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Hersfelöss Tageblatt yersfel-er Kreisblatt" Amtlicher Anzeiger für öen kreis Hersfelö

Nr. SS Donnerstag, den 16. April Igss

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Das Wichtigste.

_ $Wdem Briand auf Grund der Ablehnung der «oMlrften, sich an der Regierung zu beteiligen, feinen Auftrag zurückgegeben hat, ist Painlevs be­auftragt, ein Kabinett zu bilden.

_ ~ Dr. Marx hat seine erste Wahlrede in Konrgsberg i. Pr. gehalten.

,.. "-Der Reichstagsuntersuchungsausschuß für Barmat -KutisLer hat seine Vernehmungen wieder ausgenommen.

Der amerikanische SenatorBorah hat aufsehen­erregende Aeußerungen über die Schuld am Welt- kriegegemacht,indererFrankreich einen großen Teil der Schuld zuschiebt.

Weltpolitit.

Bei objektiver Verfolgung unserer früheren und jetzigen ^mßenpolitik muß man die Beobachtung machen, daß recht oft Mißerfolge und Rückschläge zu verzeichnen sind, die nmn weniger einem Mangel an hervorragend politischen Köpfen, als vielmehr der außerordentlich ungünstigen Lage Deutsch- Istnos in der Mitte Europas zuschreiben muß. Deutschland besitzt keine festen Grenzen und ist von einer Kette von Feinden umgeben, die ständig mit allen Mitteln eben auf derartige Mißerfolge hinarbeiten. So oft auch ein außen­politisches Genie auftrat und die Ungunst der Lage über- wand, so oft trat danach ein Rückschlag ein.; Es war dem­nach Deutschlands wichtigste außenpolitische Ausgabe, um nicht von allen Seiten bedroht zu werden, sich wenigstens auf einer Seite einen Verbündeten zu schaffen, der mindestens neutral blieb, falls es auf der anderen Seite zu militärischen Kon­flikten kam. Unter Bismarcks außenpolitischer Leitung suchten wir die ohnehin durch die Verwandtschaft der Herrscherhäuser bedingte Freundschaft mit Rußland zu pflegen, ohne jedoch nach dem Berliner Kongreß 1878 eine merkliche Verstimmung zwischen Deutschland und Rußland eintrat und auch später der sogenannte Rückversicherungsvertrag nicht erneuert wurde, sahen einsichtige Politiker den Zweifrontenkampf kommen, zumal es uns nicht gelang, mit England in engere Fühlung zu .kommen. Alsbald stand Deutschland allein inmitten seiner Feinde, die alles daransetzten, das soeben geeinte Mittel­europa wieder auseinandeiHureißen.

Am gefährlichsten jedoch wurde Deutschlands Lage nach dem Kriege. Statt des Dreibunds entstanden eine Anzahl Raubstaaten, die nur darauf lauerten, über das verendende Deutschland herfallen zu können. Im Westen Tyrannei, im Osten ein Chaos, Deutschland selbst im Innern zerrissen und in gänzlicher Macht- und Rechtlosigkeit, überhaupt nicht mehr bündnisfähig. Die ersten Versuche einer tätigen Außenpolitik gingen nach Sowjetrußland in der Erwartung, auf diese Weise uns gegen den Versailler Vertrag zur Wehr setzen zu können. Es kam zum Abschluß zu Rapallo, der, rein politischer Art, die Hoffnungen unserer Wirtschaft zmn Scheitern brächte; wirtschaftlich ist Rußland ngch tot, und es bedarf eines mäch­tigen Kapitalzustroms, um zum Leben erweckt zu werden, wozu wir bei unserer eigenen Kapitalnot nicht in der Lage waren. Das Interesse für Rußland verlor sich bald in starkem Maße, da die Wirtschaft zurzeit von diesem Lande nicht ge­nügend profitieren tonnte und man bei uns in verhängnis­vollem Irrtum Außenpolitik gleich Wirtschaftspolitik annahm. Seit Rapallo haben wir mit Rußland nichts weiter erreicht. In um so stärkerem Maße wandten wir uns einer weit­gehenden Erfüllungspolitik zu. Unsere Politiker waren eben in dem idealen Glauben, daß eine schuldbewußte Erfüllungs- beveitwilligkeit endlich Frankreich das Herz erweichen und von unserer Artigkeit überzeugen würde. Diese Politik brächte uns nichts weiter ein als dauernde Niederlagen und neue Fußtritte. Inzwischen hatte sich jedoch ohne unser Zutun die Weltlage derart zu unseren Gunsten verschoben, daß wir bei richtigem Ausspielen der uns in die Hand gegebenen Trümpfe eine ganz andere Rolle hätten spielen können. Das Kabinett Daldwin fand das von der sozialistischen Regierung hinter- lassene britische Weltreich in einem Zustand hoffnungsloser Zerrissenheit vor. Es ist eine schwierige Aufgabe, die Neu- festigung des britischen Weltreiches, die sich das Baldwin- Kabinett zum ersten Ziel »nachte. Große Widerstände türmen sich entgegen, der Bolschewismus, dessen Lehren den er­wachenden Völkern Asiens die Kraft geben sollte, das eng­lische Joch abzuschütteln, und die Politik Frankreichs, dessen Taktik darin besteht, im Orient, der englischen Brücke nach Asien, alle erdenklichen SchwieriMteu zu bereiten, um seiner­seits englische Zugeständnisse zu neuen Erpressungen von Deutschland zu erlangen. Es wird in. London längst erkannt, daß es Zeit ist, die französische Hegemonie in Europa, die k mit englischen Segenswünschen in Versailles begründet wurde, I zu beseitigen, soll nicht Englands Abhängigkertsverhältnis zu | Frankreich eine dauernde Einrichtung werden, Aus diesem 8 Grunde lehnt momentan England alle Bündnisse und Pakte s Frankreichs, die sich gegen Deutschland richten, ab und betont s den Standpunkt, daß die Sicherheit Europas, an der England am meisten interessiert ist, um die Hände für ferne Orient- politik frei zu behalten, nur in einem gemeinsamen Dertrac mit Deutschland zu sehen ist. Unter keinen Umstanden möcht»

England den Rhein in französischen Händen lassen, um nicht Deutschland dazu zu treiben, sich nach Osten zu orientieren und Anschluß an den antienglischen asiatischen Block zu ge­winnen. Obwohl eine Gefahr in dieser Hinsicht noch nicht bestehen kann, ist England weitsichtig genug, um sie voraus- zusehen und seine Politik aus Möglichkeiten ferner Zeiten einzustellen. Ein asiatischer Block bis zum Stillen Ozean würde eine Katastrophe, den Untergang des britischen Im­periums bedeuten. Hieraus geht Englands Drängen, Deutsch­land in einen Sicherheitspakt einzubeziehen, um ein Gegen­gewicht gegen Frankreich zu bilden, hervor. Man kann wohl behaupten, daß wir durch die Umstellung der Weltmächte in die Lage gekommen sind, umworben zu werden. England braucht uns, und uns stand es frei, nach Osten oder nach Westen Fühlung zu nehmen. Dann kam das deutsche Garantieangebot von Ende vorigen Jahres England sehr ge­legen. Die in der gesamten englischen Presse gezeigte freudige Ueberraschung erscheint durchaus echt. Dennoch haben wir unsere Trümpfe zu früh ausgespielt. Im Westen haben wir "nichts Gutes zu erwarten, die Freiheit des Handels ist dahin; den Osten hat man in unseren politischen Kreisen viel zu wenig beachtet. Vielleicht hätten wir eine Revision unserer Ostgrenzen erreichen können. Doch wesentlicher ist die Tat­sache, daß die polnische Frage, die nicht zuletzt über die Vor­herrschaft Frankreichs in Ost- und Mitteleuropa entscheidet, nur §ani) in Hand mit der Sowjetregierung geklärt werden kann. Wie war es möglich, daß bei all den Verhandlungen Rußland überhaupt nicht erwähnt worden ist? Es ist wahr, Rußland wird in absehbarer Zeit wirtschaftlich für uns kaum in Betracht kommen, die rote Armee fällt als außenpolitischer Machtfaktor vorläufig nicht ins Gewicht, aber Rußland als der Träger der bolschewistischen Idee ist eine Macht, an der kein deutscher Politiker vorübergehen kann. Jetzt handelt es sich darum, die in Rapallo angeknüpften Beziehungen zu Rußland auszubauen. Noch ist es nicht zu spät, denn unser Garantieangebot ist keineswegs in endgültiger, starrer Form gemacht worden. W-L.

©cc ^Qttb'i^tif bcs 93oIfsMoess für Ö^n citff^cfÖ^nb&Ü zweiten Wahlgang zur Präsidentschastswahl, Reichskanzler a. D. Dr. Marx, hielt in Königsberg seine erste Wahlrede, der programmatische Bedeutung zukommt.

Einleitend hob Dr. Marx hervor, daß es ihm Herzens­bedürfnis fei, seine erste Rede vor dem zweiten Wahlgang in der deutschen Ostmark zu halten, die durch die unvergeßlichen Siegestaten unseres Hindenburg wie kaum ein anderer Teil unseres Vaterlandes in jedem deutschen Herzen die Erinne­rung an deutsches Leid, deutsche Not und deutsche Treue wach­rufe. Dr. Marx fuhr dann fort:Aus vollster Ueberzeugung habe ich immer betont, daß bei Deutschlands ungünstiger geographischer Lage und im besonderen nach dem Verlust des Krieges gegen eine Well von Feinden die Außenpolitik in allen unseren politischen Erwägungen und Entschließungen den Vorrang haben muß. Unsere politische Lage ist unver­kennbar immer noch derart, daß unser politisches Vorgehen in allererster Linie von der Außenpolitik bestimmt wird. Wir sind in sehr wichtigen Beziehungen von der Einstellung aus­ländischer Mächte abhängig. Wir sind ein entwaffnetes Volk und können leicht zum Spielball fremder Machthaber werden. Daß wir aber bei aller durch unser ureigenstes Interesse ge­botenen Rücksicht auf das Ausland unsere nationale Ehre und Würde wahren, das sind wir dem deutschen Volke, seiner großen Vergangenheit und seiner weltgeschichtlichen Bedeu­tung schuldig. Unserer deutschen Ehre sind wir aber nicht große und hohle Worte schuldig, sondern opferwillige Taten, die unser Land unb Volk wieder vorwärts und aufwärts bringen."

Dr. Marx ging dann näher auf die Besserung unserer wirtschaftlichen Lage ein und bezeichnet es als die ernsteste Pflicht aller, die Einfluß auf die Politik und das öffentliche Leben haben, alles zu vermeiden, was die gefügten unserer Währung und das ruhige Fortschreiten unserer Wirtschaft zu stören in der Lage wäre. Die sicherste Gewähr für eine regelmäßige und gesunde Fo r t e n tw i es l ung im In - nern sieht er in einer gesicherten Verfassung als Grundlage staatlicher Ordnung. Das deutsche Volk l>at sich in Weimar die Verfassung gegolten, die sein staatliches Leben ordnen und festigen soll. An ihr muß jeder Deufiche, der sein Vaterland liebt, festhatten und für sie sich mit der ganzen Kraft, die er im öffentlichen Leben zu betätigen imstande ist, sich einsetzen. Niemand wird die Weimarer Verfassung als so vollkommen betrachten, daß sie nicht in einzelnen Punkten verbesserungs­bedürftig erschiene. Aber an diese Verbesserungsarbeit wollen wir erst herangehen, wenn wir unser Haus gesichert [>aben. Dr. Marx kam dann auf die soziale Ge setz gebu n g zu sprechen und bezeichnet es als Pflicht, auch in Zukunft bahnbrechend und vorbildlich auf diesem Gebiete voranzu- gehen. Steuer- und Finanzgesetze müßten von echt sozialem Geiste getragen, das Maß der Leistungen der Tragfähigkeit des einzelnen angemessen werden. In der Aufwertung s- frage fei es Pflicht des Stüates, hier soweit als möglich ausgleichend zu wirken und die entstandenen Schäden zu be* fettigen. Er sage ausdrücklich soweit als irgend möglich, d. h. soweit es die finanzielle Lage des Staates irgendwie er­laube. Am Schluß seiner Rede betont Dr. Marx die Notwen­digkeit. unser Volk weit mehr als bisher zu echter und amhrer Staatsgesinnung und zu gemeinsamer Arbeit am Wähle des Vaterlandes zu erziehen, In zwei großen Heerlagern steht

sich das deufiche Volk bei der jetzigen Wahl eines Reichspräsi­denten gegenüber. Möge der Wahlkampf auf beiden Seiten im Geiste her Duldung und der Gerechfigkeit geführt werden. Möge die Entscheidung so fallen, daß sie uns eine Fortsetzung der bisherigen bewährten Außenpolitik der Verständigung und der Befriedung der Welt verbürgt. Möge sich im Innern die Erkenntnis befestigen, daß das Wohl der Gesamt­heit wie des einzelnen nur gefördert werden kann, wenn echt nationaler, vaterländischer Geist, das deutsche Volk in seiner Gesamtheit beseelt und feine Tätigkeit im öffentlichen Leben bestimmt.

Aufruf des Reichslandbundes für Hindenburg.

In der klaren Erkenntnis, daß die Größe des Reiches in der deutschen Geschichte nur dann begründet und gesichert war, wenn seine Leitung über den Parteien und außerhalb materieller Interessen stehend sich in ausgleichender Gerechtig­keit auf die ideellen Führerkräfte der Nation stützte im Dienste des einen Zieles, das Blühen und Gedeihen des Vaterlandes zu sichern, hat der Reichslandbund während des Wahlkampfes um das Amt des Reichspräsidenten stets sich für eine Sammel- kandidatur eingesetzt, die dieses Ziel nach Möglichkeit ver­wirklichte. So trat er im ersten Wahlgang für Dr. Jarres ein, so ruft er jetzt, nachdem Dr.Jarres selbst Hinden­burg gebeten hat, dem Rufe weitester Volkskreise zu folgen, alle seine Mitglieder auf, ihre ganze Kraft für Hindenburg, die beste Verkörperung deutschen Führertums, ei uzusetzen. In selbst­loser Treue hat sich der Feldmarschall bereit erklärt, dem deutschen Volke in entsagungsvoller Friedensarbeit zu dienen. Seine lautere Persönlichkeit ist das beste Gegengewicht gegen die das deutsche Gemeinschaftsleben zerstörenden Kräfte. Treue um Treue sei die Parole. Wer sein Vaterland liebt, vörhilst in Hindenburg deutschem Pflichtbewußtsein, deutscher Opferfreudigkeit, deutschem Glauben, deutscher Treue und deutscher Reinheit, verhilft allen guten Kräften der Nation zum Siege über den Parteigeist, der Deutschland in Revo« alle Landbundstimmen für Keneralfeld- marsch all von Hindenburg!

Der Bundesvorstand des Reichslandbundes.

Die tschechoslowakische Freihafenzone in Hamburg.

Die Verhandlungen zwischen der deutschen und der tschecho­slowakischen Regierung über die tschechoslowakische Freihafen­zone in Hamburg, die der Friedensvertrag von Versailles der Tschechoslowakei zusichert, werden am 20. April in Hamburg wieder ausgenommen werden. Die Präger Regierung ist durch den Sektionsrat Dr. PartI, den Vorstand der Schiff- fahrtssektion im Handelsministerium, vertreten.

Gegen die Schuldlüge.

Der amerikanische Senator B o r a h ist nochmals auf

das allerschärfste der Schuldlüge entgegengetreten, indem er erklärte, der Krieg sei mindestens zu einem Teile auf Frankreichs Geheimverträge mit Rußland und andere» Nationen zurückzuführen. Um Frankreichs Ausgaben nach dem Kriege zu rechtfertigen, sei den Franzosen eingeredet worden, Deutschland werde alles zahlen. Dazu sei die Schuldlüge nötig gewesen. Frankreich könne trotzdem Sicher­heiten fordern, dafür solle aber die Welt verlange», daß Frankreich seine militärischen Rüstungen entstelle.

Der Völkerbund für zwischenstaatliche, wirt­schaftliche Verkehrserleichterungen.

Das Detonomifdje Komitee des Völkerbundes hat für Ende Mai eine Konferenz einberufen, in der über die Auf­hebung der Ein- und Durchfuhr-Verbote so- wie sonstige Ausnahmen beraten werden soll, die gegenwärtig den wirtschaftlichen Verkehr zwfichen den Staaten behindern. Der Völkerbund will damit die Anregu ng zu einem rascheren und erfolgreicheren wirtschaft- lichen Wiederaufbau der Staaten Mittel- europas geben.

Die französische Regierungskrise.

Nach Briand PainlevL

Briand begab sich Dienstag abend zum Präsidenten der

Republik und teilte ihm mit, daß er den Auftrag zur Ka­binettsbildung definitiv ablehnen müsse.

Die Entscheidung des sozialistischen Nationalrats wurde Briand um drei UI)r überbracht. Er trat sofort mit radikal- sozialistischen Abgeordneten zu einer zweistündigen Bespre- chung zusammen. Um sechs Uhr abends traf im Senat die Nachricht ein, daß Briand im Einverständnis mit Sarraut und zahlreichen Mitgliedern der radikalsozialistischen Partei einen letzten Versuch zur Bildung des Kabinetts unterneh­men würde. Wie verlautet, sollte sich dieses Kabinett an den größten Teil der Radikaksozialisten und der Linksradikalen, sowie der sozialistischen Republikaner anlehnen und fast aus» jchlicßlch die Finanzsanierung erstreben. Trotz der Unter-