Hersfelöer Tageblatt
| Hersfelöer Kreisblatt"
Amtlicher Anzeiger für -en Kreis Hersfels
Nr. SS Dienstag. den 14. April 1925
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Das Wichtigste.
— Sowohl Generalfeldmarschall von Hin - denburg wie Dr. Marx haben sich mit einer Öfter» botschaft an ihre Wähler gewandt.
— Herriot ist der Opposition unterlegen. Nach dem Rücktritt seines Kabinetts sind bereits ernste Bemühungen im Gange, ein neu,es Kabinett zu bilden, für das man bereits die Namen der Minister angeben zu können glaubt.
— Schweden hat nach Prüfung daas Genfer Protokoll abgelehnt mit dem Bemerken, es trage nur den Keim neuer Befehdung der Mächte in sich.
— Der Bericht der Militärkontrollkommission ist so weit fertiggestellt, daß man mit seiner Uebersendung an Deutschland in Kürze rechnet.
Französische Lnflationspoliiik.
Die Entwertn,^ des Frank.
Herriots Politik in Frankreich hat einen argen Stoß er- kitten. Der französische Block libf seit langem mit allen Mtteln gegen Herriot an. Diesmal war der Grund rein wirtschaftlicher Natur. Der französische Frank hatte in den letzten Wochen einen katastrophalen Sturz getan. Die Entwertung des gesetzlichen Zahlungsmittels ist uns in Deutschland durch die langen In- flationsjahre genügend bekannt. Die Politik Poincarss, d. h. eine absolute wirtschaftliche und politische Unterordnung Deutschlands unter die Entente, hat der Mark schließlich den Todesstoß versetzt. In Frankreich vollzieht sich in den letzten Tagen die Entwertung des Frank sprunghaft. Nichts ist gefährlicher für ein Land, als wenn die Wirtschaft mit unsicheren Faktoren zu rechnen hat. In den Zeiten unserer tief- um sich seinen Verpflichtungen zu entziehen. Wir möchten heute an Frankreich die ähnliche Frage richten, ob es vielleicht die Entwertung des Frank ebenfalls absichtlich betreibt! Für Frankreich stehen die Dinge heute noch ungünstiger als damals für uns. Ein Land, das nur innere Schulden hat, ist, absolut betrachtet, immer besser daran, als wenn es ausländische Gläubiger befriedigen muß. Frankreich hat in Amerika und England während des Krieges und auch nach dem Kriege große Anleihen aufgenommen, deren Zinsen ihm bisher gestundet sind. Da diese Anleihen fast sämtlich aus Frank lauten, liegt der Gedanke sehr nahe, daß Frankreich eine Entwertung absichtlich betreibt, um sich seinen Derpfilch- tungen zu entziehen. Daß die Entwertung forciert ist, um Herriot zu stürzen, ist ohne Frage zu bejahen.
Der kürzlich« Sturz des Frank hat innere Ursachen In Frankreich machte sich in den letzten Monaten ein großer Kreditbedarf 'bemerkbar. An die Bank von Frankreich .traten erhebliche Anforderungen heran, das Wechselporte- feuille dieses Instituts erreichte eine bedenkliche Höhe. Die Bank beabsichtigte nun, auf Grund der Privatwechsel neue Noten auszugeben, trieb also mit offenen Armen einer neuen Inflation entgegen. Die Folge davon war, daß innerhalb weniger Tage der Frank von 84 auf 93% für ein englisches Pfund sank. Für den Dollar wurden bis 19% Frank gezahlt. Das französische Kabinett war ratlos. Der Finanzminister ,Elemente! trat sofort zurück. Der radikale Senator d e M o n z i e trat an seine Stelle, er legte der Regierung ein scharf umrissenes finanzpolitisches Programm vor, das von Herriot und nach einigen Widerständen auch von der Kammer akzeptiert wurde. De Monzie forderte vor allen Dingen eine Ermäßtgüngder Einkommensteuer. Er ging dabei von dem richtigen Gedanken aus, daß durch eine eventuelle Erhöhung dieser Steuer (eine solche um 50 Prozent war geplant), der Wirtschaft weitere Summen entzogen würden. Das Wichtigste seines Programmes ist jedoch die 10prozentige Vermögensabgabe gleich einer Zwangsanleihe, die mit 4 Prozent als neue 'Anleihe verzinst wird und als langfristige Staatstitres offenbar nicht ein- gelöst wird. Bekanntlich ist gesetzlich der Umlauf der Noten in Frankreich auf 41 Milliarden begrenzt. Nach dem letzten Bankausweis hat der Notenumlauf bereits 43 Milliarden erreicht. Die Bank hat also im geheimen eine Bilanzverschleierung getrieben, denn sie hat die offenen Kredite an den Staat nie mit ausgewiesen. Bon Woche zu Woche hat der Banknotenumlauf zugenommen. Bald nach 9 In tritt de Monzies wurde die Bank dann offiziell ermächtigt, das vorgesehene Kontingent von 41 Milliarden um 4 Milliarden zu erhöhen. Dadurch erhöhte sich automatisch der Maximal, vorschuß der Bank von Frankreich von 22 auf 26 Milliarden Frank. Diese ständige Zunahme wurde an den ausländischen Börsenplätzen aufmerksam verfolgt. Ende voriger Woche tarn plötzlich auf allen ausländischen Börsenplätzen so viel Material an den Markt, daß der ftanzösische Frank diesen katastrophalen Rückschlag erlitt. Man darf zwar nicht verkennen, daß Frankreich es bis jetzt immer wieder verstanden hat, seinen Notenumlauf einzudämmen und damit seine Valuta zu retten. 'Allerdings nur mit Hilfe ausländischer BankengDuppen, speziell anwrikanischvr. Es ist klar, daß Amerika als der größte Schuldner Frankreichs auch immer das größte Interesse daran hat, die französisch« Valuta zu Mttsn, um von ihm wenigstens die Zinsen der ^Anleihen be-
prhlt zu bekommen. Nun mach! Frankreich aber auf anderem Sebiete Anstrengungen, die in Amerika nicht auf das nötige Verständnis stoßen. Frankreich gibt für militärische Zwecke ungeheure Summen aus. Diese Summen erstrecken sich nicht nur auf Frankreich selbst, sondern es werden außer- Km noch bestimmte Kontingente davon in der Tschechoslowakei und namentlich für die polnische Armee bereitgestellt. Auch in England werden diese Gelder für rein militärische Zwecke scharf verurteilt. Erst kürzlich hat Frankreich wieder für die Vermehrung seiner Luftflotte mehrere Millionen aus dem laufenden Staatsbudget bereitgestellt, was in England wieder großes Befremden hervorgerufen hat.
Als nun bei dem letzten Sturz des französischen Frank die Intervenierung der amerikanischen Freunde ausblieb, war die Besorgnis in Pariser Kreisen groß. Man sprach schon davon, daß Frankreich in Amerika eine neue Anleihe aufnehmen könnte, die als sogenannte S t a bi l i s ier u ngs - anleihe gedacht war, aber die Meldungen, die auf eine diesbezügliche offizielle Anfrage aus New Park einliefen, lauteten wenig erfolgversprechend, bis schließlich eine recht deutliche Absage von drüben kam. Die ganze mißliche Finanzlage Frankreichs wird durch seine verkehrte Außenpolitik noch verschärft. Das enge Militärverhältnis zur Tschechoslowakei und zu Polen kostet Frankreich . enorme Summen, die an anderer Stelle nutzbringender für volkswirtschaftlich notwendigere Zwecke ausgegeben werden könnten. Frankreich selbst macht gar kein Geheimnis davon, daß diese Summen gewissermaßen ä fonds perdu seinen östlichen Vasallenstaaten gegeben sind. Dieser Betrag beträgt heute ungefähr 5 Milliarden, d. h. also ein Achtel der gesamten umlaufenden Noten- menge. Die Hauptursache des Füllens der französischen Balreta beruht jedoch in dem Aufeinanderprallen der beiden- wirtschaftlichen Gegenpole: des Kapitalismus, durch den Rechtsblock, und des' Socialismus, vertreten durch Herriot. Die Rechtspartei hat sich als stärker erwiesen und am Freitag die Demission des Kabinetts Herriots erzwungen.
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Generalfeldmarschall von Hindenburg erläßt fol
genden Aufruf:
Öfter« 1925.
An das deutsche Volk! ,
Vaterländischgesinnte Deutsche aus allen Gauen und Stämmen haben mir das höchste Amt im Reiche angetragen.
Ich folge diesem Ruf nach ernster Ueberlegung in Treue zum Vaterland. Mein Leben liegt klar vor aller Welt. Ich glaube auch, in schweren Zeiten meine Pflicht getan zu haben.
Wenn diese Pflicht mir nun gebietet, auf demBodender Verfassung, ohne Ansehender Partei, der Per- so», der Herkunft und des Berufs als Reichspräsident zu wirken, so soll es nicht an mir fehlen. Als Soldat habe ich immer die ganze Nation im Auge gehabt, nicht die Parteien. Sie sind in einem parlamentarisch regierten Staat notwendig, aber das Staatsoberhaupt muß über ihnen stehe« und unabhängig von ihnen für jeden Deutschen walten. Den Glauben an das deutsche Volk und an den Beistand Gottes habe ich nie verloren. Ich bin aber nicht mehr jung genug, um an einem plötzliche« Umschwung der Dinge zu glauben.
Kein Krieg, kein Aufstand im Innern kann unsere ge- feAlte, leider durch Zwiespalt zerspalten« Nation befreien.
Es bedarf langer, ruhiger, friedlicher Arbeit. Es bedarf vor allem der Säuberung unseres Staatswesens von denen, die aus der Politik ein Geschäft gemacht haben.
Ohne Reinheit des öffentlichen Lebens und Ordnung kann kein Staat gedeihen. Der Reichspräsident ist besonders dazu berufen, die Heiligkeit des Rechtes hok^uhalten. Wie der erste Präsident auch als Hüter der Verfassung seine Herkunft aus der sozialdemokratische« Arbeiterschaft nie verleugnet hat, so wird auch mir niemand zumuten können, daß ich meine politische Ueberzeugung ausgebe. Gleich dem von mir hochgeschätzten Herrn Dr. Jarres erachte auch ich in jetziger Zeit nicht die Staatsform, sonderu de» Geist für entscheidend, der die Staatsform beseelt. Ich reiche jedem Deutschen die Hand, der national denkt, die Würde des deutschen Namens nach iynen und außen wahrt und den konfessionellen und sozialen Frieden will, und bitte ihn: „Hilf auchDumitzurA«serstehu»gu»seresVater-
1 an des!"
v. Hindenburg.
Marx' Ostergruß.
Der Präsidentschaftskandidat des Volksblocks, Dr. Wilhelm Marx, richtet an seine Wähler den folgenden Ostergruß:
„Das Vertrauen weiter Boftskreise hat mir die Kandidatur für die Präsidentschaft des Deutschen Reiches angeboten.
5$ bin diesem Ruf gefolgt in vollem Bewußtsein, daß dieser Wahlkampf nicht wir um das höchste, sondern auch um das 'chwerste und oerantwortungsoollste Amt der Deutschen Republik geführt wird. , ,
Ich sehe in dem frei gewählten Staatsoberhaupt das Sinnbild, aber auch den Hüter der deutschen Volkseinheit. Diese Einheit darf sich nicht in sprachlicher und staatlrcher Gemeinschaft erschöpfen. Einheit des Volkes ist Einheit des Geistes. Einheit des Geistes aber ist Uebereinstimmung aller über die Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens im eigenen Volk und über die Ziele für das Zusannnenwirken mit allen anderen Völkern. ,
Die Grundlagen der sozialen Gemeinschaft im Volke aber scheinen mir zu sein: Freiheit des Einzelnen und Pflicht gegen die Gesamtheit. Wer sich dieser Pflicht bewußt ist, wird etAch handeln, und innerhalb dieses Rahmens darf es keinem Einzelnen und keiner Gruppe verwehrt fein, nach freiem Ermessen seinem religiösen Bekenntnis zu folgen. .
Ein Volk, das von diesem Geist erfüllt ist, wird ohne Schwanken auch das richtige Verhältnis zu den anderen Völ- lern finden. Und hier hat das deutsche Volk zwei Aufgaben: Es muß seine Freiheit erringen, um dann seine Pflicht gegen die Gesamtheit, die Menschheit, zu erfüllen und erfüllen zu können. , . _ ., .
Die deutsche Verfassung, die der Präsident des Reichs beschwören muß, zeigt den Weg, das alte schwarz-rot-goldem Symbol großdeutscher Einheit das Ziel: die Freiheit Deutsch lands und die Mitarbeit dieses freien Deutschlands an ein« glücklicheren europäischen Zukunft.
Das deutsche Volk wird die Bestätigung seines berechtigter Selbstbewußtseins und die Erfüllung seiner nationalen Bestimmung künftig darin suchen, daß es mit anderen Völker« Achtung um Achtung tauscht.
Die Zeit, in der wir leben, ist nicht nur eine Zeit Leides, sondern auch der Größe. Ist Wahrhaft österlich Zeck Millionen arbeitender Menschen suchen nach Verständnis ver lanoen Vertrauen und sind auch bereit, neuer Führevschap TTS^l»^ -4 aurif wieder den Weg aus den Wirrnissen des materieller Daseins zur höheren Erkenntnis. Möchte dieses Suchen uni Sehnen nun auch seine mutige Stimme finden, jetzt, wo es du höchsten Lebens- und ßutunfts fragen der Nation gilt Nich um der einzelnen Person, nein, um der Nation willen.
Mögen Freiheit und sittlich Pflicht über alle Interessen und Parteien hinweg zum Bekenntnis des ganzen dentschr Volkes werden. 9ln diesem Ziel mitzuwirken, ist mein ganzes Streben, wohin auch der Wille und das Vertäuen bei Volkes mich stellen mag. Wilhelm Marx."
Für Hindenburg.
Der Kqffhäuser-Vund für Hindenburg.
Der Deutsche Reichskriegerbund „Kyffhäuser" erläßt zur Reichspräsidentenwahl folgende Kundgebung: „Kameraden! Der erste Wahlgang der Reichspräsidentenwahl hat bedauerlicherweise die große Zerrissen he it gezeigt, die unser Volk bis in die nationalen Kreise hinein beherrscht, trotzdem wir uns unseres alten Erbfehlers, der Uneinigkeit, wohl bewußt sind. Hand in Hand ging damit eine W a h l m ü d igle i t, die den Beweis dafür liefert, daß Millionen Deutscher sich durch nichtige Gründe von der Erfüllung einer nationalen Pflicht haben abhalten lassen. Wir richten deshalb nochmals die ernste, und dringende Bitte an alle unsere Kameraden, als nationale Wähler ihrer Wahlpflicht am 26. April — Männer und Frauen — restlos nachzukommen. Also wähle jedermann den Kandidaten, der unbedingt überparteilich und national eingestellt ist. Kameraden, helft unserem EhrenprüsidentenzumSiege!
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Aufruf der Vaterländischen Verbände.
In dem Aufruf der Vereinigten Daterländischen Verbände heißt es: „Wer den Bestand des Reiches will, wer das Wert Vismarcks mit neuem Leben erfüllt sehen will, wer die Frage, für wen sind unsere Toten gefallen, im beutt chen Sinne beantworten will, wer noch einen Funken Vaterlandsliebe sein eigen nennt, der kann nie dem Kandidaten der Internatio- nale seine Stimme geben. Hindenburg soll und kann dir Wiedergeburt des deuffchen Volkes einleiten. Wer darin den augenblicklichen Inhalt aller Lebensarbeit sieht, für den gibt es keine andere Wahlparole, als: A l l e R e f e ro e n an d i e Wahlurne fürHindenburg! Wer nicht wählt, wer zur Wahlenthaltung aufforbert, der frevelt. Der Nichtwähler ist der größte Feind des Christentums, des Vaterlandes und des sozialen Ausgleichs."
Hitler für Hindenburg.
Hitler hat nunmehr in seinem Organ die Aufforderung zur Wahl, Hindenburgs an seine Anhänger erlassen.
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Wahlaufruf der deutsch-sozialen Führerschaft.
In dem Aufruf der FUhremck)aft der Deutsch-Sozialen Partei heißt es u. a.: „Hindenburg ist aufgestellt für das höchste Amt des neuen Deutschlands. Damit ist erfüllt, was wir Deutschsozialen auf unserem Parteitage als unseren ein- mutigen, heißen Wunsch ausgesprochen haben. Stoben«