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HersMer Tageblatt yersfelöer Kreisblatt" Amtlicher Mnzeiger für Sen Kreis Hersfelö

Nr. 87 Mittwoch, den 15. April 1925

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Das Wichiigsie.

..... Die BemllhungenBriands, ein neues fran zochches Kabinett zu bilden, haben bisher zu keinen Ergebnis geführt. B r i a n d w i l l d i e Ent Icheidung des Parteitags der Sozialisier abwarten, auf dem die Stellungnahme der Sozialisier zu einem Kabinett Briand beschlossen werden soll.

. Der Reichskanzler Dr. Luther hat sich in einem Artikel für eine Essener Zeitung ziemlich optimistisch über die Lage im Ruhrgebiet ausgesprochen.

Zwischen Deutschland und Frankreich ist ein G r e n z a b k o m m en geschlossen worden.,,

Es besteht die Möglichkeit, daß der R e i ch s u n t e r - s u ch u n g s a u s s ch u ß für die Barmat-Affäre, der seine Ermittlungen wieder aufnimmt, B a r m a t und den frü­heren Postminister Dr. HöfIe vernehmen wird.

Spareinlagen und ©parfinn.

Die Inflationszeit hatte den Sparsinn, der in erster Linie die Voraussetzung für den Wohlstand des Staates be­deutet, vollständig getötet. Während früher jeder Vater zu seinem Sohne sagte:Spare dein Geld", hieß es in den Nach- kriegsjahren:Kaufe dir für Geld Waren." Der Wille zuni Sparen war in Europa nirgends so ausgeprägt, abgesehen oon Frankreich, wie in Deutschland. Nach der Iahrhunderi- vende nahm die Zahl der Sparkassen erheblich zu. Im Laufe der Jahre erhielten sie auch die Erlaubnis, rein bankmäßige Seschäfte zu betreiben, und reizten das Publikum; größten- :eils handelte es sich um den Mittelstand, durch die dadurch nhöhien Zinssätze, zum Hergeben jeder noch so kleinen Summe. Die Entwertung unserer Mark hat alle Werte ver­richtet. Der Sparer hat sein ganzes Kapital wieder verloren. Stoße Erbitterung herrschte unter ihnen, als die Sparkassen u den Inflationsjahren, besonders von 1920 an, fast durch­weg reine Bankgeschäfte machten und Jick

WWWWWWMWWWEMt" am Geldmärkte. Sie rahmen die Gelder zu mäßigen Zinssätzen herein und liehen sie zu hohen Sätzen wieder aus. Gesetzlich war ihnen nichts anzuhaben, denn sie durften das Bankgeschäft betreiben, aber daß der kleine Mann seine Gelder so schwinden sah, ohne daß er etwas dagegen machen konnte, hat psychologisch schwere Folgen gehabt. Noch in den ersten Monaten der stabilen Währung spielte das Leihgeschäft die Hauptrolle bei den Spar­kassen. Die Folgen blieben auch nicht aus. 3m ganzen be­saßen die Leiter der Sparkassen nicht die banktechnischen Er­fahrungen, so daß ihnen zum Teil große Verluste entstanden, Die letzten Endes der Sparer und im weiteren Sinne der Steuerzahler tragen mußten.

Die Zeiten haben sich auch hier geändert. Im deutschen Volke ist wieder ein durchschlagender Wille zum Sparen er­kennbar. Man kann die gesamten Spareinlagen von 1913 mit etwa 20 Milliarden veranschlagen. Diese Summe ist eher noch zu niedrig bemessen. Ende 1923 wurde der Spareinlagen- bestand auf zirka 100 Millionen Mark geschätzt. Die Gut­haben im Scheck- und Kontokorrentverkehr beliefen sich Ende 1923 auf etwa 250 Millionen. Die scharfe Kreditnot und die Restriktionen im Geldverleih, wie sie die Reichsbank durch- führte und die auf den gesamten Geldmarkt abfärbten, haben die Sparkapitalien damals reduziert. Man legte, angereizt durch die hohen Zinsen, sein Geld gern im freien Geldverkehr an. Böse Erfahrungen haben aber auch diesem Zustande bald wieder ein Ende gemacht. Dom Juni vorigen Jahres an ist durchweg eine Vermehrung der Sparguthaben zu beobachten Man muß diese Tatsache auch psychologisch wer­ten. Es ist klar, daß Sparen heutzutage viel schwieriger ist als vor dem Kriege. Wenn man auch sagen kann, daß die Löhne und Gehälter den Friedensstand wieder erreicht haben, so liegt doch der Lebensmittelindex erheblich über dem von 1913, durchschnittlich etwa 140 Prozent gegen 100 Prozent. Teilweise sind die Zahlen noch erheblich höher, beispielsweise bei der Textilbranche. Die schwere Krise, die gerade diese Industrie zurzeit durchmacht, wird aber das Preisniveau schon regulieren. Ende 1924 betrug das S check- und Konto­korrentguthaben schon fast % Milliarden, die Spar­einlagen etwa 12 Milliarden. Ganz erheblich haben im neuen Jahre die Scheckeinlagen bei der Post ju genommen, auch die Depositen bei den Banken sind, nach Mitteilungen der Leitungen, gestiegen. Man wird nicht zu niedrig greifen, wenn man das gesamte bare S pa r - kapital heute auf 2,5 Milliarden an setzt. Der Sparsinn der gesamten Bevölkerung hat im letzten Halbjahr 1924 und bis setzt im laufenden erheblich zugenommen, weit mehr, als es im gleichen Zeitraume vor dem Kriege der Fall war. Damals erhöhte sich durchschnittlich das Sparkapital I abzüglich der fälligen Zinsen pro Jahr um 700 Millionen, 1 unter Hinzuziehung der Zinsen um fast eine Milliarde. Wenn ' man auch unter Berücksichtigung der hohen Zinssätze im ersten ' Quartal 1924 reichlich 600 Millionen als Zinszuwachs an- nehmen muß, so bleibt immer noch ein großer Betrag als reine Spar summe bestehen. Daneben setzte auch das V e r - si ch e r u n g s g e s ch ä fl wieder auf breiter Basis ein. Die Lebensversicherungen namentlich konnten dem

Geldmärkte große Summen zuführen, aber auch die ander« Geschäfte dieser Branche blühten wieder auf und bewies« den Sparsinn des deutschen Volkes vor aller Oeffentlichkeit.

Man muß schließlich aber einwenden, daß die Bildum von Kapital nicht direkt vom Sparer abhängt. Der Geld markt und seine vielen Faktoren bedingen diese Bildung mi in erster Linie. Das Kapital, so schnell es sich in den letzter zwei Jahren der stabilen Währung neu gebildet hat, wird sick später doch langsamer vergrößern müssen. Die unsicherer Verhältnisse der Zinssätze, der gesamte Aktienmarkt, all« dieses sind Faktoren, die ihn mitbeeinflussen müssen. Die Gesellschaften schütten zum Teil im ersten stabilen Jahre noch keine Dividende aus. Diese Summen, die aber im nächsten Jahre bestimmt mithinzukormnen weredn, werden den Kapi- talrnavkt beeinflussen Nicht unwesentlich hat auch den Spar­sinn die Aufhebung der 3. Steuernotverordnung angeregt, namentlich die Entschließung des deutschen Sparkassentages in Nürnberg, damit die Sparkassen in den Stand gesetzt würden, eine angemessene Aufwertung der alten Guthaben vWzWehmen. p.

Die Schwierigkeiten der französischen Kabinettsbildung.

Die Entscheidung liegt bei den Sozialisiert.

. lieber den Stand der Kabinettsbildung ist folgendes zu berrchten: Der Vorschlag des Finanzministers d e M o n z i e, ern provisorisches Kabinett zu bilden, um die Frage der Erhöhung des Notenumlaufs zu regeln, kann als erledigt betrachtet werden, da er auf den Widerstand fast aller maßgebenden politischen Persönlichkeiten gestoßen ist, Die Frage, ob es Briand gelingen wird, ein Kabinett zu bilden, bann nach den Ergebnissen der Beratungen um so weniger mit Ja beantwortet werden, als Briand zwei­felsohne nicht auf die Beteiligung der So­zial isten an feinem Kabinett rechnen kann. Er ist sogar auf den Widerstand eines Teils der radikalen Kammerfraktion gestoßen. Es fragt sich nun, ob Briand die sozialistische Beteiligung an bildung verzichten. Anders verhält es sich mit der Frage der Unterstützungspolitik der Sozialisten. Wird diese einem Kabinett Briand gewährt werden? Auch darüber wird der Nationalrat der Partei Auskunft geben, so daß man wohl behaupten kann, daß alle Kombinationen vor Beendigung des Parteitages des Nationalrates der Sozialisten verfrüht erscheinen. Wenn Briand tatsächlich nur mit dem Kartell der Linken ein Kabinett bilden will, dann müßte er, wenn der kleine sozialistische Parteitag weder eine direkte Beteili­gung an seinem Kabinett noch die Unterstützungspolitik an- nimmt, wie es die sozialistische Vereinigung von Toulon be­reits gefordert hat, auf die Kabinettsbildung verzichten. In diesem Falle, so ist in den Wandelgängen der Kammer er­klärt worden, würde Doumergue nochmals versuchen, Pain- (e o e zur Bildung des Kabinetts zu bewegen, und wenn dieser sich weigert, dann bleibt wahrscheinlich nichts anderes übrig, als dem jetzigen Iustizminister Rens Renault die Bildung des neuen Kabinetts zu übertragen. In dieser Kombination würde jedenfalls Briand das Portefeuille für auswärtige Angelegenheiten übernehmen. In gewissen politischen Kreisen wird sogar angenommen, daß Herriot düses Ministerium übernehmen, während Briand das Justiz­ministerium anvertraut werden würde.

Die radikal-sozialistische Gruppe hatte eine lange Sitzung abgehalten, an der auch die Senatoren der Gruppe teilnahmen. Zunächst wurde beschlossen, daß kein Mitglied der Partei ohne ausdrückliche Ge­nehmigung des Parteiausschussses einem Kabinett beitreten dürfe. Senator Saraut erklärte auf Gerüchte, wonach er eventuell mit der Kabinetts­bildung betraut werde, nicht in der Lage zu fein, einem Ruf des Präsidenten der Republik zu folgen. Schließlich wurde zu der Frage der Mitwirkung der Partei an einem Kabinett Briand Stellung genommen. Nach lebhaftem Meinnngsaus- taufch wurde beschlossen, sich einer Entscheidung zu enthalten. Die gemäßigten Mitglieder der Partei sind jedoch für eine Zusammenarbeit mit einem Kabinett Briand. Danach trat der Ausschuß der sozialistischen Gruppe mit dem Vorstand der Radikalen zu einer Besprechung zusammen, wobei die Notwendigkeit einer Verständigung über die Finanzpläne festgestellt wurde.

Llnierzeichnung eines deutsch-französischen Grenzabkommens.

Im französischen Außenminister: um ist ein deutsch-fran- zösisches Abkommen über die Einrichtung der Grenzbahnhöfe an der deutsch-französischen Grenze unterzeichnet worden. Ferner wurde ein Vertrag über die Festsetzung der Grenze zwischen dem Reich und Frankreich festgelegt, dessen formelle Unterzeichnung nach Beendigung gewisser technischer Arbei­ten demnächst erfolgen wird. Für Deutschland unterzeich­nete das Abkommen der Wirkliche Legationsrat von Grmau, für Frankreich der Referent im Außenministerium . « . re, die mit der Führung der Verhandlungen beaufhe i uct^iu

Das Foch-Gutachten vor der Botschafterkon serenz.

Nach einer Londoner Meldung wurden die endgültigen Beschlüsse Marschall Fochs und des Versailler Militärkomitees zu dem Berichte der Militär-Kontroll-Kormnission in Deutsch­land am Ostersonntag dem Sekretariat der Botschafterkonfe- renz überreicht. Das Blatt fügt hinzu, den französischen und belgischen Konferenz-mitgliedern sei von ihren Regierungen mitgeteilt worden, daß über die Fragen, die im Bericht ent­halten siuo, kein weiterer Fortschritt erwartet werden kanm

Ein offenes Wort über die englische Diplomatie.

Bei der Einweihung eines Denkmals zu Ehren der im

Kriege Gefallenen warnte der englische General Jan H a m i l t o n vor einer Fortsetzung der bisherigen Politik, die nur Argwohn und Verdächtigungen schaffen könne. Wenn die englische Diplomatie ihren eigenen Weg gegangen wäre, so wäre es ihr zweifellos gelungen, Argwohn zu vermeiden. Die Verlängerung der Besetzung der Kölner Zone über die Ver­tragsdauer hinaus, aus Gründen, die nicht klar feien, habe Besorgnis und Alarm hervorgerufen und werde sich zu einem Schritt auswirken, der nichts anderes als Krieg bedeute. Diese Handlungsweise bedeute Tausende und aber Tausende von Stimmen für Hindenburg und gegen den demokratischen Präsidentschaftskandidaten. Der Tag würde sicherlich komme», wo es sich herausstellen würde, daß man nur böses Blut geschaffen habe.

Rumänischer Ministerrat über den deutsch­rumänischen Streitfall.

Aus Bukarest wird gemelbet, daß der rumänische Mi- nifterrat zum deutsch-rumänischen Streitfall Stellung nahm. Im Finanzministerium fand in der Angelegenheit eine Be­sprechung zwischen Duca, Bratianu und dem runränischen Delegierten in der Reparationskommission statt.

Neue Konferenz der österreichischen Nachfolgestaaten.

Für den Monat Mai ist eine neue Konferenz der Nach­folgestaaten Oesterreichs in Aussicht genommen worden, die in Prag stattfinden soll. Die Konferenz stellt eine Fort­setzung und vielleicht einen Abschluß der Verhandlungen in Aussicht, die Enlde Januar in Wien abgehalten wurden und sich zunächst mit der Aufteilung der alten öster­reichischen und altungarischen Vorkriegs- s ch ulden beschäftigten. Das Ergebnis der bevorstehenden Konferenz dürfte auch die Frage der A u f n a h m e der Zinszahlung fürdie gemischten Titres, deren Kupons seit sechs Jahren nicht eingelöst worden sind, in die Nähe rücken.

Oesterreich fordert Erleichterung der Kontrolle.

Die österreichische Regierung wird bei der letzten Tagung des Völkerbundes im Juni die Forderung auf Erleichterung der gegenwärtigen Kontrolle stellen. In politischen Kreisen verlautet, daß Generaltommiffar Dr. Zinnnermann dieses An­suchen unterstützen werde, so daß die Erleichterung der Kon­trolle noch in diesem Jahr eintreten dürfte.

x Die Anschlußfrage.

Reichstagspräsident Löbe sprach im Oesterreichisch- Deutschen Bolksbund, Ortsgruppe Frankfurt, über die Frage des Anschlusses von Deutsch-Oesterreich an das Deutsche Reich. Er erklärte, daß eine zunächst wirtschaftliche Entscheidung in dieser Frage in naher Zeit bevorstohe. Von den in der alten Entente tätigen Kräften arbeite besonders Mi ni ste rp rü­st d e n B e n e s ch an der Errichtung der Donau-Föde­ration. Damit würde nur der alte Herd der Konflikte wieder geschaffen, wie er vor dem Kriege bestanden hal^. Italien allein fei dem entgegen; es wünsche eine ge m e in s ch a f t l i che Grenze mit dem Deutschen Reich statt der Wiederauflebung des alten Oesterreich. Anre- rika und England ständen dieser: Fragen wenigstens neutral gegenüber.

Der Reichskanzler über die Lage im Ruhrgebiet.

Der Reichskanzler Dr. Luther, der bekanntlich frühe: Oberbürgermeister von Essen war. Hat einer Essener Zeitung einen Beitrag zur Verfügung gestellt, in den: es über das Ruhrgebiet heißt:Die Lebenskräfte des Ruhrgebietes: Arbeit und Wille zur Arbeit, können sich jetzt wieder entfalten, wenn auch die gegenwärtige Gesamtlage der schaffend«: ülrbcit nod mancherlei Hindernisse in den Weg legt. Das Bestreben der Olcicbsregierung ist es, mitzuarbeiten, daß die ungeheure Arbeitsmaschine des Ruhrgebietes wieder fehlerlos läuft unt daß die Verbindungen zwischen bem Ruhrgebiet und den übrigen Deutschland wieder auf das engste verknüpft werden Das geschieht sowohl um Deutschlands als auch um der Wirt schuft willen. Ich glaube an eine Verbesserung der wirtschaft- lieben Lage des Ruhrgebic ieq, die die Frage der bevorstehenden