Reisfelder Tageblatt
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hersfel-er Kreisblatt"
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Nr. 115
Montag, den 18. Mai
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Das Wichtigste.
— Äm Sonnabend vormittag wurde die Iahrtausendfeier in Köln eröffnet. Reichskanzler Dr. Luther wies in einer längeren Rede auf die Bedeutung der Feier hin. Reichspräsident von Hindenburg hatte ein Telegramm gesandt.
— Pariser Blätter vermuten, daß die b e v o r st e h e n - den Verhandlungen über den Sicherheits- paktsehrlangwierig sein werden, da auch die Ost - staaten befragt werden sollen.
— Sven Hedin sprach sich nach seiner Rückkehr von München in die Heimat sehr anerkennend über die Zustände in Deutschland aus und betonte den sichtlichen AufstiegunddieWiedererstarkung.
Der Faktor Italien.
Von WilfriedDiehard.
Bei der Betrachtung der europäischen Länder auf Bündnisfähigkeit, kann man Italien nicht übergehen, wenn wir auch schon einmal schlechte Erfahrungen damit gemacht haben.
Bevor Mussolini die Regierungsgewalt an sich riß, war Italien eine Macht, die nur eine Schachfigur auf dem Schachbrett der Weltmächte war. Seine insulare 9age, die wirtschaftliche Abhängigkeit machten es zum Vasallen Englands Seit dem Tage, wo der zersetzende Marxismus von Mussolini niedergerungen war, hat sich ein Umschwung vollzogen, der Italien zu einer achtunggebietenden Macht erhoben, hat. Mussolini hat gründlich mit der sozialistischen Mißwirtschaft aufgeräumt; er hat die Verwalftrng reorgani» siert, Heer und Marine bedeutend vergrößert. Italien sichert seine strategisch wichtigen Häfen durch Anlag» bedeutender Befestigungen, um jeden feindlichen LandanK^iff zu vereiteln und so durch seine Wehrtüchtigkeit sich vE jedem Vormund frei zu machen.
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ganz anderes Gesicht bekommen und an Schlagkraft ganz bedeutend gewonnen. Den bedeutendsten Punkt im Wehrprogramm nimmt der Ausbau der Luftflotte ein. Kein geringerer als Mussolini selbst, der im großen K^ege Flugzeugführer war, hat sich an die Spitze der LuftslEenorgani- sation gestellt. Wohl wissend, daß die Luftwaf^ im Zu- kunftskriege eine, wenn nicht d i e entscheidende Rolle spielt, ist Italien dabei, durch Verdoppelung des augenblicklichen Bestandes der Flugzeuge erster Linie und durch Bereit- und Fertigstellung der Flugzeuge für den Kriegsfall, d i e größte Luftmacht der Welt zu schaffen. Nach Erklärungen Mussolinis soll dieser Standpunkt im Oktober erreicht sein.
Durch zielbewußte Schaffung einer ehernen Machtposition ist es dazu übergegangen, danach zu streben, weltpolitisch eine Rolle zu spielen. Sein BündnismitSpanien macht es zum Beherrscher des Mittelmeeres. Seine Aktivität gibt Frankreich sehr zu denken. Haben doch Italien und Spanien den Zufahrtsweg Frankreichs zu seinen Kolonien in der Hand. Der letzte Krieg aber hat bewiesen, daß die Kolonien Frankreichs Lebensnerv bedeuten, denn hier kommen Frankreichs Menschenreserven her.
Interessant ist, zu beobachten, wie Italien seinen Be- völkerungsüberschuß unterzubringen sucht. Da die neue Welt der italienischen Auswanderung immer mehr verschlossen wird, richtet, schon aus seiner geographischen Lage heraus, die italienische Politik die Augen immer mehr nach dem Westen. In den Donauländern und in der Levante sind keine Kolonisationsmöglichkeiten mehr, da sich hier Nationalstaaten befinden. So richtet Italien nach altrömischer Tradition seine Politik auf Nordafrika. Mit der Wiederunter- werfung Lybiens hat Mussolini bereits energisch begonnen, während die italienische Presse die tunische Frage zu einer nationalen erhebt. Die ungünstige Lage aber, durch die die westlichen Nachbarn das westliche Mittelmeer und mit dem französischen Tanger und dem englischen Gibraltar seinen Ausgang beherrschen, und damit jede Zufuhr abschneiden können, zwingt Italien, sich eine Rückendeckung zu sichern.
In diese Richtung fallen der italienisch-russische und der italienisch-jugoslawische Vertrag. Rußland soll das Reservoir Italien in Lebensmitteln und Rohstoffen bilden. Da die Zuführung in einem Kriege aber durch die dazwischenliegenden Staaten abgeschnitten werden könnte, hat Mussolini auch mit Jugoslawien ein Bündnis geschlossen. Hat Italien schon durch sein jugoslawisches Bündnis einen Schnitt in die Kleine Entente getan, so brächte die Verbündung mit der Tschechoslowakei eine vollkommene Umwälzung der Machtverhältnisse im Südosten Europas, und gleichfalls eine riesige Stärkung Italiens in allen europäischen Fragen.
Italien ist sich seiner Stärke bewußt, und Mussolini ist ganz" der Mann dazu, für sein Land das Beste herauszu- holen. In der Politik mit den großen europäischen Staaten wird er sich dem anschließen, der ihm am meisten zu bieten hat. Der Vorrang, den England bisher vor Frankreich hatte, der Kohlenlieferant Italiens zu sein, ist, seitdem Frankreich das Saargebiet besetzt hält, überholt. Frankreich nutzt die Lage und liefert Italien die von Deutschland so billig erworbene Kohle. So ist Italien in seinen Entschlüssen frei.
Die Eröffnung der Zchriachndfeier in Köln.
'erner der maßgebenden
'eierlich eröffnet. Die llkonzert und das
Sonnabend vormittag elf Uhr wurde die große Jahrtausend-Ausstellung der Rheinlande in Köln in Anwesenheit des Reichskanzlers, des Reichsaußenministers, des Ministers für die besetzten Gebiete und zahlreicher Staats- und Ministerpräsidenten, der Minister der Länder, st weltlichen und kirklichen Behörden fi
Feier wurde durch ein Händelsches Orgelkonzert und das festliche Präludium von Richard Strauß ein geleitet. Nachdem die Klänge verhallt waren, nahm Oberbürgermeister Dr. Adenauer das Wort zu einer Ansprache. Die Rede klang aus in ein Hoch auf unsere rheinische Heimat, auf unser geliebtes deutsches Vaterland. Darauf wurde das Deutsch- lanblied gesungen. Anschließend daran sprach Geheimer Re- gierungsrat Pros. Dr. Clemen - Bonn über die Bedeutung
, gierung^ , , dieses Schicksalsjahres des deutschen Westens.
Die Vertreter der Reichsregierung in Köln.
Unter Führung des Reichskanzlers Dr. Luther sind die Vertreter der Reichsregierung und einer Reihe von Länderregierungen in Köln zur Jahrtausendfeier der Rheinlande eingetroffen. Auf Dem Bahnsteig wurden die Herren von Abordnungen der Stadt Köln und anderer Behörden begrüßt. Ein Teil des Bahnhofsvorplatzes war durch Schutzpolizei abgesperrt. Zahlreiche Gebäude tragen Flaggen- schmuck. In der Maisonne flattern die Fahnen des Reiches, Preußens, des Rheinlandes und der Stadt Köln.
Ein Telegramm Hindenburgs.
Der Herr Reichspräsident hat an den Oberbürgermeister der Stadt Köln folgendes Telegramm gerichtet:
„Der Stadt Köln wie dem gesamten Rheinlande entbiete ich am heutigen Tage der (Eröffnung der Jahrtausend- ausstellung der Rheinlande meine herzlichsten Grüße und
Wem Rückblicke zeigen, wie die Lande ant Rhein durch gemeinsame Sprache, Geschichte, Kultur und Wirtschaft mit dem großen deutschen Vaterlande unlösbar verbunden sind. Mit welcher Treue auch in der Gegenwart die Bewohner dieses Landes zur Heimat und zum Reiche stehen, haben die Ereignisse der letzten Jahre der ganzen Welt mit aller Deutlichkeit gezeigt. Daß die Gebiete am Rhein bald wieder in voller Freiheit mit uns, mit dem gesamten Vaterlande, vereint sein mögen, ist unser aller sehnlichster Wunsch und unser unermüdliches Streben.
von Hindenburg, Reichspräsident."
Eine Rede des Reichskanzlers in Köln.
In Köln nahm Reichskanzler Dr. Luther das Wort und führte aus: Ich bringe Ihnen die herzlichsten Wünsche für die Ausstellung, die heute eröfnet wird, und die herzlichsten Grüße aus dem übrigen Deutschland. Ich darf sprechen im Namen des Herrn Reichspräsidenten, der mich bcauf- tragte, seine aufrichtigen Wünsche zu überbringen. Ich darf sprechen ferner für die Länderregierungon, Die zum Rhein gehören.
Als die Reichsregierung die Aufmerksamkeit den im Entstehen begriffenen Veranstaltungen dieses Jahres am Rhein zuwandte, da durfte erwartet werden, daß die Eröffnung der Ausstellung in Köln in Gemäßheit der Bestimmungen des Vertrages von Versailles auf einen von fremder Besetzung freien Boden erfolgen werde. Sie wissen, daß diese Erwartung getäuscht worden ist. Es muß immer und immer wieder ausgesprochen werden, daß das deutsche Volk einen berechtigten Anspruch darauf hat, daß die erste Rheinlandzone den Ver- tragsbestimmungen entsprechend geräumt wird. ?lber bis zum heutigen Tage sind wir noch immer nicht einmal in Kenntnis der Beanstandungen, die gegen Deutschland erhoben werden, um die Nichträumung zu begründen. Wir müssen das fest- stclle», voll tiefer Bitterkeit, znmal am heutigen Tage, wo hier ein Werk eröffnet wird, das bestimmt ist, dem Frieden im besten Wortsinne zu dienen.
'rieden dienen, als wenn
Denn wie kann man
man den inneren Wert eines Volkes dadurch steigert, daß man ihm die Lebendigkeit seiner Kultur, das Bild seines Volkes, vor Augen hält. Das aber ist der Zweck dieser Ausstellung, um auf'biefe Weise mitzuarbeiten am Wiederaufbau des ganzen Vaterlandes. Ein Wiederaufbau ist ja doch nicht möglich, wenn nicht auch die inneren Werte im Volke gesteigert werden.
Ich möchte hinzufügen, wie vom übrigen Deutschland aus die Gedanken und die Gefühle sich immer zum Rhein wenden. Wenn wir davon sprechen, daß der Rhein ein deutscher Strom ist, so meinen wir damit nicht nur die geographi- sche Tatsache, daß der Rheinstrom in seinem wichtigen Teile durch Deutschland fließt, sondern wir meinen mehr. Auch die anderen Deutschen, die im Stromgebiet der Elbe und der sonstigen großen norddeutschen Ströme und die Deutschen, die am Strom der Donau wohnen, sie alle betrachten den Rhein als ihren Strom, denn die Geschichte des Rheinlandes ist ein so starkes Glied im ganzen werdenden Deutschland, daß ganz Deutschland ein Recht hat auf den Rhein.
Das Rheinland, das wirtschaftliche Werteschaffen, das Rheinland, das uns vor neue soziale Probleme stellt,
die mir tosen müssen um unseres Volkes willen, ja auch das Rheinland, mit dem ich persönlich aus meiner Tätigkeit als Essener Oberbürgermeister so eng verbunden bin. Wenn ich so zurückdenke an die, trotz aller Schwere der Zeit so glücklichen Jahre, die ich im Rheinlande verbracht habe, dann füllt mir immer wieder dieses wundervolle Grußwort ein, das seinem Ursprung nach dem zugerufen wird, der in die Erde hinabfährt, an die Arbeitsstätte, und das besagen will: Nun, komme glücklich wieder herauf aus Tageslicht. Das ist ja auch der Weg unseres Volkes. Wir streben emvor zum jungen Tage. Der Arbeit, die auf dieser Ausstellung geleistet wird in der Entwicklung unseres Volkes, im Wiederaufbau, im Dienste des großen und wahren Friedens, dieser Arbeit rufe ich zu: „Glückauf!"
Ministerpräsident Braun an die Rheinlande.
Köln, 18, Mai. Bei der Eröffnung der Kölner Iahrtausendfeier hielt der preußische Ministerpräsident Braun im Gürzenich eine Ansprache, in der er u. a. sagte: Der Rheinstrom ist für jeden Deut- schen, überall wo die deutsche Zunge klingt, der Inbegriff des Deutschtums, deutscher Wirtschaft, deutscher Kunst und deutscher Geschichte. In der Geschichte der an seinen Ufern liegenden Rheinlande spiegelt sich die Geschichte des ganzen deutschen Volkes wider. Ein Land und ein Volk, das in Jahrhunderten politischer Zerrissenheit und Zwietracht die Einheit deutscher Kultur und Geistig- kcit in seinen Kunstschöpfungen bewahrte, beweist, daß die Einheit aller Deutschen ein unverlierbares und dauerndes Gut ist. Jahrhunderte der Uneinigkeit und Zersplitterung haben diesen Einheits- gedanken nicht zu ersticken vermocht! Mit unbesiegbarer Gewalt ist er stets wieder hervorgebrochen und ist heute und niemals mehr zu . ertöten. Deutsch ist das Rheinland, deutsch sind seine Menschen seit den Tagen grauer germanischer Vorzeit! Als Leiter der preußischen Staatsgeschäste darf ich den Wünschen des preußischen Volkes Aus- druck geben und mich zum Dolmetscher der Gefühle machen, die jeder Preuße, der seine Geschichte und Kultur kennt, dem Rhein- ande entgegenbringt. Die Rheinlande und das preußische und deutsche Volk überhaupt haben ihre Feuerprobe bestanden. Man hat oft genug
■NM ihr Heil in
etwa öa® mts- und deutschen Ein
Heitsgedanken läge. Die Rheinländer, die aus ihrer Geschichte und aus den alten deutschen Irrungen und Wirrungen der Bruderkämpfe gelernt haben, haben durch die letzten Schicksalsschläge in ihrem Deutschtum noch gefestigter, all diesen Sirenenrufen kühl bis ans Herz hinan gegenüber gestanden. Möge bald die Zeit, wo • fremde Besatzung auf diesem Lande und Volke liegt, wie ein böser Traum hinter uns liegen. Möge bald das rheinische Volk wieder in Freiheit und Freude seine Lieder singen und sich der Schönheit seiner ihm dann ganz wieder zugehörigen Heimat freuen können! Bis zu diesem Tage heißt es weiter wie bisher geduldig ausharren. Ganz Preußen, ja, das ganze Reich wird dem Rheinlande brüderlich zur Seite stehen, um ihm zu helfen, das zu tragen, was ihm auferlegt ist, und was es letzten Endes doch für uns alle anderen mit zu dulden hat. Im Namen der preußischen Staatsregierung und des preußischen Volkes grüße ich von ganzem Herzen das Rheinland. Seine Verbundenheit mit allen, die deutschen Blutes sind, wird auch weiterhin die Jahr- taufende überdauern.
Eine Tabelle über die deutschen „Verfehlungen".
Hier liegt eine offizielle Reuternote vor, in der gesagt wird, die interalliierte Note in der Abrüstungsfrage werde aus einer Tabelle mit einem Begleitschreiben bestehen. Die Tabelle werde eine kommentarlose Aufzählung der Verfehlungen enthalten, der das Gutachten des militärischen Sachverständigeuansschnffes von Versailles zugrunde liege. Aus der Tabelle werde unzweideutig hervorgehen, was Deutschland noch zu tun habe, um die Bestimmungen des Versailler Vertrages zu erfüllen. Eine Verständigung fei an und für sich bereits erreicht, doch müsse man mit der Möglichkeit rechnen, daß der Notenentwurf jetzt wieder an das Mimärkomitee von Versailles zurückverwiesen werde, da es sich um eine rein technische Ausarbeitung handele. Es bestehe Grund zu der Annahme, daß die Note der Alliierten im LanfedkeferWoche Deutschland überreicht und im Anschluß daran veröffentlicht werde. In der Zwischenzeit wür- den die Mächte ihre Entwürfe des Begleitschreibens berichtigen.
E h a m be r l a i n hat täglich mit dem französischen Botschafter de Fleurtau Besprechungen über die endgültige Fassung der Abrüstungsnote an Deutschland. Von unter- richteter Seite verlautet, daß man sich bereits in den nächsten Tagen einigen werde. Der endgültige Entwurf werde dann der InteraÜiierten Militärkommission in Versailles zur Prü- fung übersandt, die ihn an die Botschasterkonferenz weiter- geben werde.
Vor langwierigen Verhandlungen über den Sicherheitspakt.
Die Pariser Blätter beschäftigen sich ausführlich mit einer Londoner Meldung, daß die Botschafterkonferenz ver- tagt worden sei, weil die Ungleichung der französischen und der englischen Notenentwürfe noch nicht zu Ende geführt werden konnte. In Londoner amtlichen Kreisen sei erklärt worden, daß von der Einberufung einer deutsch-alliierten Konferenz vor der Klärung des Sicherheitspaktes und der, Abrüstung nicht die Rede fein könne. Der französische, KH