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Hersfelöer Tageblatt

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Nr. 92

Dienstag, den 21. April

1925

Das Wichtigste.

Generalfeldmarschall von Hindenburg hat in Hannover sein Programm entwickelt.

Dr. Marx sprach in mehreren Wahlversammlungen in Magdeburg und Dessau.

Amerika äußert sich zu der Hindenburg- Rede in denkbar günstigster Weise und weist nochmals aufs schärfste die Gerüchte von der Sper­rung der amerikanischen Kredite zurück.

In Lissabon wurde wieder ein Militär­putsch niedergeschlagen. Die Revolutionäre sind zumeist gefangengesetzt.

Der bolschewistische Brandherd auf dem Balkan.

Die furchtbaren Folgen des kommunistischen Attentate auf die Kathedrale Redilia in Sofia und auf die bei der Be­gräbnisfeierlichkeit für den ermordeten Abgeordneten Kosto im Gotteshause Versammelten, unter denen sich sämtliche Mit- glieder des Kabinetts, viele jetzige und frühere Staatsmän­ner, Abgeordnete und eine dichtgedrängte Menge Andächtiger befanden, hat weit über die Mauern der Hauptstadt Bulga­riens hinaus in ungezählte Familien Trauer und Verzagen gebracht. Ueber die Scheußlichkeit des Anschlages an ge­weihter Stätte geht aber die Erkenntnis weit hinaus, daß Bulgarien auf Grund der ihm von der Entente auferlegten Verpflichtungen, Entwaffnung und Ohnmacht künstlich zun: Tummelplatz der moskowiter Agitation geworden ist. Nach einem der bulgarischen Regierung in die Hände gefallenen Dokument ist nämlich der Anschlag auf die Kathedrale am vergangenen Donnerstag, der unmittelbar vorangegangene Anschlag auf das Leben des jungen Königs Boris und das neue politische Attentat auf den Direktor der Sofioter Zen-

^beEleunant^Gs.orÄieff, a u f d i r e k t e A n-

Bolschewisten in Moskau wird zu einer allgemeinen kommu­nistischen Mobilisierung, zu einem allgemeinen Aufstand auf­gerufen, der, von Bulgarien ausgehend, sich über den ganzen Balkan zu erstrecken habe. Zunächst galt es, in dem entwaff­neten Bulgarien durch Schreckenstaten eine Panik zu ent­fachen. Nach den Anweisungen aus Moskau ist der Balkan dauernd in Unruhe zu halten, und man geht von der Ansicht aus, daß die durch die lange Kriegszeit hervorgerufene große Armut und Teuerung im Lande ein geeignetes Feld für diese Agitation bietet.

Zur Beurteilung der Verhältnisse im Lande mögen fol­gende Angaben dienen, die uns von der Bulgarischen Gesandtschaft inBerlinzur Verfügung gestellt wer­den. Die kommunistische Partei des Landes hatte bis zu ihrer Auflösung etwa 40 000 Mitglieder, bei den letzten Wahlen zur Sobranje wurden 180 000 Stimmen für sie ab­gegeben. Das beduetet bei einer Gesamtstimmenzahl von etwa einer Million rund ein Fünftel der wahlfähigen Bevöl­kerung. Die Mitläuferschaft der Kommunisten wird durch die große Zahl Flüchtlinge gestärkt, von denen uirgefähr 400 000 das Land überschwemmen, die durchweg mittellos und da­durch unruhig sind. Ganz abgesehen von der starken finan­ziellen Belastung des durch die vielen Kriege der letzten Jahrzehnte auf das äußerste geschwächten Staates, die durch die Unterbringung und Ernährung dieser Flüchtlingsmaffen aus Mazedonien, Thrazien und der Dobrudscha, ist Bulgarien infolge seiner Entwaffnung nicht imstande, mit gehörigen Machtmitteln den von all diesen Elementen verunstalteten und von umsichtigen Führern planmäßig organisierten Un- ruhen wirkungsvoll entgegenzutreten. Denn Bulgarien sind durch die Bedingungen der Entente nicht mehr als 30 000 Mann Militär unter Einschluß der Gendarmerie und Grenzpolizei verblieben. Nunmehr ist die Forderung gestellt worden, Bulgarien von den schweren Reparationslasten zu befreien und ihm eine reguläre Armee mit Dienstpflicht zu bewilligen. Die jetzt bestehende kleine Truppe, die aus be­zahlten Leuten besteht, läßt die nötige strenge Disziplin ver­missen. Der jugoslawische Nachbarstaat wacht eiferiudjtig über die Innehaltung der bulgarischen Entwaffnung, und nur den allereindringlichsten Vorstellungen ist es gelungen, eine vorübergehende Vermehrung der Truppenzahl zu er­langen, inbem bis zum Monat Mai 3000 Mann mehr be­willigt worden sind. Während die unruhigen Elemente von Moskau reichlich mit Geldmitteln, Maschinengewehren und Höllenmaschinen versehen werden, fehlt es dem Staat an dem Nötigsten in bezug auf Ausrüstung. Die tommuniftifdje Or­ganisation, die nach dem Parteiverbot illegal weiterbetrieben wird, geht derart ins einzelne, daß die Gruppierung zu drei Mann sich über das ganze Land verteilt, die durch Ausgabe von Stichworten zum gemeinsamen Handeln innerhalb kür­zester Zeit aufgerufen werden können.

Die S t e l l u n g d e s K ö n i g s B o r i s erscheint trotz aller Schwierigkeiten doch gesichert. Bei dem weitaus größten Teile der Bevölkerung genießt der König große Beliebtheit, er hält sich streng an'bie ihm gesteckten Grenzen der Konsti­tution, so daß auch bei den entschieden republikanischen Par- teien die Dynastiefrage nicht aufgerollt wird. Eine Rückkehr des Königs Ferdinand kommt ernstlich nicht rn Frage. Inner- i'cits würde sie auf den Widerstand bei der Entente stoßen,

andererseits auch im Lande selber Schwierigkeiten hervor» rufen. 1

Die Verwüstungen an der Kathedrale sind gewaltig; ihre Wiederherstellung wird lange Zeit bedürfen, zumal die erfor­derlichen Geldmittel kaum aufzubringen sind. Die Gesamt- zahl der Toten wird auf 150 geschätzt, die der Verwundeten auf 200. Die Größe dieses Verlustes läßt sich an dem Der- gleich ermessen, daß zwei gegeneinander kämpfende Infan­teriedivisionen bei drei- bis vierstündigem Kampfe etwa mit der gleichen Verlustziffer zu rechnen haben.

Insbesondere Jugoslawien scheint ein Interesse daran zu haben, Bulgarien als den kommunistischen Brandherd zu erhalten, da es bei scharfen Gegenmaßnahmen sofort inter­venieren würde; mit der Selbständigkeit Bulgariens wäre es

damit ein für alle Mal vorbei.

ms.

Hindenburgs Programm.

Sonntag abend fand in der Stadthalle zu Hannover der Hindenburgempfang statt, zu dem neben zahlreichen Vertretern der Presse des In- und Auslandes, eine Reihe von Parla­mentariern und viele Vertreter von Behörden und Ues Wirt­schaftslebens erschienen waren. Staatsminister v. Loebell begrüßte den Generalfeldmarschall mit Dankesworten für das große Opfer, das er durch Annahme der Kandidatur dem Da- terlande bringen wolle. Dies sei ein Beweis für das hohe Pflichtgefühl und die große Vaterlandsliebe, die den Feld­marschall beseele. Das ganze deutsche Volk werde ihm Dank wissen, daß er seine ganze Kraft in den Dienst der Einigung des deutschen Vaterlandes stellen wolle. Der Name Hinden- burg kennzeichne eine Führung des deutschen Volkes auf fried­licher Bahn. Der Gedanke der Unparteilichkeit habe sich durch die Ausstellung Hindenburgs durchgesetzt. Darauf erhob sich Generalfeldmarschall von Hindenburg und entwickelte in einer längeren Rede sein Programm.

Die Rede Hindenburgs.

Meine sehr verehrten Herren! Sie haben sich hier ver-

sammelt, um mit mir die politische Lage und die politischen Ziele des Reicksblocks zu besprechen. Die

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Zielen der täglichen Kleinarbeit übereinftimmen, zu samem Wirken zusammengefunden und die natürlichen Ge­

gensätze zum Schweigen gebracht haben, ist mir ein Beweis dafür, daß es in Deutschland wieder vorwürtsgeht. Mir ist das Glück beschieden gewesen, mit einem einigen Volke den Feind von unseren Grenzen fernzuhalten. Dieser großen Zeit deutscher Geschichte sind fAmere Jahre gefolgt. Wir haben die ganze Last eines ungliiauchen Kriegsausganges und eines unseligen Umsturzes auf uns nehmen müssen. Es ist dabei leider auch vieles von dem Einigkeitswillen bei uns verlorengegangen. Der schönste Abschluß meines Lebens wäre es daher, wenn ich noch sehen dürfte, daß wir uns wieder

mit der gleichen Einigkeit in friedlicher Arbeit am Wieder­aufbau zusammenfinden, die uns einst beseelt hat.

Der

Reichsblock hat nun geglaubt, dem

Gedanken überparteilicher Einigkeit bei der Wahl eines deutschen Reichspräsidenten dadurch am besten dienen zu können, daß er mir für den zweiten Wahl- gang die Kandidatur antrug. Ich habe zunächst schwere per­sönliche Bedenken gehabt, und ich bedauere es nicht, daß dar­über auch die Oeffentlichkeit unterrichtet worden ist. Der Appell an mein Pflichtgefühl hat diese Bedenken überwunden. Nachdem ich einmal die Kandidatur übernom- men habe, ist es mein Wille,, mich während dieses Wahl- kampfes an der politischen Arbeit des Reichsblocks in der mir angemessen erscheinenden Weise zu beteiligen und für den Fall meiner Wahl meine ganze Kraft für das Wohl Deutschlands einzusetzen. Ich würde auch als Reichspräsident nur die Pflicht kennen,

auf den einmal gegebenen Grundlaaen der Verfassung und der heutigen Stellung Deutschlands

in der Welt das Beste für mein Vaterland zu erstreben. Rücksicht auf irgendwelche Parteien oder unberechtigte Son- derintereffen würde ich dabei nicht kennen. Anders darf auch der Staat nicht denken. Seine vornehmste Aufgabe muß es immer bleiben, das Wohl derjenigen Volkskreise besonders immer im Auge zu behalten, die am schwersten unter der Not der Zeit leiden.

Erwarten Sie nicht von mir das Programm eines Partei mannes, der sich mit politischen Fragen auseinandersetzt. Weit wichtiger ist die Aufgabe, dem deut­schen Volke wieder die Grundlagen wirtschaftlicher und poli­tischer Lebensfähigkeit zu schaffen. Es wird noch langer und schwerer Arbeit bedürfen, alte unser ganzes Volk wieder zum Bewußtsein der höchsten Werte einer Nation so erwacht ist, daß dieses Bewußtsein sich auch im täglichen wie im äffend lichen Leben durchsetzen kann. Nichts kann diesem fried­lichen Ziel mehr fdjaben als das verlogene Geschrei von einer drohenden m i l i t a r i;. i f d) e n Reaktion in Deutschland, die sich in meiner Kandidatur angeblich aus- prägen soll. Ich glaube gern, daß Herr Marx diesem höchst verwerflichen demagogischen Treiben seiner Anhänger perion- lich fernsteht. Ich muß aber mit allem Ernst auf die große Gefahr Hinweisen, die eine solche verantwortungslose Wahl jMlmganda für das ganze deutsche Volk bedeutet. Ich betcr.c mit aller Deutlichkeit, daß ich nichts anderes erstrebe, als - - d-e Gegner meiner Kandidatur für sich allein in Anspruch neh-

me», nämlich dem deutschen Volke in voller Souverän-star inb in voller Freiheit seinen Platz unter den andere» Shüm- zu sichern. Ich bin gewohnt, meine Pflicht zu tun, und würde, wenn das deutsche Volk mir das groß». Vertrauen schenken sollte, mich zu seinem VrMdenten zu wählen, unbeirrt durch Tagesmeinungen und persönlich« Angriffe, mit Sachlichkeit dahin wirken, daß unserem Vaterlande, das wir in seinem Unglück um so heißer lieben müssen, eine glücklichere Zukunft beschieden sein möge."

Die Rede Hindenburgs wurde an vielen Stellen von starkem Beifall begleitet. Am Schlüsse der Rede erhob sich stürmische Zustimmung. Alsdann gaben bie anwesenden Vertreter der Parteien und Verbände, die im Reichsblock ver­einigt sind, besondere,Erklärungen zur Kandidatur Hinden- burgs ab. Für die Deut schnationaleBolkspartei sprach Dr. Wincklcker den Dank und das Treugelöbnis der Partei aus. Für die Deutsche Volkspartei nahm Dr. von. Richter das Wort, um besonders zu betonen, daß der Name Hindenburg das Fanal deutscher Treue und Pflichterfüllung sei. Für die Wirtschafsspartei der deutschen Mittelstandes sprach Herr Drewitz, um zu betonen, daß Hindenburg das heiligste Kleinod des deutschen Volkes sei. Für die" Ba y er i s che Volkspartei sprach der Abge­ordnete Loibl begeisterte Worte, die starken Beifall auslösten. Für den Reichslandbund betonte Herr von Goldacker das Treugelöbnis des deutschen Landvolkes. Für die Va­terländischen Verbände nahn: Admiral von Schrö­der das Wort.

Alsdann nahm der Feldmarschall noch einmal das Wort zu folgender kurzer Ansprache:In meiner Rede, die ich vor­hin gehalten, ist klar zum Ausdruck gebracht, was uns nottut und wohin wir kommen möchten. Darum vorwärts mit Gott für unser teures deutsches Vaterland! Das deutsche Vater- land: Hurra!"

Die Versammlung stimmte in den Ruf des Feldmarschalls begeistert ein. Der Feldmarschall machte einen äußerst ftischen Eindruck.

Große Kundgebung in Hannover zu Ehren rndenburas

des Generalfeld djaUs von tburg" flaff." An der Huldigung beteiligten ach die gesamten vaterländischen Ver­bände, die nationalen Vereine und Körperschaften der Stadt Hannover und der nächsten Umgebung sowie zahlreiche Bür- gervereine der Stadt. Eine unabsehbare,Menschenmenge füllte die Straßen des sogenannten Hindellburgviertels. An der Seelhorststraße, wo die Villa Hindenburgs liegt, standen die Menschen auf den Mauern^ in ben Bäumen und auf den Dächern der Häuser. Ein großes Polizeiaufgebot sorgte für Ordnung. Es ist nicht ein einziger Fall von Störung vorge­kommen. Sehr groß war auch die Zahl der Frauen und Arbeiter, die an der Huldigung teilnahmen. Unter den Klängen von Musikkorps setzte sich der ungeheure Zug in Bewegung, um auf dem kürzesten Wege an bem Feldmarschall vorbeizumarschieren. Hindenburg stand in großer Uniform vor seinem Hause und dankte und grüßte unablässig die Vorbeimarschierenden. Die Volksmenge, die stundenlang an der Seelhorststraße ausharrte, brach immer aufs neue in Hoch­rufe auf den Feldmarschall aus, der von dieser begeisterten Huldigung sichtlich bewegt war.

Eine Reichsblockversammlung in Königsberg.

In einer starkbesuchten Versammlung des überpartei­lichen Stadtwahlausschusses in Königsberg i. Pr. sprach der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Schlange-Schö. ningen. Der Redner beschäftigte sich zunächst mit der Königsberger Rede des Reichskanzlers a. D. Marx, die er als eine Ansammlung von Plattheiten bezeichnete. Es sei die wichtigste Aufgabe des Reichspräsidenten, Führer zu sein auf dem Wege zur deutschen Einheit und zur neu erstehenden deutschen Kraft. Das zwanzigjährige politische Leben, auf das Dr. Marx zurückblicke, sei ein voller Mißerfolg, und es sei demnach sehr viel weniger wert als das kurze große Her- vortreten, das Hindenburg hinter sich habe. Wir brauchten einen Führer auf dem 9Bege zu einer neuen deutschen Moral. Dieser Führer könne Marx als ein Gefesselter der S o z i a l d e m o k r a t e n nicht sein.Hindenburg ist uns," so rührte der Redner weiter aus,ein Symbol nach innen und auße n. Nach außen wird er das Fanal der beutfdjen Würde und nach innen das Fanal der Gerechtigkeit aufrichten. Er ist eine Persönlichkeit, die nichts gemein hat mit den sogenannten Politikern der Gegenwart, sondern ein Alaun, hinter dem Erfahrung und die vielleicht größte Lei- stung der Weltgeschichte steht."

Reichsblockkundgebung in Effen.

Anläßlich einer Kundgebung des Reichsblockes für die Reichspräsidentenwahl in Essen sprach der Reichstagsabgeord- stete Adams, dessen mit Beifall aufgenommenen Ausfüh. rangen in der Hoffnung gipfelten, bag mit der Wahl des Generalfeldmarschalls von Hindenburg dem deutschen Volk und Vaterland wieder das achtunggebietende Ansehen in der Welt geschafften würde, das in den vergangenen Jahren ver- loren gegangen sei. Der Redner schloß seine Ausführungen mit der Aufforderung, alle Kräfte am Wahltag