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yersfelöerTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt"

Amtlicher Anzeiger für -en Kreis Hersfels

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Nr. 77

Mittwoch, den 1. April

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1925

Das Wichtigste.

Die Parteien verhandeln untereinander um die Aufstellung der Kandidaten zur zweiten Reichspräsidentenwahl.

Me Auflösung des Landtages steht un- mittelbar bevor. Die Dienstagsttzung wurde auf 5 Uhr nachmittags vertagt.

Constantza, Galatz und Braila wurden zu rumänischen Freihäfen erklärt.

Auch in Bulgarien wurde eine k o m m u - nistische Lscheka entdeckt.>

Die deutsch-französischen Wirtschafts. Verhandlungen sind in ein neues entscheiden­des Stadium eingetreten durch die Erörterung d er deutsch-französischen W a r e n l i st e n.

Ausblicke zum 26. April.

Der erste Gang im Wahlkampf hat das Ergebnis noch nicht gebracht. Er konnte es nicht bringen, weil es unmöglich war, daß Dr. Iarres eine absolute Mehrheit erhielt. Es waren zuviel Kandidaten aufgestellt. Nächst Iarres hat der Sozialdemokrat Braun die meisten Stimmen erhalten. Es ergibt sich die Frage, welche Kandidaten in die Stichwahl kommen. Man kann dazu folgende Prognose stellen. Wer­den die Sozialdemokraten, durch die verhältnismäßig hohe Stimmenzahl für Braun, sich verleiten lasten, Braun auch für den zweiten Wahlkampf kandidieren zu lassen, oder wird eine Koalition rein republikanisch einem Rechtsbkock gegen- überstehen. Im ersten Falle würde eine bürgerliche Front SäÜ^^M^^^MHMi Zentrum und Demokratie eine Kandidatur Brauns, mit­machen werden. Vielleicht noch eher die Demokraten, aber die rein katholischen Wähler stimmen keinesfalls für Braun. Die andere Möglichkeit ist ein Kompromiß aller republikanischen Parteien gegenüber dem Reichsblock. Als Kandidat des Reichsblocks käme dann wieder Iarres in Frage. Als Ge­genkandidat ist evtl. Marx oder Wirth zu nennen. Die Sozialdemokratie wäre dann gezwungen, für einen Vertreter bürgerlicher Interessen zu stimmen. Kommt eine solche Koa­lition zustande, würde es der Reichsblock schwer haben. Die Wahrscheinlichkeit liegt aber eher in einer Einigung aller bürgerlichen Parteien gegenüber den Sozialisten. Schon aus der Tatsache, daß diese Koalition beinahe für den ersten Wahl- gang zustande gekommen wäre, kann man entnehmen, daß den Demokraten und dem Zentrum eine Koalition mit dem Reichsblock nicht unangenehm ist. Als gemeinsamer Kandi­dat wird hier wieder Dr. Geßler genannt

Die Wahlen selbst haben im großen und ganzen das gezeigt, was man von ihnen erwartet hatte. Die meisten Stimmen erhielten die beiden Vertreter der absoluten Gegen­parteien: Reichsblock mit Dr. Iarres und Sozialdemokratie mit Braun. Hier treffen die beiden Gegenpole der deutschen Strömungen aufeinander. Gegenüber diesen Stimmen sind die anderen, vielleicht mit Ausnahme des Zentrums, unbe­deutend. Rechts oder links hieß es am Sonntag! Eine Kandidatur Ludendorffs hatte ebensowenig Verwirrung gebracht, wie eine von Thälmann. Ludendorffs Partei hat einen starken Rückgang an Stimmen zu verzeichnen, gehabt, von 900 000 im Dezember auf 300 000 am letzten Sonntag. Die Wahlbeteiligung selbst war nicht besonders gut. Man merkt die Wahlmüdigkeit. Gerade jetzt muß man mit der Psyche des Volkes rechnen. Unter diesen Umständen ist an= zunehmen, daß die Beteiligung bei der nächsten Wahl noch geringer werden wird. Die große Reklame der Demokraten für Hellpach hat wenig genützt. Hier ist ungefähr ein Rück­gang von 400 000 Stimmen zu verzeichnen. Aber auch der Ruck nach rechts, wie ihn die Rechtspresse verkündete, ist aus­geblieben. Hier ist etwa Stimmengleichheit mit dem 7. De­zember festzustellen. Dem deutschen Wähler ist eine Präsi­dentenwahl noch zu unbekannt, als daß er das Wichtige sofort erfaßt. Besonders auf bem Lande stand man dieser Wahl zu indifferent gegenüber. Zweifellos hat aber die Kandi datur Iarres psychologisch am meisten gewirkt. Sie hat unter Berücksichtigung des 7. Dezember nur 4 Prozent weniger er­halten, obgleich der Stimmenrückgang etwa 10 Prozent be­trägt. Interessant ist das Verhältnis der beiden sozialisti- schen Parteien, Sozialdemokraten und Kommunisten. Letztere haben zugunsten der Sozialdemokraten eine erhebliche Ein- buße erlitten. Man weiß nun nicht recht, ob ihnen der Kan­didat Thälmann nicht paßte oder ob tatsächlich Kommunisten in das andere Lager gewechselt sind. Man kann beinahe an- nehmen, daß das letztere der Fall ist. Für den zweiten Wahl- gang ist diese Tatsache jedoch belanglos, da hier die beiden marxistischen Parteien so oder so zusammengehen werden Wichtig ist vielmehr der Zusammenschluß aller bürgerlichen Parteien gegenüber diesen beiden äußersten Linken. DieZeit", das Organ des Außenministers Stresemann, tritt sofort mit einer Kandidatur des Reichs­blocks unter Dr. Iarres hervor und ermähnt den Ausichuß sofort in diesem Sinne zu propagieren Diese Aufforderung müßte rein taktisch zu denken geben. Es ist ganz klar, das eine solche Kandidatur mit großen Schwierigkeiten camp [er

wird, denn ihr würde eine geschlossene L!nks - Liga gegen, überstellen. Verschiedene rechts orientierte Zeitungen pro­klamieren wieder Dr. Geßler, den Reichswehrminister, als gemeinsamen Sammekkandidaten. Wenn tatsächlich wieder dieses Programm zur Erörterung kommen sollte, so dürfte nicht ein einzelner Minister, und wenn es auch der Reichs­außenminister ist, dem deutschen Volke seine Wege so vorzeich­nen, daß zulbtzt die Sozialdemokratie den Vorteil davon zieht. Aber es ist schließlich ganz gleich, wer als Kandidat hier gilt, die Hauptsache ist ein Zusammenschluß aller bürgerlichen Par­teien. Kommt dieser nicht zustande, so ist der Sieg den So­zialdemokraten und deren Bundesgenossen im zrveiten Wahl­gang wahrscheinlich.

Das Ausland und die Reichspräfidentenwahl.

Italien.

Die italienische Presse beschäftigt sich eingehend mit bem Ergebnis der Reichsprüsidentenwahl.P o p o l o" preist Iarres als den Mann der nationalen Strömungen, welche die wirtschaftliche und politische Wiedergeburt Deutschlands anstreben, und schreibt, diese Strömungen nähmen täglich an Bedeutung und Umfang zu, seitdem man in den sozia­listischen und demokratischen Parteien die Auflösung der nationalen Kräfte sehe.

In derE p o c a" heißt es, die Franzosen deuteten den Erfolg Don Iarres falsch; dieser zeige nur, daß Deutschland die Demütigungen der letzten Jahre nicht mehr länger ertra­gen wolle. Trotz aller Nachgiebigkeit sei es den bisherigen demokratischen Regierungen nicht gelungen, die Schande und die Schmach der Ruhrbesetzung und der Teilung Ober­schlesiens zu verhindern. Man müsse aud) in Betracht ziehen, daß England entschieden sozialistenfeindlich und für konser- I vative Regierungen in Europa sei. Der Wahlgang habe gezeigt, wie äußerst wichtig das deutsch« Volk die natio-

^Sm'^TTrn'aTe d'Italia wird die Entente für den Sieg der nationalen Parteien verantwortlich gemacht unter Hinweis auf die Nichträumung Kölns entgegen den klaren Bestimmungen des Dersailler Vertrages und die lächerlichen Vorwände, welche sie gebraucht hätte, um diese Nichtbeach­tung des Versailler Vertrages zu rechtfertigen. Iarres, sagt das Blatt weiter, sei ein Mann von großem Talent, großer persönlicher Anziehungskraft, Energie und Ausdauer, wel­cher sich als Bürgermeister und ausgezeichneter Verwalter bewährt habe.

England.

DieTimes" beschäftigen sich eingehend mit dem Er­gebnis der deutschen Wahl und schreiben, es sei noch zu früh, eine Entscheidung vorauszusagen. Die Parteiführer werden wieder die Parole aus geben, und die Wähler werden ihren Führern gehorchen. Offenbar wird wohl die zweite Präsi­dentenwahl wiederum unter der ParoleMonarchie oder Republik" vorgenommen werden. Sie fügen hinzu, es gäbe auch Franzosen, die ben Triumph der deutschen Re­aktion nicht bedauern würden. Die Weimarer Politiker seien jedoch nicht unklug. Die deutschen Sozialisten haben am Sonntag gelernt, daß sie die Kommunisten nicht mehr fürch­ten müssen, falls sie zur Rettung der Republik die Mittel- parteien von einer Beteiligung an der Regierung ausschlie­ßen, und die Sozialdemokraten erkennen auch, daß sie allein nicht genügend Stimmen auftreiben können, um eine Kom­bination der Rechtsparteien zu schlagen. Jetzt fei die Eini­gung auf einen gemeinsamen Kandidaten das Wichtigste. Die Kandidatur Marx sei im Augenblick die aussichtsreichste. Sie habe zweifellos auch dann noch die grössten Aus­sichten, wenn wider alles Erwarten die Bayerische Volks­partei den preußischen Kandidaten stützen würde. Europa habe lediglich daran Interesse, daß die Partei nicht.ans Ruder kommt, die die Lehren Bismarcks anwenden würde und die Territorialbestimmungen der Friedensverträge revidieren will.

Amerika.

W o r l d" in New Park schreibt, daß Iarres der Kan­didat vieler Deutschen sei, die wohl konservativ, aber nicht monarchistisch gesinnt seien. Die Endwahl fei davon abhängig, ob die Republikaner den richtigen Mann aufstellen. Sie rechnet die Stimmen Ludendorffs und der Bayerischen Volks- partei zu rechts, die Linke hätte somit nur eine halbe Million Mehrheit. Das sei ein recht dürftiges Ergebnis. Außerdem fei zu bedenken, daß ein großer Prozentsatz nicht gewählt habe.

Frankreich.

ImJournal des D s b a t s" heißt es, die Deutsch­nationalen könnten sich rühmen, Stimmenzuwachs bekommen zu Ijaben, aber auch die republikanischen Elemente hätten kleine Fortschritte erzielt. In Wirklichkeit gebe es Enttäu­schungen auf beiden Seiten. Trotz der wahnsinnigen Propa- ganda und der ungeheuren, ihnen von den Magnaten der Industrie zur Verfügung gestellten Summen blieben die Deutschnationalen und die verbündete Volkspartei sehr weit entfernt von der Mehrheit. Sie könnten nur dann ihren Kandidaten im zweiten Wahlgang durchdringen, wenn alle katholischen Konservativen und eir/ Teil der katholischen Re­publikaner für ihn stimmten, oder wenn die Republikaner sich nicht auf einen Namen einigten. Es handle sich also jetzt darum, zu wissen, was Braun und Marx beschließen. Es sei wenig wahrscheinlich, daß die Sozialisten, die mehr als die

Hälfte der republikanischen Stimmen repräsentieren, darin unwilligen werden, einfach die Schleppenträger von Marx zu werden, wenn dieser ihnen nicht ernste Garantien für )ie Aufrechterhaltung der Verfassung gebe. Die Verantwor­tung des Zentrums fei also groß. Von ihm hänge es ab, die Wage nach der Richtung der Verfassung hin ausschlagen oder einen Mann zum Präsidenten wählen zu lassen, der unter dem Deckmantel der Legalität die Wiederherstellung der Mon­archie oorbereiten werde.

Die Blätter sind der Ansicht, daß die Sicherheitsverhand- lungen mit Deutschland bis zum zweiten Wahlgang nur langsam fortschreiten werden. Auf jeden Fall wird eine for­melle Stellungnahme zu den deutschen Vorschlägen vermie- den werden.

Der Stand der Sicherhe tstraqe.

Auf eine Anfrage im englischen Unterhaufe erklärte Chamberlain, daß der Zeitpunkt der Zurückziehung der britischen Truppen aus der Kölner Zone nod) nicht festgesetzt sei. Das Parlament werde über einen Beschluß in dieser Frage rechtzeitig benachrichtigt werden.

Der Sonboner Vertreter desEcho de Paris" weist darauf hin, daß man in politischen englischen Kreisen immer mehr die vollständige Neutralisiern ng des Rhein- l a n d e s, also auch die E n t m i l i t a r i s i e r u n g des linken Rhein ufers befürworte. Das Rheinland solle im Rahmen des geplanten Garantiepaktes künftig die Rolle spielen wie Belgien vor dem Kriege.

Herriot empfing die Vertreter der französischen Kammer- kommission für auswärtige Angelegenheiten, L o u ch e u r , B o n c o u r t und M i l h a u d, die von bem Ministerpräsi­denten genauere Auskünfte über die Verhandlungen mit Deutschland und die Stellungnahme des Kabinetts zu der ^MittiiMMHBilC^

Wunsch der rtammerkommission übermittelt, daß mit Deutsch­land keine Verhandlungen eröffnet werden sollen, bevor es nicht vorbehaltlos dem Völkerbund beigetreten fei. Herriot hat der Abordnung die deutschen Vorschläge unterbreitet und eine Reihe Ergänzungen dazu gegeben. DemTemps" zu­folge soll Herriot erklärt haben, er sei fest entschlossen, mit Deutschland vor dem vorbehaltlosen Beitritt zum Völkerbund keinen Vertrag abzuschließen. Im Einverständnis mit Groß­britannien habe er jedoch beschlossen, die Verhandlungen bereits vor der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund rufzunehmeu.

Austausch der deutsch-französischen Warenlisten.

In der Vollsitzung traten die französischen und deutschen Wirtschaftsdelegierten zusammen, in der die von den Unter- kommissionen aufgestellten Warenlisten ausgetauscht wurden. Ueber diese Listen wird in den nächsten Tagen verhandelt werden. Von französischer Seite liegen drei Listen für die Waren vor, für die der Mindesttarif, der Zwischentarif und der allgemeine Tarif eingeräumt wird. Auf beutfdjer Seite hofft man im Verlauf der weiteren Verhandlungen die Franzosen zu Zugeständnissen zu bewegen, wobei viel davon obhängt, wie die Verhandlungen zwischen den Schwerindu­striellen der beiden Länder sich entwickeln werden. ^

Die koloniale Frage.

Auf dem im Rahmen der Kolonialwoche veranstalteten Kolonialabend führte Gouverneur Seitz aus, daß man vor zwei schwerwiegenden Entscheidungen stehe. Die eine sei be­reits gefallen. Die deutschen Landsleute in SudnMafrcka hätten mit überwiegender Mehrheit beschlossen, sich der Uebertragung des südafrikanischen Staatsburgerrechts nicht zu widersetzen, um sich eine Mitwirkung bei der künftigen Selbstverwaltung des Schutzgebietes zu sichern. Die zweite Entscheidung sei die des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund Von der Regierung sei zu verlangen, daß sie auf den Boden der Forderungen der Kolomaldeutscheu trete und die Interessen des gesamten Volkes wahre.

Der Landesausschuß der Bayerischen Volkspartei einberuten.

Der Landesausschuß der Bayerischen Volkspartei ist zum 7 April nach München zu einer Sitzung einberufen worden, in der zum zweiten Wahlgang für den Reichspräsidenten- poften Stellung genommen werden soll.

Chamberlain über den Völkerbund.

In einer Ansprache an den Parlamentsausschuß für Völkerbundfragen über die letzte Tagung des Völkerbund­rates erörterte Austen Chamberlain tnsbciandere das Genfer Protokoll, die Antwort an Deutschland über die Bedingungen für seine Aufnahme in den Völkerbund um verschiedene mit dem Saarbecken und Danzig zusannnen- hängende Fragen. Chamberlain bezeichnete gewisse m pri­vaten Erörterungen allgemein ausgesprochene Forderungen für gerechtfertigt und äußerte andererseits nachdrücklich, daß bisweilen sehr ernste Fälle vorhanden seien, bet denen etr wesentliches Element für ihre erfolgreiche Behandlung durch den Völkerbund eine öffentliche Erforschung aller Tatsachen [ei. im Hinblick auf die Erzeugung einer unterrichteten Welt