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Hersfelöer Tageblatt Hersfelöer Kreisblatt" Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

Nr. 18 Donnerstag, den 2. April 1925

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Das Wichtigste.

. Namentlich in Kreisen des Zentrums unk der links davon stehenden Parteien finden eifrige Ver­handlungen über die Aufstellung eines 5 ®andi-baten für den zweiten Wahlgan- Rcichsprapdentenwahl statt. Me Kommunisten : bereits wieder Thälmann aufgestellt.

g zm haben

, . Auch nach der Wahl Höpker-Aschoffs zum Minister­präsidenten in Preußen ist die Lage im Landtage keineswegs geklärt. Man rechnet immer noch mit der Landtagsauf lösn reg.

c ®®s ® * rtschaftsprovisorium zwischen Deutschland und Italien ist bis zum Abschluß eines endgültigen Vertrages verlängert worden.

Das Unglück der Reichswehr auf der Weser hat nach amtlicher Meldung 7 8 Todesopfer gefor­dert.

Gefahr dem deutschen Rhein.

Das französische Projekt eines Rhein-Seitenkanals.

Wahrend aller Augen nach Genf gerichtet waren, wo maii die Geschicke der Welt gelenkt glaubte, während Frank- :eich die ganze Aufmerksamkeit der Völker auf dasSicher- )eitsproblem" stößt, geschehen hinter bc.i Kulissen Dinge, »n denen man nicht redet, die man, wen i man wirklich mal >on ihnen hört, unbeachtet läßt. Dinge die jedoch von viel größerer Tragweite sind, Dinge, die deshalb so wichtig sind, veil um sie nicht erst wieder auf Konferenzen gehandelt wird, andern die als fertige Tatsachen dem erstaunten Unbefange- ten vorgesetzt werden.

_ Wie wenig Beachtung hat man den Verhandlungen Frankreichs mit der Schweiz um den '^genannten Rhein- Leitenkanal geschenkt. Frankreich benutzt.beschickt wieder ein- MMWWWMWWMWWWMWM

>ie beliebte französische Methode hereinzufallen. Hier und )a findet man in der Presse einen belanglosen Artikel über >en Rhein-Seitenkanal, doch meist so aufgemacht, daß der teutsche Leser das als irgendein Kanalprojekt, wie sie so oft zemacht werden, ansieht. Er sieht und erkennt nicht die un- zeheuren Gefahren, die den deutschen Rheingauen und dem teutschen Volke überhaupt drohen. Frankreich schlachtet oieber einmal den unerschöpflichen Versailler Vertrag aus. Von neuem drängt sich dem Deutschen die Frage auf: Haben ruseve deutschen Unterhändler, die diesen Schandvertrag rnterzeichneten, die Pferdefüße in den einzelnen Artikeln richt erkannt, oder haben sie trotz der Erkenntnis leichtsinnig tas deutsche Volk in die Sklaverei verschachert?

Im Artikel 358 des Versailler Vertrages hatte sich Frankreich wohlberechnend den Bau eines Kanals Vorbe­halten, der die Schiffahrt auf dem Rhein zwischen'Basel und Straßburg auf einen westlich des Rheins anzulegenden Wasserlauf überleitete. Da dies Projekt im oberen Laufe des Kanals Schweizer Gebiet durchschneidet, galt es für Frank­reich. sich mit der Schweiz zu einigen. Soweit bisher bekannt zeworden ist, hat die Schweiz das französische Projekt ge- nlligt. Damit ist ja eigentlich das Urteil gesprochen, denn Deutschland pflegt man ja nach französischer Methode nicht mit langen Verhandlungen zu belästigen, sondern zwingt es! Der Zwang ist zur Methode geworden, warum sollte ihn Frankreich auch nicht wieder diesmal anwenden.

Das französische Projekt ist in seiner Großzügigkeit und der Auswirkung zum Schaden Deutschlands unübertrefflich. Unterhalb Basel will man die Wasser des Rheins abstauen and sie in ein westlich des Rheinlaufes parallel liegendes Kanalbett leiten, das auf französischem Gebiet liegt. Dieser neu zu schaffende Kanal soll bis Straßburg führen, und Straßburg selbst wird nach dem französischen Projekt der Umschlaghafen für Frankreich. Von Basel bis Straßburg hat man acht Staustufen vorgesehen. Der Kanal soll eine Breite von 100 Meter haben und eine Tiefe von 6 Meter, so daß sich in diesem Bette nach Berechnung 800 Kubikmeter von den 850 Kubikmetern des Rheins pro Sekunde ergießen würden, während für den alten R h e rn 1 a u i n u r noch 50 Kubikmeter Wasser pro Sekunde übrig, blieben. Das bedeutet nichts anderes als eine Trockenlegung des Oberrheins. Welche Folgen daraus den anliegenden deutschen Gauen entstehen würden, laßt sich gar nicht abiehen. Es wäre ein neuer Schlag Frankreichs gegen die deutsche Wirtichaft, wie er seit Beendigung d^s Krieges kaum schwerer auf uns niedergegangen ist. Durch dielen Sertenkanal ge­denkt Frankreich'ferner seine gesamte eliasspche Industrie mit Elektrizität zu versorgen, denn die Wasser des Rhems 1 ollen ihm als Kraftguelle dienen, deren Energie man auf 7Sa 000

Notwendigkeit, oder werden wir darin nur einen Stoß gegen die deutsche Wirtschaft zu erblicken haben? Jeder Zweifel st hier von "^^ seinem Seltenkanal-Projekt ist" ein wichtiges Mittel zur Erreichung dieses Zieles ersonnen L=» Ä^B«

Nächstliegende, den Oberrheinlauf selbst zu regulieren, wi­

es die Zentralkommission für die Rheinschiffahrt auch schon vorgesehen hat. Es hieße ja geradezu Eulen nach Athen tra­gen, wollte man einen schmalen Streifen von einem Jahr­tausende alten natürlichen Flußlauf entfernt einen neuen künstlichen Wasserweg anlegen, nur weil das alte Flußbett wie man behauptet, ohne es zu beweisen den modernen Anforderungen nicht genügt.

Was hier vorgeht, ist ja gar nicht die Einsicht Frank­reichs, daß der Rhein der französischen Industrie und dem französischen Binnenverkehr nicht genügt. Es ist vielmehr ein neuer heimtückischer Schlag gegen Deutschlands Wirtschaft. Ein weiterer Schritt zur systematischen Vernichtung deutscher Arbeit und deutschen Wiedererstarkens. Es ist noch mehr: ein gemeiner Bruch^des VersaillerFriedens- vertrage s". Frankreichs Berufung auf Artikel 358 des Versailler Diktats ist ja nichts als ein gewissenloser Miß­brauch des Artikels. Wohl gestattet er Frankreich, Rhein- wasser zu entnehmen und einem bereits vorhandenen oder noch zu bauendsn Kanal zuzuführen, aber nur, wenn da­durch die Rheinfchiffahrt nicht gefährdet wird. In dem Falle dieses Kanalbaues würde aber die Rheinschiffahrt nicht nur gefährdet, sondern der Oberrhein, wie bereits oben bewiesen, so gut wie austrocknen. Noch gar nicht erwähnt sind die Gefahren für das anliegende Land. Hingewiesen sei nur auf die Dammbruchsgefahr, da die Kanalsohle zum großen Teil bis zu 8 Meter über dem Grund­wasserspiegel projektiert ist.

Gefahr also droht dem deutschen Rhein, höchste Gefahr! Frankreich holt wieder einmal zu einem wuchtigen Schlage gegen Deutschland aus.

Die Vorbereitungen zum zweiten Wahlgang.

Das Zentrum schlägt Marx als Einheitskandidaten vor.

Wie wir erfahren, hat der Reichsparteivor- standdesZeutrums, soweit seine Mitglieder in Berlin anwesend sind, den Beschluß gefaßt. an die anderen Barleien. nun zwar rridp ®®^ ®® Eozmiueino . Sien uns mokraten, sondern auch an die Deutschnationalen, die Deutsche Volkspartei, die Wirtschaftspakte! und die Bayerische Volkspartei heranzutreten und ihnen offiziell Herrn Dr. Marx als Einheitskandi- daten für die Reichspräsidentenwahl vor zuschlagen. Dieser Vorschlag ist den Parteien durch die Abgeordneten Ioos, Schreiber und Herold mitgeteilt worden.

Gegen einen bürgerlichen republikanischen Sammel- kandidaten.

Der Bezirksvorstand der Sozial demokra­tischen Partei für das östliche Westfalen weist nach einer Meldung in einem Aufruf an die sozialdemokrati­schen Wähler darauf hin, daß alle Verhandlungen der Wei­marer Koalition von vornherein als abgebrochen zu betrach­ten seien, wenn bei Zentrum und Demokraten die Einbildung bestehen sollte, als könnte die Sozialdemokratische Partei, die allein fast doppelt so stark sei wie Demokraten und Zentrum zusammengenommen, in der Frage des Kandidaten für die Reichspräsidentschaft im eine Selbstentäußerung einwilligen. DieBielefelder VoKswacht" lehnt die Unterstützung derarti­ger Borschläge ab und betont, daß die Sozialdemokratie als weitaus stärkste republikanische Partei aus dem ersten ^Wahl- gang hervorgegangen sei. Daher könnte sie nicht Verzicht leisten, sondern der republikanische Sammelkandidat müsse ihren Reihen entnommen werden. Ein anderer Weg würde schwere Komplikationen für die Sozialdemokratische Partei zur Folge haben.

Die Wahl Höpker-Aschoffs zum preußischen Minifterpräsivenien.

Wie bereits zum größten Teil von uns mitgeteilt wurde, ist bei der Wahl des preußischen Ministerpräsidenten in der Diensiagsitzung des Landtages Ur. H ö p k e r - A s ch o f f (Demokrat) gewählt worden. Es wurden 435 Stimmen ab- aeaeben unbeschrieben waren davon zwei, ungültig 43. Es j aiben erhalten: Dr. Höpker-Aschoff (Demokrat) 213 Stimmen. Vr Peters (Rechtsparteien) 177 Stimmen. Dr. Höpker- Aschoff ist damit zum preußischen Ministerpräsidenten gewählt.

Die Demokraten machten ihre Zustimmung zu diesem Vorschlag davon abhängig, daß Zentrum und Sozialdemo- kraten die Initiative für diesen Vorschlag ergreifen und daß sich beide Parteien bei der Abstimmung geschlossen für den demokratischen Kandidaten erklären würden. Diese Zusage wurde gemacht. Don den Sozialdemokraten haben sich aber sechs vom linken Flügel nicht für Höpker-Aschoff entschieden, sondern weiße Stimmzettel abgegeben.

Ueber Höpker-Aschoff wird erklärt, daß er gegen den Plan ihn zum Ministerpräsidenten zu machen, in der demo­kratischen Fraktion zunächst äußersten Widerspruch erhoben bat Er habe sich in fein Amt als Finanzminister eingelebt unb wolle diesen Posten nicht ohne Rot wieder verlassen. Schließlich erklärte er, dem Druck nad)geben und den ihm an- gebotenen Minssterprüsidenienposten annehmen zu wollen. Er würde aber unter keinen Umständen halbe Sache machen. Er würde versuchen, ein Kabinett auf breiterer Basis zustandc zu bringen zum mindesten durch Erlangung Der Peutralckai Der Deutschen Volkspartei. Er würde keinen Augenblick.

wenn seine Bemühungen, ein Kabinett zustande zu bringen, durch den Widerstand im Landtag scheitern würde, vor der Auflösung des Landtages zurückschrecken. Man rechnet da­mit, daß die Sozialdemokraten von Braun Abstand genom­men haben mit Rücksicht auf seine immer noch mögliche Kan° didatur für den Reichspräsidentenposten.

In weiteren Beratungen des interfraktionellen Aus- schustes nach der Wahl von Höpker-Aschhoff hat man sich dar- auf geeinigt, daß der neue Ministerpräsident den Versuch einer Kabinettsbildung machen soll. Vor der Auflösung des Landtages scheinen auch Demokraten und Zentrum Furcht zu haben. Würde die Weimarer Koalition für die Auflösung des Landtages fein, so müßte ohne weiteres der Ministerpräsi­dent, der Landtagspräsident und der Präsident des Staats­rates die Auflösung beschließen. Die Sozialdemokratie scheint eine Auflösung des Landtages so herbeiführen zu wollen, daß die Wahl etwa 4 Wochen nach dem zweiten Mahlgang vom 26. April stattfinden würde. .....

Preußischer Landtag.

Entgegen einer Pressemeldung, das? der zum prentzi- Ichen Ministerpräsidenten erwählte Abg. Dr. Höpker- Aschoff die Wahl abgelehnt habe und aus Berlin abge- rerst sei, erfahren wir, das? beides unzutreffend ist. Al- lerdings beabsichtigte Dr. Höpter, Berlin zu verlassen, er hat indessen seine Reise angesichts der politischen Si­tuation noch hinausgeschoben. In demokratischen Krei­sen des Landtages neigt man der Ansicht zu, daß Dr. Höpker tatsächlich über kurz oder lang die Ablehnung der Wahl erklären wird, die ihm gewissermaßen aufge- zwungen worden ist. So heißt es, daß Dr. Höpker sei- nein Unwillen darüber Ausdruck gegeben hat, daß man ihm für eine derartig wichtige Entscheidung kaum 5 Mi­nuten Zeit gelassen habe.

Zu Beginn der Mittwochsitzung gedachte Präsident Bartels im Landtage des Unglücks bei der Reichswehr. Die Abgeordneten erhoben sich bei der kurzen Ansprache von den Plätzen. Der Prä. ädenl wird dem uhffluÄ^kstsirioen der

tioOamt überwies der Landtag den Antrag auf Auf­hebung des Beschlusses des Staatsgerichts­hofes, der dem Abg. O b u ch (Komm.) seine Tätigkeit als Vsr- leidiger untersagt hat, ferner den Antrag, 20 Millionen zur Förderung des Wohnungsbaues für kinderreiche Fami­lien zur Verfügung zu stellen, an den Ausschuß. Ein kommu­nistischer Antrag auf Aufhebung der Personalabbauverordnung und Wisdorcinstellung der abgebauten Beamten, Angestellten und Arbeiter wurde, dem Ausschußantrag entsprechend, abgelehnt. Die namentliche A b st i m m u n g über den sozialdemokrati- schen Antrag auf Abbau der Wahlbeamten soll um 3 Uhr statt- finden. Das Haus trat in die zweite Beratung der Novelle auf

höhere Besteuerung des Wanderlagerbetriebes

ein.

Die Novelle wurde nach längerer Aussprache, in der nament­lich die Parteien der Rechten einen größeren Schutz gegen die im Wanderlagtvgewerbc besonders tätigen Ostsuden fordern, in zwei, ter und dritter Lesung nach dem Regierungsvorschlage anaenommen.

Die Vorlage wegen

Bereitstellung weiterer Geldmittel für die Regelung der Hoch- wasier-, Deich- und Vorslutverhältnifle

an der oberen und mittleren Oder hat der Ausschuß mit der Aenderung zur Annahme empfohlen, daß statt 3,2 Millionen 3,1 Millionen bewilligt werden. Im ganzen sind zehn Millionen Gold­mark erforderlich. In eingehender Beratung wurden die lokaler Verhältnisse, insbesondere bei den Neusalzer Tafelanlagen um beim Grünberger Deich beleuchtet. Ein schnelles Eingreifen der Regierung wurde von den verschiedensten Seiten auf das drin­gendste gefordert. ,

Die namentliche Abstimmung ergibt die -knnahme mit 212 gegen 41 Stimmen. Die Parteien der Rechteu haben sich an der Abstimmung nicht beteiligt. Die übrigen Anträge des Ausschusses betreffend die Einstellung des v e1' fonalabbaues in Preußen, Aufhebung der Be< foldungssperre usw. gelangten ebenfalls zu Annahme.

Der Landtag trat dann in die

zweite Beratung der Novelle zum Schutzpolizei- beamten-Gesetz

ein. Die Novelle bringt eine Reihe Aenderungen, die sich nötig machen, um die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen dem Reichs- rahmengesetz anzupassen. Im Ausschuß war man der ..nsicht daß das grundlegende Gesetz selbst durch ein neues Gesetz geändert werden müsse, da die bestehenden Bestimmungen allzu große :V'ml2^ bezeichnete das Dersorgungsgcsetz in der jetzigen Form als untragbar. Die Schutzpolizei dürfe nicht ein Sammelpunkt Arbeitsloser sein. Die Disziplin hülfest.'^PNter. graben werden, wie es durch Runge in Halle und Lubbring in ^.'® 'ää Ä-»-».---

6 Wort in wchr »I- -i«. stündiaer Rede sich über das Schupowesen ausge prochen hatte, wobei er den Beamten beftritt, überhaupt noch Staatsdiener zu sein weil sie durch die Kontrolle der Entente zu Knechten des internationalen Kapitalismus geworden seien, wurde vertagt. Nächste Sitzung Donnerstag 12 Uhr.

Die irawiW im Reichstage.

Der Beginn der Reichstagssitzung vom Mittwoch stand in Zeichen der Trauer über Die bei dem furchtbaren Unglück ir Der Weser ertrunkenen Soldaten der Reichswehr. Sofort nact Entzungsbeginn hielt Der Reichstagspräfident Lobe eine An spräche in der er ausführte daß sich leider Die erschütternde Nach- ruht vewnhrheite, daß über 70 Personen der Reichswehr bet dei