions abhängig, ganz im umgekehrten Verhältnis zu früheren Zeiten. Im Buren
krieg z. B. war es selbstvevständlich, daß Australien. Neuseeland und Kanada ihre Truppen zur Verfügung stellten. Im Weltkrieg machten die Dominions ihre Anstrengungen für eine Sache, die ihnen fern lag, nur noch zögernd. Am eine Wandlung vollzogen.
Ende des Weltkrieges hatte sich Man denke an die Friedenskonst
erenz, wo die Vertreter der Dominions mit der^Abreife drohten, wenn ihnen nicht die
selben Rechte zugestanden würden, wie z. B. Belgien. England staunte . . . und fügte sich. Die Dominions haben den Friedensvertrag mit unterzeichnet. Nach diesem Schritt konnten sie auch auf der Abrüstungskonferenz in Washington ihre Gleichberechtigung mit dem Mutterland durchsetzen, sogar noch mehr, es gelang ihnen, in gewisser Hinsicht.Englands Politik zu bestimmen. Englands Lösung des einträglichen Bündnisses mit Japan ist auf das Betreiben der Dominions zurückzuführen. In Laufanne kam es bei der Friedenskonferenz mit der Türkei zu einer offenen Auflehnung Kanadas gegen die Absicht des Foreign Office, das im Namen des gesamten Imperiums Frieden schließen wollte. Wich für die Lösung des Reparationspröblems forderten die Tochterstaaten je einen Vertreter als gleichberechtigtes Mitglied im Großen Rat und je einen „Beobachter" und erhielten sie bewilligt.
Man versuchte in London — nach den Erfahrungen des Unabhängigkeitskrieges mit den Vereinigten Staate-, • - bi» von Weißen bewohnten Schutzgebiete durch großzügig Ge- Währung der Selbstregierung an „Old England tu bindern Alle Dominions einschließlich Irland haben jetzt «Hrr ‘igeneu Parlamente und verantwortlichen Kabinette. Sle ermelten sogar — unmittelbar nach dem Kriege — das Rechn Hasste Vertreter bei fremden Staaten zu ernennen. Irlanr ha: bereits einen Gesandten für Washington ernannt, und Kanada dürfte bald folgen. Im übrigen haben die Dominion» Im Jahre 1923 durchgesetzt, daß sie in allen Denjenigen Fra gen, die sie nur selbst angehen, Verträge mit anderen Staaten abschließen können, ferner haben sie auch die Landesverteidigung in eigene Hand genommen, so daß man wohl von bem Begriff souveräner Staaten sprechenkann da zu einem solchen Begriff ein wesentlicher Bestandteil tatsächlich nicht mehr fehlt. . , , ....
Und die Ursachen? 3um Teil in der gesetzmäßigen Entwicklung, denn die Erfahrung lchrt, daß eine Gemein- toast, sobald sie bestimmte Geschlossenheit und wirtschaftliche
Krast erreicht hat, alsdann versucht, ihre Geschicke selbst zu bestimmen. Zum anderen nahmen die Dominions am großen Kriege teil, verfügten plötzlich über eine disziplinierte Armee und sahen . . ., wie sehr stark England selbst auf ihre Hilfe angewiesen war. Selbstverständlich wurde hierdurch ein ungeahntes Selbstbewußtsein ausgelöst, und dieses stärkte automatisch eine früher zwecklos gewesene Opposition. Jedoch liegt die tiefste und für England bedeutungsvollste — wenn nicht gefährliche — Ursache in dem Widerstreit und Auseinandergehen der Interessen. Lassen wir die vorerwähnte englische Zeitung, es handelt sich um die „Times", sprechen: „England hat ungeheure Interessen in Indien, Aegypten, im Irak, in Westindien, Ost- und Westafrika, auf den Südseeinseln, auf seinen Kohlenstationen, zu verteidigen. Seine wichtigsten Aufgaben liegen einmal in Europa, zum andern in der Sicherung der Verbindung mit seinen überseeischen Besitzungen, die sich wie eine Lebensader von Europa zum Suezkanal hinzieht. England weiß, daß es niemals Europa gleichgültig gegenüber stehen kann, denn Frankreich, Spanien, Italien, Türkei und Rußland sind alle in der Lage, seine Devbindung mit Australien und dem Fernen Osten zu stören." — Die Lebensaufgabe der Dominions liegt aller- dings auf ganz anderen Gebieten. Am allerwenigsten bedarf Kanada seines Mutterlandes. Man spielt dort schon alles Ernstes mit dem Gedanken eines Anschlusses an die Vereinigten Staaten, mit denen es ja eine geographische Einheit bildet. „In einem Konflikt Englands mit den Vereinigten Staaten wäre die Lage Kanadas unhaltbar", schrei- ben die „Times". Noch krisenhafter für England ist die Lage in Australien und dem zugehörigen Neuseeland. Es gilt, dieses ungeheure, fast unbevölkerte Gebiet gegen eine mächtig in Fluß befindliche „gelbe Expansion" zu verteidigen. Diese beiden Dominions vermehren entschlossen ihre Wehrmacht und fordern unbedingt den sofortigen Ausbau der Flotten- basis Singapore. Käme England dieser Forderung im gewünschten Matze nach, würde es ohne weiteres eine äußerst gespannte Lage zwischen sich und Japan hervorrufen. Eine solche Lage könnte ungeheure Folgen nach sich ziehen, wobei man nur an eine plötzliche Entladung der weiß-gelben Gegensätze denkt, bei der „die Dominions und Amerika auf der
MMMMMMWMWWMWMWWWMMWWWWM anderen Seite in Schlachtreihe stehen mit Großbritannien der unbehaglichen Rolle des Vermittlers". W. L.
Der Handel um Heuffchlands Aufnahme in den Völkerbund.
Meinungsverschiedenheiten im Völkerbundrat.
Die PariserMorgenblütter berichten über Meinungsverschiedenheiten unter den Mitgliedern des Völkerbundrats. Man ficht sich Fragen von so großer politischer Tragweite gegenüber, daß man schon jetzt glaubt, sie auf der diesjährigen Tagung entscheiden zu können. Es wurde daher vorgeschlagen, eine Reihe der wichtigsten Fragen bis zur nächsten Pölker- bundversamm'lung im September zu vertagen. Der „Matin" weiß zu berichten, daß der Rat diesem Vorschlag mit überwiegender Mehrheit zugestimmt habe. Der „Petit Parisien" weist auf die Gegensätze innerhalb des Rats hin, die in der Abrüstun gskcm troll frage bestanden. Frankreich und die Staaten der Kleinen Entente wünschten, daß die Abrüstung Deutschlands ständig kontrolliert würde, während die Vertreter Großbritanniens und der neutralen Länder nur eine zeitweilige und gelegentliche Kontrolle wünschen. Auch in der Frage, ob der Völkerbundrat für den Fall deutscher Verfehlungen in der Entwaffnungsfrage mit Stimmeneinheit oder mit einfacher Mehrheit Sanktionen beschließen könne, gehen die Ausichten innerhalb des Rats weit auseinander.
Dei Verschiebung der Diskussion über bas Genfer Protokoll auf Donnerstag vormittag wird in politischen Kreisen auf Meinungsverschiedenheiten zwischen Briand und Cham- berlain zuriickgefühtt, die sich in der Frage der abzugebenden Erklärung, die eine mittlere Linie enthalten soll, nicht einigen könnten, da die Frage des Genfer Protokolls eng mit der Frage des Fünferbundes unter Garantie der Ostgrenze Deutschlands verbunden ist. So wurden die Erklärungen der englischen und französischen Regierung auch das Sicherheits- Problem behandeln müssen. Briand hat in Genf erneut zu verstehen gegeben, wie schwierig und unausführbar es für bu neue französische Regierung sei, wenn ein solches Abkommen sich auch nur indirekt gegen Polen richte. Für die Regierung Herriot würde dies den Sturz durch die Rechte der Kammer bedeuten, da sich auch zahlreiche Anhänger Herriots niemals zu einer Opferung (?) Polens verstehen würden. Die em- zige für Frankreich annehmbare Lösung sei daher Deutsch- lands Eintritt in den Völkerbund, der ohne alle Vorbehalte erfolgen müsse. Wenn Deutschland erst einmal Mtiglied sch dann könnten die Verhandlungen über den Sicherheitspatt unter der Aegide des Völkerbundes beginnen. Diese Stellung, nahn« Briands ruft die Erinnerung an die Bersailler Tage wach, in denen gleichfalls die Parole ausgegeben wurde, Deutschland müsse jetzt den Vertrag unterschreiben, dann wurden ihm weitgehende Erleichterungen eingeraumt. Der eng- lisch« Standpunkt lautet, daß das Sick«rheitsproblem mit der Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund zu ver- Darben und Deutschland bereits in nicht allzuferner Zukunft zum Eintritt in den Völkerbund zu bewegen sei.
Der Völkerbundrat einigte sich in einer geheimen Sitzung darauf, da ßDeutschland tm Völkerbund« und Völkerbundrat
willkommen sei, doch dürfe es keine besondere Behandlung fördern. In der heiklen Frage der angeblichen Abrüstungs- oerfchlungen wurde ausgeführt, alle Anträge für die Mitgliedschaft müßten durch die militärische Kommission geleitet werden, deren Pflicht es sei, zu entscheid««, ob die militärischen Verpflichtungen erfüllt wurden.
Krankst eich beharrt auf dem Genfer Vrotokoll.
In Paris fand unter dem Vorsitz Herriots eine hochbedeutsame Besprechung statt. Die Stellungnahme Frankreichs zu dem Genfer Protokoll bildete Hauptgegenstand der Aussprache. Nach übereinstimmender Auffassung der Anwesenden kann Frankreich unmöglich auf das Genfer Protokoll verzichten. Nach der Sitzung wurde ein offizieller Bericht ausgegeben, in dem es außerdem heißt: Frankreich habe keine Bedenken dagegen, daß der Völkerbund bei der Tagung im September Abänderungs- anträge zu dem Protokoll beschließe. Briand wurde von dem Ergebnis der Konferenz verständigt und beauftragt, in der Donnerstagtagung des Völkerbundrates die vorstehenden Ge- dankengänge in seiner Erwiderung auf die Rede Ehamber- lains zu entwickeln. Die Blätter weisen überernftimmenb darauf hin, daß der Beschluß der französischen Regierung nicht als eine leere Geste zu deuten sei.
Botschafter Houghton gegen Sie Verleumdungen von den deutschen Rüstungen.
Der bisherige Botschafter der Vereinigten Staaten in Berlin, Houghton, ist in New Park eingetroffen. In einer Unterredung mit Pressevertretern wies Houghton in allerschärfster Weise darauf hin, daß die angeblichen deutschen Rüstungen, wie sie die Kontrollkommission Deutschland zum Vorwurf mache, in Wirklichkett nicht beständen. Derartige Berichte erhalte man täglich zum Morgenkaffee vorgese^ Er könne versichern, daß sie nicht zuträfen. Deutschland hätte vollständig abgerüstet. Daß einige Verblendete vielleicht ein paar hundert Gewehre gesammelt hätten, könne an nicht jetzt. Außerdem pries der Botschafter den Dawesplan, durch den sich die Verhältnisse in Deutschland wie durch ein Wunder gebessert hätten.
Kontrollbesuch beim Altwarenhändler.
Bis zu welchem Grade der Lächerlichkeit die Entwaff- nungskontrolle gediehen ist, beweist der Besuch einer Militär- kontrovkomniisston, bestehend aus einem italienischen Major und einem französischen Hauptmann, in der Altpapier- und Alteisenhandlung Joseph Duschl in München, bei dem gefähr- iche Gegenstände lagern sollten. Es handelte sich um eine blecherne Marmeladen-Büchse, die acht kleine Spiralfedern, vier weitere kleine Federn und einige andere überzählige Ersatzteile eines Geschützabzuges im Gesamtgewicht von etwa sechs Pfund enthielt. Ein Arbeiter erhielt den Auftrag, die Stücke mit dem Beil zu zerschlagen und die zerschlagenen Gegenstände auf das Büro der Ententekommission zu bringen. Die Ersatzteile stammten von einem Artillerieregiment, das sie an die zuständige Stelle abgeliefert hatte. Von hier wurden sie für wenige Pfennige an die Alteisenhandlung verkauft.
Krankreichs wah.^e Intepeffeu am -ihein« Grftenkana«.
Die Mühlhauser Handelskammer hat beschlossen, zur Denkschrift vom 27. Februar der rheinischen Handelskammern gegen den französischen Rheinseitenkanal eine Gegen- Denkschrift zu veröffentlichen. Da Mühlhausen weder am Rhein liegt, noch sonst Interessen an der Rheinschiffahrt
läßt die Tatsache, daß Mühlhausen, und nicht das an der iffahrt unmittelbar interessierte Sttatzburg den Schritt unternehmen will, darauf schließen, daß die Straßburger Handelskammer zur Verschleierung ihrer Interessen Mühl- Harisen vorschieben will, oder aber, daß der Rheinsettenkanal für die Franzosen keine lÄchiffahrtsftage ist, sondern ben Interessen der Mühlhausener Industtie dienen soll.
Verhandlungen über einen bürgerlichen EinheitS« fandidaten bei der Michspräsidentenwahl.
Der unter Borsitz des Staatsministers von Loebell gebildete Ausschuß der Deutschnationalen Dolkspartei, der Deutschen Volkspartei, der Bayerischen Volkspartei und der Wirtschaftlichen Vereinigung sowie der in Betracht kom- menden Organisationen'hat mit Vertretern der Zentrums- parier und der Deutiäym Demokratischen Partei über eine etwaige gemeinsame Kandidatur der im -Ausschuß vertretenen Parteien und Organisationen sowie des Zentrums und der Demokraten beraten. Von den im Ausschuß vertretenen Parteien und Organisationen wurde den Vertte- fern des Zentrums und der Demokraten erklärt, daß der im Ausschuß vorbereitete Vorschlag einer Kandidatur Sattes aufrecht erhalten werde. Sollte aber der Partei- ausschuß des Zentrums, wie die Deuffche Demokratische Partei es bereits getan hat, sich für eine gemeinsame burger,