Hersfelöer Tageblatt hersfel-er Kreisblatt" Amtlicher Anzeiger für den kreis Hersfels
Nr. 84 Donnerstag, Sen 9. April 1925
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Das Wichtigste.
Reichsblock hat in seiner Mittwoch-Sißun Generalfeldmarschall von Hindenburg du Kandidatur angeboten. Hindenburg ha angenommen.
Marx hat eine Reise durch gan, Deutschland vorbereitet, um für den Volks block Reden zu halten.
f , — 2n den deutsch-französischen Wirt s chaftsverhand lungen sind neue Schwierig re r t e n ein getreten. Die Verhimdlungen werden erst nad Ostern'fortgesetzt.
„ , “' ^®er belgische Außenminister hat in ein« Unterredung Belgiens Standpunkt zur Sicherheit- frage dargelegt.
— Der frühere Oberhofmeister der Kaiserin,' Ernt F r e r h e r von M ir b a ch ist im Alter von 81 Jahre« gostorben.
Das Kreuz von Golgatha.
Besonders am Karfreitag, dem schwärzesten Tag bei Lerdenswoche, weilt das Denken des Christen beim bitterem Leiden des Heilandes. Denn das Leiden hat von allen Vor gangen, aus dem Leben des Erlösers auf jeden Christen vor Kindheit an den gewaltigsten Eindruck gemacht. Die über- ernandergelegten Balken, das Kreuz, an dem Jesus sein Leber für die Menschheit ließ, ist zum heiligsten Symbol der gesamtem Christenheit geworden. So, wie auch am Tage der Geburi des Heilandes die Natur an der schicksalsschweren Stund« Anteil nahm und einen glänzenden Stern vom Firmament« herniederstrahlen ließ, so zeigte auch nach dem Evangelium dik Natur beim Tode des Herrn der Welt durch elementare Ereignisse tiefste Trauer. Die Sonne hüllte sich von der sechsten bis neunten Stunde in völlige Finsternis, und als die Todes-
ze _ . iland am Kreuze" bill ich, als aus
Seite nach dem Lanzenstich des Römers sein heiliges Blut quoll. Joseph von Arimathia fing das Blut nach der fronn men Ueberlieferung in einer Schale auf, die man in den Sagen und Dichtungen des Mittelalters als den heiligen Gral verherrlichte. Ein außerordentlich tiefer und schöner Sinn liegt in der Darstellung der drei Menschengruppen, die das Kreuz des Gottessohnes auf Golgatha umstanden. Die erste besteht aus den um den Heiland und Meister trauernden Angehörigen, Jüngern und heiligen Frauen. Die zweite Gruppe setzt sich aus den Pharisäern und Schriftgelehrten zusammen, die blind dafür, daß Gott ihnen den von den Propheten verheißenen Messias sandte, diesen zum Kreuzestode verurteilten und den Leidenden obendrein noch verhöhnten und verspotteten. Die römische Wache ist die dritte, Gruppe. Teilnahmslos, einzig dem von ihrem Obersten erteilten Befehle gehorchend, umstehen sie das Kreuz, wie bei jeder anderen Hinrichtung auch. Dennoch wird ihr Hauptmann beim Todeskampfe Christi derart ergriffen, daß er sich nicht enthalten kann, zu gestehen: „Fürwahr, dieser ist Gottes Sohn gewesen!" Diese letzte Gruppe stellt sogleich bildlich denjenigen großen Teil der Menschheit dar, zu dem die Apostel nach dem Tode ihres Meisters den Segen des Evangeliums trugen. — Bis auf unsere Tage hat sich das Kreuz als segnendes Zeichen in der ganzen Christenheit erhalten. Die Qualen und die Pein, die der Erlöser vor der Kreuzigung nach bem römischen Gerichtsverfahren erlitt, waren nicht minder hart als die Kreuzigung selbst. Nach bem Brauche »bergab der Viktor den Verurteilten dein Henkersknechte mit den Worten: „Binde ihn an den Pfahl, fessele ihm die Handel Bereitwilligst wurde diesem Befehle, nachgekommen und dann die Geißelung vorgenonrmen. Wie einem gemeinen Verbrecher wurde ihm eine Tafel um den Hals gehängt, auf dem zu lesen stand, wessen man ihn beschuldigte Welche Schmach für ihn, den Herrn der Welt, als die römischen Söldner ihm zum Spotte eine Dornenkrone auf das Haupt druckten und mit beißendem Hohn ihm zuriefen: „Gegrußet,|ei|t du, der Juden König!" Und welche Quai war es, lern schweres Kreuz selbst zur Richtstütte zu schleppen! Jedoch die grohte Schmähung war es, daß durch die Kreuzigung dem Gerichteten nach römischem Gesetz die Ehre eines Begräbnisses versagt blieb. Nur auf flehentliches Bitten ließ d»atus dem poseph von Arimathia den Leichnam des Herrn zur Bestattung aus- $ lind wieder wie feit fast zweitausend Jahren gedenkt die gesamte Christenheit der Leiden unseres Herrn,, der mit dem Blute, das seiner Seite entströmte, uns die Erlösung brächte.
1 Die Wahlreden Dr. Marx.
Der Präsidentschaftskandidat der Sozialdemokraten, der ! Demokraten und des Zentrums, Reichskanzler a. d. Marx 1 wird eine längere 9:8er bereife durch Deutschland unternehme und am 14. d. M. in Königsberg, am 18.,in Stettm am 17 in Berlin, am 18. in Dresden, am 19. ^» Magdeburg, an 20. in Münster, am 21. in Koblenz, am 22. m Karlsruy und am 23. in Stuttgart sich den Wählern vorstellen.
Menburg Präsidentschaftskandidat des Mchsblocks.
Der Reichsblock hat Mittwoch Vormittag entscheidende
Beratungen über die Kandidatur für den zweiten Wahlgang
Verl
Person eine Erweiterung
scheitern dürfe. Nachdem die BayerischeVolkspartei
mitgeteUt hatte, daß sie einer Kandidatur des Generalfeldmarschalls von Hindenburg zustimmen wurde, bat Dr. Iarres telegraphisch von seiner Aufstellung
Ab st and zu nehmen und empfahl dem Reichsblock dringend, dem Generalfeldmarschall von Hindenburg die Kandidatur zu übertragen. Der Reichsblock beschloß daraufhin, die Kandidatur dem Feldmar- schall von Hindeuburg anzubieten. Dieser hat angenommen. Die Bayerisch« Volks- partei, die Wirtschaftspartei, der Bayerische Bauernbund und die Deutsch-Hannoversche
Partei haben sich außer den im Reichsblock vereinbarten Parteien und Verbänden dieser Kandidatur augeschlossen und sind damit dem Reichsblock beige- treten,
Allirul Der WirMaktsWtei für tziudenhurg.
Berlin, 9. April. Parteifreunde! Hindenburg Präsidentschaftskandidat! Unseren heißen Bemühungen im Sinne des einmütig gefaßten Beschlusses, der am 7. April aus dem ganzen Reich nach Berlin herbeigeeilten Parteifreunde und Vertrauensleute, eine Kandidatur .Hindenburg im Reichsblock durchzusetzen, ist ein völliger Erfolg beschieden. Der Marschall ist aufgestellt und hat die Kandidatur angenommen. Das deutsche Volk wird dem Feldmarschall Dank wissen, daß er trotz-seines hohen Alters auch in dieser schweren Schicksalsstunde das Vaterland nicht im Stiche gelassen. Nun dürfen aber auch wir dem Heros unseres Volkes die Gefolgschaft nicht versagen.
Parteifreunde! Die Parole lautet jetzt: Mit ganzer Kraft, mit ganzem Herzen ans Werk! Der Sieg muß unser sein. Es lebe unser Feldmarschall von Hindenburg!
Der Parteivorstand der Wirtschaftspartei des deutschen Mittelstandes.
Die DeuMvölkWen zur Reiltzsurüiidentenlvahl.
Berlin. 9. April. Wie wir aus völkischen Kreisen erfahren, kann es als nahezu ausgeschlossen gelten, daß General Ludendorff auch für den zweiten Wahlgang kandidieren wird. Zurzeit haben die nationalsozialistischen Führer noch keinerlei Entscheidungen darüber getroffen, welche Haltung die Nationalsozialisten für den 26. April einnehmen sollen.
Der demokratische Wahlaufruf für Marx.
Die Demokratische Partei erläßt einen Wahlaufruf für Vtarx, in dem es u. a. heißt: Vorstand und Ausschuß der Deutschen Demokratischen Partei haben gemeinsam mit den beiden anderen Parteien der Weimarer Koalition den Reichskanzler a. D. Wilhelm Marx als Kandidaten, für die R eich s p r ü s i d e n t scha ft aufgestellt. Wir danken noch einmal unserem Kandidaten des ersten Wabb
ganges, dem Staatspräsidenten Hellpach, für den Arbeitseifer und die Ueberzeugungstreue, die er im Wahlkampfe trotz schwierigster Umstände betätigt hat. Wir bedauern, daß es nicht zu einer Vereinbarung gekommen ist, der sich alle Parteien, die für die Erhaltung und Festigung des heutigen Staates praktisch eintreten, angeschlossen. An uns liegt es nicht, wenn diese Bemühungen gescheitert sind. So blieb nur die Weimarer Koalition als Grundlage eines V o l k s'b l o ck s. Der gemeinsame Kandidat, Reichskanzler a.D. Wilhelm Marx, entspricht in vollem Umfange den Eigenschaften, die ein Reichspräsident in den kommenden sieben Jahren entwickeln muß. Marx hat seinerzeit als Reichskanzler gezeigt, daß er den Weg zu einer neuen deutschen Zukunft klar erkennt. Er hat sich im Inlande und im Auslande das Vertrauen und die Autorität erworben, die zum Wiederaufstieg des Reiches und der Wirtschaft unentbehrlich sind. Teile unserer Anhängerschaft stehen, wie wir wissen, der Wahl eines Zentrumsmannes zum Reichspräsidenten nicht ohne ernste Bedenken gegenüber. Sie befürchten, sein Einfluß könne zugunsten einer antiliberalen Kulturpolitik ausgenutzt werden. Nach reiflichster Erwägung hielten unsere Parteiinstanzen diese Bedenken nicht für ausschlaggebend. Wir kennen Marx aus jahrelanger gemeinsamer politischer Arbeit. Wir wissen: wie der verstorbene Friedrich Gbert als Reichspräsident kein sozialistischer Parteipolitiker gewesen ist, so wird Marx als Präsident kein Zen- trumspolitiker, sondern ein Führer des gesamten Volkes sein. So fordern wir unsere Anhänger auf, ehrlich und offen für den Kandidaten des Volksblocks, Herrn Reichskanzler a. D. Marx, zu arbeiten. Seine Wahl sichert den neuen Staat, sichert die allmähliche Wiedergewinnung der deutschen Freiheit nach außen, sichert den Wiederaufbau einer leistungsfähigen Wirtschaft, die das Volk ernähren und ihm den gerechten Anteil an den Lebensgütern verschaffen kann, auf den es nach seinen Leistungen mit Recht Anspruch erhebt. Die Deutsche Denwkvatische Partei: Koch, Erkelenz, Däumer, Hieber, Fischer.
Die französische Antwort auf das deutsche Memorandum.
Herriot hat, wie die Morgenblätter melden, die zum zweiten Male umgearbeitete französische Antwortnote auf das deutsche Memorandum vom 24. Februar durchgeschen.
Die Antwort des Interalliierten Militärkomitees In seines auf den Fragebogen der Botschasterkonkereuz wird Ende der Woche fertig vorliegen.
Belgien und der Sicherhsitspakt.
Der belgische Sozialisteuführer Dandervelde hat dem Brüsseler Berichterstatter des Petit Parisien eine Unterredung gewährt, in der er sich über die Frage des Sicherheits- paktes aussprach. Er erklärte: Ich habe die vollkommene Ueberzeugung, daß die belgische Regierung, welche Männer sie auch bilden mögen, auf alle Fälle auch ferner mit der französischen Regierung eine Politik des Friedens und der internationalen Annäherung fortjetzen wird. In diesem Geiste wird man morgen wie gestern Garantien für die Sicherung Europas suchen. Auf die Frage, ob Deutschland in den Kombinationen, die sich vorbereiten, eine Rolle spielen könnte, antwortete Vandervelde: Niemand denkt in unserem Lande daran, eine Beteiligung Deutschlands an einem eventuellen Verträge abzu- lehnen. Ich verstehe natürlich darunter ein Deutschland das'im Osten den territorialen status quo annimmt und sich verpflichtet, ihn nicht mit Gewalt abzuändern, sondern eine zukünftige Revision des Versailler Vertrages abzuwarten. einige werden natürlich sagen, daß selbst unter diesen Voraussetzungen ein Garantiepakt der von Deutschland unterzeichnet ist, nur ein neuer Fetzen Papier sein wird. Dandervelde fuhr fort: Ein auf Gegenseitigkeit beruhender Sicher- Heitspakt zwischen den Mächten würde für die Sozialisten nur unter folgenden Bedingungen annehmbar sein: Zuerst dürste er keine Spitze gegen Rußland enthalten, außerdem könnte Deutschland nur auf dem Fuße der Gleichberechtigung mit allen anderen Nationen bezüglich seiner Verpflichtungen und Rechte in den Völkerbund ausgenommen werden. Es sei endlich nötig, daß der Patt i« den Rahmen der Abkommen eingeschlossen sei, die durch das Protokoll vorgesehen seien, und daß es einen Weg zur späteren Annahme des Protokolls gebe. Die Annahme des Protokolls sei ein wesentlicher Grundsatz.
England und die Beparationsabgibe«
Im Unterhaus bracht« Lord Churchill die bereit« früher im Wortlaut gemeldete Entschließung über die Münde- rung in der Methode der Einziehung der 2 6 p r o • zentigen Reparationsabgabe ein. Churchill führte u. a. aus, die Reparationseinziehungsakte fei das hauptsächliche und so gut wie einzig wirksame Mittel, das bie jetzt gefunden sei, um Großbritannien seinen Anteil an den deutschen Reparationszahlungen zu sichern. Die Akte habe einen zunehmenden Strom von Reparationszahlungen be- wirkt, die den ratenweisen Zahlungen der britischen Schuld an Amerika gegenübergestellt werden könnten. Jeglicher Vorschlag. eine andere Methode an die Stelle dieses zweckmäßigen Verfahrens zu setzen, müsse vom Unterhaus sehr sorgfältig geprüft werden und sei auch von der Regierung sehr genau erwogen worden.