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Reisfelder Tageblatt

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hersfelöer Kreisblatt" i

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Nr. 123

Donnerstag, den 28. Mai

1925

Das Wichtigste.

In Düsseldorf haben Verhandlungen Zwischen den deutschen und französischen I n - d u st r i e l l e n begonnen, für die man einen günstigen Aus- gang erwartet.

Der Oberreichsanwalt hab das Verfahren gegen General von Nathusius, den bekanntlich die französische Regierung seinerzeit wegen angeblichen Dieb­stahls vor das Kriegsgericht stellte, wegen Mangels än Beweisen eingestellt, da ihm keinerlei Schuld nach- gewiesen werden kann.

Der Londoner Kabinettsrat, der sich mit dem französischen Antworfentwurf zur Frage des Si- cherheitspaktes zu beschäftigen hat, wird vermutlich weitere Rückfragen in Paris anstellen. ______

Englands Schwierigkeiten.

Von Wilfried Diehard.

Der Eintritt Englands in den Krieg ist bestimmend für den Beginn des Niederganges des britischen Weltreichs. Die Verhältnisse brachten es mit sich, daß England selbst in den Krieg eingreifen und seine alte Taktik aufgehen mußte, nach der es nur Zuschauer blieb.

Hierzu mußte England in ganz besonderem Maße seine Hilfsquellen, die Dominions, heranziehen. Selbstverständlich beanspruchten diese dafür auch besondere Rechte, die ihnen England mit seinem Eintritt in den Völkerbund zu ver­schaffen wußte. Die Dominions erhielten jedes einen selb­ständigen Sitz im Völkerbund; damit legte England seinen Kopf selbst in die Schlinge.

Die Dominions betrachten es seitdem als ihr gutes Recht, als selbständige Staaten auszutreten; denn als solche wendet sie sich jetzt gegen den Urheber selbst.

Die Londoner Zentralregierung suchte bisher jeder öffentlichen Diskussion über dieses Problem aus dem Wege zu gehen, kam aber den Besitzungen auf jede Weise entgegen und bewahrte nach außen streng die Einheit.

Werden auch diese Strömungen von der jetzigen Re­gierung scharf in ihren Grenzen gehalten, so beansprucht Indien jetzt die ganze Aufmerksamkeit des Mutterlandes. Seit dem Kriege ist dort kaum einmal Ruhe eingetreten, und immer schärfer treten die Loslösungsbestrebungen zutage. Die indischen Führer verlangen im Augenblick die Erhebung IndienS zum Dominion. Ist dieses erreicht, wird die end­gültige Loslösung nur eine Frage der Zeit sein.

Hinter diesen inneren Schwierigkeiten steht als Haupt­treiber Englands größter Feind: Frankreich. Wo es nur irgend schirren kann, bläst es in den glimmenden Brand, damit England nicht zur Ruhe kommt unb sich um euro­päische Fragen weniger kümmern kann. Frankreich aber will im Trüben fischen.

Hatte Frankreich diese Wühlereien immer im geheimen betrieben, so glaubte es im Herbst vorigen Jahres sich stark genug, offen gegen England Front zu machen, und zwar mit der Anerkennung Sowjetrußlands. Dieser hochpolitische Schritt ist für England von außerordentlicher Bedeutung.

Schon im griechisch-türkischen Kriege deutete sich die neue Front MoskauParis an, indem beide Teile sich hinter Mustapha Kemal Pascha stellten, während England Griechen­land mit außerordentlichen Mitteln stützte.

Durch Nichterneuerung des englisch-japanischen Bünd­nisses schloß sich auch Japan dieser Mächtegruppe an. Das russisch-japanische Zusammengehen im chinesischen Bürger­kriege und die Verhandlungen zwischen Frankreich und Japan über einen Garantievertrag wegen des ostasiatischen Kolonialbesitzes Frankreichs geben einen Begriff von den kommenden Möglichkeiten.

Abzuwarten ist aüerbings, wie sich die russische und französische Politik weiterhin enMickeln werden. Die Frontstellung gegen England bedingt einen Kurswechsel d e r b e i d e n L ä n d e r. 3n dem blinden Haß gegen Deutschland schuf Frankoeich Machtgruppen, die ihm jetzt reichlich unbequem werden.

Zunächst Polen. Rußland wird« nie auf das ihm so wichtige Industriegebiet verzichten können. Durch die fran­zösische Hilfe während des polnisch-russischen Krieges und Ausrüstung der Wrangelarmee hat der französische Impe- rialismus 'schwer zu beseitigende (Segensä^e geschaffen.

Dazu kommen die Schwierigkeiten, die Frankreich Ruß­land bei Abschluß des russisch-chinesischen Vertrages machte, daß dieser nur mit großer Mühe zustande kam. Auch durch Bessarabien, das auf Betreiben Frankreichs von Rußland abgetrennt und Rumänien gegeben wurde, sind Schwierig­keiten geschaffen.

Opfert aber der Franzose diese seine kleinen Verbün­deten, um das seebeherrsch ende und weltumfassende England unter seine Knute zu bekommen?

Es verlohnt sich schon. Bei der Fesselung der englischer Kräfte kann es nur gewinnen; sein Ziel bleibt der Rhein.

Englisch-französische Meinungsverschiedenheiten.

^ London, 28. Mai. Mit den Briandschen Aufklärun­gen über den französischen Antwortentwurf auf den deutschen Dicherheitsvorschlag erwartet das englische Kabinett eine schwierige Aufgabe. Es sei kein Geheimnis, schreibt der di­plomatische Korrespondent desDaily Telegraph", daß die englische Auslegung des Artikels 10, der sich auf die Auf­rechterhaltung der Grenzen bezieht, und Artikel 16 (Sank­tionen) des Völkerbundpaktes niemals mit der französischen Auslegung gleichlautend gewesen sei. Es muffe noch einmal darauf hingewiesen werden, daß England die sogenannte Optionsklmisel des Haager Protokolls nicht unterzeichnet habe, daß aber Paris trotzdem von allen Signatarniächten des vorgeschlagenen Sicherheitspaktes verlange, diese Op- tionsklausel zu unterschreiben. Sowohl Baldwin wie Ehamberlain hätten erklärt, daß England und die Do­minien Zwangsentscheidungen nur innerhalb gewisser, sorgfältig bestimmter Grenzen annehmen könne. Briand versuche augenscheinlich, seinem Standpunkt, den er bereits im vergangenen Septem- ber in Gens vertreten habe, wieder Geltung zu verschaffen, weil Frankreich floh sein würde, mit andern Mächten und besonders mit England die schweren Verpflichtungen, die es gegenüber Polen und der Tschechoslowakei übernommen habe, zu teilen. FürdieenglischeRegierung käme nur ein Pakt in Frage, dersowohl aufGegenseltig- keit beruhe als auch auf die West möchte be- schränkt sei. Der von der französische« Regierung er­örterte Pakt beruhe aber nicht auf Gegenseitigkeit; denn Frankreich würde gegebenenfalls allein berechtigt sein, die entmilitarisierte Rhei'nzone zu durchqueren. Außerdem sei er kein rein westlicher Pakt, weil er England automatisch zur Garantierung der deutsch-polnischen Grenze verpflichten wolle. Es sei deshalb zu befürchten, daß die gegenwärtigen Sicherheitsverhandlungen zu keinem Ergebnis führen könn­ten, solange Frankreich sich nicht vergegenwärtige, daß Groß­britannien und die Dominien nicht Aber einen auf die Wrst-

Londoner Kabinettssitznug werde wahrscheinlich darin be­stehen, daß der britische Standpunkt Frankreich erneut mit Höflichkeit und Klarheit dargelegt werde und daß man ferner weitere Aufklärungen verlangen werde.

Die Waffenhandelskonferenz und der Giftgaskrieg.

^ Genf, 28, Mai. Die militärische Unteriommiffion der Waffenhandelskonferenz faßte folgenden Beschluß: Da die öffentliche Meinung der Welt den chemischen und bakterio- logischen Krieg verurteilt, wäre der Abschluß einer Kon­vention notwendig, die den chemischen und bakteriologischen Krieg verbietet. Dabei sei zu berücksichtigen, daß das Verbot der Ausfuhr von Gasen und Bakterienkultursn und die Kontrolle ihrer Herstellung praktisch undurchführbar seien und zu keinem Erfolg führen könnten, solange nicht die Staaten die feierliche Verpflichtung übernommen hätten, den chemischen und balteriologifchen Krieg zu verbieten. Die Einberufung einer Sonderkonferenz zu diesem Zweck, an der sich alle Staaten beteiligen sollen, sei eine militärische Notwendigkeit, und eine diesbezügliche Bestimmung müsse in den Schlußakt der Konvention über die Waffenhandelskontrolle ausgenom­men werden. Mit diesem Beschluß wurde auch der ameri­kanische Antrag, der ein Verbot der Ausfuhr von Giftgasen forderte, erledigt.

Deutsch-französische Jndustrieverhandlungen.

0 Düsseldorf, 27. Mai. In Düsseldorf sind die deutsch- französischen Industrieverhandlungen im Gange. Ueber den bisherigen Verlauf der Verhandlungen, die auf deutscher Seite von Geheimrat Dr. Vögler, auf französischer Seite von dem durch die Mieumverhandlungen bekannt gewordenen Unterhändler Laurent geführt werden, wird strengstes Stillschweigen beobachtet. Doch herrscht bei den Parteien einiger Optimismus vor. Es ist zu erwarten, daß die end­gültigen Abmachungen in einigen Tagen in Paris getroffen werden, wohin sich die französische und die deutsche Dele­gation gemeinsam begehen werden.

Reichswirtschaftsminister Neuhaus über die wirt­schaftliche Lage Deutschlands.

^ Düsseldorf, 98. Mai. In Düsseldorf hielt her Verein znr Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen seine diesjährige ordentliche 53 Mit­gliederversammlung ab. Reichsmirtschastsminister Dr. N e u - h a u s sprach über die wirtschaftliche Lage Deutschlands. Aus­gehend von dem Freiheitsdrang der rheinischen Bevölkerung; der in der Begeisterung für die Iahrtansendfeiern erhebenden Aus­druck finde, glaubte der Redner ganz allgemein feststellen zu kön­nen, l- sich das nationale Wollen wieder bewußter als früher erbebe. Unsere Wirtschaft bedürfe eines gesunden, Mistigen Ecaotswes«»». Der Staat und seine Regierung müßten wieder bas Vertrauen seiner Wirtschuftskräfte besitzen. Wenn er von W.rt<<bn«t* spreche, so wende er sich .^ bie Unternehmer und an die Ariwiterschost. Um deren Vertrauen zu errungen gelte er . unter Beamte Ruin, Verständnis und Einblick in dir Wirt­

schaftsnöte unb Notwendigkeiten zu gewinnen. Um die Tat­sache der Verarmung Deutschlands, so fuhr der Minister fort, kommen wir nun einmal nicht herum. Wir haben 1924 nach neueren Aufstellungen mit rund zwei Dritteln unseres Vorkriegseinkommens zu rechnen. Vor dem Kriege konnten wir mit einem Geldkapital von 130 Milliarden im jetzigen Gebiets­umfang rechnen. Dem steht heute der Wert der Aktien gegenüber, der mit ungefähr 1415 Milliarden zu bemessen ist. Der Wert der Sachanleihen in der Nachkriegszeit ist mit einer Milliarde an- zusetzen. Alles übrige sind Papiermarkforderungen, deren Gegen­wert von der Aufwertung abhängt. Alles in allem wird man, vom Ertragswert ausgehend, schwerlich auf mehr als 2530 Milliarden Nentenkapital nach der Aufwertung kommen. Diese beiden Tatsachen des geminderten Volkseinkom­mens und des verringerten Geldkapitals erschweren uns auch die ungeheuren Kaufkraftumstellungen unserer verschiedenen Bevölke- cungsschichten, die wiederum Anlaß zu Produktionsverschiebungen gegeben haben und geben werden. Sie erklären das tiefe Elend unseres Mittelstandes, und sind der Ausgangspunkt für die ver- schäüften Kämpfe der Arbeiterschaft mit den Arbeitgebern. Ich kann nur hoffen, daß Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich mit glei­chem Ernst der ^rage zuwenden, unter welchen Bedingungen wir unseren Sozialertrag zu steigern vermögen. Eine völlige Um gestaltung der Welthandelsbeziehungen Europas und der übrigen Erdteile habe sich vollzogen. Wir dürften uns daher bei der Be­urteilung der deutschen Wirtschaftssanierung keinerlei Illusionen hingeben. Unsere heutige Produktionshöhe sei nur aus Grund einer großen Verschuldung erreicht worden. Nur die bewußte und nüchterne Erkenntnis unseres erschwerten Standes auf dem neuen Weltmarkt vermöge uns die Wege finden zu lasten, die zu einer Gesundung zu führen vermögen. Diese Wege weisen nach fol­genden Richtungen: 1. auf eine Hebung und Intensivie­rung der Jnlandsproduktion, und gleichzeitig auf eine Hebung der Konsumkraft für inländische Waren, also auf eine Stärkung des Jnlandsmarktes, 2. auf eine da­mit verbundene Ersparnis und Verkleinerung unseres Imports, was andererseits 3. die weitere Bereinigung unserer Wirtschaft, die Senkung unserer Generalun­kosten zur Voraussetzung habe. Die früheren Absatzgebiete für unsere gewohnten Exportwaren seien uns zum Teil ver­schlossen; es müsse deshalb auf neuen Gebieten die alte Welthan-

Halbstoffe. Der Minister schloß mit einem Bekenntnis zu der durch Jahrzehnte erprobten Kraft unserer Wirtschaft, und zu dem ge­sunden Sinn unseres deutschen Volkes.

Staatssekretär a. D. S t i e I e r sprach dann über

die Wirtschaftslage der Reichsbahn

und die Auswirkungen auf die Tarifpolitik. Der Redner bchan- delte die finanziellen Grundfragen. Er wies darauf hin, daß das Reich finanzielle Erträgnisse durch hohe Dividende auf die Stammaktien in absehbarer Zeit kaum erwarten dürfe, wenn man hinsichtlich der Höhe der Tarife im Rahmen des wirt­schaftlich Vertretbaren bleiben wolle. Das Reich könne um so weniger noch besonders Erträgnisse verlangen, als die Reichs- bahn nicht nur einen großen Teil der Reparationslast des Reiches übernähme, sondern auch schwere politische Lasten anderer Art trage. Hierzu gehören vor allem die Auswirkungen der Personal- inflation nach dem Kriege und die damit zusammenhängende, stark gesteigerte Pensionslast, die Pflicht, die Kriegsschäden zu beheben und die Rhein- und Ruhrbahn wieder instand zu setzen, die Ein­engung der Tariffreiheit durch den Versailler Vertrag und ähnliche Folgewirkungen der politischen Ereignisse. Die P e n s i o n s - l a st sei s a st auf das Vierfache des Jahres 1913 g e stiegen.

Der Redner beschäftigte sich dann mit der Einnahmeseite. Das Niveau der Gütertarife sei seit der Währungsstvbili- fierung ständig ermäßigt worden. Weiterhin sei eine groß« Zahl von Ausnahmetarifen eingeführt worden, die sich seit Beginn der Gesellschaft aus 23 belauft Die nächste Aufgabe auf dem Tarifgebiet sei die Umarbeitung des Tarifschemas, die mit allen Kräften gefördert werde. Hierbei sei beabsichtigt, die Frage der horizontalen und vertikalen Staffelung neuerlich zu prüfen. Die- Reichsbahn werde bemüht bleiben, ihre Verpflich­tungen hinsichtlich der Reparationen zu erfüllen, sie werd« aber auch die Belange der Wirtschaft, nicht außer acht lassen und als deutsche Gesellschaft den Dienst in der beuifdjen Wirtschaft versehen.

Preußischer Untersuchungsausschuß für Barmat Kutisker.

£ Berlin, 28. Mai. Zu Beginn der Mittwochsitzung nimmt der Ausschuß zunächst die Vereidigung der Oberregierungsräte Dr. Bendmann und Schoof vor.

Bors. Dr. Leidig (D. Vp.) teilt dann mit, daß General von der Goltz als Zeuge in der Empfehlungsangelegenheit für Kuttsker geladen werden soll,

Der Vorsitzende regt dann an, der Ausschuß solle sich darüber schlüssig machen, in welcher Weise die notwendige Vernehmung von Kutisker und Barmat vorgenommen werden soll. Dr. Leidig schlägt vor, die Vernehmung vor einem kleinen Untersuchungs- ausschuß, bestehend aus den beiden Vorsitzenden Dr. Leidig, Dr. Deerberg, dem Berichterstatter Dr. v. Waldthausen und je einem Vertreter aus dem Zentrimi und der Sozialdemokratie erfolgen zu lassen. Bors. Dr. Leidig regt weiter an, mit Hinsicht am die Bedenklichkeit des Gesundheitszustandes Julius Barmats die Ver­nehmung »Sein durch den Vorsitzenden unter Vorlegung der UntersrcimngsptotofoUe erfolgen zu lassen.