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Hersfelöer Tageblatt

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Hersfetöer Kreisblatt^

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Nr. 99

Mittwoch, den 29. April

1925

Das Wichtigste.

Der Reichskanzler Dr. Luther ist in Hannover eingetroffen, um mit Hindenburg in Bespre­chungen einzutreten. Dr. Simons, der stellvertretende Reichs­präsident, hat sich zur Verfügung gestellt.

Die Auslands stimmen erkennen fast alle den hohen Wert der WahlHindenburgs für Deutschland an. Französische Stimmen mahnen zum Abbau der französischen Unter­drück u n g s p o l i t i k.

Der frühere Kultusminister Dr. Konrad Hae - nifch ist im Alter von 49 Jahren in Wiesbaden gestorben.

Sas Echo der Wahl Sindenburgs.

Die Wahl des Reichspräsidenten ist nunmehr vorüber. Die Prophezeiungen der demokratischen und sozialistischen Presse haben sich nicht bewahrheitet. Mit einer Stimmen- Mehrheit von fast einer Million ist als Reichspräsident der Generalfeldmarschall von Hindenburg ge­wählt worden. Es war vorauszusehen, daß jetzt noch mehr als vor der WaH auf die Gefahren einer solchen Präsident- schaft von diesen Leuten hingewiesen würde. Schon vorher waren die Aeußerungen dieser Presse im Auslande lebhaft aufgegriffen und verbreitet worden; namentlich in Frankreich machte sich die chauvinistische Presse die Arbeit, durch die Kandidatur Hindenburgs den Frieden Europas gefähr­det zu sehen. Es hat aber auch Staaten gegeben, die mit Freude die Kandidatur des alten Marschalls begrüßt haben und in ihm, als den Vertreter des absoluten, reinen und ehr­baren deutschen Mannes, eine sittliche Wiedergeburt des poli­tischen und wirtschaftlichen Staatswesens erblickten. Es war tief beschämend, und viele ausländische Zeitungen haben auch diesen Standpunkt mitvertreten, als die großen Ber­liner Linksblätter so wenig nationale Würde zeigten und mit obzönen Schmähungen den alten Kandidaten der Rechts­parteien bewarfen. verbürgt alsRichtung für einen Kurs im deutschen Reiche. Das Wiedererwachen des deutschen Nationalgefühls wird durch die Wahl dieses Mannes mit absoluter Klarheit doku­mentiert. Das Ausland -denkt nicht daran, in seiner Person eine etwaige Gefahr für den europäischen Frieden zu sehen. Die Verleumdungen, die kurz vor der Wahl durch die Mel­dung einer gewissen Presse über die Kr e d i t r e st r i k t i o nen seitens Amerikas verbreitet wurden, sind der Gipfel der Unanständigkeit gewesen. Es war nicht der geringste Anhalt für diese Behauptungen gegeben. Wenn diese Leute versucht haben, durch solche Methoden die Kandidatur Hin­denburgs. zum Scheitern zu bringen, so sind sie durch den Erfolg genug gestraft worden. Aber, man dars nicht verkennen, daß in der Verbreitung einer solchen Nachricht eine schwere Gefahr für das deutsche Wirtschafts­leben ist. Dadurch, daß überhaupt die Möglichkeit einer Kre- ditrestruktion aufs Tapet gebracht wird, sönnen die amerika­nischen Geldgeber irgendwie stutzig werden und ihrerseits, wenn auch nur vorübergehend, solche Maßnahmen ergreifen. Denn der amerikanische Geldgeber überblickt von drüben aus nicht so klar die deutschen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse, als daß er sich sofort von der Haltlosigkeit der­artiger Meldungen überzeugen konnte. In einer Links­regierung sah man bis vor kurzem die einzige Möglichkeit für die Gesundung des Deutschen Reiches. Die Sozialdenwkraten in Verbindung mit dem Zentrumm und den Demokraten sollten auf Jahre hinaus die Richtlinien für die deutsche Innen- und Außenpolitik geben. Schon mit dem Kabi­nett Luther ist dieser Linie eine andere Richtung ge­geben worden. Die Erfolge, die das Kabinett Luther- in seiner kurzen Regierungszeit bereits aufweisen kann, sind so eklatant, daß auch das Ausland einzusehen beginnt, daß die Segnungen der Linksregierungen nicht derartig sind, als daß sie für das Wohl des Deutschen Reiches ausschlagen könnten. So begrüßt denn auch das Ausland jetzt die Wahl des Reichs­präsidenten überwiegend - freundlich. Daß Frankreich nicht gerade frohlockt über diese Wahl, ist schließlich zu ver­stehen, aber auch Frankreich wird eines Tages einsehen, daß mit Hindenburg die Gewähr des europäischen Friedens stärker gegeben ist als in der Person irgendeines anderen Kandi­daten. Gerade weil Hindenburg Soldat ist und die Schrecken des Krieges am ersten beurteilen kann, sieht er das Heil eines Landes im Frieden. Es wäre wiederum eine Infamie sonder­gleichen, wenn man Hindenburg für den Vertreter des krasse­sten Militarismus halten wollte. Geradezu erhebend sind die Begrüßungen über die Wahl aus Italien. Dieses Land hat politisch, abgesehen von der Revolution, eine ähnliche Wandlung durchgemacht. Auch dort sah man in der Koa­lition der Parteien ein Dogma für die Regierungsform. Durch Mussolini ist dieses System zerschlagen. Aber seit der Aera dieses, politisch wohl einzig dastehenden Mannes, hat Italien eingesehen, daß eine Persönlichkeit immer noch etwas gilt. Er hat in Italien eine absolute Rechtsregierung' eingeführt und innen- und außenpolitisch die größten Erfolge gehabt. Wenn nun die italienischen Zeitungen die Wahl Hindenburgs so spontan begrüßen, so ist es ein sicheres Zeichen, daß das Land in den Erfolgen feiner Politik eine gewisse Dankbarkeit damit

zur Schau trägt. Man IN sich dort endgültig abgekehrt vom Sozialismus und erblickt in der straffest Zusammenziehung aller nationalen Kräfte nach rechts gerichteten Grundsätzen die Richtlinien der Politik. InEngland urteilt man heute noch vorsichtiger. Aber auch dort merft man schon, daß die Persönlichkeit eines Mannes wie Hindenburg unbedingt an­erkannt wird, der auch der deutschen Innen- und Außen­politik gewisse Züge geben muß. Die Amerikaner als nüchterne Wirtschaftler begrüßen, abgesehen von den franzö- sisch gerichteten Blättern, ebenfalls die Kandidatur. Sie stehen auf dem Standpunkt, daß Hindenburg aus der Ver­gangenheit gelernt hat und den ehrlichen Willen hat, das Deutsche Reich vor politischen und wirtschaftlichen Gefahren zu schützen. SenatorBorah trat offen jenen gehässigen Gerüchten entgegen, die von einer neuen Richtung wissen wollten. Interessant sind auch die Worte des bekannten Stahlkönigs Schwab, der offiziell der Meldung über die amerikanischen Kreditrestruktionen, über die oben schon kurz gesprochen wurde, entgegentrat.

Aus allen den Meldungen ersieht man klar, daß das Aus- land bestrebt ist, mit Deutschland in derselben Weise wie bis­her politisch weiter zu verkehren. Vielleicht hat aber diese Wahl dem Ausland gezeigt, daß die nationale Würde im deutschen Volke als mistiger Machtfaktor geschlummert hat. Sieben Jahre mußten vergehen, bis diese Würde wieder so geweckt wurde, daß auch das Ausland mit einer gewissen Achtung vor dem deutschen Volkswillen sprechen muß. P.

Das Ausland zu Hindenburgs Wahlsieg.

Amerikanische Stimmen zur Wahl Hindenburgs.

Senator Shipstead erklärte, die Wahl Hinden­burgs könne keine neuen Rüstungen verursachen, weil Deutschland dem Bersailler Vertrag unterworfen ist. Es be­stehe zwar große Gefahr für den Weltfrieden, die aber darin liege, daß Deutschland von großen Armeen umgeben sei. Elbert Gary, der Vorsitzende des Ausschusses der United States Steel Corporation, erklärte, die Wahl Hinden- MWMWWWWWMMWM Amerika oder irgendeinem anderen Lande. Hindenburg fei ganz der Mann dazu, um seinem Lande und den Gesetzen Achtung zu verschaffen. Deutschland werde schnell hoch­kommen, wenn- sich die Wahl Hindenburgs in dieser Weise auswirke.

Bon ben New-Porker Blättern vertritt ,,EveningPo st" die Ansicht, daß die Wahl keine Schwierigkeiten mit sich bringe Der Feldmarschall werde bestimmt als Präsident die Republik verteidigen.Sun" schreibt: Hindenburg habe sich stets als ein Mann mit gesundem Menschenverstand g e-- zeigt. Er werde deshalb keine radikalen Maßnahmen er-- greifen oder gar versuchen, die republikanische Verfassung um» zustoßen. Es sei durchaus möglich, daß sich Hindenburgs Wahl für Deutschland günstig auswirke, weil Hindenburg als Verteidiger von Gesetz und Ordnung großes Ansehen genieße.

Der deutsche Botschafter in Amerika, Freiherr von Maltzan, erklärte in einer Rede vor der Bankiervereniigung in Gegenwart der prominentesten Vertreter der Wallstreet wörtlich:Wenn die Außenwelt Vertrauen zu Deutschland haben und die gegenwärtige Politik wirtschaftlicher Hilfe bei- behalten wird, wird Deutschland allen seinen Verpflichtungen nachkommen, ganz gleichgültig, wer Präsident der deutschen Republik ist. Die Politik Deutschlands, bezüglich seiner inter- nationalen Verpflichtungen, bleibt durch die Wahl unver- ändert."

Die englische Presse.

Die englische Presse nimmt in ausführlichen Kommen­taren zu der Wahl Hindenburgs Stellung. Großes Gewicht wird hierbei den Meldungen aus New York und Paris bei­gelegt. Im allgemeinen wird die Wahl Hin - denburgs mit großem Gleichmut aufgenow men. Der diplomatische Korrespondent desDaily Tele­graph" erklärt: Es müsse Deutschland überlassen bleiben, seinen eigenen Präsidenten zu wählen. Nachdem die ersten Vorschläge für einen Sicherheitspakt von einer deutschen na­tionalen Regierung ausgegangen seien, würde dir Wahl eines nationalen Präsidenten kaum eine Aenderung in dieser Hin­sicht herbeiführen, besonders wenn die Urheber dieser Vorschläge, der Reichskanzler Luther und der Außen- minicher' an der Spitze der deutschen Regierung verbleiben würden. Es sei kein Grund zu der Annahme vorhanden, daß -der neue Präsident, der der Weimarer Verfassung die Treue geschworen habe, zu den Menschen gehöre, die eine Aenderung der Konstitution durch einen Staatsstreich herbeisühren würden. Man sei vielfach der Ansicht, daß Deutschland bereit­williger Verpflichtungen annehmen und beobachten würde, die die Unterschrift seines Nationalhelden Hindenburg trügen, als Verpflichtungen eines Präsidenten und einer Regierung der Linken. Lloyd George schreibt in dem Blatt:Hindeu- burg ist ein charakterfester alter Herr. Er wird nichts Über­eiltes tun." Die Redaktion des Blattes führt aus, daß fein Anlaß zur Panik gegeben sei. Hindenburg würde Guschen, daß Frieden und Sicherheit für Europa nicht nur im Inter­esse der Welt, sondern auch im Interesse sein s c vnen Vor­landes, dem er immer zu dienen bestrebt gewe- ü, lägen. In

einem Leitartikel sagt Daily News, es bestehe kein Zweifel, daß Hunderttauseirde für Hindenburg stimmten, um gegen das zu protestieren, was Lloyd George milde mitfran- zösischen Nadelstichen" bezeichnet habe, sowie die Haltung der Alliierten in der Frage der Räumung Kölns und des Berichts der Kontrollkommission. Andererseits sei es unwahrscheinlich, daß Hindenburgs Ratgeber daran denken würden, gewaltsame Aenderungen an der Republik vorzunehmen. D a i l y M a i l betont, daß Hindenburg seit dem Kriege im ganzen einen Ein- fluß im Sinne des Friedens ausgeübt habe. Es sei sicher, daß die belebende Wirkung der starken Regierung eines Führers, dem die Mchrheit'der Nation begeistert folge, die deutsche Industrie in höchstem Maße anregen werde. Die Wirkung werde die gleiche sein wie in Italien unter Mussolini, wo eine starke Regierung die größte Wohlfahrt gezeigtigt habe. Sicher sei ferner, daß Hindenburgs Rückkehr ein schwerer Schlag für die Bokschewisten sein werde. Deutschland betrachte den Sioanmunismus als Ausfuhrartikel und dulde ihn nicht innerhalb seiner Grenzen.

Das Organ der Londoner Finanzkreise, Financial Times, sagt in einem Leitartikel, die Wahl scheine auf die Erkenntnis zurückzufiihren zu sein, daß ein zentraler Sam­melpunkt für alle diejenigen notwendig ist, die für einen ge­ordneten Fortschritt nach nationalen und nicht nach partei- lichen Rücksichten sind, und diese umfassen die große Mehrheit des deutschen Volkes. Auf eins dürfe man sicher rechnen: der wirtschaftliche Fortschritt Deutschlands werde beschleunigt werden, wenn der neue Präsident während seiner Amtszeit die Haltung eines großzügigen und versöhnlichen Staats­mannes bewahre.

Frankreich sieht in der Wahl die Folge seiner Unter­drückungspolitik.

gifte Pariser Blätter beschäftigen sich mit den außen­politischen Weiterungen der Wahl Hindenburgs.M a t i n" meint, die Alliierten und Frankreich müßten die neue durch die Präsidentschaft Hindenburg geschaffene Lage aufmerksam, doch o h n e V o r e i n g e n o m m e n h e i t verfolgen.Jour­nal" stellt mit unverkennbarer Genugtuung fest, daß die fran- zösische Regierung sich dem künftigen Deutschland gegenüber

Pertinax als dringendste Vorsichtsmaßnahme sofortige Ent- militaristerung der Rheinlande gemäß Artikel 42, 43 und 44 des Friedensvertrages. Victor Vasch schreibt in derEre Rouvelle", die Wahl Hindenburgs bedeute für viele Deutsche sicherlich einen Protest gegen die Gewaltpolitik der Entente, den festen Willen zum Wiederaufbau und die Ansage, daß Deutschland sich künftig nicht mit Füßen treten lassen werde.

Italiens volle Zustimmung.

P o p o l o d' I t a l i a" sieht in dem Sieg Hindenburgs zunächst die Erneuerung der nationalen Kräfte Deutschlands und dann einen Beweis der Bereitwilligkeit, dem Vaterland zu dienen, wenn es ruft.

In derTribuna" agt der der Regierung nahe- ßsnde Senator Morello Raffignac, daß die Feinde Deutsch­es ihm seinerzeit eine rote phrygische Mütze auf den Kopf aufgezwungen hatten, daß aber das deutsche Volk auf diese rote republikanische Mütze die alte traditionelle Pickelhaube gesetzt habe, die niemals von einem Trauerflor umweht wor- den sei. In Europa sehe es aus wie auf einem Forum, auf dem überall zertrümmerte Säulen und eingestürzte Monu­mente wären. Jetzt sei auf diesem Forum eine einzige große Säule neu aufgerichtet wor­den, und das sei Hindenburg. Durch die Wahl Hindenburgs werde Deutschland seine Bewegungsfreiheit wie­der erhalten und von jetzt ab werde Deutschland als politischer Faktor wieder mitzählen.

Der Vatikan zur Wahl Hindenburgs.

Osservatore Romano", das offizielle Organ des Vatikans, schreibt, die Wahl Hindenburgs fei mehr ein Sieg der Persönlichkeit, als der Sieg eines be­stimmten Parteiprogramms und fuße auf hem ungeheuren Ansehen, das der Marschall in ganz Deutschland und in allen Kreisen genieße. Dieses Ansshn wurzele in seiner Genialität als Feldherr, vielleicht aber noch mehr in seinen menschlichen Eigenschaften, seiner Einfachheit und Bescheidenheit und dem tiefen Pflichtbewußtsein, dem Gefühl für Gerechtigkeit und Menschlichksit, das selbst seine Gegner und die Alliierten an- erkannt hätten. Es sei übertrieben, diesen persönlichen Sieg mit einem Siege nationalistischer und dynastischer Ideen und antirepublikanischer Strömungen gleichzusetzen. Der Mar- schall habe seine Loyalität gegenüber der Republik ganz ent­schieden ausgesprochen, und wer Hindenburg kenne, wisse, daß er sein Wort halte. Alle Reden Hindenburgs seien ge­tragen vom Wunsch« nach Einigkeit seines Volkes, nach Frie­den und Wiederaufbau seines Vaterlandes. Vom aus­geglichenen Patriotismus Hindenburgs sei zu erwarten, daß er den Frieden fördern werde. Manche, die gestern noch ihre Stimme dem würdigen Führer des Zentrums gegeben hätten, würden Hindenburg morgen helfen, sein hohes Ziel zu er- reichen.

Hindenburg und Dr. Luther.

Das ergänzte vorläufige amtliche Ge- samtergebnis der Reichs Präsidenten wähl vom 26. April ist folgendes: Gesamtzahl der abgegebene« gültigen Stimmen 30 362 393.