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Hersfelöer Tageblatt

Hersfelöer Kreisblatt"

Amtlicher Anzeiger für -en Kreis Hersfels

Nr. 107 Freitag, den s. Mai 1925

Anzeigenpreis für die einspaltige Petttzeffs 10 Plg. für amtiidie und auroärtlge Anzeigen 15 Pfg., die Reklamezeile 50 Pfg. Bei Wiederholungen Dadilak. + Für die Sdiriftleitung Deraniinorincti Franz Funk in Bersleld. + Fernlpredier Dr. 8.

Das Wichtigste.

Am 7. Mai wurde das DeutscheMuseum in München feierlich eingeweiht. Der Tag der Eröff­nung ist gleichzeitig der 70. Geburtstag des Er­bauers, Oskar von Miller, dem reiche Ehren zuteil wurden.

Die Verhandlungen zwischen Deutschland, Eng­land und Frankreich über den Sicherheitspakt nehmen wieder ihren Fortgang. Amerika bekundet großes Intersse an den Verhandlungen.

Der englische Außenminister Ehamberlain er- griff wiederum anläßlich eines Banketts in dem Franzö­sischen Institut in London die G e l e g e n h e i t, den h o h e n Wert der englisch-sranzöfischen Freund- schüft zu preisen.

Die näch ste Vollversammlung des Völ - kerbundrates ist auf den 7. September festgesetzt.

Wie steht es um Deutschlands Lufthoheit?

Von Wilfried Diehard.

Soll das deutsche Volk wieder einmal eine Beruhigungs­pille schlucken? Vor einigen Tagen überraschte uns das W. T. B. mit der Mitteilung, daßangesichts der gesamten luftpolitischen Lage (Fortbestehen der Beschränkungen für den deutschen Luftfahrzeugbau) keine grundsätzliche Neugestaltung des europäischen Luftverkehrs zu erwarten war, so haben doch die Verhandlungen zu einem, beide Teile befriedigenden Er­gebnis geführt." Die Meldung fügt dann noch hinzu:Es ist hiernach anzunehmen, daß die deutsch-englischen Luftver­kehrslinien, die bisher von besonderer wirtschaftlicher und ver- kehrstechnischer Bedeutung für beide Staaten gewesen sind, auch in Zukunft erhalten bleiben."

Wenn diese Meldung zutreffen sollte, wen. wir wieder Mjtawwüwre««^ «vlr MueWMr.M» nrtrr-1 schaftspolitischen Faktor zu verhandeln, dessen Tragweite noch gar nicht zu übersehen ist.

Der deutsche Durchschnittszeitungsleser wird diese Notiz kaum beachten, und doch behandelt sie eine entscheidende Zu- kunstsfrage. Wie sollte er auch hierüber Bescheid wissen. Ein belebendes Militärflugwesen haben wir nicht, und das Ver­kehrsflugwesen liegt trotz seiner seit Beendigung oes Krieges verhältnismäßig starken Entwicklung so sehr danieder, daß es viele Deutsche gibt, die überhaupt gar nicht wissen, daß wir noch Flugzeuge besitzen.

Es wird höchste Zeit und für die deutscheingestellte Presse eine Ehrenpflicht, daß hier Aufklärungsarbeit geleistet wird, denn wir wissen heute noch nicht, wie weit einmal das Flug­wesen für unser Vaterland eine Lebensfrage wird.

Hat schon der Weltkrieg das Flugzeug als kriegsentschei- dende Waffe gezeigt, beweist die rapide Entwicklung des Verkehrsflugwesens, daß der Fliegerei die Zukunft gehört.

Der Feindbund hat die Wichtigkeit des Flugwesens recht­zeitig erkannt und uns im Versailler Schandoertrag solche Fesseln angelegt, daß es anfangs schien, als wären wir in der Luft völlig ausgeschaltet. Doch der Feindbund hatte nicht mit der Energie des Deutschen und seinem Forschergeist ge­rechnet.

Allerdings ist es nur ein kleiner Kreis von Deutschen, die diesen Kampf führen, die große Masse des Volkes steht, soweit sie aufgeklärt ist, dem Ringen nur wohlwollend gegen- über.

Deutschland darf nach den Vertragsbestimmungen nur Flugzeuge bis 180 P.S. bauen, die nur eine Höhe von 3000 m erreichen dürfen. Jedem Laien mußte somit eigentlich klar sein, daß Flugzeuge mit so geringer Leistungsfähigkeit nicht im Entferntesten den Anforderungen der Luftverkehrs­probleine der heutigen Zeit genügen können. Entfernungen von London bis Konstantinopel oder gar bis nach Indien können von diesen Maschinen nicht bewältigt werden. In dieser Tatsache liegt der Hebel, mit dem wir die Revision der Vertragsbestimmungen erzwingen können.

Mit dem 10. Januar 1925 lief die Frist ab, die den Feindbundstaaten das Meistbegünstigungsrecht beim Ueber- fliegen deutschen Gebietes gewährt. Von diesem Zeitpunkt an dürfen auch Frankreich und England nicht mehr ohne be­sondere Abmachungen deutsches Gebiet überfliegen.

Deutschland ist nun so zentral gelegen, daß jeder ren- table Luftverkehr, sei es für England, sei es für Frankreich, durch deutsches Gebiet führen muß.

Das wenigste, was wir also bei diesen Verhandlungen hätten erreichen müssen, wäre, daß kein ftemdes Flugzeug, das mehr wie die deutsche Pferdestärke besitzt, deutsches Gebiet überfliegen darf. Wenn die W. T. B. - Meldung sagt, daß die deutsch-englischen Luftverkehrslinien bisher von besonde- rer wirtschaftlicher und verkehrstechnischer Bedeutung für beide Staaten gewesen sind, so sei das ohne weiteres zuge- geben. Den größeren Nutzen genießt jedoch England.

Wenn der Engländer aber nicht den Willen aufbringt, gegen die wahnsinnigen Vertragsklauseln Front zu machen, dann sollten wir nicht englischer sein wie die Engländer und uns auf den deutschen Standpunkt stellen. Was dem einen recht ist, .ist dem andern billig. Viele Werte haben wir fett der Revolution nicht meist zu verhandeln, aber die, bte nur

noch besitzen, das ist Selbsterhalungstrieb, müssen wir ss tret wie möglich vergeben. Die Luftfahrt ist aber eines der reich- tigsten Probleme der Gegenwart und daher ein wirtschafts» politischer Faktor von solcher Tragweite, daß es, gstmd« gesagt, für das deutsche Volk unverständlich wäre, wenn seine Unterhändler nichts weiter mit noch Hause bringen würden, als die blanke Zusage, daß unter den gleichen Bedingungen weiter wie bisher geflogen wird. Noch stehen die Ver­handlungen mit Frankreich bevor. Das deutsche Volk muß deshalb von seiner Regierung verlangen, daß über die bisherigen Verhandlungen Rechenschaft abgelegt wird. Wenn wir noch Achtung vor uns selbst behalten sollen, müssen wir auf die Lufthoheit, die wir seit dem 10. Januar 1925 besitzen, unbedingt bestehen und bett für unser Land größt­möglichst erreichbaren Vorteil herausholen.

Wir wohnen im Herzen Europas inmitten von feind- lidjen Luftflotten in Friedensstärke von 4 000 Flugzeugen. Dürfen wir keine Heeresflugzeuge haben, mit denen wir' die Grenzen schützen können, wollen wir wenigstens auf fried- lichem Wege die Luft erobern.

Luftfahrt tut not.

Die Eröffnung des Deutschen Museums in München.

Die Feierlichkeiten zur Eröffnung des Deutschen Muse- ums erreichten in dem Vegrüßungsabend der Stadt München Mittwoch abend den Höhepunkt, der in der neuerbauten Sughalle der Deutschen Verkehrsausstellung stattfand. Außer n Vertretern der Reichsregierung, der Länder- und Staats- behörden, der Kirchen und des deutschen Geisteslebens, waren der päpstliche Nuntius P a c e l l i, Kardiimlerzbischof v. Faulhaber, Kapitän König von H.-Deutschland, Major P a r s e v a l und Geheimrat Prof. Ost. Schütte anwesend. Unter Fanfarenklängen zogen 160 Münchener Kellnerinnen in die Halle ein und brachten den Gästen die Festmaßkrüge, ein Geschenk der Münchener Brauereien. Die Gänge wurden von 150 rot gekleidetes Kellnerinnen aufge- zunft und des Orchester- und Bläserchors marschierten unter den Klänger des Tölzer Schützenmarsches ländliche Gruppen in ihren Trachten, Lehrlinge mit dem Münchener Kindl, Töl­zer Flößer mit einem Modell des Deutschen Museums und eine Chimsser Gruppe ein. Der zweite Gang, die S u p p e, wurde durch eine Kindergruppe unter der Führung von The- rese Roth, Biedermeiermusikanten, Küchenjungen, Köche, Konditoren als Nymyphenburger Gruppe mit einer rissigen Terrine eingeführt. Aus der Terrine springt ein Mädchen, das einen großen Blumenstrauß Geheimrat von Miller als Geburtstagsgruß überreicht. Ferner überreichte eine junge Dame dem Jubilar ein Modell des Bibliothekbaues des Deut­schen Museums. Der dritte Gang wird durch eine Gruppe von Lehrlingen mit großen Tellern mit Hühnern, Enten, Gänsen, Schweinsköpfen usw. eingeleitet. Darauf zogen die Vertreter des Handwerks und der Zünfte mit Fahnen und Standarten auf und sprachen den Dank des Handtverks aus. Als letzte Gruppe traten unter Gesang und Jodlern Gais- buben, Senner und Sennerinnen auf, denen eine Bauern- Hochzeit mit Kranz'ljungfrauen, Brautführern und Beistän­dern und eine oberländlerische Tanzgruppe folgten.

Anläßlich der Eröffnung hat der Stuttgarter Oberbürger­meister Dr. Lautenschläger dem Deutschen Museum von der vom Gemeinderat beschlossenen Stiftung mit folgen- den Worten Kenntnis gegeben:Die Stadt Stuttgart stiftet für den Ehrensaal des Deutschen Museums ein Bronzerelief ihres Ehrenbürgers, des Grafen Zeppelin, das Bildnis des beharrlichen Kämpfers, des Eroberers des Reiches ohne Grenzen. In Erz gemeißelt ist für ferne Feiten der Ruhm des genialen Erfinders und der Stolz seiner Heimat auf ihren großen Sohn."

Zu Ehren des Reichskanzlers gab der Vertreter der Reichsregierung, Gesandter Dr. Hantel, ein Essen, an dem u. a. der Nuntius Pacelli, die Münchener diplomatischen Ver­treter der Länder und Reichstagspräsident Löbe teilnahmen.

Donnerstag morgen um 10 Uhr begann in der kunstvoll geschmückten und teilweise als Bühne eingerichteten Halle für den Luftverkehr des neuen Museumsbaues die Eröffnungs­feier. Die Feier begann mit einem zu diesen Zweck gedich- tetsn Fest spiel von Gerhart Hauptmann, zu dem Professor Zilcker eine wirkungsvolle Musik komponiert hatte und das einen mächtigen Ausklang in dem von 400 Sängern vorgetragenen Deutschlandlied fand. Ministerpräsident Held führt in seiner Ansprache an die Versammelten aus, daß an Münchens Feier nicht nur Bayern, sondern ganz Deutschland teilnehme. Das Deutsche Museum stelle ein erhebendes Denk­mal deutschen Geistes und deutscher Tatkraft dar, ein hoch­ragendes, ulMergängliches Zeichen der deutschen Kultur in'ihrer.geschichtlichen Entwicklung. Möchte das deutsche Volk aus der Vollendung des Deutschen Museums die Ueberzeu­gung gewinnen, daß es noch immer die Kräfte besitze, die zu seinem inneren und äußeren, zu seinem moralischen, wirt­schaftlichen und staatlichen Wiederaufbau Voraussetzung seien. Der Ministerpräsident verkündete dann, daß die baye­rische Staatsregierung den Beschluß gefaßt habe, den um die Errichtung des Deutschen Museums und bamit um Deutsch- land so hoch verdienten Herren einen Ring zu stiften, der an der rechten Hand als sichtbares Zeichen der Anerkennung das Andenken an die großen Verdienste um das Zustande-

kmmmn des Deutschen fUtufeums wachhalten solle. Nach Schilderung der Verdienste seiner Exzellenz Oskar von Mil­lers fuhr der Präsident fort:Ich habe den Auftrag von der bayerischen Staatsregierung, seiner Exzellenz neben herz­lichstem Dank für alles, was er für Volk und Vaterland getan hat, die innigsten Glückwünsche zur Vollendung des 70. Ge­burtstages und seines dauernden Lebenswerkes, des Deut­schen Museums, hiermit in feierlicher Weise entgegenzu- bringen. ......

Der Reichskanzler bei Hindenburg.

Reichskanzler Dr. Luther trifft am Sonnabend, dem

9. Mai, in Hannover ein, um mit Generalfeldmarschall von Hindenburg die Einzelheiten der Amtsübernahme endgültig zu besprechen.

Polnische Pflichtverletzung.

Die Reichsregierung zum Stargarder Eisenbahnunglück.

Halbamtlich wird mitgetetlt: Die Reichsregierung hat aus Anlaß des Eisenbahmmgliicks bei ötangia'cb an das Deutsch-Po Lni| che-Danziger Schiedsgericht für den Durch, gangsverkehr in Danzig einen Antrag gerichtet, in dem um Feststellung ersucht wird, daß die polnische Regierung durch mangelhafte Unterhaltung der der polnischen Staatsbahn unterstehenden Durchgangsstrecke DirschauMa-rienburg schwere Gefahren für die Durchführung des Eisenbahntrans­ports herbeigeführt und dadurch die ihr nach dem Abkommen zwisihen Deutschland, Polen und der Freien Stadt Dauzia über den Durchgangsverkehr obliegenden Pflichten verletzt habe. Ferner wird um eine sofortige Beweiserhebung durch Besichtigung der Durchgangsstrecke DirschauMarienburg, insbesondere um eine sofortige Besichtigung der Unglücks» stelle unter Zuziehung von Sachverständigen und Zeugen er­sucht.

Die Vernachlässigung der Polen obliegenden Pflichten der ordnungsmäßigen Unterhaltung der Durchgangsstrecke wird barmt begründet, daß das Schwellennmderial nickst red)t- zeitig erneuert unh, die, durch das ^tßeWWiMMM^HKch^ eung der Fetlerfundamente der Cisenbahnbrücke bei Dirschau nicht wieder hergestellt worden sei. Weitere Angaben in dieser Richtung behält sich die deutsche Regierung vor. Zu der Ur- suche des Eisenbahnunglücks bei Stargard wird in der Bs- aründung her Anträge der Standpunkt vertreten, daß die Ännahme eines'Attentats abzulehnen, viel» mehr der mangelhafte Zustand der Eisen bahn- strecke hierfür verantwortlich zu machen sei.

Noch keine Einigung über die Konlrollnote.

Die Pressemeldungen über eine unmittelbar bevor­stehende Einigung der Alliierten in der Frage der deutschen Abrüstung eilen den Tatsachen weit voraus. 6s ist richtig, daß der englische Botschafter bestimmte Weisungen aus Lon- don erhalten und den Wunsch ausgesprochen hat, daß die nächste Sitzung der Botschafterkonferenz nicht zu weit hin- ausgeschoben wird. Tatsache ist, daß die Botschafter, die am Donnerstag zusammentreten sollten, den Termin für ihre nächste Sitzung noch nicht festgelegt haben. Es ist möglich, daß eine Sitzung für Sonnabend anberaumt, aber dann auf Donnerstag vertagt wird, weil erstens Marschall Foch soeben eine Reise nach Italien angetreten hat und nicht vor Wochen- rist zuruckkehren wird, und weil zweitens der belgische Ge- andte infolge der Kabinettkrise noch ohne jede Instruk- ion ist.Chicago Tribune" glaubt zu misten, daß die eng­lische Regierung bereits vor einigen Tagen den Notenentwurf des französischen Kabinetts in Händen hatte, der in der Frage der Abrüstung an Deutschland geschickt werden soll. »Petit Journal" dementiert formell die Meldung, nach der über die Veröffentlichung des Generalberichtes der Kontrollkommissio« bereits ein Beschluß gefaßt worden sein soll.

Die Entwaffnungsfrage im englischen Unterhaus.

Auf eine Anfrage im englischen Unterlaufe, ob die Ab­sicht bestände, die deutsche Regierung über die Verfehlungen gegen die Entwaffnungsklauseln des Friedensvertrages zu informieren, erklärte Ehamberlain, daß er mit Be­stimmtheit hoffe, daß dies bald geschehen werde. Eine Rote werde in dieser Angelegenheit sehr bald an die deutsche Re- gieritng gesandt werden. Er könne aber keinerlei Angaben hinsichtlich des genauen Programms machen. Er hoffe, daß der Notenwechsel bald überreicht werden würde und der Oeffentlichkeit gleich nach Uebergabe zugänglich gemacht wer­den könnte. Der erste Lord der Adniiralität erklärte auf Be­fragen im Unterhaus, daß das eine der ehemaligen deutschen Schwinrmdocks, welches noch im Besitz der englischen Regie­rung sei und nicht für Flottenzwecke gebraucht würde, zum Verkauf sowohl in England als auch im Ausland angeboren worden fei. Ueber die endgültige Zuteilung der Docks könne im Augenblick noch keine Entscheidung gefällt werden, ehe noch nicht alle Docks eingeliefert wären, was noch nicht der Fall sei. '___

Fortsetzung der Verhandlungen über den SicherheitSpakt.

Wie von unterrichteter Seite verlautet, scheint bei bet deutschen, englischen und französischen Regierung volle» Ein»