yersfelöer Tageblatt hersfetöer Kreisblatt" Amtlicher /inzeiger für Sen Kreis Hersfelö
Nr. 67 Freitag den 20. März 1925
Anzeigenpreis für die einspaltige Pelltzells 10 Pfg. für amtliche und auswürige Anzeigen 15 Pfg., die Reklamezeile 50 Pfg. Bei Wiederholungen Dachlab. + Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk In Bersfeld. + Fernsprecher Dr. &
Der Bezugspreis betrügt durch die Post bezogen monatlich L— Mk., ausschlieBl. Bestellgeld, für Bersfeld 1.— (Dk. bei freier Zustellung, Abholer —.80 Mk. * Druck und Verlag von budwig Funks Buchdruckerei In Bersfeld, (Ditglled des VDZV.
Das Wichtigste.
— In der Sonnerstagsfitjung des Landtages gab der Banb' tagspräsident bekannt. daß Dr. Ptarx die auf ihn gefallene Wahl zum Ministerpräsidenten in Preußen nicht annehme.
— Die seit langem schwebenden deutsch.belgischen Wirtschaftsverhanöluage» sind zum Abschluß gekommen.
MM
Marx verzichtet.
Wie im Landtag bekannt wurde, hat Marx nunmehr dem Landtagspräsidium davon Kenntnis gegeben, daß er die anf ihn gefallene Wahl zum Ministerpräsidenten nicht an- nehme. Die Fraktionen verhandeln zurzeit über weitere Maßnahmen, die zur Bildung eines reinen Beamtenkabinetts führen sollen. Der Aeltestenrat ist zur Beratung zusammengetreten, um die Geschäftslage des Hauses zu be- sprechen. Mtt einer Verschiebung der Donnerstag-Plenarsitzung wird in Abgeordnetenkreisen nicht gerechnet, wohl aber mit der Absetzung des Punktes „Entgegennahme einer Erklärung des Herrn Ministerpräsidenten"; auch dürfte die Neuwahl des Ministerpräsidenten nicht sofort erfolgen.
England zur prösidentschaftskandidaiur Marx.
Die deutsche Präsidentschaftswahl findet in der englischen Presse steigendes Interesse. Der Berliner Korrespondent der „Times" ist der Meinung, daß der Kandidat des Zentrums, Marx, keinen sehr glücklichen Anfang seines Feldzuges zur Präsidentschaft gemacht habe, denn er hätte mit der Kandidatur für die Präsidentschaft und gleichzeitig mit dem Posten des preußischen Ministerpräsidenten auf zwei Pferden gesessen. Er habe dadurch und infolge andrer Umstände in letzter Zeit viel von seiner Popularität, die er als Kanzler gewonnen hätte, verloren.
Die Nationalliverale Landespartei Bayerns für Larres.
Der geschäftsführende Landesausschuß der Nationalliberalen Landespartei Bayerns hat sich einstimmig für die Kandidatur Sarres ausgesprochen.
Sitzung des Aufweriungsausschuffes.
In der Donnerstag-Sitzung des Aufwertungsausschusses des Reichstags erklärte Reichsjustizminister Dr. Frenken, daß im Kabinett inzwischen die entscheidenden Entschließungen über den Aufwertungsgesetzentwurf gefaßt seien und die Einbringung des Gesetzentwurfs unmittelbar bevor st ehe. Im Anschluß daran ersuchte Abgeordneter H e r g t (Dnatl.) die Regierung, schon am Freitag im Plenum bei der Beratung des Gesetzentwurfs über die Verlängerung der Aufwertungsfrist die Hauptpunkte der gefaßten Kabinettsentschließungen mitzüteilen, damit die Beunruhigung im Lande nicht weiter um sich greife.
Abschluß der Wirtschattsverhandlungen mit Belgien.
Die Wirtschaftsverhandlungen zwischen der deutschen und der belgischen Handelsvertragsdelegation sind zum Abschluß gelangt. Die Delegationen haben sich über den Text des Abkommens sowie über die zolltariflichen Abmachungen vorbehaltlich der Zustimmung ihrer Regierungen geeinigt. Die belgische Delegation ist nach Brüssel zurückgekehrt, um die Zustimmung ihrer Regierung einzuholen.
Die übliche Pariser Hetze.
Das Pariser „Petit Journal" veröffentlicht folgende Nachricht aus Berlin: In der Umgebung Stresemanns rechnet man mit Schwierigkeiten zwischen Moskau und Warschau. Man nimmt an, daß die Sowjetregierung, die sich in ihrem Prestige bedroht fühlt, ein Ablenkungsmanöver auf die polnischen Grenzen versuchen wird. Das ergäbe für Deutschland eine günstige Gelegenheit, Polens Sicherheit zu bedrohen. Stresemann wünscht, daß die Frage des Garantiepaktes vor der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund geregelt wird.
polnische Phantasien.
Ein Pariser Blatt bringt einen Warschauer Bericht, der Aufsehen erregende Angaben über kriegerische Vorbereitungen des polnischen Generalstabes bringt. Polen, so heißt es, erwägt angesichts der letzten Pariser Verhandlungen ernstlich die Möglichkeit eines Krieges, der von einem Augenblick zum andern ausbrechen kann. Sollte Frankreich der Räumung Kölns und den englisch-deutschen Sicherungsvorschla- gen zustimmen, so werde sich der polnische Generalstab veranlaßt sehen D'"-^ zu besetzen. "W" Man« polnischer Truppen sind, wie von polnischer Seite zugegeben wird, vor Danzig zusammengezogen. Diesen stehen zwei deutsch« Divisionen gegenüber (?), die, sobald die polnischen Truppen auf Danzig marschieren, versuchen werde«, den.polnischen
Korridor abzuschneiden. Der polnische Generalstab mißt der Anhäufung russischer Truppen an der polnischen Grenze keine Bedeutung bei, da eine russische Offensive nicht vor dem Frühjahr unternommen werden könne.
Polen und die Sicherheitsfrage.
Aus der ausführlichen Wiedergabe der Erklärungen des polnischen Außenministers Skrzynski geht hervor, daß Polen erstens den Plan Dr. Beneschs einer Zusammenfassung sämtlicher Oststaaten ablehnend gegenübersteht und sich zweitens mit dem Gedanken eines Garantiepaktes der Westmächte unter Einschluß Deutschlands unter der Voraussetzung abzufinden scheint, daß Deutschland dem Völkerbund baldigst beitritt. Für Polen bestehe kein Grund, der kleinen Entente beizu- treten, die lediglich einen Bund der Donaustaaten darstelle. Polen habe mit Rumänien einen Vertrag zur Sicherung des Friedens abgeschlossen, verhandele mit der Tschechoslowakei und hoffe, mit Jugoslawien bald wichtige Wirtschafts- und Schiedsgerichtsverträge abschließen zu können. Das alles stehe mit einem Garantiepakt der Ostmächte in keinem Zusammenhang. Das Sicherungsproblem bildet ein Ganzes. Man könne nicht einen Teil der neuen europäischen Ordnung schützen und von dem Schutz des anderen absehen. Polen werde mit der Tschechoslowakei nutzbringende Verhandlungen beginnen und alle Schiedsgerichts- oder Sanierungsvorschläge prüfen, auch wenn sie von Deutschland herrührten. Vor allem müsse aber eine Verständigung zwischen den Verbündeten zustandekommen. Ein Garantiepatt könne erst unterzeichnet werden, wenn Deutschland in den Völkerbund eintrete, weil es dann nicht nur Artikel 19, sondern auch die Artikel 10 und 16 des Völkerbundpaktes ausdrücklich anerkenne. Vorläufig wolle er jich jeder Kritik der deutschen Vorschläge enthalten. Man müsse genauere Angaben abwarten, ehe eine Stellungnahme überhaupt möglich sei. Es sei so viel von der Räumung des Rheinlandes, von Grenzberichtigungen im Osten unter Eingliederung Oesterreichs in Deutschland die Rede gewesen, daß man ein wenig mißtrauisch werden könne. Es sei allerdings kein Grund, einer Unterhaltung auszu- weichen, weil sie Gefahren in sich berge.
Ein Londoner Blatt berichtet, daß jetzt wieder Verhandlungen zwischen den englischen und deutschen Finanzministerien und dem Generalagenten für die Reparationen über die 26prozentige Reparationsabgabe und die Methode der Erhebung stattfinden. Man habe eine neue Formel gesunden, und hoffe, mit ihr endlich die Schwierigkeiten überbrückt zu haben.
Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs im Eisenbahner Konflikt.
Das Reichsarbeitsministerium hat den Schiedsspruch im
Lohnkonflikt der Reichseisenbahner für verbindlich erklärt.
Die Reichsbahngesellschaft berät augenblicklich noch über oie Möglichkeiten, die dadurch entstehenden Mehrausgaben aus- zugleichen. Sie wird aber auf jeden Fall den Spruch trotz lebhafter rechtlicher und finanzieller Bedenken annehmen.
Ehamberlain im Kabinettsrat.
Am Donnerstag fand in London ein besonderer Kabi- nettsrat statt, der ausschließlich der Aufgabe diente, den Hauptbericht Austen Ehamberlains über seinen Besuch in Genf und seine Unterhaltungen mit Herriot in Paris über die Sicherheitsfrage entgegenzunehmen.
3m Zeichen der Abrüstung.
Die französische Armeekommission hat eine Sitzung ab- gehalten und den Leiter der technischen Abteilung des Infanteriewesens über die Vervollkommnung der automatischen Handwaffen vernommen. Es wurde auch über die Versuche mit einem neuen Maschinengewehr berichtet.
Ein serbisches Blaubuch über den österreichisch, serbischen Konfliit.
In den nächsten Tagen wird in Belgrad ein Blaubuch der serbischen Regierung über die Ereignisse, die dem öfter- reichisch-serbischen Konflitt vorangegangen sind, erscheinen. Die jugoslawischen Vertreter im Auslande wurden angewiesen, die Regierungen auf die Kampagne der ausländischen Presse gegen Jugoslawien aufmerksam zu machen.
Neue Niederlage Eoolidges.
Präsident Coolidge hat im Senat wiederum eine Niederlage erlitten, denn die vorgeschlagene Ernennung Woodlocks zum Mitglied der zwischenstaatlichen Handelskom- mission wurde im Senat abgelehnt. Schon der letzte Kongreß hatte gegen die Ernennung Onnmition betrieben. Dies hinderte jedoch den Präsidenten nicht trotz seiner letzten Niederlage Woodlock dem Senat vorzuichlagen trotzdem m schon allgemein glaubte, Eooltdge habe auf die Ernenn - Woodlocks verzichtet. Besonders Icharfe Opposition haben die Demokraten der Südstaaten gegen diese Ernennung gemacht, und der neue Schritt Eoolidges hat bei ihnen eilten Entrüstungssturm hervorgerufen. —----
Reichstags-Untersuchungsausschuß
für Barmat-Kutisker.
Der Untersuchungsausschuß des Reichstages trat am Donnerstag vormittag wieder zusammen. Zunächst wird Prokurist Echarwenka vernommen seinerzeit Leiter der Schmatzabteilung der Reichsiettstelle. An den Verhandlungen mit Barmat über bedeutende Schmalzlreierung im Beträge von 6000 Tonnen hat Zeuge selbst nicht teilgenommen. Es war im Juli 1919. als die Kontrakte abgeschlossen wurden. Wie Zeuge erfahren hat, sind sie auf Anweisung aus dem Ministerium getätigt worden ES sollte ein Kreditgeschäft sein, in Wahrheit gab aber nicht Barmat den Kredit, sondern das Deutsche Reich. Nach Aussagen des Vertreters der Fettstelle im Holland, R o m m e l, soll Barmat mit diesen Scheinen in Holland einen schwunghaften Handel getrieben haben. Barmal kam in Schwierigkeiten mit der Lieferung, und die Kontrakt« wurden annulliert.
Der Untersuchungsausschuß für die Landespfandbriefanstalt.
Der Landtagsausschuß zur Untersuchung der Vorgänge bei der Pfandbriefanstalt Geheimrat Fischer zur Frage der Revision. Landes-Pfandbriefanstalt vernahm den Staatskommissar her Der Zeuge erklärt, er habe seine Tätigkeit nur als Treuhänder aufgefaßt. Ihm sei nicht bekannt, daß bereits 1923 satzungs. widrige Geschäfte stattgefunden hätten, um die Anstalt zu halten und die Gehälter der Beamten bezahlen zu können. Auch darüber könne der Zeuge keine Aussagen machen, weshalb der stellvertretende Kommissar Nisle seine im Nlärz 1924 unterbrochene Revision nicht fortgesetzt habe. Es sei ihm auch kein Bericht über die Buchhaltung und Korrespondenz erstattet worden. Auch von dem E tz d o r ff - Geschäft hab« er nichts erfahren. Der Zeuge Meyer äußert sich darauf zu der Interessengem-sischaft Psaud- briefanstalt - Wohnstäitenbank. Die Umstellung der Wohnstätben- bank sei in engster Fühlung mit der Pfandbriefanstalt und den zuständigen preußischen Ressorts erfolgt. Von Spekulationen sei dem Zeugen nichts bekannt geworden. Die Bodenstättenbank habe überschüssige Gelder bei der Pfandbriefanstalt angelegt. Abgeord. neter R i e d e I (Dem.) bemerkt, daß eine Revision von 2^ Stunden genügt hätte, um aus dem Kontokorrent die Unregelmäßigkeiten zu erkennen. Hieraus außen sich der stellvertretende Kommissar für die Psandbriesanstalt, Dankdirektor Nisl«, über seine Revisionstätigkeit. Der Zeuge Nisle erklärte, die Revision der er nicht fortgesetzt, weil die Forderung der vierteljährlichen Berichterstattung, wodurch allein die Ueberwachung durchgeführt werden könne, nicht erfüllt wurde. Man habe die Ueberzeugung gehabt, daß die Landes-Pfandbriesanstalt nicht entwicklungsfähig wäre. Es stellt sich heraus, daß sich in den Büchern der Landes- Pfandbriefanstalt, besonders in der Zahlenrubrik, viele radierte Stellen und Fahlcnänderungen vorgefunden haben. Einmal habe es sich bei dem Konto Z i tz e w i tz um die Zahl von 500 000 M. gehandelt. Nisle wird beauftragt, dem Ausschuß darüber genaue Verzeichnisse vorzulegen.
Der Tscheka-pro;eß.
Im Leipziger Tscheka-Prozeß wurde der Strafgefangene Almstedt vernommen, der vom Staatsgerichtshof wegen Bil- dung von Partisanengruppen in Pommern zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Er sagte, daß ihm Neumonn aufgetragen habe, in Pommern Nachrichten über die Reichswehr und die nationalen Verbände zu sammeln, und die Zersetzungstätigkeit zu organisieren. Darauf bekundete der Untersuchungsgefangene Heidcnreich. der mit König und Diener in einer Zelle unter- gebracht war, daß er von König mit allen Mitteln ausgehorcht ucni sogar bedroht und geschlagen worden sei. Von großer Bedeutung war die Vernehmung einet Frau Hofsmann aus Berlin, die vor wenigen Wochen auf der Polizei in einer Photographie Skcblew- skis den Herrn erkannt hat. der bei ihr unter dem Namen Herrmann gewohnt hat. Skoblewski gibt das zu, verweigert aber febe weitere Auskunft darüber. Die Zeugin kann sich zunächst nicht auf die Zeit befinnnen. Es wird ihr vorgehalten, daß Skoblew- ski angebe, erst am 27. Februar nach Berlin gekommen zu sein. Schließlich erklärt die Zeugin schluchzend unter lautloser Stille im Verhandlungssaal, daß Herrmann schon vor Weihnachten bet ihr gewohnt habe. Die Mitteilung ruft allgemeine Bewegung hervor. Skoblewski lehnt nach wie vor jede Erklärung dazu ab. Es wurden dann einige Untersuchungs- und Strafgefangene vernommen.
Der zweite Nothar-t-prozeß.
Im Magdeburger Rothardt-Prozeß wurde der Zeuge Syrig vernommen. Er behauptete mit Bestimmtheit, daß auch Ortzel mit in Treptow gewesen sei. Er habe auch mitgestreikl. Der Zeuge wiederholt seine Bekundungen, daß Ebert dazu aufgefordert habe, dem Gestellungsbefehl keine Folge zu leisten. Aus Befragen erklärt der Zeug« weinr. daß er durch Pfarrer Koch in den Prozeß gebracht worden sei. Mit erhobener Stimme stellt er fest, daß ihm weder von 'inks noch von rechts irgendwelche Versprechungen gemacht worden feien. Zeuge bestreiket im übrigen alle Angaben Ursels über Aeußerungen, die er getan haben soll. Zeuge Ortzel. der Syrig dann gegenübergeftedt wird betont, daß er alles was er heute gesagt habe Hundenmal beschwören könnte. Rechtsanwalt Dr Mart i n beantragt, Landgerichtsdirektor Beversdorff als Zeugen darüber zu laden, ob Strip und Ortzel sich schon in der ersten Verhandlung wie Ramt^habne aeoer verstanden Ge- neralstoatsanwalt Starr ” s ':■ f" :en GebertS
und Syrigs über die Aeußerungen Eberts für unwahr halte. Die Beweisaufnahme ging dann zu dem Kriegsgerichtsverfahren über, in dem Dittmann als Redner in Treptow wegen Landesverrats verurteilt wurde. Verschiedene Zeugen bestätigten, daß Dittmann zum Ausharren im Streik aufgefordert habe. Eeneralftaatsan- walt und Verteidiger beantragten erneut die Ladung weiterer Zeugen.