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Reisfelder Tageblatt

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"'"ä Amtlicher Mzeiger für den Kreis Hersfelö !

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Nr. 74 Mer AM)

Sonnabend, den 28. Mär;

1925

Das Wichtigste.

Die Reichspräfidentenwahl am Sonn­tag läßt alle Parteien noch in letzter Stunde lebhafte Agitation entfalten.

Die deutsch-französischen Wirtschafts- v erhandlungen sind wieder im Gange.

Die Veröffentlichung des Aufwer - tungsgesetzes wird von den verschiedenen Parteien lebhaft besprochen.

Sicherhettspakt und Völkerbund.

Die Antwort auf die deutsche Note vom Dezember an den Völkerbundrat war die Einladung zum Eintritt in den Völkerbund. Die Entscheidung, vor die Deutschland dadurch gestellt wird, ist derart schwierig und bedeutsam für unsere Zukunft auf viele Jahre hinaus, wie kaum ein anderes Ereignis seit Versailles. Ueberdies ist die Einladung außerordentlich geschickt und höflich abgefaßt wor­den, daß eine Ablehnung deutscherseits von der öffentlichen Meinung in den alliierten Ländern zweifellos übel vermerkt werden würde. Die Einladung besagt bekanntlich, daß wir als Großmacht anerkannt, auf Basis völliger Gleichberechti­gung einen ständigen Sitz im Rat erhalten sollen. Das ist zwar nicht mehr, als was uns zukommt, doch muß man den guten Willen anerkennen. Die' Entscheidung wird durch den verhängnisvollen Artikel 16 unglaublich erschwert. Be­sagter Artikel würde uns verpflichten, mit jedem Staat, der ein Mitglied des Völkerbundes angreift, Handel und Verkehr abzubrechen, den Durchzug von Truppen zur Bekämpfung des angreifenden Staates zu gestatten, und einen Teil der eigenen Wehrmacht zu diesem Unternehmen auf Anfordern des Völkerbundrats zur Verfügung zu stellen. Die Ueber­nahme einer solchen Verpflichtung ist für uns einfach unmög­lich, da wir dann Gefahr laufen, daß unser Land zum Kriegs­schauplatz gemacht wird. Selbstverständlich wäre es den Fran- sich auch, daß verschiedene maßgebende Pariser Blätter, die ständig das Absurde einer Gleichberechtigung Deutschlands betonten, mit einem Male erklärten, daß wir nicht zögern dürfen, schnell in den Völkerbund einzutreten, der uns mit offenen Armen in Genf empfängt.

Dagegen haben wir ein Sicherheitsabkom'men angeboten, das die Westgrenze garantiert, jedoch und mit vollem Recht die Forderung einer gerechten Abänderung unserer Ostgrenzen aufrechterhält. Gegen diesen sogenanntenPakt zu Fünfen", dem England, Frankreich, Belgien, Italien und Deutschland angehören sollen, sträubt sich Frankreich aus erklärbaren Gründen, möchte es doch viel lieber eine Entente zwischen England, Belgien und sich, die schließlich sich doch mal wider Deutschland wenden müßte. Jedoch England will sich diesmal den französischen Forderungen nicht unter­werfen. Lloyd George erklärte kürzlich, daß England nicht noch einmal bieten könne, was Frankreich damals durch die Quertreibereien Millerands und Poincaräs vereitelt hat. Aus diesem Grunde will England den Pakt unter Einschluß Deutschlands und setzt sich für die beufftfjen Borschläge beim Völkerbund, d. h. Frankreich gegenüber, ein. Allerdings scheint England weniger um Deutschland, als um seine eigene Sicherheit besorgt zu sein, denn es fürchtet, daß Deutschland, sofern die Entente in verstärkter Form wieder erstehen sollte an die Seite Rußlands getrieben werde. Es ist für uns unmöalich, unter den uns vorgesetzten Bedingungen dem Völkerbund beizutreten, da wir uns verpflichten müßten, gegen Rußland zu Felde zu ziehen, wenn es die von seiner Bevölkerung bewohnten Grenzgebiete von den Polen zurückzunehmen beabsichtigt, oder irgendwo einen Versuch machen sollte, seine Grenzen zu erweitern, Fälle, die am leich­testen eintreten können. Bei einem Eintritt in den Völker­bund würde also die Gefahr eines Bündnisses Deutschland mit Rußland beseitigt kein, zur Genugtuung Frankreichs Es muß uns deshalb mißtrauisch machen, daß französücher- seits erst der Beitritt z um Völkerbund gefordert wird, ehe der Fraae eines Sicherheitspaktes näheraetrcten werden könne. Wie, wenn nun bei einem russisch-polnischen Konflikt (ein Gedanke, der leicht zur Tatsache werden Knuten das deutsche Land zum Krieasschastplatz gemacht werden würde, auf dem alsdann die Franzosen das im Weltkrieg nicht geschaffte Ziel einer völligen Zertrümmerung Deutsch lands beenden würden? Wer gibt uns Garantien?

Dies sind alles Gründe, aus denen dem Völkerbund im deutschen Volke keine Achtung entgegengebracht werden kann. Trotz dieser nicht abzuleugnenden Tatsache haben wir uns nicht kindisch trotzend beiseite gestellt, das hätte in der Politik ja auch keinen Zweck, sondern unter Ausschaltung unseres Gefühls dem Völkerbund das Wort geredet. Er hat ein längeres Leben, als manch einer dachte, und 'bleibt auch schließlich für uns von gewisser Wichtigkeit. Wir müssen immer wieder betonen, daß ein glattes Eingehen auf die Einladung gefährlich ist, denn alle Vorteile, die uns als Mitglied er- wachsen könnten, würden die Nachteile nicht aufwiegen können, die uns als ein unbetnaffnetes, u miein Bestehen ringendes Volk, durch die Verpflichtungen, besonders des Ar­tikels 16, auferlegt werden würden. Zunächst muß beetc Frage seitens des Völkerbundrates in klarer, einwandfreier Weise beantwortet werden. W. L.

Der 29. März

ist der Tag der ersten Reichspräsidentenwahl. Es ist Pflicht jedes Wahlberechtigten, au der Wahlurne zu erscheinen und von seinem höchsten Bürgerrecht Gebrauch zu machen. Erfüllt jeder diese seine Bürgerpflicht, so ist Aussicht vorhanden, daß schon im ersten Wahlgang der Reichspräsident gewählt wer­den kann. Tue jeder seine Pflicht, übe jeder sein Wahlrecht aus.

Dr. Iarres in Karlsruhe.

In Karlsruhe traf Dr. Iarres ein, begrüßt von den Der- tretern der Parteien und Verbände des Reichsblocks. Nach einem kurzen Aufenthalt im Schloßhotel begab sich Dr. Iarres nach dem kleinen Festhallensaal, um mit den Vertretern des politischen und wirtschaftlichen Lebens in nähere Verbindung zu treten. Da sich Dr. Iarres in den letzten Tagen eine Er­kältung zu gezogen hatte, mußte sich der Empfang in engerem Rahmen, als vorgesehen, abspielen. Schon eine Stunde vor der festgesetzten Zeit war der Festhallensaal bis auf den letzten Platz besetzt. Der Wahlausschußvorsitzende, Dr. Wa­ge n e r , begrüßte Dr. Iarres mit herzlichen Worten. Darauf ergriff Reichstagsabgeordneter Dr. Curti u s das Wort zu einer längeren Begrüßungsansprache. Hierauf ergriff Dr. Iarres, von einem begeisterten Beifallssturm begrüßt, das Wort zu einer Rede, die vielfach von Zustimmungskund- ge-bungen unterbrochen wurde. Nach dem Iarres am Schluß feiner Rede auf das Einigende und Gemeinsame des Deut­schen Volkes hingewiesen hatte, schloß er mit einem dreifachen Hoch auf das deutsche Vaterland.

Die Rede Dr. Hellpacks im Berliner Sportpalast-

Im Berliner Sportpalast fand Donnerstag abends eine große Kundgebung der Deutschen Demokratischen Partei statt, bei der sich der demokratische Präsidentschaftskandidat D r Se llpach den o erstellte. In seiner Rede «MB»^^

stück durchnehmen: Sie sollen zeigen, daß sie wert sind, Re­publikaner zu sein. Und darum müssen sie einen Mann wählen, der entschlossen ist, diese politische Uebungsschule der Demokratie nicht zu schlichen, nicht verkümmern und ver­öden zu lassen, sondern zu erhalten, auszubauen und zu vertiefen. Das ist bei einer so jungen Demokratie, wie der deutschen, nur möglich, wenn jemand an ihre Spitze tritt, der die Demokratie will, der sie freudig bejaht, der an sie glaubt, nicht einer, der sie gerade nur hinnimmt, erträgt und ihr kühl bis ans Herz hinan gegenübersteht. Weil wir das Un- Heim von 1890 bis 1918 nicht noch einmal erleben wollen, darum wählen wir die Demokratie. Der Demokratie sehen wir das Ziel, daß sie Deutschland zur Blüte und Größe führe, indem sie das deutsche Volk endlich politisch mündig macht. Sie soll dem deutschen Volke wieder die seiner Stärke, seiner Größe und seinem Wollen entsprechende Stellung unter den Völkern verschaffen, nicht durch überhebliches Gerede und Ge­lärme, sondern durch Staatskunst, hinter der das Schwerge­wicht der ganzen Nation steht und die nicht vom vorüber­gehenden Zufall eines begnadeten Menschen abhängig ist. Nur ein Volk, das sich selber die Freiheit zutraut, kann auch den Anspruch auf Macht anmelden. Wer den Deutschen eine Zukunft, eine Sendung, eine Stellung in der Welt zuforicht und sichern will, für den kann der Weg der Nation, ein lang­samer, geduldiger Weg über Jahrzehnte und Generationen hin, nur führen, durch Leistung zur Geltung, durch Arbeit zur Blüte, durch Volkstum zum Staat, durch Zucht zur Freiheit und durch Freiheit zur Größe.

Die Bayerische Volkspartei zur Reichs- präsiSentenwahl.

Die Bayerische Volkspartei hatte in München eine große öffentliche, außerordentlich stark besuchte Versau,mlung abgehalten, in der zunächst der Führer der Reichstagsfraktion der Partei, Domkapitular Leicht, sprach. Dann ergriff der Ministerpräsident vr. Held das Wort und betonte ein­leitend, daß er nicht die Absicht habe, irgend eine Wahlrede zu halten. Er halte es nicht für vereinbar mit der Würde des hohen Amtes, um das er sich bewerben solle, wenn er in die Niederungen des Wahlkampfes herniedersteige. Dr. H e l d schloß seine Ausführung mit einem Appell, am 29. März die Stimmen so abzugeben, daß beim zweiten Wahlgan^ ein ge­meinsamer Kandidat des deutschen Volkes ermöglicht werde.

Das Autwertungsgesetz.

Hypotheken.

Der neue Gesetzentwurf zur Aufwertung bringt für Hy­potheken, Grundschulden und Reallasten sowie für hypothe­karisch gesicherte Forderungen eine Erhöhung der Aufwer­tung von 15 auf 25 Prozent, wenn die genannten Rechte zur Zeit des Erwerbes innerhalb der ersten Hälfte des Wohr- beitragswertes des belasteten Grundstückes lagen. Der Ent­wurf hält unter Ablehnung der Jndividualaufwertung an der ithematischen Aufwertung nach festen Hundertsätzev der Goldmarkbetrages fest, wobei es bei der Möglichkeit der Her absetzung zugunsten des Schuldners bleibt. Die neue Zu­

satzaufwertung wird von einer Meßzahl bestimmt, die sich nach einer aus Dollarindex und Großhandelsindex ermittel­ten Zahl zusammensetzt. Der Aufwertungsbetrag wird vom 1. Januar 1925 ab mit 2 Proz., vom 1. April ab mit 4 Proz. und vom 1. Ia> nuar 19 2 6 mit 5 % verzinst. Die Verzinsung der Zusatzaufwertung soll am 1. Januar 1928 mit 5 Proz. beginnen. Die Zahlung des Auf- wertungsbetrages darf nicht vor 1. Januar 1932 verlangt werden, die Aufwertungsstelle kann jedoch Abschlagszahlun­gen bis 1935 gewähren. Die Zusatzaufwertung von 10 Proz. kann bis 1940 gestundet werden. Der Schuldner kann mit kurzer Kündigungsfrist vorzeitig zahlen.

Anleihen.

Der Gesetzentwurf über die Anleihen sieht folgendes vor: Die Markanleihen des Reiches, ausgenommen Zwangsan­leihe, die fast wertlos wird, werden in eine Anleiheab- lösungsschuld eingetauscht. Das Umtauschverhältnis ist bei den Kriegs- und Borkriegsanleihen 5 Proz., bei der Sparprämienanleihe 2^ Proz. 1000 Mark nom. Anleihe gleich 50 Mark Anleiheablösungsschuld, 2000 Mark Spar­prämienanleihe gleich 50 Mark Anleiheablösungsschuld. Bis zur Erledigung der Reparationsverpflichtungen ist diese Aneiheablösungsschuld unverzinslich. Wichtig ist nur der Unterschied zwischen altem und neuem Besitz. Die Altan­leihebesitzer werden bevorzugt behandelt. Der Stichtag des Unterschiedes ist hier der 1. Juli 1920. Anleihebesitzer, die von diesem Zeitpunkt an Markanleihen im Besitz haben, werden bevorzugt behandelt. Für die Anleiheablösungs­schuld sind vom Reich hier 140 Millionen vorgesehen. Der Betrag entspricht ca. 14 Proz. der Ablösungsschuld der Alt- besitzer. Schätzungsweise zirkulieren 20 Milliarden Altan­leihe. Die Anleiheablösungsschuld der Alt­besitzer wird mit 5 Proz. verzinst in Form einer Rente. 25 Millionen Mark der Anleiheablösungsschuld der Alt­besitzer werden zum Nennbetrag getilgt. Weitere 25 Millio­nen werden als Prämien bis zum Vierfachen des Nenn­betrages der ausgelegten Stücke verwandt, so daß ein Teil der Altbesitzer eins Aufwertung von 25 Proz. der alten An­leihen erhalten. Gleichgestellt den Altanleihebesitzern werden Mündel und Stiftungen, auch wenn sie die Anleihen nach dem 1. Juli 1920 erworben haben, aber vor dem 1. Juli 1923. Neben dieser Prümienauslosung erhalten die Alt- besitzer von Kriegsanleihen im Falle der Bedürftigkeit (Grenze ist 600 Mark) eine jährliche Rente von 2 Proz. der alten Markanleihen. Erforderlich hierfür sind 40 Millionen Mark. Die Mittel für die Ablösungsschuld werden aus den Dividenden der Reichsbahn kommen, da das Reich sämtliche Aktien der Reichsbahn besitzt. Zum Zwecke einer einmaligen Dorzugstilgung von Altbesitzanleihen der Sparkassen, Träger der Sozialversicherung, Bedürftigen von Kriegsanleihealt- bofitz von weniger als 1000 Mark wird vom Reich ein Betrag von 150 Millionen zur Verfügung gestellt. Die Markan­leihen der Länder werden ebenfalls im Verhältnis von 5 Proz. in Ablöjungsanleihen umgetauscht. Die Anleihen der Länder sind jährlich mit mindestens 5 Prozent und höchstens mit 10 Proz. zu verzinsen und zu tilgen.

Die Ostmark und die Revision der deutschen Ostarenzen

Der am 25. März in Obrawalde bei Meseritz ver­sammelte Provinzialausschuß der Provinz Grenzmark Posen- Westpreußen hat eine Entschließung gefaßt, in der es heißt, daß der Provinzialausschuß freudig die auf eine Revision der deutschen Ostgrenzen hinzielenden Schritte der Reichs- regierung begrüße und die Reichsregierung bitte, ihre bereits unternommenen Schritte zur Aenderung der deutschen Ost­grenzen fortzusetzen und keine Möglichkeit ihrer Verbesserung vor über gehen zu lassen.

Aus den deutsch-französischen WirtschastS- vs; Handlungen.

Ueber die in Paris wieder begonnenen privatwirtschaft- lichen Besprechungen zwischen der deutschen und der f t a n zösi s ch e n Schwerindustrie wird folgendes L o m . m u n i q u 6 verbreitet: Die privatwirtschaftlichen Derhand- lungen der Vertreter der deutschen und der französischen eisenschaffenden Industrien, die bekanntlich im Dezember unterbrochen worden sind, sind nunmehr in Paris wieder a u f g e n o m m e n worden. Auf deutscher Seite werden die Verhandlungen geführt von dem Direktor der Kruppwerke, Dr. Brun, und Fritz Thyssen, und auf französischer Seite von L 6 on Levi, Pinot und Augun. Gleich­zeitig sind auch Vertreter der deutschen eisenver­arbeitenden Industrien in Paris anwesend, und zwar die Herren K a r l La n ge , Berlin, Oskar Funke, Hagen, und als Vertreter der süddeutschen Interessen Di­rektor Bögler, Mannheim; das Eintreffen von S ch w a r z, Nürnberg, wird erwartet. Die bethen Gruppen der deutschen Industrie haben die Fühlung untereinander und mit der Wirtschaftsdelegation in Paris sofort ausge­nommen.

Wie die PariserInformation" mitteilt, versichert man. daß die deutsch-französischen Handelsvertragsverl-andlungen lo normal wie möglich ihren Fortgang nehmen. Die Unter- tomminionen setzen die Prüfung der Tarife fort, und es wird