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HersMer Tageblatt Hersfelöer Kreisblatt" Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeiö

Nr. go (Erstes W) Sonnabend, den 18. April 1925

Der Bezugspreis betrügt durch die Post bezogen monatlich 1. (I)k ausschlieBl. Bestellgeld, für Bersfeld 1. (Dk. bei freier Zustellung, Abholer :.80 (I)k. * Druck und Verlag von budwfg Funks | Buchdruckerei In Bersfeld, (filtglled des VDZV.

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Das Wichtigste.

Painlev e hat die Bildung des neuen Ka­binetts, in dem die bedeutendsten Männer Briand und Caillaux sind, vollendet.

Die englische Presse aller Parteirichtun- gen spricht sich über die Kandidatur Hindenburgs für die Reichsprästdentenwahl sehr anerkennend aus.

Der Reichstagsuntersuchungsaus­schuß vernahm im Schwurgerichtssaal in Berlin- Moabit B a r m a t persönlich.

In der Kathedrale in Sofia (Bulgarien) wurde bei der Totenfeier für den ermordeten General Kosta ein Bombenattentat verübt, dem übA 200 Men- schen zum Opfer fielen. Das Attentat wird als Signal zur Revolution angesehen.

Tue deine Pflicht!

Wir wählen am 26. April nicht", so hört man heute von allen Seiten Stimmen, die über ihre Stellungnahme zur Präsidentenwahl befragt werden. Alan weiß nicht, ifts Gleichgültigkeit oder Abgestumpftheit gegen die heutigen po­litischen Ereignisse. Nun soll man ja diese Gleichgültigen, wie wir sie einmal vorsichtig bezeichnen möchten, verstehen, wenn sie kein Interesse der kommenden Wahl entgegen- bringen, denn allzu viel Wahlen werden dem deutschen Volke zugemutet. War eine Wahl nach den Ereignissen von 1918 etwas Neues, bei dem man sich in langen Ketten vor den Wahllokalen drängte, um seine Stimme, von deren Wichtig­keit jeder überzeugt war, abzugeben, so hat die neue Zeit dem Deutschen jetzt zu oft die gleiche Aufgabe gestellt, und es ist eine alterprobte Tatsache, daß das stets Gleiche bei ungezählten Wiederholungen keinen Reiz mehr bietet, an Interesse mehr und mehr verliert, bis es schließlich sogar als lästig empfunden und nach Möglichkeit am ?>&; wird. So geht's: dem Deutschen

Pflicht, so lautet jedesmal die Parole, mir der man bei den ersten Wahlen die Gemüter zu höchster Spannung brächte. Aber wer wollte die Wahlen zählen, mit denen unser deut­sches Volk seit der Weimarer Verfassung, die ihm das Wahl­recht gab, beglückt wurde. Allein in diesem Jahre haben wir schon viermal nur für das Reich gewählt. Der Deutsche ist zudem, das wollen wir uns nur ruhig gestehen, von jeher etwas bequem und oft zu schnell einer Sache überdrüssig. Er läßt sich nicht gern in seiner Sonntagsriche stören, und wenn es auch nur durch einen Gang zum Wahllokal ist, das ja zumeist nur ein paar Schritte von seiner Wohnung ent­fernt ist. Dadurch wird ihm seine Sonntagsruhe zerrissen. Das bewußte Sichgehenlaffen am Sonntage müßte er dann ja unterbrechen; er müßte sich aufraffen zu einer Sache, die ihm persönlich doch gar nichts einbringt. Oder er gibt ge­rade an dem Sonntag eine Gesellschaft, zu der er allerlei Vorbereitungen zu treffen hat, in denen ihm die paar Schritte zum Wahllokal störend wären, oder er hat selbst einen Aus- flug vor oder ist irgendwo eingeladen. Es gibt so viele Dinge, die man anbringen kann, um sein Fernbleiben von der Wahl zu begründen. Ja, mit Ausreden ist man schnell bei der Hand; ein jeder glaubt, triftige Gründe für sich vor- zubringen.

So sieht es heute mit der Stimmung im deutschen Volke für die Wahlen aus. Wir aber stehen wieder vor einer Wahl, die das Erscheinen jedes Deutschen an der Wahlurne verlangt. Haben wir ein Recht, die bevorstehende Präsi­dentenwahl in eine Reihe mit den uns in so überreichem Maße bescherten Wahlen für Reichstag oder Landtag zu stellen? Wehe dem Deutschen, der den Wert der Wahl am 26. April nicht erkennt! Eine große Aufgabe ist ihin gestellt, eine Aufgabe, die wohl als die größte bezeichnet werden kann, die nach dem unglücklichen Kriegsende an ihn Heran­tritt. Nie war die Pflicht so groß und der Schritt so ver­antwortungsvoll, wie es am 26. April von uns verlangt wird. Deutschland soll sich den ersten Reichspräsidenten selbst erwählen. Wollen wir hier nicht rechten über die Amtszeit des verstorbenen Reichspräsidenten, der Wahrheit aber wollen wir die Ehre geben und uns darüber klar sein, daß Ebert nM)t der Erwählte des deutschen Volkes war. und daß er stets nur als der vorläufige Präsident der deutschen Republik galt. Jetzt ist dem deutschen Volke zum erstenmal die Aufgabe gestellt, sich den Präsidenten zu wählen, den es will und in dem es den Repräsentanten des Gesamtvolkes erblickt Ist sich denn wirklich jeder dieser großen Aufgabe und hohen Pflicht bewußt? Diesmal gilt es und das wollen wir scharf im Auge behalten nicht, für das Ziel von Parteien einzutreten, hier soll der persönliche Wille jedes einzelnen sich offenbaren, es ist die einzige Möglichkeit, persönlich an der Gestaltung der deutschen Dinge mitzuwirken. Sieben Jahre sind eine lange Zeit und bei der täglichen Veränderung unserer politischen Situation ein Zeitraum, in dem viel geleistet, aber auch viel verdorben werben kann. Darum ist die Verantwortung ungeheuer groß, die das deutsche Volk bei der Wahl seines Reichspräsidenten übernimmt. Es gilt, den Mann zu wählen, der, wie weit er auch selbst in die Politik eingreifen mag, den Generalkurs der künftigen deutschen Politik angeben wird.

Deshalb bedenke, Deutscher, was dir zu erfüllen hast; fei dir deiner großen Aufgabe bewußt und tue als echter Deutscher deine Pflicht! Raffe dich auf aus deiner Gleich­

gültigkeit, wirf ab deine Müdigkeit und denke an dein Vater­land, für dessen Wohl du am 26. April selbst sorgen kannst! Jeder deutsche Mann, jede deutsche Frau gehört an die Wahlurne. Ein Verbrechen am deutschen Vaterlande, wer am 26. April seine Pflicht vergißt! Dr. M.

Für Hindenburg.

Ein Aufruf Danziger Verbände für Hindenburg.

Die nachstehend unterzeichneten Verbände haben folgen­den Aufruf erlassen:Die Vereinigten vaterlän­dischen Verbände in Danzig bitten alle gleich­gesinnten Verbände im Reiche, unter rücksichtsloser Hintan­setzung aller Sonderinteressen für die Wahl Hindenburgs einzutreten. Wir haben hier unter feindlichem Druck fest zusammengehalten. Glaubt uns, es geht!" Jungdeutscher Orden-Stochlhelm, Kamerad, Lettow-Vorbeckbund, Bund Oberland, Bund der Hagelsberqer. Pfadfinderbund, Ehren­legion, Reichsverband deutscher Offiziere, Deutscher Offiziers­bund, Landeskriegerverbände, Hochschulring deutscher Art.

Empfang einer Arbeiterabordnung durch Hindenburg.

Generalfeldmarschall von Hindenburg empfängt am Sonnabend, dem 18. April, eine Abordnung von Arbeitern in Hannover, um mit chnen über die lebenswichtigsten Interessenfragen der deutschen Arbeiterschaft zu sprechen.

Eine Hindenburgkundgebung in Hannover.

Am Sonntag, dem 19. April, veranstalten vaterländische Verbände und nationale Bünde und Körperschaften vor der Stadthalle in Hannover eine Kundgebung zu Ehren des Generalfeldmarschalls von Sinbenburg, an dessen Villa vorbei­marschiert werden wird. Hauptmann Schmidt-Hannover hält eine Ansprache.

In- und Ausländsdeutsche für Hindenburg.

Wie mitgeteilt wird, haben deuts ch - amerika -

tuung darüber zum Ausdruck kommt, daß der Feldmarschall die Reichspräsidentschaffskandidatur angenommen hat. Die Stimmen besagen, daß ganz Deutschland stolz und glücklich sein könne, wenn Hindenburg als Vorbild der Pflichterfüllung, der Ehrenhaftigkeit, der Treue und Liebe zu seinem gesamten Vaterlande an die Spitze des deutschen Volkes berufen würde. Auch aus dem besetzten Rheinland, aus Oberschlesien, aus der alten Ostmark, aus Danzig und Nordschleswig gehen dem Feldmarschall täglich viele Telegramme und Schreiben zu, die seine Kan­didatur freudig begrüßen. In- und ausländische Presse­vertreter richten täglich die Bitte um Interviews oder Ueber- lassung von Bildern an Hindenburg. Der Feldmarschall er­klärt, daß er all diesen Wünschen zu entsprechen nicht in der Lage sei.

Keine Aenderung der amerikanischen Anleihepolitik.

Wie wir in unterrichteten Kreisen erfahren, sind die Ge­rüchte, nach denen die Wahl Hindenburgs zum Reichspräsi­denten eine Aenderung der amerikanischen Anleihepolitik herbeiführen wurde, völlig aus der Luft gegriffen.

Hindenburg spricht im Rundfunk.

Vom Reichsblock wird mitgeteilt: Nachdem die Neichs- regierung den Rundfunk für die Bewerber um den Posten des Reichspräsidenten im zweiten Wahlgang freigegeben hat, wird Generalfeldmarschall von Hindenburg am Freitag vor der Wahl abends in einer Rede, die über sämtliche deutschen Sender verbreitet wird, zu dem deutschen Volk sprechen.

Bankett des Volksblocks zu Ehren von Dr. Mmx.

Der Volksblock veranstaltete am Donnerstag abend zu Ehren des Präsidentschefftskandidaten Reichskanzler a. D. Wilhelm Marx in Berlin ein Bankett, an dem zahlreiche Vertreter der republikanischen Parteien teilnahmen.

Reichskanzler a. D. Marx führte in seiner Ansprache u. a. aus: Man hat gesagt: Kein Mensch hat sich über die Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten aufgeregt, l)at aus ihrem Ausgang wirtschaftliche Nachteile ober Vorteile für die Union prophezeien wollen, was kümmert man sich um unsere Angelegenheiten, die rein innerdeutsche Angelegen­heiten sind?! Mir scheint, die Ansicht geht an dem Kern des Problems vorüber, und der heißt doch: Wird die Präsi­dentenwahl in Deutschland eine politische und damit auch wirtschaftliche Kursveränderung mit sich bringen oder nicht? Niemand beklagt mehr als ich die tiefe Zerrissenheit, die durch unser Volk geht, das noch immer große Mißtrauen des Auslandes uns gegenüber; aber darüber kann doch kein Zweifel obwalten, baß die Formel, auf die nicht durch unsere Schuld die Präsidentenwahl gebracht worden ist: Republik ober Monarchie, diesem Zwiespalt, diesem Miß­trauen neue Impulse gegeben hat. Was bedeutet das für unsere Wirtschaft? Zunächst im Innern: Seit über einem Jahrfünft schleppt sich unser "Wirtschaftsleben von Erschütte­rung zu Erschütterung. Das große Problem steht noch ^un­gelöst vor uns: das Problem einer Anpassung unserer Wirt- schift, unserer Staatsfinanzen an die Erfordernisse einer

gegenüber den Dorkriegsverhältniffsn gänzlich veränderten Zeit. Will man zu all den Schwierigkeiten, die die wirt- chastlichen Momente leider an sich schon ausreichend mit ich bringen, noch politischen Sprengstoff hinzutragen, den Wirtschaftskampf dadurch verschärfen, daß man eine Scheidung >er Geister nach politischer Anschauung herbeizwingt? Wende ch mich nun einer Betrachtung der außenwirtschaftlichen Möglichkeiten zu, so lassen Sie mich betonen, daß ich wahr­lich der letzte bin, der in allem, was wir tun oder lassen sollen, immer ängstlich nach draußen schielt, was man da ;u uns sagen wird. M>er wir müssen doch die Lage nüchtern ctnb vorurteilslos sehen. Sie wissen, welch erfreulichen Erfolg sie Dawes-Anleihe hatte, weil das Zutrauen zu einer ruhigen, stetigen Entwicklung der deutschen Wirtschaft nach langen Jahren zurückgekehrt war. Wir brauchen noch das aus- ländische Kapital. Unsere Wirtschaft kann es mit der Selbst­hilfe allein nicht machen, sie bedarf immer noch in großem Umfange der Hilfe von draußen. Diese Abhängigkeit vom Ausland wird, wenn uns die politische Klugheit nicht ver­läßt, ja nicht ewig dauern. Betrachten wir die ausländische Mithilfe als den unausweichlichen Weg, der uns in die Frei­heit führt. Die Freiheft, die politische und wirtschaftliche, ist das Ziel, das wir mit solchem Opfer erreichen müssen und, wer ich zuversichtlich hoffe, auch erreichen werden.

Die englische Presse zur ^eichspräsidentenwahl.

Eine bekannte englische WochenschriftOutlook" schreibt zur Kandidatur Hindenburgs:In Generalfeldmar­schall von Hindenburg haben die Parteien der deutschen Rechten ein Symbol für das alte Deutsche Reich gefunden. Was auch immer feine Sünden und sein schließlicher Zusammenbruch gewesen sein mögen, so hat ihm das deutsche Volk dochdie Tage seines Ruhmes und seines Wohlstandes zu ver­danken. Herr Marx repräsentiert die Par­teien der Linken, die unter dem alten Regime ohne Bedeutung waren." Weiter heißt es, daß die Wahl Hindenburgs, obwohl sie freilich ^^j^^cül^^p^Eurova bedeute, nicht notwendiger- ber Monarchie Erstelle.

Die sozialistischeNew Leader" schreibt, daß der zweite Wahlgang der deutschen Präsidentenwahl auf­regender sein werben als der erste. Zur Kandidatur Hindenburgs sagt das sozialdemokratische Blatt u.a.:Der Sieger von Tannenberg ist noch heute ein nationaler Hort. Sein einfacher Charakter mit seiner Treue zur Armee und dem protestan- tischen Stauben gebiete Achtung. Er steht vor der öffentlichen Meinung als das würdige Symbol der Ver­gangenheit."

Wie die LondonerDaily News" schreiben, sümpft Ex- kanzler Marx fernen Kampf für die Republik mit großer Energie. Der Kampf um die Erlangung der Millionen Stirn« men, die bei dem ersten Mahlgang nicht abgegeben wurden, sei außerordentlich scharf. Die republikanische Partei verfolge aber eine sehr schlechte Taktik, indem sie die ausländische Meinung gebrauche, um Ma r- schall Hindenburg als Präsidentschafts­kandidaten zu diskreditieren. Diese aus­ländische Einmischung in di e Wahl sei dazu angetan, die Chancen von Dr. Marx zu ver­kleinern.

-Der Keichsaußenminister über Weltpolttik und Weltwirtschaft.

Vor einer zahlreichen Zuhörerschaft sprach der Minister des Aeußern Dr. Stresemann im Ueberseeklub über Weltwirtschaft und Weltpolitik in Hamburg. In der Sitzung des Reichsverbandes der deut;chen Industrie in Hamburg, so führte der Minister aus, ist seinerzeit das Wort gefallen:Die Wirtschaft ist unser Schicksal." Diese These war sickMlich um richtig, denn letzten Endes entscheiden die großen Grund­fragen der Politik über die "Völkerschicksale. Aber zu keiner Zeit ist wohl diese Kolitis mehr von Wirtschaftsfragen beein­flußt als in der Gegenwart. Deutschlands Stellung in dieser Situation ist dadurch gekennzeichnet, daß wir heute nod) viel enger mit dem Ausland verflochten sind als früher^ Die Vereinigten Staaten sind der Weltgläubi­ger und der Weltbankier geworden. Frankreich ist der größte Erzbesitzer und hat dabei die geringsten Kohlen- , lager.

Mit ernstester Sorge müssen wir die Vorgänge ver­folgen, die darauf hindeuten, daß eine Zusammenfassung unerläßlicher Rohstoffgebiete im Machtbereich weniger Staaten angestrebt wird.

. Das einzig wirkliche Machtinstrument, das wir noch besitzen, ist u n s e r c Kon f u mkra f t. Die Der- fud)e der Ausschaltung Deutschlands aus dem Weltwirt­schaftsverkehr haben zu dessen Verkümmerung geführt. Die anderen Länder sind durch unsere Armut nicht reicher ge- morden. Es scheint, als wenn an die Stelle der bisherigen ParoleKrieg und Untergang den Konkurrenten" sich das Bestreben durchgesetzt hätte: Zu s am m enarbeiten mit jcn Konkurrenten. Deutschland hat am 10. Januar d. I. seine H a n d l un gsfre iheit au f Handelsp o.