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HersfelöerTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt"

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Nr. 103

Montag, den 4. Mai

1925

Das Wichtigste.

Oberbürgermeister Dr. Jarres ist am Sonntag in Hannover eingetroffen, um Hindenburg persönlich seine Glückwünsche zu überbringen.

Der französische Außenminister B r i a n d hat anläß­lich einer Unterredung mit einem englischen Pressevertreter seinen Standpunkt zur Sicherheitsfrage klargelegt.

Nach den letzten Meldungen hat sich die Zahl der TotenbeidemEisenbahunglückimpolnischen Korridor auf 29 erhöht. Die Untersuchungen über die Ursache der Entgleisung sind noch nicht abgeschlossen.

Wirtschaftliche Wochenschau.

Steuern, Aufwertung, Handelsbilanz.

Das Ergebnis des deuffchen Außenhandels im März liegt nun vor und brächte eine Passivität von 328 Millionen Reichsmark, so daß die Gesamtsumme unserer Außenhandels- oassivitüt seit Eintritt der Stabilisierung mehr als den vier- fachen Betrag der uns gewährten Dawesanleihe ausmacht und zienilich dem Betrage der uns überhaupt gewährten Auslandkredite gleichgesetzt werden kann. In der gleichen Woche, rao dieses Ergebnis bekannt wurde, waren zahl­reiche neue Betriebseinschränkungen und Betriebsstillegungen in allen Landesteilen zu melden, weil der Industrie die baren Betriebsnnttel fehlen und unsere Preise da, wo nicht finan- zielle Nöte die volle Ausnutzung der Produktionsmöglich­keiten unterbinden, meist auf dem Weltmarkt nicht wettbe­werbsfähig sind. In der gleichen Woche hat die Zahl der Streiks und sonstigen Kämpfe zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern um die Frage der Wiedereinführung eines schematischen Achtstundentages und um Lohnerhöhungen er­heblich zugenommen, und auch die Ausdehnung der einzelnen Konflikte ist größer geworden. Ueberall liegt ihr letzter Ur­sprung ebenso wie bei der Passivität der Handelsbilanz, die teilweise durch sie wiederum bedingt wird, in der Entblößung WWWWWWMMWWWWWWWWWWWm. -

lind Betriebsmitteln. Diese Not aber hat ihre Ursachen im Kapitalschwund durch die Inflation und in der rigorosen Steuerpolitik des Reiches, der Länder und Gemeinden, die im letzten Restnungsjahre rund 40 Prozent des verringerten deuffchen Volkseinkommens für sich in Anspruch genommen und dadurch die Gelddecke der Wirtschaft so verkürzt haben, daß die augenblicklich wieder akut gevordene Wirtschaftskrise mit ihrer Gefahr einer neuen, durch Kredite ohne ausrei­chende Produktion entstehenden Inflation auftauchen konnte. Diese Zusammenhänge muß man sich vor Augen halten, um die wahre gewaltige Bedeutung der Behandlung der Steuer- und Aufwertungsentwürfe zu erkennen, und um die Re­ferate auf der Tagung des Deutschen Industrie- und Han- delstages recht zu würdigen.

Den vorläufigen Bericht über die Reichsfinanz^bahrung im abgelaufenen Rechnungsjahre, den Etat für das neue, eben begonnene Jahr und als untrennbar damit verbundene Klärung der Verpflichtungen des Reiches, die Aufwertungs- entwürfe, hat der Reichsfinanzminister dem Reichstage mit einer eingehenden Begründung vorgelegt, und der Reichs- EMinister hat seinerseits noch einmal seine bereits be- ite Stellungnahme zu diesen Entwürfen begründend er­härtet. In der Sache und in der Tendenz konnten die bei­den Ministerveden natürlich nur wenig Neues bringen, aber es ist um so bemerkenswerter, mit weläpmr Nachdruck und mit welcher Offenheit besonders der Reichsfinanzminister ben ganzen Ernst unserer finanziellen und wirtschaftlichen Lage und die steigenden Lasten aus dein Dawesplane betont hat, und mit welcher Energie sowohl er als auch sein Kollege die Forderung erneut haben, daß jetzt eine endgültige Lösung für sie Aufwertunqsproblenie gefunden werden müsse, die den Streitfall und die Unruhe aus der Welt schafft, damit die Wirtschaft bei den kommenden außerordentlich fchwierigen Zeiten wenigstens nicht mehr unter dein Druck dieser ewigen Unsicherheit leidet. Es ist möglich, daß pch der Munster in der Traabarkeit der (Entwürfe zugunsten oder zuungunsten der Reichsfinanzen oder der Wirtschaft im Irrtum befindet, aber es ist sicher, daß jenen weitgchenden Wünschen, die viele gerecht denkende Männer auf diesem Gebiete haben, das Ln« vermögen eines durch Krieg, Inflation und Dawesplan ver- armten und entrechteten Volkes gegenubersteht. Aus der Einschätzung dieses Unvermögens heraus erklärt pch wohl am ehesten, daß bei den beiden Ministerreden noch weit deut­licher als bei früheren Erklärungen' heraustrat, wie sehr die ganze Aufwertungsfrage und daher auch die vorliegenden Entwürfe entfdjeibenb durch soziale -Rücksichten und lokale Absichten beeinflußt sind, nad)bem man sich zu dem Stand­punkt durchgerungen hat, daß unsere Finanzlage und der Druck des Feindes nicht gestattet, die Dinge rein vom Rechts- . standpunkte aus zu behandeln. Soweit es im Rahmen dieser Auffassung des Problems und der vor regenden '-Ver­hältnisse möglich war, hat man, wie neben uen Ministern nach verschiedene Redner betonten, wenigstens ver, acht, einem mehr volkstümlichen, menschlichen als paragraphen- mäßigen Rechtsempfinden selbst auf Kosten der Einfachheit und leichten Durchführbarkeit der Regelung Geltung zu ver­schaffen, in dem sich die Regierung twtz allerwoiiieiaen Stimmen aus der Praxis mit einem außerordentlichen Nach­druck auf die grundsätzliche Unterscheidung von Alb und

Neubesitz festgelegt hat. Daß trotzdem der Altbesitz an Neichs- anleihen und an mündelsicheren Anlagen noch sehr schlecht weggekommen ist und im besten Falle nach vielen Jahren, wenn oft die Geschädigten schon der kühle Rasen decken wird, in den Besitz von Trümmern ihres einstigen Vermögens ge­langen, beoauert wohl sicher das ganze Volk. Gerade die eingangs dieses Berichtes aufgeführten bedrohlichen Tat- suchen und die vom Reichsfinanzminister gegebenen Mittet- lungen über die Lage der Reichsfinanzen lassen aber ernste Zweifel darüber auftommen, ob weitergegangen werden kann. Die Jahrestagung des Deutschen Industrie- und Handels- tages am Tage vorher war auf einen sehr ernsten Ton ge- stimmt, und sowohl die Ansprachen der Vertreter der Wirt- schaft insbesondere des früheren Reichswirtschaftsministers, Dr. Hamm» und des Fühvers des deutschen Einzelhandels, Herrn Grünfeld, wie die Ansprache des Reichskanzlers waren sich darin einig, daß es jetzt unter allen Uniständen gilt, die pro- dukffven Faktoren und die Produktionskonten unserer Wirt- schaff unter allen Umständen von dem augenblicklich auf ihnen lastenden Druck zu erleichtern, wenn nicht alles andere Streben an wirtschaftlichen Unmöglichkeiten scheitern soll. Unter diesen Umständen sind die vorgelegten Steuerentwürfe das Allerdinglichste, trotzoeni auch sie in manchen noch weit mehr als das Tragbare bestehen lassen unb durch geeignete Zolltarife und Handelsverträge sowie durch eine Oleform der Reichsbahntarifpolitik irgendwie ergänzt werden müssen. Aus diesem ganzen Fragenkomplex läßt sich, darin muß man bem Reichsfinanzminister Recht geben, die Aufwertung nicht will­kürlich herausgreifen, und es geht natürlich nicht an, die Steuermilderung dadurch unwirksam zu machen, daß durch andere Aufwertungsvorschriften neue Ausgaben dem Staate oder der Wirtschaft auferlegt werden. M.

HmdenbmgS Antwortschreiben an Dr. Marx.

Reichspräsident von Hindenburg richtete an den Reichskanzler ü. D. Marx folgendes Schreiben:Hannover, L Mai 1925. Sehr verehrter Herr Reichskanzler! Für Ihr freundliches Schreiben, das Sie am 28. April an mich zu

Sie auf dem gleichen Standpunkt stehen, den auch ich selbst­verständlich im Falle Ihres Sieges bei der Wahl eingenommen haben würde. Ihre Wünsche für unser schwer darnieder­liegendes Vaterland sind die meinigen. Mögen sie sich er- füllen durch selbstlose, einigende Arbeit aller, denen Deutsch­land höher steht als die Partei. Mit der Versicherung meiner besonderen Hochachtung bin ich Ihr ergebener von Hinden­burg, Generalfeldmarschall."

Der persönliche Adjutant Hindenburgs.

Der Reichspräsident wird sich vorläufig, wie verlautet, seinen Sohn, Major von Hindenburg, von der Ka­vallerieschule in Hannover, als persönlichen Abjutanten zu­teilen lassen. Das geschieht im Rahmen des Etats des Reichswehrministeriums.

Dr. Jarres in Hannover.

Oberbürgermeister Dr. Jarres traf Sonntag mittag in Hannover ein, um dem neuen Reichspräsidenten seine per- sönlichen Glückwünsche abzustatten.

Die Arbeitsgemeinschaft der AnswertungS- o-ganisationen an Hindenburg.

Die Arbeitsgemeinschaft der Aufwertungsorganisatio- neu, die 33 der führenden Verbände in der Aufwertungs­und Entschädigungsfrage umfaßt, sandte an den Reichs­präsidenten von Hindenburg folgendes Telegramm: Zur Wahrnehmung der gemeinsamen Interessen haben sich die führenden an der Aufwertungs- und Entschädigungsftage beteiligten Organisationen mit Millionen von Sparern, Rentnern, Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen, Ver­drängten und Geschädigten zu seiner Arbeitsgemeinschaft zu- sammengeschlossen. Die bisherige Behandlung und Nicht- achtung unserer Jahrhunderte alten deutschen Rechte und die bittere Not von Millionen deutscher Staatsbürger durch die Reichsregierung unter offenbarem Mißbrauch der Reichs- Verfassung und der Versuch, diesen Zustand durch den heute dem Reichstag eingebrachten Gesetzentwurf zu verewigen, er- füllt weite Schichten des Volkes mit ernster Unruhe und Ver- zweiflung. Auf Grund der von Ihnen, Herr Reichspräsident, in der Osterbotschaft an das deutsche Volk bezeugten An­erkennung der Heiligkeit des Rechts vertrauen die widerrecht­lich ihres Besitzes, ihrer Ersparnisse und ihrer rechtmäßigen Ansprüche Beraubten auf Ihren edlen Willen, den Not­leidenden zu helfen, um so mehr, als ihre Entrechtung auf der anderen Seite zu einem, bei den Schuldnern überall nachweisbaren gewaltigen Vermögensvorteil geführt hat. Wir bitten, diesem ernstesten Problem der inneren Politik Deutschlands volle Würdigung zuteil werden zu lassen und kraft der durch die Reichsverfassung bem Reichspräsidenten verliehenen Rechte baldigst auf Wiederherstellung des offent- lieben Rechts, der Unabhängigkeit der Gerichte, von Treue und Glauben hinzuwirken."

Dr. Luther in der Pfalz.

Reichskanzler Dr. Luther, der Richsminisier für die besetzten Gebiete, vr. F r e n ck e n und der bayerische Gesandt« in Berlin, Dr. Kreger, der Reichspressechef Dr. K i p p, zur Teilnahme am 1. Pfälzischen Pressefest in der Pfalz ein- trafen, wurden nach ihrer Ankunft im Stadtrat-Saal in Lud­wigshafen von Vertretern der städtischen und ftaatlidjen Be­hörden der Pfalz empfangen. Reichsaußenminister Dr. Stresemann, der ebenfalls zu dem Pressefest erwartet wurde, konnte aber infolge Derschlimnierung seines Gesundheitszu- standes die Reise nicht unternehmen.

Die Lage in Preußen.

Ueber die Lage in Preußen hören wir aus parlamentari­schen Kreisen, daß die Frage, ob es zu einer Auflösung des Landtages kommen wird, bis jetzt nod) nicht mit Siä)erheit beantwortet werden kann. Die Meinungen bzw. die mehr oder minder optimistische Beurteilung über diese Frag« find geteilt. Selbstverständlich haben in den letzten Tagen wieder- holt Besprechungen einzelner führender Persönlichkeiten im engsten Kreise stattgefunden, jedoch sind offizielle Verhand­lungen irgendwelcher Art zwischen den Parteien noch mmt eingeleitet worden. Eine gewisse Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß angesichts der Fühlungnahme zwischen den oo^tab bemofraten und den Kommunisten die Vertrauensfrage durch Abkommandierungen der Kommunisten am nächsten Freitag in positivem Sinne beantwortet werden könnte und daß bem- gemäß das Kabinett Braun noch einige Zeit im Amt« bleiben könnte. Mes schließt man vor allem daraus, daß bei den bürgerlichen Parteien der Weiniarer Koaliffon nur sehr ge­ringe Neigung für einen Wahlkampf besteht, der von den rechtsstehenden Parteien mit den besten Aussichten auf Erfolg begonnen werden würde. Die Haltung des Zentrums ist zur Zeit noch undurchsichtig, und man glaubt, daß es dein Zen­trum vor allem im gegenwärtigen Monient große Schwierig­keiten machen würde, seinen Kurs umzustellen. Nachdem es jedoch der Verpflichtungen ledig geworden ist, die es der Sozialdemokratie gegenüber für den Wahlkampf um die_____

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an die rechtsstehenden Parteien suchen wird, wie es im Reiche der Fall war. Wann könnte im Laufe der nächsten Monat« eine Umbildung der preußischen Regierung auf neuer Basis erfolgen. Ebensowohl muß man aber nach wie vor mit der Möglichkeit einer Auflösung des Landtages unb einer Ab- lchnung des Dertrauenvotums rechnen.

Nach dem Eisenbahnunglück im polnischen Korridor.

Die Aufrüumungsarbeiten an der Unhlücksstelle dauern an. Sie haben bisher allerdings noch keine großen Fort­schritte gemacht, zumal die Zahl der bei den Auftäumungs- arbeiten beschäftigten Arbeiter verhältnismäßig gering ist. Das Unglück geschah gerade beim Austritt des Zuges aus einem Walde. In diesem Walde hat die Polizei eine Winde gefunden, und man vermutet, daß der Verbrecher sie hier versteckte und dazu benutzte, die Schienen auseinanderzu- drücken. In der deutschen Bevölkerung hört man immer wieder die Forderung, daß die Ursachen des Unglücks ein­wandfrei aufgedeckt werden müssen, da namentlid) die Reise durch den Korridor eine Angelegenheit ist, die der Kontrolle der deutschen Regierung gewaltsam entzogen wurde.

In den Krankenhäusern in Stargard bzw. in Dirschau sind weitere Verletzte gestorben, und zwar Emma Pitzer, Ro­land b. Düsseldorf, Frau Dr. Gerlach, Osterode, und Kind Rosemarie Gerlach, die Pflegerin Marie Hinz und Dr. Fried­rich Neumann. Ferner verstarb im Krankenhause Dirschau der schwerverletzte Fabrikbesitzer Werner Höchstmann. Die Zahl der Toten beträgt bisher 29, jedoch werden von den Schwerverletzten noch verschiedene sterben. Der deutsche Generalkonsul in Polen ist im Dirschauer Krankenhause ein­getroffen, um sich über das Schicksal der Verletzten zu unter­richten, dagegen ist bisher noch kein Vertreter der polnischen Regierung angekommen, um sich nach dem Befinden der Ver­wundeten zu erkundigen. Der polnische Eisenbahnminister ist nach Besuch der Unfallstelle gleich wieder nach Warschau zurückgekehrt. Die Untersuchungen über die Ursache des Un- glücks sind nach polnischen Angaben noch nicht abgeschlossen, jedoch wird von allen polnischen Dienststellen immer wieder betont, daß ein Anschlag als ganz bestimmt anzunehmen sei.

Wie aus Warschau gemeldet wird, hat der Wojewode von Pommerellen den Landräten von Stargard und Dirschau anbefohlen, allen deutschen Passagieren sofort Hilfe an- gedeihen zu lassen, bis sie ihre Reise fortsetzen können. Aus Warschau ist eine spezielle Untersuchungskommission im Sonderzug nach dem Ort der Katastrophe abgefahren. Eisen­bahnminister Tyszka und Außenminister Skrzynski haben dem deutschen Eisenbahnminister bzw. dem Außenminister Kondolenzdepeschen zugesandt.

Die Leichen des Stargarder Eisenbahnunglücks sind Freitag nachts 11.50 Uhr in einem Sonderzuge in Marien- bürg eingetroffen. Zum Empfang waren Herren von der Königsberger Eisenbahndirektion erschienen. Die Todes- opfer des Eisenbahnunglücks wurden begleitet von Vertretern des Starosten und des Eisenbahnamtes in Dirschau. Es fiel allgemein auf, daß die Leichen in äußerlich wenig versorgtem Zustande antamen, obgleich bereits 24 Stunden feit der Katastrophe oetffrL/n : ^, und somit genügend Zeit vor-