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^ersfel-er Tageblatt hersfel-er Kreisblatt" [ Amtlicher Mzeiger Mr den Kreis Hersfelö I

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Nr. 125 (Erstes Wt)

Sonnabend, den 30. Mai

1925

Das Wichtigste.

. Zwischen England und Frankreich if scheinbar ein Einvernehmen in der Frage bes Sicherheitspaktes erzielt worden. Wie es heißt sollen die Franzosen ihre Forderungen etwas gemäßigt haben.

Die italienische Regierung hat den Deutschen in Tirol einen neuen Schlag versetzt, indem sie verfügt, daß an Stelle der deutschen italienische Ge< meinderäte zu setzen sind.

Nach Meldungen aus Sowjetrußland nimmt Trotzki wieder eine Stellung ein, die ihm den maßgebenden Einfluß auf Rußlands Wirtschaftspolitik sichert.

Die Ekagerrakschtacht.

Von Vizeadmiral a. D. Dr. v. Manthey.

Am 31. Mai 1916, damals der Himmelfahrtstag, war es der deutschen Hochseeflotte unter Führung des Admirals Scheer vergönnt, in einer Schlacht, die zahlenmäßig als die größte Seeschlacht der Weltgeschichte angesprochen werden muß, mit den Engländern unter Führung des Admirals SeHicoe die Waffen zu kreuzen.

Die historische und kritische Untersuchung über diese Schlacht ist in diesem Jahre abgeschlossen worden; denn zum diesjährigen Jahrestag des deutschen Sieges vor dem Skager- rak hat das Marine-Archiv die amtliche Darstellung bem deutschen Volke unterbreitet. Diese Darstellung bringt zum ersten Male an Hand des Quellenmaterials von Freund und Feind eine genaue Schilderung der Schlacht.

Das große Ergebnis dieser Schlacht ist, daß die Flotte so, wie diese Großadmiral v. Tirpitz in beispiellos kurzer Zeit und mit verhältnismäßig sehr geringen Mitteln dem deutschen Volke geschaffen hat, in jeder Beziehung als muster­gültig bezeichnet werden kann. Diese deutsche Flotte, ohne jede historische Tradition, trat der fast doppelt so starken englischen Flotte, die vor der ganzen Welt als unüberwind­lich galt, gegenüber und brächte ihr, sowohl was Personal TWWlWcfKm^

Das Ansehen der englischen Flotte wurde stark erschüttert.

Die Schlacht zerfällt in drei Teile: Erstens das Gefecht der Schlachtkreuzer, bei welchem in der Zeit von 4% Uhr, wo auf dem deutschen SchlachtkreuzerLützow", Flaggschiff des Admirals Hipper, auf etwa 17 Kilometer der erste Schuß iel, bis abends 6 Uhr fünf deutsche Schlachtkreuzer gegen echs englische, die obendrein durch vier englische Großkampf- chiffe bet Linie unterstützt wurden, standen. Der Erfolg war, daß nach nur halbstündigem Artilleriekampf die beiden englischen SchlachtkreuzerJndefattgable" undQueen Mary" in die Luft flogen. Um 6 Uhr abends kam Admiral Scheer auf den Kampfplatz; die englischen Schlachtkreuzer drehten um, und in der Zeit von 6 bis 7 Uhr trat ein Ver- folgungsgefecht ein, das zum zweiten Teil der Schlacht über­leitet, aber in bezug auf die Feuerwirkung der Artillerie durch den sehr großen Abstand der Engländer, die sich mit höchster Geschwindigkeit auf ihre Hauptflotte zurückzuziehen versuchten, nicht besonders bedeutungsvoll ist. Für diesen ersten Schlachtabschnitt erkennen die Engländer rückhaltlos an, daß die deutschen Schlachtkreuzer an Leistung den eng­lischen weit überlegen gewesen seien.

Zweitens das Zusammentreffen der beiden Hauptflotten, das ungefähr um 7 Uhr abends erfolgte und bis 8% Uhr dauerte. Admiral Iellicoe war von seinen Schlachtkreuzern über Formation und Anmarschrichtung des Feindes nicht ge­nügend orientiert worden, so daß er, trotzdem seine Stellung durchaus günstig genannt werden muß, zunächst vor eine schwierige Aufgabe in bezug auf die Entwicklung zur Gefechts­linie gestellt war. Es war für ihn besonders vorteilhaft, daß auch der deutsche Führer zu der Zeit über die Position der englischen Hauptflotte nicht im Bilde war, weil zufälliger­weise um diese Zeit ein von der englischen. Hauptflotte de­tachierter Geschwaderverband von einigen Gtoßkampfschiffen querab im Osten in Sicht getommen unb irrtümlich für das feindliche Gros gehalten worden war. Auf Admiral Iellicoe flutete fluchtartig das Schlachtkreuzergeschwader des Admi- rals Beatty, das diesem zugeteilte V. Schlachtgeschwader unter Admiral Evan Skontos und ferner die von ihm ent­sandtenInviucible"-Klasse zurück, während die vor ihm stehenden Panzerkreuzer, die bereits in das Feuer der deut­schen Schwerartillerie kamen, auseinanderstoben und keinen Raum zum Ausweichen und zum Sammeln hatten. Die Verluste für die Engländer sind an dieser Stelle deshalb auch als erheblich zu bezeichnen. Die PanzerkreuzerDefence" undWarvior", bald darauf der SchlachtkreuzerJnvincible" werden vernichtet. Das SchlachtschiffWarspite" wird schwer beschädigt. Admiral Scheer entwickelt nun auf den ver­meintlichen Feind nach Osten, wobei auf seine eigene Spitze schwerstes Feuer von drei Seiten zu liegen konnnt, das jedoch durch die starke Krümmung der englischen Ge­schwaderformation nur von den englischen Flügeln, nicht aber von der englischen Mitte herrührt. Unter schwerstem Feuer- druck Regt die deutsche Spitze in südlicher Richtung ab. Hierauf entschließt sich Admiral Scheer zur Klärung der Situation, zur Entlastung der Spitze und um volle Freiheit der Handlung zu erlangen, zu einer Gefechtskehrtwendung.

Dieses außergewöhnlich schwierige Manöver gelingt im feind­lichen Feuer' wie auf bem Exerzierplatz und beweist dem Führer, daß seine ganze Gefechtslinie nicht nur unversehrt, iandern in vorzüglichster Disziplin und höchster Leistung fest in der Hand des Kommandanten dasteht. Sofort legt Admiral Scheer die Linie zum zweiten Male zum Stoß gegen den Feind um. Admiral Iellicoe hat die Zeit benutzt, seine eigene Flotte gut rangiert in einem flachen Kreisbogen in denkbar günstigste Situation zu bringen. Der Sieg der Engländer hätte an dieser Stelle sehr nahe gelegen. Der in riefer Linie mit rücksichtslosem Schneid unter vollem Einsatz der Schlacht­kreuzer und Torpedobootsverbände anlaufenden deutschen Flotte gab aber die englische Flotte nach, um Ma»erialver- luste zu vermeiden, brach die eiserne Klemme, und Geschwader sowie einzelne Treffen drehten vor den Deutschen ab. Es zeigte sich, daß die deutschen Nerven, die deutsche Disziplin, die deutsche Kraft und die deutsche Führung in jenem Zeit- Punkt, der den Höhepunkt der Schlacht darstellt, den Eng­ländern überlegen war. Wegen der eintretenden Nacht lag auf englischer wie auch auch auf deutscher Seite 'zunächst der Wunsch der Loslösung vor.

Damit wirb drittens der letzte Teil, der Nacht-kampf, ein­geleitet. Die englische Flotte, nicht mchr voll in der Hand des Führers, fährt in engsten Geschwaderlinien aus Sorge vor deutschen Torpedobootsangriffen unter starkem Schutze eigener Zerstörer vor der deutschen Flotte her, und diese stößt in der Zeit von 11 Uhr nachts an, auf den Befehl Durchhalten, 16 Sm Fahrt laufen!" entgegen jeder An­nahme des englischen Admirals durch die englischen Sicher- Heitslinien durch, vernichtet eine Anzahl Törpedobootszer- störer und einen Panzerkreuzer, verliert aber selbst ein älteres Linienschiff und zwei kleine Kreuzer. (Ein dritter wird durch ein eigenes Linienschiff kollidiert.)

Am nächsten Morgen haben sich beide Flotten nicht mehr gestchtet. Auf englischer Seite ist auch, nachdem erst die Ver­luste bekannt werden, kein Wunsch mehr vorhanden zum neuen Kampf.

Admiral Iellicoe gibt in seinem amtlichen Bericht an die englische Admiralität die vorzügliche Leistung der deutschen Schwerartillerie, die große, ihn völlig überraschende Schnelligkeit und sehr gute Bauart der deutschen Schiffe, die sümpfen, deutsche Erkennungssignale, deutsche Scheinwerfer- disziplin und deutsches Nachtschießen rückhaltlos zu und be­kennt insbesondere in bezug auf die Nacht,daß die Eng­länder von den Deutschen noch viel zu lernen" haben würden.

Die Abrüstungsforderungen an Deutschland.

Das Gespenst der deutschen Rüstungen.

^London, 30. Mai. Die Botschafterkonferenz wird

die letzte Hand an das Memorandum der Alliierten und den Begleitbrief an Deutschland in der Frage der Abrüstung und der Kölner Räumung legen. Man nimmt an, daß die an Deutschland zu stellenden Forderungen wegen der Abrüstung folgende Punkte enthalten werden.

1. Auflösung gewisser? Abteilungen des Reichswehr- minifterium.s, die geeignet seien, die Mobilisierung und die Operationen des früheren großen Generalstabes auszuführen.

. 2. Eine Begrenzung der Anzahl der vollqualifizierten Stabsoffiziere im Verhältnis zu der gegenwärtigen Armee­stärke.

3. Die Entlassung aller Hilfs- und Ersatztruppen, die in der Reichswehr eingeschrieben oder ihr zugeteilt sind.

4. Durchgreifende Maßnahmen zur Vermeidung irregu­lärer Vermehrung der Reichswehr.

5. Die Auflösung gewisser, geheimer halbmilitärischer Organisationen, das Verbot militärischer Übungen in den Uni­versitäten und Jugendvereinen.

Die Übergabe und Zerstörung gewisser Kategorien von Dokumenten, die sich auf Mobilisierung, militärische Opera­tionen usw. beziehen, teilweise Entmilitärisierung und Dezen­tralisierung der Sicherheitspolizei, Wiederherstellung fester Standorte für eine Anzahl schwerer Geschütze (in Königsberg), die gegenwärtig auf beweglichen Lafetten oder Fahrzeugen an­gebracht sind, Umwandlung einer Anzahl von Fabriken, die heute noch Munition produzieren, die genaue Begrenzung der Produttion von Kriegsmaterial in den bestätigten Werken, die teilweise Zerstörung der Anlagen von Krupp und von den Deutschen Werken in Spandau, Aushändigung einer Liste, die sich auf die in verschiedenen Fabriken hergestellten Ersatzteile bezieht, ferner Zerstörung gewisser Gifenbahnstrecken und Linien, die ausschließlich militärischen Zwecken dienen, sowie eine Auflösung der bestehenden Gesetze, die sich auf den Im- port und Export von Kriegsmaterial in Deutschland beziehen.

Es wird betont, daß man in Paris der Ansicht ist, eine Einigung zwischen der britischen und der französischen Re­gierung über diese Punkte, werde Deutschland veranlassen innerhalb weniger Wochen das zu tun, was es seit fünf Jahren unterließ, und damit könnte dann die Kölner Zone geräumt werden. Frankreich ist jedoch abgeneigt, ein Datum für die Räumung der Kölner Zone zu nennen oder die Räumung des Ruhrgebietes mit der ersten zu verbinden. Der Plan, daß man das Ruhrgebiet am

16. August und das Kölner Gebiet Anfang September räume, ist für Paris unannehm­bar, obwohl nach der englischen Auffassung die Räumung des Ruhrgebietes lediglich von der jetzt strikt innegehaltenen Ausführung des Dawesplanes abhängt.

Immer wieder die deutschen Verfehlungen.

$ Paris, 30. Mai. Aus die entsprechende Anfrage der Botschafterkonferenz hat jetzt, wie zu erwarten war, die Re- parationskommisston geantwortet, daß Deutschland die Bedingungen des Dawesplanes erfüllt habe.

Die Bolfchasterkonferenz wird nun feststen, daß nach Ar­tikel 429 des Verfailler Vertrages alle Bedingungen getreu ausgeführt sein müßten, bevor an eine Räumung der Kölner Zone gedacht werden könne. Deutschland habe also wohl die finanziellen Reparations^dingungen erfüllt, befände sich aber in der Abrüstungsfrage nicht in Uebereinstimmung mit den militärischen Klauseln des Vertrages.

Die englisch-französischen Verhandlungen über den SicherheitSpakt.

London, 30 Mai. In wohlunterrichteten Kreisen in London nimmt man an, daß in dem Memorandum, das in den nächsten Tagen nach Paris gesandt werden wird, die Stellung Großbritanniens gegenüber dem SicherheitSpakt endgültig klargestellt werden wird. DieTimes" fassen ihre Ansicht über den zwischen der britisch und der französischen Regierung in Gange befindlichen Meinungsaustausch wie folgt zusammen:In einflußreichen Kreisen in London sei man der Ansicht, daß der Abschluß eines westlichen Paktes die Wirkung haben könnte, die Schwierigkeiten zwischen Frankreich und Deutschland endgültig zu beseitigen. Wenn Großbritannien einen solchen Patt garantiere, sei die Sicher­heit Frankreichs vollständig, um so mehr als die britisch« Garantie tiarer und bindender sei, als dies bisher durch die zeitweise BrsrM.ua des Rheinlandes durch die Alliierte» oder irgendwelchen anderen Verträgen, welche darauf Hiw zielten, die Kriegsgefahr zu verringern, fei zu begrüßen, aber es würde für die britische Regierung schwer sein, sich an irgendwelchen neuen Verpflichtungen außer denen, die der Friedeusvertrag von Versailles England auserlegt habe, zu beteiligen.

Einigung über die Antwort auf den Sicherheitsvorschlag in Genf.

London, 30. Mai. Der diplomatische Mitarbeiter des Daily Telegraph" vertritt bei der Besprechung der Londoner Kabinettssitzung die Auffassung, daß die französische Ant­wort auf den deutschen Garantiepaktvorschlag nicht vor Zusammentritt des Völkerbundrates nach Berlin abgeschickt werde. Ehamberlain und Briand hatten in Genf Gelegenheit, die ganze Frage eingehend zu besprechen. Deshalb werde in ein geweihten Kreisen an­genommen, daß von dieser Besprechung die enbgültige Ent­scheidung über die Antwort abhängen werde.

MaeDonald über den SicherheitSpakt.

London, 30. Mai. Zu der Frage des europäischen Sicher- Heitsproblems schreibenDaily News": Ramsay MaeDonald habe öffentlich erklärt, daß im Falle des Abschlusses eines Sicherheitspaktes jede Arbetterregierung, die in Groß­britannien ans Ruder käme, es ablehnen werde, sich an die militärischen Klauseln des Paktts zu halten. Diese Aeußerung habe in verantwortlichen französischen Kreisen tiefen Eindruck gemacht. Sie könne eine ernste Wirkung auf den Llbschtuß des Sicherheitspaktes haben, denn große Teile der öffent­lichen Meinung in Frankreich, wo niemand für den Patt begeistert sei, würden jetzt zu der Ueberzeugung gelangen, daß ein Abkommen, das von der britischen Innenpolitik ab­hängig wäre, vom französischen Standpunkt wertlos sei.

Einlenken Frankreichs in der Sicherheiisfrage?

£ London, 30. Mai. Die Verhandlungen über den eanten westeuropäischen Patt schreiten jetzt in schnellem po fort. Die Ansichten der britischen Regierung wurden genau und einstimmig festgelegt, und es ist in hohem Grade wahrscheinlich, daß infolge des Austausches von Anfragen und Aufklärungen gwif^n Paris und London die französische Regierung in der Lage sein wird, eine vernünftige und ver» söhnliche Antwort auf die deutschen Vorschläge zu einem sehr nahen Datum lckzuseitden. Diese Antwort wird selbstver- stündlich eine französische Antwort und nicht eine alliierte Formel sein. Über den fundamentalen Grundsatz sind die bri­tische und die französische Regierung in Übereinstimmung. Aber es gibt gewisse Einzelheiten, die für die Franzosen große Bedeutung haben, von denen aber Großbritannien nicht direkt berührt wird. Zweifellos wird in den folgenden Mitteilun­gen der Standpunkt Großbritanniens mit feinen teils inner« hatt, teils außerhalb Europas liegenden Interessen vollkom- men klargemacht werden. Es wird auch deutlich gemacht wer­den, daß in London nichts annehmbar wäre, was wie eine Wittierbelebung der Gedankengänge des Genfer Protokolls