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SersMer Tageblatt

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L | Hersfel-er Kreisblatt"

H Amtlicher Mzeiger für -en kreis Hersfels

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Nr. 121

Dienstag, den 26. Mai

1925

Das Wichtigste.

Aus London kommen neuerdings Stimmen, die eine ernste Besorgnis Englands über den von Sicherheitspakt erkennen

Briand an

lassen.

Besorgn: gestreb te

n

Me Erdbebenkatastrophe in Japan hat nach den letzten Meldungen ungefähr 500 Men schen- leben gefordert. Mehrere Ortschaften sind völlig vernichtet 16000 Personen sind obdachlos.

Ueber das Schicksal Amundsens liegen immer noch keine Nachrichten vor. Man bereitet bereits eine Hilfsexpedition vor, da man fürchtet, die Flugzeug« seien im Nebel verunglückt.

Südtirol Irredenia.

Von Dr. K o nrad Döring.

Die allgemeinen Beziehungen Deutschlands zu Italien sind in den letzten Jahren zweifellos besser geworden. Man hat in Deutschland verhältnismäßig schnell vergessen, was eigentlich Italien uns im Weltkrieg angetan hat. Wenn aber zwischen beiden Ländern wirklich gute und aufrichtige Ver­bindungen auf die Dauer herrschen sollen, so bedarf unbe­dingt die südtiroler Frage einer baldigen Klärung. Die deutsch-italienische Sprachgrenze verläuft südlich von Bozen, nördlich derselben, bis zum Brenner, saßen vor dem Kriege etwa 300 000 reindeutsche Tiroler, die meist kaum ein Wort italienisch verstanden. Auch südlich der Sprachgrenze wurde mehr deutsch gesprochen, als man bei uns im Norden an- nahm. Mit dem Einrücken der Italiener begann man zu­nächst einmal mit der Vertreibung der deutschen Intelligenz, zahlreicher Lehrer und Beamten, die großenteils in die un-

Der Hindenburgtag auf der Rennbahn in Hannover.

Z Hannover, 26. Mai. Die Pferderennen auf der Großen Pult gewannen ihre besondere Bedeutung durch die Anwesen­heit des Reichspräsidenten von Hindenburg, der gegen 5 Uhr nachmittags in Uniform auf der Rennbahn eintraf. Eine riesige Menschenmenge jubelte Hindenburg zu. In seiner Begleitung befanden sich sein Sohn, Major von Hindenburg, sein Schwiegersohn Rittmeister von Pentz und der Präsident des Hannoverschen Rennvereins, Freiherr von Eramm. Man sah u.a. den Generaloberst von Lin- singen, Generalleutnant z. D. von Kramsta, ferner den Kom­mandeur der Reichswehrkavallerie General von Krosigk- Dresden, den Infanterieführer sechs, Generalleutnant Frei- herrn von Forstner, den früheren Adjutanten des Feld- marschalls, Oberstleutnant von Kügelgen, und Oberstleutnant a.D. von Feldmann. Freifrau von Eramm überreicht dem Reichspräsidenten bei seiner Ankunft einen Maiblumen­strauß. Der Reichspräsident sah sehr frisch aus. Er wohnte den beiden Hauptrennen des Tages stchend in der blumen- geschmückten Loge bei. Nach den Rennen überreichte der Reichspräsidnt den Siegern mit kurzen Worten die Ehren­preise und jedem einzelnen Reiter sein Bild mit eigen- händiger Unterschrift. Gegen %7 Uhr verließ der Reichs­präsident die Rennbahn, wiederum von brausenden Hurra- rufen umjubelt. Die Menge stimmte bei der Abfahrt be­geistert das Deutschlandlied an.

Hindenburg besucht Lüneburg.

Z Hannover, 25. Mai. Reichspräsident von Hindenburg wird, wie derHannoversche Landesdienst" erfährt, in diesem Sommer nach Lüneburg tommen, um der Taufe seines Enkels, des jüngsten Sohnes des Rittmeisters von Pentz, beizuwohnen. Bei dieser Gelegenheit ist von feiten der Stadt Lüneburg eine besondere Ehrung des Reichspräsidenten geplant.

Deutschnationalen an der Regierung sind die inneren Ver­hältnisse konsolidiert worden." Dr. Stresemann ging dann auf die Fragen der auswärtigen Politik ein. Daß wir die Dawesgesetze angenommen haben, hat sich als richtig erwiesen." In ausführlichen Darlegungen vertrat Dr. Stresemann die außenpolitischen Grundsätze, von denen er eine Befestigung und Besserung unserer Lage erwarte, und nahm dann zur Frage der Präsidentenwahl Stellung.Man hat der Deutschen Volkspartei vorgeworfen, daß sie durch ihr Festhalten an der Kandidatur Iarres eine bürgerliche Einheitskandidatur unmöglich gemacht habe. Es war für uns vollkommen unmöglich, auf den Mann zu ver­zichten, der uns im Wahlkampf führen sollte, ohne daß eine Sicherheit dafür bestand, was nach dem Bericht tommen wird. Wir haben dann die Kandidatur Hindenburg unter­stützt, und ich bin überzeugt, daß die Deutsche Volkspartei bis zu ihrem letzten Wähler für Hindenburg an die Wahl­urne gegangen ist. Inzwischen hat sich davon überzeugt, daß Hindenburg nicht eine Politik des Friedens auf der Grundlage der Selbst­achtung nach innen und der Gleichberechtigung nach außen." Dr. Stresemann streifte dann auch die Frage der Auf -

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Dr. Stresemann über die Vertrauenskrise zwischen Deutschland und Frankreich.

wertung. Zur Wirtschaftspolitik führte er aus, daß es sich darum handele, das Primat der Politik vor dem Berufs- intereffe durchzusetzen und den richtigen Ausgleich zwischen dem wirtschaftlichen Einzelinteresse und dem Gesamtinteresse des Staates zu erreichen. Wer schwer das sei, zeige die Ein­stellung vieler Kreise gegenüber dem deutsch-spanischen Han­delsvertrag. Die Regierung sei durchaus bereit, den deut­schen Winzern zu helfen. Der Weg zu dieser Hilfe auch auf zollpolitischem Gebiet gehe aber über die Annahme des Ver- träges. Der Wiederaufbau Deutschlands wird vom Geistigen und nicht vom Materiellen ausgehen.Wenn wir Fühlung halten mit dem kommenden Geschlecht, dann werden wir erst die Stärke erhalten, um mit dem notwendigen Einfluß und mit aller Kraft unserem Daterlande dienen zu können, dem unser ganzes Sehnen und Hoffen gilt."

italienischen Ausdrücken versehen, aus Franzensfeste wurde ein Fortalezza, aus Bozen Bolzano. Die deutschen Namen wurden überpinselt oder gerieten an die zweite Stelle. In Bozen und anderen Orten verschwanden teilweise die deut­schen Straßennamen, italienische Ladeninschriften tauchten auf, italienische Geschäfte und der unvermeidliche Oukkä Espresso erschienen und anderer, dem Tiroler ganz wesens­fremder Importkram. Die italienische Trikolore weht herausfordernd. Dann begann der Kampf gegen das deuffche Schulwesen. Lehrer und Lehrerinnen aus dem Königreich Italien, die kaum ein Wort deutsch gelernt hatten, wurden in rein deutsche Gebirgsdörfer entsandt, der deutsche Sprach­unterricht von Klaffe zu Klasse zurückgedrängt. Es bedurfte erst des Eingreifens des Papstes, um wenigstens den Re­ligionsunterricht in deutscher Sprache zu retten. Deutsche kulturelle Bereinigungen, wie die Schillervereine, wurden unterdrückt, die deuffchsprachliche Presse geknebelt und unter schärfste Zensur gestellt. Trotz aller Schikanen gelang es aber doch im Vorjahr, einige deutsche Vertreter in das italienische Parlament zu entsenden, deren Stellung dort keine be­neidenswerte ist, da man ihren berechtigten Ansprüchen voll- kommen verständnislos oder gar feindselig gegenübersteht.

Obendrein hat nun Mussolini in seiner Rede vor dem Senat die füb tiroler Frage angeschnitten. Nach seinen Aus­führungen betrachtet er die Brennergrenze als etwas Un­widerrufliches, das die italienische Regierung um jeden Preis zu verteidigen gesonnen sei. Aus diesen Aeußerungen geht zweifellos hervor, daß auch selbst dieser begabte italienische Staatsmann den Kern der Frage nicht erfaßt hat. In Deutschland und Oesterreich hat kein Mensch den wahn­witzigen Gedanken, Südtirol mit Waffengewalt wieder zu er­obern. Selbst wenn wir die Machtmittel dazu besäßen, wäre bem deutschen Volke ein nochmaliger Waffengang mit Italien im höchsten Grade zuwider. Wir legen Wert auf gute und freundschaftliche Beziehungen mit Italien, mit dem uns Tausende ethische und wirtschaftliche Bande verknüpfen. Andererseits aber erhoben wir vor der Welt unsere Stimme und verlangen auf Grund der wenigen uns durch das Ver- failler Diktat zugesicherten Vorbehalte für den Schutz der nationalen Minderheiten das Recht der Gleichberechtigung für unsere deutschen Brüder in Südtirol. Wir verlangen in erster Reihe Schutz und Gleichberechtigung für das deutsche Schulwesen, Schutz für die deuffche Sprache, für die deuffche Presse, Rückkehr und Amnestie für Verbannte und Verur­teilte, Bewegungsfreiheit für kulturelle deutsche Bestrebun­gen. Wir fürchten nicht für den deutschen Sinn der Süd- firofer Bevölkerung, der sich allen Schikanen und Unter­drückungen zum Trotz im Geiste seines Nationalhelden An­dreas Hafer bis zum letzten Atemzüge gegen Verwelschungs- bestrebungen wehren wird, wir verlangen aber von unserer Reichsregierung, daß sie unter voller Berücksichtigung unserer guten Beziehungen zu Italien in aller Freundschaft die deut­schen Belange Südtirols unterstreicht und Herrn Mussolini klar macht, daß er zwar keine Angriffe auf die Brenner- grenze zu erwarten habe, wirkliche freundschaftliche Bezie­hungen aber erst dann erhoffen könne, wenn in Südtirol jeder nach seiner Fasson selig wird. Den Kampf der Deut- schen Südtirols kann das deuffche Volk selbst wicht unter- stützen, indem es im kommenden Sommer möglichst zahlreich jene herrlichen Täler durchwandert.

ein längeres Interview mit Dr. Stresemann, in dem sich der deutsche Außenminister ausführlich über die Lage in Deutschland nach der Präsidentenwahl äußert, darauf hin, daß in linksstehenden Kreisen der

Er weist

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Hindenburgs als der beste Beweis für die Festigung der re­publikanischen Verfassung angesehen werds. Weiter hebt er

hervor, nach der Annahme des Sachverständigengutachtens hätte leicht eine weitgehende Entspannung eintreten können, wenn die Kölner Zone am 10. Januar geräumt worden wär« und Frankreich die Räumung der Ruhr früher vorgenommer hätte. In allen deutschen Kreisen würde man in dieser Maß- nahme den besten Beweis für den Erfolg der Verständigungs- politik erblickt haben. Deutschland sei bis jetzt noch immer nicht darüber verständigt, aus welchen: Grunde Köln »ich geräumt wurde. Das sei bei einer so hochwichtigen Entschei­dung gar nicht zu verstehen. Zum Schluß betont der Außen- minister, die Pertrauenskrise zwischen Deutschland und Frankreich müsse überwunden werden, weil sonst keine finan­zielle Stabilisierung zu erwarten sei.

Tagung des Zentralvorstandes der Deutschen Volks­partei.

Dr. Stresemann über die politische Lage im Reich.

es Berlin, 26. Mai. Auf der Tagung des Zentralvor­standes der Deutschen Volkspartei wurden im Verlaufe der satzungsgemäß notwendig gewordenen Wahlen am Sonn- abendin den Parteivorstand gewählt die Herren D i n g e l- dey, vr. Kalle, Or. Leidig, Frau Mende und Dr. Moldenhaue r. Außerdem gehören dem Parteivor­stand als ständige Mitglieder an der erste Parteivorsitzende Dr. Stresemann, der erste Vorsitzende des Geschäfts- führenden Ausschusses Kempkes und die ersten Vor­sitzenden der Fraktionen der Deutschen Volkspartei im Reichs­tag und preußischen Landtag. Es wurde ein an den Partei- tag gerichteter Antrag angenommen, den Parteivorstand um zwei Mitglieder zu erweiterst. Dem Vortrag von Dr. Most über den liberalen Gedanken in der Deutschen Volkspartei folgte eine Aussprache, an deren Schluß Geheimrat Kahl

überDie Gegenwartsaufgaben des Liberalismus" sprach. Auf der Tagung des Zentralvorstandes der Deuffchen Volks­partei am Sonntag vormittag ergriff Reichsminister Dr. Stresemann das Wort zu Ausführungen über die poli­tische Lage im Reich.Manche Parteifreunde", so führte er u. a. aus,erheben die Frage: Wohin geht der Weg? Ich stelle an die Spitze meiner Ausführungen: Es gibt für uns nur den Weg, den die Deutsche Volkspartei bisher gegangen ist, es gibt für uns weder eine Anlehnung an eine Links­gruppierung noch eine Reichsblockpolitik. Wenn irgendeine Partei keine Veranlassung hat, etwas von ihrer Selbständig­keit aufzugeben, dann ist es die Deuffche Volkspartei. Die Politik, die die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei feit ihrer Entschließung vom 15. Januar 1923 verfolgt hat, bedeutet nicht die grundsätzliche Ausschlie­ßung der S o z i a l d e m o k r a t i e , sie ging lediglich da­von aus, daß für das Reich die Zusammenfassung der bürger­lichen Kräfte das Gegebene sei. Wenn wir heute auf die kurze Zeit des Z u f a m m cnarbeitens mit der Dcutschnationalen Volkspartei zurücksc m dann ist festzustellen, daß sich diese Arbeit im Kabinett D :

nur

reibui'; slos vollzogen hat. Durch die Beteiligung der

und Wirtschaft.

c? Elberfeld, 26. Mai. Bei der Jahrtausendfeier des Bergischen Landes in Elberfeld hielt Reichswirtschafts- minister Dr. Neuhaus eine Rede, in der er die Wichtig­keit der körperlichen Ertüchtigung für den Wirtschaftskampf hervorhob. Bis vor dem Kriege hatten wir eine vortreff­liche Schule für unser Volk in der allgemeinen Wehrpflicht. Die Kraft, die aus dieser Quelle floß, sei uns genommen. Wohl habe die Technik der deutschen Wissenschaft und der deutschen Organisation die Wege geebnet, um aber diese Wege zu gehen, brauchten wir eine gesunde Volkskraft. Unsere Jugend habe einen Ansporn dazu gegeben, indem sie sich in Sport-, Wander- und Turnvereinen zusammen- schloß. Unser Volk müsse, so fuhr er fort, verstehen, den Sinn der Iahrtausendfeier zu begreifen, um so mehr, als nicht einmal unsere politischen Grenzen frei sind. Zur tief­sten Empörung aller Volkskreise sei nicht einmal die erste Zone geräumt. Auch auf dem Gebiete der Handelspolitik sind erst einige Schritet getan.

Die französische Industrie und die deutschen Sachlieferungen.

o Frankfurt a. M., 26. Mai. Der Minister der öffent­lichen Arbeiten in Frankreich hat eine Abordnung der In- Industriellen aus dem nördlichen Industriegebiet Frankreichs empfangen, die seine Aufmerksamkeit auf die nachteilige Wir­kung lenkte, die eine Erhöhung der beutfdjen Waggonliefe­rungen auf die Lage der französischen Industrie ausüben würde. Der Minister hat der Delegation die Zusicherung ge­geben, daß in Anbetracht der schwierigen Lage, in der sich gegenwärtig die französische Waggonindnstrie befinde, in Zu­kunft keine Sachlieferungen in Gestalt von Eisenbahnwagen und Lokomotiven erfolgen würden, solange die finanzielle Lage der Eisenbahnen eine Einschränkung der Bestellungen erfordere. Der Minister fügte hinzu, daß man im Interesse der französischen Industrie sich bemühen werde, von Deutsch- land auf Grund des Dawesplanes das Höchstumß von Roh­stoffen zu erlitten, an denen man in Frankreich einen Mangel empfinde.

Neue Zwangsliquidierung in Polen.

3 Bromberg, 26. Mai. Folgende deutsche Industrie­unternehmungen in Polen wurden Blättermeldungen zu- folge zwangsweise liquidiert: 1. Elektrizitätswerk in Pleschen, Eigentum der Elektrizitätslieferungsgesellschaft in Berlin; 2. die Gasanstalt in Grabowo, Besitz der Firma Karl Franke in Bremen; 3. die Gasanstalt und die Wasserwerke in Strehlen, Eigentum der Kontinentalen Wasserwerksgesellschaft in Berlin; 4. Elektrizitätszentrale und Straßenbahnen in Thorn, Eigentum der Firma Elektrizitätswerke in Thorn; 5. Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerke A. G. in Konitz.

Polen scheint mit diesem Prinzip seine wirtschaftliche Zerrüttung aufhalten zu wollen. Wie aus dem Verzeichnis ersichtlich, handelt es sich ausschließlich um bedeutende In­dustriewerke für Gas und Elektrizität, zu deren Errichtung Polen natürlich einmal das Geld und dann vor allem der