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HersMer Tageblatt

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Nr. 133

Mittwoch, den 10. Juni

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Einigung in Genf.

Die Antwort Englands an Frankreich in der Sicherheitsfrage überreicht.

£ Genf, 10. Juni. Von englischer Seite wird amtlich mitgeteilt, Chamberlain überreichte Dienstag nach- mittag Briand die Antwort der englischen Regierung aus die letzte französische Note in der Sicherheitsfrage. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, wird Briand der Presse die Mitteilung machen, daß England und Frankreich sich über die Antwort einig seien, die an Deutschland in der Sicherheitsfrage gerichtet werden soll. In politischen Kreisen wird ernstlich mit der Möglichkeit gerechnet, daß Briand sich sogleich nach Paris begibt, um den Inhalt der englischen Ant­wort persönlich mit Painlevs zu besprechen.

Erklärungen Briands und Chamberlains.

B r i a n d und C h a m b e r l a i n empfingen gemeinsam die Vertreter der Weltpresse. Die Unterredung, die im leichten Unterhaltungston geführt wurde, wurde von Briand mit der Bemerkung eingeleitet, daß die Einigung zwischen Frankreich und England in erfreulich kurzer Zeit erzieU worden sei. Dann fuhr er fort:England und Frankreich sind sich völlig einig geworden. Wir haben England unsere Antwort an Deutschland vorgelegt, und England hat sie für gut befunden. Auch von belgischer Seite liegen bereits zu­stimmende Erklärungen vor. Die Antwort an Deutschland ist vorbereitet, und ich hoffe, daß wir sie in allernächsten Tagen abschicken können. Sie ist sehr weit gefaßt, loyal und offen. Die Lösung, die wir gesunden haben, erscheint mir sehr glücklich, und Deutschland wird an ihr ebenso interessiert sein, wie die anderen beteiligten Staaten. Deutschland wird sie annehmen können." Hier fügt Chamberlain hinzu: Ich glaube fest daran und hoffe auch meinerseits, daß wir zu einem guten Ende gelangen werden. Eine Einigung der interessierten Mächte würde ein außerordentlich solides Friedenswerk bedeuten. Briand berührte die Rolle, die dem Völkerbund bei dem Sicherheitspakt zufalle. Die Ueberein- kommen, die in der Genfer Atmosphäre des Völkerbundes anillanden sind, geben naturgemäß demVölkerbund das WWM den -m 5 lungen

Abkommen einen besonders breiten Raum einzunehmen." Wir zweifeln nicht," sagte darauf Briand,daß Deutschlands mehrfach geäußerter Wunsch, in den Völkerbund einzutreten, durch die Note verwirklicht werden kann, damit der Völker­bund durch Deutschlands Anwesenheit verschönert wird. Die Unterlage unserer Verständigung ist der Friedensvertrag von Versailles." Auf eine Frage, wie Polen und die Tschecho­slowakei sich stellen werden, erklärte Briand, beide Staaten seien in gleichem Maße an einem wahrhaften Frieden inter­essiert, der sich auf den Satzungen des Völkerbundes aufbaut.

Was die französische Darstellung der Genfer Einigung verschweigt.

London, 10. Juni. Die halbamtliche französische Dar­stellung über die Einigung in Genf veranlaßt den diplomati­schen Mitarbeiter desDaily Telegraph", den halbamtlichen Sprecher der englischen Regierung, daraus hinzuweisen, daß die Darstellung durch zwei sehr bemerkenswerte Unter­lassungen charakterisiert werde: 1. In der französischen Dar­stellung sei nicht die Rede davon, daß der Pakt zweiseitig sei und daß Großbritannien Deutschlands westliche Grenzen ebenso garantiere, wie die östlichen Grenzen Frankreichs und Belgiens. Gegenseitigkeit sei die Grundlage der ursprüng- lichen deutschen Vorschläge gewesen. Auf diese Politik hätten sich auch Baldwin und Chamberlain festgelegt. 2. In der ranzösischen Erklärung sei nicht auf den Einschluß Italiens in den Sicherheitspakt Bezug genommen worden. Italien ei von Deutschland ebenfalls eingeladen worden und habe >urch Mussolini den Wunsch ausgedrückt, an dem Pakt teil- zunehmen. Außerdem sei die für die östlichen Grenzen ge- brauchtePhraseologie, die sich aus die allgemeinen Verpflich­tungen der Mitgliedschaft des Völkerbundes beziehe, recht unbestimmt. Beispielsweise müsse der Ausdruckoffenkundige Aggression" noch sorgfältig erklärt werden.

Geteilte Meinung über die englisch-französische Einigung.

Genf, 10. Juni. Die lebhaften Komentare über die Sen­sation des Tages, die englisch - f a n z ö | i I d) e Eini. gung bezüglich eines gemeinsamen Vorgehens der inter- essierten Mächte gegenüber dem deutschen Vorschläge zum Ab- schluß eines Sicherheitspaktes, zeigen deutlich, daß man so- wohl in den Kreisen der verschiedenen Delegationen als auch unter den Vertretern der internationalen Presse durchaus geteilter, ja teilweise gegensätzlicher Meinung über die Be­deutung der verkündeten Einigung ist Auf französischer Seite wird natürlich allgemein die auffallend rasch zustande gekom­mene Einigung als ein Sieg Frankreichs ausgelegt, aus eng- lifdier Seite scheint man bemüht zu sein, diesen Eindruck nicht abzusckwächen, obwohl man sich in bezug auf die französisch« Auffassung große Zurückhaltung auferlegt. Gegenüber der These, daß England Frankreich in allen Punkten nachgegeben habe, wird von verschiedenen Seiten an die allgemeine politi­sche und wirtschaftliche Lage Frankreichs erinnert, die es diesem Lande nicht mehr erlaube, ohne lebes Entgegenkom- men auf seinem Standpunkte zu beharren, jn anderen, teil­weise ziemlich pessimistischen Aeußerungen wird hin und wie- der darauf hingewiesen, daß man den vorausgegangenen

Schriftwechsel zwischen England und Frankreich ebensowenig im einzelnen kenne, als die Grundlagen der französisch-eng- lischen Einigung. Man äußert in diesen Kreisen den Ge- danken, daß in der, im wesentlichen bereits vereinbarten Ant- Wort an Deutschland Bemerkungen enthalten sein könnten, die mit seinen eigenen Vorschlägen nur noch wenig Be­rührungspunkte hätten. Eine Beurteilung der Sachlage er­scheint jedenfalls so lange verfrüht, als genaue Einzelheiten über die angekündigte Antwort an Deutschland nicht vor­liegen.

Amerika und die Entwaffnungsnote.

£ London, 10. Juni. Nach den in London vorliegenden Meldungen hält man in Amerika die Forderungen der Ent­waffnungsnote, obwohl sie innerhalb des Versailler Ver­trages zu liegen schienen, für so stark übertrieben, daß die Hauptwirkung der Note darin bestehen werde, daß die Lö­sung der europäischen Probleme auf eine beträchtliche Zeit hinausgeschoben werde. Allgemein ist man geneigt, Frank­reich hierfür verantwortlich zu machen.

Abstimmung über den deutsch-spanischen Handels­vertrag in Spanien.

£ Madrid, 10. Juni. Der Nationale Wirtschaftsrat in Spanien, dem die Handelsverträge mit anderen Staaten vor RatiKzierung zur Genehmigung vorgetegt werden müssen, ist am 5. Juni zusammengetreten und hat sich zu­nächst mit dem schwedischen, dem belgischen und dem öfter- reichischen Vertrag beschäftigt. Auf die Tagesordnung der diesmaligen Tagung ist nachträglich auch noch der Handels­vertrag mit Deutschland gesetzt worden, nachdem der Reichstag den deutsch-spanischen Handelsvertrag vor kurzem angenommen hat. Die Opposition im spanischen Wirtschafts- rat gegen den Handelsvertrag mit Deutschland versuchte dir Tatsache der verspäteten Anmeldung des deutschen Handels­vertrages zur Tagesordnung dazu zu benutzen, um die Be­ratung des Handelsvertrages mit Deutschland bei der dies maligen Tagung ganz zu verhindern, und beantragte, daß der deutsche Handelsvertrag wieder von der Tagesordnung

Trotz einer enr starken Opposition ist es der spanischen utegleiÄng Mi der"Möfthmtrmrn- p-be^eMW,. - Antrag doch gelungen, durchzusetzen, daß der Handels­vertrag mit Deutschland am 9. Juni zur Abstimmung gestellt wird.

Die Verwelschung der Rheinlande.

£ Köln, 10. Juni. Wie aus Paris gemeldet wird, hat der Oberkommissar der Rheinlandkommission, T i r a r d , vor der Akademie der Wissenschaften einen Vortrag über die Zahl, die Bedeutung und die Leistungen der französischen Unternehmungen für die geistige und soziale Arbeit im Rhein­land gehalten. Er führte u. a. aus, daß die französischen Be- satzungsbehörden sich bemüht hätten, im Rheinland Einrich­tungen für geistige Betätigung zu schaffen. In erster Linie, um den Kindern der französischen Beamten und Militärs einen französischen Unterricht zuteil werden zu lassen und den Zivilbeamten, Offizieren und Soldaten der Rheinarmee die Möglichkeit eines Fortbildungsunterrichts zu geben. Er wies auf die zwei großen französischen Gymnasien in Mainz und Düsseldorf hin. Mit Hilfe der Straßburger Universität seien eine Rechtshochschule und eine Hochschule für germanistische Studien geschaffen worden. Auch sei eine französische Han­delsschule errichtet worden. In den meisten Städten seien französische Sprachkurse für die Bevölkerung des Rhein­landes eingeführt. Besondere Zuschriften unterrichteten die rheinische Bevölkerung über die Entwicklung der französischen Kultur und versuchten, auch in Frankreich gewisse deutsche Leistungen bekanntzumachen.

Tschechische Anmaßung.

- Prag, 10. Juni. Wie aus Brünn gemeldet wird, ist der Senior des dortigen deutschen evangelischen Pfarramts, vr. S ch o n n e r , zu 10 Tagen Arrest bzw. 100 Kronen verurteilt worden, weil Dr. Schonner seine Zuschriften an den Brünner Stadtrat in deutscher Sprache gerichtet hat. Gegen diese Verfügung hat Dr. Schonner Berufung einge­legt. Das Vorgehen des Stadtrats in Brünn, wo mehr als 60 000 Deutsche leben, Ist eine unerhörte Anmaßung gegen die deutsche Bevölkerung und eine rechtswidrige Anwendung der Sprachenverordnung.

Die Lage in China.

- Londons, 10. Juni. Während die Lage in Schanghai unverändert ist, nehmen die Unruhen in den Provinzen zu Besonders in Honan ist die Lage ernst und das Schicksal der Ausländer erregt große Besorgnisse. In Schannss arift bil Menge die Bureaus der Asiatische,: Petroleum-Eompagme in und zerstörte die Einrichtung. In Nanking, wird eine große Aktion für den Boykott der britischen und lapamfdjen Neu betrieben, und allenthalben werden frug* der Streikenden in Schanghai Gelder gesammelt Die Studenten und die Arbeitergewerkschaften in Nankmg hielten eine Sitzung ab wobei 18 Forderungen aufgestellt wurden. So sollen u. a. die Polizeidienste in Schanghai lediglich von chinesischer Polizei geleistet werden. Außerdem wurde die

Abschaffung der Exterritorialität gefordert, und die Aufhe­bung aller bestehenden Verträge. Der Streik nimmt langsam an Ausdehnung zu und dehnt sich auch auf einige im Hafen liegende Schiffe aus. Drei japanische Zerstörer sind ange- kommen, von denen zwei sofort nach Nanking beordert wur­den. Die Studenten haben in Kaifu, der Hauptstadt von Honan, den Generalstreik erklärt.

Schwere Kämpfe um den Besitz von Kanton.

£ Paris, 10. Juni. Nach Meldungen aus Peking spielen sich um Kanton schwere Kämpfe ab. Die Truppen von Bunnam haben einen Teil der Stadt, der von regulären Truppen besetzt ist, unter Maschinengewehrfeuer genommen. Nach einer Radiomeldung haben die Behörden der Stadt eine Reihe von Sowjetagenten festgenommen, die mit deutschen Ausweisen im Hauptquartier des Generals Tung-Shang ihrer Propaganda nachgingen.

Generalangriff Abd d Krims gegen die französisch« Front.

£ Paris, 10. Juni. Ueber die Lage in Marokko ver- öffentlich dasJournal" ein langes Telegramm seines Kriegsberichterstatters in Fez, in dem festgestellt wird, daß sich die allgemeine Lage seit den letzten 48 Stunden infolge , eines Offensivvorstoßes der bisher neutralen Djeballas ganz ' außerordentlich verschärft hat. Auf der ganzen Front setze - ein Generalangriff der Rifleute ein. Besonders heftige An- griffe werden gegen den linken französischen Flügel in der Gegend von Uezzan durch die Djeballas berichtet. Die fran­zösischen Stellungen bei Uezzan sind von ihren rückwärtigen Verbindungen abgeschnitten. Die Front an der Uergha ist im Westen und Osten stark bedroht. Nach den letzten Mel­dungen desJournal" ist Bibane nach heftigen Sümpfen in die Hände der Rifleute gefallen. Weiter östlich wurde das Eintreffen von neuen Verstärkungen beobachtet. Die einzige rückwärtige Verbindung nach Ain Aischa liegt unser schwerem Feuer.

Zwei deutsche Schaluppen in marokkanischen Gewässern beschlagnahmt.

^ Paris, 10. Juni. Nach einer Havasmeldung aus Fez haben-französische Kriegsschiffe die beiden deutschen Schalup- iWHlgUW^

hat die beiden Schaluppen nach Mogador geleitet, wo sie überwacht werden. Nach einer weiteren Meldung aus Fez ist ein Bombenflugzeug abgestürzt. Die beiden Insassen wurden durch die explodierenden Bomben getötet.

Die Folgen von Hetzmeldungen über Marokko.

^ Metz, 10. Juni. Die Hetzmeldungen, daß die Ma­rokkaner von Deuffchen gegen die Franzosen aufgeputscht oder bewaffnet worden seien, haben in Metz und in verschie- denen Orten zu Zusammenstößen mit deutschsprechenden Loth- ringern und Reichsdeutschen geführt, die alsBoches" be­schimpft oder bedroht wurden. Die Blätter bringen heute eine neue Havasmeldung aus Fez, in der behauptet wird, daß Abd el Krim von gewissen Deutschen beraten werde.

Aus den Parlamenten.

^ Berlin, 10. Juni. Der neue Tagungsabschnitt der Reichstages wird sich voraussichtlich entgegen den früheren Dispositionen oes Aeltestenrates nicht nur bis Anfang Juli, sondern wohl bis Mitte aber eventuell sogar Ende Des Monats Juli erstrecken Dies hängt vor allen davon ab, ob die im Entwurf bereits veröffentlichte Zoll- vortage noch vom Reichstage behandelt und zum Gellet erhoben wird. Zunächst muß der Reichstag den Etat, dann die gesamte Steuergesetzgebung fortführen und beenden, weiterhin die Aufwertungssrage, die durch das tm Ausschuß gefundene Kompromiß in sachlicher Hin­sicht im wesentlichen erledigt ist, gegebenenfalls im Plenum bestätigen, und dann bleibt noch die Frage offen, ob dem Wunsche der Regierung, auch die Zollvorlage noch vor den großen Ferien zu erledigen, nachgekommen wird. In diesem Falle wäre mit einer Verlängerung der Tagung bis Ende Juli zu rechnen.

Im preußischen Landtage steht nach wie vor die Regierungsfroge im Vordergrund des Interesses obwohl die Verhandlungen darüber zurzeit nur schleppend vorwärts gehen. Es möge entgegen anderen Gerüchten Darauf hingeimeleN werden, daß die Deutsche Volks- partei auch im preußischen Landtage mit den Deuts ch nattona len im Ziele der Umände­rung der preußischen Regierung einig ist; nur sind gegenwärtig gewisse außenpolitische Gründe vor- Handen, die eine sofortige Umänderung der preußischen Regierung nach oolksparteilicher Auffassung nicht ratsam er- scheinen lassen Es kann sich dabei aber nur um einen oer- ^ültirismäßig kurzfristigen Aufschub handeln.

Der Bericht

der inierallierien MÜitärkommWon.

.£ London, 10. Juni. In dem Bericht der interalliierten Militärkontrollkommission ist eine Aufzählung der ver­schiedenen Schwierigkeiten enthalten, die angeblich der Kom- Mission bei ihren Untersuchungen in Deutschland in den Weg gelegt worden sind. Es wird festgestellt, daß die Befesti­gungen und Vorräte an Krieasmaterialien und Waffen au-